Grüße und Wünsche des Großmeisters

Großmeister Prof. Dr. Stephan Roth-Kleyer

Die Adventszeit ist bereits an uns vorbeigeeilt und es sind nur noch wenige Tage bis zum Jahreswechsel. Und immer ist die Vorweihnachtszeit durch eine Fülle abzuschließender Aufgaben gekennzeichnet, welche die Sicht auf das neue Jahr einschränken können. Dennoch möchte ich die Gelegenheit nicht verstreichen lassen, einen entspannten Ausklang des Alten und eine gehörige Portion Vorfreude auf das Neue Jahr zu wünschen. Es ist auch die Zeit, in der man innehält, um das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen und dem kommenden Jahr vielleicht nachdenklich, vor allem aber hoffnungsfroh entgegen zu sehen.

Für das nächste Jahr haben sich die Großloge wie auch ihre 275 Tochterlogen einiges vorgenommen. Im Jahr 2017 feiert die organisierte Freimaurerei weltweit ihr 300jähriges Bestehen. Das wird auch für die deutsche Freimaurerei ein richtungsweisendes Jahr mit vielen informativen Veranstaltungen. In diesem Zusammenhang werden die Logen der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland 2017 mit verschiedenen regional organisierten Veranstaltungen in die Öffentlichkeit gehen.

Anlässe wie diese sind geeignet und wichtig, um die Gesellschaft an unserem Logenleben teilhaben zu lassen, um mehr Transparenz zu schaffen. Sie sind auch ein wichtiger äußerer Ausdruck unserer freimaurerischen Zielsetzung. Um dieses unser Tun auch nach außen hin zu dokumentieren und zu kommunizieren, sind schon jetzt für 2017 zahlreiche öffentliche Veranstaltungen unterschiedlicher Ausprägung geplant. Diese Veranstaltungen sind essentiell, um besser in der Gesellschaft verstanden zu werden.

Wir werden künftig intensiv daran weiter arbeiten, uns von den schlechten Märchen und schlimmen Mythen, die uns noch immer nachhängen, aktiv zu lösen. Das wird uns erstens helfen, unsere Bedeutung offensichtlicher zu machen und zweitens unsere Attraktivität für neue Mitglieder zu stärken. Wir werden über unsere in der Aufklärung und dem Humanismus verankerten Traditionen verstärkt informieren. Und wir werden uns den Fragestellungen, die wir an uns selbst haben und an die, die die Gesellschaft an unsere humanitäre Freimaurerei hat, stellen müssen. Unser Blick soll zunehmend in die Zukunft gerichtet sein. Ich würde mich freuen, wenn wir uns bei diesen Veranstaltungen des Öfteren begegnen.

Abschließend möchten die beiden Unterzeichner Ihnen/Euch für Ihr/Euer hohes Engagement und Eure hervorragende Arbeit bedanken. Allen Lesern unserer Internetseite und des Newsletters danken wir für das Interesse an unserer Bruderschaft. Ihnen/Euch allen, Euren Familien und Freunden wünschen wir ein frohes Weihnachtsfest und verbinden dies mit den besten Wünschen für ein gesundes, friedvolles und erfolgreiches Jahr 2017.

Stephan Roth-Kleyer
Großmeister der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland

Carlos Urban
Internetbeauftragter der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland

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Ordnung, oder: Was ich am Puzzeln schätze

Puzzle

Winterzeit ist Puzzlezeit. Die Tage sind kurz und trüb, man geht im Dunkeln zur Arbeit und kommt im Dunkeln wieder heim. Wind, Kälte, Nässe und eine gut beschreibbare Ungemütlichkeit lassen uns zu Hause bleiben und selten gehen wir abends noch vor die Tür. Man liest, sieht fern, macht Dinge, die man das ganze Jahr vor sich hergeschoben hat und dann kommt es: Ein Familienmitglied geht auf den Dachboden, um eines der vielen dort aufbewahrten Puzzle zu holen, damit wir es auf dem Wohnzimmertisch ausbreiten.

Die Puzzle sind nicht zu klein und nicht zu groß, meist mit 1000, 1500, aber maximal 2000 Teilen. Weniger wäre keine Herausforderung, mehr würde die Größe des Tisches nicht hergeben. Es sind, wie schon erwähnt, nicht immer neue Puzzle, denn das Neue ist nicht das Wesentliche am Puzzeln. — Was aber macht den Reiz dieses Spieles aus?

