Konzert mit freimaurerischen “Gebrauchsliedern” in Görlitz

"Geheimnisumwoben" — so lautete die Ankündigung zu einem Konzert des Kammerchores „Vocal Concert Dresden“. Ein öffentlicher Gästeabend der besonderen Art, zu dem die Freimaurerloge „Zur gekrönten Schlange“ Görlitz den Chor einlud.

Görlitz. (hw) Ein Konzert im Rang einer Uraufführung. Es wurden Lieder präsentiert, die für Freimaurerlogen zum Gebrauch geschaffen wurden und bisher noch nicht zu hören waren. Lieder, die zum größten Teil aus den Federn von Freimaurern stammen. Lieder, die hier mit Sicherheit vor 100 Jahren und mehr zum letzten Mal ertönten.

Haben denn nun die neun ehemaligen Dresdner Kruzianer den mehr als 60 Besuchern des Konzertes mit ihren vorgetragenen Freimaurerliedern aus dem 18. Jahrhundert eine Antwort auf die eingangs gestellte Frage gegeben?

Die Reaktionen der Besucher nach dem 90-minütigem Konzert brachten ein eindeutiges Ja. Nicht nur einmal äußerten Zuschauer „Ich habe sehr viel über die Freimaurerei erfahren!“. So erklangen Lieder zur Eröffnung einer Loge, zu Wechselgesprächen innerhalb einer Tempelarbeit. Die Zuschauer konnten aber auch erleben, was bei einer festlichen Tafelloge passiert, wie bereits im 18. Jahrhundert die Freimaurer an ihre Frauen denken, denen der Zutritt zur Loge verwehrt wird und die sie Schwestern nennen: „Seid gegrüßt, verehrte Schönen, mit dem Gruß der Zärtlichkeit!“

Ein Erlebnis war für alle, dass der Chor nicht starr auf der Bühne stand, sondern sich, dem jeweiligen Anlass gerecht werdend, im gesamten Konzertsaal bewegte; eine gelungene Choreografie. Der Chor wurde begleitet von zwei Musikinstrumenten, die die Musik des 18. Jahrhunderts prägten. Der Leiter des Chores, Prof. Peter Kopp – Rektor der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik Halle/Saale – selbst ehemaliger Kruzianer, saß am Hammerflügel. Dieser wurde von Roy Amotz (Berlin) mit seiner barocken Traversflöte hervorragend ergänzt. Dieses Holzblasinstrument, das der Vorläufer der heutigen Querflöte war, konnte man trotz der zarten Töne nicht überhören. Der Dresdner Musikwissenschaftler Dr. Kornél Magvas trug zwischen den einzelnen Liedern freimaurerische Texte des 18. Jahrhunderts vor.

Erwähnt werden soll, dass das Konzert im Evangelischen Jugendhaus „Wartburg“ selbst für den Chor ein einmaliges Erlebnis war. Die Künstler waren davon beeindruckt, dass sie in dem ehemaligen Haus der Loge „Zur gekrönten Schlange“ freimaurerische Lieder singen durften.

Ein Höhepunkt für die “Schlangen-Brüder” war es, die bereits 1786 unserer Loge gewidmete Vertonung Schillers „Ode an die Freude“ zu hören. Übrigens die weltweit zweite Vertonung. Neben der„Görlitzer“ Hymne wurden drei weitere Vertonungen von C.G. Körner, J.G. Naumann und F.F. Hurka zu Gehör gebracht.

Wir Görlitzer Brüder sind sich einig, dass alle Anwesenden einen außergewöhnlichen Logenabend erleben durften. Die szenische Präsentation von Freimaurerliedern mit ihren verschiedensten Facetten ist hervorragend geeignet, bedeutsamen maurerischen Ereignissen einen würdigen Rahmen zu geben.

All diese Erstvertonungen und 26 weitere Lieder sind auf einer CD enthalten, die bei dem Görlitzer Konzert angeboten wurde. Ein sehr informativ gestaltetes Booklet in Deutsch und Englisch (54 Seiten) informiert über den Inhalt der CD. „Berlin Classics“ plant, das Album im Herbst 2019 in den freien Handel zu geben. In begrenzter Anzahl kann das Album bereits jetzt bei unserer Loge zum Vorzugspreis von 16,00 € über mvst@loge49.de bestellt werden.

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Schottische Tradition hält Einzug in Gummersbach

Burns Supper in der Tenne des Wyndham Garden Hotel Gummersbach, Foto: Friederike Römer

Am 25. Januar veranstaltete die Loge „Zur oberbergischen Treue“ ihr erstes Burns Supper.

(Gummersbach /gl/ml) Mit dieser Veranstaltung begehen Schottlandbegeisterte und Freunde der Dichtkunst auf der ganzen Welt den Geburtstag von „Caledonias Barden“, dem schottischen Nationaldichter Robert Burns.

Was hat das ganze aber mit Freimaurerei zu tun? Nun, Robert Burns selbst ebenso wie seine Freunde, welche die Tradition ins Leben riefen, waren Freimaurer und der festgelegte Ablauf des Abends ist frei an maurerische Traditionen angelehnt. Neben schottischer Musik und echtem schottischen Haggis, natürlich präsentiert mit der Ode an diese Spezialität aus Burns eigener Feder, konnten sich die Gäste auch an mehreren Sorten Whiskey erfreuen.

Abgerundet wurde der Abend durch einige von Burns Gedichten und die Rede von Br. Roland Schultz, der den Lebensweg des Barden nachzeichnete.

Mit über 60 Gästen war das erste Burns Supper in Gummersbach ein voller Erfolg und wird auch 2020 wieder stattfinden – dann schon als Tradition.

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Münchner Kolloquium spricht über Kultur und Identität

Teilnehmer des 8. Münchner Kolloquiums der Loge "In Treue fest"

Beim 8. Münchner Kolloquium sprach man über Identität und Kultur als Auslaufmodelle und über das Bild des Eigenen und des Fremden.

