Vernetzte Intelligenz — Freimaurerei in der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts

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Es existierten gleichzeitig verschiedene Subsysteme wie Wirtschaft, Politik, Moral, Recht, Religion, Kunst, Wissenschaften etc. In diese Subsysteme wird man nicht mehr hineingeboren und muss auch nicht zwingend ein ganzes Leben lang Mitglied bleiben.“

Von Thomas Forwe
Vortrag anlässlich des Großlogentreffen 2019 in Mannheim.

Florian Maurice zitiert in seiner Dissertation über die „Freimaurerei um 1800“ aus dem „Taschenbuch für Freymaurer auf das Jahr 1803“. Dort heißt es:

„Getrennt von der Welt ist die Loge, eine Welt für sich, des Profanen Auge undurchdringlich, und doch so groß als die Welt. Keine der Auszeichnungen im körperlichen Leben, keine der Verschiedenheiten, die Staat, Gewohnheit, Vorurtheil geschaffen haben, keine der Erwerbungen, die außerhalb dem Menschen liegen, gehen mit dem Maurer in die Loge hinein. Drinnen sind alle Menschen, und weiter nichts; Brüder grüßen sich da, und ein anderes Verhältnis findet unter ihnen nicht statt.“

Florian Maurice führt weiter aus: „Die Loge lag in der Welt, aber in ihrem Selbstverständnis bildete sie eine Welt außerhalb der Welt. Sie war getrennt von der Welt, und das Geheimnis war die Scheidemauer, die die Welt der Loge gegen die Außenwelt abtrennte.“

Ich möchte zu Beginn zwei Aspekte zur sog. Außenwelt herausstellen, die mir im Hinblick auf Freimaurerei besonders interessant erscheinen.

1. Es gibt keine Blicke jenseits der Blicke

Die Außenwelt, von der Florian Maurice spricht, kann als die Gesellschaft verstanden werden. Wenn wir von der Gesellschaft reden, unterstellen wir allerdings häufig stillschweigend, dass es ein Objekt mit dem Namen Gesellschaft gibt, das sich aus einer Beobachterrolle heraus objektiv beschreiben ließe. Wir reden hier aber von einer Beobachtung zweiter Ordnung, die uns daran erinnern soll, dass wir uns als Beobachter beim Beobachten nicht selbst beobachten können. Wir uns also dessen, was wir beim Beobachten nicht wahrnehmen, nicht bzw. nicht immer bewusst sind. Der Soziologe Armin Nassehi hat einmal den schönen Satz geprägt: „Es gibt keine Blicke jenseits der Blicke.“ Was hat er damit gemeint? Wenn wir herausfinden möchten, ob unser Bewusstsein das, was es wahrnimmt, wirklich richtig wahrnimmt, müssen wir das Bewusstsein erst einmal voraussetzen, damit wir es zugleich zum Gegenstand unserer Beobachtung machen können. Wir haben es hier erkenntnistheoretisch also mit einer Paradoxie zu tun. Auch die Freimaurerei ist ein derartiges nicht sichtbares Objekt. Und wenn wir Freimaurer befragen, was denn nun Freimaurerei sei, so bekommen wir einen bunten Strauß an Antworten, weil es eben unterschiedlichste Wahrnehmungen gibt. Und diese Wahrnehmungen werden auch geprägt durch die Fragestellung, was jeder Einzelne in der Freimaurerei sucht oder zu finden glaubt.

Wenn wir einen Aspekt wahrnehmen, nehmen wir gleichzeitig einen anderen nicht wahr. Wir leuchten eine Stelle des Objektes aus und verdunkeln damit automatisch eine andere Stelle. Wollen wir also etwas über eine Sache erfahren, so sollten wir nicht andere Wahrnehmungen abwerten oder gar verbieten, sondern möglichst viele verschiedene Wahrnehmungen zulassen. Vertrauen wir doch einfach einmal darauf, dass sich nur die Wahrnehmungen halten werden, die sich auch im Zeitablauf bewähren. Diese Existenz unterschiedlichster Wahrnehmungen gilt für die Freimaurerei und die Gesellschaft gleichermaßen. Armin Nassehi definiert daher Gesellschaft mit den Worten: „Gesellschaft ist die Gleichzeitigkeit von Unterschieden.“ Das gilt für Freimaurerei ebenso bzw. sollte gelten.

2. Moderne Gesellschaften sind funktional differenziert

Differenzierungen in der Gesellschaft gab es schon immer: Ältere Gesellschaften überall in der Welt unterteilten sich in Kasten, Schichten und Stände. In diese gesellschaftlichen Großkollektive wurde man hineingeboren und verblieb dort meist bis zum Tode. In den vergangenen beiden Jahrhunderten hat sich aber eine radikal neue Gesellschaftsordnung herausgebildet. Niklas Luhmann nannte sie eine „funktional differenzierte Gesellschaft“. An Stelle von Status traten nun unterschiedliche Kommunikationsformen als Ordnungskriterium. So existierten nun gleichzeitig verschiedene Subsysteme wie Wirtschaft, Politik, Moral, Recht, Religion, Kunst, Wissenschaften etc. In diese Subsysteme wird man nicht mehr hineingeboren und muss auch nicht zwingend ein ganzes Leben lang Mitglied bleiben. Es gibt temporäre Mitgliedschaften, Doppel- und Mehrfachmitgliedschaften. Es kann sogar sein, dass einem die Mitgliedschaft nicht einmal bewusst ist. In den heutigen Gesellschaftsformen legen Menschen „mehr Wert auf Individualismus und universelle Gesetze, sodass der moralische Kompass immer weniger in Richtung Autorität und Loyalität ausschlägt, dafür mehr in Richtung Fairness und Freiheit“, wie Philipp Hübl in seinem Buch „Die aufgeregte Gesellschaft“ den amerikanischen Anthropologen Alan Fiske zitiert.

Jedes dieser Subsysteme ist zwar Teil des Gesamtsystems Gesellschaft, arbeitet aber eigenständig nach eigenen Festlegungen und Organisationsstrukturen. Das Gesamtsystem steuert sich also nicht zentral, sondern dezentral. Das macht die Sache einfacher und schwieriger zugleich. Die Digitalisierung erhöht diese Komplexität noch weiter. Anstelle nämlich von klaren eindeutigen und sichtbaren Merkmalen reden wir heute mehr und mehr von Mustern und Mustererkennung. Unsichtbarkeit der Gesellschaft(en) und Uneindeutigkeiten sind die Folge.

Beide eben genannten Aspekte: Unterschiedlichkeit in Wahrnehmungen und funktional differenzierte Gesellschaft stellen uns aber auch vor große Herausforderungen:

  1. Zerfall der Gesellschaft in Teil-Gesellschaften
  2. Verlust der Anschlussfähigkeit durch Sprachlosigkeit bzw. Sprachbarrieren zwischen den Subsystemen und Rückzug der Subsysteme
  3. offen ausgetragene Spannungen und Konflikte zwischen den Subsystemen gerade im Hinblick auf das Beharren auf die Alleingültigkeit der eigenen Wahrnehmung.

Ein ökonomisches Beispiel hierzu: Sie können heute T-Shirts für unter 3 EUR pro Stück erwerben. Wir wissen im Grunde, dass dieser Preis nur möglich ist, wenn Teile der Wertschöpfungskette nicht fair entlohnt werden. Die Mitglieder des Subsystems Moral sind zu Recht empört. Dennoch gibt es Konsumenten, die diese T-Shirts kaufen. Sie argumentieren z.B. damit, dass sie sich teurere Kleidung nicht leisten können. Sie ahnen es schon, es sind die Mitglieder des Subsystems Wirtschaft. Moralische Subsysteme lösen moralische Fragen, Wirtschaftssysteme lösen wirtschaftliche Fragestellungen. Und wir merken schon die inneren Konflikte, die entstehen, wenn ein Konsument in beiden Subsystemen Mitglied ist, ganz abgesehen von den Konflikten zwischen den einzelnen Subsystemen selbst. Aus der Sozialforschung wissen wir, dass es so etwas wie eine „Gesamtvernunft“ eben nicht gibt.

Auch Freimaurerei ist mindestens ein Subsystem. Und auch wir bemerken die Spannungen und Konfliktfelder z. B. in Bezug auf das Subsystem „Religion“ oder auch „Politik“. Hier wäre es eine wichtige und dringende Aufgabe, das Selbstverständnis von Freimaurerei und ihren (gesellschaftlichen) Bezug zu Religion und Politik deutlich(er) herauszuarbeiten. Mein Vor-Vorgänger im Amt als Vorsitzender der Freimaurerischen Forschungsgesellschaft Quatuor Coronati, Br. Hans-Hermann Höhmann, hat dazu im aktuellen A.F.u.A.M.v.D-Newsletter einige grundlegende Gedanken geäußert. Dies wäre eine gute Basis, um weitergehende, durchaus auch kritische Debatten zu führen. Auch wenn dieser Prozess schmerzhaft für den einen oder anderen werden kann.

Sobald mehrere Subsysteme zusammenwirken, können sie sich behindern oder bestärken. Es kommt zu Wechselwirkungen, das Gegenstück von Kausalität. Der schottische Philosoph David Hume bezeichnete schon während der Aufklärung die Kausalität, also die Verbindung von Ursache und Wirkung als „das Zement des Universums“. Es sei aber erwähnt, dass wir uns — Hume folgend — keiner Kausalität sicher sein können, d. h. wir können gar nicht wissen, ob zwei Ereignisse, die in der Vergangenheit (genauer formuliert eigentlich in unserer Erinnerung) zusammen oder kurz aufeinander folgend auftraten, auch in der Zukunft zusammen oder kurz aufeinander folgend auftreten werden. Diese Struktur des kausalen Denkens und der damit verbundenen Mustererkennung hat sich bei Menschen während der Evolution herausgebildet und war immer hilfreich bei Hypothesenbildungen, Prognosen, Planungen und Handlungen.

Man kann auch sagen, dieses kausale Denken war überlebenswichtig. Wenn z. B. jemand eine Pflanze gegessen hatte und kurz darauf starb, war es für die anderen offensichtlich vernünftig, den Genuss dieser Pflanze zu meiden. David Hume bezeichnete es als einen „inneren Zwang“, von der Existenz von Kausalität auszugehen, obwohl diese nicht wahrnehmbar ist.

Aufgrund der wechselseitigen Wirkung dieser Subsysteme zueinander, ist die uns bisher vertraute Kausalität nicht mehr als Prädiktor geeignet. Wir arbeiten nicht mehr im Modus „wenn – dann“, sondern eher im Szenario-Bereich verschiedener Möglichkeiten. Um diese Szenarien aufzuzeigen, bedarf es einer Vielzahl von Experten, die wir verteilt in den einzelnen Subsystemen vorfinden. Jedes Mitglied eines Subsystems ist intelligent und lässt sich nicht von außen steuern. Aufgrund der Selbstorganisation hat das System ein Maximum an Autonomie erreicht. Man könnte dies auch mit Schwarmintelligenz vergleichen. „Schwärme sind“, nach Eva Horn, „nicht nur mehr als die Summe der Individuen, die sie bilden. Schwärme sind, in der Wissenschaft wie in der Fiktion, Modellierungen für etwas, das den Grund allen ‚Lebens‘ darstellt. Schwärme sind das ‚Leben selbst‘, sie machen die unüberschaubare Verwobenheit der Prozesse des Lebens sichtbar in einer Figur, die immer zugleich vieles und eines ist. Als Relationalität, aus deren Einzelelementen das Zusammenspiel der Gesamtheit nicht ableitbar ist, figuriert der Schwarm die irreduzible Konnektivität des Lebendigen […]“. Schwarmintelligenz meint, dass simple Akteure kooperativ Lösungen finden, ohne einen vorgefertigten Plan zu haben. An dessen Stelle treten einfache Verhaltensregeln, die in ihrer Struktur so unkomplex sind, dass sie oft durch einfache Schaltkreise realisierbar sind.

Helmut Willke führt in seinem Buch „Dezentrierte Demokratie“ aus: „Es gilt ohne jeden Vorbehalt die Aussage, dass Demokratie als die beste verfügbare Steuerungsform moderner, funktional differenzierter Gesellschaften alternativlos ist […].“ Willke schlussfolgert: „Mit Globalisierung und Wissensgesellschaft hat die Menschheitsentwicklung in der Tat eine Wendung genommen, welche die für Demokratie prägende Kombination von Recht und Politik auflöst und eine weiter gehende Entzauberung des normativen Erwartungsstils vorantreibt. Statt formaler Gesetze werden für die Politik Vorhaben, Programme, Investitionen, Anreize und Kampagnen wichtiger und prägender, und der Stil der Durchsetzung von Entscheidungen wandelt sich von hoheitlicher Anweisung zu evidenzbasierter Überzeugungsarbeit, die auf das durch Anreiz und Motivation veränderte Verhalten der Bürger zielt.“ Die Aufgabe der Demokratie wäre es damit, so Willke, „die ‚verteilte Intelligenz‘ vieler Expertengruppen und Fachgemeinschaften zu nutzen.“ Dies gelingt am einfachsten, wenn man diese verteilten Intelligenzen vernetzt.

Was ist mit dieser Vernetzung gemeint? Es gilt nicht mehr nur, verschiedene Kompetenzen, die in verschiedenen Subsystemen verteilt sind, zu nutzen. Dies würde ja nur bedeuten: „Ich benötige zur Erfüllung meiner individuellenZielsetzung die Kompetenz eines anderen.“ Dieses Kooperationsmodell funktioniert immer nur solange, bis es zu Zielkonflikten bei einem der beteiligten Subsystemen kommt. Vernetzung geht noch einen entscheidenden Schritt weiter. Vernetzung versucht, Zielkonflikte dadurch zu entschärfen bzw. zu lösen, indem auf das gemeinsame Dritte hingewiesen wird. Dieses gemeinsame Dritte wäre eine Art Existenzbedingung der Subsysteme überhaupt, um ein langfristiges Agieren für beide Systeme zu ermöglichen. Vernetzung könnte also das Nullsummenspiel in ein Nicht-Nullsummenspiel transformieren.