Wenn ich den Deckel des Kartons öffne, sehe ich ein Großmaß an Unordnung; Chaos. Ich schüttle den Karton, durchkämme mit den Fingerspitzen die losen Einzelteile und greife die ersten Teile, meistens die mit einer geraden Schnittkante, die sich als Randteile zu erkennen geben, heraus. Und jedes Randteil, das ich erspähe und zur Seite lege, ist ein kleiner Erfolg, eine kleine Belohnung meines Bemühens, ein kleines Glücksgefühl. Nach dem ersten Sichten werden Teile systematisch untersucht und so der gesamte Puzzlerand erst lose und dann mit der Zeit passend zusammengesetzt. Dann werden die Puzzleteile ohne Schnittkante grob in Farben sortiert und in verschiedenen Gefäßen gesammelt, um dem Ganzen eine Grobstruktur zu geben. Und immer wieder habe ich eindeutige Entscheidungen zu treffen: Es gibt eine Ober- und eine Unterseite, ein richtig und falsch. Bei den Farben aber ist es noch eine vage Unterteilung.

Jedes Puzzleteil ist individuell, kein Teil gleicht einem Zweiten, es hat Nasen oder Buchten, die ineinandergreifen. Sie haben ihren eigenen präzisen Platz in dem entstehenden Bild. Es wird probiert und probiert, aber am Ende gibt es kein „Vielleicht“, kein „Eventuell“, kein „Könnte sein“, oder mehr als eine Möglichkeit, sondern nur: passt oder passt nicht.

Wichtig ist das Licht. Ohne die richtig Ausleuchtung, damit kaum Schatten fällt, die Puzzleteile nicht spiegeln und der Kontrast für ein klares Erkennen der Einzelteile ausreicht, wird es anstrengend. Und dann kommt es: Man starrt minutenlang auf das unfertige Bild, die vielen Teile verschwimmen vor den Augen, man verliert die Konzentration und dann kommt ein Dritter, völlig Unbeteiligter, schaut kurz, nimmt ein Puzzelteil und legt es an die passende Stelle. Und man denkt: Was für ein Glückspilz und lobt ihn; nicht wirklich aufrichtig. Und wenn dann von dem Glücklichen noch ein „Passt!“ oder „Siehste?“ kommt, presst man leicht die Lippen zusammen, denn das kratzt schon am Puzzlerstolz. Und ich denke, es ist wie im richtigen Leben: Du siehst den Wald vor lauter Bäumen nicht und in dem Moment kommt ein Laie daher, macht wenig bei viel Erfolg und du stehst da wie ein Depp.

Was nun hat das alles mit der Freimaurerei zu tun? Die Gemeinsamkeiten sind nicht offensichtlich. Der Reiz des Puzzlens ist nicht das Ergebnis, nicht das fertige Bild, an dem ich mich, wenn es denn vollendet ist, eine paar Tage erfreue, um es dann wieder zu zerstören und auf dem Dachboden zu verstauen. Ich kenne kaum einen Zeitvertreib, bei dem der Spruch vom Weg, der das Ziel sei, so passend ist. Es befriedigt gleichzeitig die Sehnsucht nach Struktur und Ordnung in einer immer chaotischer werdenden Welt. Gemeinsam puzzeln, schweigend, in einer gefühlten erholsamen Verbundenheit, ist ein Erlebnis, auf das ich mich jedes Jahr (und so geht es meiner Familie auch) wieder freue.

Hier gibt es sehr wohl Gemeinsamkeiten zur Freimaurerei.

Die Ruhe, die ich beim Puzzeln finde, in mich gekehrt, gedankenverloren, die Welt und die Zeit um mich vergessend, um dann entspannt und zufrieden wieder in die wirkliche Welt einzutauchen. Die Geduld, die ich benötige, den Eifer und den Fleiß sowie die Beharrlichkeit, die mich zum Erfolg führen; das alles läßt sich auch in unseren Lehrgesprächen der Lehrlinge wiederfinden. Hier sehe ich die Gemeinsamkeiten zu unserer rituellen Arbeit.

Gefundene Teile kann man, wie Brüder, nicht in eine vorhandene Lücke pressen, sondern muss mit Bedacht und Eifer den passenden Platz für sie finden, und die Teile müssen passgenau in die Lücken gleiten, jeder Zwang oder jedes Verformen, jedes Nötigen wäre fatal; mit Gewalt zurechtgebogene Teile fehlen an anderer Stelle und das Gesamtbild wäre krumm und schief. Hier ist die Verbindung zur Bruderkette.

