„Freimaurerei ist eine humanistische Vereinigung mit dem Ziel, die Zivilcourage zu verbessern.“

Brücke über den Neckar in Mannheim (Foto: Lutz Peter / pixabay)

Ansprache des Großmeisters der Großloge A.F.u.A.M.v.D., Br. Stephan Roth-Kleyer, zur Festarbeit beim Großlogentreffen in Mannheim

Liebe Brüder alle,

im Namen der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland begrüße ich Euch herzlich und brüderlich zu unser Tempelarbeit im Lehrlingsgrad des Großlogentages 2019 in Mannheim und heiße Euch willkommen. Schön, dass Ihr Euch von nah und fern auf den Weg gemacht habt, um bei unserer Tempelarbeit anlässlich des Großlogentreffens 2019 mit dabei zu sein.

Zunächst danke ich der Loge „Carl zur Eintracht“ Nr. 11 für die Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung unseres Großlogentreffens 2019 in Mannheim. Somit geht der Dank insbesondere an den Ehrwürdigen Meister vom Stuhl, Bruder Alexander John, und an Bruder Hans-Michael Höhle, ebenfalls Bruder der Loge „Carl zur Eintracht“. Ich danke Euch stellvertretend für alle Brüder, die mitwirkten und mitwirken, und das auch im Namen der versammelten Bruderschaft. Die Brüder, mit denen ich bereits über den gestrigen Abend sprechen konnte, waren alle über das hohe Maß an Gastfreundlichkeit beeindruckt. Auch ich kann diesen Eindruck nur bestätigen. Danke dafür.

Wir haben auch dieses Großlogentreffen am Donnerstagnachmittag um 14.00 Uhr mit der Tempelarbeit begonnen. Unsere Rituale sind, wie schon häufig festgestellt, unser Alleinstellungsmerkmal, unser wahres Geheimnis, unsere Würde. Sie spiegeln unsere anerkannten spezifischen maurerischen Verhaltensformen und Gebräuche wider. Sie stiften Gemeinschaftsgefühl und vermitteln uns jedes Mal erneut die Grundpfeiler der Königlichen Kunst. Um dieses zu würdigen, meine Brüder, wurde die Tempelarbeit bewusst wiederum auf den Donnerstagnachmittag, auf den Beginn des Großlogentages gelegt. Das auch mit der Intention, dass die erbauliche Wirkung der Tempelarbeit uns den Großlogentag über begleiten möge. Das wünsche ich Euch und das wünsche ich mir.

Der Zweijahresbericht des Großmeisters ist anlässlich der Großlogentage der Bruderschaft zu erstatten. Meinen Bericht werdet Ihr, wie in der „Freimaurerischen Ordnung“ so auch vorgesehen, 2020 im Rahmen unserer vereinsrechtlichen Versammlung in Stuttgart entgegennehmen können. Unser Großlogentreffen in Mannheim dient in erster Linie der Profilschärfung unserer Großloge, dem Gespräch, der Information, dem Austausch und nicht zuletzt der Geselligkeit.

Ein erfreuliches Thema möchte ich doch ansprechen: In diesem Jahr, liebe Brüder, jährt sich die Gründung unserer Großloge, der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland, zum 70. Mal. Oder anders gesagt: Unsere Großloge wird am 19. Juni 2019 70 Jahre alt. Unsere Großloge ist damit die jüngste deutsche Großloge.

Unsere Großloge kann auf 70 gute Jahre zurückschauen. Das sind 70 Jahre, in denen unsere Großloge – der in der Verfassung festgelegten Zweckbestimmung folgend – ihre aktuell 281 Mitgliedslogen kooperativ in der Öffentlichkeit und gegenüber anderen Großlogen vertreten hat. Weiterhin hat sie die Arbeit der Logen auf der Grundlage der freimaurerischen Grundsätze gefördert und gesichert. Darüber hinaus gibt sie Anregungen für die Tätigkeit der Mitgliedslogen zu gemeinnützigen, kulturellen und ethischen Zwecken, aber auch zur alltäglichen Logenführung. Das war und ist das Selbstverständnis der Großloge. Das war und das ist der Auftrag an unsere Großloge und damit der Auftrag an die für die Großloge tätigen Brüder, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kanzlei. Diese Zielsetzung, meine Brüder, ergibt sich aus Art. 7 unserer Verfassung.

In unseren 281 Mitgliedslogen wird nach zehn unterschiedlichen zugelassenen Ritualen gearbeitet, etwa 80% unserer Mitgliedslogen arbeiten nach den A.F.u.A.M.v.D.-Ritualen I bis III. Diese soeben angesprochene begrüßenswerte Ritualvielfalt spiegelt sich unter anderem in Artikel 1 unserer Verfassung wider. Hier heißt es: „Die Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland ist ein Zusammenschluss von Freimaurerlogen. In ihrer Bruderschaft lebt die Überlieferung früherer deutscher Großlogen fort.“

Die Rahmenbedingungen und die Zielsetzung der Arbeit unserer Mitgliedslogen sowie der Großloge ergeben sich aus den Artikeln 2 und 3 unserer Verfassung.  Artikel 2 lautet: „In den Mitgliedslogen der Großloge arbeiten Freimaurer, die in bruderschaftlichen Formen und durch überkommene rituelle Handlungen menschliche Vervollkommnung erstreben. In Achtung vor der Würde jedes Menschen treten sie ein für die freie Entfaltung der Persönlichkeit und für Brüderlichkeit, Toleranz und Hilfsbereitschaft und Erziehung hierzu. Glaubens-, Gewissens- und Denkfreiheit sind den Freimaurern höchstes Gut. Freie Meinungsäußerung im Rahmen der Freimaurerischen Ordnung ist Voraussetzung freimaurerischer Arbeit.“  Artikel 3 lautet: „Die Freimaurer sind durch ihr gemeinsames Streben nach humanitärer Geisteshaltung miteinander verbunden; sie bilden keine Glaubensgemeinschaft. Sie sehen im Weltenbau, in allem Lebendigen und im sittlichen Bewusstsein des Menschen ein göttliches Wirken voll Weisheit, Stärke und Schönheit. Dieses alles verehren sie unter dem Sinnbild des Großen Baumeisters aller Welten.“

Meine Brüder, wir können nicht die Welt retten, das ist für uns ein bis zwei Nummern zu groß. Wir können jedoch zu Besserungen beitragen, wenn wir die soeben zitierten Artikel 2 und 3 leben.

Bisweilen werde ich gefragt, ob wir denn kein Leitbild hätten. Man wäre gerne bereit, ein solches für die Großloge zu erarbeiten. Meine Brüder, unser Leitbild ist in unserer Verfassung niedergelegt. Soeben zitierte ich daraus. Unsere Freimaurerei muss nicht neu erfunden werden, es gilt jedoch, unser Profil zu schärfen und Akzente zu setzen. Damit beschäftigen wir uns unter anderem anlässlich unserer Fachtagung.

