Achtung: Denkfallen!

Achtung: Denkfallen!

Von Dr. Ulrich Cichy

Foto: succo / Pixabay

In den Artikeln von uns Autoren in der „Humanität“, aber auch in vielen Zeichnungen und freimaurerischen Vorträgen tritt manchmal eine starke Gegenwartskritik hervor, die sich gerne am „Werteverfall“ entzündet und verschiedentlich bis an die Grenze des Kulturpessimismus geht.

Dies lässt mich neuerdings öfter an einen klugen älteren Herrn denken, der mich vor einigen Jahren auf einer Vortragsreise in Argentinien betreute. Er wurde 1920 in Essen geboren, sein Vater schaffte ihn 1938 aus Deutschland heraus, bevor die anderen Mitglieder seiner jüdischen Familie von den Nazis umgebracht wurden. Auf einer Schnellstraßenzufahrt von Buenos Aires, wo er trotz seines betagten Alters in flottem Tempo die kurze Verengung von bestimmt sechs auf zwei Spuren bewältigte, sagte er plötzlich, er verstehe uns Deutsche nicht. Wir hätten eine stabile Demokratie und lebten in einem wirtschaftlich beispielhaft prosperierenden Land. Aber statt in Ruhe und Selbstbewusstsein zu leben, befänden wir uns ständig in Unzufriedenheit und Selbstkritik. Damit würden wir Deutschen uns selbst und unserer Rolle in Europa und der Welt nicht gerecht. Nachdenklich stimmende Sätze, insbesondere vor seinem persönlichen und familiären Hintergrund. Und eine bemerkenswerte Analyse.
Für seine Gedanken gibt es viele Belege. Zumindest fehlt es unserem Land oft an kollektiven Selbstverständlichkeiten und einer gemeinsamen Idee von der Zukunft, einer „Vision 2040“. Stattdessen trifft man auf einen verbreiteten Skeptizismus und diskutiert schnell über das Trennende, vergisst das Verbindende. Und daran scheinen sich aus der Sicht des Verfassers dieser Zeilen auch freimaurerische Denker unwissentlich und sogar mit wohlmeinendem Anspruch zu beteiligen. Und deshalb die folgenden Thesen als Denkanstöße.

Jeder von uns hat in der Vergangenheit die Beurteilung der Welt gelernt und urteilt damit in der Gegenwart über die Zukunft
Es ist eigentlich eine Binsenweisheit, aber es wird nicht hinreichend ernstgenommen: Unser Handeln ist von den Erfahrungen und dem Lernen der Vergangenheit geprägt. So gibt es den Gedanken, dass Politik oft auf der Grundlage von Weltbildern handelt, die 15 Jahre zurückliegen. Politiker und Medienleute wurden in der Jugend geprägt und politisiert und passen sich vorstehender Überlegung nach nur zögerlich an die Entwicklungen an. Hieraus könnte man die Hypothese ableiten, dass sich z. B. die heutige Einwanderungs- oder die Europapolitik noch an den Fakten und Illusionen nach der Jahrtausendwende orientiert und deshalb ein unzureichender Gegenwartsbezug Freiraum für diejenigen mit den einfach-gefährlichen Antworten schafft.
Vorstehender Aspekt hat aber auch Bedeutung für diejenigen von uns, die sich aus freimaurerischer Perspektive den Problemen dieser Gegenwart widmen: Missbilligen wir Dinge nur, weil wir es „so nicht gelernt haben“ und es „früher anders war“ oder sind sie aus gutem Grund kritikwürdig? Konkret: Viele ältere Menschen stört z. B., dass junge Menschen im Alltag und gegebenenfalls sogar im selben Raum (im Wartezimmer des Arztes oder in der Kneipe) über SMS, Whats­App oder sonstige Plattformen des Internets kommunizieren, anstatt miteinander zu reden. Und das kritische Argument, dass dieses Verhalten nicht gerade die sprachliche und schriftliche Kompetenz fördere, scheint ja auch gerechtfertigt. Aber das „Schreiben statt Reden“ ist für diese Menschen gängige Praxis und findet in der nachwachsenden Gesellschaft vermehrt Verbreitung. Diese Auswirkungen einer „Smartphone-Epidemie“ (Manfred Spitzer) werden wahrscheinlich für die zukünftige Gesellschaft „normal“ sein. Solange die oder der Einzelne nicht einer „Smartphone-Sucht“ (Manfred Spitzer) erlegen ist, sollte man es deshalb wohl einfach nur hinnehmen.

Aber eines bleibt ein zeitloses Erfordernis: Das Gespür für Diskretion und Respekt vor den anderen Menschen. Digitale Medien untergraben das soziale Gefüge, wenn dort die Hemmungen vor Verletzung und Verleumdung fallen. An diesem Punkt erscheint das mahnende Wort immer als gerechtfertigt. Hier hat die Freimaurerei als „Diskrete Gesellschaft“ (Dieter A. Binder) eine Kernkompetenz: Wir wissen um die Bedeutung des Vertrauens und der Vertraulichkeit. Und wir sollten deshalb vielleicht weniger über den allgemeinen Werteverfall klagen, als ganz konkret zu benennen, wo die Digitalisierung z. B. durch Verlust an Vertrauen und Vertraulichkeit Gemeinschaften und Gesellschaften aufzulösen droht.

Das moralische Urteil ist häufig unfair

Oft wird die Beurteilung von Sachverhalten auch davon geprägt, dass jemand nur bedingt auf der Grundlage von Fakten, sondern vor allem im Sinne seiner Weltanschauung wertend urteilt – häufig aus Scheu vor der anderen Perspektive. Das moralische Urteil verhindert aber schnell den Diskurs auf Augenhöhe. Wer aus seiner moralischen Perspektive argumentiert, erhebt einen Wahrheitsanspruch, denn er weiß ja für sich per se, was richtig und was falsch ist. Es hat ihm seine Religion, seine Partei, seine Erziehung oder die von ihm wahrgenommene politische Korrektheit eingeflüstert. Gerne kommen dann Sätze wie: „Aber du musst doch verstehen, dass dieses oder jenes richtig oder falsch ist!“ oder: „Das ist nicht freimaurerisch!“
Fair und auf der Winkelwaage wäre stattdessen die offene Frage: „Warum sehen wir das so unterschiedlich?“ Und dann öffnete sich der Diskurs für einen sachlichen Austausch. Und er würde im modernen Sinne dem aufklärerischen Anspruch vieler Freimaurer genügen: Wir alle können uns irren und es gibt oft mehrere „Wahrheiten“ (Karl Popper).

Erinnert sei an den treffenden Satz: „Wir fürchten uns vor dem, was wir nicht verstehen“ (Dan Brown). Freimaurerisch orientierte Diskurse sollten deshalb wohl häufiger mit einer fragenden statt mit einer urteilenden Perspektive beginnen.

Kapitalismus-Bashing ist zu einfach

Die mangelnde Sorgfalt in der Urteilsfindung wird exemplarisch deutlich, wenn Begriffe, wie der vom „entfesselten Kapitalismus“, dem „die Wirtschaft unmenschlich machenden Neoliberalismus“, der „kapitalistischen Globalisierung“, dem „Konsumzwang“ und ähnliche populistisch benutzt werden, um das Bild einer ökomischen Zwangsjacke für die gesellschaftliche Entwicklung in den Raum zu stellen. Damit ist sehr schnell und zu einfach der Verursacher des angeblichen Werteverfalls benannt.

Damit begeben wir uns aber auch in einen Widerspruch, da sich Freimaurerei ja gerne als ein Träger der Aufklärung definiert. „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“ (Immanuel Kant). Ein aufgeklärter Konsument liefert sich in diesem Sinne nicht abstrakten Mächten aus, sondern entscheidet bewusst, ob er durch den Kauf im Internet internationale Konzerne stärkt oder in den Laden an der Ecke geht. Und ein jeder Schnäppchenjäger weiß im Kern seiner Seele, dass bei einem zu günstigen Preis zumindest einer in der Produktions- und Lieferkette nicht den vollen Preis für seine Leistung erhält – etwa die mit einem Hungerlohn abgespeiste Näherin in Pakistan , oder unsere Umwelt auf der Strecke bleibt – etwa ein mit illegal entsorgten Gerbstoffen verunreinigter Fluss in Bangladesch. In seiner autonom-rationalen Entscheidung siegt der Egoismus über das Bewusstsein der Verantwortung.

Es gibt natürlich gute Argumente, die eine unzureichende ordnungspolitische Rahmensetzung z. B. für internationale bzw. digitale Großkonzerne und deren verschiedentlich kaltschnäuziges Verhalten gegenüber Konsumenten und sogar Staaten beklagen. Diese sind oft nur bedingt widerlegbar. Und es ist nachvollziehbar, dass in diesen Bereichen nur langsame Veränderungen eine schwer erträgliche und akzeptierbare Geduldsprobe darstellen.

Trotzdem ist die pauschale Kritik am Kapitalismus auch unfair gegenüber den vielen engagierten mittelständischen Unternehmen in diesem Land. Über 99 Prozent unserer Unternehmen gehören zum Mittelstand, werden zum großen Teil von mit ihrem privaten Vermögen haftenden Unternehmerinnen und Unternehmern geführt. In solchen Betrieben arbeiten fast 60 Prozent aller Beschäftigten und mehr als 80 Prozent der Auszubildenden (Quelle: ifm Bonn).

