Bewährt euch als Freimaurer — geht wählen!

(Bild: fotolia / fotomek)

In seinem Kommentar weist der Autor auf die besondere Situation dieser Bundestagswahl hin und ruft alle Freimaurer auf, zur Wahl zu gehen. Und damit nicht genug, sich auch nach der Wahl politisch und gesellschaftlich zu engagieren.

Schon Helmut Schmidt hat uns mehrfach hinter die Ohren geschrieben, dass wir aus dem Schatten unserer Verborgenheit heraustreten sollen. “Tun Sie Gutes und reden Sie darüber”, hat er den Logen geradezu zugerufen, einmal etwa im Jahr 2000, das, wie man heute sagen würde, ins Internet “geleakte”, Video hat maßgeblich zu meinem Entschluss beigetragen, Freimaurer zu werden. Das andere Mal 2015 bei der Verleihung der Stresemann-Medaille an den Altkanzler. Und auch Prof. Rolf Wernstedt schrieb uns beim kürzlichen Empfang der Vereinigten Großlogen ins Stammbuch: “Wenn die Freimaurerei frei von allen religiösen, ideologischen oder parteilichen Vereinnahmungen sein will, muss sie strittige Themen der Gesellschaft (wozu auch die Politik gehört), aufgreifen und im Geiste der Aufklärung und Toleranz bearbeiten.”

Die Forderungen nehmen auch in der Bruderschaft vernehmbar zu, dass sich unsere Großloge zu politischen und gesellschaftlichen Fragen äußern soll. Das ist für eine Großloge und deren Vertreter nicht so einfach, weil Logen keine Vereinigungen mit einem eindeutigen politischen Bekenntnis sind. Einig sind sie sich lediglich in ihren fünf Zielen: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität. Ansonsten sind die Logen ein Sammelbecken von individuellen Meinungen des gesamten politischen, gesellschaftlichen und religiösen Spektrums. Schwierig, hier für alle zu sprechen. Aber schauen wir mal.

Am kommenden Sonntag ist Bundestagswahl, und diese Wahl stellt eine Zäsur dar. Zum ersten Mal in der Geschichte dieses Landes sind nicht nur die Errungenschaften der Freimaurerei und ihre bereits genannten Ziele gefährdet, sondern auch die Freimaurerei selbst wird sich heftiger Kritik ausgesetzt sehen. Es leben noch Brüder, die Erfahrung darin haben und unsere eigenen Geschichtsbücher und Chroniken sind voll davon. Sie erzählen aber auch davon, wie es dazu kommen konnte und sie erzählen, leider, auch davon, dass Freimaurer selbst daran mitgewirkt haben. Die Parallelen sind erschreckend.

Es wird angesichts dieses Kommentares Freimaurer geben, die erbost auf unser angebliches Gebot hinweisen, dass Gespräche über Religion und Politik verboten seien. Sie werden sich daran gewöhnen müssen, dass es spätestens nach dieser Wahl mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr ohne politische und gesellschaftliche Diskurse in den Logen gehen wird und die einlullende Gemütlichkeit der Logenabende der Vergangenheit angehört. Im Übrigen weise ich darauf hin, dass es das angesprochene Diskussionsverbot gar nicht gibt. Verboten sind nur Streitgespräche, und darum üben wir in unseren Logen, meistens erfolgreich, eine besondere Gesprächskultur.

Den Wahlforschern zufolge sind noch mehr als ein Drittel der Wähler unentschlossen. Es lohnt sich also, um jede Stimme zu kämpfen. Ich setze mich allerdings nicht für eine Partei ein, auch wenn ich in einer von ihnen Mitglied bin, sondern ich setze mich dafür ein, dass Sie am Sonntag grundsätzlich wählen gehen. Betreiben Sie mit Ihrer Stimme Schadensbegrenzung; eine hohe Wahlbeteiligung ist ein Zeichen gelebter Demokratie und Teilnahme.

Sie werden im Internet reichlich Gründe finden für eine Wahl, ich will sie nicht wiederholen. Nur einen: Jede Stimme zählt, die Summe macht es. Jede einzelne Stimme kann helfen, das oben beschriebene Szenario zumindest kleiner zu machen. Jede einzelne Stimme ist ein Zeichen für Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität, jede unterlassene Stimme ein Zeichen dagegen.

