Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland
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Der englische Philosoph John Locke – er war kein Freimaurer –  schrieb Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhunderts eine Reihe von sogenannten Toleranzbriefen. Sein Grundgedanke der Toleranz bedeutete für ihn die Duldung jeder religiösen Ansicht und Gemeinschaft, und zwar unbeschränkte, gleichmäßige Duldung. Diese Gedankengänge der Duldung gelten als Grundlage der glaubens- und gesinnungsbezogenen Forderungen der Andersonsen „Alten Pflichten“.

Der Forscher August Wolfstieg, ein Vordenker unserer geliebten Freimaurerei, schrieb in seinem Werk „Die Philosophie der Freimaurerei“ Anfang des 20. Jahrhunderts: „Toleranz ist das Palladium“, also ein unantastbares Gut, „der Freimaurerei immer gewesen und muss es bleiben.“ Damit war sich Wolfstieg einig mit Friedrich III. der schon früher ausführte: „Zwei Grundsätze bezeichnen vor allem unser (freimaurerisches) Streben: Gewissensfreiheit und Duldung“.

Unsere heute noch in diesen Punkten weitgehend aktuellen Vordenker Eugen Lennhoff und Oskar Posner schließlich schreiben über unseren Bund: „Durch ihre Mission [der Toleranz] wirkt [die Freimaurerei] an der Vergeistigung und Befriedigung der sozialen Wechselbeziehungen in hervorranger Weise mit und ist in diesem Sinne berufen, ein wichtiger Kulturfaktor zu sein, wenn sie ihrer Sendung gerecht wird.“ Und nun kommts: „Die Loge hat daher keine wichtigere Aufgabe als die Erziehung zur Duldsamkeit.” So  als Duldsamkeit interpretiert finden wir die Toleranz bis heute im freimaurerischen Ritual, wenn sie dort als Bestandteil des „für den Tempelbau nötigen Mörtels“ angesehen wird.

Toleranz gleich Duldung ? Ist das nicht zu wenig ? Kann das Dulden allein für den Mörtel unseres Tempelbaus ausreichen?  Kann es vielleicht sogar sein, dass eine solchermaßen identifizierte Toleranz nicht unbedingt eine Tugend sein muss, wie der von Lessing gleichermaßen bewunderte wie gehasste Voltaire behauptete? Kann es somit stimmen, wenn Goethe in seiner Aphorismensammlung schreibt: „Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein.Sie muss zu Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.“

Dulden heißt beleidigen? — Das sehe ich auch so: Reines Dulden ist für mich nicht das Begegnen auf gleicher Ebene!

Beispiele: der Ruf nach mehr Toleranz gegenüber dem Ausländer, gegenüber dem Obdachlosen, gegenüber dem Fremdsprachigen, gegenüber dem Wartenden in der Schlange, gegenüber dem Kellner im Restaurant und so weiter und sofort  ist meines Erachtens ausgesprochen überheblich und arrogant. So habe ich mich jedenfalls oft selbst empfunden und empfinde mich bedauerlicherweise manchmal immer noch. Wer also erst jemand anderen „tolerieren“ muss, steht immer schon eine Stufe über ihm. Und das kann es doch für einen Freimaurer nicht sein. Es geht nicht um Menschen erster und zweiter Klasse. Es geht um Menschen.

Noch einmal: lexikalisch ist Toleranz Duldsamkeit und damit lediglich ein Geltenlassen und Gewährenlassen fremder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten. Das ist für einen in heutigem Sinne aufgeklärten Freimaurer zu wenig, wie ich meine. Die 300 Jahre alten  „Alten Pflichten“ scheinen mir in diesem Punkte fortzuschreiben sein, und ,wie ich  einflechten darf, nicht nur in diesem Punkte.
Die Toleranzedikte vergangener Zeit, wie wir sie bis in die Aufklärung hinein betrachten können, waren zu ihrer Zeit selbstverständlich in humanistischem Sinne enorm fortschrittlich, ganz ohne Zweifel. Sie werden also zurecht als Meilensteine der Menschheitsentwicklung gefeiert. So führte beispielsweise das Toleranzedikt des römischen Kaisers Gaius Galerius Valerius Maximianus kurz vor seinem Tod im Jahre 311 zur Beendigung der Christenverfolgung. Führte aber lediglich zu einer Duldung!

