Metanoia und Miraculix

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Eine etwas ungewöhnliche Zeichnung zum Johannisfest - ist die Loge tatsächlich mit einem kleinen gallischen Dorf vergleichbar? Der Br. Peter Welke fand in seinem Vortrag zum Johannisfest Parallelen.

Das Johannis-Fest ist ein besonderes Ereignis unter unseren alljährlichen Arbeiten. Es beendet und beginnt das Logenjahr. Es findet statt um die Zeit der Sommersonnenwende, des längsten Tages eines jeden Kalenderjahres. Das ist ein Tag voller Licht, der von allen Völkern und Religionen des Erdkreises besonders begangen wird, jedenfalls auf der Nordhalbkugel, und dort mit zunehmender Intensität mit wachsender nördlicher Lage. Das ist nachvollziehbar, denn in südlicheren Ländern schwindet der Unterschied in den Tageslängen von Sommer und Winter.

Wie zu anderen vorchristlichen Festen, die in den Völkern fest und unauslöschlich verankert waren, wurde auch dieses Ereignis mit einer christlichen Bedeutung unterlegt. Nicht genau am Tag der Sommersonnenwende, sondern drei Tage später, am 24. Juli genau so, wie dies wohl in analoger Weise zur Wintersonnenwende mit den Saturnalien geschah. Das liegt an der Kalenderreform, die Papst Gegor veranlasst hatte.

Gewissermaßen ein Standard der Zeichnungen und Reden zum Johannisfest ist das berühmte Metanoeite oder Metanoia dieses rebellischen Reformjuden Johannes, der nicht nur Wasser predigte, sondern (statt Wein) dieses auch trank. Der nicht wegen der Verkündung der Wahrheit eingekerkert wurde (und dadurch letztlich auch seinen Kopf verlor), sondern wegen des unbeirrbaren Festhaltens an seiner ureigensten Überzeugung, auch wenn sie damals eben gerade nicht mehrheitsfähig war. Auch wenn er tote Tiere, nämlich Heuschrecken, aß: was für ein prächtiges Vorbild!

Für ihn, Johannes den Täufer, gab es größere Güter als den Frieden. Er war starrköpfig, unbeugsam und bereit, für das Festhalten an seiner Auffassung, an seinem Wertekanon jeden Preis zu zahlen. Welch grausam passendes Ende, dass er seinen Kopf für ein paar Schleiertänze eines Weibes verlor, dessen Familie und Lebenswandel er so scharf kritisiert hatte. Das ist zwar nicht der Johannes unseres Rituals, aber der Johannes, der ein Stückchen weit in jedem Redner stecken muss. Um das zu verdeutlichen, möchte ich, meine Brüder, die eingefahrenen Gleise üblicher Johannis-Zeichnungen verlassen und mich auf das Terrain des Gleichnisses oder vielleicht besser des Vergleiches begeben, ausnahmsweise einmal in das Reich der Comics.

Wir vergleichen unsere Aufgabe gerne mit dem Behauen von Steinen. Der eine Bruder bearbeitet feine, kleine Steine, der andere grobe und große Steine. Ein jeder nach seiner Fasson, ein jeder nach seinen Vorlieben, Fähigkeiten und Stärken oder Schwächen. Der eine Bruder erweist sich als klein und wendig, der andere als groß und beharrend. Trotz aller Verschiedenheiten verstehen sich diese beiden Brüder bei ihrem unterschiedlichen Tun und sind einander zugewandt. Ein gewisser Uderzo hat zwei wunderbare Beispiele für solch brüderliches Verhalten trotz unterschiedlichster Charaktere und Erscheinungsbilder geschaffen, einer von beiden bestreitet sogar seinen Lebensunterhalt durch das Behauen von Steinen, Menhiren, etwas verballhornt sind das Hinkelsteine. Natürlich, meine Brüder, habt Ihr längst erkannt, dass es sich bei diesen Charakteren um Asterix und Obelix handelt. Damit aber sind die Parallelitäten zwischen jenem gallischen Dorf und unserer Loge noch bei weitem nicht erschöpft.

Jedem ist nun klar, dass der ehrwürdige Meister vom Stuhl durch den auf dem Schild stehenden Majestix, im Original übrigens treffender Abraracourcix, also etwa „mit verkürzten Amen“ oder „mit aller Gewalt“, vorzüglich repräsentiert wird. Seine Schildträger sind selbstverständlich der Erste und der Zweite Aufseher. Unser Schatzmeister kann ohne weiteres Anklänge bei Vreneli finden; dass der Musikmeister durch Troubadix dargestellt wird, bedarf keiner Erläuterung, Rohrpostix ist der wahre Name unseres Sekretärs. Unser neugewählter Zeremonienmeister füllt die Figur von Automatix, dem Dorfschmied, aus wie kein anderer! Bleibt noch der Redner, jener Bruder, der, ich zitiere unser Hausgesetz, die Aufgabe hat, die maurerische Tradition der Loge zu pflegen und das geistige Leben der Loge zu fördern. Falls ein Vorbereitender gewählt ist, unterstützt er diesen bei der Unterweisung der Lehrlinge und Gesellen, andernfalls obliegt ihm deren Einführung. Die Instruktionen für die Brüder Meister führt er ohnehin durch. Er muss also den Zaubertrank bereiten, aus dem die Bruderschaft ihre geistige Stärkung, ihr Rüstzeug für den Alltag und die Kraft für das Leben nach unseren Grundsätzen und Überzeugungen ziehen muss. Dazu muss Miraculix mit seiner Sichel nach Misteln auf Eichen suchen, ein mühseliges, zeitaufwändiges und nicht ganz einfaches Unterfangen. Und die Ausgabe seines Tranks dauert manchmal auch länger als eine Viertelstunde, wenn dieser wirken soll.

