Das große Jubiläum der Freimaurer

27. März 2017
(Foto: Thomas Reimer / Fotolia)

(Foto: Thomas Reimer / Fotolia)

In diesem Jahr feiern viele Logen mit zahlreichen Veranstaltungen den 300-sten Geburtstag der Freimaurerei. Anlass genug, nicht nur über die glorreiche Vergangenheit der Freimaurerei nachzudenken, sondern auch darüber, welche Zukunft sie unter stark veränderten Bedingungen haben kann.
VON UNSEREM GASTAUTOR HANS-HERMANN HÖHMANN

Wie immer wir mit dem Großen Jubiläum der Freimaurerei im kommenden Jahr umgehen, ob wir es auch als unser Jubiläum verstehen und mitfeiern, oder ob wir es eigentlich als das Große Jubiläum der englischen Freimaurerei, und da ist für uns doch eher Zurückhaltung am Platze: Allein schon durch das wachsende Interesse von Öffentlichkeit und Medien sind wir auch hierzulande auf eine herausfordernde Weise mit dem Ereignis 2017 konfrontiert.

Teilweise ist dieses Interesse mit Respekt und Anerkennung verbunden und beruht auf einer – freilich oft ratlos-uninformierten – Wertschätzung der Freimaurerei als Aktivposten der europäischen Gesellschafts- und Kulturgeschichte. Oft aber hat die Aufmerksamkeit, mit der wir im Zeichen von 2017 wohl gehäuft zu rechnen haben, einen düsteren und obskuren Hintergrund, und wir haben mit Neuinszenierungen vieler jener entstellenden und verzerrenden Mythen zu rechnen, die uns durch große Teile der Geschichte der Freimaurerei begleitet haben, und die ja auch so prächtig hineinpassen in die Phantasie- und Fabelwelt, die seit dem Einsetzen der Postmoderne reüssiert.

Gerade ist das Oktober-November Heft der Zeitschrift „Hörzu – Wissen“ erschienen, und zwar mit dem bezeichnenden Aufmacher auf der Titelseite: „Die dunkle Macht der Geheimbünde. So lenken Freimaurer, Illuminaten & Co unsere Welt“. Schlagen wir das Heft auf, so finden wir z.B. unter einem Portrait des amerikanischen Freimaurers Albert Pike folgenden Text: „Verdacht. Albert Pike gilt unter Verschwörungstheoretikern als Satanist, der die Weltherrschaft anstrebte.“ Der weitere Text geht dann nicht mehr ganz so weit an der Realität vorbei, doch Thema und Tendenz sind markiert, und Ähnliches wird folgen, ins Jubiläumsjahr hinein und sicherlich auch darüber hinaus.

Die Frage nach den Mythen, den fremden, uns immer wieder übergestülpten, aber auch den eigenen Mythen und Erzählungen wird mich gleich weiter beschäftigen. Doch zunächst ein paar Bemerkungen zu den Möglichkeiten, mit dem Jubiläum der Freimaurerei umzugehen.

Vier unterschiedliche, wenn sich auch teilweise überschneidende Modelle – „Jubiläumstypen“ gleichsam – lassen sich erkennen: Erstens der museale Ansatz, bei dem Freimaurerei dargestellt wird, wie unser Wissen und die uns zur Verfügung stehenden vorzeigbaren Objekte es zulassen. Zweitens der glorifizierende Ansatz, bei dem Freimaurerei als Inbegriff des Guten und Fortschrittlichen gepriesen wird nach dem impliziten oder gar expliziten Motto: Freimaurer waren und sind Weltmeister in Sachen Humanität. Drittens der faktengerechte Ansatz, bei dem Freimaurerei, so wie sie unserem redlich ermittelten Wissen nach war und ist, in ihren Bezügen zu gesellschaftlicher Entwicklung und Zeitgeist mit ihren Höhen und Tiefen beschrieben, analysiert und dokumentiert wird. Schließlich viertens der produktive Ansatz, bei dem auf der Basis einer redlichen Beschreibung und Analyse von Herkunft und gegenwärtigem Zustand Freimaurerei in die Zukunft weitergedacht wird und gefragt wird, welche masonischen Erzählungen für Konzept und Praxis der Freimaurerei im 21. Jahrhundert taugen.

So sehr ich auch dem Ansatz „Freimaurer-Museum“ mit Sympathie begegne, zumal er uns erfreulich häufig mit den öffentlichen Museen und damit einem wichtigen Teil der kulturellen Öffentlichkeit in Berührung bringt, und so sehr ich hoffe, dass die deutschen Freimaurer der Versuchung von Ansatz 2, dem unkritisch-flachen Hochjubeln widerstehen, so sehr liegt mir doch vor allem an einer kreativen Mischung der Ansätze 3 und 4: der sauberen Aufarbeitung masonischer Fakten und dem kreativen Weiterdenken der Freimaurerei.

Wenn dieses aber das Ziel ist, so haben wir nach den leeren Feldern unseres Wissens zu fragen, auf Wunschdenken und gefällige Erfindungen zu verzichten, ernsthaft zu forschen und zur Füllung der Leerstellen auch intensiv mit der externen Forschung zu kooperieren. Des weiteren haben wir uns mit den Unterschieden, Widersprüchen und Konflikten in der Freimaurerei zu beschäftigen, die die maurerischen Wirklichkeiten durch drei Jahrhunderte hindurch nachhaltig bestimmt haben und heute noch bestimmen. Und schließlich müssen wir den verschiedenen Bilderwelten und Mythen kritisch nachgehen, die die Entwicklung der Freimaurerei begleitet haben, und die – oft von uns mit verschuldet – in verzerrter Form auf uns zurückkommen.

Dies alles bedeutet unter anderem auch, dass wir aufhören müssen, Freimaurerei als Einheit, als etwas Einheitliches gar zu verstehen und darzustellen.

Sicherlich gibt es durch die Geschichte hindurch den beschreibbaren, organisatorisch-kulturellen Formenkreis „Freimaurerei“, – angesiedelt um Elemente wie Logengruppe, Initiation, Bausymbolik und moralische Lehren. Aber innerhalb dieses Formenkreises waren und sind viele Freimaurereien möglich, die sich unterscheiden und die sich auch oft gar nicht so geliebt haben und lieben, wie es dem Gebot der Bruderliebe entspricht. Und dies hängt wiederum nicht zuletzt mit den widersprüchlichen Mythen und Erzählungen der Freimaurerei zusammen, die den Weg des Bundes begleitet haben.

