Erwiderung von Uwe Tellkamp zum Kulturpreis

Uwe Tellkamp bei seiner Erwiderung zur Verleihung des Kulturpreises Deutscher Freimaurer

Uwe Tellkamp bei seiner Erwiderung zur Verleihung des Kulturpreises Deutscher Freimaurer

Ein Plädoyer für eine freie Rede ohne Vorurteile und Scheuklappen: Uwe Tellkamps Dankesrede zur Verleihung des Kulturpreises Deutscher Freimaurer durch die Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland in Dresden am 25. Mai 2017.

„Sehr geehrte Herren, sehr geehrte Damen!

Ich habe bewusst kein Manuskript vorbereitet, um etwas zu ermöglichen, was mir hoffentlich gelingen wird, nämlich eine Konfrontation mit dem rauen Stein. Ich habe überlegt, worüber ich sprechen soll und möchte etwas zu Dresden sagen, die Stadt in Schutz nehmen vor aktuellen Angriffen, die über sie im Umlauf sind.

Ich danke Herrn Kaube für seine tiefgründige Laudatio, ich bin sehr dankbar und überrascht: Endlich gelingt einmal eine Würdigung, die nicht darauf hinausläuft, ob es sich so abgespielt hat oder nicht, wie ich es in meinen Büchern beschrieben habe, ob der Mann Recht hat oder nicht, ob er uns passt oder nicht, ob die Frisur passt oder nicht, ob wir das mit unseren Überlegungen vereinbaren können. Es ist vielmehr eine Laudatio, die genuin mit literarischen Mitteln gearbeitet hat, die sich damit auseinandersetzt, was sprachlich möglich ist, was einen Autor wirklich interessiert, was darstellbar ist, was den Autor unterhalb der stofflichen Ebene interessiert. Ich möchte auch dem Pianisten, Ingo Dannhoff, für seine virtuose Begleitung danken. Und Ihnen natürlich, dass sie mir diese Ehre zuteilwerden lassen, im 300. Jahr des Bestehens der modernen Freimaurerei.

Mich interessieren Geschichten, sprich Handlungsverläufe, Seinszusammenhänge, beispielsweise die Geschichte eines Menschen, der sich vor ca. 25 Jahren engagiert hat in der Bürgerbewegung der DDR und der meinte, jetzt breche er zu neuen Ufern auf, jetzt dämmere die Sonne einer Freiheit im Kopf. Mit diesem Glauben und mit diesem Idealismus – ein Stichwort, das Ihnen vertraut ist – hat dieser Mann sein Bestes gegeben und dafür gesorgt, dass ein unfassbar überwältigendes System scheinbar zusammengebrochen ist. Die Arbeit, der Mut, die es braucht, sich als Einzelner, als Familienvater gegen diese Staatsmacht zu stellen, kann man nicht hoch genug einschätzen. Nun sehe ich diese Geschichte jedoch im Zusammenhang: Ich sehe sie bis heute, ich sehe denselben Mann, dieselbe Frau mit ihrem Engagement irgendwo in der zweiten Reihe, in der Politik versandet, die Ideale gebrochen, das Programm heißt Desillusionierung, und die Freiheit ist nicht die, von der man träumte, sondern man erwachte in Nordrhein-Westfalen, um ein vielzitiertes Wort zu wiederholen.

Es sind diese einzelnen Geschichten, beispielsweise auch die eines Richters oder eines Rechtsanwaltes, der angetreten ist, irgendwann einmal etwas für Gerechtigkeit zu tun. Auch wenn man gleich einwendet: Recht und Gerechtigkeit sind zweierlei, Gerechtigkeit gibt es nur im Himmel. Dieser Rechtsanwalt und dieser Richter muss sich dann mit den Maßgaben seines Chefs, seines Justizministers auseinandersetzen, der es tatsächlich fertigbringt, ureigene Aufgaben des Staates, des Rechtswesens, der Judikative auszuhebeln. Das kann man dann sacken lassen und aus der Ferne betrachten.