Meine Brüder, wir sind nicht Bewohner dieses gallischen Dorfes Loge geworden, weil der Wein des Saingesix oder der Fisch des Verleihnix so trefflich munden. Am heutigen Johannisfest wollen wir uns alle vielmehr daran erinnern, dass das Motto jenes Rebellen Johannes Metanoeite war. Im Freimaurerorden übersetzt der Redner diesen Aufruf mit: „Kehret um zu Gott“. Bei uns aber, in der humanitären Freimaurerei, wählen wir die wörtliche Übersetzung: „Ändert Euren Sinn! Denket um!“

Die Beamtenschaft kann und wird Euch den Zaubertrank bereiten, aber nur Ihr selbst könnt ihn zu Euch nehmen und vor allen Dingen auch verdauen. Versucht es einmal, es wird sich lohnen. Es ist so leicht, Wasser zu predigen, solange man es bei sich selbst beim Weintrinken belässt. Und groß ist die Gefahr, sich in organisatorischen Fragen zu verlieren, ohne die es nicht geht, die aber stets nur Mittel zum Zweck, nicht Selbstzweck sein dürfen. Unsere Rituale sind niemals nur leere Hülle, sondern unverzichtbare Bühne unseres eigentlichen Handelns. Aber schon 1962, als sich der große Einiger der deutschen Freimaurerei, der damals 71jährige Ingenieur Theodor Vogel aus der Großloge Zur Sonne im Orient von Bayreuth bereits jenseits des Zenits seines Wirkens befand, warf ihm nicht ganz ohne Grund die in der Paulskirche von Frankfurt versammelte Bruderschaft vor, sich weniger der praktischen Freimaurerarbeit in der Stille als vielmehr der Freimaurerpolitik zu widmen.

Genau diese Balance zu finden, ist die große Herausforderung der Beamtenschaft. Nicht eine Handbreit abweichen von den vorgezeichneten Pfaden des Rituals, durch engagiertes und mutiges Handeln die Existenz und das wirtschaftliche Gedeihen der Loge zu sichern, aber gleichzeitig unser geistiges Ziel und unsere geistige Aufrüstung nicht nur nicht aus den Augen zu verlieren, sondern gerade innerhalb der Bruderschaft zu fördern und durchzusetzen, seien die äußeren und inneren Widerstände noch so groß.

Meine Brüder, wir wissen alle, dass uns dies in der Vergangenheit oftmals gar nicht oder aber nicht in wünschenswertem Umfange gelungen ist. Das dabei gezahlte Lehrgeld darf aber nicht umsonst gewesen sein. Die Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen muss deshalb die Devise des neuen Beamtenrates lauten. Dabei muss und wird er auch unbequem sein dürfen und tatsächlich auch sein. Große und schwierige Aufgaben liegen vor uns, in deren Angesicht wir aber nicht verzweifeln müssen. Sie sind für die Bruderschaft als Ganzes zu bewältigen, aber eben nur als Ganzes. Persönliche Vorlieben und Interessen, liebgewordene Gewohnheiten und eingefahrene Gleise gilt es jetzt zu verlassen. Jeder, ohne Ausnahme jeder ist aufgerufen, auch persönliche Opfer zu bringen.

Das kostbarste Opfer ist die Zeit, die sich ein jeder Bruder zum Wohle seiner Loge abzuringen bereit sein muss. Und zu all diesem muss er auch noch bereit sein, Nachsicht zu üben mit seinem Mitbruder, dessen abweichende Meinung zu tolerieren, zu erdulden und dennoch nicht nachzulassen in seinen Anstrengungen. Sicherlich nicht nur mir deucht dieser Katalog an Forderungen wie eine schier unlösbare, ja fast übermenschliche Aufgabe. Für die geschlossen stehende Bruderschaft ist sie es aber nicht: Seid einig, einig, einig! Die letzten Worte des sterbenden von Attinghausen in Schillers Wilhelm Tell, den älteren unter uns aus dem Schulunterricht unvergessen, sollen uns auch heute Mahnung sein:

Drum haltet fest zusammen-fest und ewig –
Kein Ort der Freiheit sei dem anderen fremd –
Hochwachten stellet aus auf euren Bergen,
dass sich der Bund zum Bunde rasch versammle –
Seid einig – einig – einig –

Die Sprache ist etwas gewählter, aber die Aussage passt wiederum zum kleinen gallischen Dorf, als das ich heute einmal unsere Loge sehe, wenn es sich geschlossen auf macht in den Kampf gegen die Römer, übrigens gestärkt durch den Trank des Miraculix, ohne den kein Kampf gewonnen wurde. Unsere Römer sind Eigennutz, Trägheit, Bequemlichkeit, Konfliktscheu, Ungeduld, Intoleranz, um nur einige unserer „Feinde“ zu nennen.