Nur einen gravierenden Unterschied gibt es doch zwischen Puzzeln und Freimaurerei: Ein Puzzle ist endlich, die Maurerei ist es nicht.

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Zukunft — Quo vadis?

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Unser Gastautor Fritz Bründer hat sich anlässlich eines Vortrages in der Hoyaer Loge “St. Alban zum Æchten Feuer” mit den Zukunftsfragen “Was ist morgen? Was bringt mir die Zukunft? Wie wird das Wetter? Wie alt werde ich? Bleibe ich gesund?” beschäftigt, die eine rege Diskussion auslösten.

Alles Fragen in die Zukunft; Fragen, die wir gerne beantwortet haben möchten, die aber keiner beantworten kann. Und das ist gut so, sonst würde es Menschen geben, die mit Geld und Gewalt diese Fragen für sich positiv beantworten würden.

Der Mensch sehnt sich nach Sicherheit und Komfort. Arbeit ist für viele ein lästiges Übel. Sie vergessen dabei, dass Arbeit und Leistung etwas sehr Gutes sind. Es ist eine Gnade, wenn wir arbeiten können und etwas schaffen, das erhöht unser Selbstwertgefühl und gibt uns die Würde und Achtung für und in unserem Leben und fördert die Wahrheit für den Verstand. Weiter gehört zu unserer Zukunftsfähigkeit und zu unserem Dasein genügend Luft, Wasser, Nahrung, Kleidung und Wohnung, ausreichende Bewegung, Erziehung und Ausbildung. Das alles sind entwicklungswichtige Ziele. Junge Menschen müssen ständig durch praktische Übungen wie Selbstbeherrschung, Menschenliebe, Umsicht, Tatkraft, Ordnung, Sauberkeit, Pünktlichkeit und Verlässlichkeit ausgebildet werden. Die Führenden in Politik und Wirtschaft und auch Kirchen müssten für unfähige und bewusst lebenswichtige Entscheidungen und Handlungen zur Rechenschaft gezogen und haftbar gemacht werden. Damit wäre eigentlich schon alles gesagt – aber es geht noch ein bisschen weiter.

Der Strukturwandel oder die Globalisierung sind in unserem Leben feste Größen. Aufgeregte Diskussionen lohnen nicht. Das Problem ist, dass wir nicht mehr für alle Menschen auf dieser Welt genügend Arbeit haben, und zwar geht es um die bezahlte und bezahlbare Arbeit. Es wird immer wieder Menschen geben, die bereit sind für weniger Geld die gleiche Leistung zu erbringen. Ein Personalwechsel wird aber oft durch Tarifkartelle verhindert. Zunächst ist das richtig. Temporären Entwicklungen läuft das aber entgegen, da der jetzige Stelleninhaber immer mehr Prozentanteile seines Einkommens mit den Erwerbslosen teilen muss. Eine Umverteilung von Leistung und Entgelt und Nichtleistung und Entgelt sichert daher im Moment den sozialen Frieden in unserer Gesellschaft. Also zukünftig Lohn runter und ohne Arbeit kein Lohn?

Ein weiterer Gedanke. Politiker erzählen vor der Wahl, nach der Wahl wird Alles besser. So lügt sich fast jeder an die Spitze. In Europa sind die Staaten zu Reparaturbetrieben des Kapitalismus verkommen; wie lange geht das noch gut? Wirtschaftswundergeschichten schreiben andere. China ist ein neuer Industriegigant, der Rohstoffe und Investitionskapital ansaugt und so zur „Fabrik für die Welt“ heranwächst – unter Missachtung des einzelnen Menschen. Eine Arbeitsteilung zwischen den Staaten ist nicht durchführbar, d.h. jeder produziert und exportiert das, was er am besten kann – der eine Wein, der andere Soja und veredelte Textilien und so weiter. Die Globalisierung hat diese Idee längst entscheidend verändert, weil ehemalige Dritte-Welt Staaten sich mit diesem Status nicht abfinden wollen. Sie wollen nicht nur Grundstoffe verkaufen, sondern auch daraus veredelte Produkte.

