Kosmopolitismus im 21. Jahrhundert

Der Referent Prof. Niederberger (Foto. Uni Duisburg/Essen)

Der Referent Prof. Niederberger (Foto. Uni Duisburg/Essen)

„Einen spannenden, wenn auch sicherlich anspruchsvollen Abend“ in der Vortragsreihe zum Thema “Globalisierung” versprach der Meister vom Stuhl Matthias Baethge den zahlreich erschienen Zuhörern und er sollte in jeder Hinsicht Recht behalten.

(Osnabrück/rm) Der Duisburger Universitäts- und Philosophieprofessor Andreas Niederberger spannte in dem rund 90-minütigen Vortrag nebst Diskussion einen Bogen von Diogenes, dem ersten Kosmopoliten, der sich selbst Weltbürger nannte, bis ins 21. Jahrhundert, in dem der US-Amerikanische Präsident von „America First“ spricht, die Briten den Brexit umsetzen und der Nationalismus immer stärker wird.

Andreas Niederberger stellte die Grundlagen des Völkerrechts dar, die Francisco de Vitoria schon Anfang des 16. Jahrhunderts vertrat, um den Spaniern den Handel in Südamerika zu ermöglichen und damit dem Kolonialismus die Türen öffnete. Geschwindigkeit nahm der Kosmopolitismus zwischen 1980 und 2010 auf und stellte die „globalen Hilfspflichten“ des australischen Philosophen Peter Singer dar, der die Pflicht zur Hilfestellung fordert, sofern dem keine Eigengefährdung entgegensteht. Die sodann präsentierte Theorie der „global gerechten Verteilung“ blieb Theorie. Niederberger selbst propagierte die Variante der „transnationalen Demokratie“, nach der alle das Recht haben, darüber zu entscheiden, welche Verteilungsprinzipien und Ansprüche gelten. Seine Definition: „„Global kommt jedem grundsätzlich normative Autorität zu“; jeder Mensch bestimmt also über geltende Normen mit und setzt damit jeglichen Populisten klare Grenzen. Jede Entscheidung bedarf also eines Konsenses. Nach dem kalten Krieg war Kosmopolitismus in aller Munde und im Rahmen der Euroeinführung erneut. Gerade hier, kritisierte Niederberger, hat die Politik in Europa eine Riesenchance verpasst. Sie hätte damals eine europäische Sozialpolitik einfordern sollen, statt weiter nationalstaatlich verankert zu sein. Die aktuelle Debatte in der EU, die als Überwindung der Nationalstaaten gefeiert wurde, zeigt doch die Bedeutung des Kosmopolitismus, gerade in der Zeit von Eurokrise und Brexit.

Passender hätte Niederberger seinen Vortrag kaum halten können, als die Gleichberechtigung aller Menschen in den Vordergrund zu stellen, damit hat Niederberger den Freimaurern aus der Seele gesprochen. Kosmopolitismus ist philosophisch-politisch eine Weltanschauung, die den ganzen Erdkreis als Heimat betrachtet. Dass Philosophie an vielen Stellen ein Wunsch bleibt und nicht immer in die Realität umzusetzen ist, das hat sich aber auch an diesem Abend deutlich gezeigt.

„Das Kosmopolitismus mehr ist, als die Möglichkeit viele Länder zu bereisen war mir klar, dieser Umfang von Philosophie, Rechtssystematiken gepaart mit freimaurerischen Gedanken und Werten hat mich aber sehr beeindruckt“, zog Matthias Baethge am Ende des Abends ein Fazit. „Es war herausfordernde Kost aber sie war hervorragend dosiert und gut verträglich, Professor Dr. Andreas Niederberger sei Dank“, so Baethge zum Abschluss und sprach damit den Brüdern und allen Gästen aus dem Herzen.

