Kulturpreis der Freimaurer an Uwe Tellkamp

25. Mai 2017

Am 25. Mai 2017 verlieh die Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland den Kulturpreis Deutscher Freimaurer im Dresdner Landhaus (Stadtmuseum) an den Schriftsteller Uwe Tellkamp.

Der Preis wird seit 1980 in unregelmäßigen Abständen an Personen vergeben, die besondere kulturelle Leistungen oder Engagement erbracht und dabei humanitäre Werte im Blick haben. Frühere Preisträger waren unter anderem Johannes Mario Simmel, Yehudi Menuhin, Lew Kopelew, Otmar Alt, Hans Küng und zuletzt im Jahre 2012 Kurt Masur.

1968 in Dresden geboren, wuchs Uwe Tellkamp als Sohn eines Arztes im Dresdner Villenviertel „Weißer Hirsch“ auf, wo er seit 2009 mit seiner Familie wieder beheimatet ist. Nach dem Abitur musste er einen dreijährigen Dienst bei der NVA antreten, um in der DDR Medizin studieren zu dürfen. Obwohl er bereits vor dem Oktober 1989 wegen „politischer Diversantentätigkeit“ unangenehm auffiel, weil er Texte von Wolf Biermann und anderen nicht geduldeten Autoren bei sich trug, blieb er bis Oktober 1989 Unteroffizier bei der DDR-Armee. Nach einer kurzen Inhaftierung folgten Tätigkeiten als Hilfsarbeiter im Braunkohletagebau und der Industrie. 1990 begann er eine Arbeit als Hilfspfleger auf der Intensivstation eines Dresdner Krankenhauses.

Sein Studium der Medizin absolvierte Tellkamp schließlich nach dem Ende der DDR an der Universität Leipzig, in New York und Dresden, gab den Arztberuf, den er bis 2004 an einer unfallchirurgischen Klinik in München ausübte, im Jahre 2004 aber zugunsten seiner Schriftstellerkarriere auf.

Tellkamp veröffentliche ab Ende der 80er Jahre zahlreiche Beiträge in Zeitschriften und Anthologien. Sein erster Roman „Der Hecht, die Träume und das Portugiesische Café“ erschien im Jahre 2000. Vier Jahre später gewann er mit „Der Schlaf in den Uhren“ den renommierten IngeborgBachmann-Preis. Im Herbst 2008 erschien schließlich sein Roman „Der Turm — Geschichte aus einem versunkenen Land“, in dem er die Zeit zwischen 1982 und 1989 aufarbeitete. Für dieses monumental zu nennende Werk erhielt Tellkamp den Deutschen Buchpreis sowie 2009 den Deutschen Nationalpreis. Eine Bühnenfassung seines „Turms“ wurde 2010 in Dresden uraufgeführt, und die ARD verfilmte den Stoff in zwei Teilen.

Seine Arbeit charakterisierte der Schriftsteller einmal in einem Interview mit dem Versuch, Heimat wiederzugewinnen. Er sehe sich als eine Art Dombaumeister, der durchaus pathetisch sein dürfe, wenn er die grundlegenden menschlichen Empfindungen wiedergeben könne. Kritikern gilt Tellkamp einerseits als Sprachvirtuose, der die literarischen Formen perfekt beherrscht, andererseits aber auch als höchst politischer Autor, der aufgrund seiner persönlichen Geschichte den Schriftstellern im ehemaligen Ostblock geistig näher ist als seinen deutschsprachigen Kollegen im Westen.

Laudator Jürgen Kaube, Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“

Die Laudatio für die Verleihung des Kulturpreises der Großloge hielt Jürgen Kaube, Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Der 1962 in Worms geborene Soziologe, Autor und Germanist ist bei der FAZ zuständig für das Feuilleton. Kaube wurde Anfang 2015 als Nachfolger des verstorbenen Frank Schirrmacher in den Herausgeberkreis der Zeitung berufen. Mit seinen Sachbüchern erhielt er selbst bereits zahlreiche Preise und wurde vom Tübinger Seminar für Allgemeine Rhetorik mit der Auszeichnung „Rede des Jahres 2015“ geehrt.

In den nächsten Tagen lesen Sie einen ausführlicherenBeitrag sowie ein Interview mit dem Preisträger.