Ich möchte zusammenfassend fünf Punkte nennen, die aus meiner Sicht dazu beitragen könnten, die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Vernetzung zu erhöhen:

  1. Stetiges Werben um ein gemeinsames Wertverständnis als kleinster gemeinsamer Nenner aller Subsysteme.
  2. Offenheit im Denken und Handeln aller ihrer Mitglieder, damit sie ohne Vorfestlegungen oder gar Vorverurteilungen aufeinander zugehen können und dabei zu akzeptieren, dass ein Meinungsaustausch auch zur Änderung der eigenen Meinung führen kann.
  3. Kreativität, damit immer wieder neue Ideen entstehen, um gemeinsame Erlebnisse unterschiedlicher Subsysteme zu schaffen und das Gegenüber erfahrbar zu machen.
  4. Mut, diese Ideen mit oft ungewissem Ausgang einfach umzusetzen und sich ergebnisoffen darauf einzulassen.
  5. Beharrlichkeit, um beim Scheitern nicht aufzugeben, sondern eine neue Idee auszuprobieren.

Interessant ist auch eine Studie des Weltwirtschaftsforums aus dem Jahr 2018 über die zukünftig benötigten Fähigkeiten für Berufe mit Blick auf das Jahr 2022: Analytisches Denken, Kreativität, kritisches Denken, emotionale Intelligenz und Sozialverhalten stehen unter den Top Ten. (Studie kann abgerufen werden unter http://www3.weforum.org/docs/WEF_Future_of_Jobs.pdf, zuletzt abgerufen am 02.06.19).
Es braucht nicht viel Fantasie, um an diesen von mir genannten Punkten bereits zu erahnen, wie hilfreich Freimaurerei für den Einzelnen sein kann, um bei diesen Aufgaben erfolgreich mitzuwirken. Freimaurerei wäre in diesem Sinne quasi das geistige Fitnessstudio zur Vorbereitung auf die anstrengende Abenteuerreise, die wir Leben nennen.

Ich habe auch bereits ausgeführt, dass ein zentraler normativer Erwartungsstil in funktional differenzierten Gesellschaften seine Wirkkraft verliert und durch eine Vielzahl zivilgesellschaftlicher Initiativen zu ersetzen wäre.
Auf der Homepage der Großloge A.F.u.A.M.v.D. ist zu lesen: „Als Glieder eines ethischen Bundes treten die Freimaurer für Menschlichkeit, Brüderlichkeit, Toleranz, Friedensliebe und soziale Gerechtigkeit ein.“ Fürwahr, wir haben wichtige Werte, sie transportieren ein humanistisches Menschen- und Weltbild. Und wir erleben täglich in den Nachrichten, was passiert, wenn diese Werte nicht gelebt werden oder gelebt werden können (beispielhaft sei hier auf den Demokratieindex der Zeitschrift „The Economist“ hingewiesen, abrufbar unter https://www.eiu.com/topic/democracy-index, zuletzt abgerufen am 2.6.2019). Auch im Inneren unseres Bundes merken wir, wie schwierig es gelegentlich sein kann, diese Werte zu leben. Deshalb üben wir uns darin auch permanent in unseren Ritualen. Und wenn uns diese Werte wirklich wichtig sind, dann müssen wir sie auch verteidigen, wo sie in Gefahr scheinen. Dies gilt nicht nur innerhalb der Loge, dies gilt insbesondere in der Außenwelt.

Auf der Homepage heißt es weiter: „Als Gemeinschaft brüderlich verbundener Menschen ist die Loge Übungsstätte dieser Werte.“

Die Loge trägt eine Besonderheit in sich, die ich gerne den freimaurerischen Unterschied nenne. Also eine Besonderheit des Ortes, der, wie es Br. Hans-Hermann Höhmann gerne mit Lessings Worten ausdrückt, „ein laut denken mit einem Freund“ ermöglicht und fordert. Der französische Philosoph Michel Foucault führte in einem Vortrag vor Architekten einen neuen Begriff ein, den der Heterotopie. Im Unterschied zu Utopien, sind Heterotopien Orte, die es tatsächlich gibt. Allerdings verkörpern diese Orte eine räumlich und zeitlich situierte Andersartigkeit, die mit alltäglichen Situationen und Orten nicht im Einklang stehen. Utopien sind den Menschen schon seit dem 16. Jahrhundert vertraut. Sie basieren auf dem Wunsch der Menschen, sich an einen anderen, besseren, schöneren Ort zu wünschen. Er selber führte als Beispiele heterotopischer Orte an: Altenheime, Friedhöfe, Krankenhäuser, Gefängnisse, Kinos, Theater, Gärten etc. Sie alle zeichnen sich im Wesentlichen durch vier Eigenschaften aus: 1. Sie haben eine besondere räumliche Struktur, können also beispielsweise die ganze Welt an diesem einen Ort abbilden. 2. Sie haben eine besondere zeitliche Struktur, sie können sowohl endlos Zeit sammeln als auch nur wenige Momente umfassen. 3. Das Betreten dieser Räume ist an spezielle Ein- und Ausgangsrituale gebunden. Sie sind nicht ohne weiteres für jedermann zugänglich. Und 4. schließlich entstehen in heterotopischen Räumen entweder Illusionen von neuen Wirklichkeiten oder aber es formen sich andere Wirklichkeiten, die den realen gegenüber vollkommener und damit besser erscheinen. Von all diesen Orten geht Foucaults Einschätzung nach eine gewisse Faszination aus, da sie in besonderer Weise gesellschaftliche Verhältnisse repräsentieren, negieren oder umkehren.

Im Raum Loge gilt beispielsweise eine andere Zeitrechnung, mit der es möglich scheint, zumindest für die Dauer der Anwesenheit, Entschleunigung zu erfahren. Für einen — wenn auch nur kurzen — Moment, entziehen wir uns dem Diktat des Immer-Schneller-Besser-Weiter-Prinzips. Wir entziehen uns dem kräftezehrenden Wettbewerb im Berufs- wie Privatleben, entledigen uns des oftmals anstrengenden Funktionieren-Müssens. Mitglieder der Loge haben nicht nur die Chance, nein, sie haben die Pflicht, sich ausreichend Zeit für den eigenen Reifungsprozess zu nehmen. Wir begleiten typischerweise diesen Prozess, den wir die „Arbeit am rauen Stein“ nennen, gerne mit den Aufforderungen: „Schau in Dich! Schau um Dich! Schau über Dich!“ Wie trägt nun der Ort der Loge im Besonderen zu diesem Reifungsprozess bei? Versteht man die Loge als einen heterotopischen Raum, dann wird Freimaurerei quasi zu einer realen Utopie, indem sie von einer Wirklichkeit kündet, die es weder gab noch bisher gibt. Die utopische Besonderheit zeichnet sich aber dadurch aus, dass sie den Charakter des Erwartbaren und des Möglichen gewinnt und der unvollendete Bau dereinst einmal Wirklichkeit werden könnte. Aber wie sieht diese reale Utopie aus? Ich hatte zu Beginn bereits versucht zu verdeutlichen, dass wir bei der Beschreibung von „Objekten“ (Gesellschaft, Freimaurerei) individuelle Wahrnehmungsfilter anwenden und somit jeder ein anderes „Bild“ vom „Objekt“ zeichnet. Wenn dies stimmt, und das setze ich jetzt einfach einmal voraus, stellt sich die Frage, wie wir denn die Anschlussfähigkeit herstellen, um über eine Sache gemeinsam zu reden, von der wir im Grunde alle ein anderes Bild haben. Anders gesagt: Wie können wir trotz unterschiedlicher Wahrnehmungen über dasselbe reden? Wir nutzen Metaphern und Symbole. Wir bezeichnen diese Utopie als „unvollendeten Bau“ (im Übrigen sehen wir gerade in Berlin, dass der „unvollendete Bau“ eine reale Utopie sein kann). Oder: Wir bauen am Tempel der Humanität. Auch hier ist die Metapher „Bauen“ sehr interessant. Bauen heißt, man hat es mit etwas zu tun, das noch nicht fertig ist, das während des Bauens auch immer noch geändert werden kann. Bauen ist ein Verb, wir nannten es früher „Tu-Wort“, was zum Ausdruck bringen will, wir Brüder müssen tätig werden. Der Freimaurer beweist sich im Tun. Der Tempel der Humanität ist kein Zustand, wir werden auch den Bau nie vollenden. Der Prozess des Bauens ist wichtiger als das Erreichen des Endzustandes. Unsere Arbeit wird nie aufhören.

Und gerade weil wir uns auf kein konkretes, detailliertes Bild dieses Tempels geeinigt haben, können wir trotz aller verschiedenen Wahrnehmungen über den Tempel der Humanität reden. Auch wenn dieser Bau bzw. dieser Tempel vielleicht nicht final beschrieben ist, ist er dennoch nicht beliebig. So bleibt im Übrigen auch Platz für den jeweiligen Zeitgeist über die Jahrhunderte hinweg. Es verbindet sich also Stabilität mit Wandel.

Auch wenn wir nicht ganz genau wissen, wo wir hinwollen, so bemerken wir doch (durch die Rückschau, durch das Zurückkehren in die Welt), ob wir vom Kurs abgekommen sind oder ob wir uns in die gewünschte Richtung bewegen.
Und wie wirken wir Freimaurer in der Außenwelt? Diese Frage haben Klaus-Jürgen Grün, mein Vorgänger im Amt des QC-Vorsitzenden und ich versucht, in einem Beitrag in der „Humanität“ zu beantworten. Dort schreiben wir:
„Im Ritual begegnen wir einem Menschen, der an sich selbst arbeitet, der Freimaurer ist Beobachter und zugleich das Beobachtete. Im Ganzen vollführen die Rituale ein Leben, das sich selber lebt. Niemand ist im Ritual ein außenstehender Beobachter, der durch das Geschehen unberührt bleiben kann. Freimaurer inszenieren den Prozess des Lebens, das sich selber lebt. Man kann sich nicht außerhalb des Rituals stellen und es von außen beobachten. Entweder man ist im Tempel dabei oder man bleibt außen vor. […] Diese Szene entwickelt Ethik auf eine ganz andere Weise, als es unsere traditionellen Ethiken tun. Wer selbst ein Bestandteil der Szene ist, die er beobachtet, ist mitverantwortlich für alles, was dort geschieht. Übertragen wir die Szene der Tempelarbeit auf die alltägliche Welt, so entsteht die Anforderung an sich selbst, sich stets als Bestandteil derjenigen Welt zu betrachten, die man vor sich hat. Durch unser Handeln in der Welt verändern wir uns selbst und damit auch die Welt. Sofern ich mich aber als ein Wesen betrachte, das nur eine Außenwelt in sich abbildet, dann kann ich gar nichts dafür, dass die Welt so ist, wie sie sich in mir abbildet. Ich bin ja dann nur der passive Empfänger der Daten aus der Welt. […] Die Arbeit der Freimaurer erweist sich als eine Umwandlung der transitiven Bedeutung des Wortes in seine intransitive Bedeutung. Die transitive Bedeutung von Arbeit wäre das Arbeiten für etwas Anderes, für einen anderen. Die intransitive Bedeutung wäre das Arbeiten an sich selbst.

Deutlicher erkennbar ist dieser Sachverhalt an dem transitiven Verb ‚organisieren‘. Der Kybernetiker Heinz von Foerster legt dar, welcher fundamentale Wandel mit der Umwandlung der transitiven Bedeutung in ihre intransitive verbunden ist: Das Transitive ist, wenn ‚Organisator und seine Organisation so fundamental voneinander getrennt sind wie die Formen des Aktivs und des Passivs; es handelt sich um die Welt der Organisation des anderen, die Welt des Gebots: ‚Du sollst …!‘ Wenn wir andererseits die Organisation einer Organisation betrachten, so daß die eine in die andere hineinschlüpft, d. h. also ‚Selbstorganisation‘ entsteht, dann setzen wir eine Welt, in der ein Akteur letztendlich immer mit Bezug auf sich selbst handelt, denn er ist in seine Organisation eingeschlossen; es handelt sich um die Welt, in der man sich selbst organisiert, die Welt des Gebots: ‚Ich soll …!‘“

Unser Tempel verwandelt die verteilte Intelligenz der Individuen in die vernetzte Intelligenz der behauenen Steine. Zu einer gelungenen Tempelarbeit müssen alle Brüder gleichermaßen ihren Beitrag leisten. Alle müssen sich zu einem Ganzen organisieren. Es wird keine gelungene Arbeit, wenn jeder nur seine Rolle im Auge hat. Denken wir doch einmal daran, was passiert, wenn z. B. der Erste Aufseher seinen Einsatz verpasst oder textlich an die falsche Stelle gerät. Wenn der Stuhlmeister jetzt nicht „die Situation elegant rettet“, wird es keine gelungene Tempelarbeit. Und dies selbst, wenn der Stuhlmeister in seiner Rolle keine Fehler machte. Rettet er dagegen die Situation, kann es trotz des Patzers eine sehr gelungene Tempelarbeit werden.

Wir erkennen also, dass wir als Individuen immer auch von anderen abhängig sind und wandeln die Metapher des Nullsummenspiels, bei dem es immer einen Gewinner und einen Verlierer geben muss, in die Metapher einer Win-win-Situation ab, bei der alle gewinnen können, wenn vielleicht auch nicht immer in gleichem Maße. Es entsteht so die Weisheit der Vielen, die wir als soziale Gemeinschaft identifizieren und wertschätzen.
Richtig und ernsthaft ausgeführt, lassen uns unsere Rituale spüren, wie sich das rechte Maß anfühlt, wenn wir im Miteinander unsere Werte üben. Durch permanentes Üben wird aus der moralischen Mittelwahl ein tugendhafter Habitus. Deshalb scheint auch hier der Begriff der „Einübungsethik“ gerechtfertigt.

In Anlehnung an Peter Sloterdijks Buch „Du musst dein Leben ändern“ kann man den Freimaurer als Übenden, als ein sich durch Übungen selbst erzeugendes Wesen vorstellen. Seine Aktivitäten wirken unablässig auf ihn zurück: die Arbeit auf den Arbeiter und die Freimaurerei auf den Freimaurer. Wir verändern nicht die Welt, wir verändern uns und kehren als veränderte Menschen in die Welt zurück, auf die wir dann anders einwirken und die wir dann anders erleben. Was sich bewährt, funktioniert, was sich nicht bewährt, funktioniert nicht. Diese Bewährung ist auch die Bewährung der Freimaurerei. Zugegeben, es wird nur ein bescheidener kleiner Beitrag zur Verbesserung der Welt sein, aber es ist einer.

Zum Schluss: Was wünsche ich uns Freimaurern für die Zukunft? Dass wir aufhören zu suchen und anfangen zu finden.

