Stader Freimaurer öffnen Logenhaus

Das Logenhaus in Stade

Im Rahmen des jährlich wiederkehrenden „Tag des offenen Denkmals“ hatten die Brüder der Stader Loge „Friederike zur Unsterblichkeit“ ihr Haus in der Freiburger Straße für interessierte Menschen geöffnet.

(Stade/gc) Das Interesse war mit über 50 Personen, die das Angebot wahrnahmen, außergewöhnlich groß. Sehr viele Besucher und Besucherinnen – überwiegend Paare – waren sowohl von der Architektur als auch vom Ambiente des Hauses beeindruckt und zeigten sich interessiert und wissbegierig, was das Thema Freimaurerei anging.

Eine Frau mittleren Alters, die sich als Katholikin zu erkennen gab, zeigte sich als sehr offene Gesprächspartnerin und verzichtete sogar auf ihren Gottesdienst, den sie eigentlich besuchen wollte. Zum Schluss sagte sie, dass sie mit einem guten Gefühl gehe und viel dazu gelernt habe.

Eine weitere Besucherin war aus dem 50 Kilometer entfernten Hamburg angereist – sie war durch die Presse auf das Haus aufmerksam geworden und sagte zum Schluss, dass sie es nicht bereut habe.

Alle Gäste, die zum Verweilen eingeladen und bewirtet wurden, begrüßten unsere Offenheit und waren dankbar dafür, dass wir unsere Türen so weit geöffnet und ihnen das Thema Freimaurerei sehr viel näher gebracht haben.

Beeindruckt waren alle vom Tempel – hier dämpften sie ihre Stimmen.

Während der Gespräche wurde auch auf die Gästeabende hingewiesen, die 5 Mal im Jahr mit verschiedenen Themen durchgeführt werden. Einige Herren zeigten Interesse und nahmen das Angebot einer Einladung gern an.

“Alles in Allem – der Tag der offenen Tür war für unsere Loge ein voller Erfolg.”, resümierte Gerd Carlsen, der vorsitzende Meister der Loge.

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Öffentlicher Empfang in Hamburg zum neuen Maurerjahr

Distriktmeister Thomas Stuwe
Distriktmeister der Großloge A.F.u.A.M.v.D. Br. Thomas Stuwe

Foto: Brinkmann

Die Einladung zum „Neujahrsempfang“ am 3. 9. 2018 im Hamburger Logenhaus Moorweidenstraße weckte wegen der eigenwilligen Terminierung absichtlich Neugierde in der Öffentlichkeit, konnte diese doch nicht ahnen, dass für Freimaurer im Septemder das neue Maurerjahr beginnt.

Von Br. Hartwig Kloevekorn

Die Provinzialloge von Niedersachsen, Hausherrin des imposanten Gebäudes, der Distrikt Hamburg der Großloge A.F.u.A.M.v.D.
sowie die Logen „Vom Fels zum Meer“ von der Großen National-Mutterloge Zu den drei Weltkugeln, die „Anglo-Hanseatic Lodge“ von der Grand Lodge of British Freemasons in Germany und die „Benjamin Franklin Lodge“ von der American Canadian
Grand Lodge, hatten diese Veranstaltung gemeinsam beschlossen – und der Erfolg blieb nicht aus.

Es soll hier alledings nicht verschwiegen werden, dass die Initialzündung zu dieser großartigen Veranstaltung vom Distrikt Hamburg ausging, dessen Distriktsmeister Br. Thomas Stuwe mit Unterstützung durch die Großloge A.F.u.A.M.v.D. – auch finanziell – die notwendigen Verbindungen zu den Beteiligten knüpfte. Es sei daher erlaubt, ihm den gebührenden Dank für seinen tatkräftigen persönlichen Einsatz auszusprechen. Im Mittelpunkt der „Gemeinschaftsarbeit“ im großen Mozartsaal stand das Referat von Herrn Friedrich-Joachim Mehmel, Präsident des Hamburgischen Verfassungsgerichts, zum Thema „Zur Bedeutung von Recht und Verfassung als Garanten für Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität“. Angesichts der aktuellen Diskussion in der Gesellschaft über den Rechtsstaat, seine Organe und die politischen Auseinandersetzungen war die Wahl des Referenten klug gewählt und bewirkte einen sehr guten Besuch von „Profanen“ und Freimaurern aus
der Hamburger Öffentlichkeit.

Um 18 Uhr begrüßte der Provinzialmeister Br. Ekkehard Demuth im eindrucksvoll besetzten Großen Mozartsaal das erwartungsfrohe Publikum und erläuterte das gewählte Datum dieses Abends sowie den freimaurerischen Hintergrund der Veranstaltung in aufgelockertem, humorvollem Duktus, was die aufgeschlossene Atmosphäre im Saal unter den Anwesenden nachhaltig beförderte.

Ihm folgte Distriktsmeister Br. Thomas Stuwe, der den Redner des Abends vorstellte und die Kompetenz des Verfassungspräsidenten für das anstehende Thema hervorhob. Br. Thomas Stuwe ließ es sich dabei nicht nehmen, in seiner Analyse der gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Lage die Nähe zur Aufklärung im 18. Jahrhundert herauszustellen, indem er aus Lessings Gesprächen für Freimaurer „Ernst und Falk“ wie folgt zitierte:

„Recht sehr zu wünschen, dass es in jedem Staate Menschen geben möchte, die über die Vorurteile der Völkerschaften hinweg wären und genau wüssten, wo Patriotismus Tugend zu sein aufhört.“

Diesem Jahrhundert-Zitat ist nichts hinzuzufügen, also übergab der Distriktmeister dem Redner das Wort.

Präsident Friedrich-Joachim Mehmel hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Ideale der Freimaurerei in Beziehung zu Begriffen wie Rechte und Pflichten in der Gestzgebung und deren Auswirkungen, bezogen auf ihre Organe und auf den Staatsbürger, mit der Präzision des Verfassungsjuristen zu stellen. Gerade die derzeitige emotionale Wucht in der allgemeinen politischen Debatte und die damit einhergehende Gefährdung demokratischer Standards lassen es als notwendig erscheinen, Klartext auf Grundlage unserer Verfassung – auch vor dem Hintergrund der freimaurerischen Werte wie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität – zu sprechen.

Der Referent ließ am Ende seines Vortrags keinen Zweifel daran, dass nicht nur der Staat mit seinen Institutionen in der Pflicht steht, die Verfassung und die Demokratie schlechthin zu schützen, sondern auch der Bürger durch sein vernehmbar persönliches Bekenntnis für ihre Erhaltung einzutreten hat. Der anschließende starke Applaus des Auditoriums galt gewiss nicht nur dem ausgezeichneten Vortrag, sondern hoffentlich auch dem deutlichen Appell des brillanten Redners Friedrich-Joachim Mehmel zu staatsbürgerlicher Mitverantwortung.