Weiterhin werde ich des Öfteren gefragt, ob sich Freimaurerei nicht kürzer, prägnanter, möglichweise in Form eines Slogans definieren ließe. Slogans bergen stets die Gefahr, Inhalte und Aussagen zu „verkürzen“ und sie damit ggf. ungewollt zu verändern. In Kenntnis der vorgenannten Gefahren will ich dennoch versuchen, eine – ich betone: eine – wesentliche Facette der Freimaurerei, wie ich sie verstehe, in Form eines kurzen Slogans wiederzugeben: „Freimaurerei ist eine humanistische Vereinigung mit der Zielsetzung der Verbesserung der Zivilcourage“. Elementare humanistische Tugenden wie Humanität, Solidarität, Toleranz, Vertrauen, Kooperationsbereitschaft, Mut zum Widerspruch, bis hin zum Zuhören können sind unsere Tugenden, das wiederum als Erweiterung dazu. Mehr dazu werdet Ihr morgen anlässlich unserer Fachtagung hören und erfahren können.

2019 begeht unsere Großloge, die Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland, ihren 70. Geburtstag. Dazu gratuliere ich herzlich und brüderlich und danke all denen, die in den vergangenen 70 Jahren unsere Großloge zu dem entwickelten, was sie heute ist – das mit großer Kompetenz, dem nötigen zähen Willen und hinreichend Energie.

Last but not least: Jetzt bin ich bei einem mir ganz wichtigen Punkt: Es gilt „Danke“ zu sagen. So danke ich allen Brüdern in ihren Logen für ihr gutes Wirken und ihr Engagement. Ich danke den Stuhlmeistern für die Fort- und Weiterentwicklung unserer Logen. Liebe Brüder, die Ihr heute und hier Eure Logen repräsentiert und vertretet: Eure Arbeit und Eure Tatkraft stellt eine der tragenden Säulen unserer elf Distrikte wie auch unserer Großloge dar.

Den Arbeitskreisen, Ausschüssen, Gremien und Kollegien unserer Großloge danke ich für ihre fundierten Arbeitsergebnisse. Ich danke den Großbeamten und Mitgliedern des Großlogenrates sowie den Mitgliedern des Vorstandes für ihre guten und zielführenden Beschlüsse auf solider Basis. Ich danke unseren sehr aktiven Altgroßmeistern für ihre stete Unterstützung. Und ich danke nicht zuletzt unserer Kanzlei für die kontinuierliche Bearbeitung der Anfragen und Arbeitsaufträge aus der Bruderschaft und für ihre zuverlässige Mitwirkung und Unterstützung bei meinen Aktivitäten.

Heute gilt mein besonderer Dank unseren beiden musizierenden Brüdern. So danke ich Dir lieber Bruder Peter Schüler, Bariton, und Dir lieber Bruder *, Flügel, für die hervorragenden musikalischen Beiträge zu dieser TA. Danke, dass Ihr diese Festarbeit so herrlich bereichert und mitgestaltet.

Heißt es doch in der Werklehre vor der Schließung: „Bist Du für Deine Arbeit bezahlt worden?“ So lautet die Antwort: „Ich bin zufrieden.“ Ich hoffe, dies trifft für alle zu, die sich in ihren Logen, Gremien und Ausschüssen eingebracht und engagiert haben. Danke an Euch alle für all Euer Tun.

* Name aus Deckungsgründen nicht genannt

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Großlogentreffen 2019 in Mannheim

Foto: candy1812/ Adobe Stock

Etwa 300 Teilnehmer hatten sich für das Großlogentreffen angemeldet. Eine stattliche Beteiligung für eine Großlogenveranstaltung, bei der es keine vereinsrechtlichen Themen und keine Vorstandswahlen gab, wie sonst auf den alternierend stattfindenden Großlogentagen.

Von Br. Bastian Salier

Mannheim. Die Stadt Mannheim birgt so manches Geheimnis und so manche Eigentümlichkeit. Nicht zuletzt sind es die in Quadrate eingeteilten Straßennamen der Innenstadt, die den Besucher verwirren, obwohl alles seine logische Ordnung hat. Das Logenhaus der Loge „Carl zu Eintracht“, Gastgeber des diesjährigen Großlogentreffens vom 29. bis 31. Mai, hat zum Beispiel die Adresse L 9,9. Dort begann das Großlogentreffen am Mittwochabend mit dem traditionellen „Get together“ der bereits angereisten Brüder und Schwestern. Denn immerhin hatten viele schon einen arbeitsreichen Tag hinter sich, tagten doch zahlreiche Gremien, wie etwa der Verwaltungsrat des Deutschen Freimaurermuseums, das Ritualkollegium, die Distriktmeister, der Großlogenvorstand sowie das Obere Ehrengericht.

Festarbeit im Lehrlingsgrad

Während am nächsten Morgen der Großlogenrat tagte – bestehend aus dem Vorstand und den Distriktmeistern der Großloge –, begann gleichzeitig das Damen- und Gästeprogramm mit der Besichtigung des freimaurerisch geprägten Schlosses und Gartenparks Schwetzingen. Am Nachmittag konnten die Gäste die „Neue Kunsthalle“ in Mannheim besuchen.
Die Brüder trafen sich zu ihrer Festarbeit im Lehrlingsgrad, dem eigentlichen feierlichen Beginn des Großlogentreffens, im großen Saal des Tagungshotels Dorint. Dazu bemerkte der Großmeister, Br. Stephan Roth-Kleyer in seiner Ansprache, die in diesem Heft im vollen Wortlaut abgedruckt ist: „Unsere Rituale sind, wie schon häufig festgestellt, unser Alleinstellungsmerkmal, unser wahres Geheimnis, unsere Würde. Sie spiegeln unsere anerkannten spezifischen maurerischen Verhaltensformen und Gebräuche wider. Sie stiften Gemeinschaftsgefühl und vermitteln uns jedes Mal erneut die Grundpfeiler der Königlichen Kunst. Um dieses zu würdigen, meine Brüder, wurde die Tempelarbeit bewusst wiederum auf den Donnerstagnachmittag, auf den Beginn des Großlogentages gelegt. Das auch mit der Intention, dass die erbauliche Wirkung der Tempelarbeit uns den Großlogentag über begleiten möge.

300 Brüder folgen während der würdig ausgestalteten Tempelarbeit diesen Ausführungen, unter ihnen auch der Großmeister der Vereinigten Großlogen von Deutschland, Br. Christoph Bosbach, sowie der Großmeister der Großloge von Luxemburg, Br. Jean Schiltz, und weitere Ehrengäste aus dem In- und Ausland.

Mehrere Brüder wurden vom Großmeister für ihr Wirken um die Freimaurerei ausgezeichnet. Das „Ehrenzeichen der Großloge“ als Würdigung ihrer besonderen Verdienste um die Großloge erhielten Br. Hans-Michael Höhle, Br. Peter Lohr und Br. Norbert Schmidt, Distriktmeister in Berlin. Br. Peter Lauber erhielten das „Goldene Ehrenzeichen“ in Würdigung seiner besonderen Verdienste um die deutsche Freimaurerei.

Festlicher Abend im Mannheimer „Technoseum“

Das Mannheimer „Technoseum“ ist ein beeindruckender Ort, an den zum festlichen Abend geladen wurde. Wegen der großen Beteiligung mussten noch weitere Räume mit Bestuhlung zur Verfügung gestellt werden, was zwar für die Ansprachen etwas hinderlich war, aber der guten Stimmung und brüderlichen Atmosphäre des Abends keinen Abbruch tat.