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Bielefelder Freimaurer spenden für Kinderhospiz

Werner Brockgreitens (Sekretär der Perfektionsloge Leibniz), Birgit Kirchner (Spendenbeauftragte der v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel) und Horst-E. Lingnau (Meister vom Stuhl der Freimaurerloge „sapere aude“) v.l.n.r..

Werner Brockgreitens (Sekretär der Perfektionsloge Leibniz), Birgit Kirchner (Spendenbeauftragte der v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel) und Horst-E. Lingnau (Meister vom Stuhl der Freimaurerloge „sapere aude“) v.l.n.r..

Der Humanität verpflichtet. So fühlen sich die Mitglieder der „Perfektionsloge Leibniz“ und der Freimaurerloge „sapere aude“, beide in Bielefeld von der Idee angetan, schwerkranken Kindern mit Ihren Eltern und Geschwistern einen Hort zum Durchatmen zu schaffen.

In Bethel wird für die Kinder und Jugendlichen ein Ort zum Leben bereitgestellt. Zehn speziell eingerichtete Zimmer mit allen notwendigen Versorgungseinheiten und dem liebevollen und speziell ausgebildeten Personal stehen zur Verfügung. Auch die begleitenden Eltern und gesunden Geschwister bekommen im gleichen Gebäudekomplex eine temporäre Heimat. Manche bleiben nur zum Wochenende und andere melden sich für einen längeren Urlaub. Dies seit fast 5 Jahren seit der Gründung der Einrichtung, berichtet Birgit Kirchner, die aus den Händen von Werner Brockgreitens und Horst-E. Lingnau eine Spende von 1.300 € entgegennahm.

Obwohl es Regelungen mit den Krankenkassen für den „Raum zum Leben“ für die schwerkranken Kinder und Jugendlichen gibt, sind die Träger und Betreiber immer noch und immer wieder auf Spenden angewiesen. Interessierte können den Eindruck am 14. April 2018 bei einem Tag der offenen Tür am Remterweg 55 in Bielefeld vertiefen.

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Logen aus Nienburg und Hoya vergeben gemeinsam Preise

Die Preisträger im 4. Wettbewerb der Gymnasien

Die Preisträger im 4. Wettbewerb der Gymnasien

An dem zum vierten Male ausgeschriebenen Wettbewerb der Freimaurerlogen „Georg zum silbernen Einhorn“ und „St. Alban zum Aechten Feuer“ haben mit 17 Facharbeiten insgesamt 36 Schülerinnen und Schüler aller 5 Gymnasien im Landkreis Nienburg (Weser) teilgenommen.

(Nienburg/Hoya/dh) Es waren erneut sehr anspruchsvolle Themen im Wettbewerb, die von Untersuchungen zur Systemtechnik mit einem Einplatinencomputer über Selfmarketing bis zu der Frage gingen, ob Liebe durch die Nase geht.

Schnell war erkennbar, dass sich die Schülerinnen und Schüler für die Ausarbeitungen sehr spezielle Kenntnisse angeeignet haben müssen, die weit über die üblichen schulischen Anforderungen hinausgehen. Von den betreuenden Fachlehrern war zu erfahren, dass die Begeisterung und der Einsatz der Schülerinnen und Schüler jeweils überdurchschnittlich gewesen sind und auch deutlich über das geforderte Maß für eine Facharbeit hinausgehen.

„Die vierköpfige Jury der beiden Logen hat sich die Entscheidungen nicht leicht gemacht“, sagte Dr. med. Wilhelm C.F. Cohrs, Stuhlmeister der Nienburger Loge. „Es ging ja nicht nur darum, die Arbeit der jungen Menschen wertzuschätzen. Unsere internen Beurteilungskriterien sind etwas andere als die rein schulischen Maßstäbe. So konnten sich die Arbeiten die meisten Punkte holen, die neben einem guten Aufbau und einer klaren Struktur einen Bezug zu unserer Gesellschaft haben. Ich hoffe, dass wir mit unserem Ranking dabei einigermaßen richtig liegen“.

