Großlogentag 2016 in Darmstadt

Großlogentag 2016 in Darmstadt

Großlogentag 2016 in Darmstadt

Vom 4. bis 6. Mai 2016 fand der Großlogentag der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland statt, begleitet von großartigem Wetter und ebensolcher Stimmung. Etwas über hundert stimmberechtigte Mitglieder sowie zahlreiche Brüder und Gäste fanden sich in Darmstadt ein, um ein von der ortsansässigen Loge “Johannes der Evangelist zur Eintracht” vorbildlich organisiertes Treffen zu besuchen.

Der Großlogentag findet alle zwei Jahre an unterschiedlichen Orten statt und ist die satzungsgemäße Mitgliederversammlung der Großloge, dem Verbund von derzeit 275 Logen der humanistischen Richtung in Deutschland. Ein Novum der Versammlung war, dass die zeremonielle Zusammenkunft bereits am Beginn statt wie üblich zum Schluss abgehalten wurde. So sollte der tragende verbindende Gedanke der Bruderschaft in die anstehenden Gespräche getragen werden. Und dies gelang: Die satzungsgemäßen Besprechungen am Folgetag wurden trotz schwieriger Entscheidungen von großer Harmonie und gegenseitiger Achtung getragen.

Ein weiteres Novum, das das Grußwort von der Großmeisterin der Frauengroßloge in Deutschland,  Sr. Marita Gründler, gehalten wurde. Den Freimaurern wird gern vorgehalten, sie seien angesichts des reinen Männerbundes rückwärtsgewandt oder sogar frauenfeindlich. Es ist in der Öffentlichkeit oftmals schwierig zu erklären, dass dies in der Realität nicht so ist, aber die Trennung von Männern und Frauen gute Gründe hat, die nicht der Traditionspflege geschuldet sind. Darauf wies auch die Großmeisterin hin: “Dass ihr, meine Brüder, und wir Schwestern in getrennt geschlechtlichen Verbänden arbeiten, ist gut so. Daran soll auch durch diesen Besuch nicht gerüttelt werden.” Und weiter: “Es braucht in einer Gesellschaft, in der vieles nivelliert und damit auch egalisiert und verflacht wird, Räume für Frauen und Räume für Männer. Wir müssen nicht alles gemeinsam machen!” Dass sie dennoch für Zusammenarbeit warb, fand breiten Zuspruch in der Bruderschaft. Ferner wies die Großmeisterin auf die Aufgaben hin, die vor der Freimaurerei liegen. “Wir stehen 2016 deutlich spürbar an einem Entscheidungspunkt: Schon in den nächsten Jahren wird sich zeigen, ob Freimaurerei ihren Zenit überschritten hat und nur noch aus Clubs besteht, in denen man bei Kerzenschein und schöner Musik Ritualen nachgeht, deren Sinn, Ursprünge und Inhalte nur noch wenige verstehen – oder ob wir Freimaurer und Freimaurerinnen spürbar etwas in unserer Zeit bewirken, so wie es auch vor weitaus mehr als 300 Jahren Ziel unserer Vorgänger und Vorgängerinnen war.”

Zur nach dem Grußwort beginnenden Mitgliederversammlung bat der Großmeister, Br. Stephan Roth-Kleyer, nicht nur die Bruderschaft, sondern auch die anwesenden Gäste in die Bruderkette und erklärte “Die Kette, die Bruderkette, ist uns das Symbol für Harmonie. Sie erinnert an die weltweite Verbundenheit aller Brüder auf der Welt. Dieses Symbol ist nicht nur figurativ zu verstehen, sondern entwickelt eine tiefe Bedeutung durch seine reale Umsetzung; ‘Alle Brüder auf dem Erdenrund machen eine Loge aus’, ruft ein altes Ritualwort den Brüdern Freimaurern ins Gedächtnis. Denn der Tempel der Humanität kann nur durch die gleiche Gesinnung und gemeinschaftliche Arbeit vollendet werden.”

