Münchner Kolloquium spricht über Kultur und Identität

Teilnehmer des 8. Münchner Kolloquiums der Loge "In Treue fest"

Beim 8. Münchner Kolloquium sprach man über Identität und Kultur als Auslaufmodelle und über das Bild des Eigenen und des Fremden.

(München / hjbj) Es ist eine schwierige Frage ob die eigene Identität bzw. Kultur Voraussetzung für die Entstehung kultureller Vielfalt ist. Umso mehr, wenn man – wie es in Deutschland öfter der Fall ist – konfrontativ und einseitig das Eigene ablehnend mit den Begriffen Identität und Kultur umgeht.

Im Laufe des Kolloquiums konnte erfahren werden, dass es selbst der Wissenschaft nicht eindeutig gelingt, die Konzepte über die richtige Auslegung und Verwendung der Begriffe Identität und Kultur ausreichend zu definieren. Die Schwierigkeiten bei deren Definitionen liegen auch darin, dass jede wissenschaftliche Richtung mit unterschiedlichen theoretischen Konstrukten arbeitet. Dennoch ist ein ausgewogener interdisziplinärer gegenseitiger Austausch von Begriffen und Ideen nicht zu verdammen. Aus diesen Gründen ist, nämlich anhand von Darstellungen von Thesen, Hypothesen, Analysen und sogar mit dem Einbezug persönlicher Erfahrungen Antworten auf die Fragen zu finden, was Identität und Kultur sei.

Zu Anfang stellte Dr. Hernán J. Benítez Jump in seinem Vortrag „Persönliche und kollektive Identität aus der Sicht eines Ethnologen. Zwischen Ich-Bezogenheit und kultureller Gruppenzugehörigkeit in einer GesellschaftDefinitionen zu den Fragestellungen Gruppen- und kollektive Identität, ethnische Identität, zum Bild des Eigenen und des Fremden, Kulturund Interkulturelle Kommunikation. Im Rahmen dieser Fragestellungen brachte er eigene Erfahrungen ein, die er als ehemaliger Peruaner und Kanadier, als jetziger deutscher Staatsbürger und als Ethnologe mit dem beruflichem Forschungsschwerpunkt Nordafrika und Vorderem Orient bisher gewonnen hat.

Professor Dr. Harald Schöndorf SJ, Professor für Erkenntnislehre und Geschichte der Philosophie an der Hochschule für Philosophie in München, referierte in seinem Vortrag „Gibt es überhaupt eine undifferenzierte kulturelle oder nationale Identität?“ über die Themen personale „Identität“, über Bildung als Verstärkung des Wissens um differenzierte Identität und die Identifizierung mit dem Größeren und Mächtigeren als Verstärkung des Selbstwertgefühls sowie den totalitären Missbrauch der Identität.

Der dritte Vortragende Prof. Dr. Hans-Hermann Höhmann fokussierte in seinem Vortrag: „Institutionelle und kulturelle Voraussetzungen der ‚offenen‘ Gesellschaft – die Sicht eines Freimaurers“ überwiegend auf die Frage, was eine „Offene Gesellschaft“ sei und auf die Voraussetzungen, die zu erfüllen sind, um diese verwirklichen zu können.

Dr.phil. Jörg Noller, Ludwig-Maximilians-Universität, Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft, setzte sich in seinem Vortrag: „Kultur der Identität: Jenseits von Essentialismus und Relativismus“ mit den Fragen des kritischen Begriffes kultureller Identität, Essentialismus, Relativismus und Konstruktivismus, Identität der Kultur – Kultur der Identität sowie Sprache als kulturelle Lebensform auseinander.