Erstmals in diesem Jahr wurden die Teilnehmer der Ausschreibung darum gebeten, auch eine Begründung einzureichen, weshalb sie Ihre Arbeiten für geeignet halten, einen Bezug zur Freimaurerei zu zeigen. Daraus wurde deutlich, daß sich die jungen Leute – unterschiedlich intensiv – mit der Freimauerei beschäftigt haben. „Die sehr verschiedenen Themen der Arbeiten zeigen, wie aktuell unsere freimaurerischen Grundideen im Alltag sichtbar sind. Danke für die Impulse, die wir von Ihnen auch für uns mitnehmen können“, zog Dr. Cohrs das positive Fazit aus dieser Zusatzaufgabe.

Es gab fünf erste Preise, die mit jeweils 300 Euro und einer Urkunde dotiert wurden. Die Zweit- und Drittplatzierten erhielten Urkunden und Buchpreise. In diesem Jahr wurde erstmals das Beste der teilnehmenden Gymnasien zusätzlich mit einer Sonderurkunde und einem Buch für die Schulbibliothek ausgezeichnet. Schülerinnen des Johann-Beckmann-Gymnasiums aus Hoya nahmen den Preis stellvertretend entgegen und freuten sich darüber. Sie bekamen einen herzlichen Sonderapplaus.

„Als Wertegemeinschaft mit einer ausgeprägt humanistischen Zielsetzung fördert die Loge besonders auch kritisches Denken und die Auseinandersetzung mit negativen Folgen für unser Zusammenleben“, sagte Dr. Cohrs. „Das ist gerade für junge Menschen bedeutsam und dafür öffnen sich die Freimaurerlogen auch stärker als in der Vergangenheit, denn sie wollen ihre wesentlichen Ziele, wie Toleranz und humanitäres Miteinander einer breiten Öffentlichkeit näher bringen“.

Gastgeber, Preisträger und eine Vielzahl von Gästen verblieben noch eine geraume Zeit im Logenhaus, um bei Kaffee und Kuchen ihre Gedanken auszutauschen. Der Stuhlmeister konnte mehrfach spontane Zustimmung und Lob der Gäste für diese Veranstaltung entgegennehmen.

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Windjammerloge in Lübeck

Im Laderaum des Großseglers

Im Laderaum des Großseglers

Alle zwei Jahre findet auf dem Großsegler “Passat” eine überregionale Festarbeit der Lübecker Loge “Zur Weltbruderkette” statt. Im Jahr 2017 wurde diese Arbeit bereits zum vierten Mal durchgeführt. Für das Jahr 2019 sind die Planungen bereits im vollen Gange.

(Lübeck/em) Eigentlich sollte es ein durchwachsenes norddeutsches Wetter werden. Doch wenn es in Lübeck an der Ostsee etwas zu feiern gibt, hat Petrus ein Einsehen und lässt die Sonne scheinen. So auch am 17. Juni 2017 in Lübeck-Travemünde anlässlich der 4. Windjammerloge der Johannisloge „Zur Weltbruderkette“ im Orient Lübeck. Etwa 100 Brüder und ca. 30 Schwestern fanden sich an einem besonderen Ort ein: Auf der Viermastbark „Passat“. Das stolze, 115 Meter lange Schiff, gebaut Anfang des 20. Jahrhundert, das Glanzstück einer ganzen Ära, liegt heute als Museumsschiff und Hotel in Travemünde fest verankert. Inzwischen ist es zur Tradition geworden, dass alle zwei Jahre dieser Ort für eine besondere Tempelarbeit genutzt wird. Viele Brüder und Schwestern nutzten die Gelegenheit, einen Tag eher anzureisen, um auf diesem Großsegler zu übernachten. Aber auch die Tagesgäste waren nicht enttäuscht.
Das maritime Ambiente beeindruckte die Besucher aus ganz Deutschland, aus der Schweiz und aus Frankreich. Die großen Fährschiffe, die zum Greifen nah an der „Passat“ vorbeifuhren, sowie die vielen kleineren Segel- und Motorboote sorgten für eine unvergessliche Stimmung an Bord. Bei strahlendem Sonnenschein und einem Glas Sekt konnte man sich auf eine außergewöhnliche Tempelarbeit im 1. Grad emotional vorbereiten. Derweil frönten die Damen kulinarischen Leckerbissen, nachdem sie mit einer kurzen Bootsfahrt den Bestimmungsort erreichten.