Über welche Suggestivkraft diese Veranstaltung verfügte, lässt sich an der Tatsache ablesen, dass auch unser weitgereister Großmeister Br. Stephan Roth-Kleyer als überzeugter Förderer dieser Gemeinschaftsarbeit zu den zahlreichen Besuchern zählte. – Nach den Schlussworten von Br. Uwe Dröger als abgeordneter Provinzialmeister und seine Einladung in den Kleinen Mozartsaal klang dort der Abend aus mit Fingerfood und erfrischenden Getränken bei angeregten Gesprächen.

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Das Feuer weitergeben – Freimaurerei als Zukunftswerkstatt

Foto: taddle / Adobe Stock

Festvortrag zum 275. Stiftungsfest der zweitältesten Hamburger Loge "St. Georg zur Grünenden Fichte".

Von Hans-Hermann Höhmann

Das Beste, was wir von der Geschichte haben,“ so schreibt Goethe in seinen „Maximen und Reflexionen“, „ist der Enthusiasmus, den sie erregt.“ Und kein Anlass wäre mehr geeignet, diesem Enthusiasmus reflektierend nachzuspüren, als das Stiftungsfest einer Loge. Denn dieses Fest verknüpft wie kein anderes Ereignis im Leben unseres Bundes aus bewusst erlebter Gegenwart heraus Tradition und Zukunft.
Versetzen wir uns 275 Jahre zurück. Es ist der 24. September 1743. Die Brüder versammeln sich zur Einsetzung der zweiten Loge in Hamburg, der „Kaiserhofloge“, die dann als Loge „St. Georg zur grünenden Fichte“ auf eindrucksvolle Weise ihren Weg durch die Geschichte nahm. Es liegt kein Protokoll der ersten Arbeit vor und keine detaillierte Teilnehmerliste. Doch wir wissen, dass Namen mit einem guten Klang in Hamburg unter den Maurern der ersten Stunde sind und dass ein internationales Flair den Charakter der Gründung bestimmte.

Kaum vorstellen können wir uns, wie das Ritual gehandhabt wurde. Es ist anzunehmen, dass dabei viel kreative Improvisation geherrscht hat, und dass Mitglieder heutiger Ritualkollegien – zeitreisend 275 Jahre zurückversetzt – wohl runzelnd ihre Augenbrauen hochgezogen hätten. Doch wir können versichert sein, dass die Regularität der Herzen stimmte, dass der Zauber des Aufbruchs trug und dass eine ansteckende Freude die Stimmung beherrschte.
Die Hoffnung auf Aufklärung, auf Unterscheidungsfähigkeit „zwischen Hell und Dunkel, Licht und Finsternis“ – so die spätere Definition des Weimarer Freimaurer-Bruders Christoph Martin Wieland –, die Erwartung einer durch Offenheit und Freiheit geprägten politisch-sozialen Zukunft, das Erlebnis menschlicher Gleichheit, die Möglichkeit, sich jenseits der Schranken von Stand, Nation und Bekenntnis als bloße Menschen zu begegnen: All das prägte Bewusstsein und Gefühl der Bruderschaft.

„Laut verkünde unsre Freude froher Instrumentenschall,
jedes Bruders Herz empfinde dieser Mauern Widerhall.“

Gewiss, dieser Text nach Mozarts Noten wurde nicht in Hamburg anno 1743 angestimmt, sondern erst knapp 50 Jahre später in Wien. Doch Text und Ton der Kantate bringen wohl mehr als Dokumente jenen eigentümlichen Zusammenklang von Idee und Stimmung, von Intellektualität und Emotionalität zum Ausdruck, der kennzeichnend gewesen ist für die Frühzeit der modernen Freimaurerei und der auch die Atmosphäre in der „Kaiserhofloge“ zu Hamburg bestimmt haben mag.

Der Schwung, mit dem die zweite Hamburger Loge begann, unterstreicht, wie sehr die Freimaurerei zum sozialen Erfolgsmodell des 18. Jahrhunderts geworden war. Bis zum Ende des Gründungsjahres wurden 16 Suchende, in den folgenden beiden Jahren 27, bzw. 25 Brüder aufgenommen. Dass die Freimaurerei zur „Mode des Jahrhunderts“ geworden war – bekanntlich war es Friedrich der Große, der sie so beschrieb –, hatte mit dem Wandel von realer Geschichte und historischem Bewusstsein zu tun: Die zunehmende standesmäßige und berufliche Differenzierung der Gesellschaft, das allmähliche Entstehen von Bürgertum und modernen kapitalistischen Wirtschaftsformen, die funktionale und soziale Polarisierung auch in der Adelswelt, das erhöhte Bildungsangebot, die Urbanisierung sowie die sich unter dem Vorzeichen des europäischen, vor allem des britischen Kolonialismus auch international, ja interkontinental verstärkende räumliche Mobilität: All das führte dazu, dass die Menschen im alten Europa aus ihren traditionellen Bindungen und sozialen Verankerungen gelöst wurden und auch in der Wahrnehmung ihres eigenen Selbst über Generationen hinweg praktizierte Deutungsmuster ablegen mussten. Diese Veränderungen führten nicht nur zu Verunsicherungen, ja ausgesprochenen Krisen. Sie ließen auch eine ausgeprägte Neigung entstehen, neue Einstellungs-, Bindungs- und Verhaltensoptionen aufzuspüren und zu nutzen. Es entwickelte sich eine Nachfrage nach veränderten Formen von gesellschaftlichen Vernetzungen, nach neuen Ausprägungen von „sozialem Kapital“, und so wurde das 18. Jahrhundert zur Epoche der Assoziationsbildung und Geselligkeit.

Die Freimaurerei erwies sich als attraktive Form gesellschaftlicher Einbindung.

Dies resultierte ebenso aus der breiten Nutzbarkeit des Bundes für die Befriedigung vieler unterschiedlicher sozialer und kultureller Bedürfnisse wie aus der Möglichkeit, die Logen und Logensysteme mit stets neuem Enthusiasmus weiterzuentwickeln und an sich wandelnde Strukturbedingungen und Interessenlagen anzupassen.

Heute – beim 275. Stiftungsfest der Loge – sollten wir nicht zuletzt versuchen, diese Stimmung des Aufbruchs und der Hoffnung nachzuempfinden, denn Erinnern bedeutet ja nicht nur das Bewusstmachen historischer Fakten, sondern auch das Nacherleben von Begeisterung und emotionalem Schwung.