Der Bericht des amtierenden Großmeisters Br. Stephan Roth-Kleyer wurde von Dank getragen: Der organisierenden Darmstäder Loge “Johannes der Evangelist zur Eintracht” dankte er, den zahlreichen Ehrengästen, seinen anwesenden Amtsvorgängern für das “Großmeisterwetter”, der Großmeisterin für das Grußwort, seinen Großbeamten, den Distriktmeistern, Stuhlmeistern und den vielen Mitstreitern für die gute Sache der Freimaurerei. Immer wieder zog sich der Tenor der Dankbarschaft durch seinen Bericht.

Er wies hin auf die personelle Erweiterung in der Berliner Kanzlei, lobte die Medienarbeit im Internet und der Mitgliederzeitschrift “Humanität”, wies auf die zwischenzeitlich vergriffene zweite Auflage der “Unterweisungen I” hin und darauf, dass eine dritte Überarbeitung in Vorbereitung sei: “Fehlenes wurde hinzugefügt und die Linie der Lehrart unserer Großloge wird deutlicher sichtbar.” Fertiggestellt ist ebenso ein Logenhandbuch, gearbeitet wird an einem Ritualhandbuch – alles Ergebnisse der Zusage, mehr für die Aus- und Weiterbildung in den Logen zu tun. Weiter wies der Großmeister auf bislang fünf Lichteinbringungen (Neu- oder Wiedergründung von Logen) in Schneeberg, Daaden, Dresden, Kempten und Berlin hin. Als ein “Highlight” bezeichnete Br. Stephan Roth-Kleyer die Verleihung der Gustav-Stresemann-Medaille an den Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt im Januar 2015.

Angesichts der Ereignisse weltweit und des steigenden Interesse an der Freimaurerei, damit auch einer Verjüngerung der Mitgliederstruktur wird auch innerhalb des Bundes immer häufiger die Frage nach gesellschaftlicher Einmischung und Relevanz gestellt. “Wenn wir die Geschichte der Freimaurerei anschauen, war die Freimaurerei immer gesellschaftspolitisch. Denkt an die Zeit der Aufklärung, denkt an die uns bekannten Mitwirkungen von Freimaurern bei Staatsgründungen und Verfassungen.” Er wies auf das Großlogentreffen in Osnabrück hin, das eine ganze Zusammenkunft unter das aktuelle Leitthema “Informationszeitalter” stellte, an die gesellschaftspolitischen Beiträge des Großredners und des Redners der Großloge und verwies auf die Vorträge von externen Fachreferenten auf dem Großlogentag in Darmstadt zum Themenkomplex “Flüchtlinge und Integration”. Abschließend dazu äußerte der Großmeister. “Wenn wir gesellschaftliche Relevanz behalten bzw. weiter erlangen wollen, ist die Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen – ich meine hiermit nicht parteipolitischen – Themen unerlässlich. Ohne den Bezug zu gesellschaftspolitischen Themen sind wir gesellschaftlich im Aus.”

Er berichtete über das Freimaurermuseum in Bayreuth, um das es angesichts der Unterstützung durch die Großloge gut bestellt sei, warb aber auch für Mitgliedschaften im Museumsverein. “Das Museum ist unser Schaufenster der Freimaurerei, es unser Gedächtnis und eine der wichtigsten Forschungsstätten der Freimaurerei mit hoher nationaler wie internationaler Reputation. […] Mit eurer Mitgliedschaft sichert ihr die Zukunft des Deutschen Freimaurermuseums in Bayreuth.” Ebenso lobte er die Arbeit des Freimaurerischen Hilfswerkes, der karitativen Einrichtung unserer Großloge, das in Zusammenarbeit mit den Logen in vielen kleinen und großen Fällen Not lindern konnte, und das sowohl vor Ort als auch weltweit.

