Hamburger Freimaurer beteiligen sich an der 20. Europawoche

Foto: sunt / Adobe Stock

Schon zum 20. Mal beteiligt sich der Distrikt Hamburg an der Europawoche der Stadt Hamburg. Der Referent Oberst Prof. Dr. Rogg sprach zum Thema "Die Lichter am Himmel hängen alle schief — 1919 und die Neuordnung der Welt". Er sollte einen Blick auf 100 Jahre Europa geben.

Von Br. Andreas Bolte

Interessant, ja. Aber was haben wir Freimaurer mit der Europawoche zu tun, mag sich mancher fragen. Die Antwort gibt unser Großmeister Br. Stephan Roth-Kleyer in seiner Begrüßungsansprache.

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Solidarität, Humanität und Toleranz, das sind die Ziele Europas und das sind auch unsere Ideale, die Ideale der Freimaurer. Alle demokratischen Parteien in Deutschland fördern ein gemeinsames Europa. Das auch, weil es Frieden stiftet und zukunftsfähige Lösungen für nationale wie globale Herausforderungen schafft. Auch wir Freimaurer glauben und arbeiten für ein Europa der Freiheit, der Gleichheit, der Brüderlichkeit, der Humanität, der Solidarität und der Toleranz. Dafür lohnt es sich aktiv einzutreten und das wollen wir auch weiterhin verstärkt tun.

Br. (Prof. Dr.) Stephan Roth-KLeyer, Großmeister

Dies sei heute wichtiger und aktueller denn je und sei ein Ziel für die Zukunft. Inhaltlich deutet unser Distriktmeister Br. Thomas Stuwe in seiner Einführung an, was den Zuhörer erwarten würde: gewaltige Umbrüche in Technik, Wissenschaft, Gesellschaft und Kultur. Die Relevanz für unsere Zeit würde noch mehr als deutlich werden.

Und unser Referent beginnt gleich, konkret zu werden. Der erste Radiosender, die erste Pandemie in Gestalt der Spanischen Grippe mit geschätzten 100 Millionen Toten — mehr als in beiden Weltkriegen zusammen —, die schrecklichen Kriegserfahrungen, in denen mehr als 50 Milliarden Geschosse produziert wurden. Das sind Ereignisse, die das Bewusstsein der Epoche prägen.

Dazu der erste Tabubruch der Geschichte: Der Einsatz von Giftgas. Heute ist das schon lange geächtet. Heute würden wir sagen, das erste Unwort des Jahres, “Menschenmaterial”. Diese “Entgrenzung der Gewalt” verunsicherte die Menschen tief. Dazu geriet der politische Liberalismus in die Krise und althergebrachte Rollenbilder von Mann und Frau wurden infrage gestellt. Kurzum: “Dieser Verlust der alten Kontrollsysteme führte zu Orientierungslosigkeit und Entheimatung”, so unser Referent. Ein Gefühl, das auch heute Teile der Gesellschaft kennen. Wir denken an die Anhänger von Pegida, AfD und weiteren Gruppierungen, die sich das vermeintliche Idyll der 50er Jahre zurückwünschen, das es aber so nie gegeben hat.

Für weitere Unzufriedenheit sorgte der Versailler Vertrag, der eher einem Diktat gleiche, wodurch Deutschand 13 Prozent seines Staatsgebiets verlor, die Alleinschuld am Krieg wurde Deutschland zugewiesen, die Auslieferung der Handelsflotte an die Siegermächte und Reparationszahlungen in Höhe von 269 Milliarden, was heute dem zehnfachen Betrag entspräche.

Auch geografisch änderten sich altbekannte Strukturen. Das Osmanische Reich zerfiel, die baltischen Staaten entstanden, die Arroganz der Weltmächte, die mit dem Lineal neue Ländergrenzen in Arabien zogen, zeitigt Folgen, unter denen die Weltgemeinschaft bis heute leidet und die die Araber nachhaltig tief verstimmte.

Doch aus Positives sei nachzuweisen. So diente die Weimarer Verfassung in Teilen als Vorlage für unser Grundgesetz, eine ganz neue Kunst mit Dada habe Menschen viel Kraft gegeben, das Bauhaus, das nicht nur mit seiner Architektur, sondern auch mit seinem neuen Menschenbild der großen gesellschaftlichen Komplexität eine neue Einfachheit entgegensetzte, sorgte für einen gewissen Orientierungsrahmen.

Nun könnten hier eine Reihe weiterer Details aufgezählt werden, doch schon jetzt ist offensichtlich, was diese Zeit vor hundert Jahren mit heute zu tun hat. Prof. Rogg: “Der Verlust an Gemeinsamkeit, die Vertrauenskrise der Institutionen und die Suche nach neuer Orientierung.” Ein Blick nach Polen oder Rumänien genüge, um das festzustellen. Generell gelte, unsere Probleme hätten an Komplexität zugenommen. Wer nun vermeintlich einfache Lösungen präsentiere, liege falsch. Hier komme nun die Rolle Europas ins Spiel. Drei wesentliche Aufgaben sehe er. Erstens: Europa müsse als Anker der Stabilität dienen, zweitens Europa müsse Orientierung geben und drittens Europa müsse neue Ideen haben.

Wir hörten einen etwas anspruchsvollen, aber sehr klaren Vortrag, der viele gut belegte Details enthielt. Analysen und Schlussfolgerungen waren übezeugend; sehr angenehm der ruhige Ton des Referenten und seine immer wieder sichtbare Fachkompetenz.

Entnommen aus dem “Hanseatischen Logenblatt”

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Auf den Spuren der Mannheimer Freimaurer

Foto domeckopol / pixabay

Auf den Spuren der Mannheimer Freimaurer

Von Br. Alexander John

Das Großlogentreffen vom 29. bis 31. Mai in Mannheim ist der Höhepunkt des Maurerjahres für unsere Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland. Im 70. Jahr ihres Bestehens treffen sich die Vertreter der Mitgliedslogen, um über die Aufgabe und Rolle unseres Bruderbundes in einer sich immer stärker verändernden Welt zu beraten.
Mit Mannheim wurde ein auch für Freimaurer sehr geschichts- und symbolträchtiger Veranstaltungsort gewählt.
Br. Alexander John, Meister vom Stuhl der gastgebenden Mannheimer Loge „Carl zur Eintracht“ Nr. 31, hat sich auf die Spuren der masonischen Geschichte Mannheims begeben.

