Windjammerloge in Lübeck

Im Laderaum des Großseglers

Im Laderaum des Großseglers

Alle zwei Jahre findet auf dem Großsegler “Passat” eine überregionale Festarbeit der Lübecker Loge “Zur Weltbruderkette” statt. Im Jahr 2017 wurde diese Arbeit bereits zum vierten Mal durchgeführt. Für das Jahr 2019 sind die Planungen bereits im vollen Gange.

(Lübeck/em) Eigentlich sollte es ein durchwachsenes norddeutsches Wetter werden. Doch wenn es in Lübeck an der Ostsee etwas zu feiern gibt, hat Petrus ein Einsehen und lässt die Sonne scheinen. So auch am 17. Juni 2017 in Lübeck-Travemünde anlässlich der 4. Windjammerloge der Johannisloge „Zur Weltbruderkette“ im Orient Lübeck. Etwa 100 Brüder und ca. 30 Schwestern fanden sich an einem besonderen Ort ein: Auf der Viermastbark „Passat“. Das stolze, 115 Meter lange Schiff, gebaut Anfang des 20. Jahrhundert, das Glanzstück einer ganzen Ära, liegt heute als Museumsschiff und Hotel in Travemünde fest verankert. Inzwischen ist es zur Tradition geworden, dass alle zwei Jahre dieser Ort für eine besondere Tempelarbeit genutzt wird. Viele Brüder und Schwestern nutzten die Gelegenheit, einen Tag eher anzureisen, um auf diesem Großsegler zu übernachten. Aber auch die Tagesgäste waren nicht enttäuscht.
Das maritime Ambiente beeindruckte die Besucher aus ganz Deutschland, aus der Schweiz und aus Frankreich. Die großen Fährschiffe, die zum Greifen nah an der „Passat“ vorbeifuhren, sowie die vielen kleineren Segel- und Motorboote sorgten für eine unvergessliche Stimmung an Bord. Bei strahlendem Sonnenschein und einem Glas Sekt konnte man sich auf eine außergewöhnliche Tempelarbeit im 1. Grad emotional vorbereiten. Derweil frönten die Damen kulinarischen Leckerbissen, nachdem sie mit einer kurzen Bootsfahrt den Bestimmungsort erreichten.

Mit einem harten Hammerschlag eröffnete der Meister von Stuhl, Br. E. Milbrod, die Tempelarbeit. Nachdem der zugeordnete Großmeister der Vereinigten Großlogen von Deutschland, Br. Bernd Brauer, eingeführt wurde, konnte die Arbeit richtig beginnen. In seinen Meisterworten hob der Meister vom Stuhl der gastgebenden Loge hervor, dass man sich in einem Laderaum eines Frachtseglers befände und zog Parallelen zur Freimaurerei. Diese konnte er in dem Mannschaftsgeist der Besatzung des Segelschiffes finden. „Auch wenn das Schiff stolz und sicher ist, es sind die Menschen an Bord, die es in die Welt hinaus und zurück in den sicheren Hafen lenken!“ In der anschließenden Begrüßung wurden kurz alle Brüder, von Flensburg bis Freiburg und von Straßburg bis Solothurn (CH), einzeln begrüßt.

Nach der Tempelarbeit begann der „gemütliche“ Teil des Programms. Bei einem reichhaltigen Seemanns-Dinner ergaben sich sehr viele anregende Gespräche zwischen den Brüdern und den inzwischen eingetroffenen Schwestern. Der Laderaum des Frachtseglers, eben noch ein Tempel, wurde nun zu einem Ort des Gedankenaustausches. Die Gespräche verliefen so intensiv, dass beinahe die künstlerischen Darbietungen von Frau Jana Nietsch untergingen. Die junge Akkordeonistin und Sängerin verbreitete auf Deck mit ihren Chansons eine positive Stimmung bis weit nach Mitternacht: eine Bereicherung dieser lauen Sommernacht.

Ein weiteres positives Ergebnis der Windjammerloge 2017 ist das Ergebnis der Sammlung. Das Geld soll den Flüchtlingen in Lübeck zu Gute kommen. Der Träger der Flüchtlingsarbeit, die Diakonie Lübeck, wird Schultüten mit Schul-Utensilien zusammenstellen. Somit erhalten die Kinder nicht nur ein „Geschenk“, sondern lernen eine Tradition in Deutschland kennen und erhalten dringend benötigte Ausstattung für einen guten Start. Über diese Aktion wird zu gegebener Zeit besonders berichtet werden.

