Großlogentag 2016 in Darmstadt

Großlogentag 2016 in Darmstadt

Großlogentag 2016 in Darmstadt

Vom 4. bis 6. Mai 2016 fand der Großlogentag der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland statt, begleitet von großartigem Wetter und ebensolcher Stimmung. Etwas über hundert stimmberechtigte Mitglieder sowie zahlreiche Brüder und Gäste fanden sich in Darmstadt ein, um ein von der ortsansässigen Loge „Johannes der Evangelist zur Eintracht“ vorbildlich organisiertes Treffen zu besuchen.

Der Großlogentag findet alle zwei Jahre an unterschiedlichen Orten statt und ist die satzungsgemäße Mitgliederversammlung der Großloge, dem Verbund von derzeit 275 Logen der humanistischen Richtung in Deutschland. Ein Novum der Versammlung war, dass die zeremonielle Zusammenkunft bereits am Beginn statt wie üblich zum Schluss abgehalten wurde. So sollte der tragende verbindende Gedanke der Bruderschaft in die anstehenden Gespräche getragen werden. Und dies gelang: Die satzungsgemäßen Besprechungen am Folgetag wurden trotz schwieriger Entscheidungen von großer Harmonie und gegenseitiger Achtung getragen.

Ein weiteres Novum, das das Grußwort von der Großmeisterin der Frauengroßloge in Deutschland,  Sr. Marita Gründler, gehalten wurde. Den Freimaurern wird gern vorgehalten, sie seien angesichts des reinen Männerbundes rückwärtsgewandt oder sogar frauenfeindlich. Es ist in der Öffentlichkeit oftmals schwierig zu erklären, dass dies in der Realität nicht so ist, aber die Trennung von Männern und Frauen gute Gründe hat, die nicht der Traditionspflege geschuldet sind. Darauf wies auch die Großmeisterin hin: „Dass ihr, meine Brüder, und wir Schwestern in getrennt geschlechtlichen Verbänden arbeiten, ist gut so. Daran soll auch durch diesen Besuch nicht gerüttelt werden.“ Und weiter: „Es braucht in einer Gesellschaft, in der vieles nivelliert und damit auch egalisiert und verflacht wird, Räume für Frauen und Räume für Männer. Wir müssen nicht alles gemeinsam machen!“ Dass sie dennoch für Zusammenarbeit warb, fand breiten Zuspruch in der Bruderschaft. Ferner wies die Großmeisterin auf die Aufgaben hin, die vor der Freimaurerei liegen. „Wir stehen 2016 deutlich spürbar an einem Entscheidungspunkt: Schon in den nächsten Jahren wird sich zeigen, ob Freimaurerei ihren Zenit überschritten hat und nur noch aus Clubs besteht, in denen man bei Kerzenschein und schöner Musik Ritualen nachgeht, deren Sinn, Ursprünge und Inhalte nur noch wenige verstehen – oder ob wir Freimaurer und Freimaurerinnen spürbar etwas in unserer Zeit bewirken, so wie es auch vor weitaus mehr als 300 Jahren Ziel unserer Vorgänger und Vorgängerinnen war.“

Zur nach dem Grußwort beginnenden Mitgliederversammlung bat der Großmeister, Br. Stephan Roth-Kleyer, nicht nur die Bruderschaft, sondern auch die anwesenden Gäste in die Bruderkette und erklärte „Die Kette, die Bruderkette, ist uns das Symbol für Harmonie. Sie erinnert an die weltweite Verbundenheit aller Brüder auf der Welt. Dieses Symbol ist nicht nur figurativ zu verstehen, sondern entwickelt eine tiefe Bedeutung durch seine reale Umsetzung; ‚Alle Brüder auf dem Erdenrund machen eine Loge aus‘, ruft ein altes Ritualwort den Brüdern Freimaurern ins Gedächtnis. Denn der Tempel der Humanität kann nur durch die gleiche Gesinnung und gemeinschaftliche Arbeit vollendet werden.“

Der Bericht des amtierenden Großmeisters Br. Stephan Roth-Kleyer wurde von Dank getragen: Der organisierenden Darmstäder Loge „Johannes der Evangelist zur Eintracht“ dankte er, den zahlreichen Ehrengästen, seinen anwesenden Amtsvorgängern für das „Großmeisterwetter“, der Großmeisterin für das Grußwort, seinen Großbeamten, den Distriktmeistern, Stuhlmeistern und den vielen Mitstreitern für die gute Sache der Freimaurerei. Immer wieder zog sich der Tenor der Dankbarschaft durch seinen Bericht.

Er wies hin auf die personelle Erweiterung in der Berliner Kanzlei, lobte die Medienarbeit im Internet und der Mitgliederzeitschrift „Humanität“, wies auf die zwischenzeitlich vergriffene zweite Auflage der „Unterweisungen I“ hin und darauf, dass eine dritte Überarbeitung in Vorbereitung sei: „Fehlenes wurde hinzugefügt und die Linie der Lehrart unserer Großloge wird deutlicher sichtbar.“ Fertiggestellt ist ebenso ein Logenhandbuch, gearbeitet wird an einem Ritualhandbuch – alles Ergebnisse der Zusage, mehr für die Aus- und Weiterbildung in den Logen zu tun. Weiter wies der Großmeister auf bislang fünf Lichteinbringungen (Neu- oder Wiedergründung von Logen) in Schneeberg, Daaden, Dresden, Kempten und Berlin hin. Als ein „Highlight“ bezeichnete Br. Stephan Roth-Kleyer die Verleihung der Gustav-Stresemann-Medaille an den Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt im Januar 2015.