Seit wann Freimaurerei in Mannheim existiert, ist nicht eindeutig belegt. Gesichert ist 1756 als Gründungsjahr der Loge „Charles de l’Union“, mitten in der Regentschaft des Kurfürsten Karl Theodor, dem gemeinhin eine Nähe zur Aufklärung nachgesagt wird. Indes finden sich Spuren, die dafür sprechen, dass in Mannheim gar die erste Loge im deutschsprachigen Raum 1727 gegründet wurde. Die Spuren sind allerdings nicht sehr konturreich. Ausgangspunkt ist ein kurpfälzisches Dekret von Kurfürst Karl Philipp vom 21. Oktober 1737. In ihm verbietet der Kurfürst bei Strafe der Amtsentsetzung allen in Zivil- und Militärdienst stehenden Personen, in die „sogenannte Brüder- oder Gesellschaft der franc macons ein[zu]treten“ – mithin Freimaurer zu werden. Und wo die Mitgliedschaft verboten wird, müsste doch eigentlich eine Loge existieren …

Liegen in Mannheim die Wurzeln der deutschen Freimaurerei?

Ein späteres Quellenzeugnis, der Brief von Ignaz Freiherr von Reibelt an seinen Bruder Uriot aus dem Jahr 1769, behauptet, der englische Gesandte am Pfälzer Hof, Graf Albrecht Wolfgang von Schaumburg-Lippe, der erste deutsche Freimaurer überhaupt, habe 1727 eine Loge in Mannheim mit dem Namen „Einigkeit“ gegründet. Doch kennen wir weder den vollständigen Namen noch den Sitz und weitere Mitglieder. Es muss also offenbleiben, ob ab 1727 wirklich eine feste Organisation oder erst noch ein loser Zusammenschluss Gleichgesinnter bestand. Jedenfalls dürfte Kurfürst Karl Philipp – in seiner ganzen Programmatik einem kämpferischen Geist des Katholizismus verhaftet – jegliche Vereinigung von Personen, die hinter verschlossenen Türen eigene Vorstellungen über einen besseren Staat und eine bessere Kirche debattierten, ein Gräuel gewesen sein. Generell kann für das 18. Jahrhundert die These formuliert werden, dass das Verhältnis zwischen der machtvoll wachsenden Zahl an Freimaurern und dem kurpfälzischen Staat in der Tendenz eher kompliziert blieb.

Mannheimer mit guten Manieren und erlesenem Geschmack

Sicheren Boden betreten wir also erst ab 1756, als in Mannheim die Loge „Charles de l’Union“ (Matrikel-Nr. 31) begründet wird, die allerdings nicht nach dem Kurfürsten benannt ist, sondern nach dem Stuart-Prätendenten für den englischen Thron, Charles Edward, da die Loge dem französisch-schottischen Freimaurersystem anhing. Franzosen waren die führenden Persönlichkeiten in der Mannheimer Loge, so etwa der Hofzahnarzt Johann Baptist Drouin oder der französische Schauspieler Le Bauld-de-Nans als erster Meister vom Stuhl. Unter den Gründungsmitgliedern war auch der Jesuit Franz Joseph Seedorf, väterlicher Erzieher, Beichtvater und später einer der engsten Berater des jungen Kurfürsten Karl Theodor. 1774 löste sich die Loge offenbar wegen interner Konflikte auf, was nicht untypisch in der Geschichte der Freimaurerei ist, die immer wieder von inneren Richtungskämpfen erschüttert wurde.

Nachdem Karl Theodor in der Silvesternacht 1777/78 zum Erbe des bayerischen Kurfürstentums wurde und die Residenz von Mannheim nach München verlegt hatte, erstarkten die Bestrebungen zur Wiederbelebung oder gar Neugründung einer Loge in Mannheim. So ersuchte der spätere Theaterintendant Wolfgang Heribert von Dalberg den Kurfürsten um die Zustimmung zur Gründung einer Loge der Strikten Observanz. Karl Theodor lehnte ab. Unabhängig davon lebte 1778 die alte Loge „Charles de l’ Union“ wieder auf, unterstützt vor allem von Offizieren und Mitgliedern der Schauspieltruppe.

Der Florentiner Cosimo Allessandro Collini, eine Persönlichkeit des Hofes, attestierte den Mannheimern Urbanität, Höflichkeit, gute Manieren und Geschmack, insbesondere den „besseren Kreisen“ am Ende des 18. Jahrhunderts. Zu den für neue Ideen offenen Kreisen wie etwa die Deutsche Gesellschaft gehörten vor allem viele Offiziere, Künstler und Theatermitglieder, die wiederum das Gros der Mitgliedschaft in der Mannheimer Freimaurer-Loge stellten. Von 57 ­bekannten Mitgliedern waren 22 höhere Militärs, je sechs Schauspieler und Tänzer, drei Musiker, zwei bildende Künstler, darunter Egid Verhelst, und je zwei Advokaten, Kaufleute und Handwerker. Das heißt, um 1780 dominierten die höfisch-staatlichen Bediensteten in der hiesigen Freimaurerei.

Illuminaten unterwanderten die Logen in der Kurpfalz

Seit 1781 begann sich auch der einige Jahre zuvor gegründete Illuminatenorden in der Kurpfalz zu verbreiten. Zweiter Gründer neben Prof. Adam Weishaupt war Adolf Freiherr von Knigge, der in Heidelberg lebte. Knigges Programm der Unterwanderung und Übernahme der bestehenden Logen durch den Illuminatenorden wurde in Heidelberg, Mannheim und Kaiserslautern angewandt. Dalberg zeigte sich als Anhänger einer fürstlich-gemäßigten Aufklärung und einer eher mystischen, auf jeden Fall staatstragenden Maurerei allerdings als entschiedener Gegner der geheimbündlerischen Illuminaten, denen er etwa in der Deutschen Gesellschaft entgegentrat.