In den Worten von Pablo Picasso ausgedrückt:

„Ich suche nicht — ich finde. Suchen — das ist Ausgehen von alten Beständen und ein Finden-Wollen von bereits Bekanntem im Neuen. Finden — das ist das völlig Neue! Das Neue auch in der Bewegung. Alle Wege sind offen und was gefunden wird, ist unbekannt. Es ist ein Wagnis, ein heiliges Abenteuer! Die Ungewissheit solcher Wagnisse können eigentlich nur jene auf sich nehmen, die sich im Ungeborgenen geborgen wissen, die in die Ungewißheit, in die Führerlosigkeit geführt werden, die sich im Dunkeln einem unsichtbaren Stern überlassen, die sich vom Ziele ziehen lassen und nicht — menschlich beschränkt und eingeengt — das Ziel bestimmen. Dieses Offensein für jede neue Erkenntnis im Außen und Innen: Das ist das Wesenhafte des modernen Menschen, der in aller Angst des Loslassens doch die Gnade des Gehaltenseins im Offenwerden neuer Möglichkeiten erfährt.“

Thomas Forwe

Thomas Forwe ist Associate Partner einer großen mittelständischen Unternehmensberatung. Seit 2016 leitet er die Forschungsloge Quatuor Coronati und ist in der Großloge A.F.u.A.M.v.D. für die Aus- und Weiterbildung mitverantwortlich. Das wissenschaftliche Tagungsprogramm des Großlogentreffens in Mannheim wurde von ihm organisiert.

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Unsere Großloge im 21. Jahrhundert

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Freimaurerei war stets von der jeweiligen gesellschaftlichen, politischen und auch religiösen Situation geprägt und wandelte sich mit ihr. Seit dem Entstehen der ersten Logen und Großlogen entwickelte sich in den einzelnen Staaten jeweils eine eigene, von der nationalen Geschichte geprägte Freimaurerei oder sogar deren mehrere unterschiedliche.

Von Karl-Henning Kröger, Zugeordneter Großmeister
Vortrag anlässlich des Großlogentreffen 2019 in Mannheim.

In Deutschland haben wir in den Vereinigten Großlogen (VGLvD) fünf verschiedene Lehrarten in fünf Großlogen mit jeweils unterschiedlichen Traditionen und auch Inhalten.

Die Identität der Großloge A.F.u.A.M.v.D. im 21. Jahrhundert

Auch unsere Großloge hat ihre eigene Identität. Hierauf möchte ich besonders eingehen, weil wir uns unserer inhaltlichen Identität bewusst sein sollten. In der Präambel zu unserer Verfassung (der Vereinssatzung) steht seit 1974, dass „die in der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland zusammengeschlossenen Freimaurer auf der Grundlage der Alten Pflichten von 1723“ sich diese Verfassung gaben.

Die „Alten Pflichten“ sind ein Text des frühen 18. Jahrhunderts, der in der damaligen politischen und gesellschaftlichen Situation in England entstanden ist. Unsere heutige Situation ist eine völlig andere. Daraus folgt meiner Meinung nach, dass wir uns an die Prinzipien dieses Textes halten, ihn aber im Sinne des frühen 21. Jahrhunderts interpretieren und anwenden müssen.

Die freiheitlich-humanitäre Tradition

In der genannten Präambel heißt es weiter, die Großlogenverfassung stehe im Geiste der durch die „Alten Pflichten“ von 1723 begründeten freiheitlich-humanitären Tradition.

Wenn wir uns in einer solchen Tradition sehen, müssen wir uns im Klaren darüber sein oder werden, was das eigentlich bedeutet. Von Freiheit im Allgemeinen ist in den „Alten Pflichten“ gar nicht die Rede. Mit der freiheitlichen Komponente dieser Tradition kann nur die Religionsfreiheit gemeint sein, die der Reverend James Anderson im ersten Abschnitt „Von Gott und der Religion“ empfiehlt. Was aber ist die humanitäre Komponente unserer Tradition?

Das Wort „humanitär“ gibt es in der hier gemeinten Bedeutung nur im freimaurerischen „Sonderwortschatz“. Seine übliche Bedeutung ist laut dem aktuellen Duden:

„auf die Linderung menschlicher Not bedacht, ausgerichtet“, z. B. „eine humanitäre Organisation“,
„durch die existenzielle Not vieler Menschen gekennzeichnet“, z. B. „eine humanitäre Katastrophe“.

Vor dem nationalsozialistischen Verbot gab es in Deutschland zwei Gruppen von Großlogen:

Die drei christlich orientierten sogenannten „Altpreußischen“ Großlogen wandten sich nach „… ihrem Ritualinhalt und ihrem ganzen System … nur an Bekenner christlicher Glaubensbekenntnisse …“ Diese waren die Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland, die Große National-Mutterloge zu den drei Weltkugeln und die Große Loge von Preußen, genannt zur Freundschaft. 1933 gehörten ihnen zusammen etwa 70% der deutschen Freimaurer an. Heute hat noch die Große Landesloge eine Sonderstellung innerhalb der VGLvD. Sie gehört „mit den skandinavischen Großlogen zur sogenannten christlichen Ausrichtung der Freimaurerei, die nach dem sogenannten ‚Schwedischen System‘ arbeitet.“

Die übrigen sieben Großlogen machten keinen Unterschied nach dem Glaubensbekenntnis. Diese waren die Großlogen von Bayreuth, Frankfurt, Hamburg, Darmstadt und Sachsen sowie die Deutsche Bruderkette. „Das Bestehen einer christlichen Freimaurerei in Deutschland hatte die übrigen deutschen Großlogen veranlasst, sich selbst ein sprachlich unterscheidendes Merkmal zu geben, wobei die nicht gerade glückliche Wortverbindung ‚Humanitätsmaurerei‘ erfunden wurde …“

Von diesem Begriff ist das Adjektiv „humanitär“ abgeleitet. Es bezeichnet eine Freimaurerei, die nicht an ein religiöses Bekenntnis gebunden ist. Das Wort hat diese Bedeutung erst seit dem frühen 20. Jahrhundert, das Konzept ist aber bereits in den „Alten Pflichten“ formuliert. Dort steht nämlich in dem schon angesprochenen ersten Abschnitt „Von Gott und der Religion“, man solle die Menschen nicht mehr wie früher zu der jeweiligen Religion des Landes oder der Nation verpflichten, sondern nur noch dazu, gute und wahrhaftige Männer zu sein und ihnen ihre jeweiligen persönlichen Überzeugungen selbst zu überlassen.

Genau das ist mit der freiheitlich-humanitären Tradition, in der unsere Großloge steht, gemeint!

Die Tradition der Aufklärung und des Humanismus

Immer wieder heißt es, dass die Freimaurerei in der Tradition der Aufklärung und des Humanismus stehe. Diese beiden Begriffe treten in vielerlei Zusammenhängen auf und haben ihre Bedeutungen in unterschiedlichen Kulturen und im Laufe der Geschichte gewandelt. Professor Binder hat heute zu „Humanismus als politischem Auftrag der Freimaurerei“ vorgetragen. Ich möchte in diesem Zusammenhang den Aspekt der Aufklärung kurz ansprechen:

Viele Menschen flüchten sich heute, angesichts neuer, unverstandener Technologien, von bedrohlichen Veränderungen ihrer Berufswelt, von Globalisierung, Migrationswellen, politischen Umwälzungen usw., in scheinbar einfache Lösungen, in Nationalismus, in Verschwörungstheorien oder in fundamentalistische Interpretationen von Religionen. Man könnte auf die Idee kommen, dass die Aufklärung schon wieder zurückgedrängt werde.

Angesichts solcher Trends genügt es meines Erachtens nicht mehr, „in der Tradition der Aufklärung zu stehen“, sondern wir müssen — jeder Einzelne für sich — aktiv den Vereinfachern und Dogmatikern entgegentreten. Zur Tradition der Aufklärung gehört ein wissenschaftliches Weltbild. Man kann sich heute im Internet unentgeltlich zu jedem beliebigen Thema informieren, man kann allerdings auch jeden beliebigen Unsinn finden. Kritisches Denken ist also angesagt, wenn uns etwas an der Aufklärung liegt.

Steven Pinker hat im vergangenen Jahr ein meines Erachtens wichtiges Buch vorgelegt. Der deutsche Titel lautet: „Aufklärung jetzt, für Vernunft, Wissenschaft, Humanismus und Fortschritt“.

Das Sittengesetz

Im ersten Abschnitt der Alten Pflichten heißt es im ersten Satz: „A Mason is oblig’d, by his Tenure, to obey the moral Law; …“ Das bedeutet auf Deutsch: „Der Freimaurer ist durch seine lebenslange Verpflichtung daran gebunden, dem Sittengesetz zu gehorchen.“

Was ist denn das Sittengesetz? Artikel 2, Absatz 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland lautet: „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.“ Das Sittengesetz, dem der Freimaurer gehorchen soll, steht also auf gleicher Höhe wie die verfassungsmäßige Ordnung. Es ist zwar mit den staatlichen Gesetzen, mit dem sogenannten „positiven Recht“ gleichwertig, aber es handelt sich um einen unbestimmten Begriff. Dieses Sittengesetz muss also beim praktischen Handeln im Rahmen der staatlichen Verfassung jeweils mit Inhalt gefüllt werden.

Aus dem Sittengesetz leiten wir auch unser freimaurerisches Menschenbild her. Der Mensch ist frei zu handeln und damit für sich selbst und für sein Handeln verantwortlich.

Immanuel Kant hat in seiner „Kritik der praktischen Vernunft“ das Konzept des Sittengesetzes durchdrungen, in mehreren Varianten des Kategorischen Imperativs formuliert und damit auch das freimaurerische Denken wesentlich mitgeprägt. „Kant löste die Moral von der Religion los.“ Wikipedia sagt zum Stichwort „Sittengesetz“: „Im verfassungsrechtlichen Verständnis umfasst das Sittengesetz alle sittlichen Normen, die als Allgemeingut der Zivilisation weltweit anerkannt sind.“

Nun gelten aber in den verschiedenen Regionen unseres Planeten und galten auch zu verschiedenen Zeiten sehr unterschiedliche sittliche Normen. Diese Definition halte ich deshalb für unbrauchbar. (Man sollte nicht alles glauben, was bei Wikipedia steht!) Stattdessen sagt mein Brockhaus von 1973: „Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes sind entscheidend die Wertvorstellungen, die nach ‚allgemeinem sittlichen Urteil‘ für die im Geltungsbereich des GG lebende Rechtsgemeinschaft bestimmend sind.“ Das ist also das heute in Deutschland vom Grundgesetz gemeinte und damit verbindliche Sittengesetz.

Dementsprechend nennen wir die in der Tempelarbeit aufgeschlagene Bibel nicht „Buch der heiligen Gesetze“ (damit wären etwa die 613 Gebote und Verbote oder die „10 Gebote“ im Alten Testament gemeint), sondern wir sprechen vom „Buch des Heiligen Gesetzes“. Wir verstehen das Buch nicht als religiöses Bekenntnisbuch, sondern als Symbol für das Sittengesetz.

Aus dem Sittengesetz leiten wir auch unser freimaurerisches Menschenbild her. Der Mensch ist frei zu handeln und damit für sich selbst und für sein Handeln verantwortlich. So interpretiere ich auch die ältere der beiden Schöpfungsgeschichten, die am Anfang der Bibel stehen. Indem Adam und Eva im Paradies vom Baum der Erkenntnis essen, gehen ihnen die Augen auf. Ihnen wird das Licht erteilt, die Erkenntnis. Sie erkennen jetzt den Unterschied zwischen Gut und Böse. Sie können fortan nicht mehr wie die Tiere, die weder Gut noch Böse kennen, im Paradies leben. Indem Adam und Eva ein sittliches Bewusstsein bekommen haben, sind sie wirkliche Menschen geworden. Sie kennen nicht nur den Unterschied zwischen Gut und Böse, sondern sie sind selbst dafür verantwortlich, ob sie gut oder böse sind.

Die Geschichte, insbesondere die des 20. Jahrhunderts, ist voll von Menschen, die sich für das Böse entschieden haben. Die erste Pflicht, die dem Freimaurer in den „Alten Pflichten“ genannt wird, ist, dem Sittengesetz zu gehorchen. Das ist nicht immer leicht, man muss daran arbeiten. Das verstehen wir unter der der „Arbeit am Rauen Stein“.

Der Große Baumeister aller Welten

Die Vereinigte Großloge von England zählt zu den Bedingungen, die für die Anerkennung einer ausländischen Großloge erfüllt sein müssen, dass Freimaurer unter deren Jurisdiktion an ein „Supreme Being“ glauben müssen. Im Artikel 3, Absatz 2 unserer Großlogenverfassung ist definiert, was wir darunter verstehen: „Sie (die Freimaurer) sehen im Weltenbau, in allem Lebendigen und im sittlichen Bewusstsein des Menschen ein göttliches Wirken voll Weisheit, Stärke und Schönheit.“

Mit „Weltenbau“ ist nach heutigem Stand der Wissenschaft gemeint: Die Existenz der Raum-Zeit, von Materie und Energie, die Gesamtheit der Naturgesetze, einschließlich der seltsamen Gesetze der Quantenwelt, die Existenz von Hunderten von Milliarden von Galaxien und vieles mehr, von dem wir noch nichts wissen und vielleicht nie etwas wissen werden.

Das „Lebendige“ als zweite Komponente dieses Konzeptes ist die überaus erstaunliche Tatsache, dass so etwas wie Leben überhaupt existiert und dass die Materie nicht etwa unbelebt ist, und dann die unvorstellbare Vielfalt der Lebensformen von scheinbar primitiven Einzellern bis beispielsweise zum Menschen, der sich für die Krone der Schöpfung hält, der aus etwa 100000 Milliarden von Zellen besteht , von denen jede einzelne den gesamten Bauplan für seinen Körper enthält, und der wiederum von vielen Milliarden Bakterien bewohnt wird. Das Gehirn des Menschen ist der komplexeste Gegenstand, von dem wir wissen. Über das sittliche Bewusstsein habe ich eben gesprochen. Soweit wir wissen, unterscheidet es den Menschen von allen anderen Lebensformen.

Wenn es in diesem Verfassungsartikel heißt, dass die Freimaurer in all dem ein „göttliches Wirken“ sehen, erinnert diese Formulierung an eine theistische Gottesauffassung, an die Vorstellung eines Gottes, der die Welt aktiv regiert und in ihr handelt. Eine solche Vorstellung steht genau genommen im Widerspruch zu dem humanitären Prinzip. Wenn wir das humanitäre Prinzip ernst nehmen, müssen wir auch die Formulierung „göttliches Wirken“ als Metapher auffassen und nicht wörtlich verstehen.