Eine Ausführliche Wiedergabe des Gesagten und des Referierten würde natürlich den Rahmen dieses Kurzberichtes völlig sprengen. Hier sei  als wichtige Antwort zu dem im Titel des Kolloquiums gestellte Frage, ob Identität und Kultur rückständige Auslaufmodelle in einer globalisierten Gesellschaft seien und ob die Wahrung der eigenen Identität und Kultur die Voraussetzung für die Entstehung kultureller Vielfalt sei?“ eine Antwort gegeben: Ja, die Wahrung der eigenen Identität und Kultur ist Voraussetzung für die Entstehung kultureller Vielfalt. Zum Problem bei der Suche nach einer kohärenten Antwort zu den Fragen was ist Identität, bzw. was ist Kultur, führt die Tatsache vor Augen, dass die Debatten über die Perzeption von Identität und Kultur den Kulturwissenschaften natürlich nicht allein gehören. Vor allem im Bereich des öffentlich-politischen Diskurses sind die Auffassungen völlig verschieden wenn nicht sogar chaotisch. Im öffentlich-politischen Kontext wird meistens mit den Begriffen Kultur und Identität des Öfteren balanciert und zwar je nach Couleur der Parteien und Interessenslagen und zwar ohne nicht einmal versuchsweise zu definieren, was unter kulturelle Identität zu verstehen sei. Also im Grunde überhaupt ohne zu wissen, worüber eigentlich diskutiert wird.

Das diesjährige Kolloquium mit dem Thema „Identität und Kultur“, das die ehrwürdige Bauhütte „In Treue fest“ am Samstag, den 19. Januar veranstaltet hat, war ein außerordentlicher Erfolg. Nicht nur wegen der hohen Anzahl der über hundert Teilnehmer, sondern auch wegen der sehr interessanten Vorträge und der regen Diskussionsbeiträgen, die zu dem o.g. Thema gehalten wurden. Wie aus den vielen E-Mails, die dem Veranstalter erreichten, zu entnehmen ist, wollen mehrere Logen die Themen Identität und Kultur in deren ehrwürdigen Bauhütten aufgreifen und diese zur Diskussion stellen.

Distrikmeister Hannes Brach begrüßte die Anwesenden in Namen des Distrikts von Bayern und las die Grußworte des Großmeisters Prof. Dr. Stephan Roth-Kleyer vor. Der Großloge danken wir für die großzügige Unterstützung. Insgesamt waren Teilnehmer aus München, Haar, Augsburg, Starnberg, Traunstein, Kempten, Nürnberg, Lindau, Erlangen, Ulm, Hamburg, Bonn, Düsseldorf, Bad Homburg, Plauen, Lörrach, Bremen, Oxford (GB), Österreich (Wien), Griechenland (Athen) sowie aus drei femininen Bauhütten (München, Augsburg und Düsseldorf) und aus einer Gemischten Loge (München) anwesend. Die Hälfte der Zuhörer waren keine Freimaurer.

Im Rahmen der Dokumentationen der Loge „In Treue fest“ erscheint demnächst das 8. Heft mit den Beiträgen des Kolloquiums „Identität und Kultur“, das zu einer Schutzgebühr von EUR 5,00 zuzüglich Versandkosten beim Sekretär der Loge In Treue fest bestellt werden kann (sekretaer@loge-in-treue-fest.de).

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Ausstellung des Künstlers H.J. Gottschalk in Hamburg

Unter dem Brecht-Titel "Man siehet die im Lichte — die im Dunkeln sieht man nicht" zeigt die Hamburger Loge Roland Werke des Künstlers H.J. Gottschalk.

Der Künstler H.J.Gottschalk, ein Schüler von Oskar Kokoschka, stellt ab dem 20. März 2019 seine Werke in der Hamburger Loge “Roland” aus. Neben seiner Vielzahl an Werken über Landschaften, Hamburg, die Elbe befasst sich der Künstler parallel mit einem völlig anderen Sujet, mit den Zeitgenossen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen. Es geht um Gewalt, Verzweiflung, Angst und Hoffnungslosigkeit in all ihren Facetten. 30 Werke sind über die Zeit entstanden, die nun als Gesamtwerk ab dem 20.März im Logenhaus zu sehen sind.

Thematisch verbunden und als Empfänger einer Spende des Roland ist die Yagmur-Stiftung, die von Michael Lezius ins Leben gerufen worden ist, um auf die Schicksale von Kindern aufmerksam zu machen, die von Amts wegen in Pflegefamilien übergeben wurden und unter mysteriösen Gründen/Umständen zu Tode kamen. Das Schicksal der kleinen Yagmur steht da stellvertretend für andere Kinder, die heute nicht mehr leben, aber unter anderen Umständen am Leben sein könnten. Es geht um das Verhalten der zuständigen Behörden, was sollten zuständige Richter berücksichtigen, wenn sie Kinder aus prekären Verhältnissen an Pflegefamilien vermitteln ? Wie sollten die Kinder selbst in die Entscheidungsprozesse über ihr Leben eingebunden sein ? All dies sind Fragen, die die Yagmur-Stiftung über Forschungsprojekte und politisches Lobbying  zu ihrem Stiftungsauftrag erklärt hat und jährlich einen Preis für ein Projekt auslobt, welches einen direkten Zusammenhang zum Stiftungszweck hat.