Am Sonntagmorgen trafen sich die Teilnehmer, die eine Übernachtung gebucht hatten, am ausgiebigen Frühstück. Vielen hat das gesamte Ereignis so gut gefallen, dass bereits der Termin für die nächste Windjammerloge erfragt wurde. Diese wird am 25. Mai 2019 stattfinden. Eine Anreise am Vortag mit einer oder zwei Übernachtungen auf dem Schiff sind bei rechtzeitiger Anmeldung möglich.
Allen Teilnehmern der Windjammerloge und auch den Brüdern und Schwestern, die aus unterschiedlichen Gründen nicht teilnehmen konnten, wünscht das Organisationsteam der Loge „Zur Weltbruderkette“ im Orient Lübeck „Allzeit gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel“!

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Zugeordneter Großmeister Hasso Henke referierte in Hoyas Museum

Hasso Henke im Heimatmuseum Hoya, im Hintergrund ein Reprint eines zeitgenössischen Logengemäldes des Martfelder Künstlers und Freimaurers Dietmar Brandstädter

Hasso Henke im Heimatmuseum Hoya, im Hintergrund ein Reprint eines zeitgenössischen Logengemäldes des Martfelder Künstlers und Freimaurers Dietmar Brandstädter

Im Rahmen der kleinen und liebevollen Ausstellung der Hoyaer Loge “St. Alban zum Æchten Feuer” referierte der Zugeordnete Großmeister Hasso Henke unterhaltsam und vielseitig über Geschichte und Gegenwart der Freimaurerei.

Der kleine Vortragsraum war bis auf den letzten Platz mit interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern gefüllt, sodass noch etlich Stühle im Seitenbereich hinzugestellt werden mussten, damit auch die anwesenden Brüder einen Platz bekamen.

Hasso Henke führte ein in mögliche Herkünfte der Freimaurerei, die bis heute nicht immer ganz klar und gesichert seien. Gesichert sei das Jahr 1717, in dem sich bereits bestehende Logen zu einer Großloge zusammenschlossen, als ein gut dokumentiertes Datum mit bekannten Teilnehmern und Versammlungsort. Dies wird somit als der Gründungstag der Freimaurerei angesehen, der sich weltweit die meisten Logen angeschlossen haben und aus der sie ihre sogenannte “Regularität” begründen, wohl wissend, dass es Vorläufer und Seitenzweige gab.

Er begründete aus der Geschichte heraus auch die oft kritisierte Verschwiegenheit der Freimaurer, die oftmals notwendig gewesen sei, um Verfolgung und Anfeindungen zu entgehen und von der bis heute die Diskretion geblieben sei, wenngleich die Logen ansonsten öffentlich in Erscheinung treten. Aber Henke bezog sich auch auf die Gegenwart und die ständige Anpassung der Freimaurerei an die sie umgebenden Verhältnisse: “Sehr vieles hat sich bis heute geändert, der ethische Anspruch innerhalb der Logen an die Brüder und deren Verhalten ist sehr viel wichtiger geworden, als er es früher war. Die Lehren aus zwei Weltkriegen haben dazu geführt, dass sich viele der vor dem Zweiten Weltkrieg eigenständigen Logen unter einem großen Dach, nämlich dem der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland, zusammenschlossen und bis heute daran arbeiten, die schon 1723 festgelegten freimaurerischen Ideale in die Realität umzusetzen – nämlich Freiheit, Brüderlichkeit, Humanität, Toleranz und Offenheit gegenüber allen möglichen Weltanschauungen.”