Die Erforschung und Betrachtung der drei genannten Bestandteile der Welt kann man auch unter den Begriffen „Kosmologie“, „Biowissenschaften“ und „Ethik“ zusammenfassen. Auch wer nicht einer bestimmten Religion angehört und vielleicht keine bestimmte Gottesvorstellung hat, sich aber mit diesen Themen ernsthaft beschäftigt, wird von großer Ehrfurcht erfasst werden und, wenn er Freimaurer ist, wird er „dies alles … unter dem Sinnbild des Großen Baumeisters aller Welten“ verehren.
Ich finde, dass diese Definition einerseits in wenigen Worten die dem Menschen angemessene Ehrfurcht vor einem „Supreme Being“ einem „Höchsten Sein“ ausdrückt und andererseits nicht behauptet, über das Wesen des Schöpfers oder eines Schöpfers genau Bescheid zu wissen. Ich finde, dass sich unter dieser Definition Angehörige aller religiösen Überzeugungen wiederfinden können. Ich finde außerdem, dass diese Definition einem wissenschaftlichen Weltbild entspricht, das im Zeitalter der Aufklärung entstanden ist. Dieses Zeitalter heißt im Englischen sehr treffend „the age of enlightenment“, was man auch wörtlich mit „Zeitalter der Erleuchtung“ übersetzen kann.

Übrigens heißt es noch in der Großlogenverfassung von 1964: „Der Freimaurer erblickt im Weltenbau, in allem Lebendigen und im sittlichen Bewußtsein des Menschen das Wirken eines göttlichen Schöpfergeistes voll Weisheit, Stärke und Schönheit und verehrt ihn (den göttlichen Schöpfergeist!) unter dem Sinnbild des Allmächtigen Baumeisters aller Welten.“  Erst in der Freimaurerischen Ordnung von 1975 steht die heute gültige Definition:

„Sie sehen im Weltenbau, in allem Lebendigen und im sittlichen Bewußtsein des Menschen ein göttliches Wirken voll Weisheit, Stärke und Schönheit. Dies alles verehren sie unter dem Sinnbild des Großen Baumeisters aller Welten.“

Auch darin sehen wir eine Entwicklung von einem traditionellen, noch stark religionsgebundenen, eher theistischen Verständnis eines Schöpfers hin zu dem Großen Baumeister als dem „umfassenden Symbol für den Sinn der freimaurerischen Arbeit“ . Dies ist meines Erachtens ein Verständnis des „Supreme Being“, in dem sich Angehörige ganz unterschiedlicher Weltanschauungen wiederfinden können. Br. Hans-Hermann Höhmann schreibt hierzu: „Das Symbol des ‚Großen Baumeisters‘ deutet den transzendenten Bezug des Freimaurers an, wobei Transzendenz auch als eine immanente, nicht auf einen religiösen Glauben bezogene Transzendenz […] verstanden werden kann.“ Dieser transzendente Bezug des Freimaurers entsteht aus der Einsicht (oder der Vermutung), dass es etwas geben muss, das unsere raum-zeitliche, mit den Sinnen des Menschen oder mit den Instrumenten der Wissenschaft erfassbare Welt übersteigt.

Kontinuität und Wandel — Was muss bleiben?

„Es muss sich alles ändern, damit es bleibt, wie es ist.“ Dieses Zitat aus dem Roman „Il Gattopardo“ von Tomasi di Lampedusa ist Untertitel zum Thema unseres Großlogentreffens. Der Roman handelt von den gewaltigen politischen und sozialen Umwälzungen in Italien nach 1860, vom Aufstieg des Bürgertums, und davon, wie der traditionelle Adel versuchte, mit den modernen Zeiten fertig zu werden.

Die Freimaurerei hat über mehr als drei Jahrhunderte eine erstaunliche Stabilität gezeigt. Das liegt vermutlich an einer konservativen Grundhaltung, am Beibehalten von Prinzipien, während das Logenleben sich flexibel an gesellschaftliche Entwicklungen angepasst hat.

Es blieben weitgehend unverändert: Die Organisation in Logen und Großlogen als „Männerbund“, (auf weibliche Freimaurerei komme ich noch zu sprechen), das Ritual mit Initiation als Alleinstellungsmerkmal unter allen Formen von „Vereinsleben“, die Hauptinhalte, nämlich das Ideengut der Aufklärung und des Humanismus, die ethische Ausrichtung, und nicht zuletzt Geselligkeit, die weitgehende Einhaltung von allgemein anerkannten Regeln, den „Basic Principles“, den Kriterien, die sich die Vereinigte Großloge von England für die Anerkennung von anderen Großlogen als regulär gegeben hat, Verschwiegenheit, die „diskrete Gesellschaft“, die strikte Neutralität in politischen und religiösen Angelegenheiten, wozu auch die humanitäre Ausrichtung gehört.

Wenn die Annahme zutrifft, dass das Festhalten an diesen Prinzipien ein wesentlicher Grund für die jahrhundertelange Attraktivität und Stabilität der Freimaurerei ist, sollten wir m. E. unbedingt an diesen Prinzipien festhalten und allen Versuchungen, durch vermeintliche „Modernisierung“ attraktiver zu werden, widerstehen.

Das Wesen des Wandels heute

In der zweiten Hälfte des 20. und jetzt im 21. Jahrhundert beschleunigen sich in einem vorher nicht geahnten Maße technologische Entwicklungen und in ihrer Folge die gesellschaftlichen Umwälzungen. Unter den zahlreichen globalen und langfristigen Trends, den sogenannten Megatrends, greife ich einige beispielhaft heraus, von denen ich annehme, dass sie konkrete Auswirkungen auf unseren Bund haben:

Der wissenschaftliche und technologische Fortschritt beschleunigt sich weiter.

Die Digitalisierung durchdringt immer weiter auch das Alltagsleben. Automatisierung, „Industrie 4.0“ und Künstliche Intelligenz verändern die Wirtschaft und die Realitäten in den Berufen und auch ganz allgemein das Privatleben schneller, als Gesellschaften und Politik sich anpassen können. Auch die Gentechnologien werfen zahlreiche Fragen zu sozialen, ethischen und rechtlichen Aspekten auf. Der Abstand zwischen den Gewinnern und den Verlierern dieser Trends vergrößert sich, auch in Deutschland. In einer aktuellen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach sagten gerade 32% der Deutschen, sie glaubten an den Fortschritt. Das ist der niedrigste Wert seit fünf Jahrzehnten. Das hat bedeutende Auswirkung in der Gesellschaft.

Wir sollten meines Erachtens in den Logen mit Hilfe kompetenter Brüder auch über technologische Entwicklungen, vor allem aber über die damit verbundenen sozialen und ethischen Themen sprechen.

Frauen in der Gesellschaft

In den meisten Ländern nehmen Status und Anteil an Führungspositionen von Frauen zu, so auch in Deutschland. In England und Wales gibt es zwei Großlogen von weiblichen Freimaurern. Die UGLE hat 1999 in einer Erklärung den Frauenlogen Regularität und Ernsthaftigkeit bestätigt, ohne sie offiziell anzuerkennen. Bei zahlreichen Aktionen der Öffentlichkeitsarbeit im Jubiläumsjahr 2017 sind die örtlichen Frauenlogen ganz selbstverständlich integriert worden. Die Brüder müssen dann gar keine Fragen mehr beantworten, warum sie keine Frauen aufnehmen und den Schwestern geht es umgekehrt genauso.
Wir bleiben uns aber einig mit der Frauengroßloge von Deutschland, dass wir einander nicht bei rituellen Arbeiten besuchen oder aufnehmen oder annehmen werden.

Ideen und Identitäten

Umfassende Internetkommunikation bei gleich­zeitig schwächerem Wirtschaftswachs­tum fördert Rechts- und Linkspopulismus sowie Spannungen zwischen Individuen und ganzen Bevölkerungsgruppen. Neue Medien und Kommunikationsmittel ermöglichen es einer steigenden Zahl von Akteuren, die öffentliche Meinungsbildung und damit die Politik zu beeinflussen, sowohl im nationalen wie im internationalen Rahmen.

In zahlreichen Ländern steigt der Einfluss der Religionen, in anderen, z. B. auch in unserem, nimmt er ab.

Damit komme ich zum Thema Religion und Politik in der Loge. In manchen Logen ist immer noch der Irrtum verbreitet, in der Loge seien alle Gespräche über Religion und Politik verboten. In den „Alten Pflichten“ von 1723 heißt es im Abschnitt VI., 2, „Benehmen nach geschlossener Loge, wenn die Brüder noch beisammen sind“ bei genauer Übersetzung: (Deshalb) „… dürfen keine persönlichen Provokationen oder zornigen Streitereien über Religion, Nation oder staatliche Politik in die Loge getragen werden, gehören wir als Maurer doch alle der allgemeinen ‚Religion‘ an, von der schon die Rede war“ (d. h. gute und redliche Männer zu sein).
Diese Vorschrift wurde unter dem Eindruck der Religions- und Bürgerkriege des vorangegangenen Jahrhunderts formuliert und gilt richtig verstanden auch heute unverändert.

Damals verstand man unter „Politicks“ die Bürgerkriegsparteien in England. Heute haben wir einen ganz anderen Politikbegriff. Man unterscheidet z. B. Außenpolitik, Energiepolitik, Entwicklungspolitik, Gesundheitspolitik und viele mehr.

In unserer Großlogenverfassung heißt es in Artikel 2 Abs. 2: „Glaubens-, Gewissens- und Denkfreiheit sind den Freimaurern höchstes (!) Gut. Freie Meinungsäußerung im Rahmen der Freimaurerischen Ordnung ist Voraussetzung freimaurerischer Arbeit.“ Wir sollten deshalb in den Logen bewusst unsere Gesprächskultur pflegen: Nicht strittige Themen vermeiden, sondern zivilisierten Diskurs pflegen, zuhören, andere Meinungen gelten lassen! Konflikte sind normaler Bestandteil des menschlichen Lebens. Es kommt darauf an, richtig mit ihnen umzugehen.

Digitalisierung

Nach allgemeiner Wahrnehmung ist die Digitalisierung der dominierende Bereich des technologischen Fortschritts. Die Digitalisierung hat eine Explosion des Wissens mit sich gebracht, zugleich aber auch eine „Explosion des Unwissens“ und des falschen Wissens, und erst recht keine Explosion der Weisheit. Solche Trends können wir als verhältnismäßig kleine soziale Gruppe nicht aufhalten oder auch nur wesentlich beeinflussen.

Wir Freimaurer profitieren von der Digitalisierung z. B. bei der Kommunikation untereinander. Aber: Es gibt keine digitale Freimaurerei! Rituelle Arbeiten sollten bewusst Auszeiten von der digitalen Welt sein, bei denen niemand ein iPad oder Smartphone benutzt. Ausnahmen können gegebenenfalls der Musikmeister mit seinen Datenträgern oder ein Arzt im Bereitschaftsdienst sein. Zu Stil und Umgangsformen einiger Brüder in den sogenannten Sozialen Medien ist schon viel gesagt worden. Ich erspare mir an dieser Stelle weitere Ermahnungen.

Arbeitswelt

Heute ist es eine Binsenweisheit, dass kaum noch jemand in dem Beruf oder dem Arbeitsgebiet, in dem er begonnen hat, in Rente geht. Lebenslanges Lernen ist zur Normalität für alle geworden, die erfolgreich bleiben wollen. Die Mobilität, die beruflich gefordert wird, betrifft auch die regionale Mobilität. In manchen Branchen ist häufiges Umziehen und/oder Pendeln zur Normalität geworden. Das hat auch Auswirkungen auf das Logenleben. Glücklicherweise kann jeder reguläre Bruder weltweit jede reguläre Loge besuchen. Ich selbst habe z. B. insgesamt sieben Jahre lang im Ausland jeweils eine Loge an meinem neuen, zeitweiligen Orient so regelmäßig wie ein Mitglied besucht und mich dort schon nach kurzer Zeit heimisch gefühlt.

Wir sollten neue Brüder von Anfang an mit dieser modernen freimaurerischen Realität vertraut machen und auch als aufnehmende Logen gezielt um solche Gäste werben. Außerdem sollten wir den Brüdern der eigenen Loge, die von ihrem Arbeitgeber in eine andere Stadt oder ein anderes Land geschickt werden, helfen, dort eine Loge zu finden und sie regelmäßig zu besuchen. Und wir sollten auch Suchende zu Freimaurern machen, von denen wir wissen, dass sie einige Jahre später an einem anderen Ort wohnen werden. Wenn sich eine solche Praxis verbreitet, profitieren alle davon.

Zusammenfassung

Umwälzungen in der Gesellschaft sind seit der Aufklärung und dem Beginn des wissenschaftlichen Zeitalters etwas Normales. Was neu ist und uns auf absehbare Zeit begleiten wird, ist die ungeahnte Beschleunigung, die durch Technologieschübe bewirkt wird. Ich sehe die Entwicklung auf unserem Planeten insgesamt positiv, anders als meist dargestellt. Auch hierzu möchte ich eine Buchempfehlung geben: Das Buch von Hans Rosling mit dem Titel „Factfulness, wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist.“

Was die Freimaurerei betrifft, sollten wir, wie gesagt, an unseren bewährten Prinzipien festhalten. Unsere Logen sind Einrichtungen der Arbeit an uns selbst. Sie sind bewusst eine Alternative zu anderen, nur scheinbar ähnlichen Organisationen. Unsere Logen, unsere Großloge, wir „ändern manches, damit das Ganze bleibt, wie es ist“.

Karl-Henning Kröger

Br. Karl-Henning Kröger ist pensionierter Bundeswehroffizier. 2018 wurde er zum Zugeordneten Großmeister der Großloge A.F.u.M.v.D. gewählt und war vorher viele Jahre ehrenamtlich als Großkanzler der Großloge tätig.

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Alte und neue Konflikte in unserer Welt

(Foto: pathdoc / Adobe Stock)

Die gegenwärtige Situation der Welt, da sind sich die Experten einig, ist von wachsender Unübersichtlichkeit und Unordnung, vor allem aber durch beispiellose Ungewissheiten und Risiken geprägt. Was wir sehen, ist die wachsende Gefahr der ökologischen Selbstzerstörung der Menschheit durch Klimawandel, durch Handels- und ebenso reale Kriege — alte und neue.

Von Prof. Dr. Thomas Meyer

Vortrag anlässlich des Großlogentreffen 2019 in Mannheim.

Das ist keine „German Angst“ und auch kein Unkenruf, sondern das Urteil sehr nüchterner und erfahrener Kenner der Lage. Und es ist ja auch die Wahrnehmung der meisten von uns, soweit wir am öffentlichen Leben teilnehmen.