Nach Aufdeckung des Geheimbundes in Bayern ergingen seit 1784 Verordnungen gegen Freimaurer wie Illuminaten, die 1785 zur Auflösung aller Logen in der Kurpfalz führten. Unmittelbar vor ihrer Auflösung hatte die Mannheimer Loge in Karlsruhe noch eine neue Loge unter dem Namen „Karl zur Einigkeit“ gegründet. Der Name war eine direkte Übersetzung des alten Namens der Mannheimer Loge. Dies zeigt, dass die Loge angesichts ihrer drohenden Auflösung ihre Aktivitäten in ein benachbartes Territorium verlegte – eine Strategie, der wir auch in späteren Jahren wieder begegnen. Dennoch herrschte in Mannheim nach wie vor ein vergleichsweise liberales, aufgeklärtes und intellektuelles Klima, bekanntlich verkörpert in Schillers „Räubern“, die hier 1782 ihre gefeierte Uraufführung erlebten.

Als der Kurfürst 1778 nach Bayern abreiste und Mannheim seinen Status als Residenz verlor, war Karl Theodors Abschiedsgeschenk das von Dalberg geleitete Nationaltheater. Diese Spielstätte trat gewissermaßen bis in die frühe badische Zeit, vor allem als die beiden Freimaurer Heribert von Dalberg und Anton von Klein das Theaterleben bestimmten, das Erbe der Aufklärung an. Zwar gelang es nicht, den führenden deutschen Freimaurer Gotthold Ephraim Lessing als Leiter des neuen Nationaltheaters zu gewinnen, der durch die Freimaurergespräche „Ernst und Falk“ 1778 hervorgetreten war. Doch die Mannheimer Theaterszene, ob in der Leitung oder im Ensemble, stand in großen Teilen der Freimaurerei und ihrem Streben nach Weltverbesserung und Menschheitsveredelung nahe. Offiziell wurden die Logen ab 1806, wenn auch nur für kurze Zeit, wieder zugelassen. So erlebte das „Logenhaus“ des Großherzoglichen Hof- und Nationaltheaters am Donnerstag, dem 15. Januar 1818, die Erstaufführung eines Stückes, das den bezeichnenden Titel „Der Freimaurer“ trägt und aus der Feder von August Friedrich Ferdinand von Kotzebue stammt.

Dichter und Freimaurer August von Kotzebue wurde in Mannheim ermordet

Seit 1813 war die Freimaurerei im Staat Baden wieder einmal verboten. Die Mannheimer Freimaurer waren deswegen nach Frankenthal ausgewichen und hielten dort ihre Zusammenkünfte ab. Das Verbot galt in Baden übrigens bis 1830.
Mittlerweile ist das eher seichte Bühnenspiel Kotzebues, wie nahezu alle Stücke des Autors, in Vergessenheit geraten. Der Name Kotzebue ist aus einem ganz anderen Grund bis heute präsent. Seine Ermordung am 23. März 1819 in A 2, 5 – unweit vom Schloss – lieferte bekanntermaßen den Anlass, um mit den Karlsbader Beschlüssen ein restauratives System im Deutschen Reich zu begründen. Die Burschenschaften wurden aufgelöst, missliebige Professoren ebenso wie Journalisten und Redakteure mit Berufsverbot belegt, die Universitäten unter staatliche Aufsicht gestellt. Eine geradezu allgegenwärtige Zensur suchte die Presse mundtot zu machen und jeglichen Freigeist zu ersticken. Versammlungsfreiheit war nicht mehr gegeben. Davon waren wieder einmal auch die Freimaurer betroffen.

Und die Karlsbader Beschlüsse führten mit dazu, dass sich das Urteil des zeitgenössischen Malers Wilhelm von Kuegelgen (1802–1867) im kollektiven Geschichtsbild durchsetzte, wonach der Freimaurer Kotzebue „ein literarischer Giftmischer, ein russischer Spion, ein Vaterlandsverräter und Abgrund alles Verderbens“ gewesen sei. Dagegen habe, so Kuegelgen, der „Heldenjüngling“ Sand – Kotzebues Mörder – „diesen Höllenpfuhl mit seinem Pestqualm geschlossen, sich selbst als ein anderer Curtius fürs Vaterland und seine heiligsten Interessen opfernd“. Insofern hat im heutigen Geschichtsbild eine merkwürdige Rollenverdrehung stattgefunden: der Freimaurer Kotzebue erscheint als der geistige Täter der deutschen Unfreiheit, hingegen Karl Ludwig Sand als das heldenhafte Opfer, als Bannerträger von „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ und damit gleichsam als ein „Freimaurer im Geiste“.

Bürgerlich-demokratische Positionen prägten Mannheim im 19. Jahrhundert

Die Stadtpolitik wurde zu jener Zeit vom bürgerlichen Flügel der Fortschrittspartei und der daraus erwachsenden Deutschen Volkspartei geprägt, die im politischen Spektrum als linksliberal etikettiert werden kann. Bedeutende Freimaurer haben in ihr eine gewichtige Rolle gespielt: Zum einen der Kaufmann Karl Nestler, Meister vom Stuhl der Johannis-Loge „Carl zur Eintracht“ von 1852 bis 1854 und Bürgermeister der Stadt Mannheim von 1849 bis 1869. Zum anderen Eduard Moll, der erstmals 1870 als Stadtoberhaupt gewählt und 1875 und 1885 wiedergewählt wurde. Er trug in dieser Funktion den Titel des Ersten bzw. dann des Oberbürgermeisters. Von 1852 bis 1865, mithin dreizehn Jahre, stand er als Meister vom Stuhl der Johannis-Loge „Carl zur Eintracht“ vor.

