200. Todestag des Theatermannes und Freimaurerreformers Friedrich Ludwig Schröder

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Friedrich Ludwig Schröder

Friedrich Ludwig Schröder

Besonders in Hamburg wird er als großer Theatermann gefeiert – das Hamburger Abendblatt widmete ihm unlängst einen großen Artikel –, aber die Freimaurer in Deutschland ehren ihn überdies als großen Humanisten und Reformer der Freimaurerei: Friedrich Ludwig Schröder, der am 3. September vor 200 Jahren starb.

Friedrich Ludwig Schröder wurde 1744 in Schwerin geboren. Die Mutter Schauspielerin, der früh verstorbene Vater Organist, der Stiefvater ebenfalls Schauspieler, der seinerzeit sehr bekannte Konrad Ernst Ackermann. Damit war die Laufbahn des jungen Schröder vorgezeichnet: Bereits mit fünf Jahren spielte er in der tingelnden Truppe kleine Rollen, erhielt Schauspiel- und Tanzunterricht. Mit zwölf Jahren soll er bereits Shakespeare auf Englisch gelesen haben. Und auch mit der Freimaurerei dürfte er, bewusst oder unbewusst, früh in Berührung gekommen sein: Sein Stiefvater Ackermann war Mitglied der Königsberger Loge “Zum Todtenkopf”.

Früh übernahm Schröder Verantwortung, zunächst zusammen mit seiner Mutter für die Theatertruppe seines Stiefvaters, feierte Erfolge mit den damals zeitgenössischen Autoren Goethe und Lessing und sorgt u.a. mit der Erstaufführung des “Hamlet” in Hamburg für einen großen Bekanngheitsgrad der Shakespeare-Stücke. Nach vielen großen Erfolgen auf verschiedenen Theaterbühnen und als Prinzipal zieht er sich 1788 aus dem Theaterleben auf sein Landgut in Rellingen zurück, um dort verstärkt der Arbeit an freimaurerischen Ritualen zu widmen.

Bereits in seiner Kindheit erlebte er Ausgrenzung und Armut als Mitglied des ungeachteten und würdelosen Standes der Schauspieler und fahrenden Komödianten. “Wenn Hunger und Elend Menschen bilden können, so muss ich vollkommen geworden sein”, schrieb Schröder später. Seine gute Ausbildung, seine Vorbilder, verbunden mit frühen ethischen Grundsätzen und der notwendigen Schaffenskraft ließen ihn Karriere machen und tiefe Spuren in der Theaterwelt, der Gesellschaft und der Freimaurerei hinterlassen. Insbesondere die Ausbeutung und Missachtung seines Berufsstandes muss ihn geprägt haben. Als einer der ersten achtete er Urheberrechte, zahlte Autoren Honorare, gründete eine Unterstützungskasse für Schauspieler und eröffnete das erste Hamburger Krankenhaus für arme Dienstboten, das heute noch als “Elisen Alten- und Pflegestift der Freimaurer von 1795 e.V.” besteht. “Meine gegenwärtige Lage ist äußerst glücklich. Ich bin sehr gesund, wohne zum Beneiden gug, bin geschätzt und geliebt und besuche die ersten Gesellschaften. Auch kann ich Gutes tun und tue es redlich.” Schröder hatte es geschafft und war zufrieden.

1774 wurde Schröder auf Vorschlag Bodes durch Aufnahme in die Hamburger Loge “Emanuel zur Maienblume” in den Freimaurerbund aufgenommen. Auch hier wurde er umgehend aktiv, indem er noch im gleichen Jahr eine Privatloge gründete, in die vornehmlich Schauspieler aufgenommen wurden. 1787 wurde Schröder Meister vom Stuhl der Loge “Emanuel zur Maienblume” und legt zwei Jahre später Reform- und Logengesetze vor, die erste sichtbare Spuren einer Rückkehr zu den Wurzeln der Freimaurerei erkennen lassen. Aber er erkannte, dass die Freimaurerei grundlegend reformiert werden musste.

Da die Wahrheit einfach ist, muss auch das Symbol einfach sein.

Friedrich Ludwig Schröder

Alles Überflüssige, das in den ersten Jahrzehnten des dramatischen Wachstums der Freimaurerei den Blick auf das Wesentliche versperrte, sollte weichen. Die Hochgrade sollten weichen, es sollte weder Ritterspiele noch Ordensstrukturen geben, die Rückkehr zu den drei Graden sollte erfolgen, die Maurerei sollte nicht auf Legenden basieren, keine angeblichen Geheimnisse enthalten, keine Kabbala, keine Mystik, kein Okkultismus, keine schwärmerische Gaukelei, keine Alchemie, weder religiöse Bekenntnisse noch ein Drängen auf den christlichen Weg. Kurz: er wollte zurück zu den Wurzeln.