Einen großen Anteil seines Vortrages nahm ein, was die zahlreichen Zuhörer brennend interessierte, die Symbol- und Ritualwelt. Details erfuhr das Publikum nicht; weniger wegen eines vermeintlichen Geheimnisses, sondern weil dieses Thema, Freimaurer wissen es, nicht ansatzweise in detaillierter Form im Rahmen eines Vortrages erschöpfend beantwortet werden kann. Die Zuhörer waren allerdings zufrieden mit den erklärenden Zusammenfassungen. “Die alten Weisheitslehren der Menschheit stecken ebenso darin, wie Rituale von Baukorporationen. Wir finden kultische Zusammenhänge um Schöpfung, Leben und Sterben. Allein daraus erklärt sich das so oft missverstandene „Geheimnis“ und die damit verbundene „Verschwiegenheit“, denn wer kann schon über diese zentralen Dinge gleichermaßen verständlich für alle reden?  Jeder erfährt und erlebt sie anders, und für die weitaus meisten von uns bleibt das eine ewige individuelle Sinnsuche. Das bedeutet im angewandten Umkehrschluss aber auch, dass die humanistische Freimaurerei, wie wir Brüder der Großloge der Alten und Angenommenen Maurer sie verstehen und zu verwirklichen suchen,  national und international keinerlei Dogma unterliegt, dass niemand in das Denken und Fühlen der Brüder eingreifen wird und dass damit die Verantwortung über sich, sein Denken Fühlen und Handeln immer bei dem einzelnen Bruder bleibt. Wer Freimaurer werden will, muss bereit sein, sich dieser Erkenntnis zu stellen. Wir wollen unsere Zeit sinnvoll nutzen zur Selbstfindung und Selbsterziehung, zur Suche nach Lebensqualität und Sinn, zur Entwicklung einer brüderlichen Haltung und zur Gestaltung von Lebensraum und Umwelt. In diesem Sinne sind wir auch eine Wertegemeinschaft. In der soeben angesprochenen Bereitschaft zur Selbstkritik, in einem angemessenen, d.h. bescheidenen Auftreten, im Bemühen, anständig zu sein, friedfertig zu leben, den anderen zu respektieren, ihn in seinem Anderssein anzunehmen, um ihn besser zu verstehen, das ist schon ein ganzer Wertekanon.”

Humorvoll ging er in seinem Vortrag auf die Besonderheiten der Freimaurerei in Hoya ein und erwähnte besonders “die relative Freimaurerdichte in der schönen Stadt Hoya”, die “größer ist als irgendwo sonst in Deutschland.”

 

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Lesereise des Osnabrücker Theaters im Lortzinghaus

Schande II

Die Loge „Zum Goldenen Rade“ in Osnabrück öffnete erneut die Türen des Lortzinghauses für die Öffentlichkeit. Die Zusammenarbeit zwischen der Loge und dem Theater ist mittlerweile Tradition und Institution zugleich, so Matthias Baethge, Meister vom Stuhl.

(Osnabrück/rm) Im Rahmen der Lesereise des Theaters legte „Schande“, ein Roman des südafrikanischen Schriftstellers und Literaturnobelpreisträgers John Marie Coetzee, als dritte Station einen Halt im Osnabrücker Logenhaus ein. Die beiden Schauspieler Marie Bauer und Andreas Möckel brillierten in ihrer, zum Teil in Dialogform vorgetragenen, Darbietung.

„Schande“ hat neben einem Bezug zu Afrika, wo der Hauptdarsteller und seine Tochter Lucy auf einer Farm in einer südafrikanischen Provinz leben, einen deutlichen Bezug zur Gegenwart.

In diesem Teil der Lesung werden die Beiden Opfer eines Raubüberfalls. Konfliktpositionen auf Grund einer nicht angezeigten Vergewaltigung sind vorprogrammiert und führen uns durchaus an den Rand einer #MeToo-Debatte. Lucy nimmt in diesem Teil ihre Opferrolle nicht hin und sagt auch nicht als Zeugin vor Gericht aus, da sie sich in ihrer privaten Angelegenheit nicht öffentlich erklären möchte. Die in sich gekehrte Tochter, die ihre Scham nicht zum Sieg der Täter erklären möchte, wird von ihrem gerechtigkeitsfordernden Vater nicht verstanden.

Parallelen zur Freimaurerei sind durchaus in diese Lesung zu interpretieren. Sind auch wir nicht oft in uns gekehrt, schirmen wir uns als Ganzes zu sehr von der Außenwelt ab? Nur der Einzelne, der durch die Arbeit an sich selbst einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft nimmt, bewegt damit auch unsere Gesellschaft zum humanitären Handeln. So ist unsere Arbeit gleichermaßen richtig und wichtig, wie die ehrbare Zielsetzung von Lucy, der Protagonistin.

Die Zuschauer im Lortzinghaus staunten nicht schlecht, als das Programm durch die musikalische Darbietung von Celso Durao aus der mosambikanischen Hauptstadt Maputo abgerundet wurde. Durao spielte auf zwei selbstgebauten afrikanischen Instrumenten. Der Timbilia, einem Percussion-Instrument ähnlich eines Xylophons und der M`bira, einem Zupfinstrument mit großem Resonanzkörper, beide von erstaunlicher Effektivität.