Sie wissen nicht, wen oder was Sie wählen sollen? Egal, die Hauptsache ist die demokratische Grundüberzeugung. Wenn Sie es dann doch genauer möchten, empfehle ich Ihnen den oft geschmähten Wahl-O-Mat, den man durchaus bewusst nutzen kann. Machen Sie erst einmal einen Schnelldurchgang basierend auf den Kurzantworten. Danach wählen Sie acht der sie interessierenden Parteien aus und lesen alle Stellungnahmen zu den 38 Einzelthemen. Keine Angst, das ist überschaubar, aber aufschlussreich. Denn Sie werden finden, dass manches Argument ganz vernünftig klingt, Sie werden besser informiert sein und Sie werden erstaunt feststellen, dass die lautesten Parteien zu erstaunlich vielen Fragen nicht einmal eine Antwort haben. Mit diesem Wissen gerüstet starten Sie den Wahl-O-Mat noch einmal,  und Sie werden danach nicht mehr ganz falsch liegen.

Nach der Wahl kann es für die Logen — und im Übrigen für alle Zusammenschlüsse und Einzelpersonen mit ähnlichen weltoffenen Zielsetzungen — deutlich ungemütlicher werden. Verschwörungstheorien, Verleumdungen, Diffamierungen, Drohungen, Angriffe werden lauter werden. Man fühlt sich von den Wählern bestätigt, man fühlt sich stark und man fühlt sich im Recht.

Deshalb wird es nach den Wahlen auch in den Logen turbulenter zugehen. Ich empfehle nicht nur Logenbrüdern, sich nach den Wahlen als Einzelpersonen politisch zu engagieren und den Logen, das gleiche gesellschaftlich zu tun. Nur nicht den Kopf einziehen! Wer den Kopf in den Sand steckt, hat schon damit begonnen, sich selbst zu begraben. Wir Freimaurer sollten, nein: wir müssen! tun, was wir gebetsmühlenartig am Schluss jeder rituellen Zusammenkunft hören: Wir gehen hinaus in die Welt und bewähren uns als Freimaurer. Wir kehren niemals der Not und dem Elend den Rücken. Und wenn alles gut geht, erinnern wir uns auch an einen anderen Text, und gehen unseren Weg unbeirrt vom Lärm der Welt, ruhig und sicher in Gefahren, hohe Ziele vor Augen. Es ist weniger bequem, diese Forderung umzusetzen als sie zu hören.

Reden wir nicht nur darüber. Gehen wir wählen, das wäre schon mal ein guter Anfang.

Bei Kommentaren handelt es sich um Meinungsäußerungen der Autoren. Sie spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion, der Großloge oder der gesamten Bruderschaft wider.

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Kulturpreis der Freimaurer an Uwe Tellkamp

Großmeister Prof. Dr. Stephan Roth-Kleyer mit dem Preisträger Uwe Tellkamp

Großmeister Prof. Dr. Stephan Roth-Kleyer mit dem Preisträger Uwe Tellkamp

Am 25. Mai 2017 verlieht die Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland den Kulturpreis Deutscher Freimaurer im Dresdner Landhaus (Stadtmuseum) an den Schriftsteller Uwe Tellkamp.

Der Preis wird seit 1980 in unregelmäßigen Abständen an Personen vergeben, die besondere kulturelle Leistungen oder Engagement erbracht und dabei humanitäre Werte im Blick haben. Frühere Preisträger waren unter anderem Johannes Mario Simmel, Yehudi Menuhin, Lew Kopelew, Otmar Alt, Hans Küng und zuletzt im Jahre 2012 Kurt Masur.