Als Ehrengäste begrüßte der Großmeister, Br. Stephan Roth-Kleyer, unter anderen die Vertreter der „Orientalischen Musikakademie Mannheim e. V.“, kurz genannt „OMM“, Johannes Kiefer, Mehmet Ungan und Ali Ungan sowie die Künstler der „OMM“, die mit ihrer Percussion-Performance für einen interessanten Einstieg ins Programm sorgten. In Absprache mit der Mannheimer Loge erhielt der Verein, der sich in hohem Maße um die Kinder- und Jugendarbeit verdient macht, die diesjährige Großlogenspende in Höhe von 10.000,- Euro. Ein Betrag, mit dem sich sicherlich einiges bewirken lässt, wie der Großmeister anmerkte, um Multikulturalität und kulturelle Vielfalt zu unterstützen: „Jedes Gemeinwesen ist neben der staatlichen und kommunalen Fürsorge auch auf mitmenschliche Hilfe angewiesen“, so der Großmeister. „Seit Gründung der ersten Großloge (1717) haben sich die Logen und Großlogen in Einzelaktionen und institutionalisiert um Mitmenschen gekümmert, die Hilfe brauchten und brauchen. Wir haben dabei nicht gefragt, ob der Adressat Freimaurer ist oder nicht. Mildtätigkeit ist für Freimaurer eine selbstverständliche Pflicht.“

Außerdem wurde die Gabensammlung aus der Festarbeit im Lehrlingsgrad von der Großloge auf den Betrag von 5.000,- Euro aufgestockt und auf Wunsch der Mannheimer Loge für den karitativ tätigen Verein „Mannheimer Frauenhaus e. V.“ verwendet. Die Spende wird von der Loge „Carl zur Eintracht“ zu geeigneter Zeit im Rahmen ihrer Öffentlichkeitsarbeit übergeben werden.
Neben diesen großzügigen Gesten durfte jedoch nicht vergessen werden, dass die Großloge in diesem Jahr einen runden, ihren 70. Geburtstag feiert. Großmeister Br. Stephan Roth-Kleyer sagte am Ende seiner Ausführungen: „Schön wäre es, wenn Sie mit mir das Glas auf das Wohl unserer Großloge, der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland erheben würden. Sie soll wachsen, blühen und gedeihen. Möge sie allzeit gastfreundlich und offen für die Pflege der Freundschaft und der Brüderlichkeit sein. Möge bei der Suche nach Lebensqualität und Sinn die Lebensfreude nicht zu kurz kommen und möge die Großloge mit ihren nunmehr 281 Tochterlogen ein Hort des Friedens sein und bleiben. Möge sie stets eine Heimstatt sein, in der dieser Geist gedeihe. Zum Wohle.“

Fachveranstaltung mit Vorträgen

Am Freitag, dem 31. Mai, standen schließlich mit der von Br. Thomas Forwe organisierten Fachtagung vier inhaltsschwere Vorträge auf dem Programm. Doch zunächst begrüßte die Mannheimer Bürgermeisterin für Bildung, Kinder, Jugend und Gesundheit die Teilnehmer des Großlogentages. Sie machte in ihrer Ansprache auf den hohen Stellenwert der Freimaurerei für die Stadtgesellschaft aufmerksam und betonte die historische Kontinuität der Freimaurerei in der Stadt Mannheim.
Br. Stephan Roth-Kleyer, Großmeister der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland, sagte in seiner Ansprache an das Auditorium:

„Unsere Großloge kann auf 70 gute Jahre zurückschauen. 70 Jahre, in denen sie – der in der Verfassung festgelegten Zweckbestimmung folgend – ihre aktuell 281 Mitgliedslogen korporativ in der Öffentlichkeit und gegenüber anderen Großlogen vertreten sowie die Arbeit der Logen auf Grundlage der freimaurerischen Grundsätze gefördert und gesichert hat. Darüber hinaus gibt sie Anregungen für die Tätigkeit der Mitgliedslogen zu gemeinnützigen, kulturellen und ethischen Zwecken, aber auch zur alltäglichen Logenführung. Die Großloge unterstützt die Logen im Bedarfsfall durch Vergabe zweckbestimmter Mittel. Das war und ist das Selbstverständnis der Großloge, das war und das ist der Auftrag an unsere Großloge und damit das Leitbild der für die Großloge tätigen Brüder sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kanzlei.
Die Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland ist mit Abstand die mitgliederstärkste der deutschen Großlogen. Die Anzahl der beitragspflichtigen Mitglieder unserer Großloge betrug zum Stichtag 1. Januar 2019 ca. 9.850 in unseren aktuell 281 Mitgliedslogen. Das Durchschnittsalter der Brüder liegt zurzeit bei 59 Jahren.

Liebe Brüder, unser Großlogentreffen 2019 in Mannheim wollen wir aus gutem Grund dem Thema ‚Die Welt verändert sich dramatisch – und wir?‘ widmen. Dabei wollen wir uns nicht alleine, wie 2015 anlässlich des Großlogentreffens in Osnabrück, auf die Digitalisierung beschränken. Giuseppe Tomasi di Lampedusa (1896–1957) formulierte wie folgt: ‚Wenn wir wollen, das alles bleibt wie es ist, dann ist es nötig, dass alles sich verändert‘.

Heute wollen wir den Fokus auf die sozialen und damit gesellschaftlichen Veränderungen sowie auf die Rolle des Einzelnen, die Funktion und Wirkung der Königlichen Kunst, des Humanismus und der Humanität in der Gesellschaft legen. Es freut mich besonders, dass wir für diese Themen hervorragende Referenten gewinnen konnten und dass wir uns einen ganzen Tag lang diesem spannenden Thema und damit der Zukunft widmen können.

Wie sagte Goethe so schön: ‚Wir haben genug Zeit, wenn wir sie nur richtig verwenden.‘“

Die Referenten des Tages orientierten sich entsprechend an dem Motto des Großlogentages „Die Welt verändert sich dramatisch – und wir?“ Alle vier Vorträge erscheinen in der kommenden Ausgabe der “Humanität” und in den nächsten Wochen im Wortlaut auf der Internetseite der Großloge. Im Anschluss entspann sich eine wichtige Diskussion, an der die Referenten und Großmeister Br. Stephan Roth-Kleyer dem Auditorium Rede und Antwort standen. Die Fragen und Antworten werden in der kommenden Ausgabe der „Humanität“ (Nr. 5/2019 – erscheint im September) auszugsweise veröffentlicht. Moderiert wurde die Fachtagung und die anschließende Podiums- und Plenumsdiskussion vom Zugeordneten Großmeister Br. Stefan Kunnert.

Gäste und Partner, die der Fachtagung nicht beiwohnen wollten, konnten bei einer Fahrt ins nahe gelegene Heidelberg das dortige Schloss und die Altstadt besichtigen.

Großlogentreffen im Mai 2021 in Lübeck

Das nächste Großlogentreffen im Mai 2021 wird in Lübeck stattfinden. Das Programm ist bereits in Planung. Im kommenden Jahr 2020 wird der Großlogentag in Stuttgart durchgeführt werden – dann auch wieder mit vereinsrechtlichen Abstimmungen und Beschlüssen.