Das Zusammenspiel von Lesung und Musik erinnert an unsere ureigene Arbeit im Tempel, so Matthias Baethge, wenn der Musiker seine Werkzeuge noch selbst baut, so zeugt auch dies von einer besonderen Tradition und auch damit können wir uns bestens identifizieren. Das Öffnen unseres Logenhauses gerade in Kooperation mit dem Theater, hat unserer Loge sehr gut getan, so Baethge, immer wieder haben wir auch auf diesem Weg neue Gäste gefunden, von denen sich einige als Suchende herauskristallisiert haben. Wir werden diesen Weg fortsetzen und freuen uns auf viele weitere Veranstaltungen im Lortzinghaus.

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Fluchtursachen und ihre Bekämpfung

Dr. med Reinhard Erös bei seinem Vortrag in Nienburg

Dr. med Reinhard Erös bei seinem Vortrag in Nienburg

Auf Einladung der Nienburger Freimaurerloge “Georg zum Silbernen Einhorn” referierte im Zeichensaal des Quat-Faslem-Hauses Dr. med. Reinhard Erös über “Afghanistan 2018 — Fluchtursachen und ihre Bekämpfung”.

(Nienburg/dh) Fast ausschließlich mit Hilfe afghanischer Mitarbeiter errichtet, betreibt und unterstützt die „Kinderhilfe Afghanistan“ in den Ostprovinzen Afghanistans und in grenznahen Flüchtlingslagern in Pakistan Friedensschulen, Mutter-Kind-Kliniken, Gesundheitsstationen, Waisenhäuser, Solarwerkstätten und viele weitere Projekte, die allesamt realistische Perspektiven für eine friedliche Zukunft dieses von Kriegen geschundenen Landes am Hindukusch bieten.

Im Osten Afghanistans, in Städten der Provinzen Nangahar, Laghman, Kunar, Khost und vielen Dörfern hoch oben in schwer zugänglichen Bergregionen, dort wo die Taliban zu Hause sind, haben sie 2002 angefangen, Schulen zu bauen. Schon 1998 wurde die „Kinderhilfe Afghanistan“ als eine private Initiative der Familie Dr. med. Reinhard und Annette Erös und ihrer fünf erwachsenen Kinder gegründet, 2006 kam die gemeinnützige „Trutz-Erös-Kinderstiftung“ dazu, die ausschließlich mit ehrenamtlichen Mitarbeitern Projekte betreut. Dr. Erös war Kommandeur in der Bundeswehr und hat als leitender Militärarzt an vielen Auslandseinsätzen teilgenommen. 1993 war er u.a. Medizinischer Berater von Kofi Annan. Er hat zwei Bücher veröffentlicht und wurde mehrfach mit hohen Auszeichnungen bedacht.

Dr. Erös hatte topaktuelle Informationen über die derzeitige Lage mitgebracht und er schilderte seine Ansichten über den Nutzen der fremden Armeen im Land. „Was wollen wir in Europa ernsthaft dagegen unternehmen? Das war nicht einmal Thema auf der jüngst in München abgehaltenen Weltsicherheitskonferenz. Bis zum Jahr 2050 wird Afrika etwa 2 Milliarden Menschen ernähren müssen. Die Politik blendet dieses Thema aus!“, beklagte Dr. Erös.

Die zahlreichen Gäste im Zeichensaal des Quaet-Faslem-Hauses waren auch nach zweieinhalb Stunden leidenschaftlich vorgetragener Schilderungen nicht müde und stellten dem Redner noch Fragen.

Für die gastgebende Nienburger Freimaurerloge bedankte sich deren Stuhlmeister Dr. med. Wilhelm C.F. Cohrs herzlich für den honorarfreien Vortrag bei Herrn Dr. Erös und seiner mitgereisten Gattin. Der „Kinderhilfe Afghanistan“ wurden 1.000 Euro als Spende der Gäste und der Loge für die weitere Projektarbeit überwiesen.

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Neue Loge im Münsterland

Das historische Rathaus in Münster, einer der Schauplätze des Westfälischen Friedens

Das historische Rathaus in Münster, einer der Schauplätze des Westfälischen Friedens

Anfang April wird wieder eine neue Loge in Arbeit gesetzt, dieses Mal im Ort Senden im Münsterland. Die Brüder laden herzlich zur Lichteinbringung ein.