Was wir sehen, ist vor allem die Schwächung der ohnehin noch sehr unzureichenden Institutionen des globalen Gemeinschaftshandelns, der UNO, des Pariser Weltklima-Abkommens, des Welthandelsabkommens. Die liberale Weltordnung zerfällt. Wir treten in eine neue Ära ein, wir wissen nur noch nicht, in welche. Das eigentlich Schlimme aber ist, dass die liberale Ordnung nicht einfach zerfällt — sie wird vielmehr gezielt zerstört, im großem Stil von autoritären nationalistischen Führern, die anschwellende populistische Strömungen ihrer Länder teils benutzen, teils von ihnen hervorgebracht werden. Und zwar in nahezu allen Teilen der Welt, maßgeblich von Trump in den USA, zuletzt in dem Riesenland Brasilien (unter J. Bolsonaro) bis nach Indien unter dem Hindu-Fundamentalisten Mothi.

Etwas ist falsch gelaufen mit der Globalisierung. Sie ist anscheinend im Begriff, ihr eigenes Gegenteil aus sich hervorzutreiben: eine weltweite Renaissance des Nationalismus gegen globale Kooperation und Multilateralismus. Der Philosoph Hegel würde das vermutlich die „Dialektik der Globalisierung“ nennen. Vor unserer Haustür – fast könnte man sagen: mitten in unserer politischen Herzkammer — rütteln Nationalisten und Populisten heftig und mit beträchtlichem Erfolg an unserem schwer errungenen europäischen Gemeinschaftsprojekt EU. Es geht nicht nur um den Brexit. Bedeutender ist das knappe Drittel der EU-Gegner im Parlament der Union und die als Vetospieler mächtige Truppe gleichgesinnter Regierungschefs in Kernländern der Union, nun sogar Im EU-Gründungsland Italien.

Diese neue Entwicklung erfasst — mehr oder weniger — auf je eigene Weise fast alle Länder der Gegenwart. In sehr vielen, vor allem auch bedeutenden von ihnen wie Frankreich, USA oder Brasilien, repräsentiert der autoritäre, gegen den globalen und regionalen Mulitlateralismus ankämpfende Rechtspopulismus heute bis zu 30%, sogar 40% der Gesellschaften.

Woher kommt das und worauf läuft es hinaus? Das sind die Fragen, denen ich mich in einer etwas grundlegenderen Weise am Beispiel unseres eigenen Landes heute zuwenden möchte.

Die anhaltende Schwäche, ja sogar der Niedergang der europäischen Volksparteien liegt einer gut begründeten Erklärung zufolge vor allem an der übermäßigen Konzentration der gesamten liberalen Mitte der Gesellschaft und der Politik auf Fragen der sozio-kulturellen Identitätspolitik, wie etwa die „Ehe für alle“, das „richtige“ Gendern der Sprache etc., in jüngster Zeit sehr verschärft durch unklare Positionen in der Frage der Kontrolle der Grenzen und der Migration, die mittlerweile zum übergreifenden Symbol für den gesamten neuen Konflikt geworden ist. Dadurch seien die eigentlichen Kernanliegen der liberalen Mitte, zumal soziale Gleichheit, gute Arbeit, soziale Sicherheit und ökologische Nachhaltigkeit, fast gänzlich überschattet worden. Letztlich sei der fatale Aufschwung des Rechtspopulismus in so vielen Ländern nichts anderes als die Antwort der sozial und kulturell Verunsicherten auf diese Vernachlässigung ihrer existenziellen Interessen zugunsten der abgehobenen Bedürfnisse einer neuen Mittelklasse, die von der Globalisierung wirtschaftlich und lebenskulturell profitiert. Die eigentliche Arbeiterklasse (prekäre Niedriglöhner) und große Teile der alten Mitteklasse (auch Facharbeiter), die infolgedessen in den Volksparteien, allen vor­an der europäischen Sozialdemokratie, nicht länger ihren berufenen Anwalt erkennen können, sähe nun zunehmend in der ethnischen Identitätspolitik der populistischen Rechten mit ihrem Ruf nach Schließung der Grenzen die einzig befriedigende Antwort auf ihr vernachlässigtes Verlangen nach Sicherheit, Orientierung und Wertschätzung.

In der öffentlichen Diskussion ist eine stetige Neigung einflussreicher Akteure der Medien und der Politik zu beobachten, die brisante Demarkationslinie zwischen dem radikalen Rechtspopulismus und der legitimen Infragestellung der gegenwärtigen Migrationspolitik zu verwischen. Skeptiker dieser Politik können dann leicht aus der Mitte, wo viele von ihnen tatsächlich angesiedelt sind, an den Rand der Gesellschaft, in Richtung Rechtspopulismus abgeschoben werden, auch wenn sie eigentlich nur Klarheit und konsequentes Handeln suchen und damit zu einer öffentlichen Debatte beitragen, die bis heute nicht ausreichend geführt wird. Kriterien und Begriffe drohen zu verschwimmen — und die radikalen Rechtspopulisten mit ihrem identitätspolitischen Kern, in Wahrheit eine sehr kleine Gruppe, profitieren davon.

„Letztlich sei der fatale Aufschwung des Rechtspopulismus in so vielen Ländern nichts anderes als die Antwort der sozial und kulturell Verunsicherten auf diese Vernachlässigung ihrer existenziellen Interessen zugunsten der abgehobenen Bedürfnisse einer neuen Mittelklasse.“

Soweit diese These zutrifft, bezieht sie sich auf allgemeinere Veränderungen, nämlich auf tiefgreifende Umwälzungen im Gefüge von Gesellschaft und Politik insgesamt, in die der Streit um Grenzen eingebettet ist. Zunächst ist festzustellen, dass die große Entfremdung zwischen der „Neuen Arbeiterklasse“ aus prekär Beschäftigten sowie Teilen der „Alten Mittelklasse“ (kleine Selbstständige, Facharbeiter) und den Volksparteien der Mitte nicht erst von deren unklarer Migrationspolitik verursacht worden ist. Sie ist vielmehr der Ausdruck grundlegender gesellschaftlicher und sozialer Wandlungsprozesse infolge einer ungeregelten Globalisierung, welche die politische Landschaft in fast allen Demokratien weltweit umpflügen. Das jedenfalls belegen die jüngsten sozialwissenschaftlichen Forschungen. In deren Licht zeigen sich die neue soziale Polarisierung und die gewachsene Unsicherheit, die massenhafte Migration und das verbreitete Unbehagen an ihr nur als Facetten in einem größeren Bild, allerdings mit der Pointe, dass sich, wie angedeutet, die neuen politischen Widersprüche mittlerweile auf das Thema Migration symbolisch konzentrieren und emotional auf problematische Weise zuspitzen. Worum geht es dabei?

Neue Konflikte und wie wir mit ihnen umgehen können

Jede Gesellschaft ist von einigen wenigen Grundkonflikten geprägt, die aus den verschiedenen Interessen, Werten und Lebensformen hervorgehen, die ihrerseits aus unterschiedlichen Berufspositionen, So­zialisationswegen und kulturellen Prägungen der Menschen erwachsen. Für die europäischen Gesellschaften hat sich in der Politikwissenschaft ein Erklärungsmuster durchgesetzt, demzufolge die großen gesellschaftlichen Umwälzungen bzw. „Revolutionen“, die grundlegende Veränderungen im Leben vieler Menschen bewirken, jeweils neue politische Grundkonflikte hervorbringen. Diese Grundkonflikte führen zur Gründung von gesellschaftlichen Vereinigungen und politischen Parteien. Sie bringen ganze Ideologien hervor, in denen die neue Situation aus der Sicht der jeweiligen Gruppen gedeutet wird.

Bis heute wirksam geblieben sind in fast allen europäischen Ländern die Prägungen aus den folgenden Konstellationen:

Soziale RevolutionenPolitische Grundkonflikte
Nationenbildung:Zentrum vs. Peripherie
Säkularisierung:Säkular vs. Religiös
Industrielle Revolution:Kapital vs. Arbeit
Ökologische Krise:Wachstum vs. Ökologie

Bedingt durch den Kompromissdruck der modernen Demokratie, die Umverteilungs- und Sicherungswirkungen des Sozialstaats und diese gesellschaftlichen Prozesse der Individualisierung haben sich die anfänglichen scharfen Konfliktlinien stark abgeschliffen, und an die Stelle der Konfrontation klar umrissener Konfliktgruppen bzw. Klassen sind sozio-kulturelle Milieus getreten. In jedem dieser Milieus mischen sich sozio-kulturelle Interessen, politische Grundwerte und kulturelle Lebensformen auf jeweilige Weise. Aber unterschiedlich starke Impulse aus den klassischen Konfliktlinien sind in ihnen in abgeschwächter Form weiterhin wirksam. Sie prägen den Habitus ihrer Mitglieder, einschließlich ihrer parteipolitischen Präferenzen und haben daher deutliche Auswirkungen auf das jeweilige Parteiensystem eines Landes.

Gegenwärtig befinden sich alle westlichen/kapitalistischen Demokratien in einer voraussichtlich für lange Zeit prägenden Umbruchsituation, die von der wirtschaftlichen, kommunikativen und verkehrsbezogenen Globalisierung, gestützt auf die zunehmende Digitalisierung, in allen Bereichen vorangetrieben wird. Der Gesamtzusammenhang der Globalisierung kann wegen der tiefgreifenden Umwälzung des kompletten gesellschaftlichen Lebens in fast allen von ihr betroffenen Ländern als eine soziale Revolution angesehen werden. Es zeigt sich, dass sie — wie ihre historischen Vorgänger — neue Konflikte, neue „Ideologien“ und eine neue Parteienkonstellation hervorbringt. Sie erzeugt eine scharfe Entgegensetzung zwischen Globalisierungsgewinnern und -verlierern, die im Begriff ist, einen neuartigen sowohl ökonomisch wie kulturell und sozial geprägten Konflikt zwischen „Kosmopoliten“ (Grenzen weit öffnen) und „Kommunitaristen“ (die eigene Gemeinschaft abgrenzen und schützen) auszubilden. Dieser Konflikt geht durch die großen Parteien und gesellschaftlichen Organisationen mitten hindurch und prägt das gesellschaftliche Klima. In Deutschland hat er mit der AfD eine rechtspopulistische Partei ins Bundesparlament gebracht und in einigen Bundesländern sogar in eine Führungsrolle. Die andere Folge der unbeherrschten Globalisierung besteht im starken Anwachsen der Migrationsströme von Süd nach Nord. Die unbeherrschten Wechselwirkungen zwischen diesen beiden Entwicklungen haben die Tendenz, unsere Gesellschaften zu spalten sowie populistische Bewegungen und Ideologien zu fördern, die sich als konsequentester Ausdruck des „kommunitaristischen Interesses“ verstehen. Durch sie werden demokratiekritisch-autoritäre Führer populär (Trump, Orban, Salvini etc.). Die Demokratie selbst kann dabei mit der Zeit von innen ausgehöhlt oder gar ganz zur Disposition gestellt werden.

Die moderne Klassengesellschaft

Der beschriebene Globalisierungskonflikt, verwoben mit der digitalen Revolution, die er begünstigt und die ihn wiederum vorantreibt, verursacht das Entstehen einer neuartigen Klassengesellschaft mit einer eigentümlichen Kombination aus alten Verteilungskonflikten und neuartigen Konflikten um Grenzen sowie soziale und kulturelle Anerkennung (Wolfgang Merkel/Michael Zürn). Die Prozesse einer weitgehend unbeherrschten ökonomischen Globalisierung treiben einen neuen gesellschaftlichen Grundkonflikt hervor, mit breit ausstrahlenden wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und politischen Wirkungen (Andreas Reckwitz). Die neuen Konflikte ergänzen die beiden bislang maßgeblichen Gegensätze zwischen Kapital und Arbeit sowie Industrialismus und Ökologie massiv und formen sie mit einer Tendenz zur Verschärfung folgenreich um.

Etwa 1/3 der Gesellschaft, aufsteigende Globalisierungsgewinner durch ihr hohes ökonomisches und kulturelles Kapital, kosmopolitischer Habitus, Überwindung von Grenzen

Etwa 1/3 der Gesellschaft, kleine/mittlere Selbstständige, Facharbeiter, Angestellte, Beamte, mittleres ökonomisches Kapital, globalisierungsfremdes kulturelles Kapital, Abstiegsängste, kommunitaristischer Habitus (zivil oder identitär)

Etwa 1/3 der Gesellschaft, geringes ökonomisches und kulturelles Kapital, prekäre Beschäftigung, Geringverdiener, soziale Unsicherheit, kommunitaristischer Habitus (zivil oder identitär)

Auch die neuen Konflikte führen wie die alten nicht zu einer lückenlosen Polarisierung der ganzen Gesellschaft, aber sie bringen klar erkennbare Pole mit weit gespannten Einflusssphären hervor und beeinflussen damit in wechselnder Eindeutigkeit und Stärke die politische Mentalität des größten Teils der Gesellschaft. Den einen Pol bildet ein unter anderem auf offene Grenzen und ungesteuerte Migration gerichteter „Kosmopolitismus“ (in der sperrigen Sprache der Sozialwissenschaften), wie er vor allem in Teilen der Neuen Mittelklasse der Globalisierungsgewinner gepflegt wird, den anderen ein auf geschlossene Grenzen und restriktive Einwanderungskontrolle gerichteter „Kommunitarismus“ als Mentalität eines Teils der Globalisierungsverlierer. Die einen suchen umfassende Öffnung, weil sie mit ihren beruflichen Fähigkeiten und kulturellen Neigungen davon überall profitieren können, die anderen suchen Schutz für ihre Arbeitsplätze und Anerkennung in der Gemeinschaft mit Ihresgleichen. Die Gegensätze sind nur in Nähe der Pole stark und schwächen sich in Richtung Mitte der Gesellschaft immer mehr ab, wo dann Kombinationen aus Elementen beider Mentalitäten häufiger werden.