1968 in Dresden geboren, wuchs Uwe Tellkamp als Sohn eines Arztes im Dresdner Villenviertel „Weißer Hirsch“ auf, wo er seit 2009 mit seiner Familie wieder beheimatet ist. Nach dem Abitur musste er einen dreijährigen Dienst bei der NVA antreten, um in der DDR Medizin studieren zu dürfen. Obwohl er bereits vor dem Oktober 1989 wegen „politischer Diversantentätigkeit“ unangenehm auffiel, weil er Texte von Wolf Biermann und anderen nicht geduldeten Autoren bei sich trug, blieb er bis Oktober 1989 Unteroffizier bei der DDR-Armee. Nach einer kurzen Inhaftierung folgten Tätigkeiten als Hilfsarbeiter im Braunkohletagebau und der Industrie. 1990 begann er eine Arbeit als Hilfspfleger auf der Intensivstation eines Dresdner Krankenhauses.

Sein Studium der Medizin absolvierte Tellkamp schließlich nach dem Ende der DDR an der Universität Leipzig, in New York und Dresden, gab den Arztberuf, den er bis 2004 an einer unfallchirurgischen Klinik in München ausübte, im Jahre 2004 aber zugunsten seiner Schriftstellerkarriere auf.

Tellkamp veröffentliche ab Ende der 80er Jahre zahlreiche Beiträge in Zeitschriften und Anthologien. Sein erster Roman „Der Hecht, die Träume und das Portugiesische Café“ erschien im Jahre 2000. Vier Jahre später gewann er mit „Der Schlaf in den Uhren“ den renommierten IngeborgBachmann-Preis. Im Herbst 2008 erschien schließlich sein Roman „Der Turm — Geschichte aus einem versunkenen Land“, in dem er die Zeit zwischen 1982 und 1989 aufarbeitete. Für dieses monumental zu nennende Werk erhielt Tellkamp den Deutschen Buchpreis sowie 2009 den Deutschen Nationalpreis. Eine Bühnenfassung seines „Turms“ wurde 2010 in Dresden uraufgeführt, und die ARD verfilmte den Stoff in zwei Teilen.

Seine Arbeit charakterisierte der Schriftsteller einmal in einem Interview mit dem Versuch, Heimat wiederzugewinnen. Er sehe sich als eine Art Dombaumeister, der durchaus pathetisch sein dürfe, wenn er die grundlegenden menschlichen Empfindungen wiedergeben könne. Kritikern gilt Tellkamp einerseits als Sprachvirtuose, der die literarischen Formen perfekt beherrscht, andererseits aber auch als höchst politischer Autor, der aufgrund seiner persönlichen Geschichte den Schriftstellern im ehemaligen Ostblock geistig näher ist als seinen deutschsprachigen Kollegen im Westen.

Jürgen Kaube hielt eine gleichermaßen unterhaltsame, einfühlsame und intelligente Laudatio

Jürgen Kaube hielt eine gleichermaßen unterhaltsame, einfühlsame und intelligente Laudatio

Laudator Jürgen Kaube, Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“

Die Laudatio für die Verleihung des Kulturpreises der Großloge hielt Jürgen Kaube, Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Der 1962 in Worms geborene Soziologe, Autor und Germanist ist bei der FAZ zuständig für das Feuilleton. Kaube wurde Anfang 2015 als Nachfolger des verstorbenen Frank Schirrmacher in den Herausgeberkreis der Zeitung berufen. Mit seinen Sachbüchern erhielt er selbst bereits zahlreiche Preise und wurde vom Tübinger Seminar für Allgemeine Rhetorik mit der Auszeichnung „Rede des Jahres 2015“ geehrt.

In Kürze lesen Sie hier weitere Informationen sowie ein Interview mit dem Preisträger Uwe Tellkamp.

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Großlogentreffen 2017 in Dresden

“Das Blaue Wunder” in Dresden (Foto: fotolia)

Vom 24. bis 26. Mai 2017 findet in Dresden das Großlogentreffen der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland statt. Neben interessanten Vorträgen zu aktuellen gesellschaftlichen Themen unter dem diesjährigen Motto „Was hat die Freimaurerei uns heute zu sagen?“ sind auch Zusammenkünfte interner Arbeitsgruppen geplant, die vereinsrechtliche und organisatorische Sachverhalte beraten.

