Hamburger Schröder-Statue wird rekonstruiert

Der ursprüngliche  prachtvolle Raum mit der Schröderstatue im Logenhaus der Welckerstraße

Der ursprüngliche prachtvolle Raum mit der Schröderstatue im Logenhaus der Welckerstraße

(Hamburg) 1937 trugen die Nationalsozialisten das Logenhaus in der Welckerstraße Stein für Stein ab, um doppelte Wände oder andere vermeintliche Geheimnisse zu entdecken. Bei den Plünderungen ging auch die Schröder-Statue verloren. Engagierte Brüder setzen sich dafür ein, diese Statue wieder zu errichten.

Die Verfolgung der Freimaurer durch die Nationalsozialisten führte dazu, dass Logenhäuser und Inventar beschlagnahmt, verschleppt oder zerstört wurden. So erging es auch dem Hamburger Logenhaus in der Welckerstraße, das bis auf die Grundmauern abgerissen wurde. Dem Vernehmen nach gab es eine Anweisung an die Abbruchfirma. jeden Stein einzeln abzuklopfen, damit ein möglicherweise vorhandenes „freimaurerisches Geheimnis“ gefunden werde. Vergeblich. Bei dieser Aktion ging auch eine Statue verloren, die den großen Reformer der Freimaurerei, Friedrich Ludwig Schröder, darstellte und die sich im prächtigen großen Tempel des Logenhauses befand.

Ich war 15 Jahre alt, als mein Vater mit mir die Stelle besuchte, wo Handwerker das frühere Logenhaus abbrachen. Zuvor konnte man das Logenhaus mit seiner Einrichtung besichtigen … dann hämmerten sie an einer Statue. Es müsste Schröder gewesen sein.

Rolf Appel

Dieser verkohlte Balken ist alles, was vom Hamburger Logenhaus übriggeblieben ist.

Dieser verkohlte Balken ist alles, was vom Hamburger Logenhaus übriggeblieben ist.

Hans-Peter Meißner machte es sich zur Aufgabe, die lebensgroße Statue von einer Gruppe von Künstlern rekonstruieren zu lassen. Die Künstler Jens Rusch, Oliver Kieser und Roman Zonder sind mit großem Elan beschäftigt, die verloren gegangene Statue anhand vorhandener Unterlagen neu herzustellen. Das ist ein teures Unterfangen, etwa 30.000 € Herstellungskosten sind veranschlagt. Durch zweijährige Skizzenarbeit von Jens Rusch und der Modellierkunst von Oliver Kieser und Roman Zonder, wurden mit modernster 3D-Technik Bronzeminiaturen hergestellt, durch deren Verkauf die Rekonstruktion der eigentlichen Statue ermöglicht werden soll. Alle Beteiligten weisen darauf hin, dass die Arbeit an dem Projekt ehrenamtlich erfolgt und der volle Erlös der Miniaturen dem Projekt zugute kommt.

Beide Versionen der käuflich zu erwerbenden Miniaturen

Diese beiden Bronzevarianten, deren Verkauf der Deckung bisheriger Kosten dient, wurden von der Bildgießerei Wittkamp meisterhaft ausgeführt. Die linke Version mit einer Höhe von ca. 30 cm kostet 1.480 €. Sie wurde nach einem 3D-Druck von Roman Zonder ausgeführt. Die rechte Variante in Höhe von ca. 25 cm wurde zunächst computergesteuert in Holz gestochen, überarbeitet, abgeformt und in Wachs für den Bronzeguss vorbereitet. Sie ist zum Preis von 1.280 € zu erwerben. Weitere Exemplare werden nur auf Bestellung in Auftrag gegeben. Der Erlös dient ausschließlich der Fertigung der lebensgroßen Rekonstruktion der durch die Nationalsozialisten zerstörten Figur Friedrich Ludwig Schröders. Die Herstellung der lebensgroßen Rohform hat bereits begonnen.

Anfragen bzgl. der Projektfinanzierung sind bitte zu richten an Sven Bremer.