Die einstigen Technologieführer müssen neue Produkte und effizientere Fertigungsverfahren entwickeln, damit sie im Wettbewerb nicht zurückfallen und verarmen. Sie müssen eine innere Dynamik entwickeln, sparsam wirtschaften und nicht mehr Geld ausgeben als sie haben. Die besten Bedingungen für einen kreativen Wettbewerb und eine kreative Entwicklung ist nur zwischen kleinen Einheiten, also zwischen den einzelnen Ländern, möglich; ähnlich wie inhabergeführte Geschäfte oder Unternehmen, die wie in manchen Weltunternehmen den Erfolgsleidensdruck kennen. Die deutsche Wirtschaftsgeschichte ist dafür der beste Beweis. Das hohe Ansehen – „Made in Germany“ – ist ein Prestige, auf das alle stolz sein können, die daran ein Jahrhundert mitgearbeitet haben. Mit diesem Pfand kann man wuchern. Er darf nicht ersetzt werden durch ein „Made in Europa“.

Bei alledem dürfen wir nicht vergessen, dass wir in einer endlichen Welt leben und unser Leben endlich ist. D.h. die natürlichen Ressourcen unserer Welt sind begrenzt, wir müssen damit haushalten. Ein richtiger Weg ist die Produktion von Transgenik – weniger Pflanzen unter strengem Controlling. Künstliche Chemie – Nutzung der natürlichen Abwehrkräfte der Pflanze. Das schont die Umwelt und fördert die Ansiedlung von Tierarten und Pflanzen, die vorher durch die Chemie dezimiert worden sind. Dieses Beispiel zeigt uns auch, wie wichtig die Wissenschaft im Allgemeinen und die technische Entwicklung im Besonderen für die Menschheit ist. Diese Entwicklungen sind wiederum nur von Großunternehmen zu leisten und auch möglich, da viele Konzerne mit ihren Gewinnen nicht Produktives anzufangen wissen. Man bedenke: Um die 360 Milliarden Euro lagern in der Karibik.

Marktwirtschaftler gehen in ihren Theorien immer nur von Konsum und Nachfrage aus. Hoher Verdienst des Konsumenten bedeutet hohe Nachfrage nach Konsumgütern, das wiederum heißt hohe Produktionswerte von Konsumartikeln. Ist die Nachfrage gering, muss dann der Saat eingreifen und den Konsum anheizen. Dazu braucht er Geld, das er meistens nicht hat. Also leiht er sich Geld – ein Teufelskreis. Bisher hat dieses System funktioniert, weil wir noch genügend Ressourcen haben und wenig Wohlhabende auf Kosten vieler Unvermögender leben. Das Ende der Ressourcen und das Ende des Stillhaltens der Ärmeren kommt mit zunehmender Globalisierung immer näher. Diese Hypothek für unsere Kinder wird immer größer, wie auch die Zahl der Menschen beständig wächst.

Eine Lösungsmöglichkeit ist die sinnvolle Information des Einzelnen über andere Länder und Kulturen und über die absolute Endlichkeit unserer natürlichen Ressourcen. Parallel dazu müssen wir mehr in die Bildung der Menschen investieren. Nur kluge Menschen mit Lebenserfahrung sind in der Lage, die tägliche Situation zu definieren und zu verstehen. Politiker sind dazu in der Regel ungeeignet, weil sie meistens nur Machtbesessen sind, dies aber in Abrede stellen!

Die Frage ist nämlich, ob unsere Industriegesellschaft der Macht; die sie in der Natur gewonnen hat, sittlich, geistig und politisch gewachsen ist. Wenn nicht, könnte sich das deutsche Märchen vom armen Fischer und seiner Frau wiederholen, als das Drama unserer Industriegesellschaft: Aus der Hütte in das Häuschen, vom Häuschen in den Palast, vom Palast auf den Königsthron, vom Königsthron auf den Stuhl vom Papst. Wer diesen Weg hinter sich hat, wird schließlich auch noch die Macht des Schöpfers für sich haben wollen. Dann aber führt dieses Wachstum an den Ausgangspunkt zurück, sofern es den dann noch gibt. Was wir brauchen ist ein Gemeinschaftsgefühl aller Menschen dieser Erde, ohne dieses Gefühl haben wir alle keine Zukunft.