(München / hjbj) Es ist eine schwierige Frage ob die eigene Identität bzw. Kultur Voraussetzung für die Entstehung kultureller Vielfalt ist. Umso mehr, wenn man – wie es in Deutschland öfter der Fall ist – konfrontativ und einseitig das Eigene ablehnend mit den Begriffen Identität und Kultur umgeht.

Im Laufe des Kolloquiums konnte erfahren werden, dass es selbst der Wissenschaft nicht eindeutig gelingt, die Konzepte über die richtige Auslegung und Verwendung der Begriffe Identität und Kultur ausreichend zu definieren. Die Schwierigkeiten bei deren Definitionen liegen auch darin, dass jede wissenschaftliche Richtung mit unterschiedlichen theoretischen Konstrukten arbeitet. Dennoch ist ein ausgewogener interdisziplinärer gegenseitiger Austausch von Begriffen und Ideen nicht zu verdammen. Aus diesen Gründen ist, nämlich anhand von Darstellungen von Thesen, Hypothesen, Analysen und sogar mit dem Einbezug persönlicher Erfahrungen Antworten auf die Fragen zu finden, was Identität und Kultur sei.

Zu Anfang stellte Dr. Hernán J. Benítez Jump in seinem Vortrag „Persönliche und kollektive Identität aus der Sicht eines Ethnologen. Zwischen Ich-Bezogenheit und kultureller Gruppenzugehörigkeit in einer GesellschaftDefinitionen zu den Fragestellungen Gruppen- und kollektive Identität, ethnische Identität, zum Bild des Eigenen und des Fremden, Kulturund Interkulturelle Kommunikation. Im Rahmen dieser Fragestellungen brachte er eigene Erfahrungen ein, die er als ehemaliger Peruaner und Kanadier, als jetziger deutscher Staatsbürger und als Ethnologe mit dem beruflichem Forschungsschwerpunkt Nordafrika und Vorderem Orient bisher gewonnen hat.

Professor Dr. Harald Schöndorf SJ, Professor für Erkenntnislehre und Geschichte der Philosophie an der Hochschule für Philosophie in München, referierte in seinem Vortrag „Gibt es überhaupt eine undifferenzierte kulturelle oder nationale Identität?“ über die Themen personale „Identität“, über Bildung als Verstärkung des Wissens um differenzierte Identität und die Identifizierung mit dem Größeren und Mächtigeren als Verstärkung des Selbstwertgefühls sowie den totalitären Missbrauch der Identität.

Der dritte Vortragende Prof. Dr. Hans-Hermann Höhmann fokussierte in seinem Vortrag: „Institutionelle und kulturelle Voraussetzungen der ‚offenen‘ Gesellschaft – die Sicht eines Freimaurers“ überwiegend auf die Frage, was eine „Offene Gesellschaft“ sei und auf die Voraussetzungen, die zu erfüllen sind, um diese verwirklichen zu können.

Dr.phil. Jörg Noller, Ludwig-Maximilians-Universität, Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft, setzte sich in seinem Vortrag: „Kultur der Identität: Jenseits von Essentialismus und Relativismus“ mit den Fragen des kritischen Begriffes kultureller Identität, Essentialismus, Relativismus und Konstruktivismus, Identität der Kultur – Kultur der Identität sowie Sprache als kulturelle Lebensform auseinander.

Eine Ausführliche Wiedergabe des Gesagten und des Referierten würde natürlich den Rahmen dieses Kurzberichtes völlig sprengen. Hier sei  als wichtige Antwort zu dem im Titel des Kolloquiums gestellte Frage, ob Identität und Kultur rückständige Auslaufmodelle in einer globalisierten Gesellschaft seien und ob die Wahrung der eigenen Identität und Kultur die Voraussetzung für die Entstehung kultureller Vielfalt sei?“ eine Antwort gegeben: Ja, die Wahrung der eigenen Identität und Kultur ist Voraussetzung für die Entstehung kultureller Vielfalt. Zum Problem bei der Suche nach einer kohärenten Antwort zu den Fragen was ist Identität, bzw. was ist Kultur, führt die Tatsache vor Augen, dass die Debatten über die Perzeption von Identität und Kultur den Kulturwissenschaften natürlich nicht allein gehören. Vor allem im Bereich des öffentlich-politischen Diskurses sind die Auffassungen völlig verschieden wenn nicht sogar chaotisch. Im öffentlich-politischen Kontext wird meistens mit den Begriffen Kultur und Identität des Öfteren balanciert und zwar je nach Couleur der Parteien und Interessenslagen und zwar ohne nicht einmal versuchsweise zu definieren, was unter kulturelle Identität zu verstehen sei. Also im Grunde überhaupt ohne zu wissen, worüber eigentlich diskutiert wird.

Das diesjährige Kolloquium mit dem Thema „Identität und Kultur“, das die ehrwürdige Bauhütte „In Treue fest“ am Samstag, den 19. Januar veranstaltet hat, war ein außerordentlicher Erfolg. Nicht nur wegen der hohen Anzahl der über hundert Teilnehmer, sondern auch wegen der sehr interessanten Vorträge und der regen Diskussionsbeiträgen, die zu dem o.g. Thema gehalten wurden. Wie aus den vielen E-Mails, die dem Veranstalter erreichten, zu entnehmen ist, wollen mehrere Logen die Themen Identität und Kultur in deren ehrwürdigen Bauhütten aufgreifen und diese zur Diskussion stellen.

Distrikmeister Hannes Brach begrüßte die Anwesenden in Namen des Distrikts von Bayern und las die Grußworte des Großmeisters Prof. Dr. Stephan Roth-Kleyer vor. Der Großloge danken wir für die großzügige Unterstützung. Insgesamt waren Teilnehmer aus München, Haar, Augsburg, Starnberg, Traunstein, Kempten, Nürnberg, Lindau, Erlangen, Ulm, Hamburg, Bonn, Düsseldorf, Bad Homburg, Plauen, Lörrach, Bremen, Oxford (GB), Österreich (Wien), Griechenland (Athen) sowie aus drei femininen Bauhütten (München, Augsburg und Düsseldorf) und aus einer Gemischten Loge (München) anwesend. Die Hälfte der Zuhörer waren keine Freimaurer.

