Uraufführung „Der Horla“ im Osnabrücker Logenhaus

Uraufführung der Kammeroper "Der Horla" von Patrice Oliva am 03.11.2018 im Lortzinghaus in Osnabrück

Im Tempel des Lortzinghauses Osnabrück wurde am vergangenen Samstag die Kammeroper „Der Horla“ von Patrice Oliva nach der gleichnamigen Novelle von Guy de Maupassant in französischer und deutscher Sprache uraufgeführt.

(Osnabrück/rm) In diesem Jahr jährte sich der Todestag Guy de Maupassants zum 125. Mal. Eine seiner wahrscheinlich persönlichsten und gleichzeitig rätselhaftesten Novellen ist der als Tagebuch verfasste „Horla“. Der Ich-Erzähler – spricht hier Maupassant von eigenen Ängsten und Erfahrungen? – verliert zusehends seinen Lebensmut und eigenen Willen.

So ist der Tagebuch schreibende und lesende Mann (Rhys Jenkins mit beeindruckender und doch leicht geführter Stimme) den ganzen Abend über auf der Bühne. Anfangs noch sorglos, den Blick aus dem Fenster genießend und zeichnend, verliert er doch schon bald seine Unbeschwertheit. Gerade sinnierte er noch über die Unzulänglichkeit der menschlichen Sinne, da erscheint ein zweiter Mann auf der Bühne: Jan Friedrich Eggers ersetzt das begonnene idyllische Aquarell auf der Staffelei durch eine leere Leinwand, die nunmehr zum Protokoll des fortschreitenden Willensverlustes wird. Er ist ebenfalls dieser namenlose, Tagebuch schreibende Mann, er liest die beklemmenden Passagen auf Deutsch während Rhys Jenkins in französischer Sprache singt. Spiegelbildlich sitzen sie sich auf der Bühne gegenüber, manchmal dieses andere Ich beobachtend, kaum interagierend und doch unlösbar miteinander verbunden, gefangen in den eigenen vier Wänden, ständig beobachtet und doch allein.

Die Versuche, aus dieser Eingeschlossenheit zu entkommen – die Konsultation eines Arztes, der Besuch einer Abtei auf dem Mont Saint-Michel (Arzt und Mönch: Genadijus Bergorulko) – scheitern. Zwar findet jeweils ein musikalischer Dialog statt, doch der Mann schafft es auch hier nicht, seinen Sessel zu verlassen.

Vergeblich versucht dieser Mensch, seinem Leiden zu entkommen, der Horla – oder er selbst? – lässt ihm keine Chance.

Der Osnabrücker Komponist Patrice Oliva hat die Musik zu diesem beklemmenden Psychogramm geschrieben: Eine emotionale, pulsierende Musik, die die Seelenzustände des Mannes greifbar werden lässt, nuanciert interpretiert von den elf Musiker und Musikerinnen des Kammerorchesters unter Leitung von Daniel Inbal.

Das Premierenpublikum spendete langen und herzlichen Applaus und diskutierte anschließend noch angeregt über den gerade erlebten Abend.

Weitere Vorstellungen: 24.11.2018 und 05.01.2019, jeweils 19:00 Uhr, Kartenvorverkauf über www.weber-musik-edition.de

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Osnabrücker Freimaurer öffnen Besuchern besonderen Raum

Ein Raum im Raum: Die symbolische Stille Kammer

Auch in diesem Jahr öffneten die Osnabrücker Freimaurer im Rahmen der alljährlichen Osnabrücker Kulturnacht am 25. August 2018 für einen Abend ihr Logenhaus der Öffentlichkeit. Über 250 Besucher nutzten die Möglichkeit, sich in einer symbolischen Stillen Kammer grundsätzliche Fragen zu stellen.

(Osnabrück/ck) Ein besonderer Höhepunkt der Loge zum Goldenen Rade war die erneute Teilnahme an der Osnabrücker Kulturnacht am 25. August 2018. Das vom städtischen Kulturbüro vorgegebene Motto der diesjährigen Veranstaltung war der „Raum“ und so öffneten dutzende Kulturträger, Museen, Ateliers, Vereine und sonstige Institutionen des öffentlichen Lebens einen Abend lang ihre Pforten für die Öffentlichkeit, um sich mit dem Leitmotiv „Raum“ künstlerisch auseinanderzusetzen.