Mit einem harten Hammerschlag eröffnete der Meister von Stuhl, Br. E. Milbrod, die Tempelarbeit. Nachdem der zugeordnete Großmeister der Vereinigten Großlogen von Deutschland, Br. Bernd Brauer, eingeführt wurde, konnte die Arbeit richtig beginnen. In seinen Meisterworten hob der Meister vom Stuhl der gastgebenden Loge hervor, dass man sich in einem Laderaum eines Frachtseglers befände und zog Parallelen zur Freimaurerei. Diese konnte er in dem Mannschaftsgeist der Besatzung des Segelschiffes finden. „Auch wenn das Schiff stolz und sicher ist, es sind die Menschen an Bord, die es in die Welt hinaus und zurück in den sicheren Hafen lenken!“ In der anschließenden Begrüßung wurden kurz alle Brüder, von Flensburg bis Freiburg und von Straßburg bis Solothurn (CH), einzeln begrüßt.

Nach der Tempelarbeit begann der „gemütliche“ Teil des Programms. Bei einem reichhaltigen Seemanns-Dinner ergaben sich sehr viele anregende Gespräche zwischen den Brüdern und den inzwischen eingetroffenen Schwestern. Der Laderaum des Frachtseglers, eben noch ein Tempel, wurde nun zu einem Ort des Gedankenaustausches. Die Gespräche verliefen so intensiv, dass beinahe die künstlerischen Darbietungen von Frau Jana Nietsch untergingen. Die junge Akkordeonistin und Sängerin verbreitete auf Deck mit ihren Chansons eine positive Stimmung bis weit nach Mitternacht: eine Bereicherung dieser lauen Sommernacht.

Ein weiteres positives Ergebnis der Windjammerloge 2017 ist das Ergebnis der Sammlung. Das Geld soll den Flüchtlingen in Lübeck zu Gute kommen. Der Träger der Flüchtlingsarbeit, die Diakonie Lübeck, wird Schultüten mit Schul-Utensilien zusammenstellen. Somit erhalten die Kinder nicht nur ein „Geschenk“, sondern lernen eine Tradition in Deutschland kennen und erhalten dringend benötigte Ausstattung für einen guten Start. Über diese Aktion wird zu gegebener Zeit besonders berichtet werden.

Am Sonntagmorgen trafen sich die Teilnehmer, die eine Übernachtung gebucht hatten, am ausgiebigen Frühstück. Vielen hat das gesamte Ereignis so gut gefallen, dass bereits der Termin für die nächste Windjammerloge erfragt wurde. Diese wird am 25. Mai 2019 stattfinden. Eine Anreise am Vortag mit einer oder zwei Übernachtungen auf dem Schiff sind bei rechtzeitiger Anmeldung möglich.
Allen Teilnehmern der Windjammerloge und auch den Brüdern und Schwestern, die aus unterschiedlichen Gründen nicht teilnehmen konnten, wünscht das Organisationsteam der Loge „Zur Weltbruderkette“ im Orient Lübeck „Allzeit gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel“!