Diese Inhaber leisten oft noch einen zusätzlichen gesellschaftlichen Beitrag über ihr Unternehmen hinaus. So gibt es für das Handwerk in Nordrhein-Westfalen die Schätzung, dass der (Brutto-) Nutzen, den Unternehmerinnen und Unternehmer freiwillig in der Selbstverwaltung der Kammern und Fachverbände bzw. im Prüfungswesen erbringen, 2016 etwa 38 Mio. Euro betrug (Quelle: WHKT). Und darüber hinaus würde ohne das ehrenamtliche Engagement und die materiellen bzw. finanziellen Beiträge dieser Mittelständler so manche Freiwillige Feuerwehr, Kirchengemeinde, mancher Sportverein und auch die eine oder andere Freimaurerloge weniger gut dastehen.

Unser Potenzial ist der redliche Beitrag zum gesellschaftlichen Diskurs

Wenn wir Freimaurer uns die Frage stellen, wie wir konstruktiv auf die Zukunft der Gesellschaft einwirken können, dann haben wir zwei Potenziale: Einerseits unser humanitäres Handeln in der Gesellschaft, indem wir mit Geld und konkretem Tun zur Verbesserung der Lebensumstände von Bedürftigen beitragen. Andererseits sind es die geistigen Impulse, die wir der Gesellschaft geben. Logen sollten sich deshalb als intellektuelle Foren verstehen, in denen in qualifizierter Form über die Gegenwartsfragen gesprochen wird. Und wir, die das Privileg haben, mit dem gedruckten und dem gesprochenen Wort zur Meinungsbildung beizutragen, stehen damit in einer ganz besonderen Verantwortung.

Der Beitrag entstammt der Zeitschrift “HUMANITÄT — Das Deutsche Freimaurermagazin”, Ausgabe 2-2019.

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Mannheimer Großlogentreffen mit kulturvollem Rahmenprogramm

Mannheimer Großlogentreffen mit kulturvollem Rahmenprogramm

Von Kanzlei Großloge A.F.u.A.M.v.D.

„Die Brüder haben ein sehenswertes Rahmenprogramm in der Stadt der Quadrate zusammengestellt“, fasst Br. Ralph Meixner, der Distriktmeister Baden-Württemberg, ­zusammen und ruft alle Brüder unserer Großloge auf: „Nutzt dieses Großlogentreffen für Begegnungen der Freundschaft und den persönlichen Gedankenaustausch mit Gleich­gesinnten, um neue Impulse mit nach Hause zu nehmen.“

Die Großloge A.F.u.A.M. von Deutschland lädt vom 29. bis 31. Mai zu ihrem Großlogentreffen nach Mannheim ein. Es findet unter dem Motto „Die Welt verändert sich dramatisch – und wir?“ im Jubiläumsjahr der Großloge statt, die ihren 70. Geburtstag feiert. Gemeinsam mit der Kanzlei der Großloge haben die gastgebende Loge „Carl zur Eintracht“ und der Distrikt Baden-Württemberg ein spannendes Rahmenprogramm für die drei Tage zusammengestellt.

Die 1756 gegründete Loge „Carl zur Eintracht“ ist die älteste aktive Freimaurerloge Baden-Württembergs. „Die Brüder unserer wie auch einiger verwandter Logen – wir sind die ‚Mutter‘ zahlreicher Logen in und um Mannheim – werden in bewährter Teamarbeit alles daransetzen, dass Ihr Euch in Mannheim wohlfühlen und ein gut organisiertes, schönes und erkenntnisreiches Großlogentreffen in Erinnerung behalten werdet“, verspricht der Mannheimer Meister vom Stuhl, Br. Alexander John.

Mittwoch, 29. Mai: Begrüßungsabend

Los geht es am Mittwochabend mit einem Empfang im Haus der Loge „Carl zur Eintracht“. Das gemütliche „Come together“ mit Speisen und Getränken wird von der Loge und dem Distrikt Baden-Württemberg organisiert. Brüder der Rhein-Neckar-Logen holen die Teilnehmer jeweils um 17.45 Uhr von den Hotels Dorint und Leonardo Royal ab und begleiten sie auf dem kurzen Spaziergang zum Logenhaus.

Das hat übrigens eine sehr eigenwillige Adresse, nämlich: L 9,9. Die hufeisenförmige Innenstadt Mannheims zwischen Rhein und Neckar ist nämlich als Gitter angelegt, wodurch die sogenannten „Mannheimer Quadrate“ entstehen. Die Bismarckstraße verläuft vor der Front des Schlosses und verbindet die Enden der Ringstraßenabschnitte miteinander. Dazwischen liegen rechtwinklig angelegte Straßenzüge, die bis heute keine Namen tragen. Die Häuser sind deshalb aus einer Kombination von Buchstabe und Zahl benannt. Das Logenhaus trägt somit die Nummer L9, 9. Die Planung dieses Straßennetzes geht auf Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz um 1600 zurück.

Donnerstag, 30. Mai, vormittags: Ausflug zum Schwetzinger Schloss und Park

Am Donnerstagmorgen steht – parallel zur Sitzung des Großlogenrates – für alle Gäste eine Fahrt zum Schwetzinger Schloss mit fachkundiger Führung durch Schloss und Park auf dem Programm. Das Schloss Schwetzingen diente vor allem den pfälzisch-bayerischen Kurfürsten Karl Philipp und Karl Theodor als Sommerresidenz. Besonders der Freimaurer Karl Theodor förderte die Aufklärung in seinem Land, empfing Voltaire und Mozart. Zwischen 1975 und 1991 wurde das Schloss restauriert und im Stil des 18. Jahrhunderts eingerichtet. Der Schlossgarten gliedert sich in einen französischen und einen englischen Teil, wobei zwischen dem „Garten der Allegorien“ und dem „Garten der Vernunft“ unterschieden wird. Zum „Garten der Vernunft“ zählen Minerva- und Merkurtempel, Moschee, Apollotempel, ein Tempel der Botanik, das römische Wasserkastell sowie das Arboretum, als jene Gartenteile, in denen im Sinne aufklärerischen Denkens die Vernunft gefeiert wird.

Die Abfahrt ist um 9 Uhr am Dorint Hotel. Die Führung dauert etwa zwei Stunden, die Rückkehr zum Dorint Hotel ist für 13 Uhr geplant.

Donnerstag, 30. Mai, nachmittags: Führung durch die Kunsthalle Mannheim

Um 14 Uhr beginnt dann für alle Brüder die Tempelarbeit im Lehrlingsgrad im Beethoven-Saal I und II des Dorint-Hotels. Für die Vorbereitung der Brüder sind die beiden Räume „Haydn/Orff“ und „Bach“ in unmittelbarer Nähe vorgesehen. Hier gibt es Ablagetische für Taschen.

Parallel dazu sind alle Gäste eingeladen, ab 15 Uhr an einer Führung durch die Kunsthalle Mannheim teilzunehmen. Sie prägt seit 110 Jahren das kulturelle Leben der Stadt. 1909 gegründet, ist sie eine der ersten Bürgersammlungen der Moderne weltweit. Das Spektrum der Ausstellung reicht von Édouard Manet bis Francis Bacon und setzt einen Schwerpunkt auf Skulpturen – von Auguste Rodin und Wilhelm Lehmbruck über Henry Moore und Marino Marini bis zu Mario Merz und Richard Long. Am 1. Juni 2018 wurde der Neubau des Museums mit seiner außergewöhnlichen architektonischen Struktur eröffnet. An das zentrale Atrium docken sieben individuell gestaltete Kuben an, die sich nebeneinander reihen, übereinander stapeln und ineinander verschränken. Dazwischen gibt es immer wieder Freiräume, die als Wege, Blickachsen und Dachterrasse dienen. Eine durchlässige Hülle aus Metallgewebe umhüllt die Kunsthalle und hält ihre Einzelteile formal zusammen.

Der Treffpunkt für einen kurzen Spaziergang zum Museum ist um 14.45 Uhr am Dorint-Hotel oder um 15 Uhr direkt an der Kunsthalle (Friedrichsplatz 4). Es ist eine Führung durch die Sonderausstellung „Henri Laurens – Wellentöchter“ und eine Sammlungs-Präsentation zur Architektur der Kunsthalle vorgesehen.

Donnerstag, 30. Mai, abends: geselliges Beisammensein im Technoseum

Ab 18.30 Uhr lädt die Großloge zu einem geselligen Beisammensein im Technoseum (Museumsstraße 1). Das Technoseum bietet Anschauuungsmaterial zur Industrialisierung des deutschen Südwestens in Geschichte und Gegenwart. Für Speisen und Getränke ist gesorgt und die „Blue Note Jazz Company“ liefert den angenehmen musikalischen Hintergrund mit einem Bogen von klassischem New-Orleans-Jazz bis zum eleganten Swing der 30er und 40er Jahre.

Der Weg zum Technoseum ist ein angenehmer Spaziergang von etwa 2,5 Kilometern Länge über die Mannheimer Kunstmeile. Auch diesmal werden Brüder der Rhein-Neckar-Loge die Gäste von den Hotels Dorint und Leonardo Royal abholen. Treffpunkt ist um 18 Uhr vor den jeweiligen Hotels.