Es war die Freude über eine neue Entdeckung des Menschen, und es war immer wieder dieser neu entdeckte Mensch selbst, der im Zentrum von Freimaurerei und Loge stand. Es war das Bekenntnis zur Humanität als Inbegriff von „Menschheit, Menschlichkeit, Menschenrechten, Menschenpflichten, Menschenwürde und Menschenliebe“, wie der Freimaurer Herder sie mit dieser Reihung fast schon hymnisch bestimmt. Nicht um den Menschen als Träger nationaler, sozialer und religiöser Rollen ging es dabei, auch nicht um die Gattung Mensch in einem allgemeinen Sinn, um den Einzelmenschen, um den „bloßen“ Menschen war es zu tun: Der Einzelmensch stand – und steht bis heute – im Mittelpunkt der maurerischen Initiation, der feierlichen Aufnahme des Freimaurers in den Bund, und der Einzelmensch bildete und blieb auch das Zentrum der freimaurerischen Idee. „Er ist Prinz“, so gibt der Priester in Mozarts Zauberflöte vor Taminos Aufnahme zu bedenken, doch Sarastro erwidert: „Noch mehr, er ist Mensch.“ Und Lessings Nathan wünscht: „Ah, wenn ich einen mehr in Euch gefunden hätte, dem es genügt, ein Mensch zu sein.“

Der einzelne Mensch steht im Mittelpunkt der freimaurerischen Initiation

Telos und Pathos der Aufklärung bestimmen das Denken und Dichten der Freimaurer des 18. Jahrhunderts, sind Ausdruck der mit von ihnen entworfenen Utopie eines befreiten Menschen in einer nicht durch die Willkür weltlicher und religiöser Herrscher bestimmten, sondern von moralischen Gesetzen geordneten sozialen Wirklichkeit, einer Bürgergesellschaft im besten und eigentlichen Sinne. Viele Wegbereiter einer besseren Zukunft – so erinnern wir uns ja gerne, manchmal vielleicht gar allzu gerne – gehörten den Logen an. Namen wie Lessing, Herder, Goethe, Stein, Hardenberg, Washington und Voltaire kennzeichneten das geistige Gewicht und die gesellschaftliche Kraft des Freimaurerbundes. Dass es die Logen verstanden, Träger der Verheißung einer besseren, einer menschlicheren Welt zu sein, machte ihr Angebot aus, gab ihnen Nimbus und Ausstrahlung und sicherte ihnen einen festen Platz im gesellschaftlichen, politischen und geistigen Leben ihrer Zeit.

Suchen wir nun einen Namen für den speziellen Glücksfall der Hamburger Freimaurer-Reform an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert, so lautet er – wer unter uns würde daran zweifeln – Friedrich Ludwig Schröder.
Schröder war der Schöpfer des nach ihm benannten Rituals. Doch gemeinsam damit schuf er zum ersten Mal in Deutschland eine überzeugende Gesamtkonzeption für die Freimaurerei, die über das Rituelle hinausgehend die Freimaurerei als eine moralisch-spirituelle Werkstatt begründet hat. Jedem Freimaurer, der sich in der Tradition von Humanismus und Aufklärung versteht, ist Schröders Konzept bis in die Gegenwart lieb und teuer geblieben, nicht zuletzt, weil die symbolische Werkstatt Schröders unmittelbar zur Zukunftswerkstatt der Freimaurerei unserer Tage führt.

Die mit der Initiation des Freimaurers verbundenen Erwartungen, die Schröder im Aufnahmeritual mit eindrucksvollen performativen Sprechfolgen begrifflich markiert, sind ja gültig geblieben bis in die Werte-Verwirrung der Gegenwart hinein und haben nicht nur für uns Freimaurer ihre wort-wörtliche Bedeutung als Katechismus säkularer Ethik und Moral behalten.
Lassen wir Schröders Ritualerwartungen in uns aufklingen:

Anmahnung der Erfüllung moralischer Pflichten.
Festigung einer sittlichen Grundeinstellung des Menschen.
Aufforderung zur Suche nach Wahrheit, insbesondere über die eigene Person.
Beseitigung von Irrtümern, die der Humanität im Wege stehen, Überwindung von Vorurteilen.
Selbsterziehung zu aufgeklärten und verantwortungsbewussten Menschen.
Konzentration auf die Schätze des Geistes und des Herzens und (auf) keine
andere Würde als diejenige, die ein Mensch sich selbst zu geben vermag.

Um diese ethisch-moralischen Vorstellungen habituell im Menschen zu verankern, hat das Ritual nachdrücklich, aber schlicht zu sein. Es findet im Werkraum, in der Bauhütte, nicht im Tempel statt. Die Arbeit beginnt nicht mit einem feierlich-zeremoniellen Einzug oder einer esoterischen „Vorloge“, sondern mit dem Hammerschlag des Meisters. Man arbeitet nach den Verirrungen der „Strikten Observanz“ ausschließlich in den drei Graden des Lehrlings, des Gesellen und des Meisters, weil nur dies im Sinne Schröders maurerisch Sinn macht.

Entscheidend ist für Schröder die Übereinstimmung in den Werten, zu denen sich der Freimaurer bekennt. Andere Forderungen nach Übereinstimmung, insbesondere solcher religiöser Art, dürfen in der Loge keine Bedeutung haben.
Schröder im Wortlaut dazu:

„Wir sind hier also blos Menschen; wir suchen weiter nichts, als (das) was alle Menschen suchen sollten, kennen kein anderes Gesetz, als das, was alle Menschen verbindet, keine andere Richtschnur, als unsere Rechtschaffenheit, keine andere Würde, als die der Mensch sich selbst giebt. AlIes, was wir sonst sind und suchen und glauben und haben, lassen wir vor der Thüre unserer Versammlung zurück.“

Freimaurerei darf nicht zum Museum ihrer selbst werden

Das Ritual verbindet die Menschen als Mitmenschen, es ist der Kitt, der die Bruderschaft zusammenhält, und als Kitt ist es das, was auch heute in einer streitsüchtigen und auseinanderdriftenden Gesellschaft wieder so nötig ist.
Der prägenden Kraft des Rituals verwandt ist die Wirkung des Liedgesangs, der in der Hamburger Freimaurer-Geselligkeit zur Schröderzeit eine große Rolle spielte, und ich zitiere gern die folgende Strophe aus der Liedersammlung der Loge „Ferdinand zum Felsen“ von 1790, weil sie zeitüberspannend das Maurerherz erfreut:

„Das Glück, das Tausende erkaufen,
ist nicht das Ziel, nach dem wir laufen,
wir handeln nicht um Rang und Werth;
Die Gaben, die wir selbst besitzen,
verbessernd für die Welt zu nützen,
das ists was unsre Kunst uns lehrt.“

Doch so reich das Erbe unserer Tradition auch ist, wir dürfen nicht bei unserer Herkunft stehen bleiben, wir müssen nach Zukunft fragen, nicht zuletzt in der Tradition Schröders, der ja die Zukunftsfrage nach einer – wie er sagte – „vernünftigen Freimaurerei“ in Deutschland so hartnäckig gestellt hat.

Unsere vielfältigen Vergangenheiten, unsere Schatzkisten der Tradition – wie gehen wir heutigen Freimaurer damit um? Wie lassen wir aus Herkunft Zukunft werden? Was müssen wir bearbeiten, wenn Freimaurerei nicht nur Sammelplatz alter Kostbarkeiten bleiben, sondern zur Werkstatt kommender Aufgaben, zur Zukunftswerkstatt, werden soll.