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Zugeordneter Großmeister Hasso Henke referierte in Hoyas Museum

Hasso Henke im Heimatmuseum Hoya, im Hintergrund ein Reprint eines zeitgenössischen Logengemäldes des Martfelder Künstlers und Freimaurers Dietmar Brandstädter

Hasso Henke im Heimatmuseum Hoya, im Hintergrund ein Reprint eines zeitgenössischen Logengemäldes des Martfelder Künstlers und Freimaurers Dietmar Brandstädter

Im Rahmen der kleinen und liebevollen Ausstellung der Hoyaer Loge “St. Alban zum Æchten Feuer” referierte der Zugeordnete Großmeister Hasso Henke unterhaltsam und vielseitig über Geschichte und Gegenwart der Freimaurerei.

Der kleine Vortragsraum war bis auf den letzten Platz mit interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern gefüllt, sodass noch etlich Stühle im Seitenbereich hinzugestellt werden mussten, damit auch die anwesenden Brüder einen Platz bekamen.

Hasso Henke führte ein in mögliche Herkünfte der Freimaurerei, die bis heute nicht immer ganz klar und gesichert seien. Gesichert sei das Jahr 1717, in dem sich bereits bestehende Logen zu einer Großloge zusammenschlossen, als ein gut dokumentiertes Datum mit bekannten Teilnehmern und Versammlungsort. Dies wird somit als der Gründungstag der Freimaurerei angesehen, der sich weltweit die meisten Logen angeschlossen haben und aus der sie ihre sogenannte “Regularität” begründen, wohl wissend, dass es Vorläufer und Seitenzweige gab.

Er begründete aus der Geschichte heraus auch die oft kritisierte Verschwiegenheit der Freimaurer, die oftmals notwendig gewesen sei, um Verfolgung und Anfeindungen zu entgehen und von der bis heute die Diskretion geblieben sei, wenngleich die Logen ansonsten öffentlich in Erscheinung treten. Aber Henke bezog sich auch auf die Gegenwart und die ständige Anpassung der Freimaurerei an die sie umgebenden Verhältnisse: “Sehr vieles hat sich bis heute geändert, der ethische Anspruch innerhalb der Logen an die Brüder und deren Verhalten ist sehr viel wichtiger geworden, als er es früher war. Die Lehren aus zwei Weltkriegen haben dazu geführt, dass sich viele der vor dem Zweiten Weltkrieg eigenständigen Logen unter einem großen Dach, nämlich dem der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland, zusammenschlossen und bis heute daran arbeiten, die schon 1723 festgelegten freimaurerischen Ideale in die Realität umzusetzen – nämlich Freiheit, Brüderlichkeit, Humanität, Toleranz und Offenheit gegenüber allen möglichen Weltanschauungen.”

Einen großen Anteil seines Vortrages nahm ein, was die zahlreichen Zuhörer brennend interessierte, die Symbol- und Ritualwelt. Details erfuhr das Publikum nicht; weniger wegen eines vermeintlichen Geheimnisses, sondern weil dieses Thema, Freimaurer wissen es, nicht ansatzweise in detaillierter Form im Rahmen eines Vortrages erschöpfend beantwortet werden kann. Die Zuhörer waren allerdings zufrieden mit den erklärenden Zusammenfassungen. “Die alten Weisheitslehren der Menschheit stecken ebenso darin, wie Rituale von Baukorporationen. Wir finden kultische Zusammenhänge um Schöpfung, Leben und Sterben. Allein daraus erklärt sich das so oft missverstandene „Geheimnis“ und die damit verbundene „Verschwiegenheit“, denn wer kann schon über diese zentralen Dinge gleichermaßen verständlich für alle reden?  Jeder erfährt und erlebt sie anders, und für die weitaus meisten von uns bleibt das eine ewige individuelle Sinnsuche. Das bedeutet im angewandten Umkehrschluss aber auch, dass die humanistische Freimaurerei, wie wir Brüder der Großloge der Alten und Angenommenen Maurer sie verstehen und zu verwirklichen suchen,  national und international keinerlei Dogma unterliegt, dass niemand in das Denken und Fühlen der Brüder eingreifen wird und dass damit die Verantwortung über sich, sein Denken Fühlen und Handeln immer bei dem einzelnen Bruder bleibt. Wer Freimaurer werden will, muss bereit sein, sich dieser Erkenntnis zu stellen. Wir wollen unsere Zeit sinnvoll nutzen zur Selbstfindung und Selbsterziehung, zur Suche nach Lebensqualität und Sinn, zur Entwicklung einer brüderlichen Haltung und zur Gestaltung von Lebensraum und Umwelt. In diesem Sinne sind wir auch eine Wertegemeinschaft. In der soeben angesprochenen Bereitschaft zur Selbstkritik, in einem angemessenen, d.h. bescheidenen Auftreten, im Bemühen, anständig zu sein, friedfertig zu leben, den anderen zu respektieren, ihn in seinem Anderssein anzunehmen, um ihn besser zu verstehen, das ist schon ein ganzer Wertekanon.”

