Freimaurer vergeben Stresemann-Preis an Helmut Schmidt

27. Januar 2015

Foto: Andreas Keuchel

Im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung im Logenhaus in Hamburgs Welckerstraße verliehen die Freimaurer der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (A.F.u.A.M.v.D.) am 26. Januar 2015 den Stresemann-Preis und die dazugehörige Medaille an den Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt. Der Preis wurde erstmals verliehen und würdigt die Lebensleistung eines Menschen.

Sie sind derjenige, dem dieser Preis von der Idee her zugedacht ist. Wir möchten mit dem Gustav-Stresemann-Preis Menschen Anerkennung zollen, die im Sinne des großen Staatsmannes wirken bzw. gewirkt haben.

Der Großmeister Br. Roth-Kleyer klärte in seiner Begrüßung die Anwesenden darüber auf, dass der Namensgeber Gustav Stresemann Freimaurer war. Als Motiv für seinen Logenbeitritt gab er an, dass es schon lange sein Wunsch gewesen sei, "in eine engere Beziehung zu einem Kreis gleichgesinnter Menschen zu gelangen, die in unserer an Materialismus, Hast und Unruhe sich zermürbenden Zeit sich das Reich allgemeinen Menschentums, innerer Besinnung und Geistigkeit zu erhalten suchen."

Bundeskanzer a.D. Helmut Schmidt, Großmeister Prof. Dr. Stephan Roth-Kleyer, Foto Andreas Keuchel

"Mancher Anstoß", so der Großmeister weiter, "zu politischen und gesellschaftlichen Reformen ist vom Freimaurerbund ausgegangen. Die Freimaurer richten ihr Leben, Denken und Handeln nach fünf Grundpfeilern aus, die zum Großteil bereits dem Zeitalter der Aufklärung entstammen: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität."

Br. Roth-Kleyer wies darauf hin, dass auch Helmut Schmidt sich in seinem bedeutenden Wirken diesen Grundpfeilern verpflichtet fühlt und erinnerte an die große Sturmflut in Hamburg, das Krisenmanagement in der Zeit des RAF-Terrors, dem Wirken um die deutsch-französische Zusammenarbeit als überzeugter Europäer, die Rolle in der transatlantischen Kommunikation und viele andere Themen, bei denen für den Politiker Schmidt das Wohl der Mitmenschen im Vordergrund stand.

Der Laudator, Alt-Großmeister Jens Oberheide, Foto: Andreas Keuchel

Die Laudatio hielt der Alt-Großmeister der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland, Br. Jens Oberheide. Auch er ging zunächst einmal auf den Namensgeber Gustav Stresemann ein und verglich einen Satz des einen Staatsmannes mit dem Wirken des nun ausgezeichnetet Staatsmannes: "Der wird der Menschheit am meisten dienen, der [...] das ihm seelisch und geistig Gegebene zur höchsten Bedeutung entwickelt und damit, über die Grenzen des eigenen Volks hinauswachsend, der Menschheit etwas zu geben vermag, wie es die Großen aller Nationen getan haben."

Weil Freimaurerei vom Menschen ausgeht und zum Menschen zurückführt, haben wir eine besondere Affinität für diese Sichtweise. Für das etwa, was Helmut Schmidt mit "Pflicht zur Menschlichkeit" meint. Diese Pflicht in eine Balance von Geist und Tat zu bringen, ist bei uns Freimaurern eine Lebensaufgabe für jeden.

 

Foto: Andreas Keuchel

Helmut Schmidt, dessen Rede mit stehenden Ovationen erwartet wurde, begrüßte die Anwesenden mit den launigen Worten "Nun setzt euch mal hin", bevor er sich für den Preis bedankte. Auch er erinnerte an Stresemann und dessen fortgesetzte Bemühungen für ein einiges und friedliches Europa und stellte fest, dass Stresemann den heutigen Zustand sich kaum hätte erträumen können, auch wenn die Situation nicht frei von Besorgnissen sei.

Er ging ein auf die Aufgabe der Freimaurerei in einem einigen Europa. "Wenn ich es richtig verstehe", führte er aus, "so stellen Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität die Grundideale der Freimaurerei dar. Diese Grundwerte sind notwendig. Ohne sie kann Europa nicht wirklich zusammenhalten."

Aber er verband Lob auch mit wohlwollender Kritik: "Freimaurerei hat prinzipiell keinen Unterschied gemacht hinsichtlich der Nationalität oder der Hautfarbe. Wohl aber hat sie sich durch eine weit ausgedehnte Geheimhaltung ihrer Aktivitäten selbst in ihrer Reichweite eingegrenzt. Ich habe deshalb vor eineinhalb Jahrzehnten schon einmal an die Freimaurer appelliert, ihre begrüßenswerten Gründungen, ihre Spenden, ihre Aktivitäten öffentlich zu machen."

Es hat sich seitdem einiges getan bei den Freimaurern. Tun Sie auch in Zukunft Gutes, tragen Sie zum Gemeinwohl bei — aber reden Sie darüber!

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