Im Rahmen der Dokumentationen der Loge „In Treue fest“ erscheint demnächst das 8. Heft mit den Beiträgen des Kolloquiums „Identität und Kultur“, das zu einer Schutzgebühr von EUR 5,00 zuzüglich Versandkosten beim Sekretär der Loge In Treue fest bestellt werden kann (sekretaer@loge-in-treue-fest.de).

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“Burns Supper” der Frankfurter Loge “Lessing” wieder mit großen Spenden

Die Karten zum Burns Supper 2019 waren in kürzester Zeit ausverkauft

„We’ll take a cup of kindnes yet – For Auld Lang Syne“ Unter diesem Motto versammelten sich 140 Brüder und Schwestern und interessierte Gäste, um gemeinsam mit der Loge das 9. Burns Supper zu begehen.

Frankfurt. (rk) Die Veranstaltung  strahlt deutlich über das Rhein-Main-Gebiet hinaus. Die Gäste kamen aus 29 Logen, 6 Großlogen, inklusive der Frauengroßloge und aus allen Teilen Deutschlands, sowie aus Belgien und den Niederlanden.Dieses Verbindende machte auch unser Großmeister Stephan Roth-Kleyer zum Gegenstand seines Grußworts.

Das Burns Supper reiht sich ein in den Kanon von Geburtstagsfeierlichkeiten für den schottischen Dichter und Freimaurer Robert Burns, der am 25. Januar 1759 geboren wurde. Der Abend folgt einem vorgegebenen Ablauf. Auf ein ein typisch schottisches Essen, den Haggis, den Robert Burns mit einer Ode gewürdigt hat, folgt eine Rede auf das Unsterbliche Werk des Dichters, vorgetragen von Hermann Redmer. Eine Besonderheit ist der Auftritt des Dichters selbst, verkörpert von Bernd Schmude. Dazu jede Menge Musik und natürlich darf das Wasser des Lebens, der schottische Malt Whisky, nicht fehlen.Das Burns Supper wurde konzipiert von Rolf Keil, der auch wie immer den Abend leitete. Hervorzuheben bleibt aber das große Engagement der Brüder der Loge, die dieses Fest immer wieder zu einem Erlebnis machen.

Beim Burns Supper geht es auch darum, Geld für lokale Projekte zu sammeln. Gerade die Unterstützung sozialer Projekte vor Ort verankert die Freimaurerei in der Mitte der Gesellschaft. In diesem Jahr gab es zwei Spendenempfänger.

Das Leuchtfeuer Höchst organisiert und unterstützt soziale Projekte aller Art. Die Helfer (Vereinsmitglieder) verteilen gespendete Nahrungsmittel, Kleidung, Haushaltsgegegenstände und vieles andere mehr an Bedürftige. Sie bieten kulturelle Veranstaltungen, Feste, Schifffahrten, Spiele-Treffs, Kindergeburtstage für diejenigen an, die durch Armut von der Teilnahme an solchen Aktivitäten ausgeschlossen sind. Besonderer Schwerpunkt ist die Betreuung von finanziell schlecht gestellten Rentnerinnen und Rentnern. Darüber hinaus ist die Wiedereröffnung des Cafe-Leuchtfeuer geplant, eine Kleiderkammer und eine mobile Versorgung von Bedürftigen, auch Obdachlosen, mit körperlichen Behinderungen.

Das MainÄppelHaus Lohrberg ermöglicht Kindern ab dem Vorschulalter, Jugendlichen und Erwachsenen am Beispiel der Streuobstwiese die Natur näher kennen zu lernen. Dabei lernen die Kinder Tiere und Pflanzen kennen, zu respektieren und zu schützen. Die Freude und das Interesse an der Natur sind schnell geweckt und fördern die emotionale Bindung an die eigene Lebensumgebung und die Wertschätzung der Natur. Durch Rollen- und Gruppenspiele lernen Kinder und Jugendliche auf der Streuobstwiese soziales Verhalten und bekommen ein Gespür dafür, wie stark Mensch und Natur zusammen gehören. Auch die motorischen Fähigkeiten und körperliche Entwicklung werden geschult.

Die beiden Organisationen konnten sich am Ende des Abend über je 3.000 € Spendensumme freuen, die am Abend eingenommen wurden. Seit dem ersten Burns Supper konnten insgesamt über 60.000 € für regionale wohltätige Zwecke aufgewendet werden.

Das 10. Burns Supper der Loge Lessing wird am 25.Januar 2020 stattfinden.

Weitere Infos zu den Spendenempfängern finden sich unter http://www.hoechster-leuchtfeuer.de/ und http://www.mainaeppelhauslohrberg.de/.

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Auf der Suche nach freimaurerischer Zukunft

Beim 1. Zukunftsgespräch in Leipzig wurde über Werterahmen des Bruderbundes debattiert

Von Prof. Dr. Helmut Reinalter

Am 6. Oktober 2018 fand im Logenhaus der Bauhütte „Minerva zu den drei Palmen“ in Leipzig ein spannendes Zukunftsgespräch statt, in dessen Rahmen verschiedene aktuelle und substanzielle Themen zur Zukunft der Freimaurerei diskutiert und vertieft wurden. Bei allen Beiträgen der insgesamt 20 Teilnehmer des Symposiums aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ging es um die Bedeutung und Weiterentwicklung dieser Themen für die Freimaurerei. Das Themenraster wurde von Br. Helmut Reinalter aus Innsbruck entwickelt, der im Anschluss an die Präsentation seines gerade erschienenen Buches über „Die Zukunft der Freimaurerei“ auch das Gespräch leitete und im Folgenden eine Zusammenfassung seines Impulsreferates und der Debatte auf dem Symposium gibt.

