Freimaurer erhielten von Nazis geraubte Bücher zurück

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v.l.n.r. Großarchivar der VGLvD Sebastian Hillebrand, zug. Großmeister A.F.u.A.M. Karl Deckart, Großmeister der VGLvD Christoph Bosbach, Leibl Rosenberg, Gerd Scherm, Altvorsitzender der IKG Rudi Ceslanski. (Foto: Wolfgang Klar)

v.l.n.r. Großarchivar der VGLvD Sebastian Hillebrand, zug. Großmeister A.F.u.A.M. Karl Deckart, Großmeister der VGLvD Christoph Bosbach, Leibl Rosenberg, Gerd Scherm, Altvorsitzender der IKG Rudi Ceslanski. (Foto: Wolfgang Klar)

Ungezählte Kunstschätze und Bücher haben die Nationalsozialisten ihren Besitzern gestohlen. 170 davon haben die Freimaurer vor Kurzem zurückerhalten. Zu verdanken haben sie diese Restitution insbesondere Leibl Rosenberg und Gerd Scherm. Bei Kriegsende fand man in den Redaktionsräumen der in Nürnberg erscheinenden antisemitischen Hetzschrift "Der Stürmer" und in den Privaträumen ihres Herausgebers und fränkischen NS-Gauleiters Julius Streicher einen Bestand von 9.000 Bänden, die von Juden, Freimaurern, Geistlichen, Funktionären aus Arbeiterbewegungen geraubt wurden. Die Bände wurden von der US-Militärregierung der Jüdischen Gemeinde überlassen, die diese der Stadt Nürnberg als Dauerleihgabe zur Verfügung stellten. 1997 befasste sich Leibl Rosenberg, im Raum Nürnberg als Publizist und Raubgutspezialist sowie aus vielfachen Ehrenämtern gut bekannt, im Auftrag der Stadt Nürnberg mit der Rückgabe der geraubten Bücher. Besitzer von über 700 Büchern konnten bisher zweifelsfrei ermittelt und die Bücher zurückgegeben werden. Allein Freimaurer erhielten 170 Bände, wobei der Nürnberger Schriftsteller und Freimaurer Gerd Scherm eine wichtige Hilfe war. Die Bücher stammen von unterschiedlichen Logen oder Freimaurern; hier will man nun versuchen, die eigentlichen Besitzer bzw. deren Nachkommen ausfindig zu machen. Es liegt also noch ein Stück Arbeit vor der Großloge. Im Beisein zahlreicher Gäste wurden die 170 Bände an den Großmeister der Vereinigten Großlogen von Deutschland (Dachverband der fünf deutschen Großlogen), Christoph Bosbach, übergeben. Bosbach würdigte die jahrelange unermüdliche ehrenamtliche Arbeit Leibl Rosenbergs mit der Verleihung der Matthias-Claudius-Medaille der Freimaurer, die für Verdienste auf dem Gebiet der freimaurerischen Literatur und Kunst vergeben wird.