Zunächst haben wir allen Grund, uns der skizzierten Traditionen mit inspirierendem Enthusiasmus zu erinnern, und es geschieht nicht ohne Stolz, wenn ich ein Wort des bedeutenden polnischen Philosophen Leszek Kolakowski auf unseren Bund beziehe: „Glücklich sind die“, so der polnische Philosoph, „denen ihre eigene Tradition den Glauben an die Gemeinschaft der menschlichen Gattung, den Glauben an Toleranz, die Bereitschaft zum Zusammenwirken und den Kritizismus überliefert hat. Andere haben aus der Tradition den National- und Rassenhaß, den Fanatismus, den Kult der Gewalt übernommen.“

Doch wir Freimaurer im Hier und Jetzt dürfen keine geschichtliche Denkmalspflege betreiben, und wir sollten keinesfalls der Gefahr erliegen, als Museum unserer selbst zu werden und hinter eindrucksvollen historischen Kulissen zu verschwinden. Herkunft ist wichtig, die Verankerung in Tradition ist unverzichtbar, doch unser Hauptinteresse hat Gegenwart und Zukunft zu gelten, denn hier allein ist der Raum für unsere weitere Existenz.

Das heißt, sich des Erbes zu erinnern, um den Gegenwartsauftrag, um das Angebot der Freimaurerei für die Menschen unserer Zeit deutlich zu machen, darauf kommt es an. Oder – wie Horkheimer und Adorno es in der Vorrede zur „Dialektik der Aufklärung“ so schön gesagt haben – „nicht um die Konservierung der Vergangenheit, sondern um die Einlösung der vergangenen Hoffnung ist es zu tun“. Es geht um das beharrliche Bewahren der freimaurerischen Grundidee von Würde, Freiheit und Selbstbestimmung des Menschen, des einzelnen Menschen mit unaustauschbarer Individualität und unverlierbarem Eigenwert. Und zwar nicht als rhetorischer Denkfigur, sondern als Aufgabe der tag-täglichen Alltagspraxis. Wie heißt es doch so unüber­troffen knapp und ein­dring­lich bei Erich Kästner: „Es gibt nichts Gutes, außer: Man tut es“!

Wie kann ein bürgerlicher Bund in nachbürgerlicher Zeit überleben?

Wir suchen nach einem festen Platz in der Gesellschaft, einem Platz, wo man uns respektvoll wahrnimmt und unser Wesen nicht verkennt. Auf dem Wege dorthin sind wir bereits. Doch wir können weiter vorankommen, wenn wir wohlüberlegt daran arbeiten, die Substanz- und Vermittlungsprobleme zu überwinden, die uns immer wieder blockieren, wenn wir herausfinden, was unsere freimaurerischen Hauptaufgaben sind und uns hierauf konzentrieren, wenn wir flexibel genug sind, uns mit kreativen Lösungen auf die gegenwärtigen Strukturen der Gesellschaft einzustellen, Strukturen, die sich seit der klassischen Zeit der Freimaurerei ja so tiefgreifend verändert haben.
Freimaurerei ist ein Produkt der bürgerlichen Gesellschaft – so weit, so gut. Wie aber kann ein bürgerlicher Bund auch in einer nachbürgerlichen Zeit seine Lebendigkeit und Wachstumskraft behalten? Das ist die Grundfrage der heutigen Freimaurerei. Denn neben manchen hausgemachten Schwierigkeiten sind es ja ohne Zweifel eben diese Strukturwandlungen der Gesellschaft, die einer dynamischen Entwicklung der Freimaurerei im Wege stehen.
Ich gebe ein paar Beispiele dafür:

So haben die zunehmende Heterogenität der Gesellschaft und der Wandel der sozialleitenden Werte zur Notwendigkeit geführt, Profil und Identität Humanitärer Freimaurerei neu zu bestimmen. Doch wissen wir klar und in verständlicher Weise nach draußen vermittelbar, wer wir sind und wo wir stehen innerhalb der Gesellschaft? Wissen wir, wo unser Platz ist fest und selbstbewusst auch im Rahmen der deutschen Freimaurerei? Sind wir fähig zum Diskurs darüber ohne Opportunismus und ohne Angst vor Tabus?

So hat der gesellschaftliche Wandel die alten, sehr erfolgreichen Rekrutierungsmuster der Freimaurerei – Mitgliedergewinnung in vertrauten sozialen und familiären Milieus – weitgehend außer Kraft gesetzt. Welcher Ersatz steht dafür zur Verfügung? Haben wir ihn bereits gefunden? Ist das große Schleppnetz „Internet“ wirklich der Weisheit letzter Schluss? Was müssen wir beachten, um den damit verbundenen Gefahren zu entgehen?
So beeinträchtigt die zunehmende freiwillige oder erzwungene Mobilität der Berufs- und Arbeitswelt die Motivation zum Eintritt in den Lebensbund Loge. Die Vertreter einer „Generation Praktikum“, was mag sie zu langfristiger Logenmitgliedschaft motivieren?

So bringt die veränderte Struktur der Geschlechterbeziehungen die Freimaurerei als Männerbund unter Begründungs- und Anpassungszwang, denn sie beeinflusst ja nicht nur die Bindungsbereitschaft der Männer, sondern sie stellt auch die traditionellen Legitimierungen des Modells „Männerbund“ generell in Frage. Haben wir den Mut, Freimaurerei heute als einen „offenen Männerbund“ zu leben? Gibt es überzeugende Konzepte für das Zusammenwirken mit den Logen der Freimaurerinnen?

So bringen die zunehmenden Optionen, soziale Beziehungen einzugehen, sich unterhalten zu lassen und Geselligkeit zu erleben, die Freimaurerei unter einen erhöhten Konkurrenzdruck. Hält das Programm der Loge diesem Konkurrenzdruck stand? Ist die Suche nach immer neuen Erlebnissen und spektakulären „Events“ mit den Grundeigenschaften der Freimaurerei: Bereitschaft zu dauerhafter Bindung, Führung ethischer Diskurse und Praxis ritueller Einübung in ein wertorientiertes Verhalten heutzutage vereinbar?

So führt – schließlich – die Kultur der heutigen Moderne mit ihrem Event- und Erlebnishunger auch zu neuen Formen der Anti-Freimaurerei. Das Dan-Brown-Syndrom geht um. Es beschert uns minderwertige Filme und füllt die Regale der Buchläden mit ausschweifenden Romanen und mit Sach- und Enthüllungsbüchern oft niedrigsten Niveaus. Haben wir Antworten in dieser neuen Situation? Widerstehen wir der Versuchung, auf der Fantasy-Welle mitzusurfen?

Diese Skala von Fragen und Bedenken sorgfältig abzuarbeiten scheint mir Voraussetzung für Erfolg bei der Umsetzung unserer Zukunftsziele und gehört sicher auch auf die Agenda unserer Meister-vom-Stuhl-Seminare.

Freimaurerei ist, was Freimaurer tun!

Doch ich bin bei aller Skepsis fest davon überzeugt, dass es verfehlt wäre, in den unbeständig-flüchtigen Verhältnissen der Gegenwart nicht auch günstige Voraussetzungen für die Arbeit der Logen zu entdecken. Moderne heute bedeutet ja auch Individualisierung: Nicht alle Menschen sind gleich, und die Zahl derer, die sich den nivellierenden Trends und Tendenzen der Gesellschaft zumindest partiell entgegenstellen, ist groß genug, um die Mitgliederzahlen der Logen – wenn wir es nur richtig machen mit unserer Öffnung zur Gesellschaft – kräftig anwachsen zu lassen.

