Neujahrsempfang in Wetzlar

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Neujahrsempfang der Loge Wilhelm zu den drei Helmen. (Foto: Werner Volkmar)

Erfreut zeigte sich der neue Meister vom Stuhl, Martin Marx, über die große Zahl der Gäste aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft, die zum traditionellen Neujahrsempfang der Wetzlarer Freimaurerloge „Wilhelm zu den drei Helmen“ ins Logenhaus gekommen waren.

Wetzlar. (wv) Namentlich begrüßte der Meister vom Stuhl als erster Vorsitzender neben Oberbürgermeister Manfred Wagner und Wolfram Dette (Kreisbeigeordneter des Lahn-Dill-Kreises) auch den Bundestagsabgeordneten Hans-Jürgen Irmer und Frank Steinrats, Mitglied im Hessischen Landtag (beide CDU) sowie die Stadträtin Sigrid Kornmann.

„Was Sie tun ist gut. Tun sie es lauter“ so Landrat Wolfgang Schuster beim Neujahrsempfang im Jubiläumsjahr 2017. Damit meinte er, dass die Freimaurer mehr in die Öffentlichkeit gehen sollten. „Und dies tun wir, denn die Werte, die wir vertreten- wie Freiheit, Toleranz, Gleichheit, Brüderlichkeit und Humanität, sind nicht nur uns wichtig – sie sind eine gute Basis für menschliches und politisches Handeln“,  so Marx. „Ja, wir Freimaurer erbringen auch heute einen Beitrag zur Gestaltung einer modernen Gesellschaft, aber mit nur rund 15.000 Brüdern wird unsere Stimme nur selten wahrgenommen. Ich fände es toll, wenn einige bekannte Politiker, Wissenschaftler oder Sportler zur Freimauerei kämen, und dies auch adäquat kommunizieren würde. Für unsere Gesellschaft würde dies sicher von Vorteil.

Was Sie tun ist gut. Tun Sie es lauter!

Landrat Wolfgang Schuster

Bei seinem Festvortrag „Geschichte der Geometrie in Theorie und Praxis unter dem Blickwinkel von Winkelmaß und Zirkel“ behandelte Professor Dr. Albrecht Beutelspacher, einer der populärsten Mathematiker und Leiter des „Mathematikum“ in Giessen, ein Thema, das bedrohlicher klang als es war, zumal der Wissenschaftler die Gäste mit seinen bekannten mathematischen Experimenten überraschte.

„Geometrie“ (zu Deutsch „Vermessung der Erde) ist sicher eine der ältesten Wissenschaften. So konnte man in Ägypten (2500 vor Christus) nicht nur gradlinig begrenzte Flächen in rechtwinklige Dreiecke und diese wieder in Rechtecke flächengleich umwandeln, auch die Formel für das Volumen der Pyramidenstümpfe war bekannt. Ihre Werkzeuge waren Zirkel und Lineal, Hilfsmittel, die die Welt heute noch prägen. Auch der Satz des Griechen Pythagoras (570 vor Christus) hat bis heute seine Gültigkeit behalten. Oder Archimedes, der mit der nach ihm benannten Zahl „Pi“ aus dem Durchmesser den Umfang der Erde berechnete. Und immer waren Winkelmaß und Zirkel wichtige Hilfsmittel.

Zum Abschluss seines Vortrages erklärte der Mathematiker anhand eines banalen Experimentes die „Quadratur des Kreises“. Der Professor ließ ein Quadrat entstehen, indem er zwei aus einem Streifen Papier geformte und über Kreuz aufeinander geklebte Ringe wieder auseinander schnitt und zu einem Quadrat entfaltete. Ein Experiment, für das es stürmischen Beifall gab.

Gastredner Prof. Dr. Albrecht Beutelspacher veranschaulicht Inhalte seines Festvortrages zur Geometrie. (Foto: Werner Volkmar)

Oberbürgermeister Manfred Wagner (SPD), der die Grüße der Stadt und des Magistrates der Stadt überbrachte, erinnerte daran, dass unsere Zeit, wie kaum eine andere zuvor, voller Möglichkeiten steckt. „Zum Guten und zum Bösen. Nichts komme von selbst. Und nur wenig ist von Dauer“. Darum besinnt Euch auf eure Kraft und darauf, dass jede Zeit andere Antworten braucht“. „Dieses Zitat des früheren Bundeskanzler Willy Brandt hat an Bedeutung nichts eingebüßt“, so Wagner, wenn wir auf den Zustand unserer Gesellschaft blicken oder die Lebensgrundlagen auf unserem Globus sehen. Natürlich gibt es hier keine einfachen Lösungen, aber es bedarf einer Entschleunigung der Prozesse und der Bereitschaft, einen Raum für den gesellschaftlichen Diskurs zu öffnen. Wir brauchen Werte und Haltungen als tragende Säulen unserer Gesellschaft, die denen der Freimaurer eng verbunden sind, wie Toleranz, Friedenswille oder Mitmenschlichkeit. „Diese Werte sind auch ein Kompass für die Weiterentwicklung unseres Hauses Europa, um die es bei den Wahlen zum Europäischen Parlament in diesem Jahr letztlich geht. Eine Wahl, die für unsere Zukunft prägend sein wird. Also nutzen sie die Wahl als Chance für ein starkes Europa“. So der Appell des Oberbürgermeisters in seinem Schlusswort.

Wolfram Dette (FDP), der die Grüße der Kreisgremien überbrachte, warf einen Blick auf 100 Jahre deutsche Zeitgeschichte. 1919 wurde die Weimarer Republik ausgerufen und das Frauenwahlrecht eingeführt, und 1939 die Staatengemeinschaft UNO gegründet. Nach dem schrecklichen Weltkrieg 1949 trat das Grundgesetz in Kraft und der erste Bundestag wurde gewählt. Und schließlich im Jahr 1989 der Fall der Mauer und die Wiedervereinigung war möglich. Eine historische Zeitreihe, auf die wir stolz sein können. Dies war aber auch nur möglich, weil Politiker zum Wohle ihres Landes handelten. Heute stehen wir wieder vor einer bedeutenden Entscheidung. Wir haben die Europäische Gemeinschaft und über 70 Jahre kein Krieg. „Wir sollten alle mit dazu beitragen, dass uns diese Gemeinschaft, in der noch 28 Staaten vereint sind, erhalten bleibt. „Denn die Gefahr, dass sie Risse bekommt oder zerbricht wäre zum Schaden aller Menschen auf unseren Erdteil Europa“, so Wolfram Dette.