Erstmals in der Geschichte der Menschheit steht diese vor gewaltigen Umwälzungen, die tief in die Natur des Menschen und des Planeten einschneiden. Die Tragweite der sozioökonomischen, technologischen, ökologischen und geomorphologischen Veränderungen könnte heute nicht größer sein. Unser Leben wird sich in allen Bereichen der Gesellschaft grundlegend verändern. Es bilden sich postindustrielle Gesellschaften als Folge der Umwälzungen im Zeichen des demographischen Wandels, der neuen Technologien und der medizinischen Errungenschaften heraus, und es entstehen auch neue Gesellschaftsmodelle, mit denen sich die Freimaurerei in Zukunft kritisch auseinandersetzen muss. Moderne Sozialsysteme wandeln sich zunehmend in Risikogesellschaften, die neue ethische Maßstäbe erfordern, wie z. B. globale Ethiken. Die Globalisierung verändert die Demokratie, zumal in einer Zeit tiefgreifender Wandlungsprozesse und komplexer werdender gesellschaftlicher Entwicklungen sowie durch den Neoliberalismus Demokratien an die Grenzen ihrer Effektivität stoßen. Sie zeigen sich technisch als leicht verletzbare Systeme. Weltpolitik und Weltwirtschaft benötigen dringend eine ethische Grundorientierung, um eine im Sinne der Freimaurerei friedlichere und humanere Welt zu ermöglichen.

Zweifelsohne ergeben sich aus diesen Wandlungsprozessen und ihren Folgen wichtige neue Aufgabenfelder, für die ein dringender globaler Handlungsbedarf besteht:

  • Die Errichtung einer globalen Rechts- und Friedensordnung zur Überwindung der globalen Gewaltgemeinschaft,
  • die Herstellung eines fairen (gerechteren) Handlungsrahmens für die globale Kooperationsgemeinschaft, der die Sicherung der sozialen und ökonomischen Mindestkriterien umfasst, und
  • die Klärung bzw. Konkretisierung jener Probleme, die durch Hunger, Armut und Migration entstanden sind.

Auf den Punkt gebracht, bedeutet dies globale Gerechtigkeit, globale Solidarität und globale Humanität.

Diese großen Herausforderungen führen notwendigerweise zu künftigen Aufgaben der Bruderkette, die möglichst bald in Angriff genommen werden müssen, um die Freimaurerei auch als geistige Bewegung bedeutender zu gestalten. Eine ausschließlich ästhetisch-esoterische Verinnerlichung und der Rückzug auf Ritualistik und Symbolik sind zwar für die Bruderkette wichtig, schwächen sie aber gesellschaftspolitisch. Um dies zu verhindern, ist es dringend erforderlich, auf der Grundlage einer fundierten Analyse der geistigen und gesellschaftlichen Entwicklung unserer Gesellschaft das Engagement der Brüder zu unterstützen und einen Denkprozess einzuleiten, um zu erreichen, dass die Brüder jenseits von Parteipolitik eine Kurskorrektur der gesellschaftlichen Entwicklung beeinflussen können. Die Freimaurerei sollte sich als ethische Wertegemeinschaft und als humanes Verhaltensmuster dieser Verantwortung stellen. Es geht hier vor allem um eine Verantwortung für die Gesellschaft von morgen, gemäß den Ritualworten: „… wie hier im Tempel durch das Wort, im Leben durch die Tat walten zu lassen.“

Für die Freimaurerei heißt dies, sich um ihre tragenden, substanziellen Kategorien neu zu kümmern, nämlich um

  • die Selbstverpflichtung, an der sich der Br.: zu messen hat,
  • die Entfaltung einer geistigen Haltung, eines Habitus, dessen Ausprägung sich im Diskurs (Diskursethik) gestaltet,
  • die Entwicklung einer Philosophie als Lebenskunst (Königliche Kunst) eine neue ethische Orientierung am dynamischen Wandlungsprozess der Gesellschaft unter globalem Maßstab (Weltethos),
  • eine aktive Toleranz und nicht eine passive Duldung,
  • eine „reflexive“ Aufklärung als neues Aufklärungsdenken,
  • die Freimaurerei als Idee und gemeinschaftliche Praxis lebendig zu halten,
  • eine verstärkte Verpflichtung zu praktischer Humanität und gesellschaftspolitischem Engagement,
  • eine lebendige Gestaltung der Brüderlichkeit mit interessanten Baustücken und
  • eine aufklärerische, ideologiekritische Haltung sowie das Eintreten für eine „offene Gesellschaft“.

Die Themenschwerpunkte wurden von den Teilnehmern und Teilnehmerinnen intensiv diskutiert. Hier nun die Ergebnisse dieses Diskurses. Ein Umfrageergebnis über den Werterahmen in Österreich ergab ein interessantes Ergebnis: 81% der befragten Menschen antworteten, dass Werte im Alltag sehr wichtig sind und nur 19% waren der Meinung, dass Werte wenig Bedeutung haben. Konkret wurde über die Weiterentwicklung und Vertiefung des freimaurerischen Werterahmens gesprochen:

  • Eine verstärkte Verpflichtung zum Aufklärungsdenken, zumal die Werte der historischen Aufklärung heute nach wie vor sehr aktuell sind, sie müssen nur für die Zukunft weiterentwickelt werden.
  • Eine Verpflichtung zur praktischen Humanität, zu Solidarität und Empathie.
  • Eine aktive Toleranz, Respekt für die Andersdenkenden und die Ablehnung des Fundamentalismus.
  • Das Eintreten für Menschenwürde und Menschenrechte in Wort und Tat.
  • Eine Neuinterpretation der Königlichen Kunst als Philosophie der Lebenskunst.
  • Annäherung an eine besondere Gesprächsform, die durch den Dialog mit anderen dem Leben einen Sinn geben kann.
  • Die Entwicklung des brüderlichen Gesprächs zu einer Diskursethik, eine Das Symbol des „großen Baumeisters“ und das Verhältnis zur Religion sind neu zu überdenken.

In der Diskussion wurde besonders darauf hingewiesen, die „Alten Pflichten“ für die Zukunft verständlicher zu formulieren.