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Auf den Spuren der Mannheimer Freimaurer

Foto domeckopol / pixabay

Auf den Spuren der Mannheimer Freimaurer

Von Br. Alexander John

Das Großlogentreffen vom 29. bis 31. Mai in Mannheim ist der Höhepunkt des Maurerjahres für unsere Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland. Im 70. Jahr ihres Bestehens treffen sich die Vertreter der Mitgliedslogen, um über die Aufgabe und Rolle unseres Bruderbundes in einer sich immer stärker verändernden Welt zu beraten.
Mit Mannheim wurde ein auch für Freimaurer sehr geschichts- und symbolträchtiger Veranstaltungsort gewählt.
Br. Alexander John, Meister vom Stuhl der gastgebenden Mannheimer Loge „Carl zur Eintracht“ Nr. 31, hat sich auf die Spuren der masonischen Geschichte Mannheims begeben.

Seit wann Freimaurerei in Mannheim existiert, ist nicht eindeutig belegt. Gesichert ist 1756 als Gründungsjahr der Loge „Charles de l’Union“, mitten in der Regentschaft des Kurfürsten Karl Theodor, dem gemeinhin eine Nähe zur Aufklärung nachgesagt wird. Indes finden sich Spuren, die dafür sprechen, dass in Mannheim gar die erste Loge im deutschsprachigen Raum 1727 gegründet wurde. Die Spuren sind allerdings nicht sehr konturreich. Ausgangspunkt ist ein kurpfälzisches Dekret von Kurfürst Karl Philipp vom 21. Oktober 1737. In ihm verbietet der Kurfürst bei Strafe der Amtsentsetzung allen in Zivil- und Militärdienst stehenden Personen, in die „sogenannte Brüder- oder Gesellschaft der franc macons ein[zu]treten“ – mithin Freimaurer zu werden. Und wo die Mitgliedschaft verboten wird, müsste doch eigentlich eine Loge existieren …

Liegen in Mannheim die Wurzeln der deutschen Freimaurerei?

Ein späteres Quellenzeugnis, der Brief von Ignaz Freiherr von Reibelt an seinen Bruder Uriot aus dem Jahr 1769, behauptet, der englische Gesandte am Pfälzer Hof, Graf Albrecht Wolfgang von Schaumburg-Lippe, der erste deutsche Freimaurer überhaupt, habe 1727 eine Loge in Mannheim mit dem Namen „Einigkeit“ gegründet. Doch kennen wir weder den vollständigen Namen noch den Sitz und weitere Mitglieder. Es muss also offenbleiben, ob ab 1727 wirklich eine feste Organisation oder erst noch ein loser Zusammenschluss Gleichgesinnter bestand. Jedenfalls dürfte Kurfürst Karl Philipp – in seiner ganzen Programmatik einem kämpferischen Geist des Katholizismus verhaftet – jegliche Vereinigung von Personen, die hinter verschlossenen Türen eigene Vorstellungen über einen besseren Staat und eine bessere Kirche debattierten, ein Gräuel gewesen sein. Generell kann für das 18. Jahrhundert die These formuliert werden, dass das Verhältnis zwischen der machtvoll wachsenden Zahl an Freimaurern und dem kurpfälzischen Staat in der Tendenz eher kompliziert blieb.

Mannheimer mit guten Manieren und erlesenem Geschmack

Sicheren Boden betreten wir also erst ab 1756, als in Mannheim die Loge „Charles de l’Union“ (Matrikel-Nr. 31) begründet wird, die allerdings nicht nach dem Kurfürsten benannt ist, sondern nach dem Stuart-Prätendenten für den englischen Thron, Charles Edward, da die Loge dem französisch-schottischen Freimaurersystem anhing. Franzosen waren die führenden Persönlichkeiten in der Mannheimer Loge, so etwa der Hofzahnarzt Johann Baptist Drouin oder der französische Schauspieler Le Bauld-de-Nans als erster Meister vom Stuhl. Unter den Gründungsmitgliedern war auch der Jesuit Franz Joseph Seedorf, väterlicher Erzieher, Beichtvater und später einer der engsten Berater des jungen Kurfürsten Karl Theodor. 1774 löste sich die Loge offenbar wegen interner Konflikte auf, was nicht untypisch in der Geschichte der Freimaurerei ist, die immer wieder von inneren Richtungskämpfen erschüttert wurde.

Nachdem Karl Theodor in der Silvesternacht 1777/78 zum Erbe des bayerischen Kurfürstentums wurde und die Residenz von Mannheim nach München verlegt hatte, erstarkten die Bestrebungen zur Wiederbelebung oder gar Neugründung einer Loge in Mannheim. So ersuchte der spätere Theaterintendant Wolfgang Heribert von Dalberg den Kurfürsten um die Zustimmung zur Gründung einer Loge der Strikten Observanz. Karl Theodor lehnte ab. Unabhängig davon lebte 1778 die alte Loge „Charles de l’ Union“ wieder auf, unterstützt vor allem von Offizieren und Mitgliedern der Schauspieltruppe.

Der Florentiner Cosimo Allessandro Collini, eine Persönlichkeit des Hofes, attestierte den Mannheimern Urbanität, Höflichkeit, gute Manieren und Geschmack, insbesondere den „besseren Kreisen“ am Ende des 18. Jahrhunderts. Zu den für neue Ideen offenen Kreisen wie etwa die Deutsche Gesellschaft gehörten vor allem viele Offiziere, Künstler und Theatermitglieder, die wiederum das Gros der Mitgliedschaft in der Mannheimer Freimaurer-Loge stellten. Von 57 ­bekannten Mitgliedern waren 22 höhere Militärs, je sechs Schauspieler und Tänzer, drei Musiker, zwei bildende Künstler, darunter Egid Verhelst, und je zwei Advokaten, Kaufleute und Handwerker. Das heißt, um 1780 dominierten die höfisch-staatlichen Bediensteten in der hiesigen Freimaurerei.

Illuminaten unterwanderten die Logen in der Kurpfalz

Seit 1781 begann sich auch der einige Jahre zuvor gegründete Illuminatenorden in der Kurpfalz zu verbreiten. Zweiter Gründer neben Prof. Adam Weishaupt war Adolf Freiherr von Knigge, der in Heidelberg lebte. Knigges Programm der Unterwanderung und Übernahme der bestehenden Logen durch den Illuminatenorden wurde in Heidelberg, Mannheim und Kaiserslautern angewandt. Dalberg zeigte sich als Anhänger einer fürstlich-gemäßigten Aufklärung und einer eher mystischen, auf jeden Fall staatstragenden Maurerei allerdings als entschiedener Gegner der geheimbündlerischen Illuminaten, denen er etwa in der Deutschen Gesellschaft entgegentrat.

Nach Aufdeckung des Geheimbundes in Bayern ergingen seit 1784 Verordnungen gegen Freimaurer wie Illuminaten, die 1785 zur Auflösung aller Logen in der Kurpfalz führten. Unmittelbar vor ihrer Auflösung hatte die Mannheimer Loge in Karlsruhe noch eine neue Loge unter dem Namen „Karl zur Einigkeit“ gegründet. Der Name war eine direkte Übersetzung des alten Namens der Mannheimer Loge. Dies zeigt, dass die Loge angesichts ihrer drohenden Auflösung ihre Aktivitäten in ein benachbartes Territorium verlegte – eine Strategie, der wir auch in späteren Jahren wieder begegnen. Dennoch herrschte in Mannheim nach wie vor ein vergleichsweise liberales, aufgeklärtes und intellektuelles Klima, bekanntlich verkörpert in Schillers „Räubern“, die hier 1782 ihre gefeierte Uraufführung erlebten.