So ergab sich die Gelegenheit, der Öffentlichkeit einen sehr speziellen freimaurerischen Raum etwas näher zu bringen, der immer schon geheimnisumwoben war und gleichzeitig so oft wie kein zweiter porträtiert wurde: die Stille Kammer.

Dabei ging es nicht darum, eine Hausführung anzubieten (was nicht geschah), sondern sich dem Kern einer stillen Kammer symbolisch zu nähern. Zentraler Baustein war also ein Würfel mit 2,5 Meter Seitenlänge, der nur aus den Kanten bestand und somit einsehbar war. Ein Tisch, ein Stuhl, musivisches Pflaster als Untergrund und das bekannte Vanitas-Stillleben auf dem Tisch komplettierten die Installation und schufen einen Raum im eigentlichem Raum, dem großen Saal des Osnabrücker Lortzinghauses.

Jeder Besucher bekam durch ausgehängte schriftliche Erläuterungen vor Betreten der Installation die Handlungsempfehlung, er solle den Saal betreten, sich an den Rand setzen, den Kubus betrachten, sich vorstellen, er säße auf dem Stuhl und sich dann fragen, wer er selber sei, was ihm wichtig sei und was er noch erleben möchte.

Das Konzept ging perfekt auf und fast alle Besucher verharrten lange Minuten in tiefen Gedanken versunken und die würdevolle Atmosphäre aufsaugend auf ihren Plätzen. Sie beschäftigten sich dabei implizit mit einem Kern der Freimaurerei, dem “Erkenne Dich selbst”, ohne dass man es Ihnen explizit erklären musste oder irgendein Arkanum verriet.

Hinter dem Ausgang des Saals war ein kleiner Get Together Bereich aufgebaut und mehrere Brüder und Schwestern standen bei Wein, Wasser und Grissini für Rückfragen jeder Art zur Verfügung. Es entwickelten sich unzählige spannende Konversationen und die Rückmeldungen der Besucher waren uneingeschränkt positiv. Wieder einmal zeigte sich, dass lokale Logen durch ein maßvolles und zugleich würdevolles Öffnen und Erklären Ihrer Inhalte sehr viel für eine positive Wahrnehmung in der Öffentlichkeit tun und wie selbstverständlich als kulturelles Prisma einer Stadt wirken können.

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Freimaurerei – nach 300 Jahren erstarrt oder zukunftsfähig?

Prof. Dr. Klenke, Universiät Paderborn

Am Donnerstag, 14. Juni, um 20 Uhr referiert Prof. Dr. Dietmar Klenke von der Universität Paderborn im Osnabrücker Lortzinghaus zum Thema „Freimaurertum – nach 300 Jahren erstarrt oder zukunftsfähig?“.

Sind Freimaurer als verschwiegene Gemeinschaft in einer modernen, offenen Gesellschaft überhaupt noch zukunftsfähig oder braucht im Gegenteil der moderne Mensch im hektischen Smartphone-Zeitalter nicht Rückzugsorte der Selbstbesinnung ? Ist ein hohes Alter von 300 Jahren, ausgehend von den englischen Ursprüngen, nicht eher muffiger Traditionsballast in einer Zeit beschleunigter globaler Vernetzung oder fühlen sich gerade die Freimaurer als internationale Gemeinschaft mit humanitärem Anspruch gefordert, über Fremdheitsgefühle und Feindbilder hinweg Brücken der Verständigung zu schlagen? Im Lichte dieser Fragen lässt ein Vortrag des Paderborner Geschichtsprofessors Dietmar Klenke 300 Jahre Freimauerei Revue passieren und zieht Bilanz mit Blick auf unsere heutigen Herausforderungen.

Herr Prof. Dr. Klenke hat an der Universität Paderborn einen Lehrstuhl für neueste Geschichte inne.

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Kosmopolitismus im 21. Jahrhundert

Der Referent Prof. Niederberger (Foto. Uni Duisburg/Essen)

Der Referent Prof. Niederberger (Foto. Uni Duisburg/Essen)

„Einen spannenden, wenn auch sicherlich anspruchsvollen Abend“ in der Vortragsreihe zum Thema “Globalisierung” versprach der Meister vom Stuhl Matthias Baethge den zahlreich erschienen Zuhörern und er sollte in jeder Hinsicht Recht behalten.