Helge Adolphsen, Hauptpastor a.D. der St.-Michaeliskirche „Michel“, ist Mitglied im Vorstand der Yagmur-Striftung und wird im Rahmen der Vernissageeröffnung am Mittwoch, dem 20.März 2019 (ab 19 Uhr) über die Stiftung berichten.

Im Rahmen der Veranstaltung wird Dr. Torsten Kiel, MvS ROLAND Begrüßungsworte an die Gäste richten; Thomas Stuwe, Distriktsmeister und assoziiert mit der Friedrich-Schröder-Kunderstiftung eine Laudatio auf den Künstler halten. Und Harald Winter, Vorsitzender der Roland-Stiftung, wird eine Zuwendung an die Yagmur-Stiftung überreichen.

Vernissage am 20. März um 19 Uhr im Logenhaus in der Welckerstraße 8, Hamburg. Um Anmeldung unter gaeste@loge-roland.de wird gebeten.

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“Burns Supper” der Frankfurter Loge “Lessing” wieder mit großen Spenden

Die Karten zum Burns Supper 2019 waren in kürzester Zeit ausverkauft

„We’ll take a cup of kindnes yet – For Auld Lang Syne“ Unter diesem Motto versammelten sich 140 Brüder und Schwestern und interessierte Gäste, um gemeinsam mit der Loge das 9. Burns Supper zu begehen.

Frankfurt. (rk) Die Veranstaltung  strahlt deutlich über das Rhein-Main-Gebiet hinaus. Die Gäste kamen aus 29 Logen, 6 Großlogen, inklusive der Frauengroßloge und aus allen Teilen Deutschlands, sowie aus Belgien und den Niederlanden.Dieses Verbindende machte auch unser Großmeister Stephan Roth-Kleyer zum Gegenstand seines Grußworts.

Das Burns Supper reiht sich ein in den Kanon von Geburtstagsfeierlichkeiten für den schottischen Dichter und Freimaurer Robert Burns, der am 25. Januar 1759 geboren wurde. Der Abend folgt einem vorgegebenen Ablauf. Auf ein ein typisch schottisches Essen, den Haggis, den Robert Burns mit einer Ode gewürdigt hat, folgt eine Rede auf das Unsterbliche Werk des Dichters, vorgetragen von Hermann Redmer. Eine Besonderheit ist der Auftritt des Dichters selbst, verkörpert von Bernd Schmude. Dazu jede Menge Musik und natürlich darf das Wasser des Lebens, der schottische Malt Whisky, nicht fehlen.Das Burns Supper wurde konzipiert von Rolf Keil, der auch wie immer den Abend leitete. Hervorzuheben bleibt aber das große Engagement der Brüder der Loge, die dieses Fest immer wieder zu einem Erlebnis machen.

Beim Burns Supper geht es auch darum, Geld für lokale Projekte zu sammeln. Gerade die Unterstützung sozialer Projekte vor Ort verankert die Freimaurerei in der Mitte der Gesellschaft. In diesem Jahr gab es zwei Spendenempfänger.

Das Leuchtfeuer Höchst organisiert und unterstützt soziale Projekte aller Art. Die Helfer (Vereinsmitglieder) verteilen gespendete Nahrungsmittel, Kleidung, Haushaltsgegegenstände und vieles andere mehr an Bedürftige. Sie bieten kulturelle Veranstaltungen, Feste, Schifffahrten, Spiele-Treffs, Kindergeburtstage für diejenigen an, die durch Armut von der Teilnahme an solchen Aktivitäten ausgeschlossen sind. Besonderer Schwerpunkt ist die Betreuung von finanziell schlecht gestellten Rentnerinnen und Rentnern. Darüber hinaus ist die Wiedereröffnung des Cafe-Leuchtfeuer geplant, eine Kleiderkammer und eine mobile Versorgung von Bedürftigen, auch Obdachlosen, mit körperlichen Behinderungen.