Abschließend ging der Großmeister auf das Jahr 2017 ein, in dem sich die Gründung der modernen Freimaurerei zum 300. Male jährt. “Es wird hierzu unterschiedliche Veranstaltungen auf unterschiedlichsten Ebenen geben. Wir werden in diesem Zusammenhang uns den Fragestellungen, die wir an uns selbst haben und an die, die die Gesellschaft an unsere humanitäre Freimaurerei hat, stellen müssen. Wir müssen intensiv weiter daran arbeiten, uns von den Märchen und Mythen, die uns immer noch nachhängen, aktiv zu lösen, wenn wir uns in der Tradition von Aufklärung und Humanismus sehen. Die derzeitige gesellschaftspolitische Situation, ich nenne hier bewusst nur die Stichworte ‘Migranten und multikulturelle Herausforderung’ sollte es uns nicht schwer machen, das Besondere unserer Toleranz und unserer Art der Menschlichkeit und Brüderlichkeit zu kommunizieren und zu leben. […] Meine Brüder, wir haben sicher noch nicht alle Antworten, aber wir müssen wenigstens die richtigen Fragen stellen. Wir dürfen, und hier überzeichne ich bewusst, nicht bei unserer eigenen Administration und unserem Ritual stehen bleiben. Das sind zweifelsohne unsere Grundlagen, das ist richtig. Es gibt jedoch zahlreiche andere Tätigkeitsfelder, in die wir Zeit und Energie investieren müssen. In der sogenannten ‘Modernen Gesellschaft’ bietet die Freimaurerei jedem Einzelnen eine Vielfalt an Benefit.”

Im Rahmen der nachfolgenden Mitgliederversammlung wurde nach 17 Jahren gleichbleibenden Beitrages von den Vertretern der Logen eine Erhöhung des Großlogenbeitrages beschlossen, einige interne Themen besprochen und mit dem Br. Hasso Henke ein neuer Zugeordneter Großmeister gewählt. Am Nachmittag gab es hochinteressante Fachvorträge zu den aktuellen Themen Migration und Integration, über die an anderer Stelle noch berichtet wird. Mit dem obligatorischen Schließen der Bruderkette ging der Großlogentag 2016 in großer Harmonie zuende.

Hasso Henke nach der Wahl zum Zugeordneten Großmeister 2016

Der Großmeister hat drei bis vier zugeordnete Großmeister, unterstützende Stellvertreter, für die vielfältigen Aufgaben. Nach dem Rücktritt des zugeordneten Großmeisters Jens Wolfgramm aus privaten Gründen wurde eine Nachwahl notwendig. Der bisherige Distriktmeister des Distriktes Bremen, viele Jahre Redakteur, Sprecher und Moderator bei Radio Bremen und nun im Ruhestand, wurde einstimmig zum Nachfolger gewählt und nimmt ab sofort die Aufgaben im Vorstand der Großloge wahr. Hasso Henke lebt in Worpswede bei Bremen, ist Mitglied einer Loge in Bremen-Vegesack und Gründungsmitglied einer Loge in Oldenburg.

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Müssen wir schweigen oder müssen wir handeln?

Helfende Hände

Der nachfolgende Vortrag wurde im Rahmen der rituellen Zusammenkunft mehrerer hundert Freimaurer anlässlich des Großlogentages 2016 in Darmstadt vom Großredner der Großloge gehalten. Es sind Gedanken, die viele Freimaurer bewegen und an denen die Öffentlichkeit durchaus teilhaben kann und soll. Nichts daran ist geheim, der Beitrag wird ungekürzt veröffentlicht.

Um mich herum ist es dunkel. Vereinzelt sehe ich helle Flecken aufbrechen. Der Himmel klärt sich auf. Ich sehe vereinzelte Gruppen von Menschen, die diskutieren. Sie reden von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Pressenfreiheit, Menschenrechten.

Sie nennen sich Freimaurer und sie wollen die Welt verändern.

Sie treffen sich im Verborgenen – im Geheimen, denn die herrschende Macht sieht in ihnen eine Gefahr. Eine Gefahr für ihre Privilegien, ihre Einflüsse, ihre Positionen und Machenschaften. Doch die Freimaurer treffen sich trotzdem und einer von ihnen, ein anglikanischer Priester, beschreibt in seinen Alten Pflichten ein Bild von den Freimaurern, das die Herrschenden beruhigen soll. Und das ist ihm zum größten Teil gelungen.