In seinem Geleitwort weist der Großmeister der Großloge der Alten und Freien Angenommenen Maurer, Prof. Dr. Stephan Roth-Kleyer, darauf hin, dass die Arbeit „wie so viele Arbeiten für die Königliche Kunst“ ehrenamtlich und der Sache wegen geleistet werden. Finanzielle Zusagen sollen sogar aus Dänemark und Israel vorliegen, auch die Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland hat bereits einen Beitrag geleistet. Abschließend führt er aus: „Den für dieses Projekt verantwortlichen Brüdern wünsche ich viel Erfolg. Mich würde es sehr freuen, bei einem meiner nächsten Besuche in Hamburg der lebensgroßen Statue unseres Bruders und freimaurerischen Reformators Friedrich Ludwig Schröder gegenüberstehen zu können. Euch, meine Brüder, möchte ich ermuntern dieses Projekt zu unterstützen.“

Was macht Friedrich Ludwig Schröder so wichtig für die Freimaurer?

Das „Internationale Freimaurerlexikon“ weist Schröder (1744 – 1816) als Theaterdirektor in Hamburg, Bühnendichter, Schauspieler und bedeutenden Gestalter der Shakespeare-Stücke aus. Für die Freimaurer gilt er als Reformator der Ritualistik, wofür er aus seiner beruflichen Herkunft alle Voraussetzungen mitbrachte. „Begeisterter Bekenner der freimaurerischen Grundlehren, erkannte Schröder, dass sie [die Freimaurerei] in dem damals herrschenden chaotischen Durcheinander von Systemen und Spielarten ersticken müsste, wenn nicht mit kräftiger Hand Abhilfe geschaffen und die Lehre in ihrer ursprünglichen Reinheit wieder freigelegt würde.“ (Internationales Freimaurerlexikon, S. 759). Er rekonstruierte und reformierte die Rituale und führte sie nach einer Zeit der komplexen hierarchischen Abstufungen zurück in die drei Grade, wie sie auch heute in der Freimaurerei Bestand haben.

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Mit der Kelle vom Winkel zum Zirkel

„Mit der Kelle vom Winkel zum Zirkel“ – Texte und Fotografien von Frank Dörr

In seinem Buch „Mit der Kelle vom Winkel zum Zirkel“ beschäftigt sich der Fotograf mit der Symbolik der Freimaurer und schafft so einen oft anderen und ungewöhnlichen Blick auf die Dinge.

„Die Philosophie der Freimaurer liefert keine vorgefertigten Antworten“, heißt es im Vorwort des Bildbandes von Frank Dörr. Gewöhnung kann aber doch zu Denkschablonen führen und darum ist das Buch einerseits erfrischend für Freimaurer, die einmal ihre Gewohnheiten überprüfen möchten wie auch für Einsteiger in die Thematik, die sich der Symbolik von anderer Seite nähern wollen.

Auf der linken Seite präsentiert der Autor jeweils einen kurzen Text, auf der rechten Seite stellt er dem ein Bild gegenüber. Beispielsweise „‚Schau in Dich‘ ist der Sinnspruch des Lehrlings. Es gilt, das eigene Selbst zu erforschen, die eigene Dualität aus Licht und Schatten kennen zu lernen, als Basis für die Arbeit am rauen Stein. Der Blick des Lehrlings richtet sich nach innen.“ Der Freimaurer hat üblicherweise sofort Symbole im Kopf, die er aus der einschlägigen Literatur kennt oder aus der Verwendung in den rituellen Zusammenkünften.

Und ist nun erstaunt, dem Text gegenüber das Bild eines Kleinkindes zu finden, ein Kind mit großen Augen, eine Hälfte in das Dunkel des Raumes eintauchend, die andere Hälfte sanft vom Licht beschienen. Es ergibt sich vielleicht nicht zwingend ein neuer Zugang zum Symbol, aber doch eine andere Betrachtungsweise. Das ist auch für den Interessenten spannend, denn oft genug gibt es in der freimaurerischen Literatur eingetretene Trampelpfade der Erläuterung, so kann sich jeder seine eigenen Wege suchen, und das Suchen ist ja eine der Aufgaben jeder persönlichen Entwicklung.