Humorvoll ging er in seinem Vortrag auf die Besonderheiten der Freimaurerei in Hoya ein und erwähnte besonders “die relative Freimaurerdichte in der schönen Stadt Hoya”, die “größer ist als irgendwo sonst in Deutschland.”

 

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Lesereise des Osnabrücker Theaters im Lortzinghaus

Schande II

Die Loge „Zum Goldenen Rade“ in Osnabrück öffnete erneut die Türen des Lortzinghauses für die Öffentlichkeit. Die Zusammenarbeit zwischen der Loge und dem Theater ist mittlerweile Tradition und Institution zugleich, so Matthias Baethge, Meister vom Stuhl.

(Osnabrück/rm) Im Rahmen der Lesereise des Theaters legte „Schande“, ein Roman des südafrikanischen Schriftstellers und Literaturnobelpreisträgers John Marie Coetzee, als dritte Station einen Halt im Osnabrücker Logenhaus ein. Die beiden Schauspieler Marie Bauer und Andreas Möckel brillierten in ihrer, zum Teil in Dialogform vorgetragenen, Darbietung.

„Schande“ hat neben einem Bezug zu Afrika, wo der Hauptdarsteller und seine Tochter Lucy auf einer Farm in einer südafrikanischen Provinz leben, einen deutlichen Bezug zur Gegenwart.

In diesem Teil der Lesung werden die Beiden Opfer eines Raubüberfalls. Konfliktpositionen auf Grund einer nicht angezeigten Vergewaltigung sind vorprogrammiert und führen uns durchaus an den Rand einer #MeToo-Debatte. Lucy nimmt in diesem Teil ihre Opferrolle nicht hin und sagt auch nicht als Zeugin vor Gericht aus, da sie sich in ihrer privaten Angelegenheit nicht öffentlich erklären möchte. Die in sich gekehrte Tochter, die ihre Scham nicht zum Sieg der Täter erklären möchte, wird von ihrem gerechtigkeitsfordernden Vater nicht verstanden.

Parallelen zur Freimaurerei sind durchaus in diese Lesung zu interpretieren. Sind auch wir nicht oft in uns gekehrt, schirmen wir uns als Ganzes zu sehr von der Außenwelt ab? Nur der Einzelne, der durch die Arbeit an sich selbst einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft nimmt, bewegt damit auch unsere Gesellschaft zum humanitären Handeln. So ist unsere Arbeit gleichermaßen richtig und wichtig, wie die ehrbare Zielsetzung von Lucy, der Protagonistin.

Die Zuschauer im Lortzinghaus staunten nicht schlecht, als das Programm durch die musikalische Darbietung von Celso Durao aus der mosambikanischen Hauptstadt Maputo abgerundet wurde. Durao spielte auf zwei selbstgebauten afrikanischen Instrumenten. Der Timbilia, einem Percussion-Instrument ähnlich eines Xylophons und der M`bira, einem Zupfinstrument mit großem Resonanzkörper, beide von erstaunlicher Effektivität.