Möglich ist auch die Fahrt mit der Straßenbahn (Linie 6 – vom Wasserturm zur Haltestelle Luisenpark/Technoseum) und es fährt ab 17.45 Uhr ein kleiner Pendelbus zwischen Dorint-Hotel und Technoseum. Die Rückfahrt ist zwischen 22 und 22.45 Uhr mehrmals im Pendelverkehr geplant. Die Kapazität ist leider begrenzt und sollte deshalb nur Gästen vorbehalten sein, die weniger gut zu Fuß sind.

Freitag, 31. Mai: Ausflug nach Heidelberg

Während am Freitagvormittag, ab 9 Uhr, das Großlogentreffen unter der Fragestellung „Die Welt verändert sich dramatisch – und wir?“ mit Vorträgen und Diskussionen zur Freimaurerei in einer veränderten Welt weitergeht, können Gäste an einem Ausflug ins nahe gelegene Heidelberg teilnehmen. Dort ist eine Stadt- und Schlossbesichtigung vorgesehen und ein gemeinsames Mittagessen im Alt-Heidelberger „Brauhaus Vetter“. Anschließend ist Zeit für einen individuellen Bummel durch die Stadt mit der ältesten Universität Deutschlands. Um 9 Uhr fährt der Bus ab Dorint-Hotel. Die Fahrt dauert etwa 30 Minuten. Für 15.30 Uhr ist die Rückkehr nach Mannheim geplant.

Anmeldung bis 25. März über die Kanzlei der Großloge

Anmeldungen zum Großlogentreffen 2019 in Mannheim sind über das an alle Stuhlmeister versendete Formular oder direkt über die Kanzlei der Großloge – kanzlei@freimaurerei.de – bis zum 25. März möglich.

Das Tagungshotel ist das Dorint Kongresshotel Mannheim am Friedrichsring 6. Es liegt im Zentrum Mannheims, unweit des Bahnhofs. Von dort sind es nur ein paar Schritte zur Einkaufsmeile und den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. So liegt eine der schönsten Jugendstilanlagen Europas gleich neben dem Wahrzeichen der Stadt, dem Mannheimer Wasserturm. Im Dorint-Hotel ist für die Teilnehmer des Großlogentreffens ein Kontingent von 120 Zimmern reserviert. Weitere 100 Zimmer sind im 300 Meter entfernten Leonardo Royal Hotel reserviert und können ebenfalls von den Teilnehmern abgerufen werden. Die Reservierung und Bezahlung der Zimmer wird von den Teilnehmern individuell vorgenommen und kann nicht über die Großloge erfolgen.

Wer nach dem offiziellen Ende des Großlogentreffens am Freitag noch weiter in Mannheim verweilen möchte, ist ab 18 Uhr herzlich eingeladen zum Ausklang-Dinner mit einem 4-Gänge-Menü und ausgesuchten Weinen in der „Badischen Weinstube Keller’s“ in Mannheim. Für maximal 40 Gäste ist die Teilnahme zum Preis von 45 Euro (inkl. Menü und Wein) möglich. Die Anmeldung erfolgt in diesem Falle bis zum 31. März über den Sekretär der Loge „Carl zur Eintracht“ unter der E-Mail-Adres­se sekretaer@carlzureintracht.de.

Der Beitrag entstammt der Zeitschrift “HUMANITÄT — Das Deutsche Freimaurermagazin”, Ausgabe 2-2019.

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Auf der Suche nach freimaurerischer Zukunft

Beim 1. Zukunftsgespräch in Leipzig wurde über Werterahmen des Bruderbundes debattiert

Von Prof. Dr. Helmut Reinalter

Am 6. Oktober 2018 fand im Logenhaus der Bauhütte „Minerva zu den drei Palmen“ in Leipzig ein spannendes Zukunftsgespräch statt, in dessen Rahmen verschiedene aktuelle und substanzielle Themen zur Zukunft der Freimaurerei diskutiert und vertieft wurden. Bei allen Beiträgen der insgesamt 20 Teilnehmer des Symposiums aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ging es um die Bedeutung und Weiterentwicklung dieser Themen für die Freimaurerei. Das Themenraster wurde von Br. Helmut Reinalter aus Innsbruck entwickelt, der im Anschluss an die Präsentation seines gerade erschienenen Buches über „Die Zukunft der Freimaurerei“ auch das Gespräch leitete und im Folgenden eine Zusammenfassung seines Impulsreferates und der Debatte auf dem Symposium gibt.

Erstmals in der Geschichte der Menschheit steht diese vor gewaltigen Umwälzungen, die tief in die Natur des Menschen und des Planeten einschneiden. Die Tragweite der sozioökonomischen, technologischen, ökologischen und geomorphologischen Veränderungen könnte heute nicht größer sein. Unser Leben wird sich in allen Bereichen der Gesellschaft grundlegend verändern. Es bilden sich postindustrielle Gesellschaften als Folge der Umwälzungen im Zeichen des demographischen Wandels, der neuen Technologien und der medizinischen Errungenschaften heraus, und es entstehen auch neue Gesellschaftsmodelle, mit denen sich die Freimaurerei in Zukunft kritisch auseinandersetzen muss. Moderne Sozialsysteme wandeln sich zunehmend in Risikogesellschaften, die neue ethische Maßstäbe erfordern, wie z. B. globale Ethiken. Die Globalisierung verändert die Demokratie, zumal in einer Zeit tiefgreifender Wandlungsprozesse und komplexer werdender gesellschaftlicher Entwicklungen sowie durch den Neoliberalismus Demokratien an die Grenzen ihrer Effektivität stoßen. Sie zeigen sich technisch als leicht verletzbare Systeme. Weltpolitik und Weltwirtschaft benötigen dringend eine ethische Grundorientierung, um eine im Sinne der Freimaurerei friedlichere und humanere Welt zu ermöglichen.

Zweifelsohne ergeben sich aus diesen Wandlungsprozessen und ihren Folgen wichtige neue Aufgabenfelder, für die ein dringender globaler Handlungsbedarf besteht:

  • Die Errichtung einer globalen Rechts- und Friedensordnung zur Überwindung der globalen Gewaltgemeinschaft,
  • die Herstellung eines fairen (gerechteren) Handlungsrahmens für die globale Kooperationsgemeinschaft, der die Sicherung der sozialen und ökonomischen Mindestkriterien umfasst, und
  • die Klärung bzw. Konkretisierung jener Probleme, die durch Hunger, Armut und Migration entstanden sind.

Auf den Punkt gebracht, bedeutet dies globale Gerechtigkeit, globale Solidarität und globale Humanität.

Diese großen Herausforderungen führen notwendigerweise zu künftigen Aufgaben der Bruderkette, die möglichst bald in Angriff genommen werden müssen, um die Freimaurerei auch als geistige Bewegung bedeutender zu gestalten. Eine ausschließlich ästhetisch-esoterische Verinnerlichung und der Rückzug auf Ritualistik und Symbolik sind zwar für die Bruderkette wichtig, schwächen sie aber gesellschaftspolitisch. Um dies zu verhindern, ist es dringend erforderlich, auf der Grundlage einer fundierten Analyse der geistigen und gesellschaftlichen Entwicklung unserer Gesellschaft das Engagement der Brüder zu unterstützen und einen Denkprozess einzuleiten, um zu erreichen, dass die Brüder jenseits von Parteipolitik eine Kurskorrektur der gesellschaftlichen Entwicklung beeinflussen können. Die Freimaurerei sollte sich als ethische Wertegemeinschaft und als humanes Verhaltensmuster dieser Verantwortung stellen. Es geht hier vor allem um eine Verantwortung für die Gesellschaft von morgen, gemäß den Ritualworten: „… wie hier im Tempel durch das Wort, im Leben durch die Tat walten zu lassen.“

Für die Freimaurerei heißt dies, sich um ihre tragenden, substanziellen Kategorien neu zu kümmern, nämlich um

  • die Selbstverpflichtung, an der sich der Br.: zu messen hat,
  • die Entfaltung einer geistigen Haltung, eines Habitus, dessen Ausprägung sich im Diskurs (Diskursethik) gestaltet,
  • die Entwicklung einer Philosophie als Lebenskunst (Königliche Kunst) eine neue ethische Orientierung am dynamischen Wandlungsprozess der Gesellschaft unter globalem Maßstab (Weltethos),
  • eine aktive Toleranz und nicht eine passive Duldung,
  • eine „reflexive“ Aufklärung als neues Aufklärungsdenken,
  • die Freimaurerei als Idee und gemeinschaftliche Praxis lebendig zu halten,
  • eine verstärkte Verpflichtung zu praktischer Humanität und gesellschaftspolitischem Engagement,
  • eine lebendige Gestaltung der Brüderlichkeit mit interessanten Baustücken und
  • eine aufklärerische, ideologiekritische Haltung sowie das Eintreten für eine „offene Gesellschaft“.