Mich interessiert die Geschichte eines Menschen, der sich für Worte interessiert. Mich interessieren Geschichten von Menschen, die in einer der vier Gewalten stehen. Die vierte Gewalt sind die Medien, wobei man von den Medien gar nicht sprechen kann, sondern von einigen. Man muss auch wissen, dass es in jedem Betrieb und in jeder Konglomeration Geister gibt, die dagegen stimmen, aber kaum erkennbar sind, weil sie sonst Probleme bekommen. Aber diese vierte Gewalt macht sich heute auf und meint, Politik mitbestimmen zu müssen. Da ist ein gewisser Ehrgeiz dabei. Es werden Dinge verschwiegen, aber sie werden gar nicht verschwiegen, das bildet man sich nur ein. Es werden Helligkeits- und Dunkelheitskategorien vergeben. Wobei die Dunkelheit interessanterweise im Osten verortet wird. Und es werden Verbiegungen, Mechanismen, Talkshows mit Ein- und Ausladungspolitiken betrieben, die mich erschüttern und die diese Figur erschüttern, über die ich schreibe, weil sie sie an die Zeit vor 30 Jahren erinnern. Und diese Figur fragt sich, ob man mittlerweile in einer DDR 2.0 lebt – und wenn ja, warum. Und wie das Internet, als ein Medium der Freiheit, zu einem Medium des Hasses geworden ist. Aber der Hass, der darin vorkommt, wird unterschiedlich definiert. Wer bestimmt darüber, wer verfolgt das? Eine Mitarbeiterin der Staatssicherheit zum Beispiel, in einer Stiftung, deren Name ich nicht nennen muss.

Diese Dinge treiben mich um als Autor, als politischer Mensch, der ich auch bin. Als einer, der am rauen Stein seines Selbst arbeitet.

Der Schriftsteller Heimito von Doderer, den ich sehr schätze, hat alle seine Werke in den Skat gedrückt mit der sinngemäßen Aussage: „Mein wichtigstes Werk war ich selbst, meine eigene Dummheit loszuwerden.“

Und mich fasziniert, wie diese Dinge zustande kommen, wie der raue Stein zu einem glatten wird. Was aus unseren Gemeinden, aus unserer Politik, aus unserem Land, aus unseren Bürgern wird.

Über diese Dinge müssen wir diskutieren, auch frei. Freie Diskussion, das ist auch ein Stichwort, das mich mit ihnen verbindet: vorurteilsfreie, angstfreie, scheuklappenlose Diskussion. Man findet diese kaum. Vieles wird verschwiegen, beiseite gedrückt, überredet, überschrieben, wie das Überschreiben einer Diskette. Es kommen vertraute Mechanismen zurück: Beeinflussung, Umdefinierung: „Du bist kein Widerständler, sondern wir müssen dir helfen.“ Das war übrigens der wichtigste Satz der Staatssicherheit. Das treibt mich um.

Einer sucht vielleicht den Anderen, einer ist vielleicht der Andre. Und ich hoffe, dass es uns gelingen kann, abseits von Vorurteilen und persönlichen Prägungen, die natürlich auch immer Vorurteile sind und die zu Scheuklappen führen, dass es uns gelingen kann, diese grundlegenden Dinge zu erhalten: Toleranz, Freiheit, das Kant’sche „sapere aude“, habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen. Dass es uns gelingt, die Dinge so hinzubekommen, dass wir in einem gedeihlichen Miteinander leben. Alle anderen Fragen sind danach zu klären, denn das sind die Grundlagen.

Ich bedanke mich bei Ihnen für den Mut, den Autor Tellkamp mit ihrem Preis auszuzeichnen. Ich bin nicht überall gelitten, ich bin kein bequemer Zeitgenosse, mir selbst gegenüber und meinen Nächsten oft genug nicht. Ich bedanke mich dafür, dass sie die Freundlichkeit besessen haben, so freundlich zu mir zu sein.“

(Transkript von Bastian Salier)

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Freimaurer zurück in der Mitte der Gesellschaft

Der Großmeister Prof. Dr. Stephan Roth-Kleyer bei der Verleihung des Kulturpreises an Uwe Tellkamp im Mai 2017 in Dresden

Der Großmeister Prof. Dr. Stephan Roth-Kleyer bei der Verleihung des Kulturpreises an Uwe Tellkamp im Mai 2017 in Dresden

Die Großloge hat das Treffen in Dresden unter das Motto „Was hat die Freimaurerei uns heute zu sagen“ gestellt. Der Bundesvorsitzende (Großmeister) Prof. Dr. Roth-Kleyer  verband dies mit dem Aufruf, die Freimaurerei wieder zurück in die Mitte der Gesellschaft zu tragen. Sein Beitrag für den Großlogentag richtet sich zwar in erster Linie an die Bruderschaft, ist aber auch für die interessierte Öffentlichkeit lesenswert.