Neben dem Werterahmen der Freimaurerei, der in der Diskussion einen breiten Raum einnahm, wurden weitere, für die Freimaurerei aktuelle Themen zur Diskussion gestellt, insbesondere gesellschaftspolitische Probleme und das Verhältnis der Bruderkette zur Gesellschaft und zur Öffentlichkeit. Im Detail ging es hier um die Möglichkeit einer intelligenten Öffentlichkeitsarbeit, um eine verstärkte Diskussion über brisante gesellschaftliche Wandlungsprozesse, wobei vor allem die Bekämpfung der Verrohung der politischen Kultur, die Demokratiemüdigkeit, repressive Tendenzen in der Politik und Gesellschaft, die Menschenrechte und als Ergänzung dazu die Menschenpflichten, die Flüchtlingskrise, die Klimakatastrophe und ihre Folgen, der Populismus, der Terrorismus, der Islamismus, die ethischen Folgen der Künstlichen Intelligenz und der Digitalisierung, der Transhumanismus, der Neoliberalismus, ein neuer Bildungsbegriff und der Überwachungskapitalismus im Zentrum der Debatte standen. Die Freimaurerei wurde als gesellschaftlicher Katalysator charakterisiert, worunter der indirekte oder direkte Einfluss der Bruderkette auf die Gesellschaft gemeint ist. Die Freimaurerei als mögliches Konfliktlösungsmodell kam auch zur Sprache. Weitere Themenbereiche befassten sich auch mit Männerbünden und der Frauenfrage, in der eine liberalere Haltung gefordert wurde, und mit Strategien gegen den Antimasonismus und die vielen absurden Verschwörungstheorien. Kontrovers diskutiert wurden die masonischen Zentralbegriffe Regularität und Irregularität, wobei besonders über Neudefinitionen und Grenzziehungen gesprochen wurde. Besonders kritisch überprüft werden sollten Kriterien der Ausgrenzung. Gefordert wurde in diesem Zusammenhang eine stärkere kooperative Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Richtungen der Freimaurerei. Auch die Bedeutung der Arkandisziplin und des angeblichen freimaurerischen Geheimnisses wurden aus heutiger Sicht betrachtet. Eine Entmythologisierung wäre hier zweifelsohne angebracht.

Im Prozess der Suche nach der freimaurerischen Zukunft hat dieses fundierte Gespräch einen wichtigen Beitrag geleistet. Darin waren sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen einig. Um die erarbeiteten Vorschläge auch Schritt für Schritt umzusetzen, braucht es fundiertes Wissen, Mut, Gestaltungsfreude und produktive Zusammenarbeit. Der geistige Wettbewerb um die Gestaltung des 21. Jahrhunderts ist bereits angelaufen. Die Freimaurerei sollte als geistiger Impulsgeber in der Debatte über die Situation der Zeit nicht passiv zuschauen, sondern sich aktiv mit Fragen nach Werten, Tradition und Identität in den Logen bemühen.

Der Beitrag entstammt der Zeitschrift “HUMANITÄT — Das Deutsche Freimaurermagazin”, Ausgabe 1-2019.

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Ein Vorbild für alle Brüder

v.l.n.r: Doris Schröder Köpf, Abayomi Oluyombo Bankole, Boris Pistorius (Foto Christian Kunze / www.alles-kunst.de)

1972 flüchtete Abayomi Oluyombo Bankole aus dem von Unruhen und Militärdiktaturen geprägten Nigeria nach Deutschland. Am 4. Dezember 2018 verlieh der Niedersächsische Innenminister Boris Pistorius „Yomi“ das Verdienstkreuz am Bande. Doch wie kam es dazu?

(Hannover. ck) Abayomi Bankole, in Nigeria Luftwaffenpilot, sah 1972 sein Leben in Nigeria bedroht. Über England flüchtete er nach Deutschland und ließ sich in Hannover nieder, wo bereits ein Cousin von ihm lebte. Doch der Anfang war schwer: So forderte der Sachbearbeiter im Amt ihn auf, innerhalb von drei Monaten deutsch zu lernen, ansonsten würde man ihn nach Nigeria zurückschicken.

Das war für Abayomi der initiale Anstoß. Er las Bücher und er schaute, so erzählt er es heute gerne, Bundestagsdebatten und sprach alles nach was dort gesagt wurde. Besonders die Reden von Willi Brandt gefielen ihm, weil dieser deutlich und langsam sprach. So brachte in gewisser Weise Willi Brandt Abayomi Bankole Deutsch bei. Als er nach den drei Monaten wieder im Amt vorsprechen musste, hatte er so viel Deutsch gelernt, dass der Mitarbeiter des Amtes sehr erstaunt war. Abayomi durfte bleiben.

Eine Ausbildung zum Verkehrspiloten konnte er sich leider damals nicht leisten, eine Stelle als Maschinenschlosser versuchte er über das Arbeitsamt zu bekommen. Aber immer waren die Stellen gerade vergeben worden. Eine Zeit lang verdiente er sein Geld als Taxifahrer, bis er auf die Idee kam, sich in einem „typisch deutschen“ Geschäftsfeld selbständig zu machen. Bankole wurde erfolgreicher Versicherungsmakler.

Am 11. März.1997 wurde Abayomi in der Loge Baldur in Hannover aufgenommen. Seitdem ist er ein wichtiges Glied in der Bruderkette.

Ein Ereignis veranlasste ihn 2007 den „Afrikanischen Dachverband Norddeutschland“ (http://adv-nord.org) zu gründen. Kurz vorher war er Zeuge geworden, wie eine Polizeistreife einen Afrikaner, der mit dem Fahrrad unterwegs war, anhielt und von diesem eine Quittung für dessen Fahrrad verlangte.

Der Verein wurde gegründet, um sich für ein demokratisches Miteinander einzusetzen, gegen Rassismus und Intoleranz zu kämpfen und afrikanischen Bürgern eine hilfreiche und beratende Stütze zu sein. Die Förderung der Integration, Beratung und Mitwirkung in Fragen Stadtentwicklung, Kultur und Umwelt, aber auch Öffentlichkeitsarbeit und Beratung in Interkulturellen Angelegenheiten gehören zu den Zielen des Dachverbandes.