Jedes Jahr im Mai versammeln sich die Logenvertreter zu ihrem bundesweiten Treffen in einer anderen deutschen Stadt. Dabei wechseln sich Großlogentage und Großlogentreffen miteinander ab. Auf den Großlogentagen – der nächste findet 2018 in Bamberg statt – liegt der Fokus vor allem auf vereinsrechtlichen Angelegenheiten. Auf ihrer Mitgliederversammlung wählen die Vertreter der Logen zum Beispiel den Großlogenvorstand und beraten über Fragen der Satzung. Bei den zweijährlichen Großlogentreffen stehen Vorträge zu aktuellen gesellschaftlichen Themen sowie das gesellige Erleben unter den Brüdern, Schwestern und ihren Gästen im Vordergrund.

Die reiche Kulturgeschichte Dresdens verspricht ein spannendes Begleitprogramm für die Teilnehmer und Gäste des Großlogentreffens. Als Höhepunkt wird am Donnerstag, dem 25. Mai, dem Dresdner Schriftsteller Uwe Tellkamp der Kulturpreis der Großloge verliehen. Sachsens Hauptstadt Dresden verfügt über eine reiche und wechselvolle freimaurerische Geschichte. Gastgeber und Ausrichter des Großlogentreffens ist in diesem Jahr die Loge „Zu den ehernen Säulen“, die in der Königsbrücker Straße 49 residiert.

Die Freimaurerei hat in Dresden eine lange Tradition und viele bekannte Persönlichkeiten dieser schönen Stadt waren Freimaurer. Leider waren freimaurerische Zusammenkünfte seit dem Verbot durch die Nationalsozialisten im Jahre 1935 bis nach der Wende 1989 nicht erlaubt, so dass hier tatsächlich ein Neuanfang nötig war. Dank intensiver und großzügiger Unterstützung bestehender Logen aus den alten Bundesländern gibt es viele neue Logengründungen bzw. Wiedergründungen, auch hier in Dresden. Deshalb werden viele Freimaurer (und viele Gäste) zu diesem Jahrestreffen erwartet, das für alle Teilnehmer und Besucher viele hervorragende Begegnungen, Einblicke in die Geschichte und die schönen Seiten der Stadt sowie interessante und bereichernde Gesprächsrunden bereithält.

Wir wollen mit diesem Treffen der Freimaurer in Dresden und mit der Verleihung des Kulturpreises der Großloge an Herrn Uwe Tellkamp auch nach außen hin Zeichen setzen. Zeichen setzen dafür, dass die Freimaurerei ein Bruderbund im Geiste des Humanismus ist. Wir wollen deutlich machen, dass uns Freimaurer die Werte Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und Toleranz seit nunmehr 300 Jahren leiten und dass diese so oft fälschlich als „Geheimbund“ beschriebene Gemeinschaft dazu beitragen möchte, Trennendes zwischen den Menschen zu überwinden.

Abschließend ist anzumerken, dass der Kulturpreis 2017 zum zweiten Mal an einen Dresdner verliehen werden kann. 1968 empfing der gebürtige Dresdner Erich Kästner den Kulturpreis der Großloge für sein literarisches Schaffen als Schriftsteller, Publizist und Drehbuchautor. Die Preisverleihung fand damals in Berlin statt. Umso mehr freut es mich, dass wir heute den Kulturpreis in Dresden, der Geburtsstadt und dem Lebensmittelpunkt des Preisträgers, Uwe Tellkamp, in Dresden verleihen können.

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300 Jahre moderne Freimaurerei

“Freemasons Hall” in London (Foto: fotolia)

Vor 300 Jahren fand etwas statt, das wir heute verstehen könnten als einen Zusammenschluss von vier schon existierenden Logen zu einer öffentlichkeitswirksamen Institution, die mit der Gründung einer „Großloge“ sich auch das Recht aneignete, allen anderen in England und Schottland noch im Verborgenen arbeitenden Logen ein verbindliches Regelwerk zu geben und damit sicherzustellen, dass die Ideale der schon bestehenden Freimaurerei korrekt und regelgerecht weitergegeben würden.