Wenn wir uns diese Mythen anschauen, so stoßen wir insbesondere auf drei Erzählstränge, die sich zwar oft vermischt haben, sich aber trotzdem voneinander unterschieden, ja im Konflikt zueinander gestanden haben. Erstens die hermetisch-esoterischen Erzählungen von uralter Weisheit und geheimnisvollen symbolischen Codes, mit denen sich die Geheimnisse der Welt entschlüsseln lassen, zweitens die gnostisch-christlichen Erzählungen von der Nachfolge Jesu, des Obermeisters der Freimaurerei, und von der durch ihn offenbar gewordenen, stufenweise erkennbaren Weisheit und drittens die humanistisch-aufklärerischen Erzählungen vom Menschen und seinen mitmenschlichen Pflichten im hier und jetzt, vom Freimaurer, der allein dem Sittengesetz verpflichtet ist.

Im Verständnis nach Innen, aber auch im Auftreten der Freimaurer gegenüber der Öffentlichkeit gehen diese – mit sehr verschiedenen Formen von Freimaurerei verbundenen – Erzählstränge oft unreflektiert und verwirrend durcheinander. Resultat sind dann nicht selten diffuse organisatorische Strukturen, Ideen und Rituale. Und dieses Durcheinander der Mythen begegnet uns wieder in den Geschichten, die andere in Form von obskuren Phantasien und Verschwörungsgeschichten, oft schön gruselig bebildert und filmisch in Szene gesetzt, über uns erzählen.

Hier liegt die Wurzel vieler unserer Probleme: Wir werden missverstanden, weil wir selber nicht so richtig wissen, was und wer wir sind, und weil wir die „Arbeit am Mythos“ – um es mit einem Begriff des Philosophen Hans Blumenberg zu sagen – so sträflich vernachlässigen, dass uns klare Aussagen gegenüber der uns umgebenden Gesellschaft und der sich für uns interessierenden Öffentlichkeit nicht gelingen. „Arbeit am Mythos“ ist also nötig, und „Arbeit am Mythos“ hieße für die deutsche Freimaurerei der Gegenwart zunächst einmal zu ordnen, zu klären, zu unterscheiden und auszuwählen. Gleichzeitig hieße „Arbeit am Mythos“, Vergangenes zu prüfen im Hinblick auf Orientierungstauglichkeit für Gegenwart und Zukunft. Dabei geht es um Wertschätzung und Kritik zugleich. Zukunft braucht Herkunft, gewiss. Wer seine Vergangenheit nicht kennt, verfehlt die Zukunft, und wer seine Wurzeln vernichtet, kann nicht wachsen.

Vergangenheit darf nicht fesseln, Wurzeln müssen sich mit Flügeln verbinden und beim Neuaufbruch muss es erlaubt sein, Veraltetes und Überholtes hinter sich zu lassen.

Das heißt: Mit der Beschwörung vergangenen Zaubers, mit dem Erzählen früherer Geschichten und mit der gebetsmühlen-artigen Benennung alter Helden kommen wir heutzutage nicht aus. Die freimaurerischen Erzählungen für die Gegenwart bedürfen einer neuen Struktur, und haben sich vor allem auf Wirksamkeit, auf Deutlichkeit, auf Wahrnehmbarkeit in der Gesellschaft und auf Praxis zu konzentrieren, und zwar jeweils in und aus der Sicht der unterschiedlichen freimaurerischen Lehrarten.

Für mich als humanitären Maurer steht die Konzentration auf Konzept und Praxis einer humanitären Freimaurerei im Zentrum, die – aufbauend auf den alten Erzählungen von Freiheit, von Selbstbestimmung, von Wert und Würde des Menschen – einen neuen Humanismus und eine selbstkritische, reflexive Aufklärung zur Grundlage hat.

Was aber heißt das konkret und im Detail? Diese Frage müssen wir ja stellen, dringlich stellen, denn die in meiner Großloge üblich gewordene Aussage „Wir stehen in der Tradition des Humanismus und der Aufklärung“ ist ja längst zu einem zwar herzerwärmenden, doch konzeptionell dürftigen Mantra geschrumpft. Der Humanismus der modernen Freimaurerei ist für mich ein Humanismus, der Aufgaben im hier und jetzt begründet, ein säkularer Humanismus, ein Denken und Fühlen, das sich an der Würde des heutigen, konkreten, einzelnen Menschen orientiert, das den Aufbau humaner Lebenswelten zum Ziel erklärt und das sich durch moralisches Handeln in humanitäre Praxis umsetzt.

Freilich wäre dieser Humanismus ohne die spirituelle Dimension des freimaurerischen Rituals einseitig, flach und sowohl emotional als auch intellektuell verkürzt. Freundschaft, Ethik und Ritual – so habe ich immer wieder zu begründen versucht – gehören untrennbar zusammen. Freimaurerei ist ein Gesamtkunstwerk, und wenn es etwas gibt, das Wesen, Charme und Alleinstellung der Freimaurerei ausmacht, so ist es dieses „Drei-in-eins“ von Gemeinschaft, ethisch-moralischer Orientierung und ritueller Spiritualität.

Unter den Prinzipien, die Humanismus und Aufklärung für die Gegenwart begründen, scheinen mir die folgenden von besonderer Bedeutung, die ich als Anstoß für Überlegung und Diskurs in fünf Thesen zusammengefasst habe: 1. Leben, Wohlergehen, Freiheit und Glück jedes einzelnen heutigen Menschen sind Ziel und Maßstab des individuellen wie des gesellschaftlichen Handelns. 2. Anerkennung der Menschenwürde anderer wie der eigenen Würde ist Grundbedingung menschlicher Kultur und Gemeinschaft. 3. Förderung der schöpferischen Kräfte des Menschen ist Grundlage dafür, dass die Arbeit an der eigenen Persönlichkeit und an der Gesellschaft voran gebracht werden kann. 4. Ausrichtung von Denken und Handeln am Maßstab der Redlichkeit, Vernunft und Wahrheitssuche ist vorrangiges Grundelement menschlicher Orientierung. 5. Schließlich: Das Prinzip Aufklärung hat auch heute noch zu gelten, verbunden freilich mit der Einsicht, dass nur eine reflektierte Vernunft und eine selbstkritische Aufklärung als tragfähige Grundlagen menschlicher Lebensführung und sozialer Gestaltungsprozesse tauglich sind.

Diese fünf Orientierungen bestimmen allerdings nur den Rahmen für freimaurerisches Denken und Handeln. Wenn wir uns nicht mit Schlagwörtern, Allgemeinplätzen und Platituden begnügen wollen, so ist es höchste Zeit dafür, diesen Rahmen im Diskurs der Brüder mit konkreten, zeitbezogenen Vorstellungen zu füllen, und hierzu mag das „Laut denken mit dem Freunde“, das Lessing empfohlen hat, auch für den Maurer von heute eine vorzügliche Methode sein.

