Kosmopolitismus im 21. Jahrhundert

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Der Referent Prof. Niederberger (Foto. Uni Duisburg/Essen)

Der Referent Prof. Niederberger (Foto. Uni Duisburg/Essen)

„Einen spannenden, wenn auch sicherlich anspruchsvollen Abend“ in der Vortragsreihe zum Thema “Globalisierung” versprach der Meister vom Stuhl Matthias Baethge den zahlreich erschienen Zuhörern und er sollte in jeder Hinsicht Recht behalten.

(Osnabrück/rm) Der Duisburger Universitäts- und Philosophieprofessor Andreas Niederberger spannte in dem rund 90-minütigen Vortrag nebst Diskussion einen Bogen von Diogenes, dem ersten Kosmopoliten, der sich selbst Weltbürger nannte, bis ins 21. Jahrhundert, in dem der US-Amerikanische Präsident von „America First“ spricht, die Briten den Brexit umsetzen und der Nationalismus immer stärker wird.

Andreas Niederberger stellte die Grundlagen des Völkerrechts dar, die Francisco de Vitoria schon Anfang des 16. Jahrhunderts vertrat, um den Spaniern den Handel in Südamerika zu ermöglichen und damit dem Kolonialismus die Türen öffnete. Geschwindigkeit nahm der Kosmopolitismus zwischen 1980 und 2010 auf und stellte die „globalen Hilfspflichten“ des australischen Philosophen Peter Singer dar, der die Pflicht zur Hilfestellung fordert, sofern dem keine Eigengefährdung entgegensteht. Die sodann präsentierte Theorie der „global gerechten Verteilung“ blieb Theorie. Niederberger selbst propagierte die Variante der „transnationalen Demokratie“, nach der alle das Recht haben, darüber zu entscheiden, welche Verteilungsprinzipien und Ansprüche gelten. Seine Definition: „„Global kommt jedem grundsätzlich normative Autorität zu“; jeder Mensch bestimmt also über geltende Normen mit und setzt damit jeglichen Populisten klare Grenzen. Jede Entscheidung bedarf also eines Konsenses. Nach dem kalten Krieg war Kosmopolitismus in aller Munde und im Rahmen der Euroeinführung erneut. Gerade hier, kritisierte Niederberger, hat die Politik in Europa eine Riesenchance verpasst. Sie hätte damals eine europäische Sozialpolitik einfordern sollen, statt weiter nationalstaatlich verankert zu sein. Die aktuelle Debatte in der EU, die als Überwindung der Nationalstaaten gefeiert wurde, zeigt doch die Bedeutung des Kosmopolitismus, gerade in der Zeit von Eurokrise und Brexit.

Passender hätte Niederberger seinen Vortrag kaum halten können, als die Gleichberechtigung aller Menschen in den Vordergrund zu stellen, damit hat Niederberger den Freimaurern aus der Seele gesprochen. Kosmopolitismus ist philosophisch-politisch eine Weltanschauung, die den ganzen Erdkreis als Heimat betrachtet. Dass Philosophie an vielen Stellen ein Wunsch bleibt und nicht immer in die Realität umzusetzen ist, das hat sich aber auch an diesem Abend deutlich gezeigt.

„Das Kosmopolitismus mehr ist, als die Möglichkeit viele Länder zu bereisen war mir klar, dieser Umfang von Philosophie, Rechtssystematiken gepaart mit freimaurerischen Gedanken und Werten hat mich aber sehr beeindruckt“, zog Matthias Baethge am Ende des Abends ein Fazit. „Es war herausfordernde Kost aber sie war hervorragend dosiert und gut verträglich, Professor Dr. Andreas Niederberger sei Dank“, so Baethge zum Abschluss und sprach damit den Brüdern und allen Gästen aus dem Herzen.