Insofern ist es stimmig, wie die Einleitung des Buches abschließt: „Das Buch soll einladen, sich der Gedankenwelt der Freimaurer auf eine neue, auf eine visuelle Art zu nähern.“ Dabei erschließt sich dieser andere Weg dem Freimaurer wahrscheinlich anders, der die Gedankenwelt kennt, vermutlich leichter. Für den im tatsächlichen Sinne „Suchenden“ könnte dies Buch eine spannendere Beschäftigung mit der Thematik bewirken als manche masonische Fachlektüre.

Frank Dörr, „Mit der Kelle vom Winkel zum Zirkel – Symbole der Freimaurer“, Hardcover, 76 Seiten, Format 21 x 21 cm, erschienen im Salier-Verlag zum Preis von 16 €, ISBN 978-3-943539-60-8.

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Freimaurer als Wegweiser in Bayreuth

Ausstellungseröffnung in Bayreuth

Ausstellungseröffnung in Bayreuth

(Bayreuth/rh) In vielen Städten sind Straßen nach Persönlichkeiten benannt, die Freimaurer waren. Die meisten Menschen wissen darüber nichts. Das Bayreuther Museum und die örtliche Loge klärten darüber in einer Ausstellung auf.

Mit rund 50 Gästen aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Universität und Freimaurerlogen eröffneten der Vorsitzende des Deutschen Freimaurermuseums, Roland Martin Hanke, und der Vorsitzende der Bayreuther Freimaurerloge, Stefan Kunnert, zusammen mit dem Direktor des Museums, Thad Peterson, die Ausstellung.

Mit etwa 20 Metern Länge steht sie im Ehrenhof des Neuen Schlosses in Bayreuth und damit im öffentlichen Raum. Bereits beim Aufbau erwies sich der Ort als außerordentlich glücklich gewählt, verharrten doch regelmäßig etliche Menschen spontan vor den Bannern und lasen die Texte aufmerksam durch. Regelmäßig tauschten sich die Besucher über die Einzelheiten vortrefflich miteinander aus. Die Beobachtung setzte sich auch an den folgenden Tagen fort. Im Deutschen Freimaurermuseum ist zudem ein Pult mit Buch zu sehen, das die Inhalte der Ausstellung kompakt vermittelt. Der Großteil der Texte stammt von Rudi Birkle.

Es schließen sich regelmäßige Stadtführungen des Bayreuther Tourismusmarketings durch die Straßen der Namensgeber an, bei denen an deren Lebenswerke erinnert wird.
Unmittelbar nach der Eröffnung bereits bekundetet das Kulturamt von Bayreuth und das Historische Museum Interesse an den Ausstellungsmedien, um diese dauerhaft präsentieren zu können und regten zudem eine frei zugängliche Publikation an. Der Vertreter der Regierung von Oberfranken, die Bundestags- und Stadtabgeordneten, Kulturschaffende, Pressevertreter und alle weiteren Gäste waren nach eigenem Bekunden begeistert.

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Freimaurer und berufliche Sonntagsschulen

Helmut Klemm - Mitwirkung deutscher Freimaurer beim Aufbau beruflicher Sonntagsschulen

Wenig bekannt bisher war die intensive Beschäftigung von Logen und einzelnen Freimaurern mit der Schaffung beruflicher Bildungseinrichtingen bereits ab dem 18. bis hinein ins 20. Jahrhundert. Eine Dissertation von Helmut Klemm, nunmehr Dr. phil., schließt auf bemerkenswerte Weise diese Lücke.

Unter dem sperrigen Titel „Die Mitwirkung deutscher Freimaurer beim Aufbau beruflicher Sonntagsschulen im Spannungsfeld zwischen Aufklärung und industrieller Revolution. Gezeigt an Beispielen in Preußen, Sachsen und Thüringen.“ legte Helmut Klemm seine Dissertation vor.

