Erkenne und achte Dich selbst

Foto: Prostock-studio / photodune

"Erkenne Dich selbst" ist beginnend mit der Aufnahme die vornehmliche Aufgabe eines Freimaurers. Für unseren Autor ist die "Psychologie der Selbstachtung" dabei ein wichtiges Element.

Von Br. Harald E. Meyer aus der Berliner Loge "Avantgarde"

Vor einiger Zeit bin ich einmal wieder auf den Begriff “Selbstachtung” aufmerksam geworden. In einem Artikel im “Tagesspiegel” wurde eine neuere Richtung der Psychologie angesprochen, die als “Psychologie der Selbstachtung” bezeichnet wird.

Viele Selbst-Wörter, gerade wenn sie das “Ich” betonen, haben ja einen negativen Beigeschmack: Selbstzufriedenheit, Selbstüberschätzung, Selbstverliebtheit, Selbstherrlichkeit – all diesem stehen wir skeptisch bis sehr kritisch gegenüber. Und wenn einmal eines dieser Selbst-Wörter positiv besetzt ist, wie z.B. die Selbstlosigkeit, dann legt es uns nahe, besser auf unser Selbst zu verzichten. Denn es ist eher angesagt, selbstkritisch zu sein als sich zu sehr zu mögen. Und die Psychologie der Selbstachtung sagt uns nun, dass wir mit Problemen des täglichen Lebens oder mit Krisen besser fertig werden, wenn wir positiv zu uns selber stehen.

Mein erster Gedanke war: Interessanter Begriff, interessantes Thema, könnte das etwas mit Freimaurerei zu tun haben? Mit der Arbeit an uns selbst und ihren Wirkungen? Und eine weitere Assoziation war die Behauptung von Br. Philip Militz, Freimaurerei sei das wohl erfolgreichste Persönlichkeitstraining der Weltgeschichte.

Wenn wir uns selbst achten sollen, müssen wir uns selbst kennen. Und die Aufforderung zur Selbsterkenntnis ist das Wichtigste, was uns allen in der Freimaurerei begegnet. Bei unserer Aufnahme hörten wir in der Mitte der dritten Reise nach einem überraschenden Hammerschlag aus dem Munde des Meisters: “ERKENNE DICH SELBST!”

Hier geht es nicht nur um die Stellung des Menschen im Weltgefüge und die Erkenntnis unserer Begrenztheiten. Nein, es handelt sich ganz konkret um die Aufforderung, mich selbst zu prüfen und die eigenen menschlichen Stärken und Schwächen anzuschauen. In unserem Ritualkontext ausgedrückt: nicht nur die Ecken und Kanten unseres Rauen Steines zu betrachten, sondern auch die Strukturen dieses Steines zu erkennen. Denn wenn wir im Anschluss mit der Bearbeitung dieses Rauen Steines – mit der Entwicklung unserer Persönlichkeit – beginnen, dann hilft es nicht, sinnlos drauflos zu hämmern. Sonst erzeugen wir ganz schnell Bruch. Unser Stein, unsere Persönlichkeit, will erst genau erkannt und gekannt sein, muss in seinen Strukturen beachtet und geachtet werden, damit bei der folgenden Bearbeitung kein Unglück, kein Bruch, geschieht. Außerdem wollen wir in den Logen die Einzigartigkeit jedes Bruders bewahren und sie nur weiterentwickeln, nicht brechen. Wir legen Wert auf bleibende Individualität, möchten im freimaurerischen Prozess keine gleichförmigen Backsteine erzeugen, sondern in der Tradition der Freestone Masons einzigartige Kunstwerke, die sich dennoch in den großen Bau der Humanität einfügen. Und die Stein-Künstler achteten schon seit jeher sorgsam auf die Struktur ihrer Steinblöcke, umrundeten sie zuerst aufmerksam und bekamen mit ihrer Erfahrung bald einen Eindruck davon, was für ein Kunstwerk in diesem rohen Stein verborgen war und eigentlich nur noch herausgearbeitet werden musste.

Ich spreche hier vom Achten auf Strukturen, von der Achtsamkeit der Stein-Künstler vor und bei der Arbeit. Und wenn es in der Freimaurerei um die Bearbeitung der eigenen Persönlichkeit geht, dann sprechen wir von Achtung auf uns selbst – und dies ist für mich der erste wesentliche Aspekt der Selbstachtung: Achtung auf mich selbst. In diesem Sinne heißt Selbstachtung, achtsam und vorsichtig mit mir selbst umzugehen. Hierfür kennen wir auch den Begriff der Nachhaltigkeit im Umgang mit uns.

Wir sollten uns nicht überschätzen und uns nicht auf Dauer zu viel zumuten. Bezogen auf die Zeit haben wir als Freimaurer das Symbol des 24-zölligen Maßstabs, mit dessen Hilfe wir unsere Zeit mit Weisheit einteilen sollen. Doch natürlich gilt diese Forderung nach weiser Einteilung auch für unsere anderen begrenzten Ressourcen: Unsere körperlichen und seelischen Kapazitäten sind begrenzt und brauchen Zeit zur Regeneration. Plötzliche starke Belastung kann zum Zusammenbruch führen, aber auch langsamer Raubbau macht sich auf Dauer in Erschöpfung bemerkbar. Nicht nachhaltig.

