Stürmischer Applaus für barocke Freimaurerlieder

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Gelungenes Benefizkonzert der Loge

Gelungenes Benefizkonzert der Loge „Libanon zu den 3 Cedern“ in Erlangen

Die Erlanger Freimaurerloge „Libanon zu den 3 Cedern“ hat zum jährlichen Benefizkonzert eingeladen: Barocke Freimaurerlieder stehen auf dem Programm der Veranstaltung zu Gunsten der „Ehrenamtlichen Flüchtlingsbetreuung in Erlangen“ (Efie). Zur großen Freude der Gastgeber müssen wegen des starken Andrangs zahlreiche weitere Stühle in das zum Konzertsaal umfunktionierte „Allerheiligste“ der Loge verbracht werden.

(Cora Uitting) Spätestens seit 1947, seit der Wiederherstellung der Freimaurerloge nach dem Zweiten Weltkrieg, wenden sich die Mitglieder mit Aufklärungsarbeit gegen das unwahre, mitunter verheerende Image des „Geheimbundes“. Das Konzert passt genau in dieses Konzept, mit Information gegen Vorurteile anzugehen.

Jedes dargebotene Lied wird vorab vom sehr wissenden, charmanten Moderator Josef Balazs erklärt und in den zeit- und musikgeschichtlichen Zusammenhang gebracht. Seit 300 Jahren gibt es die modernen Freimaurerlogen, in deren Zusammenkünften „L´art royal“, die königliche Kunst – die „Arbeit am rauen Stein“ (also an sich selbst) – gepflegt wird. Bei diesen Zusammenkünften werden aber auch Lieder gesungen, die teilweise schon im Barock und in der frühen Klassik von begabten Logenbrüdern komponiert wurden.

Da gibt es Musik „Beym Eintritt in die Loge“, Trinklieder, Meisterlieder, Aufseherlieder, ein Herz zerreißendes Lied im Namen der Armen und, das ist toll: ein Lied „auf das Frauenzimmer“, zum Trost der „Erzürnten Schönen“, die lange Zeit von den Freimaurern ausgeschlossen waren. Die Komponisten sind überwiegend unbekannt, während Jacques-Christophe Naudot manchem ein Begriff ist und von Mozart weiß man spätestens nach Besuch seiner Oper „Die Zauberflöte“, dass er glühender Logenbruder war.

Pianistin Dagmar Loris hat für die im Logenalltag entweder a capella oder mit Bläserbegleitung gesungenen Lieder gelungene Klavier-Arrangements geschaffen, mit denen sie die Sopranistin Václava Tichá überaus einfühlsam begleitet. Die Sängerin versucht erst gar nicht, den weihevollen, vielleicht auch ein bisschen pathetischen Eindruck, den ein starker Männerchor hervorrufen kann, herzustellen. Sie setzt auf die freundlich engagierte, dokumentierende Wiedergabe und füllt mit ihrem klaren, hell timbrierten Sopran den Saal. Jedes Wort ist verständlich. Von ihrer heiteren Gestik und Mimik belebt verströmen die Lieder einen großen Charme und erzählen von der Freimaurerei.

Künstlerinnen und Publikum fanden sich zum Abschluss vereint im Gesang der „Ode an die Freude“, dem Auftragswerk einer Freimaurerloge an Friedrich Schiller, 40 Jahre später vertont von Ludwig van Beethoven. Nachdem sich die Gänsehaut wieder geglättet hatte, feierte das Publikum die beiden Musikerinnen und den Erzähler mit langem, stürmischem Applaus.