Karl Nestler wie auch Moll prägten nahezu vier Jahrzehnte das lokalpolitische Geschehen der rasch wachsenden Handels- und Industriestadt Mannheim, in der 1886 der Benzwagen patentiert und im gleichen Jahr mit dem Bau des Wasserturms begonnen wurde. In ihrer politischen Grundhaltung verkörperten beide eine eigenständige, stark vom Geist der 1848er-Revolution bestimmte bürgerlich-demokratisch Position, die auf die strikte Trennung von Staat und Kirche pochte, worin sich beispielhaft ihre freimaurerische Grundhaltung widerspiegelte. Doch sollten die von ihnen repräsentierten Demokraten in Mannheim ab den 1870er Jahren zwischen den nun heraufziehenden führenden Antipoden, den Nationalliberalen und den Sozialdemokraten, allmählich zerrieben werden, so dass ihre dominierende Ära mit Eduard Molls Rücktritt im August 1891 endete.

Moll bot jeglicher politischen und religiösen Hetze – auch dem im deutschen Kaiserreich wieder anwachsenden Antisemitismus – energisch die Stirn. Das war auch Ausdruck seines Verständnisses von Humanität oder, wenn man so will, Ausdruck seiner freimaurerischen Überzeugungen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass führende jüdische Intellektuelle und Bürgersöhne, wie z. B. Bernhard Herschel, der Loge „Carl zur Eintracht“ angehörten. Und die 1877 von der Badenia-Loge abgespaltene Spinoza-Loge rekrutierte ihre Mitglieder sogar überwiegend aus jüdischen Kreisen.
Es waren auch Mannheimer Freimaurer, die um den Erhalt der ersten deutschen Republik kämpften und für eine Aussöhnung mit dem Nachbarn Frankreich warben.

„Carl zur Eintracht“ ist die Mutterloge der Mannheimer Freimaurerei

Pfingsten 1929 – am 200. Geburtstag von G. E. Lessing – fand die neunte „Internationale Freimaurerische Friedensmanifestation“ in Mannheim statt. Aber auch hier scheint die lokale Szene noch gespalten gewesen zu sein, denn fünf Mannheimer Logen nahmen an der Kundgebung offiziell nicht teil. 1929 haben verschiedene Redner, darunter der Ludwigshafener Logenbruder Dr. Friedrich Wilhelm Wagner, auf die deutsch-französische Verständigung abgehoben. Den Faschismus sahen Wagner wie andere Redner schon als Bedrohung für Europa. Man traf sich bezeichnenderweise im Logenhaus der „August-Lamey-Loge“ des befreundeten jüdischen B’nai-B’rith-Ordens in C 4, 2, ferner bei einer Vorstellung im gerade erst zwei Jahre zuvor eröffneten Planetarium im Luisenpark und – wie könnte es anders sein – im Nationaltheater bei Mozarts Freimaueroper „Zauberflöte“.

In den 30er Jahren zog die Diktatur auf, und bereits im Winter 1932/33 waren die meisten Logenhäuser verkauft. Während es bei den altpreußischen Großlogen Versuche der Anbiederung gegenüber der NS-Diktatur gab, scheint es im Südwesten von Anfang an einen klaren Willen zur Selbstauflösung gegeben zu haben. So auch bei der Loge „Carl zur Eintracht“, die am 22. April 1933 nach eingehender Aussprache einstimmig die Selbstauflösung beschloss.

Nach 1945 erfolgte die Wiederbelebung der Freimaurerei bemerkenswert schnell und unaufgeregt, auch wenn die Rückgabe und Entschädigungsfrage des im Zweiten Weltkrieg zerstörten, einst unter Eduard Moll 1885 gebauten Logenhauses in L 8, 3 auf sich warten ließ. Mit dem neuen Haus in L 9, 9, geweiht am 2. März 1952, fand die älteste Mannheimer Loge „Carl zur Eintracht“ eine würdige neue Heimstatt. Aus ihr gingen im Laufe der Jahre zahlreiche Freimaurerlogen als Tochterlogen hervor. „Carl zur Eintracht“ ist somit die „Mutter“ aller Freimaurerlogen in Mannheim.

Inzwischen gibt es mit der 1981 gegründeten „Unitas“ nicht nur eine Loge für Freimaurerinnen in Mannheim und Umgebung, sondern auch gemischte Logen. Die Vielzahl und die Selbstverständlichkeit, mit der die Logen innerhalb der Stadt wirken, ist durchaus ein Indiz für das Maß an liberaler Toleranz von Stadt und Gesellschaft insgesamt und Spiegel einer gelebten ethisch-sozialen wie integrativen Praxis, in der Brüderlichkeit und Geschwisterlichkeit keine verstaubten Begriffe aus der Mottenkiste sind.

Der gekürzte Aufsatz ist eine für die Drucklegung überarbeitete Festrede, die der Verfasser Prof. Ulrich Nieß, Leiter des Marchivums in Mannheim, am 16. Juni 2017 anlässlich der Veranstaltung „300 Jahre Freimaurerei“ hielt, ausgerichtet von der Interessengemeinschaft Rhein-Neckar-Logen.

Der Beitrag entstammt der Zeitschrift “HUMANITÄT — Das Deutsche Freimaurermagazin”, Ausgabe 3-2019.

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Erinnerung an einen Freund und Schriftsteller

Erinnerung an einen Freund und Schriftsteller

Von Br. Andreas Krieg

Ein so reichhaltiges Leben! Kann man das in wenige Zeilen fassen? Kann man es in einer Viertelstunde erzählen? Ist das möglich, wenn man jedem Aspekt gerecht werden will? Ich habe Zweifel. Es bleibt mir nur ein strebendes Bemühen, unserem Bruder und Freund annähernd gerecht zu werden.