Auf über 500 Seiten beschäftigt er sich mit einem Thema, das auch von großen Teilen der freimaurerischen Öffentlichkeit in diesem Umfang nicht wahrgenommen wurde. „Im Sinne der auferlegten Verschwiegenheit legten sie [die Freimaurer] die Leitung und den Betrieb der Schulen überwiegend in die Hände öffentlicher, von Freimaurerlogen geschaffener Vereine; ganz nach dem Motto: ‚Tue Gutes und rede nicht darüber!‘ Infolgedessen ordnete die historische berufspädagogische Forschung nur einige wenige Sonntagsschulen ihren wahren Stiftern zu.“, so der Autor.

Wer eine sperrige wissenschaftliche Lektüre erwartet hat, darf sich auf angenehmste Weise getäuscht sehen. Neben allen notwendigen wissenschaftlichen Erkenntnissen führt der Autor den geneigten Leser behutsam in alle Themenbereiche ein.

So beschäftigen sich die ersten gut 70 Seiten beispielsweise ausschließlich mit einer sachlichen und auch für den Nichtfreimaurer gut verständlichen Einführung in die Entstehungsgeschichte, die Struktur und die Besonderheiten der Freimaurerlogen. In der Folge beleuchtet Helmut Klemm den wirtschaftlichen und politischen Wandel in den wichtigen europäischen Ländern England, Frankreich und im zaristischen Russland, um sich dann über Preußen und Sachsen seinem eigentlichen geografischen Untersuchungsgebiet zu nähern. Diese interessanten Erläuterungen sind notwendig, um sich an die Anfänge und Notwendigkeit der beruflichen Bildung heranzutasten und um zu verstehen, warum gerade die Freimaurer dieser Zeit sich mit dem ihnen eigentlich fremden Thema so intensiv und folgenreich beschäftigten. Erst nach weit über 200 Seiten einleitenden Textes beschäftigt sich Klemm mit dem eigentlichen Anliegen seiner Arbeit, den Freimaurern als Stiftern von beruflichen Bildungseinrichtungen.

„Die vorgelegte Arbeit geht der Frage nach, wer zu den Akteuren dieser Entwicklung zu zählen ist und welche politisch-weltanschaulichen Vorstellungen diese Aktivitäten getragen haben. Viele Einzelfälle – zum Beispiel in Altenburg – haben gezeigt, dass hier immer wieder Freimaurer als Loge oder als Einzelpersonen am Aufbau dieser Schulen beteiligt waren. Im Zentrum steht deshalb die Frage, ob es sich hier um Einzelereignisse und Zufälligkeiten handelt oder ob die Mitwirkung der Freimaurer ein verbreitetes Phänomen darstellt.“, bemerkt der Autor in seiner Zusammenfassung. Diese Frage war berechtigt, denn zu Beginn der Arbeit an dem Werk hatte er „keinerlei Berührung mit der Freimaurerei“. Aber er wurde fündig und berichtet ausführlich über das Freimaurerinstitut in Dresden (1773), das Philantropin in Schnepfenthal (1784), das Schulinstitut der Großen Landesloge der Freimaurer in Berlin, die Sonntagsschulen in Gotha (1805), Leipzig (1816), Dresden (1817), Freiberg (1818), Zittau (1819), Annaberg (1823), Polytechnikum Dresden (1828), Bautzen (1827) Duisburg (1832), Chemnitz (1829), die Kunst- und Handwerkerschule zu Altenburg (1824), die Baugewerkenschule zu Dresden (1837), Handwerkerschule in Dresden. Und angesichts der schwierigen Quellenlage vermutet der Autor noch weitere Schulgründungen, die durch Logen, einzelne Freimaurer oder deren Mitwirkung ins Leben gerufen wurden.

Der Autor Dr. phil. Helmut Klemm lockert alle Kapitel mit interessanten Nebeninformationen und Zitaten auf, umfassende Fußnoten erläutern viele ergänzende Begriffe, sodass das Werk ungeachtet der umfangreichen wissenschaftlichen Erkenntnisse auch als informativ-unterhaltsame Lektüre genossen werden kann. Das mag damit zusammenhängen, dass der Autor, Jahrgang 1942, keinen ganz geradlinigen beruflichen Werdegang hatte, der ihm eine sachbezogene und schnörkellose Sprache bewahrt haben mag. Mit 14 Jahren machte er zunächst eine handwerkliche Ausbildung, studierte dann am Päd. Institut Karl-Marx-Stadt und schloss als Lehrer für Mathematik und Polytechnik ab. Es folge eine Abendstudium zum Dipl.-Ing. zum Konstrukteur für Verarbeitungsmaschinen. Durch die Wirren des Endes der DDR lag sein Schwerpunkt in der Tätigkeit als Berufsschullehrer.