Doch machen wir uns nichts vor: Auch das Gegenteil, die dauerhafte Unterforderung, tut uns nicht gut. Wir wissen, dass Menschen in ihrer geistigen und körperlichen Kondition abbauen, wenn sie sich gehen lassen und nicht aktiv sind. Dies ist wohl das Problem vieler Berufstätiger in ihrem Ruhestand, wenn sie nicht rechtzeitig für erfüllende und anregende weitere Beschäftigung gesorgt haben. Nicht nachhaltig.

Vielleicht könnten wir die Schlussworte des Meisters am Ende der Arbeit, wenn er uns auffordert: “Seid wachsam auf Euch selbst!”, auch einmal unter dem Gesichtspunkt bedenken, achtsam mit uns selber umzugehen.

Der zweite Aspekt der Selbstachtung, den ich ansprechen möchte, ist die Achtung vor mir selbst, der Respekt und die (wohlwollende) Wertschätzung der eigenen Person. Dies ist wohl die übliche Vorstellung, wenn wir an den Begriff “Selbstachtung” denken. Und diese Interpretation liegt auch der Psychologie der Selbstachtung zugrunde. Wenn wir positiv zu uns stehen, werden wir nicht nur mit all den kleinen und größeren alltäglichen Problemen besser fertig, als wenn wir uns immer kritisch sehen und eigentlich nichts zutrauen. Das hat viel mit Zuversicht und positivem Denken zu tun. Das strahlt aus – nach innen wie auch nach außen. Wir alle kennen den Spruch: “Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück.”. Wer bei jeder neuen Aufgabe zuerst denkt: “Das schaffe ich wohl nicht!”, konzentriert sich automatisch auf die Hindernisse und Schwierigkeiten, sieht jede Aufgabe als Problem und braucht doppelte Kraft, sich dennoch zu motivieren und Lösungen zu suchen. Wer dagegen positiv zu sich selber und seinen Fähigkeiten und Ressourcen steht und eine neue Aufgabe vor allem als Chance begreift, konzentriert sich viel leichter auf Lösungen und ist deshalb auch erfolgreicher. Und nebenbei: sowohl kreativer als auch zufriedener.

Doch nur positiv zu sich selber zu stehen, reicht nicht ganz. Diese Wertschätzung des Selbst muss schon hinterlegt sein mit Werten von uns, damit sie nicht ins Leere läuft. Die Maurerei im Allgemeinen und unser Ritual im Besonderen geben uns ja ausreichend Anlässe, über Werte nachzudenken und Tugenden einzuüben, im Tempel eher theoretisch, aber gedacht ganz praktisch für unser normales profanes Leben. Und wer sich “gut”, d.h. moralisch verhält in seinen täglichen Situationen der Entscheidung und des Umgangs mit anderen Menschen, der kann auch beruhigt “in den Spiegel schauen”. Er hat Grund, sich zu achten und wertzuschätzen, er kann mit sich im Reinen sein.

Ist es nicht dies, was Freimaurerei erstrebt, wenn sie sich als Aufgabe stellt, gute Männer besser zu machen (“to make good men better”)?

“Gut” heißt hier: Ein Bewusstsein für menschliche Werte zu haben und den Wunsch, im Kreise ähnlich denkender Menschen sich weiterentwickeln zu wollen. Wir sagen hierzu: Suchender zu sein. “Besser” heißt hier: An sich zu arbeiten und dabei hohe, aber nicht unrealistische Ziele zu verfolgen. Wir sind alle fehlbar, nicht jede Arbeit gelingt uns und wir wissen auch, dass ideale Werte nur näherungsweise erreichbar sind. Doch ich schätze sehr den Ausspruch: “Wir können die Sterne nicht erreichen. Doch wer sich nach ihnen ausrichtet, kann nicht gleichzeitig mit den Händen im Dreck wühlen.”

Wir haben in unseren Tempeln das Buch des Heiligen Gesetzes als Symbol für alle Regeln, nach denen wir uns ausrichten. Gleichzeitig kennen wir viele Symbole aus der Werkmaurerei, die uns in konkreteren Situationen Anleitung für unser Handeln geben können und sollen. Wenn wir auf diese Symbole achten, handeln wir ehrenhaft und haben allen Grund zu Selbstachtung. Und das Schöne ist: Wer sich selbst achtet, ist sich seiner selbst sicher und kann auch sein Gegenüber, seinen Gesprächs- oder Geschäftspartner, achten, respektieren und wertschätzen, auch bei unterschiedlichen Interessen und Meinungen.

Das bisher Gesagte gilt ebenso für unsere Loge Avantgarde. Wir setzen uns ehrgeizige Ziele, wir arbeiten an uns, nicht nur persönlich als Brüder, sondern auch als Loge Avantgarde, an unseren Bruderabenden und mit dem Ritual – und auch hier gilt das Gebot, sich nicht zu überfordern, aber auch nicht zu unterfordern. Das durch unsere aktive Arbeit entstehende Selbstbewusstsein, unsere Selbstachtung, strahlt dann aus jeder unserer Arbeiten und Bruderabende sowie aus uns Brüdern aus und verstärkt in der Folge wiederum unsere Reihen. Mit dieser durch eigene Arbeit begründeten Selbstachtung können wir als Vertreter unserer Loge überzeugt sprechen.

