Osnabrücker Theater spielt im Lortzing-Haus der Freimaurer

5. Dezember 2016
Janosch Schule als Ernst, Stefan Haschke als Falk. Szenenfoto aus

Janosch Schule als Ernst, Stefan Haschke als Falk. Szenenfoto aus „Ernst & Falk“, Aufführung des Osnabrücker Theatars im Lortzing-Haus der Osnabrücker Freimaurer. Foto Uwe Lewandowski.

Wie inszeniert man Lessings textlastige „Gespräche für Freymäurer“ für das Theater? Man nehme gute Schauspieler, verwende Bildsprache, streue Dokumente ein und verlagere die Handlung dorthin, wo die Freimaurer sind: in das Logenhaus. Das Experiment des Osnabrücker Theaters sorgt für Begeisterung.

In Kooperation mit der Osnabrücker Freimaurerloge „Zum Goldenen Rade“ inszenierte Birga Ipsen für das Theater Osnabrück eine unterhaltsame und ansprechende Version von Lessings „Ernst & Falk — Gespräche für Freymäurer“, einem der Klassiker der Bildungsdialoge. Das Problem der Textvorlage ist nur: Bei diesem Wechselgespräch passiert nichts, außer dass zwei junge Männer sich fortgesetzt über Freimaurerei unterhalten. Lediglich das Bühnenbild ändert sich. Ein bisschen. So interessant die Texte sind – auf dem Theater verspricht das Stück Langeweile.

Es sei denn, man bleibt nicht im Theater und geht dorthin, wo die Freimaurer sind, in ein Logenhaus, und nutze das ganze Haus als Bühne. Lasse zwei ausgezeichnete Schauspieler die Dialoge auf der Treppe, am runden Tisch und im sogenannten Tempel der Freimaurer spielen, sodass die Zuschauer immer hautnah dabei sind und das Ambiente der Freimaurerloge als Teil der Inszenierung auf sich wirken lassen können. Das Ganze wird verwoben mit Fragmenten aus der Freimaurerei, mit Hintergrundgeräuschen und in der Fußgängerzone aufgenommenen Aussagen von Passanten zur Freimaurerei. Da gibt es es Stimmen aus dem Off, die Freimaurerei für eine Sekte halten, von alljährlichen rituellen Selbstmorden zu berichten wissen oder sich an geheimnisvolle Kinofilme mit Tom Hanks erinnert fühlen. Nichts Genaues also weiß man nicht, aber nach dem Theaterstück ist man um einiges klüger. Denn die Erklärungen gibt Lessing in nach wie vor aktuellen wie wohlgesetzten Worten.

Dass der gehaltvolle Text so lebendig wird, ist dem Schauspielduo Stefan Haschke und Janosch Schulte zu verdanken. Bevor der philosphische Diskurs beginnt, schweigen sie erst einmal. Da besucht der jüngere Ernst den älteren Falk bei einer Wasserkur. Während der Ältere das Heilwasser in kleinen Schlucken und mit geschlossenen Augen genießt, spült Ernst voller Ungeduld die ganze Flasche hinunter, um seinen Freund, den Freimaurer Ernst, so schnell als möglich mit seinen Fragen bedrängen zu können. So lassen Haschke und Schulte die Figuren spielerisch lebendig werden, ohne dem Text etwas Künstliches überzustülpen.

Lessings Gespräche für Freimaurer sind Bestandteil des Osnabrücker „Stadtprojekt Nathan“, das sich mit Lessings Kernthema „Toleranz“ auseinandersetzt. Ab Januar gibt es Lessings großes Werk über religiöse Toleranz „Nathan der Weise“ sowie weitere Projekte zum Thema. Und noch einmal gibt es Freimaurerei, zwar nicht Lessing, aber Mozart und Schickaneder in Form der freimaurerischen Oper „Zauberflöte“.

„Ernst & Falk“, Theater Osnabrück im Lortzinghaus der Osnabrücker Freimaurer, An der Katharinenkirche 3. Aufführungen am 15. Dezember 2016 (Ausverkauft), 27. Januar 2017 und 12. Februar 2017. Weitere Termine in Planung. Karten sind über die Internetseite erhältlich.

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