Eine Migrationsstudie der Friedrich- Ebert- Stiftung vom April 2019 rundet die bisher erhobenen Befunde ab (sie verwendet die Begriffe „Weltoffene“ (WO) und „National Orientierte“ (NO) für die beiden genannten Pole): An den Rändern befinden sich auf der einen Seite 11% (NO) und der anderen 7 % (WO) der Menschen. Abgeschwächt stehen unter deren Einfluss weitere etwa 14 % (NO) bzw. 19 % (WO), also ca. 25 % der Gesellschaft auf jeder Seite. Die andere Hälfte der Gesellschaft bildet die im Hinblick auf die Streitfragen „bewegliche Mitte“. Angesichts der schwindenden Wahlunterstützung für die „Volksparteien“ (SPD ca. 17 %, CDU/CSU ca. 28 %) sprechen diese Zahlen dafür, dass dem neuen politisch-kulturellen Grundkonflikt um die Gestaltung der Globalisierung und ihrer Folgen für das gesellschaftliche Klima, das Parteiensystem und die Wahlchancen der Parteien ein sehr großes, im Zweifel ausschlaggebendes Gewicht zukommt. Den „kosmopolitischen“ Pol der Grenzöffner besetzen hierzulande in Reinform die Grünen und die Linken, den „kommunitaristischen“ Pol der Grenzschließer nur die AfD, die anderen Parteien navigieren in diesem Spannungsfeld mit mühsam ausgehandelten Kompromissen und oftmals undeutlichem Kurs; und die eigentliche Wählerschaft der SPD, sowie ein großer Teil ihrer Mitgliedschaft erscheint in der Mitte gespalten mit der Tendenz, sich in die eine oder andere Richtung zu verlieren. Auch dieser Konflikt lässt sich natürlich nur produktiv handhaben, wenn er zunächst vorurteilslos verstanden wird.

Neue Konflikte und unklare Begriffe

Nun erweisen sich aber die plakativen Begriffe „Kosmopolitismus“ und „Kommunitarismus“ als überaus hinderlich, wenn es darum geht, das ganze Bild der neuen Konflikte zu verstehen — und mehr noch bei der Suche nach tragfähigen politischen Kompromissen zwischen den gemäßigten Mehrheiten der beiden Seiten. Es geht ja auch nicht um Grenzen allein. Die ökonomische Globalisierung führt zu einer Paternoster-Gesellschaft (Andreas Reckwitz), in der das eine Drittel, nämlich die Angehörigen der von ihr profitierenden Berufe des Digital-, Finanz-, Beratungs- und Kulturbereichs finanziell und sozial steil aufsteigen und zunehmend auch die lebens-kulturellen Standards für die ganze Gesellschaft bestimmen, während die beiden anderen Drittel, die Alte Mittelklasse der kleinen Selbständigen plus Facharbeiter und die Neue Arbeiterklasse der gering qualifizierten Dienstleistungsberufe nicht nur finanziell stagnieren oder absteigen, sondern zudem eine kränkende Abwertung ihrer Lebensstile und Alltagskulturen erfahren. Wer durch seine Ausbildung und kulturellen Möglichkeiten von der Globalisierung profitiert, neigt in der Regel zu einem sehr welt-offenen Habitus in allen Belangen, wirtschaftlich, kulturell und sozial, im persönlichen Lebensstil, Partnerschaft, Freizeit, Kunstgeschmack, Erziehung und politischer Kultur. Wo hingegen die Globalisierungsfolgen als Bedrohung und Verlust von Einkommen, Sicherheit und Wertschätzung real erfahren werden, prägen Abwehr des Wandels, Festhalten an der gewohnten Lebenskultur und das Verlangen nach Schutz den ganzen Habitus.
Das kann nur zu wechselseitiger Fremdheit bis hin zur Verachtung führen. Mit dem hergebrachten ökonomischen Verteilungskampf verbinden sich auf diese Weise nun neue Kämpfe um soziale und kulturelle Anerkennung, bei denen allerdings die Eliten aufgrund ihrer Einflusspositionen in allen gesellschaftlichen Bereichen die Normen setzen und die Regeln des Spiels bestimmen. Die beiderseitigen Ressentiments laden die Konflikte emotional auf und blockieren die Verständigung. Diese neue Lage hatte sich schon seit den 1990 er Jahren schrittweise herausgebildet, ehe dann rund um das Jahr 2015 die stark anwachsende Migration von beiden Seiten zum Sinnbild des beschriebenen Konfliktes gemacht wurde und dessen vielfältige andere Dimensionen verdeckte. Das Symptom der großen Migration mit ihren realen und befürchteten Folgen erschien nun als Ursache der ganzen neuen Konfliktlage.

In dieser Situation werden die Chancen für Reformen der deformierten Gesellschaft und der politischen Verständigung darüber eher verringert, wenn die äußerst erläuterungsbedürftigen Begriffe „Kosmopolitismus“ und „Kommunitarismus“ zur Kennzeichnung der beiden „Lager“ kommentarlos in die öffentliche Debatte hineingetragen werden. Ihr Problem besteht nicht nur darin, dass sie den skizzierten Gegensatz überspitzen, sondern auch, dass sie falsche Fährten legen. Die Debatte wird durch sie zu sehr auf die Symbolfrage der Migration verkürzt und zugleich der eigentliche Konflikt grob verzerrt. Der Begriff „Kosmopolitismus“ legt, so wie er jetzt verwendet wird, die radikale Abkehr von lokaler Verbundenheit, von den sozialen Gemeinschaften und der nationalstaatlichen Loyalität nahe, obgleich das in der historischen Entwicklung seiner Verwendung und der tatsächlichen Mentalität der gegenwärtig damit Bezeichneten keineswegs festgeschrieben ist. Und am Begriff „Kommunitarismus“ haftet die Suggestion, die damit Gemeinten seien letztlich allesamt Anhänger einer ethnischen oder religiösen Identitätspolitik, also genau genommen eindeutige Rechtspopulisten, was ausweislich der Umfragedaten und erst recht der Geschichte des Begriffs eben gerade nicht der Fall ist. Diese schiefen Suggestionen vernebeln die politische Landschaft und können zu Exzessen führen, wenn schon Haltungen, die nicht umstandslos auf offene Grenzen und den Verzicht auf strikte Überprüfungen von Asylbegehren hinauslaufen, dem eigentlichen Rechtspopulismus zugerechnet werden — sehr zum Beifall von dessen härtesten Verfechtern.

Noch unglücklicher ist die Wahl des Begriffs „Kommunitaristen“ für die Migrationsskeptiker auf der Gegenseite. In seiner philosophischen Verwendung (Michael Walzer) bezeichnet er die Relativität der Geltungsansprüche des „Gerechten“ und „Guten“ auf die jeweilige kulturelle Gemeinschaft, die ihn trägt. Freilich schließt das auch weiträumige Überlappungen im Verständnis grundlegender Werte zwischen sehr verschiedenen kulturellen Gemeinschaften nicht aus, wie etwa in Walzers Vorstellung einer kulturellen Gemeinschaft des politischen Liberalismus. Der politische Kommunitarismus aber, um den es im vorliegenden Zusammenhang ja geht, bezieht den Gemeinschaftsanspruch ausschließlich auf die liberal-demokratische politische Kultur und betont, dass diese selbstverständlich von ethnisch und religiös höchst divergenten Bürgern geteilt werden kann — und soll (so Amitai Etzioni). Darauf kann sich keine wie immer geartete Identitätspolitik berufen. Beide Konzepte, „Kosmopolitismus“ und „Kommunitarismus“, sind vielmehr begriffsgeschichtlich auf die Bezeichnung von politischen Mentalitäten angelegt, in denen sich Republikanismus, d. h. die politische Gemeinschaftsbildung der Demokraten und transkulturelle Kooperation verbinden. In dem mehr als unglücklichen und politisch irreführenden Gebrauch der Begriffe, der sich in Politikwissenschaft, Politik und Publizistik seit Kurzem eingebürgert hat, sollen sie das aber gerade ausschließen. Es liegt auf der Hand, dass das treffend beschriebene komplexe Bild der neuen Wirklichkeit mit diesen beiden Schlagwörtern nur auf eine sehr ungefähre und teilweise irreführende Art erfasst wird.

Ein guter Kompromiss ist möglich

Vollends hinderlich werden beide Begriffe beim Versuch, angesichts der gegenwärtigen Krise der Globalisierung und der westlichen Demokratien den dringend gebotenen historischen Kompromiss zwischen den gemäßigten Kräften der beiden „Lager“ zu schmieden. In der Sache geht es dabei um eine humane Migrationspolitik, die auf der Basis einer funktionierenden Kontrolle der Grenzen Asylsuchende und Kriegsflüchtlinge während der Dauer ihrer Gefährdung zuverlässig schützt und für arbeitssuchende Migranten offenbleibt, aber nur, wenn ihnen eine Anstellung gesichert werden kann. Und wenn dabei im Kantischen Sinne die politisch-kulturelle Integrität der Republik und die autonome Entscheidungsfähigkeit der Gemeinschaft ihrer Bürger gewahrt bleibt. Darüber hinaus muss garantiert werden, dass die ökonomischen, sozialen und kulturellen Kosten der gesellschaftlichen Integration einer großen Zahl bleibeberechtigter Migranten je nach Tragfähigkeit fair auf die verschiedenen sozialen Gruppen verteilt wird, mit zusätzlichen Hilfen für die prekäre Klasse der Aufnahmegesellschaft. Der politische Leitbegriff, wenn es denn eines solchen bedarf, für diesen Kompromiss kann nur, wie Julian Nida-Rümelin vorschlägt, der „Republikanische Kosmopolitismus“ im erläuterten Sinne sein — falls sich keine handlichere Wendung für die damit gemeinte Sache finden lässt. Was dann freilich noch fehlt, sind überzeugende Antworten zur Überwindung der Ungleichheit der materiellen Lebenschancen, zur glaubwürdigen Gewährleistung sozialer Sicherheit und zur wechselseitigen Anerkennung der auseinanderstrebenden kulturellen Lebensformen der neuen Klassen. Kein kleines, aber ein lebensnotwendiges Projekt für eine zukunftsfähige Demokratie im neuen Jahrhundert der Globalisierung.

Integration

Ebenso wichtig für diesen großen demokratischen Kompromiss wie eine verantwortlich gesteuerte Immigration, die Humanität und einen auf die Kapazitäten der Aufnahmegesellschaft bezogenen Realismus verbindet, ist ein konsequentes Verständnis von Integration. Im Unterschied zur Assimilation als vollständiger Anpassung der Migranten an die Kultur des Aufnahmelandes, verlangt Integration „nur“ die Übernahme von dessen öffentlicher Kultur, während die Verschiedenheiten ihrer Glaubens- und privaten Lebenskultur anerkannt und respektiert werden.

Bei der öffentlichen Kultur geht es um die Normen, Werte und Praktiken, die eine rechtsstaatliche Demokratie braucht, um auf Dauer lebensfähig zu sein, also um die politische Kultur. Die rechtsstaatliche Demokratie würde ja in dem Maße mit sich selbst in Widerspruch geraten, wie sie über diejenigen Normen hinaus, die die autonomen Entfaltungsspielräume der in ihr Lebenden sichern sollen, auch noch kulturelle Regeln der Lebensweise selbst verbindlich machen wollte. Ein solcher Übergriff wäre der erste Schritt in ein fundamentalistisches Kulturverständnis, das nicht nur die Regeln der Moral und des Rechts für alle verbindlich machen will, sondern darüber hinaus der spezifischen Ethik eines der miteinander lebenden Kollektive Verbindlichkeit auch für die anderen zusprechen will.

Die politische Kultur ist jedoch ein mit der allgemeinen Kultur verwobener Teil der Gesellschaft. Sie umfasst zum einen diejenigen Teile der Einstellungen, Orientierungen, Emotionen, Werturteile, Kenntnisse und Verhaltensdispositionen der allgemeinen Kultur, die sich speziell auf politisches Handeln beziehen. Sie schließt aber auch einen gemeinsamen Entwurf dessen ein, was die Staatsnation als ihre politische Identität und als das gemeinsame Sinnzentrum ihres politischen Handelns betrachtet. Zur Klärung dieser Zusammenhänge ist eine Unterscheidung der wichtigsten Ebenen kultureller Identität hilfreich:

Die Ebene der metaphysischen Sinngebungen und Heilserwartungen (ways of believing). Bei diesen Orientierungen handelte es sich um das, was im Kern aller Weltanschauungen und Religionen steht, nämlich ein Angebot an Wegen für individuelle und kollektive Lebens- und Heilsgewissheiten.

Die Ebene der individuellen und kollektiven Lebensführung, also der Lebensweisen und der Alltagskultur (ways of life). Dabei handelt es sich insbesondere um Praktiken, Gewohnheiten, Ethiken der Lebensweise, Rituale, Umgangsformen, Lebensästhetiken, Essgewohnheiten und vieles andere mehr, überwiegend um Orientierungen der praktischen Lebensführung und deren expressiven Symbole, also all das, was in aller Regel zuerst an einer anderen Kultur ins Auge sticht und häufig besonders nachhaltig die Gewohnheit der Menschen prägt, die mit den entsprechenden Praktiken und Routinen aufgewachsen sind.

Die Ebene der sozialen und politischen Grundwerte des Zusammenlebens mit anderen (ways of living together). Hierbei handelt es sich vor allem um die Grundwerte für das Zusammenleben verschiedenartiger Menschen in derselben Gesellschaft und demselben politischen Gemeinwesen, also um die sozialen politischen Grundwerte im engeren Sinne, wie etwa die Bevorzugung von Gleichheit oder Ungleichheit, Individualismus oder Kollektivismus.

Es zeigt sich nun in der empirischen Betrachtung aller zeitgenössischen Kulturen, dass Individuen und Kollektive, die die kulturellen Orientierungen der Ebene 1 miteinander teilen, äußerst unterschiedlicher Einstellung auf den Ebenen 2 und 3 sein können, ebenso wie Menschen aus tiefliegender Überzeugung die Normen der Ebene 3 teilen können, ohne auf den anderen beiden Ebenen Gemeinsamkeiten miteinander zu haben. Es liegt auf der Hand und wird vor allem von der neueren Alltagskultur- und Milieuforschung immer aufs Neue bestätigt, dass etwa zwei gläubige protestantische Christen (Ebene 1) in unserer eigenen Gesellschaft extrem unterschiedliche alltagskulturelle Lebensweisen wählen können, der eine z. B. eine „kleinbürgerliche“, der andere eine „alternative“, in ihren sozialen und politischen Grundwerten dann aber wieder übereinstimmen könnten, z.B. in einer egalitären-liberal Position oder auch entgegengesetzte Positionen vertreten können, der eine z.B. egalitär-liberal, der andere antiegalitär-illiberal. Die bisher vorliegenden empirischen Studien belegen, dass diese Art der Entkoppelung der drei kulturellen Ebenen in allen großen Kulturkreisen der Gegenwart zu beobachten ist, wobei der Islam dabei keineswegs eine Ausnahme bildet.