Ich möchte mit den Worten einer Johanniszeichnung meines Vorgängers an uns alle (ohne jede Ausnahme!) schließen, der genau an dieser Stelle der Bruderschaft vor fünfzehn Jahren die Worte zurief: „Ändert endlich Euren Sinn!“.
Was wäre dem hinzuzufügen?

Dies ist ein Kommentar, der die Meinung des Autors und nicht zwingend die Sichtweise der Großloge, der Redaktion oder der Mehrheit der Freimaurer darstellt. Gleiches gilt für ggf. nachfolgend abgegebene Kommentare. Die Redaktion behält sich vor, unangemessene Kommentare zu löschen.

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Johannisfest – Mehr als Schall und Rauch?

Foto: Swetlana Wall / Adobe Stock

Was bedeutet das Johannisfest für einen Freimaurer? Lässt es sich mit anderen Festen vergleichen? Der Frage ging in seiner Zeichnung zum Johannisfest Andreas Krieg nach.

In den meisten Freimaurerlogen der Welt wird jährlich um den 24. Juni das Johannisfest gefeiert. Unsere neuen Brüder haben sich vielleicht schon gefragt, was es damit auf sich hat. Ich möchte versuchen, darauf eine zufriedenstellende Antwort zu geben. Dabei gehe ich zunächst auf das Feiern im Allgemeinen ein. Sodann berichte ich, wie der Johannistag in das Jahr eingefügt und mit der Freimaurerei unserer Obödienz verwoben ist. Zum dritten wird erklärt, was die Feier bedeutet und wie sie abläuft. Am Ende steht, wie ich diese Feier wahrnehme. Bringt das Fest etwas in mir zum Schwingen? Oder ist es für mich – um es mit Goethes „Faust“ zu sagen – nur „Schall und Rauch“?

Zunächst also ein paar Worte über Feste oder das Feiern im Allgemeinen: Ein Fund in der Quafzeh-Höhle im heutigen Israel belegt eine erstaunliche kulturelle Menschheitsleistung, die sich vor etwa 95.000 Jahren abgespielt hat. Sie fußte auf der Idee, dass es ein Reich fern der Lebenden gäbe. Um einen Verstorbenen darauf vorzubereiten, haben ihn seine Angehörigen bestattet. In dieser rituellen Handlung, die enorme Vorstellungskraft voraussetzte, sehen Wissenschaftler einen der bedeutendsten Schritte auf dem Weg zur Zivilisation. Im Laufe der Jahrtausende haben menschliche Gemeinschaften noch viele besondere Ereignisse bestimmt, zu denen sie an besonderen Tagen zusammenkommen. Häufig gehen damit gesellschaftliche oder religiöse Rituale einher.

Das für uns stark prägende römische Reich hatte für das Feiern bestimmter Zeitabschnitte den Begriff “festum”. Daraus wurde das deutsche Wort „Fest“. Das Synonym “feriae” wurde im Deutschen zu „Feier“. Beide Begriffe wurzeln in “fanum”: das Religiöse. Nicht selten ruhen an diesen Feiertagen profane Tätigkeiten. Außerdem wirken sie gemeinschaftsstiftend und -erhaltend. Durch besondere Bräuche, die auch eine hohe Emotionalität bis hin zur Ekstase erlauben können, heben sie sich aus dem Alltag heraus. Ihnen kann sogar ein wildes, anarchisches oder destruktives Moment zugrunde liegen, etwa im Karneval. Für den Begründer der Psychoanalyse, Sigmund Freud, ist ein Fest „ein gestatteter, vielmehr ein gebotener Exzess, ein feierlicher Durchbruch eines Verbots. Nicht weil die Menschen infolge irgendeiner Vorschrift froh gestimmt sind, begehen sie die Ausschreitungen, sondern der Exzess liegt im Wesen des Festes; die festliche Stimmung wird durch die Freigebung des sonst Verbotenen erzeugt.“ Freilich können Feste auch sehr gemessen oder getragen daherkommen. Wir sind uns sicher einig, dass von Exzessen bei unserem Johannisfest nicht die Rede sein kann. Gemessenheit ist hier wohl das passendere Wort. Ist neben der Gemeinschaftspflege auch Emotionalität möglich? Ich komme später darauf zurück.