Bedenken wir, das Kapital hat einen Horror vor wenig oder keinem Profit. Mit Profit erwacht das Kapital:  bei 10% Profit wird es noch mal sicher,  bei 20% lebhaft,  bei 50% positiv waghalsig,  bei 100% stampft es die menschlichen Gesetze unter seinen Fuß, bei 300% gibt es kein Verbrechen, da es nicht existiert und als allgemein gültig angesehen wird. Aber im Moment geht die Entkopplung des Geldsystems von der realen Wirtschaft fröhlich weiter. Das Feuer heutiger Staatsfinanzen wird nicht mit Wasser gelöscht, sondern mit dem Brennstoff, der auch Finanzkrisen auslöst – mit geliehenem Geld. Die Ungleichheit geht weiter, der sogenannte Gini-Koeffizient sagt: Er liegt bei null, wenn Alle das Gleiche verdienen und steigt auf hundert, wenn einer das gesamte Einkommen kassiert und alle Anderen leer ausgehen. Seit Mitte der 80erJahre nahm er zu von 29% auf 32%. Es gibt kaum ein Land, in dem in diesem Zeitraum bis heute die Ungleichheit zurückgegangen ist.

Ziel unseres Handelns als Freimaurer muss es sein, nach einem Vernunftgesetz von Schröder zu handeln: Wahrheit für den Verstand, Recht für den vernünftigen Willen, Bruderliebe für das Herz oder die gesellige Neigung. Auf diesen Zweck, ehrliche Leute aus Überzeugung zu vereinigen und zu bilden, muss die Freimaurerei sich einschränken. Wir sind Menschen, weiter nichts; wir kennen keine Würde, als die, der Mensch sich selbst gibt.

Abschließend: Wir brauchen keine Wissenschaftler, die sagen: Wir haben die Fakten geliefert. Wir brauchen keine Politiker, die sagen: Wir haben die Fakten gehört.

Wir brauchen Menschen mit Moral!

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Schon wieder Zauberflöte? Aber ja: und lesenswert!

Ekhart Wycik,

Schon wieder ein Buch über die Zauberflöte, die beliebte Oper von Mozart und Schikaneder? Ja, warum denn nicht? Diese Oper ist unergründlich vielschichtig, und wenn jemand sie gleichermaßen kenntnisreich wie unterhaltsam präsentiert und dabei auch noch neue Blickwinkel erlaubt? Dann hat es seine Berechtigung.

Die Musik von Wolfgang Amadeus Mozart, das geben sogar Mozart-Kritiker zu, ist genial. Vielleicht manchmal etwas zuckersüß, ein bisschen viel Entlehnungen aus dem Volksliedgut. Und das Libretto von Schikaneder? Gilt gerne als vollkommener Müll, von Mozarts grandiosen Einfällen gerade mal so zusammengehalten. Freimaurer wissen, dass das Libretto weit mehr ist und reklamieren die Zauberflöte als Freimaureroper. Nichts von alledem lässt der Autor Ekhart Wycik so gelten. Jedenfalls nicht einfach so. Und erklärt deshalb erst einmal dem geneigten Leser, was Freimaurerei ist und wie man sie im Zusammenhang mit der Zauberflöte, insbesondere der Geschichte des Entstehens, verstehen muss, um einen tieferen Zugang zu finden.

Zum Entstehen der Oper gehört aber auch das Ansinnen der beiden Schöpfer der Zauberflöte. Den Schwärmern gilt bis heute die Vorstellung, dass diese Oper nur in dem unbedingten Willen entstanden sei, dem Volke etwas zur Unterhaltung und den Wissenden zur Erbauung zu liefern, die Weltgeschichte zu beinflussen und die Menschheit mit Tugenden zu versorgen. Davon mag etwas mitgeschwungen sein, aber zunächst einmal waren beide, insbesondere Schikaneder wird es nachgesagt, Entertainer des damaligen Kulturbetriebes, die das Theater an der Wieden ebenso füllen wollten wie ihre Kassen. Das ist nicht unredlich, und vielleicht ist es einer der wichtigen Gründe der ungebrochenen Beliebtheit dieses Opernwerkes.

Ich empfehle dir Bey deiner arbeit nicht einzig und allein für das musikalische, sondern auch für das ohnmusikalische Publikum zu denken … Vergiss also das so genannte populare nicht, das auch die langen Ohren kitzelt.