Auch das von Joachim Stephani 1612 lateinisierte „cuius regio, eius religio“, im Westfälischen Frieden von 1648 zur Bestätigung des Augsburger Religionsfriedens von 1555 festgelegt, wurde durch die preußischen Könige ebenfalls aufgegeben, zuletzt durch Friederich den Großen 1740 bekanntermaßen, aus welchen Gründen auch immer. Führte aber ebenfalls lediglich zu einer Duldung!

Ich denke, unsere humanitären Ansprüche von heute sollten von höherer Qualität sein. Ich möchte jetzt aus Artikel 1 der Erklärung der UNESCO über die Prinzipien der Toleranz vom 16.November 1995 wie folgt zitieren: „Toleranz bedeutet Respekt, Akzeptanz und Anerkennung der Kulturen unserer Welt, unserer Ausdruckformen und Gestaltungsweisen unseres Menschseins in all ihrem Reichtum und in ihrer Vielfalt“. Nun wird man auf den ersten Blick dieser klangvollen Interpretation von Toleranz wie selbstverständlich zustimmen wollen. Allerdings stimmt aus meiner Sicht bei dieser Interpretation die qualitative Reihenfolge nicht, will sagen,  stimmt die begriffliche Hierarchie nicht! Die Reihenfolge muss lauten: aus Toleranz erwächst Akzeptanz, aus Akzeptanz erwächst bestenfalls Respekt!

Toleranz bedeutet, daß ich Menschen mit all ihren Eigenschaften lediglich hinnehme, ohne sie deswegen z.B.  verbal oder körperlich anzugreifen.Damit bedeutet Toleranz anders gesagt, Menschen so zu ertragen, wie sie sind, ohne sie deswegen zu verletzen , egal in welcher Form. Bei der Toleranz bleibe ich also passiv.

Reicht das einem Freimaurer? Ich denke: Nein.

Akzeptanz hingegen bedeutet, dass ich einen Menschen so annehme wie er ist. Ihn annehme, wie gesagt. Wenn ich ihm seine möglicherweise ungewöhnlichen Eigenschaften nachsehe und diese für sich selbst als „in Ordnung“ festlege. Akzeptanz ist somit für mich die Grundvorausetzung dafür, dass echte Freundschaften, dass bestenfalls freimaurerische  Bruderliebe entstehen können. Bei einer solcherart beschriebenen Akzeptanz muss ich also in meinem Innern aktiv werden.

Nun gehe ich aber noch einen Schritt weiter beim Betrachten eines optimalen Umgangs miteinander: Die höchste Einstellung gegenüber anderen Menschen ist nach meiner Ansicht Respekt. Wobei ich frage, ob wir uns überhaupt darüber im Klaren sind, dass und wann wir es an einem solchen Respekt anderen gegenüber fehlen lassen. Ich jedenfalls frage mich  manchmal, ist Respekt nur etwas , das ich haben, aber nicht geben will? Begegnen sich in der Respektlosigkeit nicht Arroganz und Ignoranz? Zerstört diese Respektlosigkeit nicht jede Beziehung?

Noch einmal: Akzeptanz setzt Toleranz voraus. Respekt nun ist auf Toleranz und Akzeptanz aufgebaut und nicht so, wie die UNESCO die Reihenfolge wählte. Respekt ist für mich eine Haltung, die den anderen als Menschen achtet und seine Menschenwürde anerkennt. Egal, woher er kommt, wie er aussieht, ob oder zu welchem Gott er betet. Respekt heisst, Rücksicht auf den anderen nehmen, auf seine Bedürfnisse und seine Verletzlichkeit. Das ist mehr als Toleranz und Akzeptanz. Dass das nicht immer einfach ist, ist mir klar. Trotzdem: Respekt im wahren Wortsinn zollen zu können muss nach meiner Meinung deshalb immer wieder bei der persönlichen Arbeit am rauhen Stein in geduldiger, ja demütiger Haltung eingeübt werden. Respekt und nicht nur bloße Toleranz muss also das Endziel nicht nur allen freimaurerischen Tuns sein. Respekt gegenüber mir zuerst und sodann gegenüber dem Bruder. Respekt gegenüber dem Partner, gegenüber den Mitmenschen, gegenüber dem Gemeinwesen, der Natur.

Toleranz, Akzeptanz, Respekt. Das sollte die stufige Abfolge unseres Lernweges sein.