Das Geburtsjahr unseres Bruders Alfried lag in einer unseligen Zeit. Drei Jahre von den „tausend“ waren erst vorüber. Dr. med. Adolf Lehner und seine Frau Babette, die Eltern, sowie der ältere Bruder Olf bildeten seine Familie. Man lebte gut situiert in einer Villa in Dresden. Weißer Hirsch und „Blaues Wunder“.
Vom beginnenden Weltenbrand dürfte der Junge nichts mitbekommen haben. Als er zu Beginn der 1940er Jahre in Dresden eingeschult wurde, rückten die mit erschreckendem Erfolg weit ausgeworfenen Fronten schon auf die Heimat zu.

Ab Herbst 1944 gab es die ersten Luftangriffe auf den Großraum Dresden. Im Zuge der historisch bekannten vier Angriffswellen vom 13. bis 15. Februar 1945 floh die Familie. In Solnhofen an der Altmühl lebten die Großeltern mütterlicherseits. Dort verbrachte Alf dann auch seine Jugend und nahm eher das Fränkische denn das Sächsische als Muttersprache an. In Eichstätt besuchte der Gescheite das humanistische Gymnasium. Dort baute er im Jahr 1956 auch das Abitur.

Im Jahr davor war die junge Bundesrepublik Deutschland der Nato beigetreten. Damit wurde auch die Frage eines nationalen Wehrbeitrages grundsätzlich entschieden. Die historisch einmalige Herausforderung, neu aufzustellende Streitkräfte in ein bestehendes Staatswesen einzubinden, reizte viele junge Männer – auch unseren Bruder Alfried. Sie wollten es besser machen als die Väter. Aber nicht im revanchistischen Sinne, sondern einer Konzeption folgend, mit deren Hilfe die unverzichtbare hierarchische Struktur der neu aufzubauenden Armee und ihr Prinzip von Befehl und Gehorsam mit den Grundrechten des Bürgers in Einklang gebracht und ein „Staatsbürger in Uniform“ geschaffen werden sollte.

Husum war sein erster Standort. Weitere folgten – ein typisches Offiziersschicksal. Das auch die Familie betraf, die sich selbstredend einstellte. Aus der Ehe mit seiner ersten Frau Helga ging 1964 ein Sohn hervor, Ulf Lehner.
Bis 1967 war Alfried – ganz klassisch – zuerst als Panzerzugführer und später als Kompaniechef eingesetzt. Von 1967 bis 1969 absolvierte er die Generalstabsausbildung. Es folgten weitere Verwendungen im Truppengeneralstabsdienst und im Bundesministerium der Verteidigung. Zuletzt war er als Dozent an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg tätig. Oberstleutnant i. G., das heißt im Generalstabsdienst. So der letzte Dienstgrad.
1977 lernte er seine spätere zweite Frau Ulla kennen. Erst als Alfried 1986 mit 50 Jahren die Bundeswehr altershalber verließ, konnten beide zusammenziehen. 1988 dann die Eheschließung, 2002 der Einzug in das neuerbaute Haus in Rudersberg.

Zum Bund der Freimaurer kam Alfried im Jahr 1977. Eine Zeitungsannonce hatte ihn ins Logenhaus in der Hamburger Welckerstraße gelockt. Dort fing er sofort Feuer. In seinem Aufnahmeantrag ließ er die Loge „Roland“ wissen: „Der aus den dortigen Vorträgen leuchtende Geist ließ mich erkennen, dass hier eine geradezu verblüffende Parallelität mit meinen Vorstellungen vorhanden ist.“
Alfried hatte die Freimaurerei nicht nur schnell so gut verinnerlicht wie wenige, er konnte auch erklären, was es mit dem Tempelbau der Humanität auf sich habe. Er übernahm schon bald zahlreiche Aufgaben und bekleidete hervorgehobene Ämter, die er nicht suchte, die aber zu ihm kamen. Ich will sie gar nicht alle aufzählen. Ihm wäre das peinlich. Dennoch sei als Beispiel die Leitung des Ritualkollegiums unserer Großloge genannt. Dort kann nur mittun, wer den Sinn von Ritual versteht. Ehrungen blieben auch nicht aus. So zum Beispiel im Oktober 1985 die Silberne Matthias-Claudius-Medaille der Vereinigten Großlogen für Verdienste auf dem Gebiet der freimaurerischen Literatur und Kunst. Im Juni 1994 folgte das goldene Ehrenzeichen der Großloge.

Mit seinem Wechsel in den Süden schloss er sich 1987 der Loge „Sarastro“ in Stuttgart an, wo er ebenfalls wirkte. Erneut auch – wie bei „Roland“ – als Stuhlmeister. 2006 wechselte er nach Esslingen zur Loge „Zur Katharinenlinde“. Ende 2017 konnten wir sein 40. Freimaurer-Jubiläum feiern. Dabei wurde ihm auch – als letzte große Auszeichnung – der Goldene Verdienstorden der Vereinigten Großlogen von Deutschland verliehen.

Wichtig war ihm aber vor allem das Schreiben. Und dazu hatte er nach seinem Ausscheiden aus der Bundeswehr Zeit. Mehrere Bücher erschienen und fast jeder von uns Freimaurern hat ein paar davon in seinem Bücherschrank. Einige wenige Titel möchte ich nennen: „Das wunderbare Wissen vom Wesen der Welt“, „Eines zu sein mit allem“, „Sagt es niemand“, „Lyrik von Sehnsucht nach Frieden und Harmonie“, „Ich bin eine Stufe“.

Er reiste nun durch die Republik und stand den Logen für Öffentlichkeitsarbeit, rituelle Weiterbildung sowie Dichterlesungen zur Verfügung. Daneben interessierten ihn Philosophie, Religionswissenschaften, Mythologie, Ornithologie, klassische Musik, Kunstgeschichte und Literatur. Auch andere Gesellschaften profitierten von seiner Mitarbeit. Er betätigte er sich sowohl in der Sokratischen als auch der Humboldt-Gesellschaft. Nicht vergessen sei der pythagoreische Orden.

Br. Thomas Seng hat nun das letzte Buch mit Alfrieds Referaten herausgeben. Erschienen ist es im April 2019, wenige Wochen nach seinem Tod.