Dies ist ein Kommentar, der die Meinung des Autors und nicht zwingend die Sichtweise der Großloge, der Redaktion oder der Mehrheit der Freimaurer darstellt. Gleiches gilt für ggf. nachfolgend abgegebene Kommentare. Die Redaktion behält sich vor, unangemessene Kommentare zu löschen.

Continue reading...

Chemnitzer Brüder verdienen Solidarität

Das Karl-Marx-Monument in Chemnitz

Foto: ArTo / Adobe Stock

"Gemeinsam gegen Menschenverachtung, Intoleranz und Hass": Die Brüder der Freimaurerloge "Zur Harmonie" i. O. Chemnitz nehmen mit deutlichen Worten Stellung zu den Geschehnissen in ihrer Stadt.

Von Br. S.L., Redner der Osnabrücker Loge "Zum Goldenen Rade"

In ihrer Erklärung betrauern sie den Chemnitzer, der bei einer Auseinandersetzung auf dem Stadtfest sein Leben verloren hat, verwahren sich aber dagegen, dass sein schrecklicher Tod für Hasskampagnen missbraucht wird.

Die Erklärung der Chemnitzer Brüder macht deutlich, dass die Werte der Freimaurerei gerade jetzt orientierende Kraft entfalten können und dass es angesichts der krawallartigen Szenen, die sich in Chemnitz und zuletzt auch in Köthen zugetragen haben, wieder Mut erfordert, sich zu ihnen zu bekennen. Denn der Aufruf zu Toleranz und Mäßigung bedeutet, sich denen in den Weg zu stellen, die noch aufzuklärende Todesfälle zum Anlass nehmen, um zum Hass aufzurufen, Menschen auf offener Straße zu bedrängen und, wie in Köthen geschehen, in Sprechchören nach einem neuen Nationalsozialismus zu rufen.

Das freimaurerische Bekenntnis zur Humanität mag noch vor wenigen Jahren für manche Beobachter nach bequemer Allgemeinheit geklungen haben. Jetzt erweist es sich als dringlich. Die Chemnitzer Brüder verdienen allen Respekt und jede brüderliche Unterstützung dafür, dass sie sich in diesen Tagen so klar positionieren.

Dabei kann es nicht um parteipolitische Statements gehen, kann das Für und Wider der Migrations- und Flüchtlingspolitik nicht im Mittelpunkt stehen. Freimaurern geht es um das von Respekt, Toleranz und gegenseitiger Hilfe geprägte Zusammenleben der Menschen. Sie fassen dieses Ziel im Symbol des Tempelbaus der Humanität zusammen. Freimaurer leben in ihren Logen vor, wie Menschen unterschiedlicher Weltanschauungen, Bekenntnisse und Herkünfte respektvoll miteinander umgehen und sich in gemeinsamer Arbeit für eine bessere Zukunft vereinigen können. Die so mit Leben erfüllte Bauhütte ist der Aufriss für eine gesellschaftliche Wirklichkeit, in der Hass, Angst, Intoleranz und Gewalt keinen Platz haben. 

In diesem Sinn sollten gerade Brüder Freimaurer aktiv für Freiheit, Respekt und Gewaltlosigkeit eintreten und sich dabei gegenseitig ermutigen und unterstützen. Dieses Signal der Unterstützung gilt aktuell den Chemnitzer Brüdern – und weiter all jenen Freimaurern, die sich gerade dort für Menschenliebe engagieren, wo Hassparolen gegrölt werden. Das gesellschaftspolitische Klima wird in unserem Land mehr und mehr von hässlichen Kontroversen geprägt, mit denen am Ende niemandem geholfen ist. Das Engagement gegen gesellschaftliche Spaltung ist gefragt. Wir Brüder Freimaurer haben darin unsere derzeit dringlichste Aufgabe.

Dies ist ein Kommentar, der die Meinung des Autors und nicht zwingend die Sichtweise der Großloge, der Redaktion oder der Mehrheit der Freimaurer darstellt. Gleiches gilt für ggf. nachfolgend abgegebene Kommentare. Die Redaktion behält sich vor, unangemessene Kommentare zu löschen.

Continue reading...

Arbeitstagung der Forschungsloge in Hannover

"Nanas" der Künstlerin Niki des Saint Phalle an Hannovers Leineufer

© Blickfang / Adobe Stock

Vom 12. bis 14. Oktober findet in Hannover die 54. Arbeitstagung der Forschungsloge "Quatuor Coronati" statt. Thema ist "Zwischen anhaltender Gegnerschaft und zunehmender Akzeptanz".

“Das Freimaurerbild in der deutschen Öffentlichkeit und die Präsenz des Bundes im öffentlichen Raum”, so der Untertitel der dreitägigen Veranstaltung ändert sich, verharrt aber nach wie vor zwischen Gegnerschaft, Vorurteilen und Unkenntnis auf der einen und zunehmender Akzeptanz und einem guten Ruf bei Teilen der Bevölkerung auf der anderen Seite.