Ein empfehlenswertes Buch, einziger Wermutstropfen ist der stolze Preis von 139,80 €.

Helmut Klemm, „Die Mitwirkung deutscher Freimaurer beim Aufbau beruflicher Sonntagsschulen im Spannungsfeld zwischen Aufklärung und industrieller Revolution, gezeigt an Beispielen in Preußen, Sachsen und Thüringen“, erschienen im Verlag Dr. Kovac, 532 Seiten, 139,80 €, ISBN 978-3-8300-9512-5

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Freimaurer Teil der Mannheimer Gesellschaft

Mannheimer Schloss (Bildnachweis: fotolia / CPN)

Mannheimer Schloss (Bildnachweis: fotolia / CPN)

(Mannheim / fr) Im ansprechenden Rahmen und mit vielen Besuchern feierten fünfzehn Logen verschiedener Lehrarten im Rittersaal des Mannheimer Schlosses 300 Jahre Freimaurerei.

Der Rittersaal des kurfürstlichen Mannheimer Schlosses erlebte am 24. Juni 2017 ein historisches Ereignis. Die fünfzehn Logen des Rhein-Neckar-Raumes nahmen die Gründung der modernen Freimaurerei vor dreihundert Jahren in London zum Anlaß, erstmals gemeinsam in ihrer Geschichte, unter der Schirmherrschaft des Mannheimer Oberbürgermeisters, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren. Zum einen, um berichten zu lassen, welch wichtigen Beitrag Mannheimer Brüder zur Entwicklung der Mannheimer Stadtgesellschaft beigetragen haben und zum anderen, um ihre Bereitschaft öffentlich zu bekunden, sich auch heute als ein Teil der Stadtgesellschaft zu verstehen und mit Wort und Tat die aktuelle Entwicklung zu begleiten.

250 Damen und Herren, darunter 80 Vertreter des öffentlichen Lebens, waren der persönlichen Einladung gefolgt. Sie erlebten in dem wunderschönen barocken Rittersaal des Mannheimer Schlosses erhebende, erbauende, Stunden mit historischer und zukunftweisender Dimension.

Der Leiter des Mannheimer Stadtarchivs, Prof. Dr. Ulrich Nieß, warf in seinem Festvortrag einen Blick in die Geschichte der Freimaurer in Mannheim und berichtete detailliert namentlich weitgehend Unbekanntes über das politische Wirken berühmter Mannheimer Freimaurer in ihrer Funktion als städtische Bürgermeister. Die historischen Mitgliederlisten spiegeln das „Who is who?“ der damaligen Gesellschaft wider.

In Mannheim, der ehemaligen Residenz- und Weltkulturstadt, lebten und wirkten die ersten Freimaurer in Deutschland. Zehn Jahre nach der Gründung der Großloge in London gründeten sie bereits 1727 die erste Freimaurerloge in Deutschland „Einigkeit“. Gründung, Leben und Wirken detailliert dokumentiert von Julius Waldkirch in seinem Werk „Geschichte der ersten Freimaurerlogen“, Mannheim 2017.