Angesichts der Ereignisse weltweit und des steigenden Interesse an der Freimaurerei, damit auch einer Verjüngerung der Mitgliederstruktur wird auch innerhalb des Bundes immer häufiger die Frage nach gesellschaftlicher Einmischung und Relevanz gestellt. „Wenn wir die Geschichte der Freimaurerei anschauen, war die Freimaurerei immer gesellschaftspolitisch. Denkt an die Zeit der Aufklärung, denkt an die uns bekannten Mitwirkungen von Freimaurern bei Staatsgründungen und Verfassungen.“ Er wies auf das Großlogentreffen in Osnabrück hin, das eine ganze Zusammenkunft unter das aktuelle Leitthema „Informationszeitalter“ stellte, an die gesellschaftspolitischen Beiträge des Großredners und des Redners der Großloge und verwies auf die Vorträge von externen Fachreferenten auf dem Großlogentag in Darmstadt zum Themenkomplex „Flüchtlinge und Integration“. Abschließend dazu äußerte der Großmeister. „Wenn wir gesellschaftliche Relevanz behalten bzw. weiter erlangen wollen, ist die Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen – ich meine hiermit nicht parteipolitischen – Themen unerlässlich. Ohne den Bezug zu gesellschaftspolitischen Themen sind wir gesellschaftlich im Aus.“

Er berichtete über das Freimaurermuseum in Bayreuth, um das es angesichts der Unterstützung durch die Großloge gut bestellt sei, warb aber auch für Mitgliedschaften im Museumsverein. „Das Museum ist unser Schaufenster der Freimaurerei, es unser Gedächtnis und eine der wichtigsten Forschungsstätten der Freimaurerei mit hoher nationaler wie internationaler Reputation. […] Mit eurer Mitgliedschaft sichert ihr die Zukunft des Deutschen Freimaurermuseums in Bayreuth.“ Ebenso lobte er die Arbeit des Freimaurerischen Hilfswerkes, der karitativen Einrichtung unserer Großloge, das in Zusammenarbeit mit den Logen in vielen kleinen und großen Fällen Not lindern konnte, und das sowohl vor Ort als auch weltweit.

Abschließend ging der Großmeister auf das Jahr 2017 ein, in dem sich die Gründung der modernen Freimaurerei zum 300. Male jährt. „Es wird hierzu unterschiedliche Veranstaltungen auf unterschiedlichsten Ebenen geben. Wir werden in diesem Zusammenhang uns den Fragestellungen, die wir an uns selbst haben und an die, die die Gesellschaft an unsere humanitäre Freimaurerei hat, stellen müssen. Wir müssen intensiv weiter daran arbeiten, uns von den Märchen und Mythen, die uns immer noch nachhängen, aktiv zu lösen, wenn wir uns in der Tradition von Aufklärung und Humanismus sehen. Die derzeitige gesellschaftspolitische Situation, ich nenne hier bewusst nur die Stichworte ‚Migranten und multikulturelle Herausforderung‘ sollte es uns nicht schwer machen, das Besondere unserer Toleranz und unserer Art der Menschlichkeit und Brüderlichkeit zu kommunizieren und zu leben. […] Meine Brüder, wir haben sicher noch nicht alle Antworten, aber wir müssen wenigstens die richtigen Fragen stellen. Wir dürfen, und hier überzeichne ich bewusst, nicht bei unserer eigenen Administration und unserem Ritual stehen bleiben. Das sind zweifelsohne unsere Grundlagen, das ist richtig. Es gibt jedoch zahlreiche andere Tätigkeitsfelder, in die wir Zeit und Energie investieren müssen. In der sogenannten ‚Modernen Gesellschaft‘ bietet die Freimaurerei jedem Einzelnen eine Vielfalt an Benefit.“

Im Rahmen der nachfolgenden Mitgliederversammlung wurde nach 17 Jahren gleichbleibenden Beitrages von den Vertretern der Logen eine Erhöhung des Großlogenbeitrages beschlossen, einige interne Themen besprochen und mit dem Br. Hasso Henke ein neuer Zugeordneter Großmeister gewählt. Am Nachmittag gab es hochinteressante Fachvorträge zu den aktuellen Themen Migration und Integration, über die an anderer Stelle noch berichtet wird. Mit dem obligatorischen Schließen der Bruderkette ging der Großlogentag 2016 in großer Harmonie zuende.

Hasso Henke nach der Wahl zum Zugeordneten Großmeister 2016

Der Großmeister hat drei bis vier zugeordnete Großmeister, unterstützende Stellvertreter, für die vielfältigen Aufgaben. Nach dem Rücktritt des zugeordneten Großmeisters Jens Wolfgramm aus privaten Gründen wurde eine Nachwahl notwendig. Der bisherige Distriktmeister des Distriktes Bremen, viele Jahre Redakteur, Sprecher und Moderator bei Radio Bremen und nun im Ruhestand, wurde einstimmig zum Nachfolger gewählt und nimmt ab sofort die Aufgaben im Vorstand der Großloge wahr. Hasso Henke lebt in Worpswede bei Bremen, ist Mitglied einer Loge in Bremen-Vegesack und Gründungsmitglied einer Loge in Oldenburg.

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