Freimaurer Teil der Mannheimer Gesellschaft

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Mannheimer Schloss (Bildnachweis: fotolia / CPN)

Mannheimer Schloss (Bildnachweis: fotolia / CPN)

(Mannheim / fr) Im ansprechenden Rahmen und mit vielen Besuchern feierten fünfzehn Logen verschiedener Lehrarten im Rittersaal des Mannheimer Schlosses 300 Jahre Freimaurerei.

Der Rittersaal des kurfürstlichen Mannheimer Schlosses erlebte am 24. Juni 2017 ein historisches Ereignis. Die fünfzehn Logen des Rhein-Neckar-Raumes nahmen die Gründung der modernen Freimaurerei vor dreihundert Jahren in London zum Anlaß, erstmals gemeinsam in ihrer Geschichte, unter der Schirmherrschaft des Mannheimer Oberbürgermeisters, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren. Zum einen, um berichten zu lassen, welch wichtigen Beitrag Mannheimer Brüder zur Entwicklung der Mannheimer Stadtgesellschaft beigetragen haben und zum anderen, um ihre Bereitschaft öffentlich zu bekunden, sich auch heute als ein Teil der Stadtgesellschaft zu verstehen und mit Wort und Tat die aktuelle Entwicklung zu begleiten.

250 Damen und Herren, darunter 80 Vertreter des öffentlichen Lebens, waren der persönlichen Einladung gefolgt. Sie erlebten in dem wunderschönen barocken Rittersaal des Mannheimer Schlosses erhebende, erbauende, Stunden mit historischer und zukunftweisender Dimension.

Der Leiter des Mannheimer Stadtarchivs, Prof. Dr. Ulrich Nieß, warf in seinem Festvortrag einen Blick in die Geschichte der Freimaurer in Mannheim und berichtete detailliert namentlich weitgehend Unbekanntes über das politische Wirken berühmter Mannheimer Freimaurer in ihrer Funktion als städtische Bürgermeister. Die historischen Mitgliederlisten spiegeln das „Who is who?“ der damaligen Gesellschaft wider.

In Mannheim, der ehemaligen Residenz- und Weltkulturstadt, lebten und wirkten die ersten Freimaurer in Deutschland. Zehn Jahre nach der Gründung der Großloge in London gründeten sie bereits 1727 die erste Freimaurerloge in Deutschland „Einigkeit“. Gründung, Leben und Wirken detailliert dokumentiert von Julius Waldkirch in seinem Werk „Geschichte der ersten Freimaurerlogen“, Mannheim 2017.

Die Mannheimer Bürgermeisterin, Frau Dr. Freundlieb, gratulierte den Logen in ihrem Grußwort zu dem Jubiläum und zu dem gemeinsamen ersten Auftritt in der Öffentlichkeit. Sie lud sie mit eindrucksvollen Worten ein, nicht nur in die verdienstvolle Vergangenheit zurück zu schauen, sondern sich auch aktiv in die gegenwärtige Entwicklung der Stadtgesellschaft einzubringen und unsere aktuelle Mitverantwortung für das Gemeinwohl weiter zu vertiefen und uns in den öffentlichen Diskurs in der Gestaltung einer humanen, von gegenseitigem Respekt und Toleranz geprägten, Öffentlichkeit einzubringen. „Jedes Mitglied einer städtischen Gesellschaft könne einen positiven Beitrag zu deren Wohlergehen leisten.“ Grundlage seien die gemeinsamen Werte „Toleranz“, „Respekt“ und „Hilfsbereitschaft“. Eine erste aktuelle Möglichkeit bestünde in der Mitzeichnung der „Mannheimer Erklärung für ein Zusammenleben in Vielfalt“. In ihr geht es um eine möglichst konfliktfreie Integration von Menschen anderer Kulturen und Religionen in der traditionell weltoffenen Mannheimer Stadtgesellschaft.

Lang anhaltender kräftiger Applaus der Gäste zeigte, dass von der Rede der Bürgermeisterin ein großer Impuls für die Zukunft ausging und ihre Botschaft und ihre Einladung bei den Brüdern angekommen ist. Ermunternde Grußworte des zugeordneten Großmeisters der Großloge, Karl Deckart, bewegten sich in die gleiche Richtung. Auch er appellierte an die Brüder, sich auf Augenhöhe in die Mitte der Gesellschaft zu bewegen.

Initiiert und weitgehend organisiert wurde der Festakt von Brüdern der Mannheimer Loge “Kurpfalz”, unterstützt von Brüdern der Loge „Carl zur Eintracht“, allen voran Michael Heitmann, dem Sprecher der Rhein-Neckar-Logen. Die “Kurpfalz” mit ihrem Vorsitzenden Ranko Pavlovic an der Spitze, feierten einen Tag später in Heidelberg mit vielen Gästen ihr 30-jähriges Bestehen und das Sommer-Johannisfest, traditionell mit einem prächtigen nächtlichen Johannisfeuer im Garten.