Der amerikanische Publizist Richard Sennet schreibt in seinem Werk „Respekt im Zeitalter der Ungleichheit“: „Es genügt nicht, in der Gesellschaft das Übel der Ungleichheit zu bekämpfen, um gegenseitigen Respekt zu wecken. Der Kern des Problems, vor dem wir in der Gesellschaft und insbesondere im Sozialstaat stehen, liegt in der Frage, wie der Starke jenen Menschen mit Respekt begegnen kann, die dazu verurteilt sind, schwach zu bleiben.“ — „Jenen Menschen mit Respekt begegnen, die dazu verurteilt sind,schwach zu bleiben“! Wenn wir uns in dieser Erkenntnis fortwährend strebend bemühen, werden wir durch eine solchermaßen winkelgerechte Lebensführung sowohl im Inneren unserer Bauhütte als auch in der profanen Welt als Freimaurer überzeugend bestehen können. Erst mit Respekt wird es gelingen, allem Lebendigen auf wirklich gleicher Ebene zu begegnen.

Unser Bruder K. R. schreibt in einem Essay, dass das „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ der katholischen Lehre besser, man beachte die Nuance, besser interpretiert heißen müsste „ Liebe deinen Mitmenschen, denn er ist wie Du.“ Perfekt erschiene mir – wenn ich das hier persönlich einflechten darf  – bezogen auf unseren Umgang miteinander der Mensch, der mich auf diese Weise respektierte, wie ich bin, ja der sogar stolz auf mich sein könnte, der glücklich oder zumindestens erfreut wäre, wenn er mich sieht.

Ach ja, Respekt hat wahrscheinlich – wenn ich recht überlege – sogar etwas mit Ehrfurcht zu tun. Doch das wäre einen weiteren Aufsatz wert.

Der 1990 verstorbene Schriftsteller und langjährige Mitarbeiter der F.A.Z., Hans Kasper, schreibt: „Die Humanität erreichte mehr, wenn sie statt die Gleichheit zu loben, zum Respekt vor dem Wunder der Vielfalt riete .“

Dem ist aus meiner Sicht nichts mehr hinzuzufügen.

Kommentare geben nicht zwingend die Ansichten der Redaktion, der Großloge oder gar der Bruderschaft wieder. Sie spiegeln Meinungsbilder einzelner Brüder, zeigen den Facettenreichtum unseres Bundes und sollen zur Diskussion anregen, weshalb diese Beiträge auch kommentiert werden können.

Über Peter Stumpe

Peter Stumpe, geb.am 30.August 1942, Loge “Prometheus” im Or.: von Bonn, Freimaurer seit 1976

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10 Antworten auf Toleranz — Vom Begegnen auf gleicher Ebene

  • Hallo lieber Peter, liebe Freimaurer und andere Leser,

    mit großem Interesse habe ich diesen Text gelesen. Muss

    jedoch gestehen, dass ich wenig überrascht ja sogar besorgt

    bin.
    Duldung und Toleranz, Begriffe die meines Erachtens so

    nicht einfach gleich gesetzt werden können und deren Bezug

    zu einander alles andere als einfach ist.

    Das ich etwas toleriere heißt längst nicht, dass ich es

    dulde. Dulden scheint mir im Freimaurerischen Sinne direkt

    auf die Gesellschaft bezug zu nehmen, die sich in meinem

    Umfeld befindet, wohin gegen die Toleranz sich eher auf die

    Welt bezieht.

    Somit ist die gesellschaftliche Verantwortung der

    Freimaurer und ihre Grenzen in den beiden Begriffen

    hinterlegt.

    Duldung bezieht sich auf das zulassen der nicht schädlichen

    Andersartigkeit in der eigenen Gesellschaft, wohin gegen

    Toleranz wertfrei das Akzeptieren der Andersartigkeit, ob

    schädlich für die Gesellschaft oder nicht, in anderen

    Gesellschaften beschreibt, sprich in anderen Ländern.

    Spätestens hier erkennt man wie ich finde wieso der Begriff

    Palladium gewählt wurde. Stark und fest glänzt es,

    zerbröselt es ist es hoch entzündlich. Dies spielt wohl

    darauf an, das mangelnde Toleranz bei den Freimaurern dazu

    führen könnte, dass sie die Welt entzünden.
    In der eigenen Gesellschaft jedoch sollte das Dulden dem

    Tolerieren dringend vorgezogen werden. Wie das Platin dem

    Palladium 😉
    Das meinten auch Lennhof und Posner mit der Duldung.