Etliche interessante Vortäge werden den Besuchern im Logenhaus in der Lemförder Straße in Hannover geboten. Nach der Begrüßung und Eröffnung durch Thomas Forwe, den Meister der Forschungsloge referiert Hans-Hermann Höhmann über “Das ‘Geheime’ und das ‘Öffentliche’ in den Diskursen der Freimaurer, gefolgt von einem Vortrag von Christian Meier über den “Wandel zum Positiven? Die deutsche Presse und die Freimaurerei.” Helge Björn Horrisland aus Kristiansand berichtet über “Die ‘völkische Freimaurerei’ in Deutschland und ihren Einfluss auf die internationalen freimaurerischen Beziehungen”. Die ehemalige Großmeisterin der Frauen-Großloge, Helga Widmann, schildert die Wahrnehmung der Freimaurerinnen in der Öffentlichkeit und von Henk Masselink erfahren die Besucher etwas über den Großosten der Niederlande und sein gesellschaftliches Umfeld. Ein weiterer Blick über die Grenzen kommt von Alain de Keghel in seiner “Fallstudie Frankreich”. Den Haupttag beschließt Reinhard Markner unter dem Thema “Eine Freimaurerei der Mittelmächte” mit einem Blick auf die Berliner Konferenz 1918.

Am Sonntag schließt die Akademietagung mit dem gewohnten zweistündigen Abschlussgespräch, moderiert von Thomas Forwe.

Anmeldungen sind bis zum 24. September 2018 an den Sekretär unter sekretaer@quatuor-coronati.org zu richten, der gerne weitere Fragen zur Veranstaltung beantwortet.

Die Forschungsloge „Quatuor Coronati“ wurde 1951 mit Sitz in Bayreuth gegründet. Sie gehört den Vereini­gten Großlogen von Deutschland an (Matrikelnummer 808). Die Loge ist inzwischen auf rund 1600 Mitglieder allein aus deutschen Großlogen angewachsen und wurde damit zum bedeutendsten Träger freimaurerischer Forschung in Deutschland. Tätigkeitsfeld ist neben Grundlagen­for­schung auch angewandte Forschung, die der freimaurerischen Praxis dienen soll.

Continue reading...

Die Juden in den deutschen Logen

Guntram B. Seidler: "Die Juden in den deutschen Logen"

“Sicherlich wird auch die vorliegende Schrift über die Geschichte der Juden in den deutschen Logen für den Freimaurerbund als Institution und seine Brüder nicht erfreulich sein.”, schreibt der Autor Guntram B. Seidler in seinen Vorbemerkungen.

Am Beispiel des Umgangs mit Juden erfahren wir Wesentliches über die geistige Verfasstheit der deutschen Freimaurer vor allem am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Guntram B. Seidler ist in seinem Werk der Frage nachgegangen, wie sich Antisemitismus, aber auch Weltoffenheit, in deutschen Freimaurerlogen seit Jahrhunderten artikuliert. Dabei wird deutlich, “dass die Bundung der Freimaurerei an die christliche Konfession eine Komplizenschaft mit dem Nationalsozialismus zur Ausgrenzung und Verfolgung von Juden begünstigte”, wie Thomas Forwe, derzeitiger Meister der Forschungsloge “Quatuor Coronati”, in seinem Geleitwort bemerkt.

Das Buch besteht aus zwei Teilen. Der erste beschäftigt sich mit den Junden in den Freimaurerlogen, der Rolle der Religion in der Freimaurerei und der Juden zur Freimaurerei, insbesondere aber mit dem Ringen der verschiedenen Großlogen um die “Judenfrage” und den frühen Kampf für und gegen die Zulassung von Juden in den Logen mit eigenen Kapiteln für verschiedene Großlogensystem von liberalen bis hin zu den Altpreußischen Großlogen.

Der zweite Teil beschäftigt sich mit dem “Uabhängigen Orden B’nai B’rith”, der oft fälschlich als “jüdische Freimaurerei” bezeichnet wird, mit den Wurzeln, der Organisation in Deutschland und vielen anderen wissenswerten Themen.

Es handelt sich um ein akribisch recherciertes Werk von rund 500 Seiten, das aber bewusst keine wissenschaftliche Aufarbeitung sein will, um für eine breite Öffentlichkeit lesbar und nachvollziehbar zu bleiben. Die Beschäftigung mit diesem Thema passt in eine Zeit, in der auch einzelne Freimaurer nicht gefeit sind vor den um sie bestehenden gesellschaftlichen Veränderungen.

Guntram B. Seidler, “Die Juden in den deutschen Logen”,Hardcover 17 x 24 cm, 512 Seiten, 29,00 €. Erschienen im Salier-Verlag unter der ISBN 978-3-943539-62-2.

Continue reading...

Die erste Stunde

© psdesign1 / Adobe Stock

Der Autor beschäftigt sich in mehreren Zusammenhängen mit "der ersten Stunde" und mahnt wie einer der Logengründer nach der "dunklen Zeit" des Unrechts, die Erkenntnisse der Freimaurerei zu nutzen statt sie zu verspielen.