Da könnte man die Frage stellen: „Warum feiern deutsche Logen und deutsche Großlogen ein Ereignis, das doch zuallererst die Brüder in England interessieren sollte, warum feiern wir nicht zum Beispiel die Gründung der ersten deutschen Loge im Jahre 1737 in Hamburg?“ – Nun, die Begründung liegt darin, dass mit diesem Datum im Jahre 1717 die Freimaurer weltweit auf ein Ereignis blicken, das wie ein „Leuchtfeuer“ oder „Richtfeuer“ auf sie wirkt. Dieses Datum und dieses Ereignis können aber nur stellvertretend betrachtet werden als Möglichkeit, der Freimaurerei so etwas wie eine geschichtliche Verankerung zu geben.

Trotz aller Bemühungen ist es Historikern und freimaurerischen Forschern bis heute nicht gelungen, so etwas wie ein Gründungsdatum der Freimaurerei zu finden und sozusagen „dingfest“ zu machen. Dokumente belegen, dass lange vor 1717 Männer in den Bund der Freimaurer aufgenommen wurden. Man könnte, dass der Bund der Freimaurer vor langer Zeit als ein Schutzbund fungiert hat, der Männern, die zum Beispiel mit den Lehren der Kirche nicht einverstanden waren, tätige Hilfe und Unterschlupf gewährte.

Das würde zumindest erklären, warum die Brüder damals mit ihrem öffentlichen Auftreten warteten, bis sie sicher sein konnten, nicht mehr von Staats wegen verfolgt zu werden. Das war der Fall, nachdem als Folge der sogenannten „Glorreichen Revolution“ in England 1668 so etwas ähnliches wie Religionsfreiheit beschlossen wurde. Man kann diesen Männern auch nicht verdenken, dass sie noch etwa 50 Jahre ins Land gehen ließen, bevor sie sich an die Öffentlichkeit wagten.

Viel weiter verbreitet ist allerdings die Vorstellung, dass die Freimaurerlogen sich aus den Werkmaurer-Logen der Steinmetzen entwickelt haben, die am Bau der Kathedralen beteiligt waren und ihr Wissen gerne in ihren Bauhütten bewahrt wissen wollten und deshalb gezwungen waren, abgeschottet von möglichen Spionen zu agieren. Aus diesen Bauhütten sollen im Laufe der Zeit, nach dem Abklingen der Kathedralen-Bautätigkeit, sogenannte „spekulative Bauhütten“ entstanden sein, in denen frei und offen über alles gesprochen werden konnte und die deshalb frei denkende Interessenten aus dem Adel, der Geistlichkeit und dem Bildungsbürgertum anzogen, sie aufnahmen und sich letztlich allmählich zu dem wandelten, was wir heute Freimaurerlogen nennen.

Sicherlich hat sich im Laufe der Zeit vieles in der Freimaurerei verändert, geblieben ist das weltweit für alle Brüder wichtige und gültige Symbol der „Weltbruderkette“, wie sie sich in jedem Logenhaus und in jedem offiziellen Siegel der internationalen Freimaurerei symbolisch angedeutet findet. Sie soll als sichtbarer Beleg dafür dienen, dass die Freimaurerei in der Tat sich als einen weltumspannenden Bruderbund mit ebenso weltumspannenden Idealen versteht.

Diese Ideale sind treffend zusammengefasst vom Großmeister der Großloge der Alten Freien und angenommenen Maurer von Deutschland, unseres Bruders Stephan Roth-Kleyer:

„Die Freimaurerei ist eine weltweite Bewegung in allen demokratischen Gesellschaften. Unsere humanitäre Freimaurerei versteht sich als Einheit von tragender Idee, verbindender Gemeinschaft und symbolischer Ausdruckskraft. Sie definiert sich nicht nur über Menschen hoher politischer, gesellschaftlicher, künstlerischer und wissenschaftlicher Bedeutung. Freimaurerei macht vor allem aus, dass sie als Baustelle der Persönlichkeitsbildung das lebt und umsetzt, was unter anderem als Zweck und Aufgabe einer Loge benannt ist: Männer zusammenzuführen, die sich ansonsten im Leben nicht begegnet wären. Die Antwort lautet auch sehr kurz gefasst: Freimaurerei ist ethische, ist soziale, ist integrative Praxis, nicht Theorie.“

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Schon wieder Zauberflöte? Aber ja: und lesenswert!

