Das dreckige Dutzend

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Am 30. Juli findet im Elbschlick vor Brunsbüttel wieder die “Wattolümpiade” statt. Das für Freunde gepflegter Kultur eher abseitige Spektakel mit bemerkenswerter Wohlfühlatmophäre  findet von Jahr zu Jahr mehr Freunde und Besucher. Und es ist eine erfolgreiche Charity-Aktion, die im Vorjahr mehr als 40.000 € zugunsten des Krebsberatungszentrums Westküste einspielte – fast 300.000 € seit ihrem Bestehen.

Wer schon einmal auf der “Tomatina”, der berühmten Tomatenschlacht in der Nähe Valencias gewesen ist, erinnert sich daran, dass kaum ein Unterschied zwischen Akteuren und Zuschauern gemacht wird: Jeder wird mit Tomaten beworfen. Bei der Wattolümpiade ist dies erfreulicherweise anders: im Schlick toben die schmutzigen “Wattleten”, auf dem Elbdeich sitzen die sauberen Zuschauer; jeder amüsiert sich auf seine Weise und insgesamt haben alle großen Spaß, was man an der sehr angenehmen Stimmung schon kurz nach der Ankunft spürt. Wer glaubt, dass sich der Dreck durch die gesamte Veranstaltung zieht, sieht sich angenehm belehrt. Schmutzig ist es nur im Schlick, der Rest der Veranstaltung ist bestens organisiert und auch in Sonntagskleidung begehbar, wenn man denn möchte. Man kann sich aber auch in phantasievolle Garderobe stürzen wie nicht wenige Besucher, die auf diese Weise zum Spektakel beitragen.

Es ist die zwölfte Veranstaltung dieser Art in Brunsbüttel, weshalb die Veranstalter vom “dreckigen Dutzend” sprechen, in Anlehnung an einen berühmten amerikanischen Film aus dem Jahre 1967. Einlass ist am 30. Juli ab 12 Uhr, um 13 Uhr gibt es einen “Wattgottesdienst”, gefolgt vom Einzug der “Wattleten”, Entzündung des “olümpischen Feuers”, danach finden im Elbschlick direkt vor dem Deich spannende Fußball-, Handball- und “Wolliball”-Spiele statt, Schlickschlittenrennen und Aalstaffellauf. Im Anschluss werden die Gäste musikalisch von “Big Harry” (Hamburger Musiker und bekannt aus der Fernsehserie “Großstadtrevier”) sowie der Band Mandowar (Country-Folk-Metal mit Gitarre, Mandoline und Ukulele) unterhalten.

Aufgrund von Brückenbauarbeiten ist in diesem Jahr ein Parken direkt am Austragungsort nicht möglich. Deshalb gibt es in diesem Jahr erstmals ein „Park & Ride“-System zur Wattolümpiade. Besucher von außerhalb werden von der B5 aus auf die Parkplätze im Bereich Festwiese/LUV gelotst, von wo aus kostenlose Pendelbusse im 15-Minuten-Takt Richtung Deich fahren. Diese Busse fahren auch den ZOB an, in dessen Nähe sich die Parkplätze an Elbeforum und Bauamt befinden. Auf der Internetseite gibt es Hinweise zur Anreise.

Weit über 290.000 Euro hat der Wattolümpiade-Verein seit 2004 mit dem „schmutzigen Sport für eine saubere Sache“ gesammelt – Geld, das unter dem Motto “Stark gegen Krebs” Krebsbetroffenen in der Region zu Gute kommt. So finanziert der Verein seit 2005 unter anderem zwei Beratungsstellen für Krebspatienten und deren Angehörige in Brunsbüttel und Heide. Nachdem in den vergangenen Jahren die Einrichtung eines Palliativzimmers am Brunsbütteler Westküstenklinikum auf der Agenda stand und eine großangelegte Typisierungs-Aktion rund 400 potenzielle Lebensretter hervorbrachte, wurde 2014 die Einrichtung von Angehörigenzimmern am Heider Westküstenklinikum sowie die Ausstattung eines Zimmers für onkologische Behandlungen am Klinikum Brunsbüttel vom Wattolümpiade-Verein finanziell unterstützt, außerdem die Kinderhospizarbeit des Hospizvereins Dithmarschen. Eine große Resonanz erfahren auch die vom Wattolümpiade-Verein organisierten Brunsbütteler Krebsinformationstage, die 2016 zum inzwischen achten Mal stattfinden werden.

Weitere Informationen gibt es auf der Webseite www.wattoluempia.de.

Jens Rusch vor dem Banner der Hanse Shriners

Jens Rusch vor dem Banner der Hanse Shriners

Erstmals haben sich Freimaurer aus der ganzen Republik zusammengefunden, um bei der diesjährigen Veranstaltung als Wattletengruppe anzutreten. Auch der Begründer der Wattolümpiade, der Brunsbütteler Künstler Jens Rusch, wird Mitglied dieser “schmutzigen Bruderschaft” sein und erstmals selbst antreten. “Wir werfen uns in den Dreck für einen guten Zweck” sei der Schlachtruf der Gruppe, man betreibe “schmutzigen Sport für eine saubere Sache”, so Jens Rusch. Um dem karitativen Charakter gerecht zu werden, treten die Brüder aus den unterschiedlichsten Logen unter dem Dach des frisch gegründeten “Hanse Shriners Club”. Shriners sind eine internationale Organisation, die Lebensfreude mit karitativem Engagement, teilweise in erheblichem Maße, verbinden. Beitreten können nur Freimaurer-Meister.

“Wir haben in zwölf Jahren Strukturen für Palliativ-Medizin vorangebracht, Sterbezimmer finanziert, Angehörigenzimmer, das professionelle Krebsberatungs-Zentrum Westküste aufgebaut, sehr umfangreiche Stammzellen-Typisierungen finanziert und die jährlichen Krebsinformationstage für Betroffene veranstaltet. Auch daran sind viele Brüder beteiligt. In diesem Oktober sogar brüderliche Experten aus Tel Aviv. Insgesamt also ein Engagement, das uns Freimaurern gut zu Gesicht steht – auch wenn dieses dabei sehr, sehr schmutzig wird.” sagt Jens Rusch über sein Engagement.