Von Br. Bernd Soyke aus der Loge “Zur königlichen Eiche” in Hameln

Wer kann sich kann sich an seinen ersten Lebensmoment erinnern? An den ersten Augenblick unseres Lebens, das erste Licht und unseren allerersten Atemzug können wir uns nicht entsinnen. Die schützende Hand der Eltern, den warmen ruhigen Atem der Mutter und die Freude um uns herum haben wir vielleicht gespürt, sie hat uns möglicherweise auch geprägt, aber eine aktive Erinnerung an unseren ersten Schritt ins Leben haben wir nicht.

An die erste Stunde einer Aufnahme zum Freimaurer wohl aber schon. Und diese Erinnerung wird jedes Mal aufs Neue geweckt, wenn ein Suchender hereingeführt und dem in diesem Raum, der für uns eine ganz besondere Bedeutung hat, ebenfalls das Licht gegeben wird. Und mit dieser Initiation ein neuer Bruder in unserem Bunde seine Aufnahme erlangt.

Doch auch wenn mancher von uns diesen Augenblick mit einer „zweiten Geburt“ vergleicht, ist doch so vieles verschieden. Gleich wie unser junger Bruder, der eben aufgenommen wurde, haben auch wir voller Hoffnung und Erwartungen auf jenem Stuhl Platz genommen, der dem Jüngsten unter uns vorbehalten ist. Und zwar vollkommen bewusst über unser Tun, die konsequente Umsetzung einer reiflich überlegten Entscheidung. Ich denke, uns war in diesem Moment klar, daß diese Stunde unser Leben ändern wird.

Überwältigt von vielen Eindrücken, deren tieferer Sinn sich uns erst zu einem späteren Zeitpunkt erschließt, haben wir uns – bewußt oder unbewußt – manche Fragen gestellt. Werden meine Erwartungen und Wünsche erfüllt, was wird von mir erwartet, kann ich dem allem gerecht werden? Und auch in den Kolonnen stellt mancher Bruder sich ähnlichen Fragen: Wurden meine Erwartungen erfüllt, konnte ich den Anforderungen meiner Brüder gerecht werden, was bleibt zu tun?

Nun, im Laufe unserer freimaurerischen Entwicklung lernen wir vor allem Eines: uns selbst zu erkennen! Diese recht einfache Aufgabenstellung, doch oft diese so schwer zu erlangende Erkenntnis, kann durch brüderliche Hilfe unterstützt werden. Oftmals stellen wir fest, daß diese Selbsterkenntnis eine recht widerspenstige Persönlichkeit besitzt, sie wandelt sich und versteckt sich gerne in den Wirren des Alltags. Wir können aber das Licht nutzen, welches uns an einem Tag wie dem heutigen gegeben wurde und, Diogenes gleich, den Menschen in uns suchen. Selbsterkenntnis setzt die Achtung vor sich selbst voraus, ich muß mit mir im Reinen sein, um das Licht nutzen zu können. Und wenn ich dann bei mir einkehren kann, meinen Tempel in mir aufsuche, dann habe ich die Kraft, die Aufgabe anzugehen.

Vielleicht hatten die Brüder, welche im Jahr 1778 in Hameln die Loge „Zur Eiche“ gründeten ähnliche Absichten. Eventuell aber waren es ganz andere Beweggründe, welche die Brüder Avenarius, Brauns und Andere dazu bewogen haben, nun auch in Hameln eine Freimaurerloge zu gründen. Es war jene Zeit der Aufklärung, in welcher die Freimaurerei ihre erste große Entwicklung nahm. Vieles, was wir heute als selbstverständlich annehmen war damals noch völlig im Ungewissen. Neben den Aufklärern tat sich mancher Scharlatan hervor und so wurde kurz nach der Lichteinbringung in unserer Bauhütte ein Kongreß in Wilhelmsbad einberufen, welcher der Freimaurerei ihre Würde zurückgab.

Zweimal noch mußte das Licht in die Hamelner Loge wieder eingebracht werden, weil die politischen Umstände ein zeitweises Ruhen der Arbeiten erforderlich machen. Zu Beginn des Jahres 1946, also gleichsam in der „Stunde Null“ Deutschlands, kamen die Hamelner Brüder wieder zusammen und erlebten hier ihre „erste Stunde“ der Freimaurerei nach all dem Grauen. Und da legte Bruder Wilhelm Fischdick seine Zeichnung auf, welche glücklicherweise erhalten geblieben ist. Dieser als „Bußzeichnung“ uns vorgehaltene Spiegel beeindruckt noch heute durch die Kraft der Worte und Tiefe des Sinns. Vor allem aber durch die in weiten Teilen durchaus aktuelle Mahnung an die Brüder, sich stets dem tieferen Sinn von Ritual und der Arbeit an uns selbst zu vergewissern.

Wir leben in guten Zeiten. Und gute Zeiten machen sorglos und träge.