Die Themenschwerpunkte wurden von den Teilnehmern und Teilnehmerinnen intensiv diskutiert. Hier nun die Ergebnisse dieses Diskurses. Ein Umfrageergebnis über den Werterahmen in Österreich ergab ein interessantes Ergebnis: 81% der befragten Menschen antworteten, dass Werte im Alltag sehr wichtig sind und nur 19% waren der Meinung, dass Werte wenig Bedeutung haben. Konkret wurde über die Weiterentwicklung und Vertiefung des freimaurerischen Werterahmens gesprochen:

  • Eine verstärkte Verpflichtung zum Aufklärungsdenken, zumal die Werte der historischen Aufklärung heute nach wie vor sehr aktuell sind, sie müssen nur für die Zukunft weiterentwickelt werden.
  • Eine Verpflichtung zur praktischen Humanität, zu Solidarität und Empathie.
  • Eine aktive Toleranz, Respekt für die Andersdenkenden und die Ablehnung des Fundamentalismus.
  • Das Eintreten für Menschenwürde und Menschenrechte in Wort und Tat.
  • Eine Neuinterpretation der Königlichen Kunst als Philosophie der Lebenskunst.
  • Annäherung an eine besondere Gesprächsform, die durch den Dialog mit anderen dem Leben einen Sinn geben kann.
  • Die Entwicklung des brüderlichen Gesprächs zu einer Diskursethik, eine Das Symbol des „großen Baumeisters“ und das Verhältnis zur Religion sind neu zu überdenken.

In der Diskussion wurde besonders darauf hingewiesen, die „Alten Pflichten“ für die Zukunft verständlicher zu formulieren.

Neben dem Werterahmen der Freimaurerei, der in der Diskussion einen breiten Raum einnahm, wurden weitere, für die Freimaurerei aktuelle Themen zur Diskussion gestellt, insbesondere gesellschaftspolitische Probleme und das Verhältnis der Bruderkette zur Gesellschaft und zur Öffentlichkeit. Im Detail ging es hier um die Möglichkeit einer intelligenten Öffentlichkeitsarbeit, um eine verstärkte Diskussion über brisante gesellschaftliche Wandlungsprozesse, wobei vor allem die Bekämpfung der Verrohung der politischen Kultur, die Demokratiemüdigkeit, repressive Tendenzen in der Politik und Gesellschaft, die Menschenrechte und als Ergänzung dazu die Menschenpflichten, die Flüchtlingskrise, die Klimakatastrophe und ihre Folgen, der Populismus, der Terrorismus, der Islamismus, die ethischen Folgen der Künstlichen Intelligenz und der Digitalisierung, der Transhumanismus, der Neoliberalismus, ein neuer Bildungsbegriff und der Überwachungskapitalismus im Zentrum der Debatte standen. Die Freimaurerei wurde als gesellschaftlicher Katalysator charakterisiert, worunter der indirekte oder direkte Einfluss der Bruderkette auf die Gesellschaft gemeint ist. Die Freimaurerei als mögliches Konfliktlösungsmodell kam auch zur Sprache. Weitere Themenbereiche befassten sich auch mit Männerbünden und der Frauenfrage, in der eine liberalere Haltung gefordert wurde, und mit Strategien gegen den Antimasonismus und die vielen absurden Verschwörungstheorien. Kontrovers diskutiert wurden die masonischen Zentralbegriffe Regularität und Irregularität, wobei besonders über Neudefinitionen und Grenzziehungen gesprochen wurde. Besonders kritisch überprüft werden sollten Kriterien der Ausgrenzung. Gefordert wurde in diesem Zusammenhang eine stärkere kooperative Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Richtungen der Freimaurerei. Auch die Bedeutung der Arkandisziplin und des angeblichen freimaurerischen Geheimnisses wurden aus heutiger Sicht betrachtet. Eine Entmythologisierung wäre hier zweifelsohne angebracht.

Im Prozess der Suche nach der freimaurerischen Zukunft hat dieses fundierte Gespräch einen wichtigen Beitrag geleistet. Darin waren sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen einig. Um die erarbeiteten Vorschläge auch Schritt für Schritt umzusetzen, braucht es fundiertes Wissen, Mut, Gestaltungsfreude und produktive Zusammenarbeit. Der geistige Wettbewerb um die Gestaltung des 21. Jahrhunderts ist bereits angelaufen. Die Freimaurerei sollte als geistiger Impulsgeber in der Debatte über die Situation der Zeit nicht passiv zuschauen, sondern sich aktiv mit Fragen nach Werten, Tradition und Identität in den Logen bemühen.

Der Beitrag entstammt der Zeitschrift “HUMANITÄT — Das Deutsche Freimaurermagazin”, Ausgabe 1-2019.

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Freimaurerei begreifen

Foto © rangizzz / Adobe Stock

Ein blinder Blick auf die Königliche Kunst

Von Alexander Walter

Heute steht eine Tempelarbeit auf dem Arbeitsplan, mit deren Entwurf ich vor etwa einem halben Jahr begonnen habe. Ich freue mich. Ein Abend im Kreise der Brüder, ein Abend voller Inspiration, vielleicht mit etwas Reibung, möglicherweise mit viel Harmonie, ein Abend, an dem mich die Zeichnung eines Bruders mitnimmt in eine andere Wahrnehmung, in ein anderes Fühlen und ein anderes Denken, ein Abend, an dem durch das Ritual eine positive Verbindung zwischen höchst unterschiedlichen Persönlichkeiten weiter vertieft und gestützt wird.

Heute gehe ich dort hin, wo ich als Erwachsener bisher wahrscheinlich am meisten habe lernen können und dürfen, heute geht es in die Loge. Viele Vorbilder kann man hier erblicken, Menschen, zu denen es sich gut aufschauen lässt. Auch wenn man blind ist.

Nicht immer ist meine Vorfreude auf die Tempelarbeit so groß wie aktuell. Manchmal, nach sehr anstrengenden Arbeitstagen mit viel Stress, fällt es schwer, sich zu den Brüdern aufzumachen, ist es geradezu eine Überwindung, obwohl die Erfahrung immer die gleiche ist: Es lohnt sich stets. An solchen Tagen ist der Kontrast zwischen alltäglicher Hetze und maurerischer Ruhe besonders groß, die Entschleunigung besonders heilsam.

Heute aber sind die Bedingungen optimal. Kein Patient, der sich in letzter Minute meldet und unbedingt noch versorgt werden will, keine Buchhaltung und kein Schreiben von Rechnungen, wenn ich aus der Loge zurück bin, und keine Hausarbeit mehr, bevor ich am nächsten Morgen in die Praxis muss. Meine Einstimmung auf das gemeinsame Ritual beginnt schon mit dem Ankleiden. Ob auf Reisen, in der Praxis oder zu Hause, der schwarze Anzug, die schwarzen Schuhe, das weiße Hemd und die weiße Krawatte bringen mich bereits in eine feierliche Stimmung, vielleicht auch, weil ich im profanen Leben eher selten festlich gekleidet bin.

„Mein Gang erinnert mich an das musivische Pflaster.“

Also auf zum Bus. Nach rund 40 Minuten, in denen ich meistens bei einem Hörbuch entspannen kann, steige ich nahe unseres Logenhauses aus. Fünf Minuten Fußweg durch eine Querstraße und schon stehe ich davor. Mein Gang erinnert mich an das musivische Pflaster. Mit einem Blindenstock pendelt man reziprok. Links also den schwarzen Schuh vorne, rechts den weißen Blindenstock, dann rechts den schwarzen Schuh und links den weißen Blindenstock. Letztlich muss man Symbole nicht nur wahrnehmen, spüren und bedenken, letztlich muss man sie leben. Eine im Wind flatternde Plane oder etwas Ähnliches – ich bin nicht ganz sicher – weckt im Vorbeigehen Assoziationen an meine Aufnahme. Ich muss wieder aus den Gedanken finden, mich konzentrieren auf den Stock in der Hand und die Geräusche, sonst wird die gedankenverlorene Unaufmerksamkeit gefährlich, auch wenn es nur eine Spielstraße ist, die ich entlangschreite.

Nicht selten bin ich als erster Bruder am Haus. Heute habe ich entspannt die Zeit, alle Türen und Läden zu öffnen, ich muss nichts anderes mehr organisieren. Habe ich diese Zeit einmal nicht, so sitze ich oft mit Kopfhörern in einem völlig dunklen Haus, was hervorragend geeignet ist, den nach mir eintreffenden Bruder ordentlich zu erschrecken, wenn er sich Licht anmacht. Nach und nach kommen weitere Brüder ins Logenhaus.

Neben der Freimaurerei und den Büchern ist auch Whisky ein Hobby von mir, dem ich einige Zeit widme – mit ein paar Freunden betreibe ich den Blog Whiskygraphie.de. Erlaubt es also der Zeitplan, dann verkoste ich mit dem einen oder anderen Bruder noch einen guten Tropfen vor der Arbeit. Doch diese Gelegenheiten sind rar gesät, denn als Redner seiner Loge hat man fast immer noch etwas zu regeln oder zu organisieren.

„Ich mag das dröhnende Donnern des Zeremonienstabes.“

Die drei Schläge des Zeremonienmeisters kündigen an, dass wir aufgefordert sind, uns maurerisch zu bekleiden, dass der Meister vom Stuhl zur Arbeit ruft. Die Regalien habe ich bereits angelegt, das Band des Bijous diesmal auf Anhieb richtig herum, das des Amtsabzeichens auch, reine Glückssache, die mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 4 eintritt. Ruhe kehrt ein, eine sehr angenehme Stille. Es ist eine Ruhe, in der Kraft liegt, eine Stille, die heilsam ist. Es ist jene innere Lautlosigkeit, wie wir sie in der dunklen Kammer erlebt haben. Und ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, als ich, in ebendieser sitzend, erstmals den Widerhall des dröhnenden Donnerns des Zeremonienstabes vernommen habe. Seitdem mag ich dieses mächtige Geräusch.