Der Ursprung unseres ekstasefreien Johannisfestes entstammt aus dem Dunstkreis des Religiösen. Die gründende Sitzung der ersten englischen Großloge hat laut masonischer Forschung am 24. Juni 1717 in London stattgefunden. Der 24. Juni ist nach Auslegung der christlichen Kirchen der Geburtstag des Johannes, dem der Beiname „Täufer“ gegeben wurde. Jener Johannes war vermutlich Mitglied der asketischen Essener -Sekte, predigte am Jordan und spendete die Busstaufe. Dieser Taufakt, dem sich auch Jesus Christus unterzogen haben soll, symbolisierte die Vergebung der Sünden. Er ist also nicht vergleichbar mit der Taufe als Aufnahme in eine Glaubensgemeinschaft. Die Platzierung seines Geburtstages in die Nähe zur Sommersonnenwende, die auf die Zeit zwischen dem 20. und dem 22. Juni fällt, war ganz offensichtlich ein geschickter kurialer Schachzug. Damit konnte das heidnische Sonnwend-Brauchtum christlich verbrämt werden.

Neben Jesus Christus und seiner Mutter Maria ist der Täufer übrigens der einzige, bei dem außer dem Sterbetag auch der Geburtstag gefeiert und in der katholischen Kirche als Hochfest begangen wird. Die Kirche begründet die Terminierung mit Aussagen des Lukasevangeliums. An Mariä Verkündigung, also dem 25. März, sei Elisabeth, die Mutter des Täufers, im sechsten Monat schwanger gewesen. Drei Monate später, am 24. Juni, kam sie nieder. Das sind sechs Monate vor Weihnachten. Die Beziehung des längsten mit dem kürzesten Tag des Jahres kommt in Johannes’ Hinweis auf Jesus sehr schön zum Ausdruck: „Jener muss größer werden, ich aber geringer.“ Gemeint ist, dass die Sonne mitten im Sommer abnimmt, in der Mitte des Winters hingegen nimmt sie zu.

Die Beziehung der Freimaurer zu Johannes ergibt sich aus der Tatsache, dass unter anderem die Steinmetze in ihm ihren Schutzpatron sahen und sehen. Das heißt, sie fühlen sich dem Täufer in besonderer Weise verbunden. Mancher mag in ihm wohl auch so etwas wie den Fürsprecher und Mittler im Verhältnis zu Gott sehen. Aus diesem Patronat leitet sich auch der Begriff Johannesloge ab. So wäre hinlänglich erklärt, wie der Johannistag in das Jahr eingefügt und mit der Freimaurerei unserer Obödienz verwoben ist. Inhaltlich begreifen wir diese Feier als unser Bundesfest. Wünschenswert ist somit, dass jeder Freimaurer die Zugehörigkeit zu diesem weltweiten Bruderbund durch seine Teilnahme bekundet.

In Deutschland wird das Fest besonders durch die Rosensymbolik geprägt. Rosen sollen den Tempel verschönern und mit dieser Königin der Flur sollen sich auch die Brüder schmücken. Idealerweise hält der Zeremonienmeister für jeden Bruder einen kleinen Ansteckstrauß bereit. Die florale Majestät bringt zum Ausdruck, dass wir zu Mittsommer ein Fest der Liebe und der Lebensbejahung begehen. In ihrer farblichen Zusammenstellung rosa, rot und weiß versinnbildlichen die drei Johannisrosen die Lebensdevise des Freimaurers: Licht, Liebe, Leben.

Wir verstehen sicher alle den Ablauf vom Eintritt in die Loge bis zum Ende der Tafelloge als das Johannisfest. Rituell gesehen beginnt es aber erst nach der Einrichtung und Öffnung der Loge mit der Beendigung des alten Maurerjahres durch den Stuhlmeister. Es ist insofern auch ein maurerisches Neujahrsfest. Es gibt Logen, die ihren Neujahresempfang im Juli geben. Es folgt gegebenenfalls die Verpflichtung eines neuen Stuhlmeisters. Dieser eröffnet als erste Amtshandlung das neue Maurerjahr. Danach überreicht er die Rosen. Sodann werden die alten Beamten entlassen und die Neugewählten durch ihre Verpflichtung in das Amt eingeführt. Mit der nun folgenden Zeichnung ist das rituelle Johannisfest schon wieder beendet. So dürfen wir es aber nicht sehen. Natürlich gehört alles was folgt auch dazu, insbesondere die Tafelloge. Nach Johanni schicken sich die meisten Logen an, in eine längere Sommerpause einzutreten. Guter Brauch ist es deshalb, diese Vakanz durch eine besonders reichhaltige Armenspende auszugleichen. Natürlich gilt auch hier der alte Grundsatz: “Ultra posse nemo obligatur”. Über das Können hinaus wird niemand verpflichtet. So wäre hinlänglich erklärt, was das Johannisfest bedeutet und wie es abläuft.