Das MainÄppelHaus Lohrberg ermöglicht Kindern ab dem Vorschulalter, Jugendlichen und Erwachsenen am Beispiel der Streuobstwiese die Natur näher kennen zu lernen. Dabei lernen die Kinder Tiere und Pflanzen kennen, zu respektieren und zu schützen. Die Freude und das Interesse an der Natur sind schnell geweckt und fördern die emotionale Bindung an die eigene Lebensumgebung und die Wertschätzung der Natur. Durch Rollen- und Gruppenspiele lernen Kinder und Jugendliche auf der Streuobstwiese soziales Verhalten und bekommen ein Gespür dafür, wie stark Mensch und Natur zusammen gehören. Auch die motorischen Fähigkeiten und körperliche Entwicklung werden geschult.

Die beiden Organisationen konnten sich am Ende des Abend über je 3.000 € Spendensumme freuen, die am Abend eingenommen wurden. Seit dem ersten Burns Supper konnten insgesamt über 60.000 € für regionale wohltätige Zwecke aufgewendet werden.

Das 10. Burns Supper der Loge Lessing wird am 25.Januar 2020 stattfinden.

Weitere Infos zu den Spendenempfängern finden sich unter http://www.hoechster-leuchtfeuer.de/ und http://www.mainaeppelhauslohrberg.de/.

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Neujahrsempfang in Wetzlar

Neujahrsempfang der Loge Wilhelm zu den drei Helmen. (Foto: Werner Volkmar)

Erfreut zeigte sich der neue Meister vom Stuhl, Martin Marx, über die große Zahl der Gäste aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft, die zum traditionellen Neujahrsempfang der Wetzlarer Freimaurerloge „Wilhelm zu den drei Helmen“ ins Logenhaus gekommen waren.

Wetzlar. (wv) Namentlich begrüßte der Meister vom Stuhl als erster Vorsitzender neben Oberbürgermeister Manfred Wagner und Wolfram Dette (Kreisbeigeordneter des Lahn-Dill-Kreises) auch den Bundestagsabgeordneten Hans-Jürgen Irmer und Frank Steinrats, Mitglied im Hessischen Landtag (beide CDU) sowie die Stadträtin Sigrid Kornmann.

„Was Sie tun ist gut. Tun sie es lauter“ so Landrat Wolfgang Schuster beim Neujahrsempfang im Jubiläumsjahr 2017. Damit meinte er, dass die Freimaurer mehr in die Öffentlichkeit gehen sollten. „Und dies tun wir, denn die Werte, die wir vertreten- wie Freiheit, Toleranz, Gleichheit, Brüderlichkeit und Humanität, sind nicht nur uns wichtig – sie sind eine gute Basis für menschliches und politisches Handeln“,  so Marx. „Ja, wir Freimaurer erbringen auch heute einen Beitrag zur Gestaltung einer modernen Gesellschaft, aber mit nur rund 15.000 Brüdern wird unsere Stimme nur selten wahrgenommen. Ich fände es toll, wenn einige bekannte Politiker, Wissenschaftler oder Sportler zur Freimauerei kämen, und dies auch adäquat kommunizieren würde. Für unsere Gesellschaft würde dies sicher von Vorteil.

Was Sie tun ist gut. Tun Sie es lauter!

Landrat Wolfgang Schuster

Bei seinem Festvortrag „Geschichte der Geometrie in Theorie und Praxis unter dem Blickwinkel von Winkelmaß und Zirkel“ behandelte Professor Dr. Albrecht Beutelspacher, einer der populärsten Mathematiker und Leiter des „Mathematikum“ in Giessen, ein Thema, das bedrohlicher klang als es war, zumal der Wissenschaftler die Gäste mit seinen bekannten mathematischen Experimenten überraschte.

„Geometrie“ (zu Deutsch „Vermessung der Erde) ist sicher eine der ältesten Wissenschaften. So konnte man in Ägypten (2500 vor Christus) nicht nur gradlinig begrenzte Flächen in rechtwinklige Dreiecke und diese wieder in Rechtecke flächengleich umwandeln, auch die Formel für das Volumen der Pyramidenstümpfe war bekannt. Ihre Werkzeuge waren Zirkel und Lineal, Hilfsmittel, die die Welt heute noch prägen. Auch der Satz des Griechen Pythagoras (570 vor Christus) hat bis heute seine Gültigkeit behalten. Oder Archimedes, der mit der nach ihm benannten Zahl „Pi“ aus dem Durchmesser den Umfang der Erde berechnete. Und immer waren Winkelmaß und Zirkel wichtige Hilfsmittel.