2007 initiierte „Yomi“ Bakole „Kicken gegen Vorurteile“, ein Fußballturnier mit Polizisten, Afrikanern und Interessierten, um Vorurteile abzubauen. Von 2008 – 2015 war Abayomi Mitglied des Integrationsrates der Landeshauptstadt Hannover. 2011 erhielt Bankole den Integrationspreis des Gesellschaftsfonds. 2013 wurde Abayomi Bankole in die Kommission des Niedersächsischen Landtages für Integration und Teilhabe berufen. 2015-16 war Abayomi im Niedersächsischen Beirat für Migration und Teilhabe und übergab Ministerpräsident Weil in diesem Rahmen Empfehlungen für ein Einwanderungsgesetz. Es würde zu weit führen alle Aktivitäten, die Bruder Bankole in den letzten 20 Jahren initiiert hat aufzuführen, aber eines ist sicher: Abayomi hat sich immer für Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Humanität und Toleranz eingesetzt.

Aber letztlich führte Ihn sein Engagement am 4. Dezember 2018 in das Gästehaus der niedersächsischen Landesregierung. Die anwesenden ca. 40 Gäste aus Politik, Kultur, Freundeskreis,  der Familie und Bruderschaft der Loge konnten erleben, wie ein sichtlich bewegter Innenminister eine großartige Laudatio auf Abayomi Bankole hielt. Besonders würdigte der Minister das hervorragende, jahrelange und ehrenamtliche Engagement gegen Rassismus und für Integration von Herrn Bankole.

Es war ein bewegender Moment als Pistorius Bankole das Verdienstkreuz ansteckte und gratulierte. Sichtlich bewegt hielt Bruder „Yomi“ eine Dankesrede, in der er sich auch bei den Brüdern der Loge bedankte, die ihn bei seiner ehrenamtlichen Arbeit unterstützt hätten.

Ich denke ich übertreibe nicht, wenn ich schreibe: Die Brüder der Loge Baldur sind stolz darauf mit „Abayomi Oluyombo Bankole“ einen Bruder zu haben, der die Grundwerte der Freimaurerei in die profane Welt trägt.

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Menschenliebe, Toleranz und Brüderlichkeit sind der Mörtel des Tempelbaus

Foto: aitoff / pixabay.de

Menschenliebe, Toleranz und Brüderlichkeit sind der Mörtel des Tempelbaus oder Freimaurerei als Verpflichtung für den Freimaurer. Dies beschränkt sich nicht nur auf den Umgang der Brüder miteinander. Freimaurer zu sein bedeutet eine Verpflichtung, humanistische Gedanken in unsere Gesellschaft hineinzutragen.

Von Wolfhart Thiel aus der Loge "Friede und Freiheit" in Karlsruhe

Wir alle kennen den Satz vom Mörtel des Tempelbaus. Wie oft haben wir ihn als F reimaurer gemeinsam gehört! Große Worte! Erhebend, insbesondere wenn wir sie als programmatisch für unser freimaurerisches Handeln in Anspruch nehmen. Was bedeutet dieser Satz eigentlich konkret? Die allgemeinen freimaurerischen Grundsätze ergeben sich aus dem Sinn – nicht notwendig dem Wortlaut – der Andersonschen Alten Pflichten [Hier im Wortlaut. Anm. der Redaktion] “Vom Umgang der Brüder untereinander” schreibt Anderson:

„Die Werkleute sollen Schimpfreden vermeiden und sich untereinander nicht mit häßlichen Ausdrücken belegen, sondern einander Bruder oder Genosse nennen. Sie sollen sich innerhalb wie außerhalb der Loge höflich benehmen.“

„Ihr sollt keine privaten Beratungen und keine gesonderten Besprechungen abhalten, ohne daß es euch der Meister erlaubt. Auch sollt ihr nicht vorlaut und taktlos über etwas reden und den Meister, die Aufseher oder einen Bru-der, der mit dem Meister spricht, nicht unterbrechen. Wenn sich die Loge mit ernsten und feierlichen Dingen befaßt, sollt ihr nicht Dummheiten machen und Scherz treiben und unter keinem irgendwie gearteten Vorwand eine un-ziemliche Sprache führen. Ihr sollt euch vielmehr ehrerbietig gegenüber Meister, Aufseher und Genossen benehmen und sie in Ehren halten.”

Eigentlich sollte das eine Selbstverständlichkeit sein.

Ich fühle mich meinen Brüdern in der Loge und wohl auch allen (den meisten?) Freimaurern brüderlich verbunden. Sollten sie einmal anderer Meinung als ich sein, respektiere ich das. Ich bin also auch tolerant. Natürlich erfüllt mich Menschenliebe. Sonst wäre ich ja kein Freimaurer! Anmerkung: Ein geradezu klassischer Zirkel-schluss!

Das war es dann also! Wie schön ist es doch, ein Freimaurer zu sein!

Betrachten wir diesen Einschub als Anstoß, in einer stillen Stunde vielleicht einmal in uns selbst hineinzuhören, ob wir diesem Anspruch immer gerecht werden.

Ich definiere den Anspruch unseres Rituals (Humanität, Toleranz und Brüderlich-keit) als Messlatte unseres Verhaltens nicht nur in der Loge und unter Brüdern, sondern weitergehend und allgemeiner.

Unsere Großloge führt auf ihrer Website aus:

“Die Freimaurer der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland bekennen sich zu den auf Würde, Freiheit und Selbstbestimmung des Menschen ausgerichteten Traditionen ihres Bundes. Dieses Erbe zu bewahren und es angesichts der Herausforderungen der Gegenwart in Denken und Handeln neu zu bestimmen, ist wichtiger Inhalt freimaurerischer Arbeit.

Worauf Freimaurer auch immer ihre Überzeugung zurückführen, entscheidend allein ist, wie sich ihr Bekenntnis zum Menschen im Leben bewährt.”