    Andersartigkeit, soweit nicht schädlich, ist eine

    Bereicherung für jede Gesellschaft, da aus der Vielfalt

    auch neue Ideen erwachsen, die selbst Freimaurer aufgrund

    ihrer Brüderlichkeit im Glauben vielleicht nicht mehr zu

    erdenken mögen.
    Als Mörtel für den Tempelbau fungieren somit Duldung im

    Inneren und Toleranz im Äußeren!
    Sie sind nicht etwa gleich zu setzen oder wie geschrieben

    „Dulsamkeit als Interpretation der Toleranz“ Ein grobes

    Missverständnis!

    Damit ist der folgende Absatz und die Ungereimtheit die zu

    Tage tritt auch verständlich. Toleranz ist nicht gleich

    Duldung!

    Goethe liegt hier leider auch volkommen falsch. Ein

    Gesellschaftszersetzer an dieser Stelle wie ich offen

    ausspreche. Der Linksextreme der frühen Zeit.

    Toleranz als vorübergehende Gesinnung funktioniert nur,

    wenn das Gegenüber sich weiter entwickelt oder ich selbst

    Tugenden und Entwicklung zurück nehme und selbst zu dem

    verkomme, was ich vorher gerade einmal Tolerieren konnte.

    Auch Goethe wirft hier hart Toleranz und Duldung

    durcheinander. Dulden heißt nicht beleidigen!
    Dulden ist aber auch kein begegnen auf gleicher Ebene,

    sonder ganz klar Akzeptans derer, die eine gewisse Stufe

    nicht erreicht haben, aber eben auch keine Gefahr für

    andere sind!

    Die Fähigkeit zu Dulden und zu Tolerieren entsteht daraus,

    sich seiner eigenen Werte und deren Wert bewusst zu sein.

    Eine überaus wichtige Eigenschaft des Freimaurers wie ich

    finde.

    Der Absatz Beispiele: hat mich, wie jetzt vielleicht schon

    verständlich geradezu schockiert:

    „Wer also erst jemand anderen „tolerieren“ muss, steht

    immer schon eine Stufe über ihm.“

    Ja das tut er!
    Hier ist die Notwendigkeit zur Toleranz ins eigene Volk

    gerutscht… Der Ausländer, der Obdachlose selbst der

    Kellner wird zum Parasiten…

    Eine ungeheuerliche Entfremdung vom Volk die einem

    Freimaurer, der seine Grundlage im Handwerk hat schwer zu

    denken geben sollte.
    Hier wird nicht nur der Mörtel Toleriert sondern gleich das

    ganze Fundament samt Erdgeschoss!

    Und aus dieser irrigen Ansicht rückzuschließen darauf

    Toleranz reiche nicht aus zersetzt dann gleich in

    Haarsträubender Überheblichkeit Freimaurerische Grundlagen

    wie das Toleranzedikt des römischen Kaisers Gaius Galerius

    Valerius Maximianus und andere.

    Es Bedarf eines dringenden Diskurses wie mir scheint sonst führt die momentane Verwirrung zu einer Zersetzung der Werte in eigenen Reihen.

    Es folgt:
    „Toleranz bedeutet, daß ich Menschen mit all ihren

    Eigenschaften lediglich hinnehme, ohne sie deswegen z.B.

    verbal oder körperlich anzugreifen.Damit bedeutet Toleranz

    anders gesagt, Menschen so zu ertragen, wie sie sind, ohne

    sie deswegen zu verletzen , egal in welcher Form. Bei der

    Toleranz bleibe ich also passiv.“

    Absolut richtig! Wie gesagt, Toleranz bezieht sich auf das

    Ausland! Daher sollte das dem Freimaurer reichen!

    Der folgende innere Monolog über Akzeptans und Respekt ist

    nur schwer für mich zu ertragen, da er die Zerissenheit des

    Schreibers nur allzu deutlich wiederspiegelt.

    Liebe Freimaurer… bitte sucht das Gespräch mit mir…
    Ich flehe euch geradezu an!