Als der Kurfürst 1778 nach Bayern abreiste und Mannheim seinen Status als Residenz verlor, war Karl Theodors Abschiedsgeschenk das von Dalberg geleitete Nationaltheater. Diese Spielstätte trat gewissermaßen bis in die frühe badische Zeit, vor allem als die beiden Freimaurer Heribert von Dalberg und Anton von Klein das Theaterleben bestimmten, das Erbe der Aufklärung an. Zwar gelang es nicht, den führenden deutschen Freimaurer Gotthold Ephraim Lessing als Leiter des neuen Nationaltheaters zu gewinnen, der durch die Freimaurergespräche „Ernst und Falk“ 1778 hervorgetreten war. Doch die Mannheimer Theaterszene, ob in der Leitung oder im Ensemble, stand in großen Teilen der Freimaurerei und ihrem Streben nach Weltverbesserung und Menschheitsveredelung nahe. Offiziell wurden die Logen ab 1806, wenn auch nur für kurze Zeit, wieder zugelassen. So erlebte das „Logenhaus“ des Großherzoglichen Hof- und Nationaltheaters am Donnerstag, dem 15. Januar 1818, die Erstaufführung eines Stückes, das den bezeichnenden Titel „Der Freimaurer“ trägt und aus der Feder von August Friedrich Ferdinand von Kotzebue stammt.

Dichter und Freimaurer August von Kotzebue wurde in Mannheim ermordet

Seit 1813 war die Freimaurerei im Staat Baden wieder einmal verboten. Die Mannheimer Freimaurer waren deswegen nach Frankenthal ausgewichen und hielten dort ihre Zusammenkünfte ab. Das Verbot galt in Baden übrigens bis 1830.
Mittlerweile ist das eher seichte Bühnenspiel Kotzebues, wie nahezu alle Stücke des Autors, in Vergessenheit geraten. Der Name Kotzebue ist aus einem ganz anderen Grund bis heute präsent. Seine Ermordung am 23. März 1819 in A 2, 5 – unweit vom Schloss – lieferte bekanntermaßen den Anlass, um mit den Karlsbader Beschlüssen ein restauratives System im Deutschen Reich zu begründen. Die Burschenschaften wurden aufgelöst, missliebige Professoren ebenso wie Journalisten und Redakteure mit Berufsverbot belegt, die Universitäten unter staatliche Aufsicht gestellt. Eine geradezu allgegenwärtige Zensur suchte die Presse mundtot zu machen und jeglichen Freigeist zu ersticken. Versammlungsfreiheit war nicht mehr gegeben. Davon waren wieder einmal auch die Freimaurer betroffen.

Und die Karlsbader Beschlüsse führten mit dazu, dass sich das Urteil des zeitgenössischen Malers Wilhelm von Kuegelgen (1802–1867) im kollektiven Geschichtsbild durchsetzte, wonach der Freimaurer Kotzebue „ein literarischer Giftmischer, ein russischer Spion, ein Vaterlandsverräter und Abgrund alles Verderbens“ gewesen sei. Dagegen habe, so Kuegelgen, der „Heldenjüngling“ Sand – Kotzebues Mörder – „diesen Höllenpfuhl mit seinem Pestqualm geschlossen, sich selbst als ein anderer Curtius fürs Vaterland und seine heiligsten Interessen opfernd“. Insofern hat im heutigen Geschichtsbild eine merkwürdige Rollenverdrehung stattgefunden: der Freimaurer Kotzebue erscheint als der geistige Täter der deutschen Unfreiheit, hingegen Karl Ludwig Sand als das heldenhafte Opfer, als Bannerträger von „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ und damit gleichsam als ein „Freimaurer im Geiste“.

Bürgerlich-demokratische Positionen prägten Mannheim im 19. Jahrhundert

Die Stadtpolitik wurde zu jener Zeit vom bürgerlichen Flügel der Fortschrittspartei und der daraus erwachsenden Deutschen Volkspartei geprägt, die im politischen Spektrum als linksliberal etikettiert werden kann. Bedeutende Freimaurer haben in ihr eine gewichtige Rolle gespielt: Zum einen der Kaufmann Karl Nestler, Meister vom Stuhl der Johannis-Loge „Carl zur Eintracht“ von 1852 bis 1854 und Bürgermeister der Stadt Mannheim von 1849 bis 1869. Zum anderen Eduard Moll, der erstmals 1870 als Stadtoberhaupt gewählt und 1875 und 1885 wiedergewählt wurde. Er trug in dieser Funktion den Titel des Ersten bzw. dann des Oberbürgermeisters. Von 1852 bis 1865, mithin dreizehn Jahre, stand er als Meister vom Stuhl der Johannis-Loge „Carl zur Eintracht“ vor.

Karl Nestler wie auch Moll prägten nahezu vier Jahrzehnte das lokalpolitische Geschehen der rasch wachsenden Handels- und Industriestadt Mannheim, in der 1886 der Benzwagen patentiert und im gleichen Jahr mit dem Bau des Wasserturms begonnen wurde. In ihrer politischen Grundhaltung verkörperten beide eine eigenständige, stark vom Geist der 1848er-Revolution bestimmte bürgerlich-demokratisch Position, die auf die strikte Trennung von Staat und Kirche pochte, worin sich beispielhaft ihre freimaurerische Grundhaltung widerspiegelte. Doch sollten die von ihnen repräsentierten Demokraten in Mannheim ab den 1870er Jahren zwischen den nun heraufziehenden führenden Antipoden, den Nationalliberalen und den Sozialdemokraten, allmählich zerrieben werden, so dass ihre dominierende Ära mit Eduard Molls Rücktritt im August 1891 endete.

Moll bot jeglicher politischen und religiösen Hetze – auch dem im deutschen Kaiserreich wieder anwachsenden Antisemitismus – energisch die Stirn. Das war auch Ausdruck seines Verständnisses von Humanität oder, wenn man so will, Ausdruck seiner freimaurerischen Überzeugungen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass führende jüdische Intellektuelle und Bürgersöhne, wie z. B. Bernhard Herschel, der Loge „Carl zur Eintracht“ angehörten. Und die 1877 von der Badenia-Loge abgespaltene Spinoza-Loge rekrutierte ihre Mitglieder sogar überwiegend aus jüdischen Kreisen.
Es waren auch Mannheimer Freimaurer, die um den Erhalt der ersten deutschen Republik kämpften und für eine Aussöhnung mit dem Nachbarn Frankreich warben.

„Carl zur Eintracht“ ist die Mutterloge der Mannheimer Freimaurerei

Pfingsten 1929 – am 200. Geburtstag von G. E. Lessing – fand die neunte „Internationale Freimaurerische Friedensmanifestation“ in Mannheim statt. Aber auch hier scheint die lokale Szene noch gespalten gewesen zu sein, denn fünf Mannheimer Logen nahmen an der Kundgebung offiziell nicht teil. 1929 haben verschiedene Redner, darunter der Ludwigshafener Logenbruder Dr. Friedrich Wilhelm Wagner, auf die deutsch-französische Verständigung abgehoben. Den Faschismus sahen Wagner wie andere Redner schon als Bedrohung für Europa. Man traf sich bezeichnenderweise im Logenhaus der „August-Lamey-Loge“ des befreundeten jüdischen B’nai-B’rith-Ordens in C 4, 2, ferner bei einer Vorstellung im gerade erst zwei Jahre zuvor eröffneten Planetarium im Luisenpark und – wie könnte es anders sein – im Nationaltheater bei Mozarts Freimaueroper „Zauberflöte“.