Die Freimaurer hatten Erfolg. Im Stillen vorbereitete Ideen finden sich heute in Verfassungen und Gesetzen der freiheitlichen Demokratien wieder. Natürlich waren das nicht die Freimaurer allein, aber sie haben ihren Beitrag geleistet und mitgeholfen, die Gesellschaft ein wenig aufzuklären und den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich aus ihrer Unmündigkeit zu befreien.

Mit wenigen Ausnahmen haben sich Logen als Gesamtheit nicht zu Wort gemeldet. Agiert haben einzelne Brüder, die sich mit vollem Herzen und mit ganzer Kraft der Humanität gewidmet haben, so wie wir es alle als Lehrlinge bei der unserer Aufnahme gelobt haben. So hielten es die Freimaurer der Gründergeneration der modernen Freimaurerei. Und wie sieht es heute aus? Wie können wir heute unserem Gelöbnis gerecht werden?

Es steht keinem Bruder, keiner Loge und auch nicht der Großloge zu, dem einzelnen Bruder vorzuschreiben, für was er sich zu engagieren hat und auch nicht wie er es zu tun hat. Dass er etwas tun soll, kann schon von ihm verlangt werden, wobei eine Kontrolle natürlich nicht stattfindet. Die Loge kann und soll uns Brüdern aber den notwendigen Raum und die notwendige Zeit geben, unser Engagement zu reflektieren, unsere unausgegorenen Ideen mit den Brüdern zu durchdenken und weiterzuentwickeln. Bei den Themen, die dann besprochen werden, darf, ja kann es kein Tabu geben, wenn wir die Beweggründe und Ideen unserer Gründerväter ernst nehmen.

Ich habe schon mehrmals von Brüdern gehört, dass in Logen nicht über Politik und Religion gesprochen werden darf. Schon als Lehrling hat mich diese Aussage irritiert. Wie soll ich als Freimaurer Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Menschenliebe leben und mich dafür einsetzen, wenn ich in der Loge nicht über diese Themen reden darf. Meine Irritation hat sich aufgelöst, als ich die Alten Pflichten las. Dort steht mit keinem Wort, dass wir in der Loge nicht über Politik und Religion reden dürfen. — Wir dürfen uns nicht darüber streiten und das ist etwas ganz anderes. Über Politik und Religion reden, sich austauschen ohne sich in die Haare zu geraten und zu streiten ist natürlich nicht immer einfach, aber genau das wollen und sollen wir Freimaurer in den Logen lernen und die Toleranz und Menschenliebe über die Meinungsverschiedenheit stellen. Was ist so schlimm daran, wenn ein Bruder eine andere Meinung hat als ich. Er bleibt trotzdem mein lieber Bruder.

Es geht um den Diskurs, den Austausch, das Dazulernen, dann sind wir viel besser gewappnet, um unserem Engagement außerhalb der Loge gerecht zu werden.

Wenn wir nicht über Religion reden wollen, so können wir diese einfach ausblenden. Geht dies aber auch mit der Politik. Da stellt sich direkt die Frage, was ist in diesem Sinne Politik. Für mich ist politisch, was uns alle als Gemeinschaft, als Gesellschaft betrifft und womit wir uns als Demokraten beschäftigen sollen, ja müssen, damit unsere freiheitliche Demokratie erhalten bleibt. So verstehe ich den Satz „meine Pflichten gegenüber meiner Familie, meiner Gemeinde, meinem Land und der Gemeinschaft aller Menschen gewissenhaft zu erfüllen“ im Gelöbnis.

Nehmen wir das aktuelle Thema der Flüchtlinge, die nach Europa kommen. – Ist das nun ein humanitäres Thema oder ein politisches? Lässt sich das überhaupt trennen? Wir helfen aus humanitären Überzeugungen, aber diese Hilfe hat auch politische und gesellschaftliche Folgen. Kann dann Politik als Thema in den Logen ausgespart bleiben? –Dürfen wir schweigen, wenn versucht wird, die Errungenschaften der Aufklärung wieder zunichte zu machen? Diese Frage kann jeder Bruder nur für sich selbst beantworten, um danach vielleicht entsprechende Konsequenzen zu ziehen.