Zum Abschluss seines Vortrages erklärte der Mathematiker anhand eines banalen Experimentes die „Quadratur des Kreises“. Der Professor ließ ein Quadrat entstehen, indem er zwei aus einem Streifen Papier geformte und über Kreuz aufeinander geklebte Ringe wieder auseinander schnitt und zu einem Quadrat entfaltete. Ein Experiment, für das es stürmischen Beifall gab.

Gastredner Prof. Dr. Albrecht Beutelspacher veranschaulicht Inhalte seines Festvortrages zur Geometrie. (Foto: Werner Volkmar)

Oberbürgermeister Manfred Wagner (SPD), der die Grüße der Stadt und des Magistrates der Stadt überbrachte, erinnerte daran, dass unsere Zeit, wie kaum eine andere zuvor, voller Möglichkeiten steckt. „Zum Guten und zum Bösen. Nichts komme von selbst. Und nur wenig ist von Dauer“. Darum besinnt Euch auf eure Kraft und darauf, dass jede Zeit andere Antworten braucht“. „Dieses Zitat des früheren Bundeskanzler Willy Brandt hat an Bedeutung nichts eingebüßt“, so Wagner, wenn wir auf den Zustand unserer Gesellschaft blicken oder die Lebensgrundlagen auf unserem Globus sehen. Natürlich gibt es hier keine einfachen Lösungen, aber es bedarf einer Entschleunigung der Prozesse und der Bereitschaft, einen Raum für den gesellschaftlichen Diskurs zu öffnen. Wir brauchen Werte und Haltungen als tragende Säulen unserer Gesellschaft, die denen der Freimaurer eng verbunden sind, wie Toleranz, Friedenswille oder Mitmenschlichkeit. „Diese Werte sind auch ein Kompass für die Weiterentwicklung unseres Hauses Europa, um die es bei den Wahlen zum Europäischen Parlament in diesem Jahr letztlich geht. Eine Wahl, die für unsere Zukunft prägend sein wird. Also nutzen sie die Wahl als Chance für ein starkes Europa“. So der Appell des Oberbürgermeisters in seinem Schlusswort.

Wolfram Dette (FDP), der die Grüße der Kreisgremien überbrachte, warf einen Blick auf 100 Jahre deutsche Zeitgeschichte. 1919 wurde die Weimarer Republik ausgerufen und das Frauenwahlrecht eingeführt, und 1939 die Staatengemeinschaft UNO gegründet. Nach dem schrecklichen Weltkrieg 1949 trat das Grundgesetz in Kraft und der erste Bundestag wurde gewählt. Und schließlich im Jahr 1989 der Fall der Mauer und die Wiedervereinigung war möglich. Eine historische Zeitreihe, auf die wir stolz sein können. Dies war aber auch nur möglich, weil Politiker zum Wohle ihres Landes handelten. Heute stehen wir wieder vor einer bedeutenden Entscheidung. Wir haben die Europäische Gemeinschaft und über 70 Jahre kein Krieg. „Wir sollten alle mit dazu beitragen, dass uns diese Gemeinschaft, in der noch 28 Staaten vereint sind, erhalten bleibt. „Denn die Gefahr, dass sie Risse bekommt oder zerbricht wäre zum Schaden aller Menschen auf unseren Erdteil Europa“, so Wolfram Dette.

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Ein Vorbild für alle Brüder

v.l.n.r: Doris Schröder Köpf, Abayomi Oluyombo Bankole, Boris Pistorius (Foto Christian Kunze / www.alles-kunst.de)

Deutsch lernen mit Willy Brandt

Von Br. Christian Kunze

1972 flüchtete Abayomi Oluyombo Bankole aus dem von Unruhen und Militärdiktaturen geprägten Nigeria nach Deutschland. Am 4. Dezember 2018 verlieh der Niedersächsische Innenminister Boris Pistorius „Yomi“ das Verdienstkreuz am Bande. Doch wie kam es dazu?