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Hamburger Loge Absalom spendet Brunnen

Fließendes Wasser als Symbol des Lebens – das war das Motto der Brunnenspende

Fließendes Wasser als Symbol des Lebens – das war das Motto der Brunnenspende

Hamburg. Die Hamburger Loge „Absalom zu den drei Nesseln“ übergab am Tag des Senatsempfangs einen Brunnen für die Hamburger Kirchengemeinde St. Michaelis. Angefangen hatte alles mit der großartigen Jubiläumsfeier zum 275jährigen Bestehen der Loge und der Freimaurerei in Deutschland im Jahre 2012.

Der Brunnen für die St- Michaelis-Gemeinde

Der Brunnen für die St- Michaelis-Gemeinde

Der Idee war vorausgegangen, dass die Jubiläumseierlichkeit in einem Gebäude stattfinden muss, in dem die zahlreich zu erwartenden Brüder aus der weltweiten Bruderkette angemessen Platz finden. Nach reiflichen Überlegungen und Gesprächen mit der Leitung der St. Michaelis Kirche, dem Hauptpastor Röder, kam es zu der Entscheidung, die Festarbeit im „Michel“ stattfinden zulassen. In Verbindung mit der großzügigen Geste der Gemeinde St. Michaelis sollte der in seiner Gestalt noch nicht entworfene Brunnen im Glockenturm des „Michel“ seinen Standort finden.

Es sollte ein Brunnen sein. Er symbolisiert durch sein fließendes Wasser Leben. In etlichen Zusammenkünften wurden die einzelnen Schritte der Gestaltung sowie die Finanzierung besprochen, zu der auch Brüder anderer Logen beigetragen haben. Im September 2012 wurde im Logenhaus unter der Schirmherrschaft des damaligen Ersten Bürgermeisters Ole v. Beust ein Modell des Brunnens in Originalgröße der Öffentlichkeit vorgestellt Es folgte in einer extra gestellten Werkbaude auf dem Hamburger Gänsemarkt die Präsentation für das breite Publikum.

Nach etlichen Verzögerungen durch Bauplanungen der Kirchengemeinde wurde der Brunnen im Foyer des Gemeindehauses, nach Aussage des Hauptpastors Röder „das Wohnzimmer der Kirchengemeinde“, aufgestellt und am 8. Mai 2017 offiziell übergeben.

Anwesend waren auch der Großmeister der Großloge der Alten Freien Angenommenen Maurer von Deutschland, Prof. Dr. Stephan Roth-Kleyer, sowie der Distriktmeister Tgomas Stuwe. Höhepunkt vor der Enthüllung war die Ansprache des Hauptpastors Röder zum Thema „Fließendes Wasser“. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung mit Auszügen aus der eigens für das 275. Jubiläum der Loge komponierten Sinfonie Nr.1 „Ringparabel“ nach Lessings „Nathan der Weise“ von Gloria Bruni und einer Eigenkomposition des Pianisten Jean Panajotoff.

Der Großmeister Prof. dr. Roth-Kleyer (Mitte) im Gespräch mit dem Hauptpastor Röder, links Distriktmeister Stuwe

Der Großmeister Prof. dr. Roth-Kleyer (Mitte) im Gespräch mit dem Hauptpastor Röder, links Distriktmeister Stuwe

Der Großmeister der Großloge der Alten und Freien Maurer von Deutschland bedankte sich insbesondere bei der Gemeinde St. Michaelis für das für die Geste, der Freimaurerei im Jahre 2012 den „Michel“ für ihre Feierlichkeiten zu überlassen. „Dieser Brunnen, der heute Grund für diese schöne und würdige Feierstunde ist, ist der beständige und bleibende Dank der deutschen Freimaurerei im Allgemeinen und der Dank der Freimaurerloge „Absalom zu den drei Nesseln“ im Besonderen an die Kirchengemeinde St. Michaelis für die Nutzung des Innenraumes des „Michels“, anlässlich unserer 275 Jahrfeier am 29. September 2012. Es ist bemerkenswert, dass der gestiftete Brunnen nunmehr seinen Platz an dieser exponierten Stelle im Foyer des Gemeindehauses gefunden hat.“

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Ein toller Abend beim Konrad Ekhof Poetry Slam

Fabian Navarro als Sieger des Konrad Ekhof Poetry Slam (Bild: lotariat.de)

Fabian Navarro als Sieger des Konrad Ekhof Poetry Slam (Bild: lotariat.de)

Hamburg (ab). Die Freimaurerloge Konrad Ekhof nutzte den Anlass des 300jährigen Jubiläums der ersten Großlogengründung, um im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe „Hamburg denkt“ einen außergewöhnlichen Abend im wunderschönen Logenhaus an der Hamburger Moorweide zu organisieren.