Ihr betont säkularer Charakter bedeutet gleichzeitig, dass sich eine humanistisch orientierte Freimaurerei sowohl gegenüber den hermetisch-esoterischen als auch gegenüber den christlich-gnostischen Traditionen und Mythen der Freimaurerei skeptisch verhält. Gewiss können freimaurerische Rituale auch in der Humanistischen Freimaurerei esoterisch verstanden werden, und die Freimaurerei kann Ort esoterischer Diskurse sein. Diese dürften um so fruchtbarer ausfallen, je mehr man sich von der in alten Ritualen geronnenen, oft wenig authentischen Esoterik des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts befreit und den heute zugänglichen ursprünglichen Quellen der Esoterik zuwendet und auch Nutzen zieht aus den mittlerweile beachtlichen Resultaten der Esoterikforschung. Die Beschäftigung mit Esoterik als einer Denktradition und überlieferten religiösen Sichtweise bedeutet jedoch nicht, dass die Verheißung einer Entschlüsselung geheimer Codes und „verlorener Symbole“ im Mittelpunkt der Freimaurerei und ihrer Rituale stehen dürfte.

Denken wir in diesem Sinne kreativ nach, so können wir durchaus darauf hoffen, dass es zum Auslösen notwendiger Aktivitätsimpulse kommt: Impulse für überzeugende freimaurerischen Konzepte, Impulse für eine gute Gruppenqualität der Bruderschaft sowie Impulse für eine überzeugende humanitäre Praxis nach innen und außen.

Und ich bin davon überzeugt, dass Erfolge möglich sind, wenn wohl überlegt daran gearbeitet wird, die mannigfaltigen Substanz- und Vermittlungsprobleme zu überwinden, die uns bisher blockieren, und wenn wir gleichermaßen deutlich und sensibel genug sind, mit kreativen Gedanken in den gegenwärtigen Diskursen der Gesellschaft präsent zu sein. Denn wichtiger als ein Sich-Anhängen an die Bedeutung anderer – durch Preisverleihungen etwa oder durch Einladungen prominenter Nicht-Freimaurer als Redner zu unseren Veranstaltungen – wäre es, mit eigener Stimme in der Gesellschaft vernehmbar zu sein.

Wie kann ein bürgerlicher Bund auch in einer nachbürgerlichen Zeit seine Lebendigkeit und Wachstumskraft behalten?

Freimaurerei ist ein Produkt der bürgerlichen Gesellschaft – so weit so gut. Wie aber kann ein bürgerlicher Bund auch in einer nachbürgerlichen Zeit seine Lebendigkeit und Wachstumskraft behalten? Das ist eine der Grundfragen heutiger Freimaurerei. Denn neben manchen hausgemachten Schwierigkeiten sind es ja eben diese Strukturwandlungen der Gesellschaft, die einer dynamischen Entwicklung der Freimaurerei im Wege stehen. Ich gebe ein paar Beispiele dafür: So setzt etwa die gegenwärtige Heterogenität der Gesellschaft die alten, sehr erfolgreichen Rekrutierungsmuster der Freimaurerei – Mitgliedergewinnung in vertrauten sozialen und familiären Milieus – weitgehend außer Kraft; so vermittelt die zunehmende freiwillige oder erzwungene Mobilität der Berufs- und Arbeitswelt wenig Motivation zum Eintritt in den Lebensbund Loge, so bringt die veränderte Struktur der Geschlechterbeziehungen die Freimaurerei als Männerbund unter Begründungs- und Anpassungszwang, denn sie beeinflusst nicht nur die Bindungsbereitschaft der Männer, sondern sie stellt ja auch die traditionellen Legitimierungen des Männerbundes in Frage; so bringen die zunehmenden Optionen, soziale Beziehungen einzugehen, sich unterhalten zu lassen und Geselligkeit zu erleben, die Freimaurerei unter einen erhöhten Konkurrenzdruck; so führt – schließlich – die Kultur der Postmoderne mit ihrem Event- und Erlebnishunger auch zu neuen Formen der Anti-Freimaurerei. Das Dan-Brown-Syndrom geht um und füllt die Regale der Buchläden mit ausschweifenden Romanen und mit Sach- und Enthüllungsbüchern niedrigsten Niveaus. Diese Skala von Fragen und Bedenken sorgfältig abzuarbeiten scheint mir Voraussetzung für Erfolg bei der Umsetzung freimaurerischer Zukunftsziele.

Doch ich bin bei aller Skepsis davon überzeugt, dass es verfehlt wäre, in den unbeständig-flüchtigen Verhältnissen der heutigen Moderne nicht auch günstige Voraussetzungen für die Arbeit der Logen auszumachen. Um diese Möglichkeiten zu nutzen, müssen allzu rasche und gedankenlose Anpassungen an die Strukturen der Gegenwart vermieden und Chancen gleichsam „quer zum Zeitgeist“ ergriffen werden. Moderne heute bedeutet ja auch Individualisierung: Nicht alle Menschen sind gleich, und die Zahl derer, die sich den nivellierenden Trends und Tendenzen der Gesellschaft zumindest partiell entgegenstellen, ist groß genug, um die Mitgliederzahlen der Logen kräftig anwachsen zu lassen. Viele Beobachtungen und Analysen zeigen es doch immer wieder: Menschen suchen auch, ja gerade heutzutage Freundschaft, Einbindung und Orientierung; Menschen suchen einen Raum, um sich zu öffnen, Probleme auszutauschen, Hilfe zu finden; Menschen interessieren sich für Werte, Aufklärung und intelligenten Diskurs; Menschen wollen ihre persönlichen Verantwortungen überdenken; Menschen sind aufgeschlossen für symbolische und rituelle Erfahrungen; Menschen wollen teilhaben an besonderen, gruppengeschützten und gruppengestützten Erfahrungsmöglichkeiten für gesellige Kultur und Lebenskunst.

Insgesamt: Es gibt sie doch, die Sehnsucht nach Nachdenklichkeit, nach Kontemplation, nach Langsamkeit, nach einem anderen, weniger hektischen Begriff von Zeit, kurz nach Strukturelementen der Freimaurerei.

Auf dieser Basis und im Hinblick auf diese Zielgruppe kann und muss die Freimaurerei ihre konzeptionellen Grundlagen überdenken, auf dieser Basis kann sie die Stimmigkeit ihrer inneren Strukturen überprüfen, ihre Spannungen und Eitelkeiten überwinden und von hierher kann sie auch ihr Verhältnis zu Politik und Gesellschaft auf eine überzeugende Weise klären.