Dann kam das Jahr 2013 mit einem Hirnschlag. Die Folgen setzen ihm mehr und mehr zu. Zu Beginn des Jahres 2015 benötigte Alfried dann endgültig professionelle Pflege. Im Karlsstift in Schorndorf hat er seine letzten Jahre verbracht. Zunehmend entrückt von dieser Welt. Bemerkenswert war seine heitere Gelassenheit, sein Lächeln, wenn er den Besuch sah: „Du lieber Bruder“, auch wenn der Name dahin war. Keine bittere Aggression wegen seines Schicksals, sondern stets Dankbarkeit und Zuversicht. Selbst dort noch, im Stift, bei seinen limitierten Möglichkeiten, hat er sich eingebracht, zum Beispiel mit einer Dichterlesung, gemeinsam mit Ulla.

Am 22. Februar 2019 wurde Br. Alfried Lehner zur höheren Arbeit abberufen. Und also verlosch ihm das Licht seines irdischen Lebens! Das Licht im ewigen Osten leuchte ihm!

Der Beitrag entstammt der Zeitschrift “HUMANITÄT — Das Deutsche Freimaurermagazin”, Ausgabe 3-2019.

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Traunsteiner Freimaurer unterstützen örtliches Brauchtum

"Landsknecht" beim Georgiritt am 22.04.2019 in Traunstein

Die Traunsteiger Loge "Zu den drey Huegeln an der Traun" spendete neben den sonst karitativen Anlässen an zwie örtliche Vereine, um die regionale Verbundenheit der Freimaurer zu fördern.

Traunstein (er). Neben karitativen Spenden hat die Traunsteiner Loge „Zu den drey Huegeln an der Traun“ i.O. Traunstein in Oberbayern auch Zuwendungen an besonders traditionelle gemeinnützige Vereine in Traunstein geleistet, um die Verbundenheit mit der Einwohnerschaft auszudrücken.

Die Bruderschaft der Loge hat sich für die Unterstützung des örtlichen Brauchtums ausgesprochen und 900,- € an den St. Georgs-Verein e.V. Traunstein gespendet. Anlass war ein Spendenaufruf des Vereins, um die alten abgenutzten Landsknechtsuniformen durch neue zu ersetzen, deren handwerkliche Anfertigung aufwändig ist. Der St. Georgs-Verein mit ca. 600 Mitgliedern aus allen Gesellschaftsschichten ist ein Traditionsverein, der den überregional bekannten Georgiritt jährlich am Ostermontag durchführt und seit 2016 anerkanntes „Immaterielles Kulturerbe“ der UNESCO ist.

Die Loge hat weitere 1.000,- € an den Turnverein Traunstein 1864 e. V. gespendet im Zuge des Abrisses und Neubaus der Turnhalle. Dieser im Jahre 1864 gegründete Verein ist einer der größten und ältesten in der Stadt.

“Mit diesen Spenden werden wir Freimaurer als Teil der Gesellschaft in Traunstein und Umgebung wahrgenommen”, teilt der Meister vom Stuhl der Loge mit.

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Bruder Rolf Appel verstorben

Bruder Rolf Appel

Der bedeutende Freimaurer Br. Rolf Appel ist am 3. April 2019 im Alter von 99 Jahren in Hamburg gestorben oder, wie Freimaurer sagen: in den Ewigen Osten vorausgegangen.

Geboren wurde Rolf Appel 1920 im schleswig-holsteinischen Süderbrarup. Die weiteren 25 Jahre kann man im Grunde nur in drei Worten beschreiben: Kindheit, Schule, Krieg. Direkt nach dem Abitur wurde er an die Front eingezogen, wurde als Panzeroffizier drei Mal schwer verwundet und fand sich nach dem Krieg in der Druckerei wieder, die er von seinem Vater übernahm. 1945 war er einer der ersten Buchverleger, der von der britischen Militärführung eine Lizenz erhielt.

Schon 1948 wurde er Freimaurer. Sein Vater, dessen Unerschütterlichkeit als Freimaurer auch während der Nazizeit ihm ein großes Vorbild war, wurde sein Bürge. Neben der Freimaurerei engagierte er sich in vielen anderen Bereichen, beispielsweise in der Herrnhuter Brüdergemeine und dem CVJM, sowie beruflich in der Handelskammer, Buchhändler- und Verlegerverband u.a.

Seine Aktivitäten in der Freimaurerei sind in ihrem ganzen Umfang kaum zu benennen. Er war Meister vom Stuhl in verschiedenen Logen, Distriktmeister des Distriktes Hamburg, Zugeordneter Großmeister der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland, Mitbegründer der freimaurerischen Künstler- und Publizistenvereinigung “Pegasus”, er arbeitete wesentlich an der Entwicklung des bis heute gültigen Rituales unserer Großloge mit und war Ehrenmitglied etlicher Logen im In- und Ausland.

Von 1968 bis 1981 war er er Mitglied des Dialogforums zur Beratung der Katholischen Kirche und leistete einen wesentlichen Anteil zur Annäherung und Verständnis zwischen Theologie und Freimaurerei in Deutschland.

"Goethe war Freimaurer, Herder war Freimaurer, Lessing war Freimaurer, Carl von Ossietzky war Freimaurer — dann sag ich mir immer: Und Du? — Was hier und heute geschieht, das ist das Entscheidende!"

Rolf Appel

Mehr als 35 Bücher freimaurerischen Inhaltes stammen aus seiner Feder, auch sonst war er in der Freimaurerei in hohem Maße publizistisch tätig. Mit Unterbrechungen war er 44 Jahre Redakteur des “Hanseatischen Logenblattes”, war am Aufbau und der Erweiterung des Bauhüttenverlages engagiert, war Redakteur der freimaurerischen Zeitschrift “Die gelben Blätter”, der Zeitschrift “Euro Mason”, der Zeitschrift “Die Bruderschaft” und der “Humanität”.