Ich kann nicht genau begründen, warum – aber unseren Tempel betrete ich ohne Blindenstock. Tatsächlich könnte ich ihn auch an der Stelle, wo ich ihn am ehesten brauche, nicht wirklich gut einsetzen, am Eingang. Wie sollte man wohl pendeln, bei den Schritten, mit denen wir den Tempel betreten? Ich muss mich also gut konzentrieren, sonst laufe ich eine Säule im Westen um. Aber es ist mir wichtig, mit den maurerischen Schritten den Tempel zu betreten, es ist mir wichtig, mich vor dem Osten zu verneigen, es ist mir wichtig, im Sonnenlauf meinen Platz einzunehmen. Ich kann mich darauf verlassen, dass mich meine Brüder dabei sehen und dass sie hilfreich eingreifen, sollte es nötig sein.

Nachdem ich das Licht empfangen und die brennende Kerze vorsichtig auf dem Rednerpult abgestellt habe, setzt die Musik ein und die übrigen Brüder ziehen in den Tempel ein. Selbst nach mehr als fünf Jahren in unserer Bauhütte in Koblenz fallen mir noch immer Aspekte auf, kommen mir neue Gedanken bei der sich nun anschließenden Öffnung der Loge. Immer gleich und doch immer anders, das fasziniert mich bis heute. Das Ritual ist wie die Bruderschaft, eine Einheit aus gleich und ungleich zugleich.

„Freimaurerei ist das, was wir daraus machen.“

Stimmen füllen den Raum, geben sinnlich sinnstiftend Sinnhaftes zum Ausdruck, Musik untermalt die Stimmung und schafft Raum für den Blick des Lehrlings, der wir immer bleiben, nach innen. Auch die Schließung der Loge ist vertraut und erscheint doch immer wieder in einem leicht anderen Licht. Wir werden zum Punkt im Kreis und zum Teil des Kreises, der als Bruderkette den Rauen Stein umgibt. Energie und Stärke fließen und werden von Hand zu Hand geleitet. Die Kerzen erlöschen. Dabei wird ihr Wachs deutlich im ganzen Tempel riechbar. Ein klares Signal, ein Zeichen, dass sich die Bewegungsrichtung des Inneren aus dem gehetzten profanen Leben in die maurerische Ruhe umgekehrt hat, dass es wieder zurückgeht in den Alltag.

Nachdem die Brüder aus dem Tempel ausgezogen sind, das Licht an seinen Ursprungsort zurückgekehrt ist und wir entlassen worden sind von der Arbeit, mache ich mich auf dem Weg nach draußen, auf die Suche nach dem Beutel des Gabenpflegers. Rituell der Menschen gedacht, denen es nicht so gut geht wie mir, die sich in Not befinden, mache ich mich dann auf zum gemeinsamen Brudermahl.

Man mag die Freimaurerei unterschiedlich leben und interpretieren, aber für mich ist sie immer, wie es auch in den „Alten Pflichten“ geschrieben steht, ein Mittel zum Stiften von Freundschaft zwischen Menschen, die sich sonst nicht begegnet wären. So sitze ich beim Brudermahl nicht nur umgeben von Brüdern, sondern auch von vielen Freunden. Zu hören sind Erfahrungen von Menschen, die ihr Leben reflektieren, die bewusst den Berufsalltag und das Privatleben bedenken. Zu einem großen Teil ist Freimaurerei auch das, was wir Freimaurer daraus machen. Bei uns ist das die vertraute und vertrauensvolle Nähe.

„Der Austausch mit reisenden Brüdern ist eine Quelle der Inspiration.“

Beim Brudermahl sitze ich fast immer am gleichen Platz. Das hat sich einfach so ergeben. Es hat aber einen interessanten Effekt. Die Tafellogen finden im selben Raum statt und bei ihnen nehme ich stets einen anderen, sich variierenden Platz ein. Die Platzwahl empfinde ich tatsächlich als sehr wesentlich im Falle von Blindheit. Die akustische Wahrnehmungs- und Differenzierungsfähigkeit endet ein bis zwei Plätze weiter. Es ist von großer Bedeutung, wer sich in diesem eher kleinen Wahrnehmungsfenster aufhält. Außerdem ist zu bedenken, dass ich es selbst nicht wählen kann. Während sich also sehend Brüder zusammenfinden, die auch zusammensitzen wollen, bringe ich da immer ein wenig Unordnung hinein.

Was ich in diesem Zusammenhang sehr bedaure, ist, dass mir aufgrund der fehlenden visuellen Fähigkeiten nicht die Möglichkeit gegeben ist, mich adäquat um Gäste und reisende Brüder in unserer Bauhütte bemühen zu können. Ich bin sehr an Brüdern und Praktiken in anderen Logen interessiert, genieße den wertschätzenden Austausch, weil ich auch ihn als Quell der Inspiration betrachte. Überdies sehe ich die Gastfreundschaft als eine Pflicht an, die in der Maurerei für mein Empfinden teilweise etwas seltsam anmutend interpretiert wird. Da wird mit der Historie der eigenen Loge geprahlt, peinlich genau auf jedes Detail des Rituals geachtet, aber vergessen, weitgereisten Brüdern etwas zu trinken anzubieten. Und hier meine ich Wasser und nicht Whisky.

Ein Bruder hat sich an diesem Abend auf einer seiner Gesellenreisen bei uns eingefunden. Er ergreift die Gelegenheit und richtet einige der typischen Fragen an mich in Bezug auf meine Behinderung. Darf man sich von einem Blinden mit den Worten „auf Wiedersehen“ verabschieden? Er bekommt meine Standardantwort, die umfasst, dass es vollkommen unmöglich ist, alle Begriffe, die sich etymologisch und semantisch an das Wortfeld der visuellen Wahrnehmung anlehnen, aus der Sprache zu verdammen.

Ich erlaube mir hier ganz ehrlich zu sein. Solche Fragen berühren mich keineswegs unangenehm oder verletzen mich. Aber, da ich sie so häufig höre, langweilen sie mich. Und doch, der Bruder hat vorbildlich alles richtig gemacht, was meiner Auffassung nach im Umgang mit blinden Menschen zu beachten ist. Er war aufmerksam, interessiert, aufrichtig und höflich. Tatsächlich sind im Umgang mit blinden Menschen dieselben Dinge zu beachten, die es im menschlichen Miteinander stets zu beachten gilt. Wir sind Individuen, der eine Blinde unterscheidet sich von dem anderen Blinden ebenso stark, wie der eine Maurer vom anderen. Uns blinden Menschen mögen sich analoge Probleme stellen, aber wir lösen sie vollkommen unterschiedlich.

„Freimaurerei ist nicht exklusiv, sondern inklusiv!

Ich erlaube mir, von der Blindheit auf die nächsthöhere Ebene der Behinderung zu generalisieren: Ein großer Fehler, den man im Umgang mit behinderten Menschen machen kann, ist sehr verbreitet: das Unterschätzen. Ich gebe das ungerne preis, denn es ist häufig sehr vorteilhaft, unterschätzt zu werden. Ein noch gravierenderer Fehler ist es, überhaupt nicht mit behinderten Menschen in Kontakt zu kommen und umzugehen. Genau an dieser Stelle spielt die Freimaurerei mit ihren Werten und ihrem Geheimnis, das für mich in der Kraft der menschlichen Begegnung liegt, ihre volle Stärke aus. Im Bewusstsein, dass es durchaus Brüder gibt, die der folgenden Bemerkung sehr kritisch bis ablehnend gegenüberstehen, behaupte ich, dass die Freimaurerei durch und durch inklusiv und nicht exklusiv ist.

Unser Bruderbund ist eine Menschenkette und Ketten sind bekanntlich nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Da eine Behinderung ungefähr wie ein Boxkampf ist, sind viele behinderte Menschen sehr kampferprobt. Und die Wahrscheinlichkeit, dass sie das schwächste Glied einer Kette darstellen, ist recht gering. Warum Boxkampf? Nun, ob man behindert ist oder nicht, sucht man sich nicht aus. Allerdings, wie man behindert ist. Wir werden also gezwungen, in den Ring zu steigen, welche Figur wir dort aber abgeben, entscheiden wir selbst. Man kann gut oder schlecht boxen, fair oder unfair, als Gewinner oder Verlierer. Wir wollen gut und fair kämpfen und den Ring als Gewinner verlassen.

Wie macht man das? Zunächst einmal sind es die Nehmerqualitäten, die einen guten Boxer auszeichnen. Man muss einstecken können. Auch muss man eine Runde verlieren können und daran wachsen. Man braucht Ausdauer, Disziplin, Kenntnis der Regeln, Kraft, Motivation, Überwindung, Mut, Technik und eine gute Strategie. Vielleicht ist es mehr der Geist als der Körper, der einen Boxer einen Kampf gewinnen lässt. Als behinderter Bruder bedarf es genau dieser Fähigkeiten. Die Analogie mag paradox erscheinen, aber es ist ein Kampf, in dem man selbst der größte Gegner ist – aber den zu gewinnen sich lohnt, weil das Preisgeld Wärme, Liebe und Freundschaft ist. Gerade der behinderte Bruder boxt gegen den Lehrling in sich, und wer ihn aufmerksam dabei beobachtet, der kann von ihm lernen, wie man gut kämpft.