Es bleibt jetzt noch die Frage, ob dieses Fest in uns etwas bewirken kann – oder, wie es neuerdings die Sprachavantgardisten sagen: „Macht es etwas mit uns?“ Auf alle, die christlich sozialisiert wurden, macht sicher das Oster- und vor allem das Weihnachtsfest Eindruck. Selbst wenn man dem christlich-religiösen Inhalt nicht viel abgewinnen kann und nur den Charakter des Geschenk- und Familienfestes wahrnimmt, kann man sich der Zeit kaum entziehen. Es liegt davor und währenddessen ein eigenartiges, kaum beschreibbares Gefühl in der Luft. Vorfreude? Lebensfreude? Erlösung? Diese Feste wecken also durchaus bei vielen Menschen Emotionen, bringen nota bene etwas zum Schwingen. Faustisch gesprochen: „Nenn es dann, wie du willst, Glück! Herz! Liebe! Gott!“

Ich habe vor Jahren den Versuch gemacht, dieses besondere Gefühl auch am Johannistag hervorzurufen. Erreichen wollte ich das, indem ich an diesem Tag etwas Besonderes unternommen habe. Dennoch konnte das Gesuchte nicht gefunden werden. Vielleicht hätte ich – gemäß Freud – die festliche Stimmung durch die Freigebung des sonst Verbotenen erzeugen müssen? Doch im Ernst: Mir ist klar geworden, dass es ohne entsprechende Sozialisation und Gemeinschaft nicht geht. Was ich nicht teilen kann, das setzt keine großen Emotionen frei. Wenn ich eine gute Flasche Wein ohne einen Freund trinken muss, ist das nur die halbe Freude.

Bleibt also das Fest mit den Brüdern. Eine Weihnachtstimmung kommt auch hier nicht auf. Aber immerhin ist mir bewusst, dass diese heutige Zusammenkunft aus dem Kanon maurerischer Aktivitäten heraussticht. Weniger durch den rituellen Johannisfest-Teil. Dafür aber durch die Anwesenheit vieler sehr geschätzter Brüder. Hinzu kommen die besonders festliche Ausschmückung des Tempels und die Tafelloge. Emotionalität im Gewande der Vorfreude liegt für mich auf der Hand. Zugleich ist da das Wissen, dass nun die lange Zeit der Sommervakanz beginnt. Das stimmt mich einerseits etwas wehmütig, doch zugleich keimt erneut die Vorfreude auf den September hoch. Also Vorfreude und Wehmut. Süße und Bitterkeit. Polarität!

Und darüber hinaus?

Von Gretchen zu seinem Glauben befragt, windet sich der zweifelnde „Faust“ wie ein Aal, versucht, sich um eine klare Antwort zu drücken (Vers 3453 ff.): „Nenn es dann, wie du willst, / Nenn ́s Glück! Herz! Liebe! Gott! / Ich habe keinen Namen Dafür! Gefühl ist alles; / Name ist Schall und Rauch, Umnebelnd Himmelsglut.“ Während Faust fürs Erste mit seiner Antwort durchkommt, muss ich aber wohl doch Farbe bekennen und meine Karten ausspielen. Ja, der Name ist sicher nicht so wichtig. Das Patronat des Johannes, ich sehe es als Teil des Brauchtums und respektiere es. Das Bewusstsein jedoch, diesem großartigen, altehrwürdigen Bruderbund anzugehören und gemeinsam mit Geistesverwandten in dieser warmen, lichtdurchfluteten und rosengesegneten schönen Jahreszeit zu feiern, erfüllt mich mit tiefer Dankbarkeit und Zufriedenheit.

Aber da ist noch ein anderes, das hinter Rosenpracht und Lebensbejahung hervorspäht. Ein türkisches Sprichwort sagt, „Wenn das Haus fertig ist, kommt der Tod.“ Und so erfüllt mich an Johanni, wenn die Sonne in ihrer ganzen Kraft steht, auch immer eine Ehrfurcht vor dem Walten der ewigen Gesetzmäßigkeiten, dem ewigen stirb und werde. Dann spüre ich den besonderen Wert von Gesundheit und Leben. Und hier schließt sich für mich auch der Kreis und ich bin wieder bei der eingangs erwähnten Quafzeh-Höhle. Ich denke, die Menschen haben Feste erfunden, um Verlustängste zu verarbeiten. Sie feiern also immer im oder sogar nur wegen des Bewusstseins, dass es ein Reich fern der Lebenden gibt, das auch wir einst sehen werden.

Unser schönes Johannisfest. Mögen uns noch viele in Gesundheit, Frieden und Wohlstand vergönnt sein. Keine Frage, da ist etwas, das die Gefühle in Schwingung bringt. „Nenn es dann, wie du willst, Glück! Herz! Liebe! Gott!“ – aber
nenn es niemals „Schall und Rauch“.

Dies ist ein Kommentar, der die Meinung des Autors und nicht zwingend die Sichtweise der Großloge, der Redaktion oder der Mehrheit der Freimaurer darstellt. Gleiches gilt für ggf. nachfolgend abgegebene Kommentare. Die Redaktion behält sich vor, unangemessene Kommentare zu löschen.