Rolf Appel war in seinen mehr als 70 Jahren überaus tätiger Mitgliedschaft in der Freimaurerei zahllosen Brüdern Leitfigur und Vorbild, das mehrere Generationen nachhaltig prägte und weiter prägen wird. Eine Vielzahl von Preisen, Ehrungen und Ehrenmitgliedschaften sind dafür nur äußerer Ausdruck. Wichtiger ist, dass sich seinem nachhaltig positivem Eindruck kaum ein Mitglied unserer Logen entziehen kann und will.

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Wettbewerb der Gymnasien im Landkreis Nienburg

Alle Preisträger des Logenwettbewerbs

Die Nienburger Loge "Georg zum Silbernen Einhorn" und die Hoyaer Loge "St. Alban zum Æchten Feuer" vergaben gemeinsam Preise und Urkunden für die besten Facharbeiten an den Gymnasien im Landkreis Nienburg.

Nienburg. (dh) Insgesamt 35 Schülerinnen und Schüler der Nienburger Gymnasien, des Gymnasiums Stolzenau und des Johann-Beckmann-Gymnasiums Hoya haben mit 18 Facharbeiten an dem bereits zum 5. Male ausgeschriebenen Wettbewerb der Freimaurerlogen „Georg zum silbernen Einhorn“ und „St. Alban zum Aechten Feuer“ teilgenommen.

Die Themen, mit denen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 11. und 12. Jahrgangsstufe beworben haben, reichen von Untersuchungen der Bedeutung von Filmmusik über Auswirkungen des Massentourismus bis zur Realisierung eines Digitaltrainers für Schülerversuche oder zur Anwendung eines Drucksensors in modernen Kommunikationsgeräten.

Alles sehr anspruchsvolle Themen, für deren Ausarbeitung sich die Schülerinnen und Schüler sehr spezielle Kenntnisse angeeignet haben. Dabei mussten die nicht alltäglichen Fragen umfassend recherchiert und analysiert, fachlich korrekt beschrieben und gleichzeitig allgemein verständlich in einer Facharbeit aufbereitet werden.

Von den betreuenden Fachlehrern war zu erfahren, dass die Begeisterung und der Einsatz der Schüler jeweils überdurchschnittlich gewesen ist und deutlich über das geforderte Maß für eine Facharbeit hinausgehen. Die Freude an selbstständigem, wissenschaftlichem Arbeiten spiegelt sich dann auch eindrucksvoll in allen Arbeiten wider.

„Die Jury der beiden Logen hat sich die Entscheidungen nicht leicht gemacht“, sagte der Vorsitzender der Nienburger Loge, Dr. med. Wilhelm Cohrs. „Wir wollten in jedem Fall die Arbeit, die sich diese jungen Menschen gemacht haben, wertschätzen. Ich hoffe, dass uns das gelungen ist. Außerdem haben wir etliche Impulse für uns selbst gewinnen können – herzlichen Dank dafür!“.

Der ebenfalls anwesende Stuhlmeister der Hoyaer Loge, Andreas Jonda, wies in seiner Begrüßung auf die Bedeutung von Bildung, Wissensgewinn, Persönlichkeitsbildung und lebenslangem Lernen hin. „Stay hungry!“ ermunterte er die Schülerinnen und Schüler.

Die vierköpfige Jury aus Mitgliedern der Logen in Nienburg und Hoya hat bei der Bewertung etwas andere als nur rein schulische Maßstäbe zugrunde gelegt. Besonderes Augenmerk wurde gelegt auf einen guten Aufbau der Facharbeiten, eine klare und logische Struktur. Entscheidend war auch, ob das Thema von Bedeutung ist für die Gesellschaft und für den Leser.

„Als ein Bund mit ausgeprägter humanistischer Zielsetzung wollen die Logen bei jungen Menschen besonders auch kritisches Denken und die Auseinandersetzung mit negativen Umgangsformen für unser Zusammenleben fördern“, sagte Dr. Cohrs. „Dafür öffnen sich die Freimaurerlogen auch stärker als in der Vergangenheit, denn sie wollen ihre wesentlichen Ziele, wie Toleranz und humanitäres Miteinander, einer breiten Öffentlichkeit und eben auch jungen Menschen näherbringen.“

Für die Erstplatzierten gab es jeweils 300 Euro und eine Urkunde. Die weiteren Preisträger erhielten Urkunden und Bücher. Als bestes der fünf teilnehmenden Gymnasien wurde das Johann-Beckmann-Gymnasien aus Hoya mit einer Extra-Urkunde und einem Sonderpreis geehrt.

Preisträger, Lehrkräfte, Eltern, Freunde und Mitglieder der beiden Logen blieben noch für geraume Zeit im Nienburger Logenhaus in der Cretschmarstraße zu angeregten Gesprächen.

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Der Mann mit den vielen Leben

Der Mann mit den vielen Leben

Von Bastian Salier

Foto: AF archive / Alamy Stock Foto BP9E8N

Googelt man den Namen des US-amerikanischen Schauspielers Eddie Murphy und den Begriff „Freimaurer“, kommt man zu zahlreichen Ergebnissen, die einen glauben lassen, der „Beverly-Hills-Cop“-Star sei Mitglied der „North Hollywood Lodge No. 542“. Auch in den sozialen Medien geistert unter Brüdern die angebliche Mitgliedschaft Murphys als Meme herum. In den berühmten Listen noch berühmterer Freimaurer finden sich bei näherer Betrachtung zahlreiche derartige Falschmeldungen. Vielleicht als Ergebnis brüderlichen Wunschdenkens oder als verschwörungstheoretisches Outing durch selbsternannte Enthüller, die mal wieder beweisen wollen, wie einflussreich die Freimaurerei war und ist.

Ein ausgezeichneter Soldat

Im Falle von Eddie Murphy liegt jedoch eine kuriose Verwechslung vor. Mitglied der „North Hollywood Lodge No. 542“ war ein ganz anderer Murphy, nämlich der Kriegsheld, Schauspieler, Schriftsteller und Songwriter Audie Murphy. Dessen Biografie hätte gut und gerne für fünf Menschenleben gereicht. 