„Eine Behinderung ist wie ein Boxkampf.“

Meistens bin ich zufrieden mit dem Urteil der Punktrichter. Die Freimaurerei hat mir jetzt schon so viel gegeben, dass ich, auch wenn ich mich stets bemühe, nicht in der Lage sein werde, für sie so viel zu tun, wie sie für mich getan hat. Das ist auch deshalb ausgeschlossen, weil sie fortwährend positiv auf mich wirkt, Entwicklungskatalysator geblieben ist. Ist alles gut an ihr? Nein. Habe ich auch schlechte Erfahrungen in ihr gemacht? Ja. Freimaurerei ist menschlich, daher unvollkommen, und es gibt noch viel Arbeit an ihr, mit ihr und in ihr zu verrichten. Sie ist auch Ort vieler menschlicher Unzulänglichkeiten. Ich bringe meine Schwächen mit in die Maurerei. Meine Behinderung ist allerdings nicht unbedingt eine Schwäche.

Behinderung bedeutet, wenn man recht mit ihr umgeht, eher Stärke als Schwäche. Das heißt natürlich nicht, dass sie ein Quell der Heiterkeit wäre. Auch im Bruderkreis kann es mitunter sehr anstrengend sein im Ring zu stehen, gerade wenn es einige Brüder wieder mal nötig haben, ihren eigenen Selbstwert mit meistens eher schlechten und fast immer redundanten und daher langweiligen Witzen über meine Behinderung zu erhöhen. Aber ist das schlimm? Nein, ist es nicht. Meine Brüder bringen ihre Schwächen in die Loge mit, ich die meinen. Meine Blindheit meine ich damit nicht, es sind eher Impulsivität, Ungeduld, Arroganz, mangelnde Impulskontrolle, zu wenig Empathie und Diplomatie oder Rechthaberei, an denen ich noch zu arbeiten habe. Und zu meinen Schwächen gehört durchaus auch, dass ich Mitmenschen mit Scherzen kränken kann. Je älter ich werde, desto eher neige ich dazu Konfuzius zuzustimmen: „Es ist kein Unglück, blind zu sein. Es ist nur ein Unglück, die Blindheit nicht zu ertragen.“

„Durch die Freimaurerei ist noch mehr Farbenpracht in mein Leben gekommen.“

Den Rückweg aus der Loge trete ich heute im Auto an. Und nein, diesmal fahre ich nicht selbst. Das Gespräch mit den Brüdern, die teilweise einen erheblichen Aufwand auf sich nehmen, um mich nach Hause zu bringen, schätze ich dabei sehr. Die Freimaurerei hat Freundschaft gestiftet, sie war erfolgreich, ist geglückt. Wie man Menschen nicht auf eine Behinderung reduzieren kann und sollte, so kann und sollte man die Maurerei nicht auf das Ritual reduzieren. Zu den Effekten der Königlichen Kunst in meinem Leben zählt auch, dass ich heute mit Schwestern befreundet bin, dass ich mit den Brüdern am Firmenlauf in Koblenz teilnehme, dass ich Vorträge in der Öffentlichkeit halte und dass ich mit den Masonic Bikern unterwegs bin.

Mein Leben war schon immer bunt, aber die Farbenpracht, die mit der Maurerei hineingekommen ist, ist unvergleichlich und einzigartig. Rückblickend muss ich zugeben, dass ich doch einige Fehler im Leben gemacht habe, dass ich an einigen Weggabelungen die falsche Richtung eingeschlagen habe. Von allen Entscheidungen, die ich bewusst getroffen habe, war diejenige, Freimaurer zu werden, die, von der ich am sichersten bin, dass sie richtig war. Ich hadere nicht mit den Fehlern, die mir auf meinem Lebensweg unterlaufen sind. Fehler zu machen gehört zum Menschsein einfach dazu, auch wenn es sich teilweise um gravierende, höchst bedauerliche Fehler handelt.

Behinderte und nicht behinderte Freimaurer sind Menschen und machen folglich Fehler. Wesentlich ist, dass sie daraus lernen. Weiter wesentlich ist auch, dass sie einander dies erlauben. Zwar verletzen, kränken und zersetzen manche Fehler regelrecht, aber doch müssen in der Maurerei und in der Loge gewisse Fehler toleriert werden. Denn der Fehler, der sich nur im menschlichen Miteinander ergeben kann, ist eine zentrale Kraft der Entwicklung, der Arbeit am Rauen Stein. Insofern gibt es im Umgang mit blinden Brüdern nur das zu beachten, was unter Brüdern ohnehin beachtenswert erscheint. Wir sollten zusammenkommen und uns Kränkungen und Verletzungen verzeihen, nachdem wir bemüht waren, diese bereits auf ein Minimum zu reduzieren. Keine Angst im Umgang mit behinderten Brüdern. Gerade wir können mit Fehlern leben und gerade wir machen auch selbst welche.

Der Beitrag entstammt der Zeitschrift “HUMANITÄT — Das Deutsche Freimaurermagazin”, Ausgabe 1-2019.

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Die Farbe Blau

Foto: © vchalup / Adobe Stock

Symbolische und psychologische Bedeutung der "Freimaurer-Farbe"

Von Paul Franke

Blau, die Farbe des Himmels, ist auch die Farbe unseres Bundes. Im Volksmund heißt es auch: „Blau ist die Treue“. So gilt auch das Blümchen Vergissmeinnicht, wie sein Name schon sagt, als mahnende Erinnerung zur Treue. Blau spielt aber – wie alle Farben – auch in der Symbolik der Religionen der Völker eine hervorragende Rolle als Teil des Göttlichen, denn Gott – vielfach als Licht und leuchtend dargestellt – gilt als der Ursprung aller Farben.

Blau bedeutet: Die Wahrheit, der Intellekt, die Offenbarung, aber auch die Weisheit. Natürlich auch, wie der Volksmund sagt: Die Treue, die Loyalität und die Beständigkeit. Weitere Bedeutungen von Blau sind: Die Keuschheit, die keusche Zuneigung und auch der makellose Ruf. Das erinnert uns an die Antwort bei der Aufnahme eines Suchenden auf die Frage, was man sein muss, um Freimaurer werden zu können: „Ein freier Mann von gutem Ruf”.
Blau bedeutet ferner: Großmut, Klugheit, Frömmigkeit, Frieden und Kontemplation. Zeichnet das nicht auch die Arbeit im Tempel aus?

Blau ist die Farbe der großen Tiefe und auch der Kühle. Es ist die Farbe des weiblichen Prinzips und als Himmelsblau die Farbe der Großen Mutter und der Himmelskönigin. Es ist auch eine lunare Farbe – also eine Farbe, die dem Mond zugerechnet wird.
Es bedeutet aber auch die ursprüngliche Einfachheit und den unendlichen Raum, der alles umfassen kann.
In der christlichen Symbolik ist blau die Farbe der Maria als Himmelskönigin. Sie trägt einen blauen Mantel und sie steht oft auf einer Mondsichel. Blau ist hier auch die Farbe der himmlischen Wahrheit, der Ewigkeit, der Treue und des Glaubens.
Einen blauen Mantel trägt auch Indra im Hinduismus. Im Chinesischen ist es die Farbe des Azurdrachens des Ostens, des Himmels und des Frühlings.

Für den Buddhisten ist blau die Farbe der Kühle des Himmels oben und der Wasser unten, aber auch die Farbe der Weisheit.
Bei den Griechen und Römern gehörte blau als Attribut zu den herrschenden Himmelsgottheiten Zeus und Hera bzw. Jupiter und Juno, aber auch Venus hat unter anderem blau für sich erkoren.

Für die Druiden oder Kelten stand blau für einen Barden oder Dichter, bei den Indianern bedeutet es Himmel und Frieden und in der jüdischen Kabbala steht es für die Gnade.

Einzig und allein bei den Mayas hatte die sonst überall mit Frieden verbundene Farbe Blau mit der Symbolik für „die Niederwerfung eines Feindes“ eine kriegerische Bedeutung.

Blau ist aber nicht nur die Farbe des Bandes unseres Bijous und der Beamtenzeichen – auch einige weltliche Orden haben blau als Farbe der Tugend und der königlichen Würde zur Farbe ihres Ordensbandes erkoren. Um hier nur die berühmtesten zu nennen: Der englische Hosenband-Orden, der dänische Elefanten-Orden, der schwedische Seraphinen-Orden, der altfranzösische Orden des Heiligen Geistes, der polnische Orden des Weißen Adlers und der russische St.-Andreas-Orden.
Blau hat ein weites Spektrum vom tiefen Ultramarinblau bis zum hellen Azurblau und wird von uns ganz verschieden erlebt. Dunkelblau wirkt sehr nah, tief, aber auch undurchdringlich, vielleicht auch unheimlich. Hellblau oder Himmelblau dagegen weit, durchsichtig, leicht und uns öffnend.