Die Mannheimer Bürgermeisterin, Frau Dr. Freundlieb, gratulierte den Logen in ihrem Grußwort zu dem Jubiläum und zu dem gemeinsamen ersten Auftritt in der Öffentlichkeit. Sie lud sie mit eindrucksvollen Worten ein, nicht nur in die verdienstvolle Vergangenheit zurück zu schauen, sondern sich auch aktiv in die gegenwärtige Entwicklung der Stadtgesellschaft einzubringen und unsere aktuelle Mitverantwortung für das Gemeinwohl weiter zu vertiefen und uns in den öffentlichen Diskurs in der Gestaltung einer humanen, von gegenseitigem Respekt und Toleranz geprägten, Öffentlichkeit einzubringen. „Jedes Mitglied einer städtischen Gesellschaft könne einen positiven Beitrag zu deren Wohlergehen leisten.“ Grundlage seien die gemeinsamen Werte „Toleranz“, „Respekt“ und „Hilfsbereitschaft“. Eine erste aktuelle Möglichkeit bestünde in der Mitzeichnung der „Mannheimer Erklärung für ein Zusammenleben in Vielfalt“. In ihr geht es um eine möglichst konfliktfreie Integration von Menschen anderer Kulturen und Religionen in der traditionell weltoffenen Mannheimer Stadtgesellschaft.

Lang anhaltender kräftiger Applaus der Gäste zeigte, dass von der Rede der Bürgermeisterin ein großer Impuls für die Zukunft ausging und ihre Botschaft und ihre Einladung bei den Brüdern angekommen ist. Ermunternde Grußworte des zugeordneten Großmeisters der Großloge, Karl Deckart, bewegten sich in die gleiche Richtung. Auch er appellierte an die Brüder, sich auf Augenhöhe in die Mitte der Gesellschaft zu bewegen.

Initiiert und weitgehend organisiert wurde der Festakt von Brüdern der Mannheimer Loge „Kurpfalz“, unterstützt von Brüdern der Loge „Carl zur Eintracht“, allen voran Michael Heitmann, dem Sprecher der Rhein-Neckar-Logen. Die „Kurpfalz“ mit ihrem Vorsitzenden Ranko Pavlovic an der Spitze, feierten einen Tag später in Heidelberg mit vielen Gästen ihr 30-jähriges Bestehen und das Sommer-Johannisfest, traditionell mit einem prächtigen nächtlichen Johannisfeuer im Garten.

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Lessings „Ernst und Falk“ zum Diskutieren

Dominik Richter und Dennis Roth (Neues Kellertheater Wetzlar) in den Rollen von Ernst und Falk

Dominik Richter und Dennis Roth (Neues Kellertheater Wetzlar) in den Rollen von Ernst und Falk

(Wetzlar/mf) Premiere feierte kürzlich die von Kai Böhmer erarbeitete Variante von Gotthold Ephraim Lessings „Ernst und Falk“ im Neuen Kellertheater Wetzlar.

Die szenische Darstellung von fünf Aufzügen zeigte den Freimaurer Falk (Dennis Roth, Neues Kellertheater Wetzlar) mit seinem Freund Ernst (Dominik Richter) in verschiedenen Gesprächssituationen. Unterbrochen wurden die Dialoge durch Frage- und Antwortrunden, bei denen vier Darsteller des Neuen Kellertheaters, die zusammen mit drei Mitgliedern der Wetzlarer Freimaurerloge „Wilhelm zu den drei Helmen“ auf der Bühne Platz genommen hatten, einzelne Punkte aufgriffen, hinterfragten und beantworteten. Somit konnte eine unbewusst erscheinende zeitgemäße Zusammenfassung der Szenen erfolgen und weiterführende Informationen geliefert werden.

Neben Ursprung, Wesen und Entwicklung der Freimaurerei, dem Streben nach Gutem und der Arbeit an der eigenen Person standen gesellschafts- und staatstheoretische Themen ebenso wie die Punkte Gleichheit der Menschen und Religion auf dem Programm. „Freimaurer sind keine Glaubens-, sondern eine Wertegemeinschaft“, betonte Rainer Waldschmidt, bevor noch einmal aufgezeigt wurde, dass die Freimaurer in Wetzlar sich als rein diesseitsorientierter Bruderbund verstehen, bei dem ein jedes Mitglied seine persönliche Glaubensvorstellung leben und bewahren soll.

Nachdem die Mitwirkenden unter begeistertem Applaus die Bühne verlassen hatten, trafen sich Gäste, Schwestern und Brüder im gut gefüllten Foyer des Veranstaltungsortes. Sie folgten damit der Einladung von Martin Marx (stellvertretender Vorsitzender der Loge), der zu Beginn der einstündigen Darbietung zum anschließenden offenen Austausch und Beantworten von Fragen durch Logenmitglieder eingeladen hatte.