Angesichts der Tatsache, dass die von der Freimaurerei und um die Freimaurerei herum entwickelten Werte – Menschlichkeit, Brüderlichkeit, Toleranz – längst politisch-gesellschaftliches Allgemeingut geworden sind, besteht der besondere Wert des Bundes nicht mehr im Propagieren lieb gewonnener Parolen. Er besteht in der Methode einer fortgesetzten Arbeit an den faktischen und an den konzeptionellen Details, sowie in einer beständigen Einübung in eine wertverpflichtete Praxis. Die Loge ist keine politische Aktionsgruppe, aber sie kann – wie es im Ritual meiner Loge heißt – zu einer „sicheren Stätte“ werden „für Menschen, die Wahrheit suchen“, für Menschen, die in einem konzentrierten, wertorientierten und sensiblen Diskurs Klarheit über sich selbst und über die handlungsrelevanten Fakten und Optionen in der Welt von heute und morgen suchen.

Bei alldem und insgesamt müssen die jeweiligen Strukturen und Prinzipien der deutschen Großlogen klarer herausgearbeitet werden. Im Falle meiner eigenen Großloge, der Großloge AFuAM etwa muss deutlicher werden, was Humanismus und Aufklärung heute für sie bedeuten, als den bestimmenden Eigenschaften der deutschen Großloge, die sowohl fest in der Tradition der humanitären deutschen Freimaurerei steht als auch in der von den „Alten Pflichten bestimmten Tradition der Weltfreimaurerei.

Die Forschungsloge „Quatuor Coronati“ gehört unmittelbar zur VGLvD, und deshalb können wir – im quasi eigenen Haus – einmal ganz entspannt feststellen: Ob wir es wollen oder nicht: die „Vereinigten Großlogen von Deutschland“ sind ein Dachverband mit begrenzten Wirkungsmöglichkeiten. Die VGLvD dürfen folglich weder aus der Bruderschaft heraus überfordert werden, noch dürfen sie sich selbst an Aufgaben überheben, für die sie nicht geschaffen sind und die sie auch nicht lösen können. Die Vereinigten Großlogen von Deutschland sollten aus der Not, sich nicht einmischen zu dürfen in Organisation, Selbstverständnis und Rituale der Vertragspartner, eine Tugend machen und sich vor allem als Raum begreifen, der Freiheit gibt. In diesem Raum der Freiheit müssen die Maurer der einzelnen Partner-Großlogen selber sagen, wer sie sind und wie sie sein wollen. Dabei können – wie gesagt – die Wege auseinander gehen. Doch klares Profil ist gefragt, masonischer Schmusekurs hilft nicht weiter und ein Jubiläum des Jubels reicht nicht aus. Ein Jubiläum innerer und äußerer Profilierung ist erforderlich.

Insgesamt – davon bin ich vollkommen überzeugt – hat die deutsche Bruderschaft viele Möglichkeiten, den alten Zauber des „Gesamtkunstwerks Freimaurerei“ trotz des kräftigen Zeitgeist-Gegenwinds auch zukünftig nach innen und außen wirken zu lassen. Dass die deutsche Freimaurerei entgegen vielen historischen Hoffnungen keine Einheit ist, dass in ihr unterschiedliche, ja gegensätzliche Meinungen vertreten werden, ist kein Nachteil. Nachteilig wäre, wenn so getan würde, als gäbe es diese Unterschiede nicht und wenn sich die deutsche Freimaurerei im Jubiläumsjahr als eine „Freimaurerei des als ob“ präsentierte. Ihre Vielfalt sollte sichtbar werden, und auf die Freiräume sollte sie stolz sein können, die für die Weiterentwicklung dieser Vielfalt zur Verfügung stehen.

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Großlogentreffen 2017 in Dresden

23. Januar 2017
dresden

Das diesjährige Großlogentreffen der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland findet vom 24. bis 26. Mai in Dresden statt. Neben einem angenehmen Programm in einer interessanten Stadt beschäftigen sich die Freimaurer mit der Frage „Was hat die Freimaurerei uns heute zu sagen?“

Jedes Jahr treffen sich die Freimaurer der Großloge A.F.u.A.M.v.D. mit jeweils wechselndem Schwerpunkt an wechselnden Orten. In einem Jahr ist es der Großlogentag, der satzungsmäßigen Mitgliederversammlung mit Wahlen und verbindlichen Abstimmungen, im Folgejahr das Großlogentreffen, das mehr dem kommunikativen Charakter dient. Das diesjährige Großlogentreffen findet in der schönen Stadt Dresden statt, die den Besuchern am Randes des freimaurerischen Treffens viele Sehenswürdigkeiten und ein besonderes Flair bietet. Die Ausrichtung des Treffens übernimmt traditionell eine örtliche Loge, in Dresden ist es die 1863 gegründete, im Dritten Reich und der DDR verbotene und im Jahre 2014 wiederbegründete Loge „Zu den Ehernen Säulen“.

Verleihung des Kulturpreises an den Schriftsteller Uwe Tellkamp

Die Freimaurer leitet ihr Treffen mit einer rituellen Zusammenkunft, einer sogenannten „Arbeit“ ein, mit der sie sich auf zwei Tage voller brüderlich-freundschaftlicher Gespräche einstimmen. Im Anschluss folgt der für die Öffentlichkeit wohl wichtigste Punkt, die Verleihung des Kulturpreises an den Schriftsteller Uwe Tellkamp. Im Großen Saal des „Dresdner Stadtmuseums“ wird dem bekannten Schriftsteller („Der Turm“, „Der Eisvogel“ u.v.a.) der „Kulturpreis der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland“ verliehen. Für Tellkamp ist dies sozusagen ein Heimspiel, wurde er doch in Dresden geboren und lebt seit 2009 wieder in der Stadt. Die Laudatio hält Jürgen Kaube, einer der Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Der Kulturpreis Deutscher Freimaurer wird von der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer seit 1966 in unregelmäßigen Abständen vergeben. Der Preis dient der Anerkennung künstlerischen Schaffens, das den ethischen freimaurerischen Lebensvorstellungen entspricht, für ein Werk, das die freimaurerischen Ideen der Toleranz, der Freiheit und der Brüderlichkeit fördert, wobei kein Unterschied zwischen Freimaurern und Nicht-Freimaurern gemacht wird. Bisherige Preisträger waren Max Tau, Erich Kästner, Siegfried Lenz, Golo Mann, Peter Huchel, Winfried Dotzauer, Otto Friedrich Bollnow, Johannes Mario Simmel, Yehudi Menuhin, Lew Kopulew, Otmar Alt, Rainer Kunze, Arno Surminski, Fritz Pleitgen, Prof. Dr. Hans Küng, Gidon Kremer und Prof. Kurt Masur.