Das Zusammenspiel von Lesung und Musik erinnert an unsere ureigene Arbeit im Tempel, so Matthias Baethge, wenn der Musiker seine Werkzeuge noch selbst baut, so zeugt auch dies von einer besonderen Tradition und auch damit können wir uns bestens identifizieren. Das Öffnen unseres Logenhauses gerade in Kooperation mit dem Theater, hat unserer Loge sehr gut getan, so Baethge, immer wieder haben wir auch auf diesem Weg neue Gäste gefunden, von denen sich einige als Suchende herauskristallisiert haben. Wir werden diesen Weg fortsetzen und freuen uns auf viele weitere Veranstaltungen im Lortzinghaus.

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Fluchtursachen und ihre Bekämpfung

Dr. med Reinhard Erös bei seinem Vortrag in Nienburg

Dr. med Reinhard Erös bei seinem Vortrag in Nienburg

Auf Einladung der Nienburger Freimaurerloge “Georg zum Silbernen Einhorn” referierte im Zeichensaal des Quat-Faslem-Hauses Dr. med. Reinhard Erös über “Afghanistan 2018 — Fluchtursachen und ihre Bekämpfung”.

(Nienburg/dh) Fast ausschließlich mit Hilfe afghanischer Mitarbeiter errichtet, betreibt und unterstützt die „Kinderhilfe Afghanistan“ in den Ostprovinzen Afghanistans und in grenznahen Flüchtlingslagern in Pakistan Friedensschulen, Mutter-Kind-Kliniken, Gesundheitsstationen, Waisenhäuser, Solarwerkstätten und viele weitere Projekte, die allesamt realistische Perspektiven für eine friedliche Zukunft dieses von Kriegen geschundenen Landes am Hindukusch bieten.

Im Osten Afghanistans, in Städten der Provinzen Nangahar, Laghman, Kunar, Khost und vielen Dörfern hoch oben in schwer zugänglichen Bergregionen, dort wo die Taliban zu Hause sind, haben sie 2002 angefangen, Schulen zu bauen. Schon 1998 wurde die „Kinderhilfe Afghanistan“ als eine private Initiative der Familie Dr. med. Reinhard und Annette Erös und ihrer fünf erwachsenen Kinder gegründet, 2006 kam die gemeinnützige „Trutz-Erös-Kinderstiftung“ dazu, die ausschließlich mit ehrenamtlichen Mitarbeitern Projekte betreut. Dr. Erös war Kommandeur in der Bundeswehr und hat als leitender Militärarzt an vielen Auslandseinsätzen teilgenommen. 1993 war er u.a. Medizinischer Berater von Kofi Annan. Er hat zwei Bücher veröffentlicht und wurde mehrfach mit hohen Auszeichnungen bedacht.

Dr. Erös hatte topaktuelle Informationen über die derzeitige Lage mitgebracht und er schilderte seine Ansichten über den Nutzen der fremden Armeen im Land. „Was wollen wir in Europa ernsthaft dagegen unternehmen? Das war nicht einmal Thema auf der jüngst in München abgehaltenen Weltsicherheitskonferenz. Bis zum Jahr 2050 wird Afrika etwa 2 Milliarden Menschen ernähren müssen. Die Politik blendet dieses Thema aus!“, beklagte Dr. Erös.

Die zahlreichen Gäste im Zeichensaal des Quaet-Faslem-Hauses waren auch nach zweieinhalb Stunden leidenschaftlich vorgetragener Schilderungen nicht müde und stellten dem Redner noch Fragen.

Für die gastgebende Nienburger Freimaurerloge bedankte sich deren Stuhlmeister Dr. med. Wilhelm C.F. Cohrs herzlich für den honorarfreien Vortrag bei Herrn Dr. Erös und seiner mitgereisten Gattin. Der „Kinderhilfe Afghanistan“ wurden 1.000 Euro als Spende der Gäste und der Loge für die weitere Projektarbeit überwiesen.

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