Leopold Mozart 1780

Schikaneders Libretto als Schund oder Machwerk abzutun, wie dies in der Vergangenheit oft geschah, ist sicherlich falsch. Zweifellos hat Emanuel Schikaneder gut geklaut, und zweifellos hat er für sein Publikum geschrieben, aber schon mehrere verständige Historiker haben auf verschiedene Ebenen in seinem Werk hingewiesen, die interessante Deutungen erlauben. Wycik geht darauf nicht weiter ein, sondern verteidigt das Libretto in erster Linie als gute Theaterkunst, die mit lyrischer Dichtung schon aus ihrer Funktion heraus nicht zu messen ist. “Operntexte sind Gebrauchsware!”, verteidigt er das Libretto und weist letztlich darauf hin, dass eines dem Librettisten Recht gibt und den Kritikern Unrecht: der bis heute anhaltende Erfolg.

Und so geht es weiter in dem wissens- und facettenreichen und gleichzeitig äußerst unterhaltsamen Buch von Ekhart Wycik: Er bricht mit der Bruchtheorie der Zauberflöte, begeistert sich an den fantastischen musikalischen Einfällen des Komponisten und bringt eine Fülle von Erklärungen zur Musiktheorie, zur Entstehungsgeschichte, zum berühmten Wiener Vorstadttehater “An der Wieden”, über die Zeit der Aufklärung, über Symbole und zahllose Fakten, die zum wirklichen Verstehen der Oper wichtig sind.

Die Zauberflöte – ein Machwerk? Das wird dieser kunstreich gearbeiteten Oper nun wirklich nicht gerecht. Wer es sich bei einem so komplexen Werk so einfach macht, hat sich selbst und nicht der Oper das Urteil gesprochen.

Ekhart Wycik

Ekhart Wycik scheint es gelungen zu sein, das Unmögliche möglich zu machen: Als international arbeitender Dirigent, als Musiker und als Mensch hat er sich akribisch und umfänglich mit der sogenannten Freimaureroper auseinandergesetzt. Und es ist ihm gelungen, im Sinne von Mozart und Schikaneder die Zauberflöte dem Einsteiger zu erläutern und schmackhaft zu machen, dem sich schon wissend Wähnenden gleichermaßen noch weitere Versatzstücke an Denkansätzen zu liefern oder alte Fehler zu korrigieren. Spannend, sachkundig, und augenzwinkernd bringt er Leserinnen und Lesern ein Stück europäischer (und freimaurerischer?) Musikgeschichte näher – auch denen, die sich sonst weniger mit klassischer Musik beschäftigen.

Ja, noch ein weiteres Buch in der schier unendlichen Flut von Werken über die berühmteste Oper, die bis heute auch die erfolgreichste und beliebteste ist. Dieses Buch erklärt erfreulich leicht lesbar, warum es so ist.

Ekhart Wycik, “Zauberflöte”, mit Illustrationen von Cornelius Rinne, Salier-Verlag, ISBN: 978-3-943539-61-5, Hardcover, 180 Seiten, Format: 22 x 23,5 cm, Preis: 24,00 EUR
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Osnabrücker Theater spielt im Lortzing-Haus der Freimaurer

Janosch Schule als Ernst, Stefan Haschke als Falk. Szenenfoto aus

Janosch Schule als Ernst, Stefan Haschke als Falk. Szenenfoto aus “Ernst & Falk”, Aufführung des Osnabrücker Theatars im Lortzing-Haus der Osnabrücker Freimaurer. Foto Uwe Lewandowski.

Wie inszeniert man Lessings textlastige “Gespräche für Freymäurer” für das Theater? Man nehme gute Schauspieler, verwende Bildsprache, streue Dokumente ein und verlagere die Handlung dorthin, wo die Freimaurer sind: in das Logenhaus. Das Experiment des Osnabrücker Theaters sorgt für Begeisterung.

In Kooperation mit der Osnabrücker Freimaurerloge “Zum Goldenen Rade” inszenierte Birga Ipsen für das Theater Osnabrück eine unterhaltsame und ansprechende Version von Lessings “Ernst & Falk — Gespräche für Freymäurer”, einem der Klassiker der Bildungsdialoge. Das Problem der Textvorlage ist nur: Bei diesem Wechselgespräch passiert nichts, außer dass zwei junge Männer sich fortgesetzt über Freimaurerei unterhalten. Lediglich das Bühnenbild ändert sich. Ein bisschen. So interessant die Texte sind – auf dem Theater verspricht das Stück Langeweile.