Ekhart Wycik,

Schon wieder ein Buch über die Zauberflöte, die beliebte Oper von Mozart und Schikaneder? Ja, warum denn nicht? Diese Oper ist unergründlich vielschichtig, und wenn jemand sie gleichermaßen kenntnisreich wie unterhaltsam präsentiert und dabei auch noch neue Blickwinkel erlaubt? Dann hat es seine Berechtigung.

Die Musik von Wolfgang Amadeus Mozart, das geben sogar Mozart-Kritiker zu, ist genial. Vielleicht manchmal etwas zuckersüß, ein bisschen viel Entlehnungen aus dem Volksliedgut. Und das Libretto von Schikaneder? Gilt gerne als vollkommener Müll, von Mozarts grandiosen Einfällen gerade mal so zusammengehalten. Freimaurer wissen, dass das Libretto weit mehr ist und reklamieren die Zauberflöte als Freimaureroper. Nichts von alledem lässt der Autor Ekhart Wycik so gelten. Jedenfalls nicht einfach so. Und erklärt deshalb erst einmal dem geneigten Leser, was Freimaurerei ist und wie man sie im Zusammenhang mit der Zauberflöte, insbesondere der Geschichte des Entstehens, verstehen muss, um einen tieferen Zugang zu finden.

Zum Entstehen der Oper gehört aber auch das Ansinnen der beiden Schöpfer der Zauberflöte. Den Schwärmern gilt bis heute die Vorstellung, dass diese Oper nur in dem unbedingten Willen entstanden sei, dem Volke etwas zur Unterhaltung und den Wissenden zur Erbauung zu liefern, die Weltgeschichte zu beinflussen und die Menschheit mit Tugenden zu versorgen. Davon mag etwas mitgeschwungen sein, aber zunächst einmal waren beide, insbesondere Schikaneder wird es nachgesagt, Entertainer des damaligen Kulturbetriebes, die das Theater an der Wieden ebenso füllen wollten wie ihre Kassen. Das ist nicht unredlich, und vielleicht ist es einer der wichtigen Gründe der ungebrochenen Beliebtheit dieses Opernwerkes.

Ich empfehle dir Bey deiner arbeit nicht einzig und allein für das musikalische, sondern auch für das ohnmusikalische Publikum zu denken … Vergiss also das so genannte populare nicht, das auch die langen Ohren kitzelt.

Leopold Mozart 1780

Schikaneders Libretto als Schund oder Machwerk abzutun, wie dies in der Vergangenheit oft geschah, ist sicherlich falsch. Zweifellos hat Emanuel Schikaneder gut geklaut, und zweifellos hat er für sein Publikum geschrieben, aber schon mehrere verständige Historiker haben auf verschiedene Ebenen in seinem Werk hingewiesen, die interessante Deutungen erlauben. Wycik geht darauf nicht weiter ein, sondern verteidigt das Libretto in erster Linie als gute Theaterkunst, die mit lyrischer Dichtung schon aus ihrer Funktion heraus nicht zu messen ist. “Operntexte sind Gebrauchsware!”, verteidigt er das Libretto und weist letztlich darauf hin, dass eines dem Librettisten Recht gibt und den Kritikern Unrecht: der bis heute anhaltende Erfolg.

Und so geht es weiter in dem wissens- und facettenreichen und gleichzeitig äußerst unterhaltsamen Buch von Ekhart Wycik: Er bricht mit der Bruchtheorie der Zauberflöte, begeistert sich an den fantastischen musikalischen Einfällen des Komponisten und bringt eine Fülle von Erklärungen zur Musiktheorie, zur Entstehungsgeschichte, zum berühmten Wiener Vorstadttehater “An der Wieden”, über die Zeit der Aufklärung, über Symbole und zahllose Fakten, die zum wirklichen Verstehen der Oper wichtig sind.

Die Zauberflöte – ein Machwerk? Das wird dieser kunstreich gearbeiteten Oper nun wirklich nicht gerecht. Wer es sich bei einem so komplexen Werk so einfach macht, hat sich selbst und nicht der Oper das Urteil gesprochen.