Die Brüder der Loge begrüßten mehr als 130 Besucher zum ersten „Konrad Ekhof Poetry Slam“ im stilvollen Ambiente des großen Mozartsaals. Sechs bundesweit bekannte Künstler traten unter der Thematik „Menschlichkeit“ mit eigenen Texten gegeneinander an. Die Moderation lag in den Händen von David Friedrich, der souverän und mit viel Witz und Gespür durch den Abend führte. Es war äußerst spannend, interessant, kurzweilig und zum Teil auch nachdenklich, mitzuerleben, aus welchen unterschiedlichen Perspektiven die jungen Künstler das Thema Menschlichkeit beleuchteten. Es wurden Aspekte wie der Umgang mit Behinderten, Kriege und Armut, aber auch das Aufwachsen als Kind von ausländischen Eltern in Deutschland oder das Besonders-Sein jedes Menschen poetisch behandelt. Die Loge Konrad Ekhof freute sich besonders, dass es gelungen ist, ein sehr heterogenes, junges Publikum anzusprechen. Erfahrene Poetry Slam Besucher mischten sich unter Menschen, die zum ersten Mal an solch einem besonderen Wettbewerb teilnahmen. Im ersten Teil des Abends trugen alle Künstler ihre eigenen Texte vor, die anschließend von einer Publikumsjury bewertet wurden.

Die drei Künstler mit der höchsten Bewertung zogen ins Finale. Eine schwierige Entscheidung für das Publikum, das die Texte von Bente Varlemann, Rasmus Blohm und Mona Harry ebenfalls mit viel Begeisterung aufnahm. Charakterstark und überzeugend verwöhnten die Finalisten Victoria Helene Bergmann und Hinnerk Köhn ihr Publikum in der Endrunde, aber als einstimmig gewählter Sieger ließ sich schließlich Fabian Navarro an diesem Abend feiern. Der erkämpfte Preis bestand aus 1.000 Euro, die der Sieger einer wohltätigen Einrichtung seiner Wahl zukommen lassen durfte. Fabian Navarro hat sich entschieden, die Spende an das Hamburger Obdachlosenmagazin Hinz & Kunzt zu vergeben – ein wahrlich passender Abschluss zu einem Abend, der im Zeichen der Menschlichkeit stand.

Der tosende Applaus während und nach der Veranstaltung und das durchgehend positive Feedback bestärken die Organisatoren, dass Freimaurer sehr wohl auch für jüngere Menschen interessante Plattformen für einen Austausch bieten.

David Friedrich moderierte souverän den unterhaltsamen Abend (Bild: lotariat.de)

David Friedrich moderierte souverän den unterhaltsamen Abend (Bild: lotariat.de)

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Vernissage zur Jubiläumsausstellung „250 Jahre Freimaurer in Wetzlar“

Plakat zur Ausstellung © Stadt Wetzlar

Plakat zur Ausstellung © Stadt Wetzlar

Wetzlar. Am kommenden Samstag, 20. Mai, öffnet die Sonderausstellung „250 Jahre Freimaurer in Wetzlar“ erstmalig ihre Türen.

Zur Vernissage der Ausstellung laden die Städtischen Museen Wetzlar ab 16 Uhr in das Stadtmuseum (Lottestraße 8-10) ein. In einem Festvortrag, „Freimaurerei war immer“, wird Altgroßmeister und Publizist Jens Oberheide, Hannover, zu den Anwesenden sprechen.

Den Besucher der ansprechenden Ausstellung erwarten unter anderem Informationen und Exponate zur Logengeschichte, besonderen Mitgliedern und der Freimaurerei im Allgemeinen, ihrer gelebten Tradition und erstrebenswerten Ziele. Weitere Informationen und das Programm zur Jubiläumsausstellung, die bis zum 22.10.2017 Stadtmuseum Wetzlar zu sehen ist, sind unter diesem Link erhältlich.