    In tiefer Verbundenheit

    Euer Dennis Johannes a.d.H Hendricks

    • Lieber Dennis Johannes a.d.H.Hendricks,
      starker Tobak den Sie da in Ihrem Kommentar verbreiten, an einigen Stellen
      einigermaßen unverständlich.Ich kann und möchte als der von Ihnen als „zerrissen“
      bezeichnete Autor des zugrundeliegenden Essays nicht auf Einzelheiten Ihrer , wie ich finde
      ungerechten Kritikpunkte eingehen; etwa ob unser freimaurerischer Bruder Goethe ein
      „Gesellschaftszersetzer“ ,gar ein „Linksextremer der frühen Zeit“ war oder ob sich „Toleranz (nur) auf das Ausland “ beziehen kann wie Sie behaupten.
      Aber ich gebe vielleicht zum besseren Verständnis folgende lexikalischen Hinweise, auf denen meine Ausarbeitung beruht:
      tolerare:
      erdulden,ertragen; adj.nachsichtig;
      accipere:
      gutheißen,billigen im Gegensatz zur passiven Toleranz;
      respectus:
      Wertschätzung,Aufmerksamkeit,Ehrerbietung,Steigerung : Ehrfurcht,
      theol.: „der Mensch muss die eigene Würde der Geschöpfe und
      ihrer Rhythmen respektieren“.
      Jeder mache sich hiermit selbst ein Bild und ziehe -wie ich es für mich versucht habe –
      die für sein freimaurerisches Wirken nötigen Schlüsse in Bezug auf ein nötiges
      Begegnen aller Wesen dieser Welt auf einer Ebene.
      Mit freundlichem Gruß
      Peter Stumpe
      NS:ich möchte nicht hoffen, lieber D.J.a.d.H.Hendricks, dass Ihre engagierte Internetarbeit
      unter http://www.schoepferbund.de ähnlich unnachsichtig angelegt ist.

      • Lieber Peter Stumpe,

        als unnachsichtig empfinde ich meine Kritikpunkte in keinem Fall. Immerhin bitte ich um Dialog und habe mir die Zeit genommen ausführlich meine Sicht der Dinge dar zu legen. Auch denke ich, dass man sich in solch hohen, intellektuellen Kreisen, in den sich die Freimaurerei zweifelsohne bewegt nach einem solchen Text nicht mit Samthandschuhen begegnen muss oder sollte. Sie müssen verzeihen, ihre Ausführung über die Notwendigkeit zur Duldung oder gar Toleranz in normalsten Lebenslagen wie etwa einer Warteschlange hat mich zutiefst schockiert. Lässt es doch darauf schließen, dass Menschen mit Macht, die sich weniger als Sie in Freimaurerischen Tugenden üben, geneigt sein können diese zu duldenden Anderen einfach aus ihrem Blickfeld zu wischen.
        Toleranz bedeutet für mich in einem Land wie Afghanistan die Menschen selbst über Sharia Ja oder Nein entscheiden zu lassen. Dulden bedeutet im eigenen Land den Nachbarn Gift spritzen zu lassen ohne sich auf zu regen, obwohl ich selbst ein Naturliebhaber bin!
        Es erwächst jedoch keine Anerkennung, wie Goehte meint,
        da Anerkennung per definition Lob und Respekt vereint.

        Zerissenheit spiegelt sich in Ihrem Text an der Stelle wieder, wo Sie ob Ihrer inneren Intoleranz Zweifel an den eigenen Qualitäten hegen. Siehe das Beispiel Warteschlange oder gar der Kellner. Sie scheinen zu merken, dass Ihre Gefühle eigentlich fehl am Platze sind. Dies sollte jedoch nicht dazu führen die Jahrunderte alte Begriffsbestimmung der Toleranz oder Duldung in Frage zu stellen. Eher sollte daraus eine kritische Selbstreflektion und Neusortierung der eigenen inneren Werte erwachsen. Schließlich ist innere Weiterentwicklung das höchste Gut der Freimaurerei.

        Liebe Grüße

        Dennis Johannes a.d.H. Hendricks

      • Ein Nachtrag:

        das Nachsehen ; verzeihendes Verständnis für die Unvollkommenheiten, Schwächen von jemandem, einer Sache

        Wie kann ich mein Gegenüber auf Augenhöhe sehen und gleichzeitig nachsichtig sein?
        Das würde bedeuten keinerlei Mass anzulegen, welches letztlich meine Augenhöhe definiert.
        Somit würde alles „geliked“ wie bei Facebook und jeder könnte sich benehmen wie die Axt im Walde ohne Kritik zu verdienen. Schmeißt jemand der sich auf meiner Augenhöhe sieht neben mir seinen Müll auf die Straße fühlt er wie unnachsichtig ich sein kann… er erfährt andere Kriztik als ein Kind! Ein Kind hingegen, bekäme eine sanfte und liebevolle Erklärung. Kind = niedrigere Augenhöhe!

        Nachsehen = geduld (von Dulden?) = beleidigen?
        Beleidige ich jemanden auf Augenhöhe wenn ich ihm etwas nachsehe?