Das war nicht so einfach, denn er sah sich nicht nur der großen Gruppe derer gegenüber, die den bisherigen Stand erhalten wollten, sondern im in der gesamten Freimaurerei schwelenden Richtungsstreit auch den radikalen Erneuerern, welche die Freimaurerei auch von Riten und Symbolen befreien wollte. Schröder kommt das große Verdienst zu, die freimaurerischen Rituale und damit die gesamte Freimaurerei vom überbordenden Ballast befreit und auf das Wesentliche reduziert zu haben, sondern diese Wesentliche auch gegen radikale Reformen verteidigt und gesichert zu haben. Er musste zum Forscher werden und vielbändige Untersuchungen vorlegen, um seine Vorstellungen überzeugend darlegen zu können. “In umfangreicher Arbeit […] bahnte er zunächst für die Hamburger Logen den Weg zur ursprünglichen Auffassung zurück, merzte er alles aus, was im Laufe der Zeit auf der in aller Schönheit und Tiefe so einfachen Symbolik an überflüssigem Beiwerk aufgepfopft worden war, setzte das englische Konstitutionsbuch mit seiner Verneinung jeder religiösen kirchlichen Beschränkung wieder in seine Rechte ein, nicht ohne […] Goethe, seinen Freund Hufeland und andere, vor allem aber den ihn eifrig beratenden Herder mit den wesentlichen Zügen des Reinigungswerkes vertraut zu machen.” (Internationales Freimaurerlexikon).

Auch wenn von den annähernd 500 deutschen Logen nur etwa 30 nach den Ritualen Schröders bis heute arbeiten, so ist der Einfluss doch erheblich. Das Ritual der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland ist wesentlich von der Klarheit der Schröderschen Gedanken beeinflusst und macht wesentliche Anleihen, aber auch andere noch gebräuchliche Rituale sind von Schröders Gedanken inspiriert.

Herder urteilte über Schröder und seine Ritualreformation: “Oh! Mit wie schöner Art können wir uns, dem Ritual treubleibend von allen metaphysisch-allegorischen Deuteleien entfernt halten und doch den Hebel gerade an das Höchste der Menschheit anlegen. Wie viel mögen Sie seitdem gedacht, geordnet und gewirkt haben! Glücklicher Mann, in Ihrer Ruhe und bei der ernsten Tätigkeit Ihres Charakters. Zirkel, Bleimaß und Waage sind in Ihrer Seele!”

Der Großmeister zum 200. Todestag von Friedrich Ludwig Schröder

Am 3. September 2016 jährte sich der Todestag des großen freimaurerischen Reformators, des Schauspielers, Theaterdirektors und Dramatikers Friedrich Ludwig Schröder. Der Reformer Schröder begründete ein eigenes Ritualwerk, die sogenannte “Schrödersche Lehrart”, die noch heute von vielen Logen, auch international, gepflegt wird. Unter dem Dach der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland arbeiten derzeit 274 Logen, 30 davon nach Schröder. Schröder gestaltete die humanitäre Freimaurerei in ihrer jetzigen Ausprägung maßgeblich mit.

Obwohl sich in den letzten 200 Jahren tiefgreifende gesellschaftliche Änderungen vollzogen haben und mit ihnen auch unsere Logen und unsere Bruderschaft Änderungen herbeiführten, so sind die grundsätze, zu denen sich die Freimaurer bekennen, stets die gleichen geblieben: Die Forderung nach geistiger Freiheit und Menschlichkeit, der Gedanke der Bruderkette, der Lichtsuche und der Versöhnung aller Menschen untereinander durch Arbeit am eigenen Ich und damit an der Menschheit, dem Streben nach Vernunft.

Hierzu schreibt Schröder: “Nach diesem Gesetze (dem Vernunftsgesetz) sind wir Menschen, – weiter nichts. Wir suchen, was alle Menschen suchen sollen, – weiter nichts. Wir kennen keine andre Würde, als die der Mensch sich selbst gibt und keinen anderen Reichtum als unsere Rechtschaffenheit. Alles was wir sonst sind, und suchen, und wissen, und glauben, und haben, das lassen wir vor der Türe unserer Versammlung und nehmen davon beim Ausgange wieder, was wir noch brauchen können und brauchen müssen.”

Für die Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland gratuliere ich zu diesem bedeutenden Jubiläum. Für die Logen erhoffe ich, dass sie weiter so wirken mögen, damit viele Menschen in ihrem Umkreis den “wohltätigen Einfluss der Maurerei erkennen mögen”. Sie sollen weiterhin wachsen, blühen und gedeihen, segensreich wirken sowie Freude bereiten.