In einem Papier der Großloge “Lessing zu den drei Ringen” in der damaligen Tschechoslowakei werden diese Grundsätze, die Basis unseres Handelns als Freimaurer sein sollten, sehr schön verdeutlicht:

„Der Bund der Freimaurer ist eine Gesinnungsgemeinschaft freier Männer von gutem Ruf, aufgebaut auf der Humanitätslehre.

Indem der Freimaurer unter der Humanitätsidee das Streben nach höchster Vollendung menschlichen Wesens versteht, erstreckt er sein Arbeitsgebiet auf die gesamte Menschheit. Daher haben die Unterschiede der Rassen, Völker, Religionen, soziale Stellungen und politische Überzeugungen für ihn nur den Wert von Erscheinungsformen menschlichen Gemeinschaftslebens, die er achtet, bei seiner Arbeit jedoch auszu-schalten bestrebt ist.“

Einschub zum Begriff der Rasse: Wissenschaftlich wird „Rasse“ als Klassifikationsschema nur noch für Haustiere und Kulturpflanzen verwendet. Die Verwendung des Begriffs im Zusammenhang mit Menschen ist wissenschaftlich obsolet und kommt mehr und mehr außer Gebrauch.

Der amerikanische Biochemiker Craig Venter z. B., dessen Fa. Celera Corporation erstmals ein gesamtes menschliches Genom (DNA) sequenzierte und das Ergebnis im September 2007 veröffentlichte, schreibt:

„… bestimmt der (menschliche) genetische Code keine Rasse, die ist ein rein gesellschaftliches Konstrukt … Es gibt mehr Unterschiede zwischen Men-schen schwarzer Hautfarbe selbst als zwischen Menschen schwarzer und heller Hautfarbe und es gibt mehr Unterschiede zwischen den sogenannten Kaukasiern als zwischen Kaukasiern und Nicht-Kaukasiern.“ (Wikipedia, Stichwort „Rasse“, Zugriff 14.08.2018)

Nur am Rande und zur Erheiterung: Die Statuten von der „Reinheit des Blutes“, die erstmals 1449 in Toledo erlassen wurden, schlossen Menschen von der Rasse eines Juden, Mauren oder Häretikers von bestimmten Kirchenämtern aus.“ In den Hochzeiten des englischen Imperialismus sprach man von der irischen oder auch der katholischen Rasse! .(Vgl. Niall Ferguson, Empire – How Britain made the modern World – )

Derartige Gesetze und Verordnungen existierten an verschiedenen Orten und in unterschiedlichen Versionen bis ins 19. bzw. in der Form der sog. Nürnberger Rassegesetze bis in das 20. Jahrhundert.

Zurück zum eigentlichen Thema! Das Arbeitsgebiet des Freimaurers erstreckt sich auf die gesamte Menschheit. Menschenliebe, Toleranz und Brüderlichkeit also nicht nur für und unter Brüdern!

Bleiben wir realistisch. Natürlich kann und will ich nicht alle Menschen lieben. Dafür gehen mir einige von ihnen viel zu sehr auf den Geist!

Aber die Argumentation, der freimaurerische Anspruch ist so idealistisch und realitätsfern, dass ich ihn vielleicht als Idealziel definiere, ihm jedoch im praktischen Leben keine Bedeutung zukommt, das kann es nun auch nicht sein. Die Frage ist deshalb, kann ich aus diesem Anspruch Verhaltensnormen destillieren, die konkre-te Anforderungen für mich definieren?

Die Freimaurerei hat zentrale Werte, Leitideen, die immer wieder um die Idee des auf Würde und Freiheit angelegten Menschen kreisen. Hans Hermann Höhmann führt aus, Ideen sind wie Sterne, die nie unmittelbar erreichbar sind. Er verweist dann auf Karl Popper mit dessen Feststellung, der Versuch, den Himmel auf Erden einzurichten, habe stets die Hölle erzeugt. Gleichwohl lautet die Empfehlung Poppers: „Wenn wir die Welt nicht wieder ins Unglück stürzen wollen, müssen wir unsere Träume der Weltbeglückung aufgeben. Dennoch können und sollen wir Weltverbesserer bleiben.“ (Hans Hermann Höhmann, Des Maurers Wandeln, es gleicht dem Leben, in Freimaurerei, Analysen, Überlegungen, Perspektiven, S. 232, 236)

Wir leiten unsere Ideen und Ideale aus der Werten der Aufklärung ab und berufen uns dabei insbesondere auf die großen aufklärerischen Denker des 18. Jahrhunderts. Das ist sicherlich richtig und wichtig. Kenntnis der Vergangenheit und der eigenen geistigen Herkunft muss sein. Wir alle kennen den Satz, wer seine Ver-gangenheit nicht kennt, verliert die Zukunft. Die Vergangenheit darf sich jedoch nicht zu einer gedanklichen Fessel entwickeln. Allein die Beschwörung der Vergangenheit reicht heute nicht aus. Dieses Vergangenheitsgebäude muss gegenwartstauglich gemacht werden. Das ist unsere Aufgabe als Freimaurer hier und jetzt. (Vgl. hierzu Hans Hermann Höhmann, …in der Tradition des Humanismus und der Aufklärung, in Quatuor Coronati Jahrbuch für Freimaurerforschung Nr. 54/2017, S. 21, 22 f.)

Was bedeutet das konkret? Die Antwort kann sich nicht auf einen bestimmten Punkt beschränken. Höhmann nennt immer wieder sieben „Orientierungen“. Stichwortartig sind dies die humanistische, die demokratische, die soziale, die ökologische, die kulturelle, die globale und die rationale Orientierung. (Hans Hermann Höhmann, …in der Tradition des Humanismus …, a.a.O. S. 30)

Diese Orientierungen könnten Programm für ein ganzes Maurerjahr sein. Andererseits sollte man auch nicht versuchen, einzelne Orientierungen zu isolieren und gesondert zu erwägen. Die Höhmannschen Orientierungen interagieren und stehen in einer Wechselwirkung zueinander. So lassen sich humanistische, demokratische und soziale Erwägungen kaum voneinander trennen. Alle Orientierungen scheinen leerzulaufen, wenn sie nicht auf einer rationalen Grundlage (7. Orientierung) angegangen werden.