„An dieser Stelle will ich auf Maßnahmen eingehen, die kurz- bis mittelfristig zu einer verbesserten Wahrnehmung unserer Logen in der Öffentlichkeit, in der Gesellschaft beitragen können. Viele unserer Logen, das habe ich bei meinen vielfältigen Besuchen erleben können, bedienen sich bereits dieser im folgenden wiedergegebenen Maßnahmen in erprobter Weise. Nunmehr, meine lieben Brüder, wird es ein wenig programmatisch. Eine solche Botschaft bin ich Euch schon schuldig und ich denke, Ihr erwartet das auch:

Unser Ansinnen, und das ist als Appell zu werten, muss es insgesamt sein, zunehmend gesellschaftlich relevant zu werden.

Ich wiederhole es gerne unmittelbar nochmals: Unser mittelfristiges übergeordnetes Ziel ist: „Wir müssen den Weg mehr in Richtung Mitte der Gesellschaft gehen.“ Darin sind wir uns wohl einig.

Dazu will ich, wie soeben ausgeführt, einige Maßnahmen und Teilziele benennen, die das übergeordnete Ziel „mehr in den Mittelpunkt der Gesellschaft“ unterstützen und operationalisierbar machen sollen. Diese Zusammenstellung hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Priorität. Unsere kurz- bis mittelfristigen Maßnahmen oder Teilziele lauten (aus meiner Sicht) stark verkürzt:

– Die Großloge der A.F.u.A.M.v.D., wie auch unsere Tochterlogen, verfolgen auch weiterhin hohe humanitäre Ziele als Wertegemeinschaft.

– Wir bieten unseren Brüdern, unterschiedlicher Berufe, Religionen, Nationalitäten, unterschiedlichen Alters einen „geschützten Raum, das sind unsere Logen“. Dies, um gemeinsam Gedanken und Informationen auszutauschen, Zusammenhänge zu erkennen, an sich selbst zu arbeiten und sich frei Meinungen zu bilden. Wir bieten Raum und Gelegenheit zum offenen Meinungsaustausch. Das kann am Ende auch der Meinungsbildung des Einzelnen dienlich sein.

– Wir bemühen uns damit auch um die geistige Entfaltung und ethische Entwicklung der Brüder. Die Logen habe damit ganz allgemein gesprochen auch einen Bildungsauftrag.

– Wir schaffen Gelegenheiten für Geselligkeit und Freundschaften.

– Wir bieten Chancen und Raum, zur Orientierung in der komplexen Entwicklung der Digitalisierung der Umwelt (Stichwort Großlogentreffen 2015, Osnabrück mit dem Thema „Freimaurerei im Informationszeitalter – Chancen, Risiken und Nebenwirkungen der digitalen Welt“). Wir bieten Chancen und Möglichkeiten zur Orientierung in der Zeit des zunehmenden Populismus, des wachsenden Nationalismus und der Globalisierung, sowie vor dem Hintergrund weiterer politischer und kultureller weltweiten Veränderungen.

– Wir Freimaurer befassen uns durchaus mit aktuellen kulturellen und politischen Themen, das jedoch ergebnisoffen, das ohne Dogma, das ohne Streitgespräche.

– Unsere Logen legen bei der Auswahl ihrer Mitglieder weiter oder besser noch zunehmend Wert auf Qualität, so auf z. B. auf die Attribute Ritualfähigkeit, auf die Werteüberzeugung, auf Verhaltensqualitäten. Diese Qualitäten lassen sich durch geeignete Maßnahmen der Aus- und Weiterbildung steigern. Das ist mir persönlich ein wichtiges Ansinnen.

– Unsere Logen partizipieren wieder mehr am gesellschaftlichen und kulturellen Leben in ihren Regionen und lassen die Gesellschaft die Freimaurerei in ihrer Herkunft, ihren Anliegen und Zielen besser verstehen. Lasst uns auch sozial und im weitesten Sinne gesellschaftlich (so auch mit anderen Trägern/Vereinigungen) zunehmend aktiv sein und werden. Hierzu fordert unser Ritual recht deutlich auf. Denkt dabei zum Beispiel an den Satz: „Wehret dem Unrecht, wo es sich zeigt, kehrt niemals der Not und dem Elend den Rücken, seid wachsam auf euch selbst“.