Viele Beobachtungen und Analysen zeigen es doch immer wieder:

Menschen suchen auch, ja gerade heutzutage Freundschaft, Einbindung und Orientierung; Menschen interessieren sich für Werte, Aufklärung und intelligenten Diskurs; Menschen wol­­len ihre per­sön­lich­en Verantwortungen überdenken; Menschen sind aufgeschlossen für symbolische und rituelle Erfahrungen; Menschen wol­len teilhaben an besonderen, gruppengeschützten und gruppengestützten Erfahrungsmöglichkeiten für gesellige Kultur und Lebenskunst.

Insgesamt ist sie doch da, die Sehnsucht nach Nachdenklichkeit, nach Langsamkeit, nach einem anderen, weniger hektischen Begriff von Zeit, kurz nach Strukturelementen der Freimaurerei.
Auf dieser Basis und im Hinblick auf diese Zielgruppe können wir Freimaurer unsere konzeptionellen Grundlagen überdenken, auf dieser Basis können wir die Stimmigkeit unserer inneren Strukturen überprüfen, und von hierher können wir auch unser Verhältnis zu Politik und Gesellschaft auf eine überzeugende Weise klären.

Angesichts der Tatsache, dass die von der Freimaurerei und um die Freimaurerei herum entwickelten Werte – Menschlichkeit, Brüderlichkeit, Toleranz, Gerechtigkeit und Friedensliebe – einerseits längst politisch-gesellschaftliches Allgemeingut geworden sind, andererseits aber oft in erschreckenden Maße mit den Füßen getreten werden, besteht die Aufgabe unseres Bundes nicht im Propagieren liebgewordener Parolen. Sie besteht in der Einübung in eine wertverpflichtete Praxis, Praxis des einzelnen Bruders und Praxis der Logengemeinschaft. Freimaurerei ist, was Freimaurer tun – nicht weniger und nicht mehr!

Gewiss: Die Loge ist keine politische Aktionsgruppe, dabei muss es bleiben, aber sie kann – wie es im Ritual vermittelt wird – zu einer „sicheren Stätte“ werden für Menschen, die in einem konzentrierten, sensiblen und wertorientierten Diskurs Klarheit über handlungsrelevante Fakten und Verhaltensoptionen in der Welt von heute und morgen suchen. Die Loge kann zum Handlungsvorbereiter werden und hierdurch auch an politischer Relevanz gewinnen. Sie kann, wenn sie ihr Potential ausschöpft, zur Entwicklung einer politischen Kultur des gesellschaftlichen Miteinanders beitragen, an der hierzulande doch wirklich Mangel herrscht, wie wir tagtäglich und zuweilen auf erschütternde Weise erleben.

Mut zum gesellschaftlichen Diskurs, zum hörbaren Wort

Arkandisziplin heute hätte dann vor allem die Funktion, den Raum für einen solchen Prozess der Klärung und Abklärung unserer Positionen, der Stiftung einer lebenskräftigen freimaurerischen Identität abzusichern. Arkandisziplin ist insofern weit mehr als eine Angelegenheit des Verhüllens. Arkandisziplin ist eine Angelegenheit des Vertrauens, der Offenheit von Mensch zu Mensch. Das Geheimnis macht wenig Sinn, wenn es nicht zum Heim wird für uns und unsere Brüder.

Im Verhältnis zu Medien und Öffentlichkeit ist Redlichkeit am Platz: Es gab Licht und Schatten, Leistung und Versagen im Entwicklungsprozess der deutschen Freimaurerei. Dies einzuräumen, wirkt auf Außenstehende viel sympathischer und interessanter, als das unendlich langweilige Posieren als selbsternannte „Weltmeister in Sachen Humanität“. Allerdings: Für die Information nach außen wie für den Klärungsprozess im Inneren muss das freimaurerische Wissen in der Bruderschaft verbessert werden. Wer nach dem „Wohin“ der Freimaurerei fragt, muss über das „Wie“ und das „Woher“ der Freimaurerei gründlich Bescheid wissen.

Und ein Letztes: Wir Freimaurer hätten uns – ohne Überforderung eigener Möglichkeiten – viel öfter an den wichtigen Diskursen der Gegenwart zu beteiligen. Viele davon haben Beziehungen zur freimaurerischen Tradition, mögen sie sich auf die Weiterentwicklung der Aufklärung im Sinne einer „reflexiven Aufklärung“, auf die „Ethosproblematik“ (Stichwort „Weltethos“), auf die Aneignung und Umsetzung von Werten (Stichwort „Einübungsethik) beziehen, oder mögen sie auf Reflexionen über Lebenskunst konzentriert sein, denn wenn Freimaurerei sich seit jeher als eine „Königliche Kunst“ verstand, so meinte sie damit doch vor allem die Kunst, das Leben recht zu führen. Also Mut zum Diskurs, zum hörbaren Wort. Es genügt nicht, die Stimmen anderer zu prämieren, dazukommen muss für uns Freimaurer, mit eigener Stimme im öffentlichen Raum vernehmbar zu sein, einer besonnenen Stimme, einer sensiblen Stimme, einer Stimme, die auf konstruktive Weise Gedanken vermittelt, die auf Parolen verzichtet und die als Gegengewicht wirkt gegen die schrillen Töne der Respektlosigkeit und des Rassismus.

Insgesamt hat – davon bin ich vollkommen überzeugt – die deutsche Bruderschaft viele Möglichkeiten, den alten Zauber des „Gesamtkunstwerks Freimaurerei“ trotz zuweilen kräftigen Zeitgeist-Gegenwinds auch zukünftig nach innen und außen wirken zu lassen.

Die Baustellen, auf denen Brüder und Logen zu diesem Zweck zu wirken hätten, lassen sich leicht benennen:

  • Wir selbst als Menschen gehören dazu, die wir uns mit Fleiß und Ausdauer um Erwerb und Entwicklung wahrhaft freimaurerischer Eigenschaften zu bemühen haben.
  • Die Loge gehört dazu, damit sie nicht nur in unseren Reden, sondern auch in der Wirklichkeit zur Heimat brüderlicher Gesinnung wird, zur Zukunftswerkstatt für humanitäres Handeln und zur sicheren Stätte für alle, die Wahrheit suchen.
  • Unsre freimaurerische Konzeption gehört dazu, damit die Tradition von Humanismus und Aufklärung in ihrer heutigen Bedeutung und Lebenskraft zu erkennen ist und nicht immer wieder von schaler Rhetorik oder – schlimmer noch – von obskuren Missverständnissen überlagert wird.
  • Unser Wirken in der Gesellschaft gehört dazu, damit die Bedeutung unseres Bundes nicht nur als kulturelles Erbe geschätzt wird, sondern als Gestaltungsfaktor der Gegenwart, als schlichte und unpathetische Wahrnehmung mitmenschlicher Pflichten zu erkennen ist.
  • Schließlich: Unser Ritual gehört dazu, damit es in seiner besonderen Eigenschaft als spiritueller Erfahrungsraum auch in einem säkularen Umfeld erlebt und verstanden werden kann, und nicht mit Religion oder – schlimmer noch – mit den Wahnvorstellungen der Verschwörungs-„theoretiker“ verwechselt wird.