Am folgenden Tag beschäftigen die Freimaurer sich in einer internen Zusammenkunft mit Fragen der Gegenwart und Zukunft ihres Bundes unter dem Thema „Was hat die Freimaurerei uns heute zu sagen?“. Damit wird ein vor mehreren Jahren eingeleiteter Prozess fortgesetzt, die humanistische Freimaurerei in Deutschland in ihrem Bezug zu gesellschaftlichen Fragen der Gegenwart zu untersuchen und Antworten auf aktuelle Fragestellungen zu finden.

Währenddessen genießen die Damen und Gäste ein angenehmes Programm in der Stadt Dresden, beispielsweise Zwinger und Semperoper, Schloss und Fürstenzug, Neumarkt und Frauenkirche, Brühlsche Terrasse und Neue Synagoge — das klassische Dresden-Programm mit den typischen Sehenswürdigkeiten. Viele werden die Gelegenheit nutzen, und auch einige andere der vielen Dresdner Sehenswürdigkeiten zu erschließen. Als gemeinsame Abendveranstaltung ist eine reizvolle mehrstündige Elbfahrt auf einem Salonschiff geplant.

Dresdens lange Tradition der Freimaurerei

Die älteste Dresdner Loge „Zu den drei Schwertern und Asträa zur grünenden Raute“ wurde bereits 1738 gegründet und ist damit eine der ältesten Logen Deutschlands. Im Jahre 1776 folgte die Loge „Zum Goldenen Apfel“ und 1863 die Loge „Zu den ehernen Säulen“ — die drei genannten Logen sind Mitglieder der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland. In Dresden gibt es zudem die Loge „Zum Goldenen Kreuz„, gegründet 1894 und eine Mitgliedsloge der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland. Auch in Dresden hatte die Freimaurerei im Laufe ihrer geschichte populäre Mitglieder, beispielsweise Johann Gottlieb Naumann, Christian Gottfried Körner, Karl Christian Friedrich Krause, Gottfried Semper, Johann Andreas Schubert, Friedrich Wilhelm Pfotenhauer, Max Arnhold, Hans Erlwein, Richard Seifert.  Auf gemeinsame oder einzelne Initiative der Dresdner Logen gingen wichtige Einrichtungen wie das Freimaurerinstitut, eine Wohlfahrtseinrichtung, zurück, ebenso die „Lehr- und Erziehungsanstalt für Töchter gebildeter Stände sowie die Schillerstiftung. Von dem Verbot durch die Nationalsozialisten hat sich, wie in ganz Deutschland, auch die Dresdner Freimaurerei noch nicht wieder erholt. Mit etwas mehr als einhundert Mitgliedern sind die heute aktiven Logen gleichwohl auf einem guten Weg.

Das Großlogentreffen in Dresden findet vom 24. bis 26. Mai statt. Die genauen Termine entnehmen Sie bitte dem Veranstaltungskalender.

Die Teilnahme am Großlogentreffen steht jedem Bruder Freimaurer offen. Ein rechtzeitige Anmeldung ist notwendig; die Anmeldeunterlagen mit den genauen Terminen, Kosten und Orten liegen jeder Mitgliedsloge der Großloge A.F.u.A.M.v.D. vor. Bei Rückfragen ist die Kanzlei unter der Mailadresse kanzlei@freimaurerei.de oder der Telefonnummer 030-86422034 gern behilflich.

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Frankfurter spendet fast 12.000 Euro für Kinderhospiz

2. Januar 2017
Angela Möschter, Katrin Winter und Rolf Keil

Angela Möschter, Katrin Winter und Rolf Keil

Es ist bereits das dritte Mal, dass Autor Rolf Keil den Erlös aus seinem Buchverkauf dem Frankfurter Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst (AKHD) spendet. Rolf Keil hat es sich zur Aufgabe gemacht, Schriften des Frankfurter Kinderarztes Emil Selter (1901-1976), Gründer der Frankfurter Lessing Loge, im Eigenverlag zu publizieren.

Selter hatte sich um die Wiedergründung der Freimaurerei in Deutschland sehr bemüht und viel Einsatz für die Loge Lessing, die 1945 von ihm gegründet wurde, gezeigt. Seine zahlreichen Aufzeichnungen, Artikel und Vorträge werden nun von Rolf Keil aufgearbeitet. 2015 erschien „Emil Selter. Von der Freiheit eines Freien Maurers“, das den Brüdern der Logen in Deutschland zum Verkauf angeboten wird. In diesem Jahr konnte Rolf Keil Angela Möschter, Öffentlichkeitsarbeit, und Katrin Winter, Koordinatorin vom AKHD in Frankfurt, stolze 4300 € überreichen. Über diese großherzige Spende freuten sich die Mitarbeiterinnen des AKHD sehr. Insgesamt hat Rolf Keil, Altstuhlmeister der Loge, in den vergangenen Jahren 11880 € gespendet. „Ich bin seit dem 1. Dezember Teil des Teams und freue mich, so engagierte Menschen wie Rolf Keil kennenzulernen“, betont Angela Möschter. „Die Verwendung des Erlöses hätte Emil Selter bestimmt gut geheißen“, erläutert Rolf Keil, „denn Emil Selter verlor auf tragische Weise seinen nur 8jährigen einzigen Sohn“.

Ziel des ambulanten Kinderhospizdienstes ist es, die Lebensqualität der betroffenen Kinder und ihrer Familien zu verbessern. Die qualifizierten ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen begleiten die gesamte Familie ab der Diagnose, im Sterben und über den Tod hinaus. Sie orientieren sich dabei an den Bedürfnissen der Familien, für die das Angebot kostenfrei ist. Die Kernaufgabe liegt in der alltagspraktischen Unterstützung und Entlastung, der Förderung der Selbsthilfe sowie der Schaffung von Gesprächsangeboten.

Im Frankfurter Dienst, der 2006 eröffnet wurde, werden 28 Familien begleitet. Es sind 45 ehrenamtliche Hospizbegleiter/innen in der Begleitung, der Öffentlichkeitsarbeit und im Büro im Einsatz. Die betroffenen Familien wohnen in Frankfurt, im Rhein-Main-Gebiet.

Der Dienst finanziert sich überwiegend durch Spenden. Der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst Frankfurt/Rhein-Main ist einer von über 20 Diensten des Deutschen Kinderhospizvereins e.V. mit Sitz in Olpe (NRW).