Eine partikulare Kollektiv-Ethik bzw. Weltanschauung an die Stelle von Moral, Recht und Sittlichkeit der politischen Kultur des demokratischen Rechtsstaats zu setzen, die für alle gelten, definiert den Kern des modernen Fundamentalismus und schließt ihn darum als legitimen Teilhaber am kulturellen Pluralismus aus, denn seine Bekenner können die kulturellen Norme, Werte und Praktiken der pluralistischen Demokratie nicht wirklich akzeptieren. Gleiches gilt für ein Verständnis von „Leitkultur“, das von den neu Hinzukommenden die Übernahme der Gesamtkultur des Aufnahmelandes erwartet, einschließlich ihrer privaten Dimensionen des Glaubens und der Lebensführung, denn dies wäre ein fundamentalistischer Übergriff auf die Rechte und anerkennungsfähigen Identitäten anderer von Seiten der Mehrheitskultur selbst.

Ein republikanischer Kosmopolitismus

Eine Integrationspolitik, die zu einem Brückenschlag zwischen „kosmopolitischen“ und „kommunitaristischen“ Positionen in der Lage wäre, müsste folglich eine am skizzierten Integrationsbegriff orientierte Strategie glaubwürdig und konsequent praktizieren, denn nur eine von allen geteilte gemeinsame öffentliche Kultur garantiert allen die Räume für eine nach eigener Wahl praktizierte Glaubens- und Lebenskultur. Der Brückenschlag, den unsere Gesellschaft heute dringend braucht, verlangt also als erstes zu verstehen, was falsch läuft an der Globalisierung und unserem Umgang mit ihren Folgen in der Gesellschaft. Und dann: die Widersprüche ernst nehmen, die sie hervorbringt und entschlossen entschärfen. Das verlangt, dass wir eine neue Form für die globale Kooperation, die Prozesse, die sie tragen und ihre Folgen in jedem Land finden, bei der die ganze Gesellschaft gewinnt — und zwar wirtschaftlich, kulturell und politisch. Dafür ist, worauf in diesem Text nicht näher eingegangen wurde, eine erhebliche Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage derjenigen Angehörigen der Alten Mittelklasse und der Neuen Arbeiterklasse erforderlich, die die Stagnation oder Verschlechterung ihrer Arbeits- und Lebensbedingungen als direkte Folge von erheblichen Importüberschüssen oder der Konkurrenz seitens großer Zahlen von Migranten erfahren. Es kann sonst passieren, dass uns der Rechtspopulismus schneller über den Kopf wächst, als wir es merken und eine Welle des nationalistischen Populismus in vielen Teilen der Welt jenes Mindestmaß an kosmopolitischer Kooperation zerstört, ohne das keines der drängenden Weltprobleme, vom Stopp des Klimawandels bis zum regulierten Welthandel und der Friedenssicherung, gelöst werden kann.

Für eine solche neue Politik ist der „republikanische Kosmopolitismus“ ein guter Leitbegriff. Er wurde von Immanuel Kant für die Vision der weltweiten „Föderation freier Staaten“ geprägt, die alle als Republiken, also national verfasst bleiben sollten mit dem zugehörigen Regime genauer Grenzkontrolle. Fremde haben in dieser Weltföderation ein weltbürgerliches „Besuchsrecht“, und die Bürger jeder Republik behalten das Recht, sie zum Bleiben einzuladen oder zur Rückkehr aufzufordern — außer in den Fällen, wo dies „ihren Untergang“ bedeuten könnte. Das genau ist gemeint, wenn von „republikanischem Kosmopolitismus“ die Rede ist (I. Kant, J. Nida-Rümelin). Die Republiken sind national verfasst und bestehen aus Bürgern, die durch ihre auf das Allgemein-Interesse gerichteten Tugenden ihr Gemeinwesen gegen alle partikulären Interessen mit demokratischem Geist erfüllen. Sie sind zugleich „kosmopolitisch“, weil sie die Gleichheit aller Bürger der Welt und ihrer grundlegenden Rechte voraussetzen, die in ihren jeweiligen nationalen Republiken garantiert sein müssen, damit die kosmopolitische Zusammenarbeit zwischen ihnen allen möglich wird. Alle Bürger der Welt haben ein Recht, jedes andere Land zu besuchen — die Entscheidung darüber, wie lange sie dort bleiben dürfen, liegt bei der Gemeinschaft der Bürger des jeweiligen Gastlandes — außer in den Fällen, wo eine Zurückweisung ihrem „Untergang“ gleich käme.

Prof. Dr. Thomas Meyer

Prof. Dr. Thomas Meyer, 1943 in Leipzig geboren, ist emeritierter Professor für Politikwissenschaft an der Technischen Universität Dortmund mit dem Schwerpunkt Demokratietheorie, Politische Theorie und Europa. Publizistisch tätig ist er vor allem als Mitherausgeber und Chefredakteur der politisch-kulturellen Zeitschrift „Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte“.

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„Freimaurerei ist eine humanistische Vereinigung mit dem Ziel, die Zivilcourage zu verbessern.“

Brücke über den Neckar in Mannheim (Foto: Lutz Peter / pixabay)

Ansprache des Großmeisters der Großloge A.F.u.A.M.v.D., Br. Stephan Roth-Kleyer, zur Festarbeit beim Großlogentreffen in Mannheim

Liebe Brüder alle,

im Namen der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland begrüße ich Euch herzlich und brüderlich zu unser Tempelarbeit im Lehrlingsgrad des Großlogentages 2019 in Mannheim und heiße Euch willkommen. Schön, dass Ihr Euch von nah und fern auf den Weg gemacht habt, um bei unserer Tempelarbeit anlässlich des Großlogentreffens 2019 mit dabei zu sein.

Zunächst danke ich der Loge „Carl zur Eintracht“ Nr. 11 für die Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung unseres Großlogentreffens 2019 in Mannheim. Somit geht der Dank insbesondere an den Ehrwürdigen Meister vom Stuhl, Bruder Alexander John, und an Bruder Hans-Michael Höhle, ebenfalls Bruder der Loge „Carl zur Eintracht“. Ich danke Euch stellvertretend für alle Brüder, die mitwirkten und mitwirken, und das auch im Namen der versammelten Bruderschaft. Die Brüder, mit denen ich bereits über den gestrigen Abend sprechen konnte, waren alle über das hohe Maß an Gastfreundlichkeit beeindruckt. Auch ich kann diesen Eindruck nur bestätigen. Danke dafür.

Wir haben auch dieses Großlogentreffen am Donnerstagnachmittag um 14.00 Uhr mit der Tempelarbeit begonnen. Unsere Rituale sind, wie schon häufig festgestellt, unser Alleinstellungsmerkmal, unser wahres Geheimnis, unsere Würde. Sie spiegeln unsere anerkannten spezifischen maurerischen Verhaltensformen und Gebräuche wider. Sie stiften Gemeinschaftsgefühl und vermitteln uns jedes Mal erneut die Grundpfeiler der Königlichen Kunst. Um dieses zu würdigen, meine Brüder, wurde die Tempelarbeit bewusst wiederum auf den Donnerstagnachmittag, auf den Beginn des Großlogentages gelegt. Das auch mit der Intention, dass die erbauliche Wirkung der Tempelarbeit uns den Großlogentag über begleiten möge. Das wünsche ich Euch und das wünsche ich mir.

Der Zweijahresbericht des Großmeisters ist anlässlich der Großlogentage der Bruderschaft zu erstatten. Meinen Bericht werdet Ihr, wie in der „Freimaurerischen Ordnung“ so auch vorgesehen, 2020 im Rahmen unserer vereinsrechtlichen Versammlung in Stuttgart entgegennehmen können. Unser Großlogentreffen in Mannheim dient in erster Linie der Profilschärfung unserer Großloge, dem Gespräch, der Information, dem Austausch und nicht zuletzt der Geselligkeit.

Ein erfreuliches Thema möchte ich doch ansprechen: In diesem Jahr, liebe Brüder, jährt sich die Gründung unserer Großloge, der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland, zum 70. Mal. Oder anders gesagt: Unsere Großloge wird am 19. Juni 2019 70 Jahre alt. Unsere Großloge ist damit die jüngste deutsche Großloge.

Unsere Großloge kann auf 70 gute Jahre zurückschauen. Das sind 70 Jahre, in denen unsere Großloge – der in der Verfassung festgelegten Zweckbestimmung folgend – ihre aktuell 281 Mitgliedslogen kooperativ in der Öffentlichkeit und gegenüber anderen Großlogen vertreten hat. Weiterhin hat sie die Arbeit der Logen auf der Grundlage der freimaurerischen Grundsätze gefördert und gesichert. Darüber hinaus gibt sie Anregungen für die Tätigkeit der Mitgliedslogen zu gemeinnützigen, kulturellen und ethischen Zwecken, aber auch zur alltäglichen Logenführung. Das war und ist das Selbstverständnis der Großloge. Das war und das ist der Auftrag an unsere Großloge und damit der Auftrag an die für die Großloge tätigen Brüder, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kanzlei. Diese Zielsetzung, meine Brüder, ergibt sich aus Art. 7 unserer Verfassung.

In unseren 281 Mitgliedslogen wird nach zehn unterschiedlichen zugelassenen Ritualen gearbeitet, etwa 80% unserer Mitgliedslogen arbeiten nach den A.F.u.A.M.v.D.-Ritualen I bis III. Diese soeben angesprochene begrüßenswerte Ritualvielfalt spiegelt sich unter anderem in Artikel 1 unserer Verfassung wider. Hier heißt es: „Die Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland ist ein Zusammenschluss von Freimaurerlogen. In ihrer Bruderschaft lebt die Überlieferung früherer deutscher Großlogen fort.“

Die Rahmenbedingungen und die Zielsetzung der Arbeit unserer Mitgliedslogen sowie der Großloge ergeben sich aus den Artikeln 2 und 3 unserer Verfassung.  Artikel 2 lautet: „In den Mitgliedslogen der Großloge arbeiten Freimaurer, die in bruderschaftlichen Formen und durch überkommene rituelle Handlungen menschliche Vervollkommnung erstreben. In Achtung vor der Würde jedes Menschen treten sie ein für die freie Entfaltung der Persönlichkeit und für Brüderlichkeit, Toleranz und Hilfsbereitschaft und Erziehung hierzu. Glaubens-, Gewissens- und Denkfreiheit sind den Freimaurern höchstes Gut. Freie Meinungsäußerung im Rahmen der Freimaurerischen Ordnung ist Voraussetzung freimaurerischer Arbeit.“  Artikel 3 lautet: „Die Freimaurer sind durch ihr gemeinsames Streben nach humanitärer Geisteshaltung miteinander verbunden; sie bilden keine Glaubensgemeinschaft. Sie sehen im Weltenbau, in allem Lebendigen und im sittlichen Bewusstsein des Menschen ein göttliches Wirken voll Weisheit, Stärke und Schönheit. Dieses alles verehren sie unter dem Sinnbild des Großen Baumeisters aller Welten.“

Meine Brüder, wir können nicht die Welt retten, das ist für uns ein bis zwei Nummern zu groß. Wir können jedoch zu Besserungen beitragen, wenn wir die soeben zitierten Artikel 2 und 3 leben.

Bisweilen werde ich gefragt, ob wir denn kein Leitbild hätten. Man wäre gerne bereit, ein solches für die Großloge zu erarbeiten. Meine Brüder, unser Leitbild ist in unserer Verfassung niedergelegt. Soeben zitierte ich daraus. Unsere Freimaurerei muss nicht neu erfunden werden, es gilt jedoch, unser Profil zu schärfen und Akzente zu setzen. Damit beschäftigen wir uns unter anderem anlässlich unserer Fachtagung.

Weiterhin werde ich des Öfteren gefragt, ob sich Freimaurerei nicht kürzer, prägnanter, möglichweise in Form eines Slogans definieren ließe. Slogans bergen stets die Gefahr, Inhalte und Aussagen zu „verkürzen“ und sie damit ggf. ungewollt zu verändern. In Kenntnis der vorgenannten Gefahren will ich dennoch versuchen, eine – ich betone: eine – wesentliche Facette der Freimaurerei, wie ich sie verstehe, in Form eines kurzen Slogans wiederzugeben: „Freimaurerei ist eine humanistische Vereinigung mit der Zielsetzung der Verbesserung der Zivilcourage“. Elementare humanistische Tugenden wie Humanität, Solidarität, Toleranz, Vertrauen, Kooperationsbereitschaft, Mut zum Widerspruch, bis hin zum Zuhören können sind unsere Tugenden, das wiederum als Erweiterung dazu. Mehr dazu werdet Ihr morgen anlässlich unserer Fachtagung hören und erfahren können.

2019 begeht unsere Großloge, die Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland, ihren 70. Geburtstag. Dazu gratuliere ich herzlich und brüderlich und danke all denen, die in den vergangenen 70 Jahren unsere Großloge zu dem entwickelten, was sie heute ist – das mit großer Kompetenz, dem nötigen zähen Willen und hinreichend Energie.

Last but not least: Jetzt bin ich bei einem mir ganz wichtigen Punkt: Es gilt „Danke“ zu sagen. So danke ich allen Brüdern in ihren Logen für ihr gutes Wirken und ihr Engagement. Ich danke den Stuhlmeistern für die Fort- und Weiterentwicklung unserer Logen. Liebe Brüder, die Ihr heute und hier Eure Logen repräsentiert und vertretet: Eure Arbeit und Eure Tatkraft stellt eine der tragenden Säulen unserer elf Distrikte wie auch unserer Großloge dar.

Den Arbeitskreisen, Ausschüssen, Gremien und Kollegien unserer Großloge danke ich für ihre fundierten Arbeitsergebnisse. Ich danke den Großbeamten und Mitgliedern des Großlogenrates sowie den Mitgliedern des Vorstandes für ihre guten und zielführenden Beschlüsse auf solider Basis. Ich danke unseren sehr aktiven Altgroßmeistern für ihre stete Unterstützung. Und ich danke nicht zuletzt unserer Kanzlei für die kontinuierliche Bearbeitung der Anfragen und Arbeitsaufträge aus der Bruderschaft und für ihre zuverlässige Mitwirkung und Unterstützung bei meinen Aktivitäten.

Heute gilt mein besonderer Dank unseren beiden musizierenden Brüdern. So danke ich Dir lieber Bruder Peter Schüler, Bariton, und Dir lieber Bruder *, Flügel, für die hervorragenden musikalischen Beiträge zu dieser TA. Danke, dass Ihr diese Festarbeit so herrlich bereichert und mitgestaltet.