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Zeit der Johannisfeste und der Sommerpause

Foto: Carlos Urban

Ende Juni bis Anfang Juli ist die Zeit der Johannisfeste. Die Logen beenden ihr "Maurerjahr" und begeben sich in die zweimonatige Sommerpause. Für den Newsletter geht es weiter. Doch wir bitten die Bruderschaft um die Einsendung vieler schöner Beiträge.

Das sogenannte Maurerjahr endet und beginnt gleichermaßen für die Freimaurer traditionell am 24. Juni, dem Johannistag. Da es bekanntermaßen “die” Freimaurerei nicht gibt, sehen auch die Logenbrüder den Tag unterschiedlich: Die einen sehen die christliche Tradition als Hochfest der Geburt Johannes des Täufers, andere feiern zwar Johannes, aber eher als den traditionellen Schutzpatron der Freimaurerei, die meisten verbinden mit dem Datum vor allen den längsten Tag und damit den Tag des Lichts, das bei der Bruderschaft eine wichtige symbolische Bedeutung hat und wieder andere lösen sich ganz von der Tradition und nennen das Johannisfest einfach Rosenfest.

Zum Johannis- oder Rosenfest kommen die Brüder möglichst geschlossen zur rituellen Arbeit, dem Johannisfest, in ihre Loge. Diese Zusammenkünfte sind von einer besonderen Atmosphäre getragen: Die Logenarbeit ist getan, es ist sommerlich, man freut sich auf die Sommerpause, auf Urlaub in fernen Ländern oder im heimischen Garten. Während des Johannisfestes werden scheidende Amtsträger aus ihren Ämtern entlassen und die Nachfolger eingesetzt, die meisten Logen haben besuchende Brüder, der amtierende Meister vom Stuhl verteilt an jeden Bruder Rosen und im Anschluss feiert man mehr oder minder ausgelassen an einer lockeren Tafel.

Danach gehen die Maurer für zwei Monate auseinander. So lange dauert die Sommerpause, es finden keine Logenarbeitet statt. Selbst die Logensatzungen weisen darauf hin, dass in den Monaten Juli und August rechtliche Fristen “gehemmt” sind.

Vielfach besteht die Sommerpause nur in der Theorie: In manchen Logen trifft man sich gelegentlich im Logenhaus oder im privaten Rahmen. Die neuen Beamten bereiten sich auf ihre Ämter vor, gerne werden in dieser Zeit auch Renovierungsarbeiten am Logenhaus vorgenommen. Manche Logen veranstalten Arbeiten im Freien, andere laden ihre Gäste zu Sommetreffen ein.

Eines aber ist sicher: öffentlichkeitswirksame Aufgaben gibt es in der Sommerpause nicht. Das bedeutet klassisch Saure-Gurken-Zeit für die Redaktion der Internetseite und der Zeitschrift “Humanität”. Dabei werden zu den Johannisfesten oftmals die schönsten Vorträge in den Logen gehalten, die von Aufbruchstimmung getragen sind und für die man sich angesichts der besonderen Bedeutung des Festes besondere Mühe gibt. Wir werden versuchen, für unsere Leser schöne Vorträge aus den Johannisfesten zu bekommen und hier zu veröffentlichen. Die Brüder werden auf diesem Wege gebeten, ihre besten Vorträge zur Veröffentlichung an die Redaktion unter redaktion.internet@freimaurerei.de einzureichen.

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Heimat, die ich meine

Foto: candy1812/ Adobe Stock

In einer Zeichnung anlässlich der Einführung des neuen Distriktmeisters in Baden-Württemberg beim Johannisfest der Loge "Friede und Freiheit" in Karlsruhe beschäftigt sich Wolfhart Thiel mit der Frage nach dem Begriff "Heimat".

Heimat ist dort, wo ich mich wohlfühle. Das muss nicht der Ort sein , an dem ich geboren bin, und ist schon gar nicht der Ort, wo ich polizeilich gemeldet bin. Der Begriff Heimat verweist zumeist auf eine Beziehung zwischen Mensch und Raum. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird er auf den Ort angewendet, in den ein Mensch hineingeboren wird und in dem die frühesten Sozialisationserlebnisse stattfinden, die zunächst Identität, Mentalität, Einstellungen und Weltauffassungen prägen. Der Heimatbegriff befindet sich in ständiger Diskussion. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts war Heimat ein nüchternes Wort, welches im juristischen und geographischen Sinne gebraucht wurde.

Gegen Ende des 18. bis Anfang des 19. Jahrhunderts erfährt der Heimatbegriff eine Bedeutungswandlung. Die fortschreitende Technisierung und Industrialisierung hatten die Lebensräume der Menschen so verändert, dass sie sich entfremdet fühlten. In dieser Zeit, der Epoche der Romantik (1795 bis 1848), entsteht die ganz eigene Gattung “Heimatdichtung”. Keine rein deutsche Erscheinung; auch die Werke z.B. von Sir Walter Scott mit seinen romantisch verklärten Ritterhelden entstanden in dieser Zeit. Gleichzeitig wurden im Übrigen auch die bayerischen Trachten als angebliches Symbol althergebrachter Heimatverbundenheit erfunden. Heimat entwickelt sich zum Gegenentwurf zu einer Realität, in der die Menschen sich zunehmend nicht mehr zurechtfinden.