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Grüße und Wünsche des Großmeisters

18. Dezember 2016
Großmeister Prof. Dr. Stephan Roth-Kleyer

Die Adventszeit ist bereits an uns vorbeigeeilt und es sind nur noch wenige Tage bis zum Jahreswechsel. Und immer ist die Vorweihnachtszeit durch eine Fülle abzuschließender Aufgaben gekennzeichnet, welche die Sicht auf das neue Jahr einschränken können. Dennoch möchte ich die Gelegenheit nicht verstreichen lassen, einen entspannten Ausklang des Alten und eine gehörige Portion Vorfreude auf das Neue Jahr zu wünschen. Es ist auch die Zeit, in der man innehält, um das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen und dem kommenden Jahr vielleicht nachdenklich, vor allem aber hoffnungsfroh entgegen zu sehen.

Für das nächste Jahr haben sich die Großloge wie auch ihre 275 Tochterlogen einiges vorgenommen. Im Jahr 2017 feiert die organisierte Freimaurerei weltweit ihr 300jähriges Bestehen. Das wird auch für die deutsche Freimaurerei ein richtungsweisendes Jahr mit vielen informativen Veranstaltungen. In diesem Zusammenhang werden die Logen der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland 2017 mit verschiedenen regional organisierten Veranstaltungen in die Öffentlichkeit gehen.

Anlässe wie diese sind geeignet und wichtig, um die Gesellschaft an unserem Logenleben teilhaben zu lassen, um mehr Transparenz zu schaffen. Sie sind auch ein wichtiger äußerer Ausdruck unserer freimaurerischen Zielsetzung. Um dieses unser Tun auch nach außen hin zu dokumentieren und zu kommunizieren, sind schon jetzt für 2017 zahlreiche öffentliche Veranstaltungen unterschiedlicher Ausprägung geplant. Diese Veranstaltungen sind essentiell, um besser in der Gesellschaft verstanden zu werden.

Wir werden künftig intensiv daran weiter arbeiten, uns von den schlechten Märchen und schlimmen Mythen, die uns noch immer nachhängen, aktiv zu lösen. Das wird uns erstens helfen, unsere Bedeutung offensichtlicher zu machen und zweitens unsere Attraktivität für neue Mitglieder zu stärken. Wir werden über unsere in der Aufklärung und dem Humanismus verankerten Traditionen verstärkt informieren. Und wir werden uns den Fragestellungen, die wir an uns selbst haben und an die, die die Gesellschaft an unsere humanitäre Freimaurerei hat, stellen müssen. Unser Blick soll zunehmend in die Zukunft gerichtet sein. Ich würde mich freuen, wenn wir uns bei diesen Veranstaltungen des Öfteren begegnen.

Abschließend möchten die beiden Unterzeichner Ihnen/Euch für Ihr/Euer hohes Engagement und Eure hervorragende Arbeit bedanken. Allen Lesern unserer Internetseite und des Newsletters danken wir für das Interesse an unserer Bruderschaft. Ihnen/Euch allen, Euren Familien und Freunden wünschen wir ein frohes Weihnachtsfest und verbinden dies mit den besten Wünschen für ein gesundes, friedvolles und erfolgreiches Jahr 2017.

Stephan Roth-Kleyer
Großmeister der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland

Carlos Urban
Internetbeauftragter der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland

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300 Jahre Freimaurerei: Das Jubiläum im Internet

19. Oktober 2015
Die Startseite des Jubiläumsauftrittes

Die Startseite des Jubiläumsauftrittes „Freimaurerei 2017“

Das dreihundertste Jubiläum der modernen Freimaurerei am 24. Juni 2017 wirft medial seine Schatten voraus. Die hannoverschen Freimaurerlogen haben zum runden Geburtstag eine Webseite ins Netz gestellt, auf der sie Informationen zur Geschichte und heutigen Situation der Freimaurerei in Deutschland und Hannover sammeln. Dazu kommen die Portraits aller hannoverschen Männer- und Frauenlogen.

Auf der Seite findet man eine Zusammenfassung der Geschichte der Freimaurerei bis 1717, den Vorläufern der heutigen Freimaurerei, und selbstverständlich ab dem offiziellen Gründungsdatum der „modernen Freimaurerei“ bis heute, es gibt eine Übersicht der Logen in Hannoer und der in der niedersächsischen Landeshauptstadt geplanten Ausstellungen und Veranstaltungen.

Die Bauhütten aus der niedersächsischen Landeshauptstadt arbeiten seit Anfang 2014 zusammen, um Veranstaltungen, Konzerte und andere Projekte gemeinsam zu organisieren. Ein gutes Beispiel ist das Buch „Auf den Spuren der Freimaurer – Ein Spaziergang durch Hannovers Straßen“, in dem sämtliche Biografien der Freimaurer gesammelt sind, die in Hannover durch die Vergabe eines Straßennamens geehrt wurden. Entsprechend finden sich unter „Buchprojekt“ auf der Internetseite Leseproben zu dem Kompendium. Wen die freimaurerische Geschichte interessiert, wird kann sich durch eine umfangreiche Chronologie schmökern. Diverse Servicemenüs mit Veranstaltungskalender runden das Angebot des Internetportals ab.

Wie die Initiatoren melden, soll die Seite soll auch über das Jubiläumsjahr 2017 Bestand haben und weiter gepflegt werden; sie ist über www.freimaurerei-2017.de zu erreichen.

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Konzert „Verborgenes Netz“ mit stehenden Ovationen

19. Oktober 2015
Katja Zakotnik am Cello, Naila Alvarenga am Klavier, im Vordergrund der Schauspieler Dirk Bode als Francesco Geminiani. (Foto: Matthias Kuhaupt)

Katja Zakotnik am Cello, Naila Alvarenga am Klavier, im Vordergrund der Schauspieler Dirk Bode als Francesco Geminiani. (Foto: Matthias Kuhaupt)

Die Cellistin Katja Zakotnik und die Pianistin Naila Alvarenga brachten zum wiederholten Mal das moderierte Konzert „Ein verborgenes Netz“, in dem die Musikerinnen auf den Einfluss der Freimaurerei auf Musik und Komponisten wie Geminiani, Mozart, Beethoven, Sibelius und weitere eingingen. Wie auch andernorts konnten die beiden Künstlerinnen das als abwartend bekannte norddeutsche Publikum schon nach kurzer Zeit zu Beifallsstürmen hinreißen, zum Schluss sogar zu „Standing Ovations“, von denen Künstler und Veranstalter gerne träumen.