Wie sieht nun die Realität zur politischen Abstinenz in den Logen aus? Was finden in unseren Arbeitspläne dazu? Hier einige Themen: „Rechtsextremismus“, „Die Gefährdung der natürlichen Lebensgrundlage ist ungerecht“, „Europa eine Wertegemeinschaft?“, „Flüchtlingskrise“, „Sterbehilfe“, „Das Freihandelsabkommen TTIP“. Ich finde, das sind politische Themen und unsere Arbeitspläne zeigen uns, dass politische Themen de facto in unseren Logen angekommen sind und wir sehr gut damit umgehen können.

Der erste Teil meiner Ausgangsfrage „Müssen wir schweigen oder müssen wir handeln?“ ist somit beantwortet. Wir müssen nicht schweigen. Wir dürfen es tun. Wir müssen es aber nicht. Wir haben die Wahl.

Müssen wir aber handeln?

In unserem Ritual werden wir aufgefordert, uns als Freimaurer zu bewähren. Das würde die Frage bejahen. Was aber heißt das konkret, „sich als Freimaurer zu bewähren“. Im Ritual heißt es weiter: „wehret dem Unrecht, wo es sich zeigt. Kehrt niemals der Not und dem Elend den Rücken.“ Das ist schon etwas konkreter, aber was genau ist das Unrecht? Wann können wir von Not und Elend sprechen? Einerseits sind diese Begriffe zeitlos, auf der anderen Seite sind sie aber auch vom jeweiligen Zeitgeist abhängig, also mit veränderlichen Bedeutungen.

Wenn wir diese Begriffe realistisch und pragmatisch betrachten wollen, also keine Definitionen aus dritter Hand, sondern unsere eigene individuelle Bedeutung aus Überzeugung einbringen wollen, dann ist meiner Meinung nach ein Diskurs zu diesen Begriffen notwendig. Hier bieten sich die Brüdern an, um diesen Diskurs gewinnbringend für alle Beteiligten zu führen. Danach können wir dann handeln. Ob alleine, mit mehreren Brüdern oder als Loge als Ganzes, dass wird sich aus der Situation heraus ergeben. Auch das Wie wird sich ergeben.

Ich finde, unsere Arbeit wäre nur halb getan, würden wir nicht handeln. Das Ritual warnt uns aber auch, in dem es uns sagt „seid wachsam auf euch selbst.“ Wachsam, damit wir unseren Idealen und Werten treu bleiben und auch nicht über das Ziel hinausschießen.

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Sonderhefte HUMANITÄT zum Sonderpreis

  • Humanität Mozart
  • Humanität Lessing

Die Zeitschrift HUMANITÄT ist das interne Mitteilungsblatt der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland für ihre Mitglieder. In unregelmäßigen Abständen erscheinen Sonderausgaben, die auch für die interessierte Öffentlichkeit bestimmt sind und einen guten Einblick in die humanitäre Freimaurerei bieten. Diese Hefte sind beliebt und werden gerne von den Logen in größerer Stückzahl abgenommen.

Zwei dieser Titel sind noch auf Lager und können bei der Großloge zu einem besonders günstigen Preis von einem Euro pro Exemplar zzgl. Versandkosten erstanden werden. Für Freimaurer ist auch noch der Bezug ganzer Jahrgänge bis einschließlich 2012 zum Preis von 10 € pro Jahrgang zzgl. Versand möglich.

Bei Interesse wenden Sie sich bitte an die Kanzlei unserer Großloge.

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Großlogentag 2016 in Darmstadt

Darmstadt

Alle zwei Jahre findet der Großlogentag statt, die Mitgliederversammlung aller Logen der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland. In diesem Jahr wird diese Veranstaltung am 5. und 6. Mai von der Darmstädter Loge “Johannes der Evangelist zur Eintracht” mit einem interessanten Rahmenprogramm ausgerichtet.

Der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland gehören rund 270 Logen mit etwa 10.000 Freimaurern an. Der Großlogentag ist die satzungsgemäße Mitgliederversammlung, zu der jede Loge einen Vertreter, in der Regel den Meister vom Stuhl (Vorsitzenden) entsendet. Wie in jedem anderen Verein werden auf solchen Versammlungen Rechenschaftsberichte abgelegt, Wahlen abgehalten und Beschlüsse gefasst. Stimmberechtigt sind die Logen mit jeweils einer Stimme, zu den Veranstaltungen zugelassen sind alle Freimaurer der Mitgliedslogen.