(Hannover. ck) Abayomi Bankole, in Nigeria Luftwaffenpilot, sah 1972 sein Leben in Nigeria bedroht. Über England flüchtete er nach Deutschland und ließ sich in Hannover nieder, wo bereits ein Cousin von ihm lebte. Doch der Anfang war schwer: So forderte der Sachbearbeiter im Amt ihn auf, innerhalb von drei Monaten deutsch zu lernen, ansonsten würde man ihn nach Nigeria zurückschicken.

Das war für Abayomi der initiale Anstoß. Er las Bücher und er schaute, so erzählt er es heute gerne, Bundestagsdebatten und sprach alles nach was dort gesagt wurde. Besonders die Reden von Willi Brandt gefielen ihm, weil dieser deutlich und langsam sprach. So brachte in gewisser Weise Willi Brandt Abayomi Bankole Deutsch bei. Als er nach den drei Monaten wieder im Amt vorsprechen musste, hatte er so viel Deutsch gelernt, dass der Mitarbeiter des Amtes sehr erstaunt war. Abayomi durfte bleiben.

Eine Ausbildung zum Verkehrspiloten konnte er sich leider damals nicht leisten, eine Stelle als Maschinenschlosser versuchte er über das Arbeitsamt zu bekommen. Aber immer waren die Stellen gerade vergeben worden. Eine Zeit lang verdiente er sein Geld als Taxifahrer, bis er auf die Idee kam, sich in einem „typisch deutschen“ Geschäftsfeld selbständig zu machen. Bankole wurde erfolgreicher Versicherungsmakler.

Am 11. März.1997 wurde Abayomi in der Loge Baldur in Hannover aufgenommen. Seitdem ist er ein wichtiges Glied in der Bruderkette.

Ein Ereignis veranlasste ihn 2007 den „Afrikanischen Dachverband Norddeutschland“ (http://adv-nord.org) zu gründen. Kurz vorher war er Zeuge geworden, wie eine Polizeistreife einen Afrikaner, der mit dem Fahrrad unterwegs war, anhielt und von diesem eine Quittung für dessen Fahrrad verlangte.

Der Verein wurde gegründet, um sich für ein demokratisches Miteinander einzusetzen, gegen Rassismus und Intoleranz zu kämpfen und afrikanischen Bürgern eine hilfreiche und beratende Stütze zu sein. Die Förderung der Integration, Beratung und Mitwirkung in Fragen Stadtentwicklung, Kultur und Umwelt, aber auch Öffentlichkeitsarbeit und Beratung in Interkulturellen Angelegenheiten gehören zu den Zielen des Dachverbandes.

2007 initiierte „Yomi“ Bakole „Kicken gegen Vorurteile“, ein Fußballturnier mit Polizisten, Afrikanern und Interessierten, um Vorurteile abzubauen. Von 2008 – 2015 war Abayomi Mitglied des Integrationsrates der Landeshauptstadt Hannover. 2011 erhielt Bankole den Integrationspreis des Gesellschaftsfonds. 2013 wurde Abayomi Bankole in die Kommission des Niedersächsischen Landtages für Integration und Teilhabe berufen. 2015-16 war Abayomi im Niedersächsischen Beirat für Migration und Teilhabe und übergab Ministerpräsident Weil in diesem Rahmen Empfehlungen für ein Einwanderungsgesetz. Es würde zu weit führen alle Aktivitäten, die Bruder Bankole in den letzten 20 Jahren initiiert hat aufzuführen, aber eines ist sicher: Abayomi hat sich immer für Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Humanität und Toleranz eingesetzt.

Aber letztlich führte Ihn sein Engagement am 4. Dezember 2018 in das Gästehaus der niedersächsischen Landesregierung. Die anwesenden ca. 40 Gäste aus Politik, Kultur, Freundeskreis,  der Familie und Bruderschaft der Loge konnten erleben, wie ein sichtlich bewegter Innenminister eine großartige Laudatio auf Abayomi Bankole hielt. Besonders würdigte der Minister das hervorragende, jahrelange und ehrenamtliche Engagement gegen Rassismus und für Integration von Herrn Bankole.