Eine Lichteinbringung ist immer ein besonderer Akt, nicht nur für die Mitglieder der neuen Loge, sondern für die Bruderschaft insgesamt. Vereinsrechtlich existiert die Loge zu diesem Zeitpunkt schon längst, darf aber im freimaurerischen Sinne noch nicht “arbeiten”. Dazu muss erst das symbolische Licht durch einen feierlichen Festakt eingebracht werden. Dies erfolgt traditionell mit einer Kerze, die während der Nazidiktatur nebst anderen Gegenständen ins Exil gerettet wurde.

Die Loge “Zum westfälischen Frieden” wurde gegründet im Geiste der Friedensverträge, die im Jahre 1648 den Dreißigjährigen Krieg beendet haben. Das nahe gelegene Münster war neben Osnabrück einer der Tagungsorte des Friedenkongresses. “Wir treten unserem Namen entsprechend für die Tugenden ein, die zum Westfälischen Frieden geführt haben”, so der designierte Erste Aufseher der neuen Loge, Peter Voelkl. Dies hat auch Eingang in die Satzung gefunden, dort heißt es: “Die Loge ist eine Gemeinschaft mit ethischer Zielsetzung, die in bruderschaftlichen Formen und ritueller Arbeit geistige Vertiefung und freie Entfaltung der Persönlichkeit anstrebt. Ihre Aufgaben sind humanitär: Sie pflegt und verbreitet Völker verbindende Gesinnung wie sie Voraussetzung für den Vertrag des Westfälischen Friedens notwendig war, sie tritt ein für Menschlichkeit und Freiheit, Toleranz und Mildtätigkeit und die Erziehung hierzu. Damit dient sie dem Wohlergehen aller Menschen.”

Die Lichteinbringung mit anschließender Tafelloge, zu der nur Brüder Freimaurer Zugang haben, findet am 7. April 2018 in Steinfurt statt. Weitere Informationen gibt es beim Sekretär unter sekretaer.westfaelischer-friede@web.de, über den bitte bis zum 25. März 2018 die Anmeldungen erfolgen sollen.

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Freimaurerausstellung in Hoya

Mehrere Vitrinen in zwei Räumen führen in die Geschichte der Loge ein

Mehrere Vitrinen in zwei Räumen führen in die Geschichte der Loge ein

Lange hatte man nichts mehr gehört von den Freimaurern in Hoya, der kleinsten Stadt in Deutschland mit einer regen Loge. Nun hat die Bruderschaft eine Ausstellung im örtlichen Heimatmuseum organisiert.

Vorweg: Die Ausstellung kann sich nicht messen mit etlichen anderen Ausstellungen, die Logen in Eigenregie oder Zusammenarbeit mit größeren Museen ausgerichtet haben. Nur zwei kleine Räume und ein Büchertisch erwarten den Besucher. Gleichwohl ist die Ausstellung durchaus reizvoll, denn sie führt in die Geschichte der Hoyaer Loge ein, die im Ort von etwa 1786 bis 1843 existierte und im Jahre 2007 unter großer Anteilnahme der Bruderschaft und der Bevölkerung neu gegründet wurde. Erstmals nach dem Kriege durfte sich ein Großmeister wieder in ein Goldenes Buch eintragen.

Die Ausstellung klärt ein wenig über die Freimaurerei im Allgemeinen auf, besonders aber bezieht sie sich auf die historische und aktuelle Situation vor Ort. So gibt es Berichte über den Logengründer Dr. Ellison und sein freimaurerisches wie auch medizinisches Wirken in der kleinen Stadt Hoya. Schade ist, dass nicht auf das Wirken großer Persönlichkeiten wie Johann Beckmann, der als Begründer der technologischen Wissenschaften gilt; Heinrich Albert Oppermann, Jurist, Romancier und Verfasser etlicher Bücher wie der 3000 Seiten umfassenden Erzählung “Hundert Jahre” sowie Justus Erich Bollmann mit einer bewegenden Geschichte, die dem genannten Roman “Hundert Jahre” als Grundlage dient, eingegangen wird. Alle drei waren nicht Mitglieder der Hoyaer Loge, aber Freimaurer in anderen Logen. Hier hätte es noch viel zu erzählen gegeben und eine spannende Ausstellung ermöglicht.