– Unsere Logen entwickeln sich weiter zu einem kalkulierbaren und wichtigen Träger sozialer Werte in ihren Regionen. Auch das ist mir eine wichtige Zielsetzung, die es einzulösen gilt.

– Unsere Logen bilden Plattformen für den kulturellen, geistigen und sozialen Austausch und initiieren entsprechende Projekte mit anderen Trägern in ihren Regionen.

– Unsere Logen fördern die Freundschaften der Brüder untereinander und machen so aus Mitgliedern „Brüder“ und „Freunde“.

– Nationale und internationale Kontakte sind im Sinne der Weltbruderkette auszubauen und zu intensivieren. Das geschieht in enger Kooperation mit den Vereinigten Großlogen von Deutschland.

– Jeder von uns, meine Brüder, ist Botschafter in Sachen Freimaurerei. Wir sollten, jeder einzelne von uns, als Imageträger in unserer Sache „Das Mehr“, das die Freimaurerei zweifelsohne zu bieten hat, „Das Mehr der Freimaurerei“ aktiv kommunizieren.

Und damit will ich es gut sein lassen.

Diese Maßnahmen bzw. Teilziele sind ohne Zweifel zu ergänzen und weiterzuführen. Vor allem aber sollten sie soweit möglich umgesetzt werden. Und vergesst es nicht liebe Brüder, Freimaurerei muss gelebt werden. Freimaurerei muss immer gelebt werden, ansonsten ist sie wirkungslos. Soviel zu unseren künftigen Zielen und den daraus resultierenden Aufgaben für die nächste Zeit in Sachen „Schluss mit den Märchen und Mythen um die Freimaurerei“. Lasst uns daran arbeiten. Den Erfüllungsgrad und die Zeitachse bestimmt dabei jede Loge für sich.

Wir sind fit für die Zukunft! Wir haben das notwendige Engagement, die Kenntnisse und die Werkzeuge. Darum rufe ich Euch zu: Wir sind auf dem richtigen Weg.

Um es allgemein zu fassen: Wir sind fit für die Zukunft! Wir haben das notwendige Engagement, die Kenntnisse und die Werkzeuge. Darum rufe ich Euch zu: Wir sind auf dem richtigen Weg. Ein Indikator dafür ist die Resonanz der Presse zu den Öffentlichkeitsveranstaltungen der Logen, der Distrikte wie auch zu denen der Großloge. Lasst mich das kurz ausführen: Es ist festzustellen, dass die Berichterstattung in der Presse über uns, d.h. die Freimaurerei, über unsere Herkunft, über unsere Logen, über unsere Aktivitäten und Zielsetzungen usw. zunehmend sachlicher wird. Das ist eine sehr erfreuliche Tendenz. Kurz gesagt: Die Tendenz einer zunehmend sachlicheren Berichterstattung in der Presse ist sehr zu begrüßen. Erfreulich ist nicht nur die Qualität der Mitteilungen, erfreulich ist auch die große Anzahl der „guten Publikationen“ zu den regionalen Aktivitäten unserer Logen. Das ist insgesamt sicherlich auf die auch zunehmend besser werdende Öffentlichkeitsarbeit der Logen vor Ort zurück zu führen. Danke auch dafür. Liebe Brüder alle, macht weiter so!

Ich will es jetzt differenzierter und damit akzentuierter formulieren: Macht nicht nur weiter so, sondern, fügt noch mehr passgenaue und richtungsweisende Bausteine ein, verwendet dabei reichlich Mörtel im Sinne von Menschenliebe, Toleranz und Brüderlichkeit, werdet noch besser und bleibt dabei stets zielorientiert und hart am Wind!

Meine Brüder, wir sind es denen schuldig, die uns vorausgegangen sind. Wir haben die Verantwortung für das Hier und Heute. Zudem können und müssen wir, das ist unsere Pflicht, zeitgleich die Zukunft vorbereiten.

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Kulturpreis der Freimaurer an Uwe Tellkamp

Großmeister Prof. Dr. Stephan Roth-Kleyer mit dem Preisträger Uwe Tellkamp

Großmeister Prof. Dr. Stephan Roth-Kleyer mit dem Preisträger Uwe Tellkamp

Am 25. Mai 2017 verlieht die Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland den Kulturpreis Deutscher Freimaurer im Dresdner Landhaus (Stadtmuseum) an den Schriftsteller Uwe Tellkamp.