Der Hamburger Distriktmeister der Großloge A.F.u.A.M.v.D. wies in seinem Grußwort darauf hin, dass den Freimaurern Kunst und Kultur wichtig ist. „Von Anfang an gehört Musik zu den freimaurerischen ‚Tempelarbeiten‘. Bereits in den ersten Logen wurde gemeinsam gesungen, und wir selbst erfreuen und noch heute bei unseren Zusammenkünften daran“, so Thomas Stuwe. „Im globalen Zusammenhang“, so der Distriktmeister weiter, „steht freimaurerische Geisteshaltung für Menschenwürde, Toleranz, Brüderlichkeit, soziale Gerechtigkeit und Verständigung über alle Grenzen hinweg. Maurerische Musik ist aus derartigem Denken und Fühlen entstanden und erzählt mit entsprechenden Themen und Texten davon.“

Zunächst gab es ein Stück vom ersten bekannten freimaurerischen Komponisten Francesko Geminiani, der zum Zeitpunkt der Großlogengründung 1717 in England war. Danach folgten die von Beethoven — der kein Freimaurer war, aber musikalisch beeinflusst wurde — komponierten Zauberflöten-Themen, Sibelius und Hummel. Die erste Zugabe war Mozarts „In diesen Heil’gen Hallen“, die von vielen Anwesenden mitgesummt wurde. Das ist wenig verwunderlich, spielt diese Musik aus der „Freimaurer-Oper“, der „Zauberflöte“, in den Aufnahmeritualen eine besondere Rolle. Als unvorhergesehene zweite Zugabe musste das freimaurerische Terrain musikalisch verlassen werden: es gab den „Elfentanz“ von David Popper, schwierig zu spielen und sehr schnell, was das begeisterte Publikum zu Beifallsstürmen hinriss.

Die Künstlerinnen betonen, dass sie dieses Programm mit großer Freude spielen und gerne an anderen Logenorten damit auftreten.

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Wahrheit und Wahrhaftigkeit

19. Oktober 2015
Leiter

Kommentare geben nicht zwingend die Ansichten der Redaktion, der Großloge oder gar der Bruderschaft wieder. Sie spiegeln Meinungsbilder einzelner Brüder, zeigen den Facettenreichtum unseres Bundes und sollen zur Diskussion anregen, weshalb diese Beiträge auch kommentiert werden können.

Was ist Wahrheit? — Es ist verführerisch, sich auf die kleinste Formel zu verständigen: Wahrheit ist das, was ist.

Aber was ist „das“? Etwa jenes, das mit der Wirklichkeit übereinstimmt? Was ist Wirklichkeit? – Eine Frage der Wahrnehmung, und die kommt aus durchaus unterschiedlicher Sichtweisen. Wahrheit und Wahrnehmung sind also gewissermaßen polare Schwestern. Kann man das Wahre wahrnehmen, „beurteilen“?

Der Wortzusammenhang „Urteil“ wird gern den Juristen zugeordnet. Die sprechen, wenn sie Wahrheit beurteilen oder Unwahheit verurteilen, gern von „Sachverhalt“. „Recht ist Wahrheit, und Wahrheit ist Recht“. Das stimmt freilich nicht immer. „Fehlurteile“ sind, wie wir wissen, nicht auszuschließen. Andere nehmen Wahrheit in Anspruch, wenn es um Richtigkeit, Echtheit, Authentizität geht. Aristoteles hat Aspekte der Logik hineingebracht. „Alle Menschen sind sterblich.“ Das ist logisch und scheint deswegen wahr zu sein. Doch mit „Sterblichkeit“ kommen die nächsten Fragen. Und dann ist man schon fast bei der ganz großen Dimension. Bei „Wahrheit“ im Kontext zum Sinn des Lebens und bei der „göttlichen Wahrheit“. Und so ist die philosophische Strecke zur Wahrheit unendlich. Angekommen ist niemand. „Die Wahrheit ist nicht das Ende des Weges, sie ist der Weg selbst“ (André Comte-Sponville). Auf diesem Weg treffen wir uns als sinnsuchende Freimaurer. Unterwegs zur Wahrhaftigkeit. Zum Wahren, was haften bleibt.

Nochmal gefragt: Was ist Wahrheit?

Ein simples Beispiel für etwas, was wir alle für „wahr“ halten. Die Erde ist (ziemlich) rund, dreht sich um ihre eigene Achse und bewegt sich auf einer elliptischen Bahn um die Sonne. Das dauert 365 Tage. So etwas „weiß“ man, obwohl das niemand von uns wirklich „wissen“ kann, und erkennen schon gar nicht. Warum halten wir solche Wahrheiten für „wahr“? Früher gab es auch Menschen, die es für „wahr“ hielten, dass die Erde eine Scheibe ist.Auch wir Heutigen sind nicht frei von der landläufigen Behauptung, die schon die Altvorderen so angesprochen haben, wie sie es sahen. Nämlich: dass die Sonne im Osten „aufgeht“ und im Westen „untergeht“. In Wahrheit tut sie beides nicht. Die Sonne ist ein Fixstern.

Man sieht, wie eng auch hier „Wahrheit“ mit „Wahrnehmung“ zu tun hat. Und wie sehr Symbolik hineinspielt. Natürlich ist der „Sonnenlauf“ kein wirklicher „Lauf“. Wir Freimaurer interpretieren jedoch unsere ganze Licht-Symbolik hinein. Und unsere Sinnsuche konkurriert sogar gegen naturwissenschaftlich fixierte „Wahrheiten“, weil wir versuchen „hinter“ Dinge zu sehen, die vielleicht nur vordergründig „sind wie sie sind“. Als Symbolbund und Wertegemeinschaft sind wir „offen“ für solche Deutungsversuche zur „Wahrheit“. Alle Ideologien und alle Religionen kommen hingegen mit fixierten, wenn nicht sogar dogmatisierten „Wahrheiten“ daher und erwarten gläubige Gefolgschaft. Was „wahr“ ist, steht in Gesetzestexten, Heiligen Büchern, Statuten und Regelwerken. Es gibt nur wenige Gruppierungen, die sich derart „frei“ davon machen können, wie wir Freimaurer. Unser Grundverständnis ist aufs Selberdenken angelegt. Das ist jedoch kein „Muss“ und die Grenzen sind liberal offen. Jeder kann, wenn er mag, natürlich auch denen trauen, die man für kompetent hält, im Besitze von Wahrheiten zu sein. Das war früher meist die Kirche. Heute halten wir es gern mit der Wissenschaft. Sind wir „wissenschaftsgläubig“?

