Neujahrsempfang mit Vortrag zum Thema „Sprache“

6. Februar 2017
Der Festreddner Prof. Dr. med. Bernhard L. Bauer als Festredner auf dem Neujahrsempfang der Nienburger Loge

Der Festreddner Prof. Dr. med. Bernhard L. Bauer als Festredner auf dem Neujahrsempfang der Nienburger Loge „Georg zum Silbernen Einhorn“

Ende Januar konnte der amtierende Vorsitzende der Nienburger Freimaurerloge „Georg zum Silbernen Einhorn“, Dr. med. Wilhelm C.F. Cohrs, zahlreiche Gäste zum traditionellen Neujahrsempfang der Bruderschaft begrüßen.

Neben dem stellvertretenden Bürgermeister Wilhelm Schlemermeyer und dem stellvertretenden Landrat und Bundestagsabgeordneten Maik Beermann (CDU) hieß der Hausherr weitere Landtagsabgeordnete, Kommunalvertreter sowie Vertreter von Serviceclubs, Vereinen und Verbänden aus Stadt und Landkreis Nienburg, Gäste aus befreundeten Logen in Stadthagen, Hannover, Hoya, Celle und Einbeck und die Presse herzlich willkommen. Distriktmeister Rainer Koch repräsentierte die 31 Logen der Alten Freien und Angenommenen Maurer in Niedersachsen/ Sachsen-Anhalt.

Er ließ das vergangene Jahr aus Sicht der Nienburger Loge Revue passieren. Neben den regelmäßigen Treffen der Brüder wurden auch öffentliche Veranstaltungen durchgeführt. So kam man gerne dem Wunsch der Geschichtswerkstatt aus Achim nach, sich hier vor Ort über die Loge und den ersten Meister vom Stuhl im Jahr 1815, den aus Achim stammenden Amtmann Dr. Theodor Olbers zu informieren. Am Wettbewerb der Gymnasien haben sich 2016 vier Gymnasien mit herausragenden Facharbeiten beteiligt. Im derzeit laufenden Wettbewerb für 2017 sind alle fünf Gymnasien des Landkreises Nienburg vertreten. Die Prämierung soll im März stattfinden. Cohrs hob hervor, dass es eine Freude sei, so viele verschiedene Themen in den bemerkenswerten Arbeiten begutachten zu können. Die Loge sieht in der Art der Arbeiten ein gutes Zeichen, daß sich junge Menschen kritisch und sachlich, aber auch in gut verständlicher Sprache mit vielen Themen auseinandersetzen. Das mache Mut, positiv in die Zukunft zu sehen.

”Das Jahr 2017 hat für uns zwei besonders hervorzuhebende Höhepunkte”, so Dr. Cohrs, ”Zum einen 500 Jahre Luther mit der Reformation und der Begründung unserer gemeinsamen Sprache. Das ist für die Loge Anlass, die Sprache zum Leitthema dieses Jahres zu machen. In den freimaurerischen Ritualen ist erkennbar, welche Bedeutung Wort, Sprache und Form als Träger der Kommunikation und Möglichkeit der Wiedererkennung hat. Zum anderen jährt sich 2017 die Gründung der ersten Großloge in London zum 300. Mal. Weltweit wird dieses besondere Ereignis von den Freimaurern gewürdigt werden. Das Symbolhafte der Sprache der Freimaurerei weltweit erweitert das Thema Verständigung und Kommunikation im Geiste einer Weltbruderkette über Sprachbarrieren und über geistige Grenzen hinweg.“

Man könne sich dabei auch mit „Fremden“, uns nicht bekannten Menschen, auseinandersetzen. Das bedeute, die Menschen mit respektvoller Distanz zu betrachten, um sie ganz wahrnehmen zu können. Dadurch ergeben sich möglicherweise viele positive, neue Eindrücke und Erfahrungen. Cohrs betonte, dass diese tolerante Haltung aus den freimaurerischen Grundsätzen Toleranz, Brüderlichkeit und Humanität entstehe.

”Wenn jeder mit seinen Möglichkeiten seinen Anteil zur Gemeinschaft beiträgt”, so Cohrs, ”dann wird auch in Zukunft ein gutes Miteinander in unserer Gesellschaft zu gestalten sein. Freimaurer suchen das Gemeinsame und nicht das Trennende. Gehen wir an die Arbeit.”

