Öffentlicher Empfang in Hamburg zum neuen Maurerjahr

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Distriktmeister Thomas Stuwe
Distriktmeister der Großloge A.F.u.A.M.v.D. Br. Thomas Stuwe

Foto: Brinkmann

Die Einladung zum „Neujahrsempfang“ am 3. 9. 2018 im Hamburger Logenhaus Moorweidenstraße weckte wegen der eigenwilligen Terminierung absichtlich Neugierde in der Öffentlichkeit, konnte diese doch nicht ahnen, dass für Freimaurer im Septemder das neue Maurerjahr beginnt.

Von Br. Hartwig Kloevekorn

Die Provinzialloge von Niedersachsen, Hausherrin des imposanten Gebäudes, der Distrikt Hamburg der Großloge A.F.u.A.M.v.D.
sowie die Logen „Vom Fels zum Meer“ von der Großen National-Mutterloge Zu den drei Weltkugeln, die „Anglo-Hanseatic Lodge“ von der Grand Lodge of British Freemasons in Germany und die „Benjamin Franklin Lodge“ von der American Canadian
Grand Lodge, hatten diese Veranstaltung gemeinsam beschlossen – und der Erfolg blieb nicht aus.

Es soll hier alledings nicht verschwiegen werden, dass die Initialzündung zu dieser großartigen Veranstaltung vom Distrikt Hamburg ausging, dessen Distriktsmeister Br. Thomas Stuwe mit Unterstützung durch die Großloge A.F.u.A.M.v.D. – auch finanziell – die notwendigen Verbindungen zu den Beteiligten knüpfte. Es sei daher erlaubt, ihm den gebührenden Dank für seinen tatkräftigen persönlichen Einsatz auszusprechen. Im Mittelpunkt der „Gemeinschaftsarbeit“ im großen Mozartsaal stand das Referat von Herrn Friedrich-Joachim Mehmel, Präsident des Hamburgischen Verfassungsgerichts, zum Thema „Zur Bedeutung von Recht und Verfassung als Garanten für Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität“. Angesichts der aktuellen Diskussion in der Gesellschaft über den Rechtsstaat, seine Organe und die politischen Auseinandersetzungen war die Wahl des Referenten klug gewählt und bewirkte einen sehr guten Besuch von „Profanen“ und Freimaurern aus
der Hamburger Öffentlichkeit.

Um 18 Uhr begrüßte der Provinzialmeister Br. Ekkehard Demuth im eindrucksvoll besetzten Großen Mozartsaal das erwartungsfrohe Publikum und erläuterte das gewählte Datum dieses Abends sowie den freimaurerischen Hintergrund der Veranstaltung in aufgelockertem, humorvollem Duktus, was die aufgeschlossene Atmosphäre im Saal unter den Anwesenden nachhaltig beförderte.

Ihm folgte Distriktsmeister Br. Thomas Stuwe, der den Redner des Abends vorstellte und die Kompetenz des Verfassungspräsidenten für das anstehende Thema hervorhob. Br. Thomas Stuwe ließ es sich dabei nicht nehmen, in seiner Analyse der gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Lage die Nähe zur Aufklärung im 18. Jahrhundert herauszustellen, indem er aus Lessings Gesprächen für Freimaurer „Ernst und Falk“ wie folgt zitierte:

„Recht sehr zu wünschen, dass es in jedem Staate Menschen geben möchte, die über die Vorurteile der Völkerschaften hinweg wären und genau wüssten, wo Patriotismus Tugend zu sein aufhört.“

Diesem Jahrhundert-Zitat ist nichts hinzuzufügen, also übergab der Distriktmeister dem Redner das Wort.

Präsident Friedrich-Joachim Mehmel hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Ideale der Freimaurerei in Beziehung zu Begriffen wie Rechte und Pflichten in der Gestzgebung und deren Auswirkungen, bezogen auf ihre Organe und auf den Staatsbürger, mit der Präzision des Verfassungsjuristen zu stellen. Gerade die derzeitige emotionale Wucht in der allgemeinen politischen Debatte und die damit einhergehende Gefährdung demokratischer Standards lassen es als notwendig erscheinen, Klartext auf Grundlage unserer Verfassung – auch vor dem Hintergrund der freimaurerischen Werte wie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität – zu sprechen.

Der Referent ließ am Ende seines Vortrags keinen Zweifel daran, dass nicht nur der Staat mit seinen Institutionen in der Pflicht steht, die Verfassung und die Demokratie schlechthin zu schützen, sondern auch der Bürger durch sein vernehmbar persönliches Bekenntnis für ihre Erhaltung einzutreten hat. Der anschließende starke Applaus des Auditoriums galt gewiss nicht nur dem ausgezeichneten Vortrag, sondern hoffentlich auch dem deutlichen Appell des brillanten Redners Friedrich-Joachim Mehmel zu staatsbürgerlicher Mitverantwortung.

Über welche Suggestivkraft diese Veranstaltung verfügte, lässt sich an der Tatsache ablesen, dass auch unser weitgereister Großmeister Br. Stephan Roth-Kleyer als überzeugter Förderer dieser Gemeinschaftsarbeit zu den zahlreichen Besuchern zählte. – Nach den Schlussworten von Br. Uwe Dröger als abgeordneter Provinzialmeister und seine Einladung in den Kleinen Mozartsaal klang dort der Abend aus mit Fingerfood und erfrischenden Getränken bei angeregten Gesprächen.