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Senatsempfang für Freimaurer in Hamburg

vl. Thomas Stuwe (Distriktmeister), Olaf Scholz (Erster Bürgermeister Hamburg), Prof. Dr. Norbert Lammert (Präsident des Deutschen Bundestages), Prof. Dr. Stephan Roth-Kleyer (Großmeister)(Foto: Jürgen Joost)

vl. Thomas Stuwe (Distriktmeister), Olaf Scholz (Erster Bürgermeister Hamburg), Prof. Dr. Norbert Lammert (Präsident des Deutschen Bundestages), Prof. Dr. Stephan Roth-Kleyer (Großmeister)(Foto: Jürgen Joost)

Anlässlich des 300. Jahrestages der Gründung der weltweit ersten Großloge lud Olaf Scholz, Präsident des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg und Erster Bürgermeister zu einem Empfang in das Hamburger Rathaus. Festredner war Prof. Dr. Norbert Lammert, Präsident des Deutschen Bundestages.

Mehr als vierhundert geladene Gäste, Freimaurer, Politiker, Ehrenbürger der Stadt Hamburg kamen im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses zusammen, um sich an dreihundert Jahre moderner Freimaurerei und die Gründung der ersten Großloge in London im Jahre 1717 zu erinnern. Hamburg scheint der passende Ort für eine solche Veranstaltung zu sein, denn immerhin wurde hier im Jahre 1737 die erste bis heute bestehende deutsche Loge gegründet. Und so wies der Hausherr in seinen Begrüßungsworten auf die lange Tradition der Weltoffenheit und Toleranz hin, die die Hamburger für die Ideale der Aufklärung empfänglich gemacht habe. „300 Jahre Freimaurerei – das ist eine stolzer Geburtstag“, sagte Scholz. „Er verweist auf 300 Jahre des Ringens um Vernunft, Freiheit, Toleranz und Humanität in Europa und erinnert daran, dass die Errungenschaften unserer liberalen, demokratischen und offenen Gesellschaft immer wieder verteidigt werden müssen.“

Toleranz und Brüderlichkeit vorzuleben und in die Öffentlichkeit zu tragen, das ist eine ganz wichtige Aufgabe der Freimaurer.

Olaf Scholz

Hamburgs Erster Bürgermeister verwies auf die enge Verknüpfung der Hamburger Stadgeschichte und Hamburger Logenbrüder. Er erinnerte an Gotthold Ephraim Lessing, den Dichter Friedrich Klopstock, den Philosophen Johann Gottlieb Fichte, den Buchhändler Johann Bode, den Theatermann Friedrich Ludwig Schröder sowie an den Zoologen Carl Hagenbeck, den Verleger Axel Springer und die Bürgermeister Amandus Augustus Abendroth, Heinrich Kellinghusen und Georg Heinrich Sieveking. „Wenn Sie nachher das Rathaus verlassen, das ebenfalls von einem Freimaurer erbaut wurde, können Sie unter den 58 Hamburger Persönlichkeiten, die an den Säulen portraitiert sind, 13 Freimaurer entdecken, unter ihnen Gabriel Risser, der erste jüdische Richter in Deutschland.“

Der Hamburger Distriktmeister der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland bedankte sich in seiner Einführungsrede, dass man in einem solchen prächtigen Rathaus feiern darf und bezeichnete dies als einen Meilenstein, erfolgte doch die Gründung der an diesem Tag gefeierten Großloge recht unprätentiös in einer Londoner Kneipe. Er wies darauf hin, dass das von einem Freimaurer miterbaute Rathaus eines sei, bei dem der Bürger keine Stufen emporsteigen müsse und bezog sich damit auf einen der Grundsätze der Freimaurerei, sich als Menschen auf gleicher Ebene zu begegnen.

Der Gastredner Prof. Dr. Norbert Lammert leitete seinen Vortrag mit einem Satz von Kurt Tucholsky ein, „einem bekennenden Freimaurer“, so Lammert: „Nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein.“ Er brachte diesen Satz in Verbindung mit der Rolle der frühen Freimaurer, die sich nach seinen Worten außerhalb der Zünfte befanden und damit nicht eingebettet waren in das bestehende System. Doch eben dieser dort entwickelte und gepflegte Freiheitsgedanke habe sich zu einem Anziehungspunkt entwickelt.