In den 30er Jahren zog die Diktatur auf, und bereits im Winter 1932/33 waren die meisten Logenhäuser verkauft. Während es bei den altpreußischen Großlogen Versuche der Anbiederung gegenüber der NS-Diktatur gab, scheint es im Südwesten von Anfang an einen klaren Willen zur Selbstauflösung gegeben zu haben. So auch bei der Loge „Carl zur Eintracht“, die am 22. April 1933 nach eingehender Aussprache einstimmig die Selbstauflösung beschloss.

Nach 1945 erfolgte die Wiederbelebung der Freimaurerei bemerkenswert schnell und unaufgeregt, auch wenn die Rückgabe und Entschädigungsfrage des im Zweiten Weltkrieg zerstörten, einst unter Eduard Moll 1885 gebauten Logenhauses in L 8, 3 auf sich warten ließ. Mit dem neuen Haus in L 9, 9, geweiht am 2. März 1952, fand die älteste Mannheimer Loge „Carl zur Eintracht“ eine würdige neue Heimstatt. Aus ihr gingen im Laufe der Jahre zahlreiche Freimaurerlogen als Tochterlogen hervor. „Carl zur Eintracht“ ist somit die „Mutter“ aller Freimaurerlogen in Mannheim.

Inzwischen gibt es mit der 1981 gegründeten „Unitas“ nicht nur eine Loge für Freimaurerinnen in Mannheim und Umgebung, sondern auch gemischte Logen. Die Vielzahl und die Selbstverständlichkeit, mit der die Logen innerhalb der Stadt wirken, ist durchaus ein Indiz für das Maß an liberaler Toleranz von Stadt und Gesellschaft insgesamt und Spiegel einer gelebten ethisch-sozialen wie integrativen Praxis, in der Brüderlichkeit und Geschwisterlichkeit keine verstaubten Begriffe aus der Mottenkiste sind.

Der gekürzte Aufsatz ist eine für die Drucklegung überarbeitete Festrede, die der Verfasser Prof. Ulrich Nieß, Leiter des Marchivums in Mannheim, am 16. Juni 2017 anlässlich der Veranstaltung „300 Jahre Freimaurerei“ hielt, ausgerichtet von der Interessengemeinschaft Rhein-Neckar-Logen.

Der Beitrag entstammt der Zeitschrift “HUMANITÄT — Das Deutsche Freimaurermagazin”, Ausgabe 3-2019.

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Mannheimer Großlogentreffen mit kulturvollem Rahmenprogramm

Mannheimer Großlogentreffen mit kulturvollem Rahmenprogramm

Von Kanzlei Großloge A.F.u.A.M.v.D.

„Die Brüder haben ein sehenswertes Rahmenprogramm in der Stadt der Quadrate zusammengestellt“, fasst Br. Ralph Meixner, der Distriktmeister Baden-Württemberg, ­zusammen und ruft alle Brüder unserer Großloge auf: „Nutzt dieses Großlogentreffen für Begegnungen der Freundschaft und den persönlichen Gedankenaustausch mit Gleich­gesinnten, um neue Impulse mit nach Hause zu nehmen.“

Die Großloge A.F.u.A.M. von Deutschland lädt vom 29. bis 31. Mai zu ihrem Großlogentreffen nach Mannheim ein. Es findet unter dem Motto „Die Welt verändert sich dramatisch – und wir?“ im Jubiläumsjahr der Großloge statt, die ihren 70. Geburtstag feiert. Gemeinsam mit der Kanzlei der Großloge haben die gastgebende Loge „Carl zur Eintracht“ und der Distrikt Baden-Württemberg ein spannendes Rahmenprogramm für die drei Tage zusammengestellt.

Die 1756 gegründete Loge „Carl zur Eintracht“ ist die älteste aktive Freimaurerloge Baden-Württembergs. „Die Brüder unserer wie auch einiger verwandter Logen – wir sind die ‚Mutter‘ zahlreicher Logen in und um Mannheim – werden in bewährter Teamarbeit alles daransetzen, dass Ihr Euch in Mannheim wohlfühlen und ein gut organisiertes, schönes und erkenntnisreiches Großlogentreffen in Erinnerung behalten werdet“, verspricht der Mannheimer Meister vom Stuhl, Br. Alexander John.

Mittwoch, 29. Mai: Begrüßungsabend

Los geht es am Mittwochabend mit einem Empfang im Haus der Loge „Carl zur Eintracht“. Das gemütliche „Come together“ mit Speisen und Getränken wird von der Loge und dem Distrikt Baden-Württemberg organisiert. Brüder der Rhein-Neckar-Logen holen die Teilnehmer jeweils um 17.45 Uhr von den Hotels Dorint und Leonardo Royal ab und begleiten sie auf dem kurzen Spaziergang zum Logenhaus.

Das hat übrigens eine sehr eigenwillige Adresse, nämlich: L 9,9. Die hufeisenförmige Innenstadt Mannheims zwischen Rhein und Neckar ist nämlich als Gitter angelegt, wodurch die sogenannten „Mannheimer Quadrate“ entstehen. Die Bismarckstraße verläuft vor der Front des Schlosses und verbindet die Enden der Ringstraßenabschnitte miteinander. Dazwischen liegen rechtwinklig angelegte Straßenzüge, die bis heute keine Namen tragen. Die Häuser sind deshalb aus einer Kombination von Buchstabe und Zahl benannt. Das Logenhaus trägt somit die Nummer L9, 9. Die Planung dieses Straßennetzes geht auf Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz um 1600 zurück.

Donnerstag, 30. Mai, vormittags: Ausflug zum Schwetzinger Schloss und Park

Am Donnerstagmorgen steht – parallel zur Sitzung des Großlogenrates – für alle Gäste eine Fahrt zum Schwetzinger Schloss mit fachkundiger Führung durch Schloss und Park auf dem Programm. Das Schloss Schwetzingen diente vor allem den pfälzisch-bayerischen Kurfürsten Karl Philipp und Karl Theodor als Sommerresidenz. Besonders der Freimaurer Karl Theodor förderte die Aufklärung in seinem Land, empfing Voltaire und Mozart. Zwischen 1975 und 1991 wurde das Schloss restauriert und im Stil des 18. Jahrhunderts eingerichtet. Der Schlossgarten gliedert sich in einen französischen und einen englischen Teil, wobei zwischen dem „Garten der Allegorien“ und dem „Garten der Vernunft“ unterschieden wird. Zum „Garten der Vernunft“ zählen Minerva- und Merkurtempel, Moschee, Apollotempel, ein Tempel der Botanik, das römische Wasserkastell sowie das Arboretum, als jene Gartenteile, in denen im Sinne aufklärerischen Denkens die Vernunft gefeiert wird.

Die Abfahrt ist um 9 Uhr am Dorint Hotel. Die Führung dauert etwa zwei Stunden, die Rückkehr zum Dorint Hotel ist für 13 Uhr geplant.