Heute stehen wir als Bauhütte wieder „in vollem Saft“, die Loge arbeitet im besten Sinne, unser Haus steht gut bestellt da und bietet den Brüdern eine komfortable Heimstatt für unsere Zusammenkünfte. Jedoch möchte ich gerade deshalb Bruder Fischdick zitieren: „Was haben wir noch aus eigener Anschauung gewusst von der Gegnerschaft alter Zeiten, so daß man zu geheimer Stunde um Hochmitternacht, auf der Flucht vor der Sonne des Tages, in den Bauhütten zusammenkommmen mußte, zu einer Gemeinsamkeit, die gerade darum aus Verschwiegenheit ihren festen Bestand schöpfte?“

Wir leben in guten Zeiten. Und gute Zeiten machen sorglos und träge. Die Geschichte unserer eigenen Loge sei uns hierbei Lehre und Richtschnur. Ich wünsche mir, daß auch die nachfolgenden Generationen unser Arbeiten als würdig achten. Dazu gehört auch, daß wir unsere Wünsche und Träume beizeiten – also zu Lebzeiten – umsetzen.

„Die with memories, not with dreams“ sagt man in England. “Sterbe mit Erinnerungen, nicht mit Träumen” heißt auch, daß es unsere Taten sind, die zählen. Selbst ein noch so gut gefaßter Vorsatz bleibt ein Traum, wenn wir es unterlassen, ihn zu realisieren. Arbeiten wir daran – in uns, mit unseren Brüdern – und besser heute noch als morgen!

Dies ist ein Kommentar, der die Meinung des Autors und nicht zwingend die Sichtweise der Großloge, der Redaktion oder der Mehrheit der Freimaurer darstellt. Gleiches gilt für ggf. nachfolgend abgegebene Kommentare. Die Redaktion behält sich vor, unangemessene Kommentare zu löschen.

Continue reading...

Der gekochte Frosch

imacture / Adobe Stock

Unsere gesellschaftlichen Werte erodieren zusehends. Vielleicht bemerken wir es, aber wir handeln nicht konsequent. Br. B.F. hat es bemerkt und mahnt mit einer Ritualaufforderung: "Wehret dem Unrecht, wo es sich zeigt."

Stellen wir uns vor, man wirft einen Frosch in einen Topf mit brühendheißem Wasser. Der Frosch wird die Veränderung seiner Umwelt rasch bemerken und versuchen, so schnell wie möglich wieder heraus zu kommen. Was passiert aber, wenn man ihn in einen Topf mit lauwarmen Wasser wirft? Der Frosch wird sich wohlfühlen. Erwärmt man nun das Wasser langsam, sagen wir stündlich um jeweils 1° C, so passiert überraschenderweise zunächst gar nichts. Der Frosch fühlt sich weiter wohl und bemerkt die lebensbedrohliche Temperaturerhöhung nicht. So bekommt er nicht rechtzeitig mit, dass er gekocht wird. Sobald er es bemerkt, bekommt er eine Hitzestarre und kann dann nicht mehr fliehen. Er ist verloren!

Zugegeben eine böse Geschichte, aber sie zeigt Parallelen zu unseren derzeit stattfindenden gesellschaftlichen Prozessen. Wir erkennen offensichtlich nicht, wie bedrohlich die gegenwärtige gesamtgesellschaftliche Situation für uns alle ist. Am Ende kann es uns ergehen, wie dem armen Frosch; wir begreifen erst was geschehen ist, wenn es zu spät ist.

Worum geht es?

Unübersehbar drängen solche gesellschaftlichen Kräfte in die Zentren der Macht, die grundlegende Veränderungen herbeiführen wollen. Längst überwunden geglaubte nationalistische Strömungen werden von Konservativen, Rechtspopulisten und Rechtsextremisten wieder hoffähig gemacht (… man wird ja wohl noch sagen dürfen.) Eine offene, pluralistische Gesellschaft, die in allen Bereichen vorhandene Vielfalt von Gruppen, Organisationen, Institutionen, Meinungen, Ideen, Werten und Weltanschauungen gleichberechtigt nebeneinander zulässt, wird propagandistisch und dort wo möglich auch operativ massiv bekämpft. Grundwerte, die weitgehenden verfassungsrechtlichen Schutz in Europa hatten, stehen bereits zur Disposition, oder wurden bereits abgeschafft. Im EU-Staat Polen wird die Legislative entkernt und dem Willen der Exekutive unterstellt, also faktisch abgeschafft. In einem EU-Land wird die Gewaltenteilung beseitigt und die europäischen Staaten zeigen sich völlig apathisch bis zur resignativen Handlungsunfähigkeit.

Rechte Bewegungen, Organisationen oder Parteien mögen sich an der sogenannten Migrationsfrage, an Grenzkriminalität und Asylbewerberproblemen abarbeiten, doch das sind nur die Symptome. Die eigentliche Krankheit geht sehr viel tiefer. Es geht um die grundlegende Veränderung unserer Gesellschaft, um Abschaffung einer offenen, freiheitlichen Gesellschaft und die Etablierung einer autoritären, obrigkeitsstaatlichen „gottgewollten“ Ordnung. Alain de Benoist, einer der führenden Köpfe der französischen Neuen Rechten Bewegung erklärt dazu folgendes: „Mein Hauptgegner ist der Kapitalismus in ökonomischer Hinsicht, der Liberalismus in philosophischer und das Bürgertum in soziologischer Hinsicht.“ Wenn ein namhafter deutscher Politiker davon spricht, man brauche eine „konservative Revolution“, dann meint er genau das, nämlich eine autoritäre, obrigkeitsstaatliche Ordnung. Das ist keine Entgleisung, wie ein Kommentator in der „Süddeutschen Zeitung“ meinte, nein! Das politisches Ziel.