Der Preis wird seit 1980 in unregelmäßigen Abständen an Personen vergeben, die besondere kulturelle Leistungen oder Engagement erbracht und dabei humanitäre Werte im Blick haben. Frühere Preisträger waren unter anderem Johannes Mario Simmel, Yehudi Menuhin, Lew Kopelew, Otmar Alt, Hans Küng und zuletzt im Jahre 2012 Kurt Masur.

1968 in Dresden geboren, wuchs Uwe Tellkamp als Sohn eines Arztes im Dresdner Villenviertel „Weißer Hirsch“ auf, wo er seit 2009 mit seiner Familie wieder beheimatet ist. Nach dem Abitur musste er einen dreijährigen Dienst bei der NVA antreten, um in der DDR Medizin studieren zu dürfen. Obwohl er bereits vor dem Oktober 1989 wegen „politischer Diversantentätigkeit“ unangenehm auffiel, weil er Texte von Wolf Biermann und anderen nicht geduldeten Autoren bei sich trug, blieb er bis Oktober 1989 Unteroffizier bei der DDR-Armee. Nach einer kurzen Inhaftierung folgten Tätigkeiten als Hilfsarbeiter im Braunkohletagebau und der Industrie. 1990 begann er eine Arbeit als Hilfspfleger auf der Intensivstation eines Dresdner Krankenhauses.

Sein Studium der Medizin absolvierte Tellkamp schließlich nach dem Ende der DDR an der Universität Leipzig, in New York und Dresden, gab den Arztberuf, den er bis 2004 an einer unfallchirurgischen Klinik in München ausübte, im Jahre 2004 aber zugunsten seiner Schriftstellerkarriere auf.

Tellkamp veröffentliche ab Ende der 80er Jahre zahlreiche Beiträge in Zeitschriften und Anthologien. Sein erster Roman „Der Hecht, die Träume und das Portugiesische Café“ erschien im Jahre 2000. Vier Jahre später gewann er mit „Der Schlaf in den Uhren“ den renommierten IngeborgBachmann-Preis. Im Herbst 2008 erschien schließlich sein Roman „Der Turm — Geschichte aus einem versunkenen Land“, in dem er die Zeit zwischen 1982 und 1989 aufarbeitete. Für dieses monumental zu nennende Werk erhielt Tellkamp den Deutschen Buchpreis sowie 2009 den Deutschen Nationalpreis. Eine Bühnenfassung seines „Turms“ wurde 2010 in Dresden uraufgeführt, und die ARD verfilmte den Stoff in zwei Teilen.

Seine Arbeit charakterisierte der Schriftsteller einmal in einem Interview mit dem Versuch, Heimat wiederzugewinnen. Er sehe sich als eine Art Dombaumeister, der durchaus pathetisch sein dürfe, wenn er die grundlegenden menschlichen Empfindungen wiedergeben könne. Kritikern gilt Tellkamp einerseits als Sprachvirtuose, der die literarischen Formen perfekt beherrscht, andererseits aber auch als höchst politischer Autor, der aufgrund seiner persönlichen Geschichte den Schriftstellern im ehemaligen Ostblock geistig näher ist als seinen deutschsprachigen Kollegen im Westen.

Jürgen Kaube hielt eine gleichermaßen unterhaltsame, einfühlsame und intelligente Laudatio

Jürgen Kaube hielt eine gleichermaßen unterhaltsame, einfühlsame und intelligente Laudatio

Laudator Jürgen Kaube, Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“

Die Laudatio für die Verleihung des Kulturpreises der Großloge hielt Jürgen Kaube, Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Der 1962 in Worms geborene Soziologe, Autor und Germanist ist bei der FAZ zuständig für das Feuilleton. Kaube wurde Anfang 2015 als Nachfolger des verstorbenen Frank Schirrmacher in den Herausgeberkreis der Zeitung berufen. Mit seinen Sachbüchern erhielt er selbst bereits zahlreiche Preise und wurde vom Tübinger Seminar für Allgemeine Rhetorik mit der Auszeichnung „Rede des Jahres 2015“ geehrt.

In Kürze lesen Sie hier weitere Informationen sowie ein Interview mit dem Preisträger Uwe Tellkamp.

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