Als ich König war und Maurer

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Johann Wolfgang von Goethe und Rudyard Kipling, gemalt vom Österreicher Oskar Stocker: zwei von neunzig Dichtern, die der Wiener Kulturjournalist Heinz Sichrovsky in einem erstaunlichen 600-Seiten-Buch versammelt hat. Was die Neunzig verbindet? Alle waren Freimaurer!

Johann Wolfgang von Goethe und Rudyard Kipling, gemalt vom Österreicher Oskar Stocker: zwei von neunzig Dichtern, die der Wiener Kulturjournalist Heinz Sichrovsky in einem erstaunlichen 600-Seiten-Buch versammelt hat. Was die Neunzig verbindet? Alle waren Freimaurer!

Heinz Sichrovsky stellt in seinem Buch “Als ich König war und Freimaurer” eine erstaunliche Sammlung von Freimaurerdichtung aus vier Jahrhunderten vor; eine Anthologie mit 90 Portraits des Künstlers Oskar Stocker.

Den Buchtitel entlehnte Sichrovsky dem Gedicht „Der Palast“ von Kipling. Gemeinsam mit Goethe und Mathias Claudius hat er sensationelle Freimaurer-Lyrik geschrieben. Viele weitere große Namen und deren Werke werden im Buch verewigt: etwa Lessing, Heine, Puschkin oder Tucholsky; aber auch weniger geläufige Namen wie Blumauer, Schönwiese oder unser Zeitgenosse Gerd Scherm. Insgesamt sind es 124 Texte von 90 Dichtern aus 21 Ländern und vier Jahrhunderten; überwiegend Lyrik.

Der einzige Nicht-Freimaurer ist Friedrich Schiller, schrieb er doch die berühmte ‚Ode an die Freude’ („Alle Menschen werden Brüder“) im Auftrag eines Freimaurers für eine Leipziger Loge; die Beethoven-Melodie ist heute die Europahymne.

Heinz Sichrovsky (Hg.):

Heinz Sichrovsky (Hg.): “Als ich König war und Maurer”

Sichrovsky bei der Buchvorstellung im Wiener Mozarthaus: „Der Freimaurerbund ist im schönen Wortsinn ein Kunst-Produkt. Seine Gründer waren Architekten und Steinbildhauer aus dem englischen und französischen Mittelalter; der Gesang begleitete früh seine Rituale; und seine Stiftermythen beruhen auf großer Literatur. … Tausende literarische Amateure dichteten für den Logengebrauch. Schon aus dem 18. Jahrhundert sind 15.000 Logenlieder überliefert. Aber die Resultate, meist pädagogisch-moralische Appelle oder Trinklieder für das Brudermahl nach der Tempelarbeit, gelangten nur in Glücksfällen über den Status der Gebrauchsliteratur hinaus.“

Zehn Jahre lang hat Sichrovsky diese Glücksfälle gesammelt: freimaurerische Lyrik, aber auch Prosa – diese Werke machen mehr als vier Fünftel des Buches aus; und auf den letzten hundert Seiten freimaurerische Konnotationen in nicht-freimaurerischen Texten. Dazu Sichrovsky: „Die Freimaurerei war immer ein Abbild des Lebens, im Guten wie im weniger oder gar nicht Guten. Deshalb hat das Buch einen Anhang mit nicht-maurerischer Lyrik von Freimaurern zur Weltpolitik. Hier krachen alle Gegensätze der Jahrhunderte aufeinander.“ Schon damals Gegensätze von links und rechts, könnte man heute ergänzen.

Durch das Buch zu blättern ist ein doppelter Kunstgenuss: wegen der Texte UND wegen der Dichterporträts, für jeden der Neunzig eines von Oskar Stocker.

Erschienen im StudienVerlag, Innsbruch, ISBN 978-3-7065-5583-8, 608 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, 29,80 €