Zwei weitere Darbietungen können am 4. und 5. August 2017, jeweils um 17 Uhr, im Wetzlarer Stadtmuseum im Lottehof, in dem gegenwärtig auch die Sonderausstellung „250 Jahre Freimaurerei in Wetzlar“ zu sehen ist, miterlebt werden. Bitte beachten Sie, dass die Aufführungen im Stadtmuseum Wetzlar jeweils nur 40 Zuschauern Platz bietet.

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Lippstädter Loge feiert 175-jähriges Stiftungsfest

Logenhaus in Lippstadt

Logenhaus in Lippstadt

Die Lippstädter Loge „Zum lebendigen Kreuz“ feiert vom 15. bis 17. September 2017 ihr 175-jähriges Bestehen mit Freimaurern, Lebenspartnern und interessierten Gästen.

Am Freitag treffen sich die Teilnehmer zu einem geselligen Zusammensein im Logenhaus, bevor der Samstag mit einer Stadtführung beginnt und am Nachmittag mit einem Empfang im Rathaus fortgesetzt wird. Festansprachen und Grußworte werden vom Vorsitzenden der Loge, vom Bürgermeister und dem Großmeister erwartet. Anschließend referiert Klaus-Jürgen Grün über Freimaurerei und wird im Anschluss für eine Diskussion zur Verfügung stehen. Am Abend trifft man sich zum Bankett im Ballsaal. Am Sonntag feiert die Loge ein Stiftungsfest, parallel dazu wird ein Programm für die Damen und Gäste angeboten.

Die Loge „Zum lebendigen Kreuz“ entstand im Jahre 1842 in der bis dahin eher klerikal geprägten Stadt Lippstadt. Trotz des der Freimauerei im Grundsatz positiv gegenüberstehenden protestantischen Milieus fand sich im 18. und frühen 19. Jahrhundert niemand in der kleinen bürgerlichen Oberschicht der Stadt, der die Gründung einer Loge aktiv betrieben hätte. Erst der aus Potsdam stammende Freiherr von Schauroth, der von der preußischen Regierung um 1840 nach Lippstadt versetzt wurde, begann schon bald mit den Vorbereitungen für eine Logengründung. Er setzte sich mit der Nachbarloge „Zur Bundeskette“ in Soest in Verbindung und konnte die dortigen Brüder zur Unterstützung motivieren. Unter der Schirmherrschaft der Soester Brüder konnte Schauroth im Jahre 1842 offiziell das Licht in der neuen Loge einbringen. Die Logenarbeiten fanden in den ersten Jahren in seinem Haus – dem heutigen Palais Schauroth – statt. Wie das Mitgliederverzeichnis von 1847 zeigt, waren inzwischen viele namhafte Lippstädter Bürger der Loge beigetreten. So auch der Rektor der „Höheren Bürgerschule“, Ernst Wahlert, der später Stuhlmeister wurde.

Nachdem von Schauroth nur wenige Jahre später wieder nach Potsdam zurückkehrte, musste die Loge mehrfach umziehen und sank im späteren 19. Jahrhundert zu einem Kränzchen herab. Erst um die Wende zum 20. Jahrhundert wurden wiederum die Brüder aus Soest aktiv und betrieben die Loge in Lippstadt über mehrere Jahrzehnte als Deputationsloge. Nach den dunklen Jahren zwischen 1935 und 1945 wurde die Loge im Jahre 1951 durch die Loge in Hamm neu gegründet und besteht seither allmählich wachsend fort. Dies war u.a. das Verdienst des Volksbankirektors und Stuhlmeisters Fritz Husman und später dann das des Versicherungskaufmanns Otto Girke, der auch Präsident der internationalen Freimaurerliga war.

Die Loge in Lippstadt war zudem die erste deutsche Loge, die nach dem Krieg eine Partnerschaft mit einer belgischen Loge in Brüssel und einer niederländischen Loge in Arnheim begründete, was seinerzeit alles andere als selbstverständlich war.

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