        LG

        Dennis

  • Schöner Artikel. Mir fehlt allerdings eine Ausarbeitung der Grenzen der Toleranz. Toleranz endet für mich an der Stelle, wo sie die offene Gesellschaft bedroht. Das gilt im Bund wie im Alltag. Egal ob „besorgte Bürger“ Asylsuchende als Ungeziefer bezeichnen und brandschatzend und gröhlend durch die Lande ziehen, ob sich „Links“ nennende Chaoten Innenstädte verwüsten oder ob Anhänger einer fundamentalistischen Auslegung von Religion ihr Verständnis der Gesellschaft aufzwingen wollen. Da darf es aus meiner Sicht keinen Millimeter Raum geben. Nicht in der Welt des Alltags und erst recht nicht im Bund.

  • Allgemein verstehe ich unter dem Begriff der Toleranz den Unterschied von komplexen Handlungen und Anschauungen, die nicht meinem Denken und Tun entsprechen, aber geduldet werden, wenn daraus weder dem Einzelnen noch der Gesellschaft objektiv Schaden entstehen kann oder entsteht. Das beziehe ich unter Berücksichtigung der akuten politischen Lage in Europa direkt auf die Europäische Union. Natürlich bedeutet dies die Duldung anderer Religionen, Konfessionen neben der staatstragenden Weltanschauung. An dieser Stelle möchte ich den Toleranzgedanken in Lessings berühmter Ringparabel anführen.In Nathan der Weise erkenne ich den humanistischen „Traum“: Es mögen Christen, jüdische Religion und Islam gleichberechtigt existieren und gemeinsam füreinander zum Wohle der Menschheit alles Tun und Trennendes unterlassen.
    (Frieden auf Erden = ein Traum, an den ich glaube)

  • Auch Toleranz, oder Duldung, hat ihre Grenzen wenn es deutlich an Respekt fehlt. Wer alles durchgehen lässt, was mangelnden Respekt erkennen lässt, erzieht ein unartiges Kind. Das ist falschverstandene Toleranz. Mangelnden Respekt kann man unter anderem auch daran erkennen, wenn das gegebene Wort und die damit übernommenen Pflichten nicht eingelöst werden. Das ist dann in den Logen gut zu erkennen, wenn sich Egomanen und Narzissten, toleriert durch die Brüder, „brüderlich“ austoben können.

    • Bestimmt haben Sie Recht mit Ihren Worten, dass man auch Grenzen setzen muss, wo sich, wie Sie schreiben, „brüderlich ausgetobt wird“. Das Problem scheint mir das eigene Paradigma zu sein. Wer beurteilt ab wann ein anderer Egoman oder Narzistisch ist? Die Gemeinschaft der Brüder? Also die Loge? Auch hier gibt es unterschiedliche Strömungen. Ich glaube, dass hier am geeignesten die Gesetzmäßigkeit von Aktion und Reaktion greift. Und das bei aller gebotenen Toleranz, Akzeptanz und Respekt.

  • Zitat
    Und nun kommts: „Die Loge hat daher keine wichtigere Aufgabe als die Erziehung zur Duldsamkeit.”
    Zitatende
    Da ich diese Auffassung nicht teile, sind alle daraus gezogenen Schlussfolgerungen für mich obsolet.
    Es geschehe also

    • Für mich ist es einfach: Toleranz übe ich gegenüber allem, was mein Rechtsempfinden und mich nicht schädigt. Schaue ich meine kurzen 16 Freimaurerjahre zurück, so ist die Toleranz ständig gewachsen, hat sich geändert und hat sich verfeinert- so meine ich. Und das ‚meine ich‘ ist das Wesentliche. Gern lese ich, was ‚berühmte‘ Freimaurer von sich gegeben haben, kommentieren mag ich diese unsere alten ehemaligen Brüder jedoch immer weniger gern. Provokativ: Was schert mich der Stein eines Bruders, der schon 100 Jahre tot ist, nur weil dieser berühmt gemacht wurde. Viel lieber hätte ich gehört, was ein aktiv arbeitender Br zu sagen hat. Jeder darf so leben, wie er möchte solange er niemanden schädigt. Und hier wieder der Kerngedanke: Wie weit ist mein Stein behauen, wie weit bin ich mit meiner mir eigenen Tolernazschwelle. Welche Dinge maße ich mir an, nicht zu tolereieren und welche toleriere ich, ohne dem Unrecht zu wehren? Schrecklich ist die Vorstellung, alles dulden zu müssen. Dazu bedarf es keiner Erziehung.

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