Es war ein bewegender Moment als Pistorius Bankole das Verdienstkreuz ansteckte und gratulierte. Sichtlich bewegt hielt Bruder „Yomi“ eine Dankesrede, in der er sich auch bei den Brüdern der Loge bedankte, die ihn bei seiner ehrenamtlichen Arbeit unterstützt hätten.

Ich denke ich übertreibe nicht, wenn ich schreibe: Die Brüder der Loge Baldur sind stolz darauf mit „Abayomi Oluyombo Bankole“ einen Bruder zu haben, der die Grundwerte der Freimaurerei in die profane Welt trägt.

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Stuttgarter Loge spendete 13.500 €

(von rechts) Altgroßmeister Br. Klaus Horneffer, Br. Kai-Uwe Scherer und die Spendenempfänger im Logenhaus Stuttgart nach der Übergabe der Spendenurkunden.

Die Stuttgarter Loge "Furchtlos und Treu" überreichte mehreren Organisationen einen mit über 13.000 bemerkenswerten Spendenbetrag.

(Stuttgart/kus) Anlässlich des Neujahrsempfangs der Stuttgarter Freimaurerloge “Furchtlos und Treu” am 19. Januar 2019 mit musikalischer Umrahmung und Festvortrag durch unser Ehrenmitglied und Altgroßmeister Br. Klaus Horneffer, wurde durch den gemeinnützigen Verein der Loge “Humane Welt e.V.” eine respektable Spendensumme von insgesamt 13.500 € an verschiedene Organisationen vergeben.

Im Einzelnen waren das für den Verein Kobra e.V. 2.500 €, für den Verein Lebensweg 3.000 €, für den Hospitzverein Böblingen 3.000 €, für die Jugendfarm Sonnenberg 2.000 €, den Verein EVA 2.000 € und das Jugendgelände Pattonville      1.000 €.

Die Spenden-Urkunden wurden den Vertretern der Spendenempfänger durch den Vorsitzenden der “Humanen Welt e.V.” Herrn Dr. Kai-Uwe Scherer überreicht.

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Gemeinsames Symposium in Wien

Gemeinsames Symposium in Wien

Von Celil Şenman

Vom 19. bis 21. Oktober 2018 fand im Großlogenhaus in Wien ein Symposium zum Thema „Wie wir wirken – die soziale Dimension“ statt.

Dieser Veranstaltung gingen seit mehreren Jahren stattfindende, regelmäßige Zusammenkünfte von Brüdern der Berner Loge „Zur Hoffnung“, der Wiener Logen „Anthropos“ und „Bruderkette“ sowie der Berliner Loge „Avantgarde“ voraus. Mehr als 80 Brüder befassten sich in Vorträgen, Diskussionen und einer abschließenden Tempelarbeit mit verschiedenen Aspekten, wie wir unsere freimaurerischen Werte konkret in die Tat umsetzen können.

Fast ein ganzer Tag war „endlich einmal“ – wie viele Brüder feststellten – der Aufgabe Wohltätigkeit gewidmet und wie wir Freimaurer in unserer Wohlstandsgesellschaft aktiv sein können. Die Teilnahme des Großmeisters und weiterer Großbeamter dokumentiert die Bedeutung dieses Themas. Die Vorträge aus verschiedenen Blickwinkeln und konkrete Erfahrungen gaben dazu etliche Anregungen.

Schon in den beiden Einleitungsreferaten kamen die unterschiedlichen Annäherungen zum Ausdruck: Br. Konrad von der Loge „Erkenntnis im europäischen Licht“ skizzierte die Wohltätigkeit unter anderem aus den Zugängen, die die verschiedenen großen Religionen dazu haben, und stellte die Freimaurerei hinzu. Bereits 1723 wurde in England ein Großlogenkomitee für die Wohltätigkeit gegründet.

Br. Günther, Meister vom Stuhl der Loge „Bruderkette“ in Wien, ging vom aktuellen Zahlenmaterial zur gegenwärtigen sozialen Situation weltweit sowie in Österreich aus und bezeichnete die Wohltätigkeit als „Spiegel für uns, in dem wir erkennen, was mit uns sein könnte“.