Der Redner betonte, wie passend der 8. Mai als Datum sei, um auch der Gründung der Freimaurerei in einer Feierstunde zu gedenken: Am 8. Mai 1945 wurden die Kampfhandlungen des Zweiten Weltkrieges eingestellt, er wird als Tag der Befreiung gefeiert, und am 8. Mai 1949 wurde das Grundgesetz beschlossen, und fügte lächelnd hinzu: „gegen die Stimmen der der KPD und der CSU“.

Prinzipien lassen sich leichter loben als leben.

Prof. Dr. Norbert Lammert

„Freimaurer“, lobte Lammert, „fühlen sich über alle Unterschiede hinweg den gleichen Zielen verbunden.“ Er verschwieg aber nicht die Verirrungen in der Nazizeit, als große Teile der bürgerlichen Freimaurerei versuchten, sich mit den Nationalsozialisten zu arrangieren. Verirrungen, wie er es nannte, die aber nicht halfen und nicht schützten.

In seiner Rede beschäftigte er sich intensiv mit den Prinzipien der Freimaurerei. Wie viel Freiheit braucht ein Mensch und wie viel Freihet verträgt er, fragte er herausfordernd. Wie lasse sich der Anspruch auf Freiheit mit dem gleichzeitigen Anspruch auf Gleichheit vereinbaren? Muss man auch Intoleranz tolerieren? Überhaupt nahm Toleranz einen breiten Raum seiner Ausführungen ein. Er sprach von ihr als dem großen Bruder der Freiheit. „Wer wirklich individuelle Freiheit will, muss zur Toleranz bereit sein oder er muss auf Freiheit verzichten.“ Toleranz sei mehr als die Duldung des Anderen, sondern dessen Akzeptanz.

Freiheit, Gleichheit, Chancengleichheit, Teilhabe und Gerechtigkeit waren weitere Themen, und er wies darauf hin, dass es bei allem ein Mindestmaß an Verbindlichkeiten brauche, ohne die eine Gesellschaft ihre Unterschiede nicht aushalten könne. „Je unangefochtener die Errungenschaften zu sein scheinen, umso weniger gern erinnert man sich an die Mühen, mit denen sie errungen wurden.“

Am Schluss beglückwünschte er die Freimaurer „zu diesem Jubiläum mit dem ausdrücklichen Wunsch, dass in den nächsten 300 Jahren diese Prinzipien von Freiheit und Gleichheit und Brüderlichkeit und Toleranz als Voraussetzung einer humanen Gesellschaft sich unangefochtener durchsetzen als das über die letzten 300 Jahre zu beobachten war.“

Der Großmeister der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland, Prof. Dr. Stephan Roth-Kleyer, bedankte sich beim Senat für die Möglichkeit, den Festredner „in dieser glanzvollen Atmosphäre zu empfangen“. Er bedankte sich überdies bei seinen Vorrednern für die motivierenden und zielgerichteten Perspektiven, die erkennen ließen, dass die Freimaurer auf dem richtigen Weg seien.

Künftig werden wir weiter daran arbeiten, uns von den Märchen und Mythen, die uns leider noch immer nachhängen, aktiv zu lösen. Das wird uns helfen, unsere Bedeutung offensichtlicher zu machen. Wir werden über unsere in der Aufklärung und dem Humanismus verankerten Traditionen und Ziele verstärkt informieren.

Prof. Dr. Stephan Roth-Kleyer

Ferner bedankte sich der Großmeister für das große Engagement des Distriktes Hamburg und allen Freimaurern und Sympathisanten in und um Hamburg, die das Gelingen des Empfanges möglich gemacht haben, auch den zahlreichen Sponsoren.

Zum Schluss der Veranstaltung erinnerte er an die Caritas, die den Freimaurern neben allen anderen Zielen ebenfalls wichtig seien und überreichte einen Spendenscheck der Großloge über 10.000 € an die Friedrich Ludwig Schröder Kinderstiftung, die Kindern in alleinerziehenden bedürfigen Familien hilft, die in der Region Hamburg leben.