Was meint nun die Psychologie zu dieser Farbe. Wir wissen, dass Farben nicht nur eine Bedeutung zugeordnet wird, sondern dass sie auch eine psychische Wirkung auf den Betrachter haben. Psychologisch repräsentiert blau die erregungsfreie Ruhe. Beim Betrachten von blau tritt auch eine messbare vegetative Beruhigung ein. Puls, Blutdruck, Atemfrequenz und die Wachfunktionen werden verringert – genau gegensätzlich wirkt übrigens rot, wie der Volksmund mit der Redewendung „da sehe ich rot“ schon wusste. Bei blau stellt das vegetative Nervensystem den Körper sozusagen auf Schonung und Erholung ein. Bei Kranken oder Erschöpften steigert sich das Bedürfnis nach blau. Blau erhöht die Empfindsamkeit. Was physiologisch das Bedürfnis nach Ruhe ist, ist psychologisch die Befriedigung. Befriedigung ist der Eintritt von Frieden und Zufriedenheit. Wer sich in diesem ausgeglichenen, spannungslos-harmonischen Zustand befindet, fühlt sich eingefügt, verbunden und geborgen. Darum repräsentiert blau die Bindung rund um sich herum, die Verbundenheit. „Blau ist die Treue.“ Blau als entspannte Empfindsamkeit ist die Voraussetzung für die Einfühlung in den Anderen, für ästhetisches Erleben und besinnliches Nachdenken.

Der Philosoph Schelling benutzt lauter Blausymbole, wenn er in der „Philosophie der Kunst“ schreibt: „Die Stille ist der der Schönheit eigentümliche Zustand, wie die Ruhe dem ungestörten Meere.“
Die zu blau gehörende Geschmacksempfindung ist die Süße (blaue Zuckerverpackungen!), die blau entsprechende sinnliche Empfindung ist die Zärtlichkeit, das zugehörige Organ ist die Haut. Blau bedeutet psychisch auch die selige Erfüllung des Ideals der Einheit – daher auch die „blaue Blume der Romantik“. Blau repräsentiert farbpsychologisch die urmütterliche Verbundenheit, die Treue und das Vertrauen, die Liebe und Hingabe, die zeitlose Ewigkeit und steht daher auch für die Tradition.

Wer blau als unsympathische Farbe ablehnt, bei dem sind oft Ruhebedürfnis und Sehnsucht nach vertrauensvoller Bindung unbefriedigt. Die bestehenden menschlichen oder beruflichen Bindungen werden abgelehnt, weil sie dem erwarteten Ideal nicht entsprechen und als langweilig oder lähmend empfunden werden. Die vorhandenen Bindungen belasten und deprimieren, sie werden als belastende Abhängigkeit erlebt.

Blau ablehnen bedeutet, dass man vor der entspannten Ruhe flieht, weil man glaubt, sich jetzt keine Ruhe leisten zu können um nicht auf (vielleicht scheinbar) Wichtiges verzichten zu müssen. Diese Menschen fürchten die entspannte Ruhe, weil sie befürchten, dass die entspannte Ruhe jene Erschlaffung auslösen würde, vor der sie unbewusst Angst haben; ja, die sie als Depression fürchten. Wer auch immer blau in einem psychologischen Farbtest ablehnt, entbehrt der befriedigenden Zugehörigkeit, die er doch so dringend benötigt. Als Gegenreaktion entstehen ruhelose und gespannte Unrast, ein unstetes Getriebensein und das Suchen nach äußeren Reizen, die von der Beziehungsleere ablenken sollen. Oft wird dann der Farbe Rot oder Gelb der Vorzug gegeben.

Eigentlich passt also keine andere Farbe so zu unserem Bund, wie die Farbe Blau, die ja auch, wie wir seit der beginnenden Weltraumfahrt wissen, die Farbe unseres Planeten Erde ist. Ein Astronaut sagte einmal von seiner Umlaufbahn aus über den Anblick unseres blauen Planeten: „Die Erde sieht so wunderschön aus – und so zerbrechlich.”

Mir scheint, auch die durch blau symbolisierte gemütvolle menschliche Bindung, die Freundschaft, ist so etwas Wunderschönes, aber auch Zerbrechliches. Wir müssen alles tun, um sie zu pflegen und zu beschützen, beides – die Erde und die Freundschaft.

Der Beitrag entstammt der Zeitschrift “HUMANITÄT — Das Deutsche Freimaurermagazin”, Ausgabe 1-2019.

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Eine Bruderschaft, die unter die Haut geht

Freimaurerische Tattoos und ihre Bedeutung

Von René Schon

„‚Ich bin ein Meisterwerk.‘ Sein massiger Körper war rasiert und glatt. Mal’akh schaute zuerst auf seine Füße, die mit den Schuppen und Klauen eines Falken tätowiert waren; dann bewegte sein Blick sich hinauf zu seinen muskulösen Beinen, die als gemeißelte Säulen gestaltet waren – das linke Bein spiralförmig, das rechte mit vertikalen Streifen. Seine Lenden und sein Magen bildeten einen verzierten Torbogen, und seine mächtige Brust war mit dem doppelköpfigen Phönix geschmückt … jeder Kopf im Profil zur Seite gewandt, sodass Mal’akhs Brustwarzen das jeweilige Auge bildeten. Schultern, Hals, Gesicht und der rasierte Kopf waren vollständig mit einem verschlungenen Muster von alten Symbolen und Zeichen bedeckt. ‚Ich bin ein Artefakt … ein sich entfaltendes Bild.‘“ (aus: Dan Brown „Lost Symbol – Das verlorene Symbol“)

Dan Brown hat sich in seinem Buch „Das verlorene Symbol“, in dem es – mit der Absicht, Spannung zu erzeugen – um geheime Riten und seltsame Bräuche der Freimaurerei geht, auch mit dem Thema Tattoos auseinandergesetzt. Im Buch wird beschrieben, wie eine der Hauptfiguren ihren Körper mit freimaurerischen Symbolen und Motiven verziert hat.

Selbstverständlich wird man bei der Aufnahme in den Bund der Freimaurer nicht etwa mit einer Tätowierung versehen, allerdings entschließen sich manche Brüder, mit einem Tattoo ihre Zugehörigkeit zum Bruderbund nach außen zu tragen. Dies bedeutet aber auch ein gleichzeitiges Verlassen der Deckung. Der Bruder „outet“ sich. Je nach Motiv kann ein Bruder so auch in der Öffentlichkeit als Freimaurer identifiziert werden. In einigen Fällen geht dies sogar so weit, dass sich mehrere Brüder einer Loge ein gemeinsames „Logen-Tattoo“ stechen lassen. Doch warum lassen sich Menschen freiwillig unter Schmerzen „bemalen“?

Die Geschichte des Tattoos

Schon vor Jahrtausenden haben Menschen verschiedene Möglichkeiten genutzt, um ihre Körper zu verzieren. Meist wurde damit die Zugehörigkeit zu einer Gruppe oder zu einem bestimmten Lebensabschnitt ausgedrückt. Die Hautbilder erfüllten eine wichtige soziale Rolle in einzelnen Kulturen und waren oft Bestandteile von Ritualen.

Lange Zeit galten die Tattoos aus dem alten Reich der ägyptischen Hochkultur als die ersten ihrer Art. Um 2000 vor Christus gelangten Tattoos schließlich nach China und später nach Griechenland. Die Verbreitung der „Körperkunst“ war nicht mehr aufzuhalten. Mit der Zeit erreichte sie schließlich auch Japan. Dort wurden Tattoos vor allem bei religiösen und zeremoniellen Ritualen verwendet. Und vor allem auf Borneo galten Frauen als große Tattoo-Künstlerinnen. Sie schufen die Designs, die den einzelnen Lebensabschnitten zugeordnet waren und die die Stammeszugehörigkeit darstellten.

Auch wenn Tattoos sehr beliebt waren, so waren sie zu dieser Zeit häufig mit Infektionen verbunden, die oftmals tödlich endeten. Steriles Arbeiten und Desinfektion spielten damals keine Rolle. Die Wunden, die dem Körper beim Tätowieren zugefügt und mit Kohlepulver eingefärbt wurden, entzündeten sich schwer und vernarbten. Das „Überstehen oder Überleben“ dieser gefährlichen Tortur gilt bis in die heutige Zeit bei einigen Kulturen als Zeichen des Erwachsenwerdens und der Gunst der Götter.

Im Jahre 1765 führte der britische Kapitän James Cook das Wort „Tattoo“ in die englische Sprache ein. In seinen Aufzeichnungen während der Reisen nach Polynesien beschrieb Cook Menschen, die ihre Körper mit Farbe bemalten und die diese Motive als „Tattoo“ bezeichneten.

Einer der ältesten archäologischen Funde eines Menschen mit Tattoos ist sicherlich die Gletschermumie Ötzi. Er trägt mehr als 60 überwiegend geometrische Figuren sowie Linien und Punkte auf seinem Körper. Diese wurden, wie es auch heutzutage bei einigen Naturvölkern üblich ist, in die Haut geritzt und mit Kohlepulver eingefärbt. Umstritten ist hierbei allerdings die Bedeutung. Einige Forscher sehen es als „reine Körperbemalung“, andere erkennen darin eine Art Schmerztherapie, ähnlich der Akupunktur.