Der Begriff erfuhr jene romantische und emotionale Verklärung, die wir ihm heute noch zukommen lassen: “Heimat” stand nun für Ideen von Zugehörigkeit, Verwurzelung und regionaler Le-bensart. Dies führte nach den Irrwegen der nationalsozialistischen Blut und Boden-Ideologie letztlich bis hin zu den sog. Heimatfilmen der 50er Jahre, den Heimatromanen und dem noch heute bei Sky angebotenen Heimatkanal. Der Heimatfilm bot dem Zuschauer in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine heile Welt nach den Schrecken des grausamen Krieges. Heute drückt er eine Sehnsucht nach Frieden und Geborgenheit in einer unverständlich gewordenen und als bedrohlich empfundenen Welt.

Der Begriff „Heimat“ lässt stets eine Verlusterfahrung oder zumindest eine Verlustbefürchtung mitschwingen. Politisch wird Heimat erst, wenn sie als bedroht gedacht oder empfunden wird. Insofern ist möglicherweise das heutige Verständnis von Heimat eine Antwort auf die Verunsicherung durch die Globalisierung.

Heimat, das ist sicher der schönste Name für Zurückgebliebenheit.

Martin Walser

Ist der Begriff „Heimat“ also nur etwas für die Ewiggestrigen? Heimat als eine besondere Art der Vogelstraußpolitik?

Kurt Tucholsky betrachtete Heimat als positiven Wert, den sich besonders die nichtnationalistischen Kräfte zu eigen machen sollten, um der Deutschtümelei, der politischen Reaktion und jenen, die den Heimatbegriff gänzlich ablehnten, entgegentreten zu können: „Im Patriotismus lassen wir uns von jedem übertreffen – wir fühlen international. In der Heimatliebe von niemand – nicht einmal von jenen, auf deren Namen das Land grundbuchlich eingetragen ist.“

Ähnlich übrigens auch in Brechts Kinderhymne: „Und weil wir dies Land verbessern, lieben und beschirmen wir es.”

Der Begriff „Heimat“ ist also nicht zwangsläufig mit nationalistischem und politisch rechts gerichtetem Denken zu verbinden. Der Bruder – wenn auch einer damals nicht als regulär aner-kannten Loge – Kurt Tucholsky, ein sicherlich eher politisch links orientierter Denker, kann ihm also durchaus Positives abgewinnen.

Psychologisch ist Heimat heute ein subjektives Empfinden, unabhängig von politisch-juristischen Definitionen. Sie besteht aus individuellen Einstellungen zu Ort, Gesellschaft und persönlicher Entwicklung des Einzelnen. Die Gefühle des Dazugehörens und der Vertrautheit spielen eine wesentliche Rolle. Der Verlust oder die Angst davor wird nicht nur als Heimweh, sondern auch als persönliche Bedrohung empfunden.

Bei genauer Betrachtung beschreibt das Wort „Heimat“ eher einen Gemütszustand. Die Idylle, die das Wort beschreiben sollte, war jedoch schon zum Zeitpunkt ihrer Beschreibung unwiderruflich verloren. Genau genommen hatte es sie eigentlich auch nie gegeben. Die von der Romantik beschriebene und verklärte Heimatidylle hat es – wenn überhaupt – nur für eine Minderheit der Bevölkerung gegeben.

Nur am Rande: Wir sprechen hier nicht über ein typisch deutsches Problem. Viele auch jüngere Engländer träumen von der Zeit des victorianischen Empires. Trumps „Make America Gre-at Again“ (faktisch besser: Make China great again!) ist letztlich auch der Wunsch, in eine idealisierte Vergangenheit zurückzukehren, die es so nie gegeben hat. Wir kritisieren diese Politik Trumps, beklagen aber gleichzeitig bei uns den Verlust eines Heimatgefühls!

Heimat soll Ausdruck einer “Idee von Zugehörigkeit, Verwurzelung und regionaler Lebensart” sein. Verblüffenderweise ist der Begriff aber auch – möglicherweise missbräuchlich – “Chiffre für Ausgrenzung” und “Vorwand für völkische Überlegenheitsphantasien”.