Es sei denn, man bleibt nicht im Theater und geht dorthin, wo die Freimaurer sind, in ein Logenhaus, und nutze das ganze Haus als Bühne. Lasse zwei ausgezeichnete Schauspieler die Dialoge auf der Treppe, am runden Tisch und im sogenannten Tempel der Freimaurer spielen, sodass die Zuschauer immer hautnah dabei sind und das Ambiente der Freimaurerloge als Teil der Inszenierung auf sich wirken lassen können. Das Ganze wird verwoben mit Fragmenten aus der Freimaurerei, mit Hintergrundgeräuschen und in der Fußgängerzone aufgenommenen Aussagen von Passanten zur Freimaurerei. Da gibt es es Stimmen aus dem Off, die Freimaurerei für eine Sekte halten, von alljährlichen rituellen Selbstmorden zu berichten wissen oder sich an geheimnisvolle Kinofilme mit Tom Hanks erinnert fühlen. Nichts Genaues also weiß man nicht, aber nach dem Theaterstück ist man um einiges klüger. Denn die Erklärungen gibt Lessing in nach wie vor aktuellen wie wohlgesetzten Worten.

Dass der gehaltvolle Text so lebendig wird, ist dem Schauspielduo Stefan Haschke und Janosch Schulte zu verdanken. Bevor der philosphische Diskurs beginnt, schweigen sie erst einmal. Da besucht der jüngere Ernst den älteren Falk bei einer Wasserkur. Während der Ältere das Heilwasser in kleinen Schlucken und mit geschlossenen Augen genießt, spült Ernst voller Ungeduld die ganze Flasche hinunter, um seinen Freund, den Freimaurer Ernst, so schnell als möglich mit seinen Fragen bedrängen zu können. So lassen Haschke und Schulte die Figuren spielerisch lebendig werden, ohne dem Text etwas Künstliches überzustülpen.

Lessings Gespräche für Freimaurer sind Bestandteil des Osnabrücker “Stadtprojekt Nathan”, das sich mit Lessings Kernthema “Toleranz” auseinandersetzt. Ab Januar gibt es Lessings großes Werk über religiöse Toleranz “Nathan der Weise” sowie weitere Projekte zum Thema. Und noch einmal gibt es Freimaurerei, zwar nicht Lessing, aber Mozart und Schickaneder in Form der freimaurerischen Oper “Zauberflöte”.

“Ernst & Falk”, Theater Osnabrück im Lortzinghaus der Osnabrücker Freimaurer, An der Katharinenkirche 3. Aufführungen am 15. Dezember 2016 (Ausverkauft), 27. Januar 2017 und 12. Februar 2017. Weitere Termine in Planung. Karten sind über die Internetseite erhältlich.

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Weihnachten mal anders

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Hier kommt Weihnachtsstimmung im Acapella-Gewand: Ferenc Husta, der ehemalige Bassist der Wise Guys, hat einige stimmgewaltige Szene-Größen um sich versammelt, um zu beweisen, dass eine CD zum Fest der Liebe nicht immer klassisch daher kommen muss.

Für das neue Werk hat er sich mit Uwe Baltrusch, langjähriger Freund und Ex-Produzent seiner alten Formation, zusammen getan, der auch für die Produktion des einzigen jemals mit einem Echo prämierten Acapella-Albums „Zwei Welten“ von den Wise Guys verantwortlich zeichnet. Baltrusch war schon lange klar: „Ferenc, eigentlich musst du mal wieder was machen. Nicht nur wegen dir, auch deine Fans fragen doch immer wieder nach.“ Schließlich hatte Ferenc selber in der vergangenen Zeit wiederholt festgestellt, dass ihm die Musik fehlt. Nur ob es wieder dieselbe Richtung werden sollte, war zuerst fraglich. Doch Baltrusch, dem Ferenc in musikalischer Hinsicht schon seit 16 Jahren blind vertraut, konnte mit seiner Idee überzeugen und so begann die spannende Suche nach Mitstreitern, die allesamt aus der Acapella-Welt kommen und gemeinsam eine nicht so typische Weihnachts-CD aufnehmen sollten. Gefunden haben sich hierbei Bands der unterschiedlichsten Stilrichtungen wie The Crystalairs, Fünf vor der Ehe, Medlz, 6 Zylinder, La Le Lu oder Van Canto.

Ein besonders hervorzuhebender Mitstreiter ist ein anderes Ex-Mitglied der Wise Guys, Clemens Tewinkel, der damit das erste Mal seit seinem Ausstieg wieder auf einer CD zu hören ist – dieses Mal vom Klavier begleitet. Damit ist dann auch das zweite und letzte Instrument nach Van Cantos Schlagzeug benannt, das auf der CD zu hören sein wird, ohne sich jemals in den Vordergrund zu drängen.