Der Ethnopluralismus soll die homogenen Völker in ihren eigenen Räumen halten, wobei Liberalismus, Toleranz und Pluralismus durch die Souveränität der Nationalstaaten ferngehalten werden soll. Der Begriff Raum ist hier sowohl als territorialer Raum, wie auch als Überbau eines gemeinsamen geistigen Raumes zu verstehen. Vergleichbare Ziele verfolgen die politische Linke und [ man beachte!] der Islamismus. Auch die politische Linke will den Kapitalismus, den Liberalismus und das Bürgertum [Bourgeoise] durch eine eigene sozialistische Gesellschaftsform ersetzen. Dabei ist das Versagen der Linken besonders kläglich, denn an Stelle des Kampfes gegen ökonomische Ausbeutung ist der Kampf gegen kulturelle Diskriminierung getreten. Die derzeit vehement betriebene Identitätspolitik vieler Linker entfernt sich in gleichem Maße vom Universalismus der Aufklärung, wie die Neue Rechte. Auch der politische Islamismus verfolgt die gleichen Ziele, weil die derzeitige Gesellschaftsform nicht „gottgewollt“ ist. Ziel der Islamisten ist der Errichtung eines Gottestaates.Die Gesellschaftsform, in der wir leben, wird also z.Zt. von drei Seiten, die sich in ihren Zielen kaum voneinander unterscheiden bedroht. Die Neue Rechte, die den größten Zulauf findet und permanent wächst, die politische Linke, die in meiner Wahrnehmung jedoch weitgehend domestiziert ist und der politische Islamismus, dessen Entwicklung schwer vorhersehbar ist. Sowohl die Neue Rechte, als auch die Linken benutzen dabei jeweils ein Opfernarrativ. Sieht die Neue Rechte die ethnische Reinheit [Rasse], das Volk, den Lebensraum, aber auch eine kulturelle Unterwanderung als Bedrohung, so sieht die Linke eher Ausbeutung, Unterdrückung und ökonomischen Imperialismus als Hauptgefahr.

Neben dem Dauerthema „Fremde und Überfremdung“ eint die Neue Rechte ein weiterer gemeinsamer Feind: Die Europäische Union. Die EU mit einer multikulturellen Gesellschaft ist für die Dansk Folkeparti aus Dänemark, die LEGA Nord aus Italien, die AfD aus Deutschland, die FPÖ aus Österreich, die BREXIT Befürworter in England, die katalanischen Separatisten und den FRONT National in Frankreich, ein internationaler Moloch, der mit Beschlüssen und Entscheidungen die einzelnen Nationen fremdbestimmt und diese letztlich auflösen will. Dieses Feindbild verbindet die gesamte Europäische Rechte.

Nicht wegen tausender Flüchtlinge an den europäischen Grenzen droht die EU zu zerbrechen, sondern weil ihr die Kraft fehlt sich innerlich zu erneuern und den Kerngedanken der europäischen Integration weiter zu entwickeln.
Die „America-first-Politik“ des US Präsidenten ist die amerikanische Version der gleichen Denkart und somit eine Abbildung der Ziele der europäischen Neuen Rechten. Bei der amerikanischen All-Right Bewegung kommt zum nationalistischen ein sehr stark ausgeprägtes rassistisches Moment hinzu. Auch die Annexion der Halbinsel Krim durch Russland beruht auf dem gleichen nationalistischen Weltbild. Der russische Nationalist Alexander Dugin, Lehrstuhlinhaber an der Lomossow-Universität in Moskau, spricht bei einer Zusammenkunft der Neuen Rechten in Wien 2014 dann auch folgerichtig von „russischem Boden, russischem Blut und russischem Raum.“

Wir haben es hier also mit einer breit aufgestellten, supranational agierenden Neuen Rechten-Bewegung zu tun. Wir erleben gegenwärtig die Erosion unserer Gesellschaftsordnung – einer Gesellschaftsordnung, die ihre geistigen Fundamente in der Aufklärung hat und die mit Blut, Schweiß und Tränen von vielen Generationen vor uns mühsam erkämpft wurde.

Transportmittel und Beschleuniger der Werte-Erosion sind die schönen neuen Medien mit den sogen. sozialen Netzwerken. Facebook, Twitter, Instagram und zahlreiche Blogs im Internet sind zu Plattformen von Hassverbreitung, gezielten Falschinformationen, dreisten Lügen und Agitation geworden. Nahezu unkontrolliert kann jedermann zu jeder Zeit an jedem Ort die neuen Medien nutzen, um seine Interessen und Ziele ohne jegliche Rücksichten zu verfolgen.