Eine erfolgreiche Freimaurerei lebt nun weitgehend von jenen Logen, die die zukunftsfähigen Strukturelemente der Freimaurerei überzeugend verkörpern, wo – salopp gesagt – das heute und morgen gesellschaftlich wirksame Angebot stimmt, wo es Freimaurer gibt, die der Suchende gern zu Freunden haben möchte, wo die Loge als Logengruppe so attraktiv ist, dass der Suchende gern dazu gehören würde, und wo die Originalität der praktizierten freimaurerischen Konzepte den Suchenden sagen lässt: „Das überzeugt mich, das passt in die Zeit, und das vermittelt meinem Leben Sinn“.

Die Logen hier in Hamburg, darunter heute besonders hervorzuheben die Loge „St. Georg zur grünenden Fichte“, deren eindrucksvollem Gang durch die Geschichte wir dieses schöne Jubiläumsfest verdanken, gehören zu den Bauhütten in Deutschland, die uns nicht zweifeln lassen am Wert ihrer Arbeit und an ihren Erfolgen. Und wir alle wünschen diesen Logen – und wiederum besonders der alten und zugleich jungen „Kaiserhofloge“ – um ihretwillen, aber auch zum Besten der Freimaurerei in Deutschland, viel Glück auf ihren weiteren Wegen.

Der Beitrag entstammt der Zeitschrift “HUMANITÄT — Das Deutsche Freimaurermagazin”, Ausgabe 6-2018.

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Hamburger Poetry-Slam zum Thema Toleranz

© Argus / Adobe Stock

Im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe „Hamburg Denkt!“ lädt die Freimaurerloge Konrad Ekhof zum zweiten „Poetry Slam“ ein. Frei nach dem Motto: "Goethes Erben & Lessings Freunde" steht der Abend thematisch ganz im Zeichen der Toleranz.

(Hamburg/js) Ein Thema, dass die Loge Konrad Ekhof ganz bewusst gewählt hat, da es einen unserer Grundwerte anspricht, der Menschen auf der ganzen Welt aktuell beschäftigt – damit ein Aufruf an uns Freimaurer, aktiv an dieser Diskussion teilzunehmen.

Ein Poetry Slam (Dichterwettstreit oder Dichterschlacht) ist ein literarischer Vortragswettbewerb, bei dem selbst geschriebene Texte innerhalb einer bestimmten Zeit einem Publikum vorgetragen werden. Die Zuhörer küren anschließend den Sieger. Ausschlaggebend ist dabei, dass der Textvortrag durch performative Elemente und die bewusste Selbstinszenierung des Vortragenden ergänzt wird (Zitat aus Wikipedia).

Die Loge freut sich, dass es gelungen ist, 6 hervorragende und bekannte Poeten für den Abend im stilvollen Ambiente des Mozartsaals zu gewinnen. Diesmal treten auf die Bühne: Lucia Lucia, Lennart Hartmann, Zoë Hars, Andy Strauß, Hinnerk Köhn (letztes Jahr im Finale) sowie Fabio Navarro (Vorjahressieger). Wie im Vorjahr übernimmt die Moderation David Friedrich.

Der Sieger des Abends bekommt neben einer symbolischen Auszeichnung die Möglichkeit, eine Spende an eine wohltätige Einrichtung seiner Wahl zu vergeben.

Die Veranstaltung findet am 13. September 2018 um 20:00 Uhr im Mozartsaal des Logenhauses Moorweide statt (Einlass ab 19:00 Uhr).  Tickets gibt es im Vorverkauf unter: www.tixforgigs.com

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Hamburgs zweitälteste Loge feiert 275. Jubiläum

Foto: Jonas Weinitschke / Adobe Stock

In Hamburg steht wieder ein großes rundes Jubiläum an. Die Loge St. Georg zur grünenden Fichte feiert ihr 275. Stiftungsfest.

(Hamburg/pa) Sie ist Hamburgs zweitälteste Loge (nach Absalom zu den drei Nesseln) und begeht das Jubiläum ganz hamburgisch. Dabei erinnert sie an die Keimzelle der Freimaurerei hier in der Hansestadt an der Elbe.

Die Feier beginnt am Freitagabend, dem 21. September 2018 um 19.00 im Logenhaus Welckerstraße 8 mit einer Begrüßung der Gäste. Es folgt am Sonnabend, dem 22. September um 14.00 Uhr die Festarbeit im Haus der Patriotischen Gesellschaft, direkt am Ursprungsort der deutschen Freimaurerei. Der Festvortrag von Br. Hans-Herrmann Höhmann trägt den Titel “Das Feuer weitergeben. Freimaurerei als Zukunftswerkstatt”. Ein freimaurerisch geführter Spaziergang anschließend durch die Innenstadt endet im Logenhaus in der Welckerstraße. Dort beginnt um 19.00 eine festliche Tafelloge.

Am Sonntag findet eine Matinee statt. Im Mittelpunkt steht eine Ausstellung über die Entwicklung der Hamburger Freimaurerei in den ersten 100 Jahren und der Beitritt der Loge zum Bertini-Preis e. V., deren Arbeit sie unterstützen will.

Für die Damen ist am Sonnabend, 22. September, die Besichtigung der Elbphilharmonie vorgesehen sowie eine Alsterschiff-Rundfahrt. Anschließend Abendessen im Logenhaus an der Moorweidenstraße in Hamburg.

In der Humanität Juli/August 2018 wird auf der Seite 29 über das Jubiläum ausführlich berichtet.

Die Loge lädt herzlich ein. Informationen und Anmeldungsunterlagen bitte über post@georg-loge-hamburg.de anfordern.

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Zum 70-jährigen Freimaurerjubiläum von Rolf Appel

Rolf Appel im Jahre 2015 (Foto: Jens Oberheide)

Rolf Appel im Jahre 2015 (Foto: Jens Oberheide)

Das gibt es wohl höchst selten: ein 70-jähriges Freimaurerjubiläum. Rolf Appel, ein Urgestein der deutschen Freimaurerei, gehört seit 1948 dem Bund an. Eine für das Wochenende geplante Feierlichkeit muss aus gesundheitlichen Gründen leider ausfallen.

Statt des geplanten Berichtes über die Feier anlässlich des einzigartigen Jubiläums bringen wir an dieser Stelle eine Würdigung, die in der HUMANITÄT 1/2018 unter dem Titel “Als Rolf ‘etwas Gültiges’ in sein Leben brachte” erschienen ist und den Sie nachfolgend auch als Podcast finden können.