Mit all diesen grandiosen Gästen ist ein bunter Reigen von Liedern entstanden, in dem man alles findet vom Klassiker („Stille Nacht“) über gefühlvolle Balladen („Du wirst vermisst“) bis hin zu stilistisch völlig neuen Interpretationen bekannter Traditionals („Deck the halls“). Jeweils gesungen vom “beliebtesten Acappella-Bass des Universums”, wie Ferenc spontan von den Medlz getauft wurde.

Abgerundet wird die Mischung durch eine exzellente Auswahl einiger, kurzer Gedichte, die zwischen den Liedern eingewoben wurden und so für noch mehr Abwechslung sorgen. Auch hier sind die unterschiedlichsten Autoren vertreten, von amüsant bis besinnlich, ­­­­­­­­denn „normal“ machen ja schon die anderen.

Ferenc Husta, “Weihnachten mal anders”, 19 Titel zum Thema Weihnachten als Download oder als CD. Hörproben gibt es auf der Seite www.husta.de. Preis 9,99 (MP3) bzw. 14,50 (CD).

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„Tu es! – Die Welt braucht dich“

„Tu es! - Die Welt braucht dich“ von Gerhard Scheucher

„Es gibt nichts Gutes, außer: man tut es.“ – Getreu diesem von Erich Kästner formulierten Motto präsentiert der Sachbuchautor und Strategieberater Gerhard Scheucher in seinem neuen Buch ein nachdrückliches Plädoyer für gesellschaftliches Engagement und Zivilcourage. Nur durch Einmischung und Mitwirken ehrenamtlicher Aktivisten sei eine gerechtere und mithin bessere Welt, in die die Menschen einbezogen und nicht aus ihr ausgegrenzt werden, zu erreichen.

Der bei Wien lebende und in der Bonner Loge Kosmos aktive Freimaurer Scheucher zeigt anhand autobiographischer Beispiele und der Entwicklung großer Organisationen auf, wie der Einzelne zum Kristallisationspunkt werden beziehungsweise sich in vorhandene Strukturen einbringen und so auch in der profanen Welt am Bau des Tempels der Humanität mitwirken kann. Manche Initiative, betont der Autor, habe einst als Zusammenschluss weniger scheinbar idealistischer Utopisten begonnen und stehe heute als einflussreiche und schlagkräftige Vereinigung da.

So gibt es in „Tu es! – Die Welt braucht dich“ zahlreiche konkrete Empfehlungen, wie Mitglieder der Zivilgesellschaft dazu beitragen können, wesentliche und dringend notwendige Veränderungen herbeizuführen, die den Weg in eine Zukunft ebnen, in der es Lebensraum und Auskommen für alle ebenso gibt, wie Teilhabe am kulturellen Geschehen.

‘Die Gesellschaft“ sind wir. Wer nicht hilft, wo Hilfe gebraucht wird, wer sich nicht darauf einlässt, Verantwortung zu übernehmen, wo es nötig ist, sieht weg. Die Kultur des Wegsehens ist der Nährboden für eine Kultur des Wegdenkens.

Gerhard Scheucher

Es brauche eigenverantwortliche Initiativen von Frauen und Männern, Jungen und Alten, um der fortschreitenden Entsolidarisierung der Gesellschaft entgegenzuwirken. Nur so, mahnt Scheucher, der 2003 für das Buch „Der Echtzeitmensch“ mit dem Bruno-Kreisky-Preis ausgezeichnet wurde, könne bedenklichen Entwicklungen der Boden entzogen, könnten Zerfallsprozesse gestoppt und in eine bessere Richtung umgekehrt werden.

Nicht-Handeln ist für ihn keine Option. Aufgrund seiner Praxisnähe kann sich kaum jemand der Schlüssigkeit seiner Argumentation entziehen. So sind dem Buch „Tu es! Die Welt braucht dich“ zahlreiche Leser zu wünschen, denn es ist in einer unsicherer gewordenen Welt ausgesprochen ermutigende Lektüre, die genau zur richtigen Zeit erscheint.

“Tu es! Die Welt braucht dich.”, Wieser Verlag GmbH, ISBN 978-3-99029-223-5, Dezember 2016, 218 Seiten, gebunden, mit Schutzumschlag, 19,80 Euro

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