Donnerstag, 30. Mai, nachmittags: Führung durch die Kunsthalle Mannheim

Um 14 Uhr beginnt dann für alle Brüder die Tempelarbeit im Lehrlingsgrad im Beethoven-Saal I und II des Dorint-Hotels. Für die Vorbereitung der Brüder sind die beiden Räume „Haydn/Orff“ und „Bach“ in unmittelbarer Nähe vorgesehen. Hier gibt es Ablagetische für Taschen.

Parallel dazu sind alle Gäste eingeladen, ab 15 Uhr an einer Führung durch die Kunsthalle Mannheim teilzunehmen. Sie prägt seit 110 Jahren das kulturelle Leben der Stadt. 1909 gegründet, ist sie eine der ersten Bürgersammlungen der Moderne weltweit. Das Spektrum der Ausstellung reicht von Édouard Manet bis Francis Bacon und setzt einen Schwerpunkt auf Skulpturen – von Auguste Rodin und Wilhelm Lehmbruck über Henry Moore und Marino Marini bis zu Mario Merz und Richard Long. Am 1. Juni 2018 wurde der Neubau des Museums mit seiner außergewöhnlichen architektonischen Struktur eröffnet. An das zentrale Atrium docken sieben individuell gestaltete Kuben an, die sich nebeneinander reihen, übereinander stapeln und ineinander verschränken. Dazwischen gibt es immer wieder Freiräume, die als Wege, Blickachsen und Dachterrasse dienen. Eine durchlässige Hülle aus Metallgewebe umhüllt die Kunsthalle und hält ihre Einzelteile formal zusammen.

Der Treffpunkt für einen kurzen Spaziergang zum Museum ist um 14.45 Uhr am Dorint-Hotel oder um 15 Uhr direkt an der Kunsthalle (Friedrichsplatz 4). Es ist eine Führung durch die Sonderausstellung „Henri Laurens – Wellentöchter“ und eine Sammlungs-Präsentation zur Architektur der Kunsthalle vorgesehen.

Donnerstag, 30. Mai, abends: geselliges Beisammensein im Technoseum

Ab 18.30 Uhr lädt die Großloge zu einem geselligen Beisammensein im Technoseum (Museumsstraße 1). Das Technoseum bietet Anschauuungsmaterial zur Industrialisierung des deutschen Südwestens in Geschichte und Gegenwart. Für Speisen und Getränke ist gesorgt und die „Blue Note Jazz Company“ liefert den angenehmen musikalischen Hintergrund mit einem Bogen von klassischem New-Orleans-Jazz bis zum eleganten Swing der 30er und 40er Jahre.

Der Weg zum Technoseum ist ein angenehmer Spaziergang von etwa 2,5 Kilometern Länge über die Mannheimer Kunstmeile. Auch diesmal werden Brüder der Rhein-Neckar-Loge die Gäste von den Hotels Dorint und Leonardo Royal abholen. Treffpunkt ist um 18 Uhr vor den jeweiligen Hotels.

Möglich ist auch die Fahrt mit der Straßenbahn (Linie 6 – vom Wasserturm zur Haltestelle Luisenpark/Technoseum) und es fährt ab 17.45 Uhr ein kleiner Pendelbus zwischen Dorint-Hotel und Technoseum. Die Rückfahrt ist zwischen 22 und 22.45 Uhr mehrmals im Pendelverkehr geplant. Die Kapazität ist leider begrenzt und sollte deshalb nur Gästen vorbehalten sein, die weniger gut zu Fuß sind.

Freitag, 31. Mai: Ausflug nach Heidelberg

Während am Freitagvormittag, ab 9 Uhr, das Großlogentreffen unter der Fragestellung „Die Welt verändert sich dramatisch – und wir?“ mit Vorträgen und Diskussionen zur Freimaurerei in einer veränderten Welt weitergeht, können Gäste an einem Ausflug ins nahe gelegene Heidelberg teilnehmen. Dort ist eine Stadt- und Schlossbesichtigung vorgesehen und ein gemeinsames Mittagessen im Alt-Heidelberger „Brauhaus Vetter“. Anschließend ist Zeit für einen individuellen Bummel durch die Stadt mit der ältesten Universität Deutschlands. Um 9 Uhr fährt der Bus ab Dorint-Hotel. Die Fahrt dauert etwa 30 Minuten. Für 15.30 Uhr ist die Rückkehr nach Mannheim geplant.

Anmeldung bis 25. März über die Kanzlei der Großloge

Anmeldungen zum Großlogentreffen 2019 in Mannheim sind über das an alle Stuhlmeister versendete Formular oder direkt über die Kanzlei der Großloge – kanzlei@freimaurerei.de – bis zum 25. März möglich.

Das Tagungshotel ist das Dorint Kongresshotel Mannheim am Friedrichsring 6. Es liegt im Zentrum Mannheims, unweit des Bahnhofs. Von dort sind es nur ein paar Schritte zur Einkaufsmeile und den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. So liegt eine der schönsten Jugendstilanlagen Europas gleich neben dem Wahrzeichen der Stadt, dem Mannheimer Wasserturm. Im Dorint-Hotel ist für die Teilnehmer des Großlogentreffens ein Kontingent von 120 Zimmern reserviert. Weitere 100 Zimmer sind im 300 Meter entfernten Leonardo Royal Hotel reserviert und können ebenfalls von den Teilnehmern abgerufen werden. Die Reservierung und Bezahlung der Zimmer wird von den Teilnehmern individuell vorgenommen und kann nicht über die Großloge erfolgen.

Wer nach dem offiziellen Ende des Großlogentreffens am Freitag noch weiter in Mannheim verweilen möchte, ist ab 18 Uhr herzlich eingeladen zum Ausklang-Dinner mit einem 4-Gänge-Menü und ausgesuchten Weinen in der „Badischen Weinstube Keller’s“ in Mannheim. Für maximal 40 Gäste ist die Teilnahme zum Preis von 45 Euro (inkl. Menü und Wein) möglich. Die Anmeldung erfolgt in diesem Falle bis zum 31. März über den Sekretär der Loge „Carl zur Eintracht“ unter der E-Mail-Adres­se sekretaer@carlzureintracht.de.

Der Beitrag entstammt der Zeitschrift “HUMANITÄT — Das Deutsche Freimaurermagazin”, Ausgabe 2-2019.

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Großlogentreffen 2019 in Mannheim

Wasserturm in Mannheim Foto domeckopol / pixabay

Das Großlogentreffen 2019 findet vom 29. bis 31. Mai in Mannheim statt und steht unter dem Motto "Die Welt verändert sich dramatisch — und wir?" Viele Besucher werden erwartet.

Die Großlogentreffen finden alle zwei Jahre in unterschiedlichen Orten statt. Anders als die ebanfalls alle zwei Jahre stattfindenen Großlogentage sind sie keine vereinsrechtliche Zusammenkunft, sondern konzentrieren sich einerseits auf Vorträge und Diskussionen zu Themen der Freimaurerei sowie auf Geselligkeit.