Aufgang zur Ausstellung. Im Hintergrund die vom Künstler Dietmar Brandstädter gestaltete Arbeitstafel der Loge

Aufgang zur Ausstellung. Im Hintergrund die vom Künstler Dietmar Brandstädter gestaltete Arbeitstafel der Loge

Erwähnenswert ist, dass voraussichtlich an fast allen Ausstellungstagen ein Freimaurer der Hoyaer Loge “St. Alban zum Æchten Feuer” anwesend sein wird, um Fragen zu beantworten und in die Exponate einzuführen. Eine hübsche Idee ist das Modell eines Freimaurertempels, so kann sich der geneigte Besucher eine bessere Vorstellung von den Zusammenkünften machen, zumal ergänzend Arbeitstafel, Hämmer und freimaurerische Bekleidung ausgestellt wurden. Zu den Hämmern, die anlässlich der Logengründung vom Bildhauer Christian Mitterecker hergestellt wurden, wird in dem im Museum erhältlichen Begleitheft eine bewegende Erklärung veröffentlicht. Insgesamt kann man der Ausstellung ansehen, dass auch hier ein Künstler Hand angelegt hat: Ohne das Engagement und die ordnende Hand des Martfelder Malers Dietmar Brandstädter wäre diese Ausstellung wohl kaum zustande gekommen.

Das rührige Heimatmuseum in Hoya ist nicht nur für die Sonderausstellung zur Freimaurerei einen Besuch wert. Das Museum im malerischen “Ersten Viertel” der Kleinstadt, direkt neben dem Kulturzentrum Martinskirche in einem ehemaligen Burgmannshof untergebracht, zeigt eine Dauerausstellung zu den Themen Johann Beckmann, Hoya und die Weser, Grafen und Burgmannen, Böttcherhandwerk und eine Sammlung historischer Bilder des Fotoateliers Siggelkow. Nur hundert Meter weiter lädt ein Druckereimuseum zum Verweilen ein.

Heimatmuseum Grafschaft Hoya, Im Park 1, 27318 Hoya, Telefon 04251-671679. Öffnungszeiten ganzjährig Sonntags 15 bis 18 Uhr oder nach Vereinbarung. Die Sonderausstellung läuft noch bis zum 3. Juni 2018.

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Zum 70-jährigen Freimaurerjubiläum von Rolf Appel

Rolf Appel im Jahre 2015 (Foto: Jens Oberheide)

Rolf Appel im Jahre 2015 (Foto: Jens Oberheide)

Das gibt es wohl höchst selten: ein 70-jähriges Freimaurerjubiläum. Rolf Appel, ein Urgestein der deutschen Freimaurerei, gehört seit 1948 dem Bund an. Eine für das Wochenende geplante Feierlichkeit muss aus gesundheitlichen Gründen leider ausfallen.

Statt des geplanten Berichtes über die Feier anlässlich des einzigartigen Jubiläums bringen wir an dieser Stelle eine Würdigung, die in der HUMANITÄT 1/2018 unter dem Titel “Als Rolf ‘etwas Gültiges’ in sein Leben brachte” erschienen ist und den Sie nachfolgend auch als Podcast finden können.

Von Jens Oberheide

22. Februar 1948. Rolf Appel wird Freimaurer. Drei Jahre nach dem unseligen Krieg. Die Trümmerstadt Hamburg war noch “britische Besatzungszone”. Die Gründung der Bundesrepublik Deutschland lag noch in Jahresferne, und die “Währungsreform” stand noch bevor. Das Wenige, was man kaufen konnte, bezahlte man in “Reichsmark”, wobei das “Reich” untergegangen und die “Mark” nichts wert war. Das Notwendige zum Essen gab es auf Bezugsschein. Das Notwendige zum Leben musste mit Zuversicht, Mut und Tatkraft erst wiederentdeckt werden.

Aber erst einmal galt es jedoch, all das Schreckliche zu verarbeiten, was da ab 1933 geschehen war. 1934 hatte Rolfs Vater, der Freimaurer Ludwig Appel, gegenüber den Nazis stolzen freimaurerischen Bekennermut bewiesen. Für die braunen Machthaber war er fortan ein Ausgegrenzter, Verfemter. Rolf hat das miterlebt. Es hat ihn geprägt. Unbeugsame Haltung, Charakter, aufrechte Gesinnung. Ein unbeirrbares Wertebewusstsein. Erst sehr viel später hat Rolf das selbst beispielgebend leben können.