Nun, derartige „Gläubigkeit“ kann sich je nach Wissensstand ändern. Was wir gestern für „wahr“ hielten, für wissenschaftlich bewiesen, das kann heute überholt sein. Wir lernen daraus: „Wahrheit“ ist nie endgültig. So gibt es z.B. sehr deutliche wissenschaftliche Glaubwürdigkeits-Schritte von Ptolemäus zu Kopernikus, von Kopernikus zu Newton, von Newton zu Einstein und von Einstein zu Hawking. Einstein sagt, alles ist relativ. Auch die Wahrheit. Ich zitiere den Franzosen Jules Lequier:

„Wenn wir felsenfest glauben, die Wahrheit zu besitzen, müssen wir wissen, dass wir glauben. Und nicht glauben, dass wir wissen.“

Nicht ketzerisch, nur symbolspielerisch mit einem Bibelzitat angemerkt: Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde. Buchstabengetreu muss das eigentlich „wahr“ sein. Wie ist es denn aber nun, wenn man mit Darwin und dessen Abstammungslehre fragt, wie viel Tier im Menschen steckt, und wie viel davon der Evolution geschuldet ist? Man sieht an diesem Beispiel nicht nur, dass „Wahrheit“ tatsächlich relativ ist, man kann auch gut daran festmachen, dass wir zur Deutbarkeit von Allegorien, Metaphern und Symbolen durchstoßen könnten, mit denen beispielsweise die Bibel manche Geschichten chiffriert. Vieles davon ist „übersetzbar“. Auch Naturwissenschaft, ja, sogar Mathematik.

Die hat sogar Wahrheiten, die sind, wie sie sind. Freilich nichts anderes als mathematische „Richtigkeiten“. Drei mal drei ist neun.

Was nicht stimmt, das kann übrigens auch stimmig gemacht werden. Ich zitiere mal einen Heiligen. Ignatius von Loyola, der im 16. Jahrhundert gesagt hat: „Wenn etwas in unseren Augen weiß erscheint, aber die Autorität der Kirche es als schwarz definiert, so müssen wir ohne jeden Zweifel bejahen, dass es schwarz und sicher schwarz ist.“ Es gab auch mal eine Zeit, ist noch gar nicht lange her, da hieß es „die Partei hat immer Recht.“ Man sieht: Das ist eine schwierige Sache mit der objektiven „Wahrheit“.

Manches, was als „wahr“ bezeichnet wird, gehört schlicht in den Bereich des Glaubens oder des Gehorchens. Oder eines Dogmas, welches mündigen Widerspruch erdrückt. Im Zeitalter der Aufklärung, deren geistesgeschichtliches Kind die Freimaurerei ist, gehörte es zu den Leitgedanken, durch die Vernunft eine Wahrheit zu suchen, die dann auch die Tugenden des Handelns beeinflusst, wie etwa Gerechtigkeit und Brüderlichkeit.

Wenn ich sage, Wahrheit ist das, was ist, dann habe ich versucht, einschränkend zu sagen: Wir haben immer nur eine subjektive Sicht der Dinge. Wir wissen nicht, wie die Dinge an sich sind. Wir wissen nur, wie sie für uns sind, wie wir sie verstehen. Oder, wie andere sie für uns so glaubhaft interpretieren, dass wir sie uns zu eigen machen. Weil das so eine unsichere Sache mit der „Wahrheit“ ist, gefällt mir Lessing gut mit seinem Plädoyer für den Zweifel. Zweifler bleiben Suchende. Besitz macht träge . Das trifft oft auch auf den zu, der sich im Besitz der Wahrheit wähnt.

Lessing: „“Wenn Gott in seiner Rechten alle Wahrheit und in seiner Linken den einzigen, immer regen Trieb nach Wahrheit, obschon mit dem Zusatze, mich immer und ewig zu irren, verschlossen hielte und spräche zu mir „Wähle!“ – Ich fiele ihm mit Demut in seine Linke und sagte: „Vater gib! Die reine Wahrheit ist ja doch nur für Dich allein!“ Und dann sagt Lessing: „Nicht die Wahrheit, in deren Besitz irgendein Mensch ist oder zu sein vermeint, sondern die aufrichtige Mühe, hinter die Wahrheit zu kommen, macht den Wert des Menschen.“

Damit sind wir bei der Wahrhaftigkeit, die das Streben nach Wahrheit meint und das Verhältnis des Menschen zur Wahrheit anspricht, wie er sie für sich selbst glaubt, erkannt zu haben. Ich habe gesagt, wir haben immer eine subjektive Sicht der Dinge. Die Dinge sind für uns, wie wir sie verstehen. Freimaurerei fördert die subjektive Sichtweise. Sie öffnet alle Freiheiten. Es gibt keine blinden Gefolgschaften, keinen geschuldeten Gehorsam. Persönlichkeitsbildung braucht diese Freiheiten zum Selber-Denken. So ist Wahrhaftigkeit das subjektive „Für-Wahr-Halten“. Das ist auch die Beziehung des Menschen zu sich selbst. Man könnte auch sagen, das ist eine Charakterhaltung.

In seinen „Gesprächen für Freimaurer“ sagt Lessing, es gehe um die Ehrlichkeit und Einsichtigkeit„… nicht zu glauben, dass alles gut und wahr ist, was man für gut und wahr hält.“ Sich also gewissermaßen selbst überprüfen und offen und tolerant bleiben gegenüber anderen Wahrheiten, die ebenso richtig oder falsch sein können wie das, was ich selbst für mich erkannt habe. Das ist schönster freimaurerischer Sinn. Weil der Wahrheitsbegriff nicht zweifelsfrei definiert werden kann ( sagt August Wolfstieg) und weil man auch andere Sichtweisen von „Wahrheit“ respektieren muss, sucht der Freimaurer Wahrheit, und zwar ohne davon auszugehen, dass er sie jemals findet. Ich habe vom Weg gesprochen, auf dem wir uns sinnsuchend begegnen. Wir sind und bleiben Wahrheitssucher.

Jeder für sich hat eine Begrifflichkeit davon, die ihn „ausmacht“, die seinem Charakter Kontur gibt. Die aber auch tolerant begreift, dass andere das anders sehen. Das muss uns umtreiben.Wenn wir uns das ehrlich eingestehen und danach handeln, dann sind wir „wahrhaftig“. Albert Schweitzer sagt, das habe mit Treue vor sich selbst zu tun. Zitat: „Tatsächlich aber ist es die Ehrfurcht, die wir unserem eigenen Dasein entgegenzubringen haben, die uns anhält, uns immer selbst treu zu bleiben.“ Synonymbegriffe für „wahraftig“ sind aufrichtig, geradlinig, glaubwürdig, verlässlich. Charakteristik eines Freimaurers. So sollte er sein. Daran sollte er arbeiten, danach muss er streben.

Der Philosoph Arthur Schopenhauer zählt Charaktereigenschaften auf, die ein ganzes Leben unvermindert durchgehalten werden können und auch im hohen Alter ohne Abstriche funktionieren, wenn wir sie uns einmal erarbeitet haben: „Güte des Herzens, Sanftmut, Geduld, Redlichkeit, Uneigennützigkeit, Menschenfreundlichkeit …“ und: „Wahrhaftigkeit“.

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