Br. Celil Şenman, Meister vom Stuhl der Loge „Avantgarde“ in Berlin, berichtete über die Tätigkeit des 1953 gegründeten „Freimaurerischen Hilfswerks“ (FHW), dessen Aufgabe die Förderung der Jugend-, Alten- und Sozialfürsorge ist. Diese größte karitative Organisation der deutschen Freimaurer finanziert sich vor allem aus den Beiträgen der ca. 500 Mitglieder (Einzelpersonen sowie Logen) und aus Spenden. Im Jahr 2017 hat das FHW insgesamt 150.000 Euro an Spendengeldern ausgereicht. Das Hilfswerk beteiligte sich in den vergangenen Jahren unter anderem an Katastrophenhilfen, etwa für Haiti, Nepal oder Italien.

Im Referat von Br. Andreas Herbst, Meister vom Stuhl der Loge „Zur Hoffnung“ in Bern, ging es vor allem um die soziale Dimension als persönliche Lebensgestaltung, was für ihn „mehr als Wohltätigkeit“ ist. Br. Andreas wollte sein Referat als Aufruf verstanden wissen, „sich täglich bewusst zu werden, was es heißt, Freimaurer zu sein: Zu wirken – mitten im Leben“ und dabei auf beiden Ebenen wirkungsvoll zu sein: nach innen und nach außen.

Zwei konkrete Projektvorstellungen rundeten das Symposium ab: Br. Erich stellte das Spendenparlament vor und Br. Fritz präsentierte ein von seiner Loge unterstütztes psychosoziales Tageszentrum in Wien – diesem Projekt wurde auch der „Säckel der Witwe“ mit mehr als 900 Euro an Einnahmen aus der das Symposium abschließenden Tempelarbeit gewidmet.
In dieser Arbeit hielt Br. Rudi von der Loge „Zukunft“ das Baustück, wobei er ausgehend von den Vorträgen die Schlussfolgerung zog: „Wir glauben, dass die Freimaurerei mit ihrer Betonung von Moral, Brüderlichkeit, Toleranz und Fürsorge heute wahrscheinlich relevanter ist als jemals zuvor in ihrer Geschichte.“ Immer habe sich die Freimaurerei an die Zeiten angepasst – in ihren äußeren Formen, nicht in den Grundprinzipien. Und deshalb dürfe man keine Angst vor Veränderungen haben, wenn sie von innen kämen und sorgfältig implementiert würden.

Der Wunsch der Teilnehmer war nach Abschluss des Symposiums eindeutig: Solche Veranstaltungen sollten künftig mindestens einmal jährlich stattfinden, ist doch die soziale Dimension unseres Wirkens ein ganz essenzieller Aspekt unseres Bundes.

Die Berliner Freimaurerloge „Avantgarde“ plant deshalb vom 21. bis 23. Juni 2019 ein weiteres Treffen der deutschsprachigen Hauptstadtlogen. Die Themenbereiche dieser Zusammenkunft drehen sich um Fragen der Freimaurerei im sozialen und hauptstädtischen Raum, wobei Raum hier unter Rückgriff auf eine Begriffsbestimmung aus der Raumwissenschaft als „relationale Anordnung sozialer Güter und Lebewesen an Orten“ (Prof. Dr. Martina Löw) verstanden werden soll. Folgende Themenkreise sind geplant:
Entfaltung des aktiven Humanismus im Raum
Freimaurerei in der Hauptstadt: Welche Konsequenzen haben die Nähe zu staatlichen Institutionen und Politik sowie ausgeprägte Multikulturalität in einer Hauptstadt?
Raum als konstitutives Element freimaurerischer Ritualistik

Das Treffen beginnt am Freitagabend mit einer Konzertveranstaltung unter dem Titel „Lessing jazzt“ in Zusammenarbeit mit Pegasus e. V., dem Verein für freimaurerische Kunst, Kultur und Kommunikation.

Am Samstagvormittag werden die verschiedenen Themenkreise in Arbeitsgruppen nähert untersucht und vorgestellt. Geplant ist zudem ein Vortrag zum Thema „Raumtheorie“ in Zusammenarbeit mit der „Akademie forum masonicum e. V.“.
Am Sonntag wollen sich die Teilnehmer zu einer Tempelarbeit mit anschließender Tafelloge zusammenfinden.

Der Beitrag entstammt der Zeitschrift “HUMANITÄT — Das Deutsche Freimaurermagazin”, Ausgabe 2-2019.

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