Das imposante Hamburger Rathaus, Sitz der Bürgerschaft und des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg
Die zurückhaltend als Diele bezeichnete Säulenhalle des Hamburger Rathauses
Der bis auf  den letzten Platz besetzte Große Festsaal, in dem alljährlich auch die Matthiae-Mahlzeit stattfindet, das älteste Festmahl der Welt.
Der Großmeister Prof. Dr. Stephan Roth-Kleyer bedankt sich beim Gastgeber Olaf Scholz (Mitte) und dem Festredner Prof. Dr. Norbert Lammert (Links)
Helmut Uth von der ältesten deutschen Loge "Absalom zu den drei Nesseln" in Hamburg nimmt für die die Friedrich-Ludwig-Schröder Kinderstiftung eine Spende der Großloge A.F.u.A.M.v.D. entgegen.

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Klaus-Jürgen Grün referierte in Kempten

Klaus-Jürgen Grün (links) und der Vorsitzende der Loge, Dr. Jürgen Rogalla

Klaus-Jürgen Grün (links) und der Vorsitzende der Loge, Dr. Jürgen Rogalla

Was sind die Freimaurer? Ein „symbolischer Bund“, sagt Klaus-Jürgen Grün. Der Philosoph und Freimaurer referierte am Freitag, 28. April 2017 als Gastredner der Kemptener Freimaurerloge „Zum hohen Licht“ im Kemptener Kornhaus vor einer großen interessierten Öffentlichkeit.

Er ist einer der profiliertesten deutschen Freimaurer: Klaus-Jürgen Grün. Bis 2016 stand er der freimaurerischen Forschungsloge Quatuor Coronati vor. Mit meinungsstarken Beiträgen tritt er für eine konsequent humanitäre Freimaurerei in der Nachfolge der Aufklärung ein.

Die Freimaurerei mit ihrer 300jährigen Tradition versteht sich als ein ethischer Bund freier Menschen mit der Überzeugung, dass die ständige Arbeit an sich selbst zu einem menschlicheren Verhalten führt.

Die fünf Grundideale der Freimaurerei sind Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz sowie Humanität und entstammen dem Zeitalter der Aufklärung. Der Vortrag beleuchtete die Anfänge der Aufklärung und versuchte zu zeigen, dass Aufklärung ein Prozess ist, in dem frühere Vorstellungen unglaubhaft werden und neue – vor allem mathematisch-mechanische, aber auch morphologische (Goethe) – an deren Stelle gesetzt werden. So hören die aufgeklärten Menschen auf, Wunder als eine Ursache von Ereignissen zu sehen. Ebenso fällt der Unterschied zwischen Natürlichem und Übernatürlichem weg. Es bildet sich eine für die Aufklärung spezifische Religionsphilosophie, der Deismus, heraus.

Grün entwickelte seine Gedanken ausgehend von der Praxis der Aufklärung, die Wahrheit alter Dogmen in Metaphern zu beschreiben. Insbesondere das religiöse Bewusstsein habe sich im 18. Jahrhundert gegen die Auslegung von Glaubensinhalten in bloßen Metaphern gesperrt, sagte Grün in seinem Vortrag.

Der Vortrag versuchte diese Philosophiegeschichte am Beispiel der Anfänge der Freimaurerei verständlich nachzuzeichnen. Im Anschluss stellten sich der Meister vom Stuhl, Dr. Jürgen Rogalla, und der Referent den Fragen der interessierten Zuhörer.

Die Veranstaltungen zur 300-Jahr-Feier setzt die Loge „Zum hohen Licht“ mit der Ausstellung zur Freimaurerei im Kornhaus in Kempten und am Freitag, den 19. Mai 2017 um 19 Uhr mit einem Vortrag im kleinen Kornhaussaal von Prof. Dr. Hans Hermann Hoehmann, Redner der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland, zum Thema „Wertewandel; welche Antwort hat die Freimaurerei?“ fort.

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Dr. Gregor Gysi spricht bei Passauer Freimaurern

Dr. Gregor Gysi im Audimax der Universität Passau

Dr. Gregor Gysi im Audimax der Universität Passau

Auf Einladung der Passauer Loge „Zu den vereinigten drei Flüssen“ sprach der bekannte Politiker Dr. Gregor Gysi zum Thema „Wege in eine neue Gesellschaft“ im vollbesetzten Audimax der Passauer Universität.

Franz-Josef Gotzler, derzeitiger Vorsitzender der Passauer Loge und Mitinitiator der Salon-Idee begrüßte die Gäste und erklärte die Tradition der freimaurerischen Salons, die in erster Linie der Meinungsbildung und der intensiven und qualifizierten Meinungsfindung über die Probleme unserer Zeit dienen sollten.