Von Jens Oberheide

22. Februar 1948. Rolf Appel wird Freimaurer. Drei Jahre nach dem unseligen Krieg. Die Trümmerstadt Hamburg war noch “britische Besatzungszone”. Die Gründung der Bundesrepublik Deutschland lag noch in Jahresferne, und die “Währungsreform” stand noch bevor. Das Wenige, was man kaufen konnte, bezahlte man in “Reichsmark”, wobei das “Reich” untergegangen und die “Mark” nichts wert war. Das Notwendige zum Essen gab es auf Bezugsschein. Das Notwendige zum Leben musste mit Zuversicht, Mut und Tatkraft erst wiederentdeckt werden.

Aber erst einmal galt es jedoch, all das Schreckliche zu verarbeiten, was da ab 1933 geschehen war. 1934 hatte Rolfs Vater, der Freimaurer Ludwig Appel, gegenüber den Nazis stolzen freimaurerischen Bekennermut bewiesen. Für die braunen Machthaber war er fortan ein Ausgegrenzter, Verfemter. Rolf hat das miterlebt. Es hat ihn geprägt. Unbeugsame Haltung, Charakter, aufrechte Gesinnung. Ein unbeirrbares Wertebewusstsein. Erst sehr viel später hat Rolf das selbst beispielgebend leben können.

Zunächst hatte der Krieg jede Lebensplanung verhindert. Schon eine Woche nach seinem Abitur kam die Einberufung. Mit einer Panzertruppe erkämpfte sich Rolf Appel im sogenannten “Russlandfeldzug” das “Panzer-Sturmabzeichen” für 25-maliges Durchbrechen feindlicher Linien, das Eiserne Kreuz 1, Klasse, und schließlich – welch bitterer Widersinn – das Silberne Verwundetenabzeichen für dreimalige Verwundung. 1945. Ende und Anfang.

Der aus dem Krieg gekommene und vom Krieg gezeichnete Rolf Appel war damals 25 Jahre jung, Angehöriger jener betrogenen und verlorenen Generation, die man in den schlimmsten Jahren deutscher Geschichte verheizt hatte. Innerlich und äußerlich schwer verwundet, galt es nun, einen neuen Sinn zu suchen und, wenn möglich, auch zu finden. Beruflich ging das überraschend schnell. Schon Ende 1945 hatten zwei mutige Männer aus Hamburg von der Britischen Militärregierung Lizenzen als Verleger erhalten: Axel Springer und Rolf Appel. Letztgenannter avancierte damit zum jüngsten deutschen Verleger nach dem Krieg.

Der berufliche Anfang war gemacht. Das sei zwar existenznotwendig, sagte der Vater, aber nun solle Rolf auch noch “etwas Gültiges in sein Leben bringen”. Etwas, was unter den Nazis nicht möglich war, was aber nun im Zeichen des Neuanfangs wieder möglich werden sollte: Freimaurerei, der alte und immer wieder neue Gedanke des besseren Miteinanders für eine bessere Welt.

Am 22. Februar 1948 hat ihn sein Vater zur Aufnahme in die Loge “Globus” nach Harburg gebracht. Auch die Loge “Globus” musste, wie alle Logen der Nachkriegszeit, erst behutsam und mühsam wiederbelebt werden. Das ging nur mit Mitgliedern, die schon vor dem “Dritten Reich” aufgenommen worden waren, und mit jungen Männern, die bereits durch die Hölle des Krieges gegangen waren, wie Rolf Appel. Überlebende, Gezeichnete, Tatkräftige.

1948 war ein bitterkalter Winter, und das Logenhaus war seit Jahren nicht beheizt worden. Man begrüßte den Suchenden Rolf Appel mit dem sogenannten “Kutscherschlag”, indem man sich mit weit ausholenden Armen gekreuzt auf die Schulter schlug. Das war kein vorweggenommenes freimaurerisches “Erkennungszeichen”. Das war vielmehr purer Selbsterhaltungstrieb, um nicht zu erfrieren.

Besonders eindrucksvoll war für Rolf Appel nach der Aufnahmearbeit 1948 die erste Tafelloge seines Lebens. Und zwar deswegen, weil es Linsensuppe mit Fleischbeilage gab. Und einen Nachschlag! Zum Schluss des denkwürdigen Tages durfte Rolf sogar noch seinen eingefärbten Wehrmachtsmantel gegen einen richtigen Wintermantel eintauschen und bekam feste Schuhe. Als Rolf nach Hause zu seiner Gerda kam (mit der er 1941 “ferngetraut” worden war), da berichtete er von seiner Aufnahme freudig bewegt: “Neuer Mantel, neue Schuhe, und satt bin ich auch noch!”

Aber zugleich hatte ihn die wunderbare “Idee Freimaurerei” gepackt. War es nicht gerade in der Nachkriegszeit wichtig, Menschlichkeit neu zu denken und zu praktizieren? Mit Rolfs eigenen Worten: “Mehr Anstand untereinander und mehr Vertrauen zueinander.” Das bedeutete Freimaurerei in der Tat. Dieser Gedanke hat ihn ein Leben lang geleitet.

Am 19. Juni 1949, wenige Tage nach Rolf Appels 29. Geburtstag, wurde in der Paulskirche zu Frankfurt am Main die “Vereinigte Großloge der Freimaurer von Deutschland” konstituiert. Das war die Geburtsstunde unserer Großloge A.F.u.A.M. von Deutschland, die aus diesem Konstrukt hervorging. Rolf Appel war dabei. Sein Vater hatte ihn mitgenommen. Rolf war gerade Geselle geworden und hat die “intensiven Augenblicke” dieser historischen Arbeit in sich aufgesogen. Und er hatte jenen Mann bewundert, der das Ritual so zelebrierte, dass “jeder Ton, jede Bewegung, jede Geste” stimmte: Theodor Vogel.

Rolf Appel wurde in den Folgejahren enger Mitarbeiter und vertrauter Bruder des Großmeisters Theodor Vogel. Was dieser von Rolf gehalten hat, geht aus einem Brief hervor, den er einmal an Br. Konrad Merkel geschrieben hat: “Er (Rolf Appel) ist immer präsent … er mischt sich überall ein. Er meldet sich zu Wort und hat dann auch etwas zu sagen. Er ist gefragt und wird gefragt – und er wird gehört. So schätzen ihn immer noch alle, die das Glück haben, ihn zu kennen.

Aus diesen Anfängen der Nachkriegsfreimaurerei erwuchs also “einer der wahrscheinlich bedeutendsten lebenden Freimaurer” (Freimaurer-Wiki), der heute schon ein gewichtiges Stück Geschichte verkörpert. Der Weg von damals bis heute kann hier nur per Zeitraffer angedeutet werden:

Rolf Appel ist mit 31 Jahren Stuhlmeister geworden und hat diese Funktion in vier Logen über insgesamt 2o Jahre innegehabt. Er war Distriktmeister, Großredner, zugeordneter Großmeister, Mitglied im Senat der Vereinigten Großlogen, und er war 12 Jahre lang Mitglied des Ritualkollegiums. Dem legendären Dreigespann Appel, Horneffer, Scherpe ist die seit 1981 praktizierte Neuschöpfung und Grundfassung unseres A.F.u.A.M.-Rituals zu verdanken. Historisch ist Rolf Appels Wirken in der Dialogkommission, die von 1968 bis 1981 die offiziellen Gespräche mit der katholischen und den evangelischen Kirchen geführt hat. Rolf Appel ist der Verfasser der berühmten “Lichtenauer Erklärung”, die in Rom bewirkte, dass der Begriff “Freimaurer” nicht mehr im Kirchenrecht auftaucht. Ein Meilenstein, der für immer mit Rolfs Namen verbunden bleibt.

