So entstehen meine Gemälde

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Jens Rusch: So entstehen meine Gemälde

Jens Rusch: So entstehen meine Gemälde

Die Ausstellung des Künstlers Jensch Rusch, eine Gemeinschaftsaktion der bremischen Logen, geht zu Ende. Im Rahmen der Finissage am 29. September 2016 erläutert der Künstler, wie eigentlich seine Gemälde entstehen.

Wie berichtet haben zwölf Logen in Bremen bei dem Brunsbütteler Künstler Jens Rusch ein Bild mit Lokakolorit bestellt, um das herum sie in der Galerie Callas eine Ausstellung organisierten. Zum Ende wird es noch einmal interessant, denn Jens Rusch spricht über die Entstehung seiner detailreichen und präzisen Werke.

“Das Resultat”, so der Künstler, “sollte keine touristische Aufarbeitung, keine Dokumentation oder Stadtwerbung werden. Auch keine freimaurerische Propaganda. Das Gemälde soll vielmehr die künstlerische Interpretation von Einflüssen komprimieren. Am Besten symbolisiert diesen Impetus die Version der Bremer Stadtmusikanten. Genau das ist die Aufgabe eines Künstlers: transparent zu machen, was sich für ihn hinter der Oberfläche erschliesst. Der eigene Kosmos wird angereichert und das Ergebnis kann im günstigsten Fall die Erfahrungswelt des Betrachters erweitern. Sonst wäre es bloße Dekoration.”

Intensive Recherche, Materialsammlung, persönliche Eindrücke – das stünde am Anfang jedes künstlerischen Prozesses, erläutert Rusch und betont, dass gerade eine altehrwürdige Hansestadt mit ihrem Reichtum an Motiven beinahe schon zu viel an Impressionen bietet, die sich in einem einzigen Werk in dieser Fülle gar nicht verarbeiten lassen. Um ein Bild nicht zu überladen muss man sich von Elementen trennen, die durchaus Sinn ergeben hätten. Das “animalische Vanitas” der Stadtmusikanten sollte ursprünglich beispielsweise eine zentrale Position einnehmen, größer dargestellt werden. Rusch musste sich auf die wichtigsten Dinge konzentrieren und weniger augenfällige Dinge bestenfalls visuelle Randnotizen in seinem Bild hinterlassen, die sich der aufmerksame Betrachter erschließen kann.

Dass Kunst harte Arbeit ist, beweist der Maler auch mit dieser Auftragsarbeit, an der er zweieinhalb Monate gearbeitet hat. Zahlreiche Beobachtungen, Gespräche, Auswerten von Fotos, Bildern Literatur gehen dem eigentlichen Schaffensprozess voraus, zahlreiche Skizzen entstehen, die nicht immer Eingang in das endgültige Werk finden.

Heini Holtenbeen, eine berühmte Bremer Gestalt

Heini Holtenbeen, eine berühmte Bremer Gestalt

Der Roland von Bremen, Wahrzeichen des Marktplatzes

Der Roland von Bremen, Wahrzeichen des Marktplatzes

Die berühmten Bremer Stadtmusikanten in ungewohnter Form

Die berühmten Bremer Stadtmusikanten in ungewohnter Form

Jensch Rusch bei der Arbeit an einem seiner Gemälde

Jensch Rusch bei der Arbeit an einem seiner Gemälde

Das Symbolgemälde fasst nicht nur die zwöf in Bremen und “umzu” arbeitenden regulären Freimaurerlogen zusammen, es enthält auch Inhalte, die erst auf den zweiten Blick einen Sinn ergeben. Künstlerische Freiheiten in Anspruch zu nehmen ist dabei ein Grundrecht des schaffenden Menschen. Das Wappen des Roland ist eine solche kleine Unverfrorenheit. Die Abwandlung des ursprünglichen Sujets ist eine kleine Reminiszens an den altehrwürdigen schottischen Ritus, mithin ein Gruss an die in Bremen arbeitenden ACGL- Logen. Das sogenannte “Allsehende Auge” erhielt einen “Blickwechsel”, wie man ihn von Escher und einem anderen Gemälde von Jens Rusch bereits kennt.

Die Reflektion des Vanitas-Symboles erinnert an die eigene Vergänglichkeit. Die Lichtstrahlen wandeln sich hier zur Tagelage und verweisen auf die bedeutende Seefahrtsgeschichte Bremens hin, die auch die Zusammensetzung der Bruderschaften der wichtigsten Logen geprägt haben dürfte.

Man darf gespannt sein, welche kleinen Geheimnisse, Details und Anekdoten Jens Rusch bei der Finissage seinem Publikum zu erzählen weiß.

Finissage der Ausstellung “Sinnsuche und Bildfindung” am 29. September um 19 Uhr in der Galerie Callas, Ansgaritorstraße 1, 28195 Bremen.