Zunächst hatte der Krieg jede Lebensplanung verhindert. Schon eine Woche nach seinem Abitur kam die Einberufung. Mit einer Panzertruppe erkämpfte sich Rolf Appel im sogenannten “Russlandfeldzug” das “Panzer-Sturmabzeichen” für 25-maliges Durchbrechen feindlicher Linien, das Eiserne Kreuz 1, Klasse, und schließlich – welch bitterer Widersinn – das Silberne Verwundetenabzeichen für dreimalige Verwundung. 1945. Ende und Anfang.

Der aus dem Krieg gekommene und vom Krieg gezeichnete Rolf Appel war damals 25 Jahre jung, Angehöriger jener betrogenen und verlorenen Generation, die man in den schlimmsten Jahren deutscher Geschichte verheizt hatte. Innerlich und äußerlich schwer verwundet, galt es nun, einen neuen Sinn zu suchen und, wenn möglich, auch zu finden. Beruflich ging das überraschend schnell. Schon Ende 1945 hatten zwei mutige Männer aus Hamburg von der Britischen Militärregierung Lizenzen als Verleger erhalten: Axel Springer und Rolf Appel. Letztgenannter avancierte damit zum jüngsten deutschen Verleger nach dem Krieg.

Der berufliche Anfang war gemacht. Das sei zwar existenznotwendig, sagte der Vater, aber nun solle Rolf auch noch “etwas Gültiges in sein Leben bringen”. Etwas, was unter den Nazis nicht möglich war, was aber nun im Zeichen des Neuanfangs wieder möglich werden sollte: Freimaurerei, der alte und immer wieder neue Gedanke des besseren Miteinanders für eine bessere Welt.

Am 22. Februar 1948 hat ihn sein Vater zur Aufnahme in die Loge “Globus” nach Harburg gebracht. Auch die Loge “Globus” musste, wie alle Logen der Nachkriegszeit, erst behutsam und mühsam wiederbelebt werden. Das ging nur mit Mitgliedern, die schon vor dem “Dritten Reich” aufgenommen worden waren, und mit jungen Männern, die bereits durch die Hölle des Krieges gegangen waren, wie Rolf Appel. Überlebende, Gezeichnete, Tatkräftige.

1948 war ein bitterkalter Winter, und das Logenhaus war seit Jahren nicht beheizt worden. Man begrüßte den Suchenden Rolf Appel mit dem sogenannten “Kutscherschlag”, indem man sich mit weit ausholenden Armen gekreuzt auf die Schulter schlug. Das war kein vorweggenommenes freimaurerisches “Erkennungszeichen”. Das war vielmehr purer Selbsterhaltungstrieb, um nicht zu erfrieren.

Besonders eindrucksvoll war für Rolf Appel nach der Aufnahmearbeit 1948 die erste Tafelloge seines Lebens. Und zwar deswegen, weil es Linsensuppe mit Fleischbeilage gab. Und einen Nachschlag! Zum Schluss des denkwürdigen Tages durfte Rolf sogar noch seinen eingefärbten Wehrmachtsmantel gegen einen richtigen Wintermantel eintauschen und bekam feste Schuhe. Als Rolf nach Hause zu seiner Gerda kam (mit der er 1941 “ferngetraut” worden war), da berichtete er von seiner Aufnahme freudig bewegt: “Neuer Mantel, neue Schuhe, und satt bin ich auch noch!”

Aber zugleich hatte ihn die wunderbare “Idee Freimaurerei” gepackt. War es nicht gerade in der Nachkriegszeit wichtig, Menschlichkeit neu zu denken und zu praktizieren? Mit Rolfs eigenen Worten: “Mehr Anstand untereinander und mehr Vertrauen zueinander.” Das bedeutete Freimaurerei in der Tat. Dieser Gedanke hat ihn ein Leben lang geleitet.

Am 19. Juni 1949, wenige Tage nach Rolf Appels 29. Geburtstag, wurde in der Paulskirche zu Frankfurt am Main die “Vereinigte Großloge der Freimaurer von Deutschland” konstituiert. Das war die Geburtsstunde unserer Großloge A.F.u.A.M. von Deutschland, die aus diesem Konstrukt hervorging. Rolf Appel war dabei. Sein Vater hatte ihn mitgenommen. Rolf war gerade Geselle geworden und hat die “intensiven Augenblicke” dieser historischen Arbeit in sich aufgesogen. Und er hatte jenen Mann bewundert, der das Ritual so zelebrierte, dass “jeder Ton, jede Bewegung, jede Geste” stimmte: Theodor Vogel.