Die Versammlungen finden an wechselnden Orten statt und werden von den Logen vor Ort organisiert. Für dieses Jahr hat sich die Darmstädter Loge “Johannes der Evangelist zur Eintracht” als Ausrichter beworben und ein ansprechendes Programm zusammengestellt. Traditionell gliedert sich die mehrtägige Veranstaltung in drei Bereiche: ein Programm für die Ehefrauen, bei den Freimaurern “Schwestern” genannt sowie eingeladene Gäste, die freimaurerischen Bestandteile wie rituelle Zusammenkunft und Mitgliederversammlung für die Brüder sowie einen gesellschaftlichen und kulturellen Teil, der gemeinsam genossen wird.

Das Damen- und Gästeprogramm beinhaltet eine Stadtführung zur Mathildenhöhe und die Künstlerkolonie. Die Mathildenhöhe ist das Zentrum des Darmstädter Jugendstils und ein Gesamtkunstwerk aus Hochzeitsturm, Ausstellungsgebäude, Museum, Künstlerkolonie und Platanenhain. Von 1899 bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges setzten in Darmstadt namhafte Künstler wie Joseph Maria Olbrich und Peter Behrens wesentliche Imulse zur Entwicklung der Moderne. Für den zweiten Tag stehen auf dem Programm der Besuch des UNESCO-Weltkulturerbes Grube Messel und eine Führung durch das Weinheimer Schloss. Die Grube Messel birgt eine unüberschaubare Vielzahl an besonders gut erhaltenen Fossilien. Sensationsfunde wie die Messeler Urpferdchen haben weltweite Berühmtheit erlangt. Das Schloss Weinheim, heute Rathaus und Sitz der Stadtverwaltung, setzt sich aus Bauteilen verschiedener Epochen zusammen. Die Besucher erfahren Wissenswertes über die Geschichte und Mythen des Schlosses und des ursprünglich als englischen Gartens angelegten Schlossparks.

Parallel dazu halten die Freimaurer eine einführende rituelle Zusammenkunft, die sogenannte Tempelarbeit, im Lehrlingsgrad ab, um sich auf die nachfolgenden Beratungen in brüderlichem Respekt und Toleranz einzustimmen. Die Mitgliederversammlung dient in diesem Jahr unter anderem zu Aussprachen, Wahlen und dem Gedankenaustausch.

Für den ersten Abend ist ein Besuch der Comedy Hall mit dem Besuch des “Kikeriki-Theaters”, einem besonderen Buffet in den Theaterräumen und der Vorstellung “Das Cabinet des Dr. Goggolores” geplant. Das Kikeriki-Theater, ein komödiantisches Theater mit Puppen und Menschen, wurde 1979 von Roland Hotz begründet und entstand aus der Lust am Schreiben, Bauen, Komponieren, Inszenieren und Spielen. Das Theater versteht sich als ein “Volkstheater ohne Heimatmief, sondern mit ehrlich-frischem Stallgeruch”. Im Stück “Das Cabinet des Dr. Goggolores” verschmelzen zwei Klassiker der Filmgeschichte – “Das Cabinet des Dr. Caligari” und “Freaks” – mit zwei klassischen Großmäulern des Kikeriki-Theaters zu einem Mischmasch aus Moritat, Panoptikum und Puppenspiel in einem schaurig-schrägen Schauspiel.

Den Abschluss des Großlogentages bildet das Galadinner im Ballsaal des Maritim Konfernzhotels Darmstadt. Die “Bayer & Baier Band” ist eine professionelle Band mit internationaler Erfahrung und einem umfangreichen und außergewöhnlichen musikalischen Repertoire. Die Musik umfasst einen Mix aus Evergreens, Oldies und Discohits aus den Siebzigern bis heute.

Anmeldungen müssen bis zum 18. März 2016 über die Kanzlei der Großloge erfolgen. Rückfragen beantwortet gern die Kanzlei der Großloge. Das detaillierte Programm findet sich im Terminteil unter Mai.