Ekhart Wycik

Ekhart Wycik scheint es gelungen zu sein, das Unmögliche möglich zu machen: Als international arbeitender Dirigent, als Musiker und als Mensch hat er sich akribisch und umfänglich mit der sogenannten Freimaureroper auseinandergesetzt. Und es ist ihm gelungen, im Sinne von Mozart und Schikaneder die Zauberflöte dem Einsteiger zu erläutern und schmackhaft zu machen, dem sich schon wissend Wähnenden gleichermaßen noch weitere Versatzstücke an Denkansätzen zu liefern oder alte Fehler zu korrigieren. Spannend, sachkundig, und augenzwinkernd bringt er Leserinnen und Lesern ein Stück europäischer (und freimaurerischer?) Musikgeschichte näher – auch denen, die sich sonst weniger mit klassischer Musik beschäftigen.

Ja, noch ein weiteres Buch in der schier unendlichen Flut von Werken über die berühmteste Oper, die bis heute auch die erfolgreichste und beliebteste ist. Dieses Buch erklärt erfreulich leicht lesbar, warum es so ist.

Ekhart Wycik, “Zauberflöte”, mit Illustrationen von Cornelius Rinne, Salier-Verlag, ISBN: 978-3-943539-61-5, Hardcover, 180 Seiten, Format: 22 x 23,5 cm, Preis: 24,00 EUR

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Lustspiel über Freimaurer neu aufgelegt

Lustspiel in drei Aufzügen von Friedrich Ludwig Schröder

Lustspiel in drei Aufzügen von Friedrich Ludwig Schröder

Friedrich Ludwig Schröder war ein bedeutender Theatermann und Freimaurer des 18. Jahrhunderts. Bis heute verdankt ihm die Freimaurerei viele Einflüsse. Im Jahr 1784 schrieb er ein Lustspiel mit dem Titel die “Die Freimaurer”, das nun von Jens Oberheide überarbeitet und kommentiert wurde.

Dieses Lustspiel wurde am Wiener Burgtheater aufgeführt und war sehr erfolgreich. Zur Premiere kamen mehr als 1.000 Zuschauer, das Stück musste zehn Mal wiederholt werden. Dieser große Erfolg ist wohl weniger auf die Qualität des Stückes zurückzuführen, sondern mehr auf die Neugier des Publikums. Der Widerspruch aus Neugierde und Verschwiegenheit ist es auch, was den Kern dieses dennch unterhaltsamen Stückes ausmacht.

Jens Oberheide kommt das Verdienst zu, dieses Werk in einer kommentierten und sprachlich überarbeiteten Fassung neu aufgelegt zu haben. Es erzählt von dem Wunsche mehrerer Männer, aus unterschiedlichen Gründen dem Freimaurerbund anzugehören, teils aus innerer Berufung, teils aus Geltungssuch und um die Neugier der Angebeteten zu befriedigen, die auf diesem Wege endlich das Geheimnis der Freimaurer zu entdecken glauben. Die Damen sind neugierig, die Geltungssüchtigen erfolglos, die Feinde der Freimaurer feige, die Männer reinen Herzens standhaft und auch in amouröser Hinsicht siegreich. Die Geschichte ist einfach, das Ende vorhersehbar.

Es jedoch für ein minder wertvolles Stück aus der Feder Schröders zu halten, wäre zu kurz gegriffen. Man muss sich die Theaterlandschaft des 18. Jahrhunderts vor Augen führen, in der Theater weit weniger Kunstbetrieb als heute war, sondern der Unterhaltung und der Kommunikation diente und von allen Schichten der Gesellschaft besucht wurde. Hieran wird Schröder, der Reformer des Theaters wie der Freimaurer, gedacht und das Stück entsprechend geschrieben haben. Der vorgenannte Erfolg gibt ihm recht.