Versuchen wir, uns dem Thema „Menschenliebe“ (oder Humanismus) anhand dieser Orientierungen etwas zu nähern. Humanismus und Aufklärung sind eng miteinander verbunden und als Begriffe im 18. Jahrhundert entstanden. Zu dieser Zeit war z.B. die Sklaverei weit verbreitet und als selbstverständlich akzeptiert. Schon daran wird deutlich, dass wir die damaligen Wertvorstellungen weiterentwickeln und aktualisieren müssen.

Einer der Grundgedanken aufklärerischen Denkens ist die grundsätzliche Gleichheit aller Menschen. Dies ist nicht im Sinne eines schwärmerischen Sozialismus zu verstehen, dass allen Menschen ein gleicher sozialer Stand zukommen muss. Aber es bedeutet, dass allen Menschen bestimmte Grundstandards – man kann auch sagen Grundrechte – zustehen, die ihnen niemand nehmen darf. In der Allge-meinen Erklärung der Menschenrechte der UNO vom 10.12.1948 heißt es, alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.

Ein ganz einfacher und klarer Satz, der unseren Mörtel des Tempelbaus zusammenfasst! Seine Bedeutung wird deutlicher, wenn wir ihn negativ fassen. Er verbietet es, bestimmte Menschen oder Menschengruppen als minderwertig anzusehen. Minderwertig heißt, die haben weniger Rechte als ich, weil sie eben dieser und nicht meiner Gruppe angehören. Ich gehe noch einen Schritt weiter. Minderwertig heißt nicht zwangsläufig, die Eigenschaft als Mensch abzusprechen oder von Untermenschen zu sprechen. Minderwertig heißt auch, diesen Menschen mögen zwar Rechte zustehen, aber ich glaube, auf sie herabschauen zu können, weil sie meinen Standards nicht entsprechen. Welche Standards sind das? Um nur einige Beispiele zu nennen: Andere Hautfarbe. andere Religion, anderes Lebensbild; die Liste lässt sich verlängern. Wenn ich ehrlich bin, schaue ich letztlich auf diese Menschen herab, weil sie anders sind! Auch wenn ich das mir vielleicht nicht eingestehe, dieses Herabschauen ist mit einer Wertung verbunden. Ich lehne diese Menschen ab!

Als Freimaurer sind uns solche Gedanken natürlich völlig fremd! Oder?

• Der Ruf nach einer deutschen oder auch abendländischen Leitkultur

• die Ablehnung des Islam

• die Unterscheidung zwischen guten (vorzugsweise West- und Nordeuropäer) und schlechten Ausländern

• die mehr oder weniger deutliche Ablehnung der Deutschen jüdischen Glaubens, die als die Juden, die eigentlich nach Israel gehören, bezeichnet werden

• die Grundüberzeugung, als Mensch mit weißer Hautfarbe oder als Deutscher, sei man doch eigentlich etwas Besseres (fleißiger, ordentlicher, sauberer!) und irgendwie anständiger.

Auch wenn wir bei einem oder mehrerer dieser Punkte gedanklich ins Zögern kommen, hat das natürlicht nichts damit zu tun, dass wir alle zutiefst humanistisch und von Menschenliebe geprägt sind!

Ich möchte nicht als „Gutmensch“ missverstanden werden. Ich sehe durchaus Probleme in gesellschaftlichen Entwicklungen oder in der Globalisierung. Die von mir vertretene Humanität ist auch keine „Einbahnstraße“. Ich fordere sie als ethisches Mindestmaß auch von den anderen – d.h. den Ausländern, den Moslems usw. – ein. Jedenfalls ist das mein Anspruch. Dieser Anspruch muss durchgesetzt werden. Das ist eine der Aufgaben der Politik und allgemein unserer Gesellschaft.

Natürlich gibt es Intoleranz oder Kriminalität auch bei Ausländern. Hiergegen müssen wir uns mit der gleichen Entschiedenheit wenden, wie wir das bei Landsleuten täten. Und wir müssen ehrlich sein. „Unsere Frauen leben in Angst! 32 % fühlen sich vor allem durch Ausländer und Flüchtlinge bedroht“ (Plakat AfD, Face book posting Bjoern Hoecke in https://uebermedien.de/16589/die-unheimliche-sorge-der-rechten-um-unsere-frauen/, Zugriff 22.08.2018) . Wenn Frauen Angst haben, ist das schlimm! Jeder Übergriff auf Frauen ist schlimm und kann durch nichts entschuldigt werden. Wogegen ich mich wehre ist, dass hier der Eindruck erweckt wird, es handele sich um ein Ausländerproblem. Nach der Kriminalstatistik des BKA für 2016 waren mehr als 133.000 Erwachsene Opfer von häuslicher Gewalt und 149 Frauen starben durch den Partner oder Ex-Partner (sog. Beziehungstaten), Quelle: www.tagesschau.de/inland/gewalot-113.html, Zugriff 22.08.2018.

Ich wehre mich generell dagegen, unterschiedliche Maßstäbe anzulegen, wenn es um Ausländer oder Asylanten bzw. wenn es um Menschengruppen geht, die anders sind. Das ist unfreimaurerisch.

Zur Klarstellung: Ich möchte diesen Beitrag nicht als Anklage verstanden wissen. Mir geht es darum, einen Anstoß zum Nachdenken zu geben. Befragen wir uns doch alle einmal selbst, ob wir völlig von diesem Denken in Wertkategorien frei sind. Ausdrücklich schließe ich mich in diesen Anstoß ein.

Dies ist ein Kommentar, der die Meinung des Autors und nicht zwingend die Sichtweise der Großloge, der Redaktion oder der Mehrheit der Freimaurer darstellt. Gleiches gilt für ggf. nachfolgend abgegebene Kommentare. Die Redaktion behält sich vor, unangemessene Kommentare zu löschen.

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