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Zum Tode von Kurt Masur

Kurt Masur am Pult der Dresdner Philharmonie am 6. Dezember 2012 im Dresdner Albertinum (Foto: Martin Morgenstern)

Kurt Masur am Pult der Dresdner Philharmonie am 6. Dezember 2012 im Dresdner Albertinum (Foto: Martin Morgenstern)

Kurt Masur, Preisträger der Kulturpreises der Deutschen Freimaurer im Jahre 2012, verstarb vor wenigen Tagen im Alter von 88 Jahren in Greenwich (Connecticut). Der Zugeordnete Großmeister Peter Doderer erinnert sich an denkwürdige Begegnungen mit dem großen Menschen und Dirigenten. "Die erste Begegnung mit Kurt Masur fand 2008 im Leipziger Gewandhaus statt und unser letztes persönliches Zusammentreffen sollte auch in Leipzig stattfinden. Im Oktober 2014 diskutierten in der überfüllten Leipziger Peterskirche der Altbundeskanzler Helmut Schmidt, Peter Maffay und Kurt Masur über das Thema "Die Kraft der Musik". Anlaß dazu war der genau auf diesen Tag fallende  fünfundzwanzigste Jahrestag der großen Demonstrationen in Leipzig. Hier, bei dieser Veranstaltung, war zu spüren, was sich schlecht mit Worten beschreiben läßt: Kurt Masur war Lepzig und Leipzig war Kurt Masur. Die Verehrung der Leipziger für " ihren Gewandhauskapellmeister " dem sie einen großen Anteil an der friedlich verlaufenden Demonstration im Jahre 1989  zuschrieben , war überall zu spüren . Mitmenschlichkeit, Herzenswärme, die tief empfundene Liebe zu Menschen und Musik, und dieses seine Gesprächspartner auch spüren zu lassen, war Kurt Masur auf eine einmalige Art gegeben. Schon von seiner Erkrankung gezeichnet, wird allen Gästen und Besuchern, die an der Verleihung des Kulturpreises 2012 unserer Großloge an Maestro Kurt Masur im Leipziger Gewandhaus teilgenommen haben,  die Art und Weise, in der sich Kurt Masur nach der Verleihung bei Altgroßmeister Axel Pohlmann und den Brüdern bedankt hat, unvergessen bleiben. Als wir  im vergangenen Jahr nach der Veranstaltung in der Kirche noch im kleinen Kreis gegessen haben, kam er noch einmal auf die Verleihung des Kulturpreises zu sprechen. Diese Auszeichnung bedeute ihm sehr, sehr viel. Inzwischen habe er auch in Erfahrung bringen können das sein Vater Freimaurer gewesen sei. Das habe er zwar vermutet, aber nicht gewußt. Und seine Frau Tomoko Masur sagte: "Meinem Mann stehen das Gedankengut und die Ideen der Freimaurer genau so nah wie die Musik ". Wir trauern um einen großen Menschenfreund, unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Frau Tomoko Masur und seiner Familie."
Der damalige Großmeister Axel Pohlmann und Prof. Kurt Masur bei der Preisvergabe (Foto: Hartwig Kloevekorn)

Der damalige Großmeister Axel Pohlmann und Prof. Kurt Masur bei der Preisvergabe (Foto: Hartwig Kloevekorn)

Professor Dr. h.c. Kurt Masur erhielt den Kulturpreis Deutscher Freimaurer 2012 in Würdigung seines musikalischen Lebenswerks, seines persönlichen Engagements als Bürger und seiner Verdienste um die Völker verbindende Wirkung der Musik als einem überzeugten Bürger seiner Stadt und seines Landes und als Weltbürger. Er wirkte nicht nur als musikalischer Leiter der bedeutendsten Orchester, sondern auch als moralische Autorität, als ein Mann, der sich selbst als "Sendbote des Humanismus" verstand. In diesem Sinne entspricht Kurt Masur freimaurerischer Geisteshaltung, wir fühlen uns mit ihm verwandt.
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Zu den Terroranschlägen vom 13. November in Paris

Flag of France. Close Up.