In Art. 21 GG heißt es u.a.“ Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit.“ Die Parteien haben also den verfassungsmäßigen Auftrag, die politische Willensbildung durchzuführen. Aber wo findet heute die politische Willensbildung statt? In Talkshows, in Blogs und in sozialen Netzwerken. Eigentlich ein Skandal, denn unser Grundgesetz wird ausgehöhlt. Das alles geschieht heute vor unseren Augen. Damit sind wir dann auch wieder bei dem „gekochten Frosch“. Bis sich eine gesellschaftlich relevante Gegenbewegung aufgebaut hat und wirkungsvoll agiert, ist es vielleicht für uns und unsere Kinder zu spät. Unsere Gesellschaftsordnung, die sich auf Liberalität, auf Recht und Gleichberechtigung gründet wird in diesen Tagen zerstört. Wir verspielen unser Werte.

Die metaphysische Aufladung und die mythische Überhöhung aller dieser genannten Begriffe der Neuen Rechten (Volk, Umvolkung, ethnische Reinheit, Raum, Lebensraum, Blut, etc.), aber auch die abstoßende Verrohung der Sprache durch Hetzparolen wie Asyltourismus oder Abschiebeindustrie stehen in diametralem Widerspruch zu einer aufgeklärten Gesellschaftsform, die sich auf freie Information, auf Wissen und Erkenntnis bezieht und daraus unverzichtbare Werte wie Toleranz, Offenheit und Brüderlichkeit ableitet. Es widerstrebt meinem moralischen Kompass und meinem freimaurerischen Ethos zutiefst, dass die Errungenschaften der Aufklärung, die auch unsere freimaurerischen Ideale sind, auch deshalb zerstört werden, weil wir sie unseren Feinden überlassen.

Dies ist ein Kommentar, der die Meinung des Autors und nicht zwingend die Sichtweise der Großloge, der Redaktion oder der Mehrheit der Freimaurer darstellt. Gleiches gilt für ggf. nachfolgend abgegebene Kommentare. Die Redaktion behält sich vor, unangemessene Kommentare zu löschen.

Continue reading...

Osnabrücker Freimaurer öffnen Besuchern besonderen Raum

Ein Raum im Raum: Die symbolische Stille Kammer

Auch in diesem Jahr öffneten die Osnabrücker Freimaurer im Rahmen der alljährlichen Osnabrücker Kulturnacht am 25. August 2018 für einen Abend ihr Logenhaus der Öffentlichkeit. Über 250 Besucher nutzten die Möglichkeit, sich in einer symbolischen Stillen Kammer grundsätzliche Fragen zu stellen.

(Osnabrück/ck) Ein besonderer Höhepunkt der Loge zum Goldenen Rade war die erneute Teilnahme an der Osnabrücker Kulturnacht am 25. August 2018. Das vom städtischen Kulturbüro vorgegebene Motto der diesjährigen Veranstaltung war der „Raum“ und so öffneten dutzende Kulturträger, Museen, Ateliers, Vereine und sonstige Institutionen des öffentlichen Lebens einen Abend lang ihre Pforten für die Öffentlichkeit, um sich mit dem Leitmotiv „Raum“ künstlerisch auseinanderzusetzen.

So ergab sich die Gelegenheit, der Öffentlichkeit einen sehr speziellen freimaurerischen Raum etwas näher zu bringen, der immer schon geheimnisumwoben war und gleichzeitig so oft wie kein zweiter porträtiert wurde: die Stille Kammer.

Dabei ging es nicht darum, eine Hausführung anzubieten (was nicht geschah), sondern sich dem Kern einer stillen Kammer symbolisch zu nähern. Zentraler Baustein war also ein Würfel mit 2,5 Meter Seitenlänge, der nur aus den Kanten bestand und somit einsehbar war. Ein Tisch, ein Stuhl, musivisches Pflaster als Untergrund und das bekannte Vanitas-Stillleben auf dem Tisch komplettierten die Installation und schufen einen Raum im eigentlichem Raum, dem großen Saal des Osnabrücker Lortzinghauses.

Jeder Besucher bekam durch ausgehängte schriftliche Erläuterungen vor Betreten der Installation die Handlungsempfehlung, er solle den Saal betreten, sich an den Rand setzen, den Kubus betrachten, sich vorstellen, er säße auf dem Stuhl und sich dann fragen, wer er selber sei, was ihm wichtig sei und was er noch erleben möchte.

Das Konzept ging perfekt auf und fast alle Besucher verharrten lange Minuten in tiefen Gedanken versunken und die würdevolle Atmosphäre aufsaugend auf ihren Plätzen. Sie beschäftigten sich dabei implizit mit einem Kern der Freimaurerei, dem “Erkenne Dich selbst”, ohne dass man es Ihnen explizit erklären musste oder irgendein Arkanum verriet.

Hinter dem Ausgang des Saals war ein kleiner Get Together Bereich aufgebaut und mehrere Brüder und Schwestern standen bei Wein, Wasser und Grissini für Rückfragen jeder Art zur Verfügung. Es entwickelten sich unzählige spannende Konversationen und die Rückmeldungen der Besucher waren uneingeschränkt positiv. Wieder einmal zeigte sich, dass lokale Logen durch ein maßvolles und zugleich würdevolles Öffnen und Erklären Ihrer Inhalte sehr viel für eine positive Wahrnehmung in der Öffentlichkeit tun und wie selbstverständlich als kulturelles Prisma einer Stadt wirken können.

Continue reading...