Rolf Appel hat vielbeachtete Vorträge überall in deutschen Landen gehalten, hat redaktionelle Beiträge verfasst und vielgelesene Bücher (rd. 60) geschrieben. Und er ist der Redakteur unserer Freimaurerzeitschriften gewesen: “Hanseatisches Logenblatt”, “Die Bruderschaft”, “Die gelben Blätter”, “Euro Mason” und “Humanität”. Von ihm kam die Idee zu einem “Literaturpreis Deutscher Freimaurer” (heute: Kulturpreis), und er war der Laudator für die Preisträger Max Tau, Lew Kopelew, Reiner Kunze und Arno Surminski. Mit zahlreichen Auszeichnungen für bedeutende Verdienste wurde er geehrt. Profan und freimaurerisch. Zahlreiche Logen haben ihn zum Ehrenmitglied gemacht.

Er führte seine Druckerei, engagierte sich in vier Buchverlagen und übernahm den freimaurerisch ausgerichteten Verlag “Die Bauhütte”. In mehreren Vorständen von Fachverbänden und Institutionen hat Rolf Appel erfolgreich mitgewirkt, ist Mitbegründer der Lessing-Gesellschaft und von Pegasus, dem freimaurerischen Verein für Kunst, Kultur und Kommunikation. Schließlich ist er Initiator und Mitbegründer des Wiederaufbaus der Freimaurerei in Litauen geworden. Als Ehrengroßmeister dieser baltischen Großloge fühlt er sich seinem Pionierwerk immer noch verpflichtet.

Es lag ihm stets am Herzen, dass bei einer derart immensen Lebensleistung die Familie nicht zu kurz kommt. Sie hat ihn gestärkt und er war stark genug, auch tragische Schicksalsschläge zu verkraften.

Wir können hier nicht andeutungsweise alle Aspekte eines überaus reichen Lebens ansprechen. Dafür gibt es andere Gelegenheiten. Hier sei nur daran erinnert, vor welchem Hintergrund alles begann, damals vor 70 Jahren.

Zum 70. Maurerjubiläum gratulieren wir diesem bemerkenswert ungewöhnlichen Menschen, der uns so viel zu sagen hat und dem wir so viel verdanken.

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“Informationen, Geschichte und Gerüchte” in Stade

Der Vorsitzende Gerd Carlson begrüßt die Anwesenden

Der Vorsitzende Gerd Carlson begrüßt die Anwesenden

Unter dem Leitsatz „300 Jahre Freimaurerei – 240 Jahre Freimaurerei in Stade – Informationen, Geschichte und Gerüchte“ veranstalteten die Brüder der Johannisloge „Friederike zur Unsterblichkeit“ im November eine Öffentlichkeitsveranstaltung in der Seminarturnhalle der Stadt Stade. 200 Gäste waren der Einladung gefolgt.

(Stade/hce) Den Abend mit vollbesetztem Haus begann der Vosrsitzende der Loge, Gerd Carlson, mit einer einfühlsamen Begrüßung. Speziell wurden der 1. Stellvertretende Bürgermeister, Herr Hartlef mit Gattin,  der ehemalige Stadtarchivar, Dr. Jürgen Bohmbach und das älteste Mitglied der Loge Gerhard Frankenstein (91) sowie die anwesenden Pressevertreter besonders begrüßt.

Nach der Begrüßung sprach der Distriktmeister Thomas Stuwe über „300 Jahre Freimaurerei und die erste Loge in Hamburg“. Es folgte  der Altstuhlmeister der „Friederike“, H.-Christian Esken; er berichtete über „Die Anfänge der Freimaurerei in Stade“ unter Einbeziehung der sozialen Verhältnisse der Zeit zum Ende des 19. Jahrhunderts.

Patrick Beier übernahm das Thema „Die Logenhäuser in Stade“. Den Zuhörern konnten die Gebäude mit Bildmaterial per Beamer nahegebracht werden, und es hat wohl so manchen Gast überrascht, welche Häuser im Laufe der Jahrhunderte als Logenhäuser genutzt wurden, Häuser, die es heute auch noch gibt, jedoch mit einer völlig anderen Nutzung.

Durch seine Kontakte zu der Familie des Dr. Reinhold Müller, der 1923 in die Loge „Friederike zur Unsterblichkeit“ aufgenommen wurde, konnte der Vorsitzende Gerd Carlson aus dessen Lebenserinnerungen aus den Jahren 1923 und 1924 zitieren. Es wurden die schöne Stadt Stade, aber auch die damaligen Stader Bürger in ihrer gesellschaftlichen Abgrenzung und „Steifheit“ humorvoll und doch deutlich beschrieben.

Die Referenten (v.l.) Thomas Stuwe, Rolf Grußendorf, Hans-Christian Esken, Jens Rusch, Gerd Carlson, Hellmut von Blücher und Patrick Beier

Die Referenten (v.l.) Thomas Stuwe, Rolf Grußendorf, Hans-Christian Esken, Jens Rusch, Gerd Carlson, Hellmut von Blücher und Patrick Beier

Einen weiteren Beitrag lieferten Rolf Grußendorf und Hellmut von Blücher zum Thema „Freimaurerei und Motorradfahren – geht das?“ Sie schilderten eindrucksvoll  die Geschichte  der “Masonic Biker“ und ihre persönlich erlebten Eindrücke.

Schließlich erhielt Jens Rusch das Wort, um zum Thema „Mythen und Gerüchte“ zu sprechen. Es war ihm wichtig darauf hinzuweisen, dass viele Informationen über die Freimaurerei im Internet  kritisch zu sehen sind und mancher geschriebener Unsinn gar nicht korrigiert werden kann. Daher sei es nützlich, sich der Informationen zu bedienen, die von erfahrenen Freimaurern geliefert werden. Im Kern seiner Ausführungen verwies er auf die Internetseite „Freimaurer-Wiki“, die er vor 10 Jahren – zunächst allein, später mit weiteren Brüdern – entwickelt hat und ständig fortentwickeln wird. Die Freimaurer-Wiki umfasst mittlerweile annähernd 5000 Inhaltsseiten und hat bisher über 30 Millionen Seitenzugriffe.

Mit einem Schlusswort, in dem noch einmal die Ideale und die Ziele der Freimaurerei herausgestellt wurden, beendete der Gastgeber das offizielle Programm und lud die Gäste ein, mit den Brüdern der „Friederike“ ins Gespräch zu gehen, um weitere Informationen zu erhalten. Es ergab sich schnell eine intensive und angeregte Unterhaltung, die fast bis Mitternacht dauerte. Eine dezente Klaviermusik des Pianisten Frederik Feindt begleitete diesen letzten Abschnitt der Veranstaltung.

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