Hamburger Freimaurer bei Europawoche der Stadt Hamburg

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Peter Sünnenwold spricht in Hamburg zum Thema

Peter Sünnenwold spricht in Hamburg zum Thema "Quo vadis, Europa?"

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Humanität und Toleranz – das sind die Ziele Europas und das sind unsere Ideale als Freimaurer. Deshalb beteiligen sich die Hamburger Freimaurer seit Jahren an der Europawoche der Stadt Hamburg.

Br. Peter Sünnenwold (Zur Weltkugel i. O. Lübeck), lange Jahre Stadtpräsident der Hansestadt, legte in seinem engagierten Vortrag eine genaue Analyse der derzeitigen gesellschaftlichen und politischen Situation Europas und insbesondere Deutschlands vor. Gleich zu Beginn verwies er auf die verbreitete Angst, die in letzter Zeit unsere Diskussionen um strittige Themen leite. Doch Angst kümmert sich nicht um Fakten und plausible Argumente – sie erzeugt Emotionen und Bewertungen ohne die Sachlage genau zu kennen. Geboten sei, auf die Sachebene und damit zu Analyse und Überlegtheit zurückzukehren. Zahlreiche Probleme stünden an, die gelöst werden müssten. Terrorismus, Euro-Krise, Flüchtlinge um nur einige zu nennen. Und dies sei nur gemeinsam, im politischen Streit um richtige Entscheidungen zu bewerkstelligen. Falsch sei, in nationalstaatlichen Kategorien zu denken, zu moralisieren und sich zu empören. „Wir brauchen keine moralisierenden Politiker, sondern Politiker mit Moral“, so Bruder Peter.

Ganz freimaurerisch wies er darauf hin, aus ihren Heimatländern geflohenen Muslimen offen zu begegnen, ganz so wie es unser Grundrecht auf freie Religionsausübung garantiert; Islamisten, also Muslimen, die ihre religiösen Gesetze über die unseres Staates stellen, klar entgegenzutreten. Gleichzeitig müssten wir Europäer aber auch für die Achtung gegenüber unserer Religion, dem Christentum, eintreten. Br. Sünnenwold klagte fehlende Toleranz bei einigen europäischen Staaten an. „Ein europäischer Konsens in der Migrationsfrage muss aber gefunden werden. Sonst drohen uns allen dramatische Konsequenzen. Die bittere Erkenntnis heißt: Gibt es keine europäische Einigung, eine Mindesteinigung bei der Aufnahme von Asylanten, heißt die Antwort: Wir schaffen das nicht!“

Und weiter: Die Bundesrepublik war von Anfang an eine treibende Kraft der europäischen Einigung. Heute ist Deutschland auf das Engste mit seinen europäischen Nachbarn verbunden – zum Vorteil der Bürger und auch der deutschen Wirtschaft. Alle demokratischen Parteien in Deutschland unterstützen diesen Weg. Sie glauben an Europa, weil es Frieden stiftet und zukunftsfähige Lösungen für nationale wie globale Herausforderungen entwickelt.“ Eben ein Europa der Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Humanität und Toleranz. Dafür lohnt es sich zu kämpfen.

Gegenüber unseren östlichen Nachbarn riet er zu Entkrampfung und Entspannung auf, „damit die Menschen wieder miteinander reden können“, gegenüber der sogenannten Dritten Welt zur „internationalen Humanität“. Wir müssten die Zweifler an der Idee Europas verpflichten auf unseren demokratischen Grundkonsens, die Aufrechterhaltung des Gesprächs, die Achtung der Freiheit und der Individualität des Anderen sowie die Humanität mit den Benachteiligten – „Grundwerte, die wir alle teilen“. Doch: „Es wäre aussichtslos, wenn wir diese unsere Grundüberzeugungen, diese Werte, andren predigen wollten, wenn nicht wir selbst in unserem Tun und Lassen diese Werte zugleich glaubwürdig machen und vorleben“. Auch die religiöse Toleranz, gesellschaftliche Vielfalt, Trennung von Kirche und Staat sowie die Aufklärung „als maßgeblicher Impuls freiheitlichen Denkens und Handelns, die aus dem Christentum und dem Humanismus entstandene Überzeugung sozialer Verantwortung, sowie der Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung und das Bemühen um eine gerechte Weltordnung, alles dies ist maßgeblich ein europäisches Erbe, das sich aus gemeinsamen Erfahrungen der Vergangenheit speist“. Dafür gelte es sich anzustrengen. Das gilt für uns Freimaurer ganz besonders. Angst, Hass und Resignation dürfe den Europäern nicht anstehen, weil wir glaubten, weil wir hofften. „Weil uns nichts egal, nichts relativ ist, weil wir nicht gegen, sondern für etwas sind.“ Und darum lohne es sich mutig weiter gemeinsam auf unserem europäischen Weg voranzugehen.