Rolf Appel wurde in den Folgejahren enger Mitarbeiter und vertrauter Bruder des Großmeisters Theodor Vogel. Was dieser von Rolf gehalten hat, geht aus einem Brief hervor, den er einmal an Br. Konrad Merkel geschrieben hat: “Er (Rolf Appel) ist immer präsent … er mischt sich überall ein. Er meldet sich zu Wort und hat dann auch etwas zu sagen. Er ist gefragt und wird gefragt – und er wird gehört. So schätzen ihn immer noch alle, die das Glück haben, ihn zu kennen.

Aus diesen Anfängen der Nachkriegsfreimaurerei erwuchs also “einer der wahrscheinlich bedeutendsten lebenden Freimaurer” (Freimaurer-Wiki), der heute schon ein gewichtiges Stück Geschichte verkörpert. Der Weg von damals bis heute kann hier nur per Zeitraffer angedeutet werden:

Rolf Appel ist mit 31 Jahren Stuhlmeister geworden und hat diese Funktion in vier Logen über insgesamt 2o Jahre innegehabt. Er war Distriktmeister, Großredner, zugeordneter Großmeister, Mitglied im Senat der Vereinigten Großlogen, und er war 12 Jahre lang Mitglied des Ritualkollegiums. Dem legendären Dreigespann Appel, Horneffer, Scherpe ist die seit 1981 praktizierte Neuschöpfung und Grundfassung unseres A.F.u.A.M.-Rituals zu verdanken. Historisch ist Rolf Appels Wirken in der Dialogkommission, die von 1968 bis 1981 die offiziellen Gespräche mit der katholischen und den evangelischen Kirchen geführt hat. Rolf Appel ist der Verfasser der berühmten “Lichtenauer Erklärung”, die in Rom bewirkte, dass der Begriff “Freimaurer” nicht mehr im Kirchenrecht auftaucht. Ein Meilenstein, der für immer mit Rolfs Namen verbunden bleibt.

Rolf Appel hat vielbeachtete Vorträge überall in deutschen Landen gehalten, hat redaktionelle Beiträge verfasst und vielgelesene Bücher (rd. 60) geschrieben. Und er ist der Redakteur unserer Freimaurerzeitschriften gewesen: “Hanseatisches Logenblatt”, “Die Bruderschaft”, “Die gelben Blätter”, “Euro Mason” und “Humanität”. Von ihm kam die Idee zu einem “Literaturpreis Deutscher Freimaurer” (heute: Kulturpreis), und er war der Laudator für die Preisträger Max Tau, Lew Kopelew, Reiner Kunze und Arno Surminski. Mit zahlreichen Auszeichnungen für bedeutende Verdienste wurde er geehrt. Profan und freimaurerisch. Zahlreiche Logen haben ihn zum Ehrenmitglied gemacht.

Er führte seine Druckerei, engagierte sich in vier Buchverlagen und übernahm den freimaurerisch ausgerichteten Verlag “Die Bauhütte”. In mehreren Vorständen von Fachverbänden und Institutionen hat Rolf Appel erfolgreich mitgewirkt, ist Mitbegründer der Lessing-Gesellschaft und von Pegasus, dem freimaurerischen Verein für Kunst, Kultur und Kommunikation. Schließlich ist er Initiator und Mitbegründer des Wiederaufbaus der Freimaurerei in Litauen geworden. Als Ehrengroßmeister dieser baltischen Großloge fühlt er sich seinem Pionierwerk immer noch verpflichtet.

Es lag ihm stets am Herzen, dass bei einer derart immensen Lebensleistung die Familie nicht zu kurz kommt. Sie hat ihn gestärkt und er war stark genug, auch tragische Schicksalsschläge zu verkraften.

Wir können hier nicht andeutungsweise alle Aspekte eines überaus reichen Lebens ansprechen. Dafür gibt es andere Gelegenheiten. Hier sei nur daran erinnert, vor welchem Hintergrund alles begann, damals vor 70 Jahren.

Zum 70. Maurerjubiläum gratulieren wir diesem bemerkenswert ungewöhnlichen Menschen, der uns so viel zu sagen hat und dem wir so viel verdanken.

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