Als Festredner wurde Professor Dr. med. Bernhard L. Bauer herzlich begrüßt. Er sprach zum Thema „Alltagsbeobachtungen zur Sprachentwicklung im 21. Jahrhundert“.

Prof. Dr. med. Bauer beschäftigte sich in seinem Vortrag aus verschiedenen Blickwinkeln damit, dass unser „Ich“ in der Auseinandersetzung mit unserer physischen Körperlichkeit und in der Kommunikation in einem pluralistischen Umfeld immer wieder neu zu hinterfragen und zu bestätigen ist. „Genau dazu ist Sprache unerlässlich“, so der Redner. „ Sprache ist vor und im Denken. Ja, Sprache ist selbst dann, wenn wir schweigen. In unseren Träumen, in all unserer Gestik und Mimik ist die Sprache; selbst die Musik „spricht“ zu uns“.

Weiter verwies er, mit Beispielen unterlegt, auf die vielfach unseren Alltag bereits bestimmenden Anglizismen, die zunehmend unsere Alltagssprache unterwandern und zuweilen skurril sind. So meint „Public Viewing“ im englischen u.a. die Aufbahrung einer Leiche. Beispiele aus der Jugendsprache beschäftigten sich mit ihrer Entstehung und ihrer Wandlung. So spricht man heute schon von der Handy-Daumen-Konversation, wo die Aneinanderreihung von Kürzeln und Smileys ganze Sätze und Worte ersetzen. „Wird dies die Sprache der Zukunft?“, stellte Prof. Bauer in den Raum und ging der Frage nach, ob es sich dabei um eine Sprache oder um einen Jargon handelt. „Nicht zuletzt über Facebook, Twitter & Co. verändert sich unsere Alltagssprache zunehmend, leider nicht immer zum Positiven, da oft eine Sprache verwendet wird, die nicht den Dialog sucht („Deutschland geht es schlecht“), sondern eine populistische Hasssprache ist.

Abschließend widmete sich Prof. Dr. Bauer dem Begriff des Humanismus, der, historisch gesehen und aus seiner Sicht, einen Ausdruck menschlicher Verhaltensweisen darstellt und einen Kausalzusammenhang mit politisch-philosophischen und religiösen Erscheinungen zeigt, in denen sich die psychischen, sozialen und ethisch- emotionalen Bedürfnisse der Menschen widerspiegeln. „1717, als die moderne Freimaurerei in England entstand, wurde ein erneuter Versuch unternommen, vor dem Hintergrund der Aufklärung den Begriff Humanität positiv durch menschlichere Verhaltensweisen zu interpretieren und zu belegen“, so Prof. Bauer. „Vor 300 Jahren wurden die Logen zu Übungsstätten eines humanitären Umgangs miteinander, wobei jetzt die Sprache eine wesentliche Rolle spielte aber nicht die Religion, die Rasse oder die Herkunft. Freimaurer fühlen sich bis heute dem Wort verpflichtet, was in ihren freimaurerischen Ritualen zum Ausdruck kommt. Die Ritualsprache der Freimaurerei, bietet ein kontemplatives Erlebnis und die beständige Wiederholung der Abläufe kann dabei positiv auf uns wirken.“

Ein anspruchsvoller und zugleich humorvoller Vortrag, der von den anwesenden Gästen mit viel Beifall bedacht wurde. Dr. med. Wilhelm Cohrs, überreichte dem Festredner eine Spende der Nienburger Loge von 500 Euro für die weitere Arbeit von ARCHEMED – Ärzte für Kinder in Not e.V. Prof. Dr. med. Bauer ist Mitglied der Loge „Zum hellleuchtenden Stern“ in Celle. Er ist seit 60 Jahren Arzt und Neurochirurg und u.a. als Entwicklungshelfer in Afrika für „ARCHEMED – Ärzte für Kinder in Not e.V.“ tätig. Als international anerkannter Hirnchirurg wurde er auf vielfältige Weise mit der Sprache konfrontiert. Prof. Dr. Bauer wurden viele Auszeichnungen und Ehrungen zuteil, u.a. wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Bei einem Büffet und angeregten Gesprächen blieben Gäste und Gastgeber noch für einige Stunden im Nienburger Logenhaus.

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