Geboren am 20. Juni 1925 in Texas, wuchs er in den ärmlichen Verhältnissen einer Farmerfamilie auf, als sechstes Kind von insgesamt 12 Geschwistern, von denen bereits drei im Kindesalter starben. 

Nach dem Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 und dem darauffolgenden Kriegseintritt der Vereinigten Staaten bewarb sich der 16-jährige Audie Murphy bei den Streitkräften, wurde jedoch aufgrund seines Alters abgelehnt. Daraufhin fälschte er seine Papiere, korrigierte sein Alter auf 18 und landete im Juni 1942 schließlich bei der US-Army. Von nun an schlug er zahlreiche Schlachten, bei denen er sich durch besondere Tapferkeit vor dem Feind auszeichnete. Murphy stieg innerhalb kürzester Zeit vom einfachen Soldaten zum First Lieutenant auf, was dem Dienstgrad eines Oberleutnants entspricht. Biografen behaupten, er habe bis zum Ende des Krieges 240 feindliche Soldaten getötet und sechs Panzer der Gegenseite zerstört. 

Mit 33 Auszeichnungen und Medaillen, darunter die „Medal of Honor“ als höchste militärische Ehre, die von der amerikanischen Regierung vergeben wird, gilt Audie Murphy als meistdekorierter amerikanischer Soldat des Zweiten Weltkrieges. Von 1950 bis 1966 diente er zudem in der Nationalgarde, in der er bis zum Major befördert wurde.
Auf Fotos wirkt er gar nicht, wie man sich einen Kriegshelden möglicherweise vorstellt: Gerade 1,70 Meter groß und nur 50 Kilogramm schwer, ein junger Schlaks, der kaum seine Uniform ausfüllte.

Ein unglücklicher Held

Und die Brutalität des Krieges forderte ihren Tribut von diesem jungen Mann. Audie Murphy war ein trauriger Held. Die Ereignisse hatten ihn zermürbt, er litt unter posttraumatische Belastungsstörungen, die in schwere Depressionen und eine Medikamentenabhängigkeit mündeten. Murphy engagierte sich deshalb später für die amerikanischen Militärveteranen, etwa die Heimkehrer aus den Kriegen in Korea oder Vietnam, und gab ihnen mit seiner Bekanntheit erstmals eine Lobby.
Seine Kriegserlebnisse verarbeitete er in seiner 1949 erschienenen Biografie „To Hell And Back“, für die er selbst nur wenige Seiten schrieb. Autor war im Wesentlichen sein Freund David McClure. Das Buch wurde zum Bestseller und in der Verfilmung im Jahre 1955 spielte er sich selbst in der Hauptrolle. 

Bereits 1948 war er nach Hollywood gegangen, wo er eine zweite beeindruckende Karriere hinlegte. In den folgenden 20 Jahren spielte er in fast 50 Filmen mit, deren Mehrzahl dem Genre des „Western“ zuzurechnen ist. Der Held des Krieges und des Kinos bekam sogar seinen eigenen Stern auf dem „Hollywood Walk of Fame“.

Doch damit nicht genug: Auch als Dichter und Songwriter versuchte sich Audie Murphy nicht ohne Erfolg. Etliche seiner Country- und Folksongs wurden veröffentlicht und von Interpreten wie Dean Martin, Eddy Arnold oder Roy Clark gesungen und eingespielt.

Aber auch dieser Ruhm ließ aus Audie Murphy keinen glücklichen Mann werden. Seine erste Ehe scheiterte schon nach kurzer Zeit. Aus einer zweiten Ehe gingen schließlich zwei Kinder hervor. Er verzockte ganze Vermögen am Spieltisch und mit Pferdewetten, schloss finanziell unvorteilhafte Verträge ab. Sein Leben war bestimmt vom Krieg, der ihn in seinen Albträumen quälte und verfolgte.

Auch Audie Murphys Tod war nicht gerade unspektakulär. Am 28. Mai 1971 setzte ein Flugzeugabsturz in Virginia seinem rastlosen Leben ein Ende. Das Privatflugzeug, mit dem er auf dem Weg zu einem Geschäftstreffen war, flog in dichtem Nebel gegen einen Berg, alles sechs Insassen starben. 

Begraben wurde Audie Murphy auf dem Nationalfriedhof Arlington, dort gehört sein Grab zu den meistbesuchten. Der Stein ist nicht mit Blattgold belegt, wie es für Träger der „Medal of Honor“ üblich wäre, sondern in schlichtem Weiß gehalten, wie die meisten anderen. Es nennt als Geburtsjahr das von ihm als Halbwüchsiger vordatierte Jahr 1924, so wie es in den Dokumenten der US-Army verzeichnet ist. Am 1. Mai 2000 gab die U.S.-Post eine Briefmarke mit seinem Konterfei heraus.

Rasche Karriere auch als Bruder Freimaurer

Anfang der 50er Jahre hatte Audie Murphy begonnen, sich für Freimaurerei zu interessieren, die zu dieser Zeit unter Hollywood-Größen recht populär war. So trat er am 14. Februar 1955 zunächst der „North Hollywood Lodge Nr. 542“ bei. Im April desselben Jahres wurde er befördert und schon im Juni zum Meister erhoben. Auch im Bruderbund absolvierte er offenkundig eine mehr als rasche Karriere. 1956 wechselte er in die „Heritage Lodge Nr. 764“, die ebenfalls ins Hollywood angesiedelt ist. Und in seiner texanischen Heimat wurde er Mitglied im Schottischen Ritus und erreichte den 32. Grad. Dieser erlaubte ihm zudem – was zu jener Zeit Voraussetzung war – in Dallas Mitglied der Shriners zu werden. Der gemeinnützige Orden von Freimaurern hat in Hollywood eines seiner Zentren. Häufig nahm Bruder Audie Murphy auch an den legendären Paraden der Shriners in Texas und Kalifornien teil. Posthum wurde ihm schließlich der 33. Grad des Schottischen Ritus verliehen.

Der Beitrag entstammt der Zeitschrift “HUMANITÄT — Das Deutsche Freimaurermagazin”, Ausgabe 2-2019.

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