Zu Beginn verteidigte Franz-Josef Gotzler die vor allem im Internet heftig kritisierte Wahl Gysis als Gastredner der Reihe „Salon Batavis“ energisch. Er stellte klar, dass es in den Statuten heiße, nicht über Politik und Religion streiten zu dürfen. Das bedeute nicht, nicht darüber sprechen zu dürfen, sagte Gotzler sinngemäß, der sich über den so gar nicht freimaurerischen Wortlaut zahlreicher Online-Kommentare im Vorfeld verwundert zeigte. Offensichtlich nähme die oft beschworene „freimaurerische Toleranz“ direkt proportional mit der Anzahl an getätigten „postings“ ab und ginge irgendwo im Web verloren.

Wolfgang Böhm als Redner des Distriktes Bayern erläuterte in seinem Vortrag „Gesellschaft im Umbruch – Geht uns der Kompass verloren?“ dass wir in Zeiten des Umbruchs leben. Eine zunehmende Polarisierung der Gesellschaft führe dazu, dass die Extreme immer mehr Zuspruch fänden. Gerade auf diesem Feld brächten Populisten ihre Saat aus. „Angst mach manipulierbar, das ist das Kalkül.“ Wir leben in Zeiten in denen mehr Vordenker und Querdenker gefragt seien, denn Ideen
schaffen schließlich Wirklichkeiten. Leider ist es der Fall, dass große Teile der Bevölkerung den regierenden Eliten nicht mehr vertrauten und es so zu einer Bildung
von „Wutbanken“ käme. Und wenn sich diese Wut einmal aufgestaut und dann Bahn bricht, dann wären auch die mühsam errungenen europäischen Werte, für die auch Freimaurer gekämpft haben, in Gefahr. Freimaurer seien keine Weltverbesserer, aber Menschen, die sich immer wieder ihrer ethischen Verantwortung vergewisserten.

Dr. Gregor Gysi machte seinem Ruf als brillanter Redner selbstverständlich auch im Salon BATAVIS alle Ehre. Er hielt sich auch an die Anforderung, keine parteipolitischen Themen aufzugreifen und konnte sich lediglich einige zwar politische, aber humorvoll verpackte Seitenhiebe nicht verkneifen.

Eingangs hatte Dr. Gysi selbst über sein Vortragsthema geflachst: „Wege in eine neue Gesellschaft – Herausforderung Europa 2050.“ Der gebürtige Berliner witzelte, es sei einfach darüber zu reden, weil die wenigsten im Saal befindlichen Personen die von ihm aufgezeigten Ziele wohl nachprüfen könnten.

Mit Leidenschaft appellierte er für den Kampf um den EU-Fortbestand, der schließlich ebenfalls den dauerhaften Frieden zwischen den Mitglieds-Nationen gewährleisten würde. Nicht zuletzt auch weil die Jugend europäisch sei, müsse an der EU festgehalten werden. Auch ökonomische Gründe, wie die Tatsache, dass die alten Nationalstaaten der EU kein Gewicht gegenüber den USA und China hätten und auch das fehlende militärische Potential bei einem Zerfall der EU blieb nicht unerwähnt.
Natürlich wurden auch gesellschaftlich heiß diskutierte Themen wie die „Flüchtlingsfrage“ angesprochen, wobei Gysi vor allem das unsolidarische Verhalten der EU-Staaten untereinander scharf kritisierte. Abschließend appellierte er an die Jugend „Ihr müsst rebellischer werden – ihr seid nicht nur die Zukunft, ihr müsst auch dafür sorgen!“, nur ein Recht hätte die Jugend nicht – unsere Fehler zu wiederholen.

Alles in allem ein mehr als einstündiger Vortrag, der hochinteressante Einblicke gewährte und viele Zuhörer inspirierte und auch nachdenklich machte, was dem individuellen Gesprächsbedarf am Ende der Veranstaltung deutlich zu entnehmen war. Was bei der Abmoderation durch Br. Franz-Josef Gotzler nicht unerwähnt
blieb, war die Tatsache, dass Dr. Gysi ohne Honorar dieser Veranstaltung zugesagt hatte. Damit er nicht mit „leeren Händen“ nach Hause gehen musste, erhielt er als Geschenk eine Flasche Riveslates Rotwein seines Jahrgangs (1948).

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