Das inhaltliche Thema dieses Jahres orientiert sich an einem Ausspruch des italienischen Schriftstellers Giuseppe Tomasi de Lampedusa “Die Welt verändert sich dramatisch — und wir?” In Lampedusas einzigem Roman “Der Leopard” geht es um die Frage der Anpassung an geänderte Verhältnisse. Viele Logen beschäftigen sich mit dem Wandel der Gesellschaft und mit der Frage, wie Freimaurer damit umgehen, etliche Beiträge auch auf dieser Website und in der Zeitschrift “Humanität” spiegeln die Fragen wider. In Mannheim will man sich einen ganzen Tag damit beschäftigen und auf die eine oder andere Frage Antworten finden.

"Unser diesjähriger Gastgeber und Ausrichter, die Loge "Carl zur Eintracht", ist die älteste Freimaurerloge im Rhein-Neckar-Raum. Seit dem Jahr 1756 ist sie gesellschaftspolitisch nicht mehr aus Mannheim wegzudenken. Das ständige Angebot zwischen Tradition und Moderne, Besinnlichkeit und Geselligkeit sowie Kultur und tagesaktuellen Themen ist täglicher Anspruch an alle Brüder."

Ralph Meixner, Distriktmeister Baden-Württemberg

Für die große Zahl an erwarteten Brüdern, Damen und Gästen haben die Organisatoren ein anspruchsvolles Programm geschnürt. So ist beispielsweise für Damen und Gäste eine Führung durch die Kunsthalle Mannheim geplant, die bereits seit mehr als hundert Jahren das kulturelle Leben in Mannheim prägt. 1909 gegründet ist sie eine der ersten Bürgersammlungen der Moderne weltweit. Deutschlandweit zählt sie mit Werken von Édouard Mant bis Francis Bacon und einen Skulpturenschwerpunkt zu den angesehensten bürgerschaftlichen Sammlungen der deutschen und internationalen Moderne bis zur Gegenwart.

Das Technoseum in der Museumsstraße bietet Anschauungsmaterial zur Industrialisierung des deutschen Südwestens in Geschichte und Gegenwart. In dieser Technikatmophäre treffen sich die Teilnehmer des Großlogentreffens zu einem geselligen Beisammensein, die “Blue Note Jazz Company” begleitet die Veranstaltung mit einer Zusammenstellung von New Orleans Jazz bis zum eleganten Jazz der Swing-Zeit.

Während die Brüder Freimaurer sich im Tagungshotel mit den Zukunftsfragen ihres Bundes beschäftigen, können die Damen und Gäste bei einer Führung durch die verwinkelten Gassen die vielen Facetten der Heidelberger Altstadt kennenlernen und mit der Berbahn hinauf zum Schloss fahren.

Detaillierte Informationen liegen jeder Loge bereits vor oder können bei der Kanzlei der Großloge unter kanzlei@freimaurerei.de angefordert werden. Anmeldungen sind bitte an die Kanzlei zu richten.

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Besuch eines Kinderdorfes in Peru

Dr. Ranko Pavlovic (im HIntergrund) besucht das Kinderdorf in Peru

Dr. Ranko Pavlovic (im HIntergrund) besucht das Kinderdorf in Peru

Im September 2017 überreichte die Darmstädter Loge “Johannes der Evangelist zur Eintracht” in Kooperation mit dem Rotary-Club Darmstadt und dem Freimaurerischen Hilfswerk der Geschäftsführerin der westfälischen Kinderdörfer einen Spendenscheck (wir berichteten). Ein befreundeter Freimaurer besuchte eines der Kinderdörfer in Peru und schilderte seine positiven Eindrücke. von Dr. Ranko Pavlovic (leicht gekürzt) “Am 2. Dezember 2017 hatte ich Gelegenheit, das Kinderdorf Westfalia in Lima, Peru, dank der Koordination von Ferdinand Rosenbauer, zu besuchen. Das Kinderdorf wurde 1983 von den Eltern der jetzigen Leiterin, Frau Liselotte Schrader-Woyke, gegründet. Derzeit werden dort 139 Kinder versorgt. Seit diesem Jahr hat das Kinderdorf eine staatliche Anerkennung zur Grundschulausbildung der eigenen Kinder erhalten. Angestrebt wird ein möglichst frühes Aufnahmealter, bevorzugt vor dem fünften bis sechsten Lebensjahr. Die Kinder werden überwiegend vom Familienministerium, der Staatsanwaltschaft oder anderen offiziellen Staatsorganen dem Kinderdorf angetragen. Es sind Straßenkinder, zuletzt auch zwei Babys, die auf der Müllhalde gefunden wurden. Die Kinder werden bis zum Abschluss einer Berufsausbildung bzw. eines Studiums betreut und sind verpflichtet, danach als Adoptivfamilie bedürftige Kinder des Kinderdorfes anzunehmen und selbst wieder bis zur Integration ins Leben zu versorgen. Ehemalige bleiben zeitlebens dem Kinderdorf verbunden und unterstützen es nach Kräften. Die Kinderdorfgemeinschaft wird von der Leiterin und dem ihr zugeordneten Gremium, dem auch ehemalige Kinder der Einrichtung angehören, betreut. Zum Team gehören Psychologen, Sozialpädagogen und viele Praktikanten, insbesondere aus Deutschland, die dort ihr Soziales Jahr leisten. Der Tages- wie auch der Jahresablauf ist klar strukturiert mit Bezug zu den Jahreszeiten und dem Kirchenjahr. Einbezogen sind vielfältige sportliche Aktivitäten, unter Einbeziehung des Kinderspielplatzes für die Kleinen. Mitarbeit zum Erhalt der Einrichtung und Mitarbeit im Gemüseanbau und bei der Versorgung von Haustieren, wie Ziegen, Hühner und unter anderem auch Schweinen sind in das Tagesprogramm integriert. Kunsthandwerkliche Tätigkeiten gehören zum Erziehungsprogramm. Projektbeschreibungen aus früheren Spendenaufrufen, u. a. des Rotary-Club Darmstadt-Kranichstein, wie Solar- und Wasserversorgunganlagen sowie Versorgungsgebäude und Sportanlagen wurden vor Ort bestätigt. Die Leiterin führt einen unermüdlichen Kampf mit der ausufernden staatlichen Bürokratie. Die gestrandeten Kinder  sind in der Regel namenlos, ohne Geburtsurkunde, amtlich nicht existent. Soziale Ausgrenzung und Ablehnung behindert die Integration der Kinder in weiterführende Bildungseinrichtungen. Peru ist ein Land, das reich an Bodenschätzen ist, mit einer reichen Elite, die sich der Not und dem Elend der eigenen Bevölkerung vielfach verschließt und durch Gestaltung der statistischen Präsentation der UNESCO-Auflage zur Armutsbekämpfung nur mit geringen Fortschritten zu genügen versucht. Der enorme Handlungsbedarf auf staatlicher Ebene kann nur mühsam durch Spenden kompensiert werden. Das Einzelschicksal der Kinder ist aber in der konkreten Notlage auf jede persönliche Spende angewiesen. Ich war von der wertvollen, von Nächstenliebe und Fachkenntnis geprägten Arbeit im Kinderdorf sehr beeindruckt und weiß, dass die diesjährige Spende der Darmstädter Loge „Johannis der Evangelist zur Eintracht“ dort der großen Kinderdorffamilie hilft zu überleben. Überzeugend war mein Eindruck, einem Kinderdorf begegnet zu sein, das als große Familie in bedrohlicher Umwelt die Herausforderungen des Überlebenskampfes liebevoll meistert.”
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