Insofern ist die verdienstvolle Neuauflage ein Stück Zeitgeschichte. Für Freunde der blumigeren Sprache klassischer Werke ist durch die aus Sicht des Herausgebers notwendige Überarbeitung “nach aktuellen Sprachverständnis” vielleicht etwas verloren gegangen, möglicherweise ist diese Bearbeitung zum besseren Verständnis tatsächlich notwendig. Als ein kurzweiliger Blick in die Welt Friedrich Ludwig Schröders ist dieses Buch durchaus empfehlenswert, für Schröder-Fans beinahe ein Muss. Vor der kurzweiligen Lektüre empfiehlt sich dem Schröder-Laien zum besseren Verständnis das Lesen des Nachwortes aus der Feder von Jens Oberheide.

Friedrich Ludwig Schröder, “Die Freimaurer — Ein Lustspiel in drei Aufzügen”. Herausgegeben, bearbeitet und mit einem Nachwort versehen von Jens Oberheide. Erschienen im Salier-Verlag, ISBN 978-3-943539-66-0, 60 Seiten, Broschur, 9,00 €

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Ausstellung “Freimaurer in der Karikatur” in Nienburg/Weser

Ohne Titel, Jiri Silva

Ohne Titel, Jiri Silva

Im Rahmen ihrer 200-Jahr-Feier hatten die Nienburger Freimaurer einmal mehr zu einer öffentlichen Veranstaltung eingeladen. Am vergangenen Donnerstag, den 01.Oktober 2015 um 19:00 Uhr wurde mit einer Vernissage im Nienburger Quaet-Faslem-Haus die Ausstellung „Freimaurerei in der Karikatur“ eröffnet.

Der Vorsitzende des Museumsvereins Nienburg, Heinrich Sieling, begrüßte die zahlreichen Gäste ebenso wie der Meister vom Stuhl der Nienburger Freimaurerloge, Dr. med. Wilhelm Cohrs. Letzterer freute sich sehr, dass die Ausstellung in der Leinstraße 4 stattfindet, war doch der Erbauer des Hauses, Emanuel Bruno Quaet-Faslem, selbst überzeugter Freimaurer und Mitglied der Nienburger Freimaurerloge „Georg zum silbernen Einhorn“.

Freimaurer gelten allgemein als besonders verschwiegen, doch ganz ohne öffentliche Beachtung halten es die Logenbrüder offensichtlich auch nicht aus. Das kann man u.a. an der Vielzahl der Webseiten und der zunehmenden Pressearbeit erkennen. Michael Rother, Kurator dieser besonderen Ausstellung und selbst bekennender Freimaurer seit 30 Jahren, sagte in seiner Ansprache: „Freimaurerei ist an sich nicht komisch. Grundsätzlich kann sich aber ein Cartoon über alles im Leben lustig machen.“

Auf Rothers Initiative hin wurden durch den freimaurerischen Künstlerverein PEGASUS 90 bekannte deutsche Karikaturisten angesprochen von denen 54 – darunter auch Freimaurer – ihre Bilder mit Motiven über die sogenannte Königliche Kunst geliefert haben. Das Ergebnis ist einmalig vielfältig, bunt und ungewohnt heiter, erwartet man doch eher dunkle und geheimnisvolle Bildinterpretationen zum Thema Freimaurerei. Mal schlicht, mal knallig bunt, auch kindlich-komisch interpretieren die Künstler auf ihre ganz eigene Art das gestellte Thema.

Auch die Frauen werden in einigen Darstellungen in diesen verschworenen Männerbund einbezogen. Gut so, denn es gibt mittlerweile mehrere Frauenlogen in Deutschland.

Den Betrachter erwarten mit über 70 Exponaten die unterschiedlichsten Motive, die allesamt (fast) selbsterklärend sind. Auch 3 Einmachgläser kommen zum „Einsatz“. „Und sollten Sie sich jetzt fragen,“ so Rother, „lohnt sich das eigentlich? Sind Karikaturen überhaupt Kunst? Dann versichere ich Ihnen: aber klar! Der Unterschied ist ganz einfach: Der bildende Künstler schneidet gelegentlich ein Ohr ab. Der Karikaturist nicht“.

In der Ausstellung präsentieren sich eine ganze Reihe auch sehr bekannter Künstlerinnen und Künstler auf dieser Premiere für Nienburg.

Die Ausstellung ist bis zum 29.11.2015 zu den üblichen Öffnungszeiten des Museums im Quaet-Faslem-Haus zu sehen.

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