Die Großloge der Alten Freien und Angenommen Maurer von Deutschland trauert um die Opfer der Terroranschläge vom 13. November in Paris

Vor wenigen Tagen wurden sechs Ziele in Paris mit Sturmgewehren und Sprengstoffgürteln im Zentrum von Paris gezielt und berechnend angegriffen. Es waren dies das „Stade des France“ während eines Fußballspiels und die Diskothek „Bataclan“ sowie vier weitere zentral gelegene und gut besuchte Orte. 132 Tote und zahlreiche Schwer- und Leichtverletzte sind zu beklagen.

Dies ist eine der schrecklichsten Nächte, die Europa seit langer Zeit erleben musste.

Wir sind in höchstem Maße schockiert. Diese durch nichts zu rechtfertigenden unmenschlichen Taten gelten nicht nur den Einwohnern in Paris, gelten nicht alleine den Franzosen: Sie gelten uns allen, und sie treffen uns alle, die wir der Demokratie verpflichtet sind. Das Ziel dieser Anschläge ist unsere Freiheit. Terroranschläge gelten damit auch den Grundprinzipien der Freimaurerei: Menschenliebe, Toleranz und Brüderlichkeit sowie der Freiheit des Einzelnen und der Demokratie im Allgemeinen.

Unsere freie und tolerante Gesellschaft ist uns ein sehr hohes Gut. Dieses gilt es zu verteidigen. Uns zu wehren, das heißt in erster Linie unsere Freiheit, unsere Würde, und unser Menschenbild zu bewahren.

Unsere Gedanken, unsere Sympathien, unsere Hoffnungen sind bei unseren französischen Nachbarn. Wir fühlen und teilen ihren Schmerz, ihre Trauer und ihre Angst.

Vive la France!

Stephan Roth-Kleyer
Großmeister der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland

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Zum Tode Helmut Schmidts

Altbundeskanzler Helmut Schmidt bei der Verleihung der Stresemann-Medaille der Freimaurer im Jahre 2015. Foto: Andreas Keuchel

Altbundeskanzler Helmut Schmidt bei der Verleihung der Stresemann-Medaille der Freimaurer im Jahre 2015. Foto: Andreas Keuchel

Die Großloge der Alten Freien und Angenommen Maurer von Deutschland trauert um den Altbundeskanzler Helmut Schmidt.

Ob bei seinem  Handeln während der großen Sturmflut in Hamburg, seinem Krisenmanagement in der Zeit des RAF-Terrors, seinem Wirken um die deutsch-französische Zusammenarbeit als strategisch denkender, überzeugter Europäer, seiner herausragenden Rolle in der transatlantischen Kommunikation, seinem Einsatz um Frieden und Menschenrechte, seinem Engagement im Dienste der Europäischen Währungsunion, seinem Verdienst um die Frage eines gerechten sozialen Ausgleichs und dem Zusammenleben der Generationen sowie seinem Verständnis zwischen den Altersgruppen — stets standen nicht Vorschriften oder Regeln, sondern Humanität und die Menschen im Mittelpunkt seines Handelns.

Großmeister Stephan Roth-Kleyer trägt sich in das Kondolenzbuch ein.

Großmeister Stephan Roth-Kleyer trägt sich in das Kondolenzbuch ein.

Am 26. Januar diesen Jahres konnten wir dem Menschen und Politiker Helmut Schmidt mit dem Gustav-Stresemann-Preis der Großloge der Alten Freien und Angenommen Maurer von Deutschland unsere Anerkennung und unseren tief empfundenen Respekt für seine Leistungen aussprechen. Die Großloge zollt mit dem Gustav Stresemann Preis Menschen Anerkennung, die im Sinne des großen Staatsmannes Gustav Stresemann wirken bzw. gewirkt haben.

Nunmehr müssen wir von dem Altbundeskanzler Helmut Schmidt Abschied nehmen. In unseren Herzen aber bleiben wir ihm verbunden. In stiller Trauer und großer Dankbarkeit,

Stephan Roth-Kleyer
Großmeister der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland

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