Heißt es doch in der Werklehre vor der Schließung: „Bist Du für Deine Arbeit bezahlt worden?“ So lautet die Antwort: „Ich bin zufrieden.“ Ich hoffe, dies trifft für alle zu, die sich in ihren Logen, Gremien und Ausschüssen eingebracht und engagiert haben. Danke an Euch alle für all Euer Tun.

* Name aus Deckungsgründen nicht genannt

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Was war, was ist, was bleibt – das Zeitlose in der Freimaurerei

(Foto: moritz320 / pixabay)

Festzeichnung des Großredners der Großloge A.F.u.A.M.v.D., Br. Wolfgang Kreis, zum Großlogentreffen 2019 in Mannheim

Die Welt verändert sich dramatisch – und wir?“, lautet das Motto unseres diesjährigen Großlogentreffens. „Es muss sich alles ändern, damit es bleibt, wie es ist“, schrieb Giuseppe Tomasi di Lampedusa (1896–1957), ein italienischer Schriftsteller in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“, schrieb Friedrich Schiller (1759–1805) Ende des 18. Jahrhunderts.

Das sind Sprüche, die wir alle mehr oder weniger kennen. Bei genauerer Betrachtung sehen wir schnell, dass diese Aussagen nicht wörtlich genommen werden können. Denn auf den ersten Blick hören sie sich gut an, auf den zweiten ergeben sie aber keinen Sinn. Sie sind also nur im übertragenen Sinn zu gebrauchen.
Vieles, was mit der Zeit ging, ist schnell wieder verschwunden.
Vieles, was nicht mit der Zeit ging, ist geblieben.

Was hat sich in der Freimaurerei mit der Zeit alles verändert, was ging mit der Zeit, was wurde bewusst aufgegeben, was ging schleichend verloren?

Symbole helfen, uns zu erden und zu norden

Es geht mir hier darum, beispielhaft aufzuzeigen, was sich in der Freimaurerei als dauerhaft erwiesen hat — den Kern sozusagen —, das, was Freimaurerei ausmacht, das Herz der Freimaurerei — und um das Außen, die Hülle sozusagen — das, was sich verändert, neu hinzukommt, wieder verschwindet — das Flüchtige, das, was aber gebraucht wird, damit Freimaurerei auf Dauer weiterbestehen kann.

Der Umgang miteinander, die maurerische Gesprächskultur, die Art, wie wir einen Diskurs führen, wird oft von Außenstehenden bewundert, aber diese Art einfach nachmachen oder kopieren, funktioniert nicht. Es muss also mehr dahinter stecken, als nur eine Technik oder eine Methode, die wir gut anwenden können. Meines Erachtens spielt das Ritual hier eine große Rolle, da es uns hilft, unsere Werte einzuüben und uns auch selbst zu reflektieren. Ob im Ablauf des Rituals oder als längerfristige Folge der Wiederholung dieser besonderen Umstände auch und im Besonderen außerhalb der Loge, ist hier eine dauerhafte Veränderung in den Ausführenden und Teilnehmenden möglich.

Das Ritual ist auch ein Leuchtturm oder eine Landmarke in einer aufbrausenden See, in einer sich beschleunigenden Gegenwart, in der wir auch einmal den Überblick verlieren können oder in der wir in einen Sog gezogen werden können, in den wir gar nicht hinein wollten. In unseren unruhigen Zeiten helfen uns die Symbole und symbolischen Handlungen, uns wieder zu erden oder zu norden. Sie helfen uns zu sehen, wo wir mit unseren nicht nur moralischen Ansprüchen im Alltag und im Berufsleben stehen. Manchmal ändern wir dann auch die Richtung, ändern unseren Sinn.

Ohne Bewährung in der Welt ist Freimaurerei nur Zeitvertreib

Interessant wäre einmal eine Untersuchung, ob nicht jede Generation glaubt, dass sie in unruhigen Zeiten lebt, und dass das zum Menschsein oder zum Leben einfach dazugehört.

In der humanitären Freimaurerei geht es darum, dem Menschen die Möglichkeit zu geben, an sich zu arbeiten, sich weiterzuentwickeln und zu wachsen. Früher hieß das Selbstvervollkommnung, ein Begriff, den wir heute noch im Ritual verwenden. Zeitgenössischer wäre der Begriff Persönlichkeitsentwicklung, vielleicht auch Unterstützung bei der freien Entfaltung der Persönlichkeit, wie es das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland vorsieht, das übrigens vergangene Woche seinen 70. Geburtstag feierte.

Parallel zu dieser Arbeit an sich selbst sollte aber der nächste Schritt nicht vergessen werden — die Mitarbeit in der Gemeinschaft, auch und insbesondere außerhalb der Bruderschaft. Der Auftrag, uns in der Welt draußen zu bewähren, ist ein dauerhafter Auftrag, den jeder Bruder im Rahmen seiner Möglichkeiten zu erfüllen hat. Ohne diesen Auftrag und seine Erfüllung wäre Freimaurerei nur Zeitvertreib und das Ritual ein Kinderspiel.

Im Ritual ist das Symbol des Tempelbaus etwas Dauerhaftes, wir finden es schon früh darin. Insbesondere bauen wir den Tempel der Humanität. Die Ausgestaltung dieses Tempelbaus war vor 300 Jahren eine andere als heute oder in der Zeit vor und nach den Weltkriegen. Dies können wir deutlich erkennen, wenn wir uns die Zeichnungen unserer Brüder dieser Zeiten ansehen. Bitte seid aber nicht zu kritisch bei der Beurteilung, versucht euch eher in die Zeit zu versetzen, soweit das überhaupt möglich ist, und versucht zu erkennen, was die Brüder damals sagen wollten. Das ist lehrreicher für uns heute, als es heute besser zu wissen.

Symbole sind zeitlos, aber nicht dauerhaft

Was wären nun Beispiele für das Flüchtige, das, was mit der Zeit verschwand oder das, was neu hinzukam?
Der berittene Bote wird heute nur noch selten genutzt und wenn, dann hat er sein Pferd gegen eine viele Pferde starke Karosse ausgetauscht. Das meiste geht heute aber elektronisch. Ich erinnere mich noch an die Zeit, als zu Sitzungen mit Postkarten eingeladen wurde, eine mühsame Arbeit für den Sekretär. Hier sind wir mit der Zeit gegangen. Auch nutzen wir das Internet und die modernen Medien intensiv, damit zeigen wir auch die modernen Möglichkeiten der Freimaurerei, ohne unseren Kern zu verlieren.

Es gibt auch Symbole, die aus den Ritualen verschwanden. In früheren Zeiten scheint der Bienenstock eine symbolische Bedeutung gehabt zu haben, denn wir können ihn auf vielen alten Bildern und Stichen sehen. Mir ist er als rituelles Symbol nicht bekannt.

In einem lehrreichen Beitrag für unsere Forschungsloge Quatuor Coronati beschreibt unser kürzlich verstorbener Bruder Alfried Lehner die Entwicklung und Entstehung unseres aktuellen Rituals. In dem Beitrag erklärt er auch, warum Symbole, wie z. B. der Spiegel und die Geldstücke, heute hierin nicht mehr zu finden sind.

Symbole sind zeitlos, was sie aber nicht davor schützt, nicht dauerhaft zu sein. Hier hat eine geänderte Intention, was das Ritual betraf, dazu geführt, dass die eben erwähnten Symbole keinen Platz mehr hatten.

Wenn Symbole auch zeitlos sind, so kann sich die Interpretation der Symbole mit der Zeit verändern. Jeder Bruder sollte sich eine eigene Interpretation der Symbole erarbeiten. Hier spielt dann auch der Zeitgeist eine wichtige Rolle.

Wir müssen wissen, was wir eigentlich wollen

Wir haben aber keine vollkommene Wahlfreiheit bei der Interpretation der Symbole. Der Hammer bleibt ein Hammer, er lässt sich nicht in einen Zirkel uminterpretieren. Das wäre eine falschverstandene Interpretation. Der Winkel als Symbol der winkelrechten Lebensführung lässt uns aber die Freiheit zu interpretieren, was eine winkelrechte Lebensführung ist — und hier gibt es wohl sehr unterschiedliche Sichtweisen und Überzeugungen. Ein brüderlicher Austausch zwischen den verschiedenen Generationen in der Loge zu diesem Thema z. B. wäre sehr erleuchtend.

„Die Welt verändert sich dramatisch – und wir?“, um diese Frage beantworten zu können, müssen wir auch wissen, was wir wollen.

Br. Viktor Frankl (1905–1997), Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse, beschäftigte sich viel mit Sinnfragen. Er meinte dazu: „Im Gegensatz zum Tier sagt dem Menschen kein Instinkt, was er muß, und im Gegensatz zum Menschen in früheren Zeiten sagt ihm keine Tradition mehr, was er soll, und nun scheint er nicht mehr recht zu wissen, was er eigentlich will.“

Wolfgang Kreis

Wolfgang Kreis

Wolfgang Kreis ist seit 2014 Großredner der Großloge A.F.u.A.M.v.D. und Co-Moderator des Collegium Masonicum in Saarbrücken. Er wurde 2008 in den Bruderbund aufgenommen und ist Altstuhlmeister der Loge „Bruderkette zur Stärke und Schönheit“ in Saarbrücken.

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Br. Gerhard Grossmann verstorben

Br. Gerhard Grossmann

Foto: Privat

Die Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland teilt mit, dass ihr früherer Großmeister Br. Gerhard Grossmann am 13. Oktober 2018 im Alter von 87 Jahren verstorben ist.

Gerhard Grossmann, Rechtsanwalt und Notar a.D., wurde 1931 in Hanau geboren. 1959 wurde er in die Frankfurter Loge „Zur Einigkeit“ aufgenommen, bekleidete dort mehrere Ämter wie Zeremonienmeister, Meister vom Stuhl, Redner und kümmerte sich um die Wohltätigkeitsanstalt der Loge. Im Jahre 2012 wurde er nach einem Umzug in der Lüneburger Loge „Selene zu den drey Thürmen“ angenommen.
Von 1974 bis 1981 war er Redner unserer Großloge, 1982 bis 1984 Zugeordneter Großmeister und Mitglied im Senat der Vereinigten Großlogen von Deutschland, von 1982 bis 1984 erneut Redner der Großloge, von 1991 bis 1994 Großmeister der Großloge A.F.u.A.M.v.D. und hatte danach bis 2010 den Vorsitz des Rechtsausschusses unserer Großloge inne.
1994 wurde ihm das Goldene Ehrenzeichen der Großloge A.F.u.A.M.v.D. verliehen, im gleichen Jahr wurde er Alt- und Ehrenstuhlmeister seiner Mutterloge.

“Wir verlieren einen engagierten und unermüdlichen Bruder, doch die Kette der Herzen bleibt”, schreibt der amtierende Großmeister Br. Stephan Roth-Kleyer.

Statt freundlich zugedachter Blumen und Kränze bitten die Angehörigen um eine Spende an den Ambulanten Hospizdienst Lüneburg zu Gunsten der Palliativstation am Städtischen Klinikum, IBAN DE54 2406 300 0100 8137 00, unter dem Kennwort G. Grossmann.

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Noch Sonderhefte der Zeitschrift “Humanität” verfügbar

Foto: candy1812/ Adobe Stock

Vom Sonderheft der "Humanität", dem deutschen Freimaurermagazin, gibt es noch Exemplare. Logen und an der Freimaurerei interessierte Menschen können bei der Großloge Hefte erwerben.

Einmal jährlich erscheint eine Sonderausgabe der Zeitschrift “Humanität”, die speziell für die Öffentlichkeitsarbeit der Logen gedacht ist. Vom diesjährigen “Special” gibt es noch Hefte, die bei der Großloge bestellt werden können.

Folgende Themen finden sich im Heft:

Herzlich willkommen bei den Alten Freien und Angenommenen Maurern von Deutschland – Begleitwort zur Sonderausgabe der „Humanität“ – Von Großmeister Stephan Roth-Kleyer

16 gute Gründe, ein Freimaurer zu sein. Oder: Warum es sich lohnt, einen Schurz zu tragen. Von Carlos Urban.

“Meine Mutterloge” — Von Rdyard Kipling

Freimaurer … was sind sie, was tun sie, was sind sie nicht und warum gibt es sie? Einge Antworten.

Die Deutschen Logen feierten das Jubiläumsjahr auf vielfältige Weise. Ein Rückblick.

Von den Bauhütten des Mittelalters zur humanitären Freimaurerei – Von Hartwig Kloevekorn, Jens Oberheide und Bastian Salier

Von Klischees und Verschwörungstheorien: „Wo kann man Ihre schwarzen Messen besuchen?“ – Von Thomas Müller
Kann Freimaurerei heute noch etwas bewirken? Gedanken zur Zukunft unseres Bruderbundes – Von Rolf Appel
„Ich wurde sofort auf Augenhöhe angenommen.“ Interview mit einem jungen Bruder

Charity: Tue Gutes und rede darüber …

Frauen und Freimaurerei

Mit dem Mikroskop neue Welten entdecken. Der Fotograf und Freimaurer Karl Deckart.
Alte und neue Pflichten für Freimaurer. Vom Betragen und Umgang unter den Menschen
Die Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland stellt sich vor
Das Deutsche Freimaurermuseum in Bayreuth: Geschichte bewahren und Zukunft sichern.
„Kehr niemals der Not und dem Elend den Rücken“: Das Freimaurerische Hilfswerk e.V.
Quatuor Coronati e. V. – „Die vier Gekrönten“ mit Blick auf die Wissenschaft; Kunst und Kultur: Pegasus – Freimaurerischer Verein für Kunst, Kultur und Kommunikation e.V.

Hannover / Leipzig / Darmstadt

Regensburg / Wildeshausen / Passau

Eine Wunde wird geschlossen. Statue für den freimaurerischen Reformer Friedrich Ludwig Schröder in Hamburg rekonstruiert.

Hefte können zu den folgenden Preisen erworben werden:

MengeHeftpreisVersand
Bis 3 Hefte4,50 €2,60 €
4 bis 11 Hefte4,50 €6,52 €
12 bis 20 Hefte3,75 €8,02 €
21 bis 40 Hefte3,50 €9,35 €
41 bis 100 Hefte3,15 €17,75 €
Über 100 Hefte2,50 €Auf Anfrage

Ihre Bestellung richten Sie bitte vorzugsweise per E-Mail an die Kanzlei der Großloge unter kanzlei@freimaurerei.de. Postalische Bestellungen bitte an Großloge A.F.u.A.M.v.D., Emser Straße 11, 10719 Berlin. Telefonische Rückfragen unter 030-86422034.

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