Der Sprung in die Neuzeit erfolgte durch die neuen Möglichkeiten der Elektrizität und Feinmechanik. Wurden die Motive bis dato noch mit Nadeln und Schnitten unter die Haut gebracht, revolutionierte ein Mann namens Samuel O’Reilly das Tätowieren. Er hatte am Chatham Square in New York einen Laden eröffnet, in dem bereits elektrische Tattoo-Maschinen benutzt wurden. Diese Maschine beruhten auf der elektrischen Nadel von Edison, bei der eine Nadelspitze einen Durchschlag erzeugt. Die elektrische Tattoo-Maschine bestand aus beweglichen Windungen, einer Nadelstange und einer Spule. Bis heute sind diese Teile nach wie vor noch die gebräuchlichsten Komponenten einer Tattoo-Maschine. Dieses auch als „Gun“ (also „Pistole“) bezeichnete Werkzeug ist die bis heute gängigste und effizienteste Methode, seine Haut mit einem Bild zu verzieren.

Asozial und kriminell?

Weit bis ans Ende des letzten Jahrhunderts galten tätowierte Menschen noch als „asozial“ und „kriminell“. Die Ursache ist sicherlich darin zu sehen, dass Mitglieder verschiedener Gangs und krimineller Gruppierungen ihre Zugehörigkeit durch Tattoos sichtbar machten. Etwa die bekannteste japanische Mafia-Organisation, die Yakuza, deren verschiedene Banden sich durch unterschiedliche Symbole abgrenzen.

Diese Assoziation führt heutzutage zu kuriosen Begebenheiten. Menschen, die großflächige Tätowierungen auf ihrem Körper tragen, wie ich selbst, dürfen etwa in Japan keine öffentlichen Bäder aufsuchen. Die Verbindung zu den Yakuza ist hier zu stark im Bild der Gesellschaft verankert.

Freimaurerische Tattoos

Die Geschichte der freimaurerischen Tätowierungen liegt weitgehend im Dunkeln. Es finden sich keinerlei Aufzeichnungen unserer Vorfahren dazu. Es ist also ein vergleichsweise neues Phänomen. Wir wissen jedoch von Aussagen älterer Brüder, die während des Zweiten Weltkriegs an den europäischen Fronten kämpften. Ähnlich wie bei Seeleuten fanden sich bei Soldaten durchaus freimaurerische Motive auf der Haut.

Mit der gestiegenen Akzeptanz tätowierter Haut in den vergangenen 20 bis 30 Jahren nahm auch die Anzahl an Menschen mit Tätowierungen in der Gesellschaft sprunghaft zu. Bald galten sie nicht mehr als Kennzeichen einer bestimmten eingeschworenen Gruppe – etwa von Seeleuten oder Gefängnisinsassen. Tattoos wurden ein Lifestyle-Phänomen. Menschen möchten sich mit Motiven schmücken, die für sie selbst eine tiefere Bedeutung haben. Zeichen, die dem Träger persönliche Kraft und Glauben schenken.

Vor allem bei Brüdern in den USA sind freimaurerische Motive als Tattoos sehr beliebt und haben in den vergangenen Jahren auch immer stärker Liebhaber in Deutschland gefunden. Teilweise handelt es sich um kleine, diskrete Zeichen, teilweise um großflächige Bilder, die sehr kunstvoll designt und ausgeführt sind.

Motive und Motivationen

Ich selbst besaß bereits vor meinem Eintritt in die Bruderkette einige Tattoos. Unmittelbar nach meiner Aufnahme kam das typische Winkel-und-Zirkel-Motiv auf meinem Unterarm dazu. Damals sehr traditionell von einem Tattoo-Künstler in Thailand ausgeführt, mit Bambus-Nadeln und ohne Maschine. Schon kurze Zeit später kam von einigen Brüdern meiner Mutterloge die Idee auf, ein gemeinsames Tattoo in Anlehnung an den „Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne“ zu entwerfen und es sich auch im Rahmen eines gemeinsamen Besuches in einem Tattoo Studio stechen zu lassen. Entweder man belässt es bei einem Tattoo oder man macht damit immer weiter. Dann wird es fast wie eine Sucht. Schlussendlich sind meine beiden Arme und mein oberer Rückenbereich mit Motiven unseres Bundes versehen. Ich selbst stehe dazu, auch in der Öffentlichkeit. Ich setze mich gerne für unsere Werte und Ideale ein, womit ich auch versuche, Aufklärungsarbeit zu leisten, wenn ich auf meine Motive und die Freimaurerei im Allgemeinen angesprochen werde. Weg von „Verschwörungstheorien und Mystik“ hin zu einem festen Fundament an Tatsachen über den Bruderbund.

Der Beitrag entstammt der Zeitschrift “HUMANITÄT — Das Deutsche Freimaurermagazin”, Ausgabe 6-2018.

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Ein Basketball-Riese mit Herz für die Kleinen

Foto: efks / Adobe Stock

Der ehemalige NBA-Star Shaquille O'Neil ist seit 2011 Freimaurer

Von Thomas Müller und Bastian Salier

Shaquille O‘Neal ist ein Multitalent. Er hat sich als Sportler, Musiker, TV-Moderator und Schauspieler einen Namen gemacht. Zudem führt er einen Doktortitel in Bildungswissenschaften. Und er ist bekennender Freimaurer.

Am 6. März 1972 kam Shaquille O’Neal im Bundesstaat New Jersey zur Welt. Sein Stiefvater war Sergeant der US-Army und einige Jahre im unterfränkischen Wildflecken stationiert, weshalb Shaq teilweise in Deutschland aufwuchs und in Fulda zur Schule ging. Seine Zeit in Deutschland bezeichnete er in einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ als „prägend“. Zurück in den USA avancierte O’Neal zum Starspieler der Cole Highschool in San Antonio, auch während seines Studiums wurde er innerhalb kürzester Zeit zum herausragenden Spieler der College-Liga.

Vom Sport zu Musik und Schauspiel

Mit 2,16 Metern Körpermaß und der Schuhgröße 60 nach europäischem Maß war er prädestiniert für den Basketballsport und begann 1992 eine beeindruckende Profikarriere, während der er mehrmals das Team wechselte. Trotz seiner 150 Kilogramm Körpergewicht zeichnete er sich nicht nur durch außergewöhnliche Kraft, sondern auch durch hohe Beweglichkeit aus. Als einer der besten Spieler der National Basketball Association (NBA) und damit einer der besten Spieler weltweit, gehörte er 15 Jahre lang zur Auswahl der All-Star-Games. 1996 wählte man ihn zu einem der 50 besten NBA-Spieler aller Zeiten. 2011 trat Shaquille O’Neal vom Profisport zurück. Erst im vergangenen Jahr wurde er in die Hall of Fame der Basketball-Weltorganisation FIBA aufgenommen und seine ehemalige Trikotnummer 32 wird bei den Miami Heat nicht mehr vergeben.

O’Neal ist dem Basketball in anderer Hinsicht treu geblieben. Seit 2011 zeichnet er für das TV-Format „Shaqin a Fool“ verantwortlich, das zum festen Bestandteil der Sendung „Inside the NBA“ gehört. Er ist auch in anderen Belangen ein Mann der Superlative. So arbeitete er als Rapper mit der obersten Liga dieser Musikrichtung zusammen und verkaufte sein erstes Album „Shaq Diesel“ über eine Million Mal. O’Neal hat zudem in 15 Spielfilmen mitgewirkt.

Moslem und Freimaurer

Doch der gewichtige Mann hat durchaus eine intellektuelle und spirituelle Seite. So erwarb er 2012 an der Barry University in Florida einen Doktortitel in Bildungswissenschaften. Er ist zudem gläubiger Muslim und wurde 2011 in den Bund der Freimaurer aufgenommen. Er gehört seither der Bostoner Bauhütte „Widow‘s Son Lodge No. 28“ an. Ebenfalls 2011 wurde er Prince-Hall-Mason und damit Mitglied der ältesten und größten Loge mit Brüdern vorwiegend afroamerikanischer Herkunft. O‘Neal hat verschiedentlich für Hilfswerke und philantropische Zwecke gespendet, setzt sich etwa für die Boys & Girls Clubs of America ein. Auch arbeitet er als Reserve-Polizist in Los Angeles, Miami und Phoenix. Außerdem hat er in Orlando eine Organisation gegründet, die Hausbesitzer vor der Zwangsvollstreckung schützt.

Eine hübsche Geschichte, die weltweit von den Medien aufgegriffen wurde, spielte sich im Jahre 2016 ab. Der Polizeibeamte Bobby White hatte in Gainesville/Florida am helllichten Tag einen Anruf von einem Anwohner erhalten, der sich beschwerte, dass Kinder in seiner Straße zu laut Basketball spielten. Daraufhin fuhr der Polizist an den „Tatort“, aber nicht, um das Spiel zu untersagen, sondern um selbst mitzuspielen. Auch Shaq, wie O’Neal von seinen Fans genannt wird, bekam von dem Vorfall Kenntnis, flog nach Gainesville zu dem berühmt gewordenen „Basketball-Cop“. Der nahm den Star mit zu dem Basketball-Court, ging auf die Kinder zu und sagte augenzwinkernd: „Ich habe euch doch gesagt, dass ich Verstärkung anfordern werde.“ Großer Jubel brach aus, als der ehemalige NBA-Riese aus dem Polizeiwagen stieg und sich auf eine Partie mit den Kids einließ.

Der Beitrag erschien zuerst in der schweizerischen Zeitschrift „Alpina“ Ausgabe April/2016 und wurde für die „Humanität“ ergänzt und aktualisiert.

Der Beitrag entstammt der Zeitschrift “HUMANITÄT — Das Deutsche Freimaurermagazin”, Ausgabe 6-2018.

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