Der alte Heimatbegriff funktionierte im Wesentlichen, indem man in der eigenen Bevölkerung Minderheiten definierte und ausgrenzte: „Wir“ und das steht gleichbedeutend mit Heimat, das sind die nach eigener angemaßter Wahrnehmung Guten. Hinzugezogene, Ausländer, Homosexuelle, Unverheiratete und manche mehr, das sind die Anderen, die eigentlich in dieser Heimat nicht hinzugehören. In dieser krassen Form gibt es die Ausgrenzung heute wohl nicht mehr flächendeckend. Heute sind wir eher bereit zu sehen – oder sollten dies zumindest sein –, dass diese Bevölkerungsgruppen vorhanden sind, d.h. sie sind als real existierende Menschen hier, haben ihre Berechtigung und können nicht durch eine Diskussion über einen solchen ausgrenzenden Heimatbegriff oder eine Leitkultur wegdiskutiert werden.

Art. 3 Abs. 3 GG (Auszug: „Niemand darf wegen … seiner Heimat und Herkunft … benachteiligt oder bevorzugt werden.“) wendet sich gegen die negative Seite des Denkens in Kategorien der „Heimat“. Das Grundgesetz verbietet, Zugezogene aller Art und letztlich alle diejenigen, die anders leben, als „Heimatfremde“ – d.h. als „die Anderen“ im Gegensatz zum „Wir“ – zu diskriminieren. Hierüber sollte es keine Diskussionen geben.

Deswegen braucht es einen neuen, offenen Heimatbegriff. Wie soll der aussehen?

Die geschichtliche Entwicklung zeigt, es kann kein juristisch definierter legislatorisch regelbarer Heimatbegriff sein. Heimat ist nicht da, wo ich polizeilich gemeldet bin.

Heimat darf aber auch keine unbestimmte Pathosformel sein, in die jeder hineinliest, was ihm politisch oder weltanschaulich passt. Heimat darf nicht ausgrenzen, darf kein Kampfbegriff gegen Andersdenkende oder auch nur Anderslebende sein.
Insofern kann es sich nur um einen subjektiven Heimatbegriff handeln. Jeder bestimmt für sich selbst, was seine Heimat ist, ohne den Anspruch zu erheben, dies auf Andere übertragen zu wollen.

Heimat wird zumeist in einem doppelten Sinn verstanden: Der Begriff hat eine geographische Komponente (wir in Baden, Schwaben, Bayern oder sonst wo räumlich umgrenzt) und eine emotionale (Spätzle, Weißwurst, Lederhosen, Currywurst usw.). Wenn ich Heimat als irrealen Sehnsuchtsort, die Angst vor dem vermeintlichen Verlust der Heimat als Symptom für kollektive Entwurzelungsgefühle definiere, drängt sich die Frage auf, ob es hier wirklich um Äußerlichkeiten wie einen geographischen Landschaftsbegriff oder besonderen Ess- bzw. Bekleidungsgewohnheiten handeln kann. Welcher Irrweg das ist, zeigt sich z.B. daran, dass für viele Engländer Deutschsein mit dem übermäßigen Genuss von Sauerkraut gleichgesetzt wird. Bei den gebildeteren Engländern ist es dann häufig Neu-Schwanstein.

Was also kann die Antwort auf kollektive Entwurzelungsgefühle sein? Diese Antwort kann nur im emotionalen Bereich gefunden werden. Auch dort kann sie sich nicht aus lächerlichen Äußerlichkeiten ergeben. Heimat ist nicht dort, wo es Spätzle mit Sauerkraut oder Linsen gibt!

Heimat ist dort, wo ich mich in meinem tiefsten Inneren sicher und vertraut fühle. Karl Jaspers hat es einmal so formuliert: „Heimat ist dort, wo ich verstehe und verstanden werde.“

Vertrauen spielt bei diesem Verständnis von Heimat eine große Rolle. Heimat ist dort, wo ich darauf vertrauen kann, dass man mir nichts Böses will, wo ich nicht auf der Hut sein muss, wo ich also ich selbst sein kann.

Ähnlich, wenn auch noch subjektiver, lässt sich formulieren: Heimat ist dort, wo es nicht egal ist, ob es mich gibt.

Wo finde ich diese Heimat? Sie kann in der Familie sein, im Gespräch mit dem vertrauten Freund. Sie kann bei einem religiösen Menschen auch im Glauben liegen. Heimat so verstanden ist kein statischer Begriff. Der Mensch kann Heimat verlieren, aber auch neue Heimat gewinnen. Es muss auch nicht zwangsläufig nur eine Heimat sein. Heimat gibt es für viele Menschen auch im Plural .

Heimat so verstanden kann und soll uns idealerweise die Freimaurerei, aber jedenfalls unsere eigene Loge sein. Die Loge, der Umgang mit den Brüdern, das gemeinsam erlebte Ritual, das soll (sollte?) uns eine Heimat sein.

Bemerkung am Ende: Für diesen Heimatbegriff brauche ich kein eigenes Ministerium und auch kein Kreuz an der Wand jedes öffentlichen Gebäudes.

Dies ist ein Kommentar, der die Meinung des Autors und nicht zwingend die Sichtweise der Großloge, der Redaktion oder der Mehrheit der Freimaurer darstellt. Gleiches gilt für ggf. nachfolgend abgegebene Kommentare. Die Redaktion behält sich vor, unangemessene Kommentare zu löschen.

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