(Osnabrück/rm) Der Duisburger Universitäts- und Philosophieprofessor Andreas Niederberger spannte in dem rund 90-minütigen Vortrag nebst Diskussion einen Bogen von Diogenes, dem ersten Kosmopoliten, der sich selbst Weltbürger nannte, bis ins 21. Jahrhundert, in dem der US-Amerikanische Präsident von „America First“ spricht, die Briten den Brexit umsetzen und der Nationalismus immer stärker wird.

Andreas Niederberger stellte die Grundlagen des Völkerrechts dar, die Francisco de Vitoria schon Anfang des 16. Jahrhunderts vertrat, um den Spaniern den Handel in Südamerika zu ermöglichen und damit dem Kolonialismus die Türen öffnete. Geschwindigkeit nahm der Kosmopolitismus zwischen 1980 und 2010 auf und stellte die „globalen Hilfspflichten“ des australischen Philosophen Peter Singer dar, der die Pflicht zur Hilfestellung fordert, sofern dem keine Eigengefährdung entgegensteht. Die sodann präsentierte Theorie der „global gerechten Verteilung“ blieb Theorie. Niederberger selbst propagierte die Variante der „transnationalen Demokratie“, nach der alle das Recht haben, darüber zu entscheiden, welche Verteilungsprinzipien und Ansprüche gelten. Seine Definition: „„Global kommt jedem grundsätzlich normative Autorität zu“; jeder Mensch bestimmt also über geltende Normen mit und setzt damit jeglichen Populisten klare Grenzen. Jede Entscheidung bedarf also eines Konsenses. Nach dem kalten Krieg war Kosmopolitismus in aller Munde und im Rahmen der Euroeinführung erneut. Gerade hier, kritisierte Niederberger, hat die Politik in Europa eine Riesenchance verpasst. Sie hätte damals eine europäische Sozialpolitik einfordern sollen, statt weiter nationalstaatlich verankert zu sein. Die aktuelle Debatte in der EU, die als Überwindung der Nationalstaaten gefeiert wurde, zeigt doch die Bedeutung des Kosmopolitismus, gerade in der Zeit von Eurokrise und Brexit.

Passender hätte Niederberger seinen Vortrag kaum halten können, als die Gleichberechtigung aller Menschen in den Vordergrund zu stellen, damit hat Niederberger den Freimaurern aus der Seele gesprochen. Kosmopolitismus ist philosophisch-politisch eine Weltanschauung, die den ganzen Erdkreis als Heimat betrachtet. Dass Philosophie an vielen Stellen ein Wunsch bleibt und nicht immer in die Realität umzusetzen ist, das hat sich aber auch an diesem Abend deutlich gezeigt.

„Das Kosmopolitismus mehr ist, als die Möglichkeit viele Länder zu bereisen war mir klar, dieser Umfang von Philosophie, Rechtssystematiken gepaart mit freimaurerischen Gedanken und Werten hat mich aber sehr beeindruckt“, zog Matthias Baethge am Ende des Abends ein Fazit. „Es war herausfordernde Kost aber sie war hervorragend dosiert und gut verträglich, Professor Dr. Andreas Niederberger sei Dank“, so Baethge zum Abschluss und sprach damit den Brüdern und allen Gästen aus dem Herzen.

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Lesereise des Osnabrücker Theaters im Lortzinghaus

Schande II

Die Loge „Zum Goldenen Rade“ in Osnabrück öffnete erneut die Türen des Lortzinghauses für die Öffentlichkeit. Die Zusammenarbeit zwischen der Loge und dem Theater ist mittlerweile Tradition und Institution zugleich, so Matthias Baethge, Meister vom Stuhl.

(Osnabrück/rm) Im Rahmen der Lesereise des Theaters legte „Schande“, ein Roman des südafrikanischen Schriftstellers und Literaturnobelpreisträgers John Marie Coetzee, als dritte Station einen Halt im Osnabrücker Logenhaus ein. Die beiden Schauspieler Marie Bauer und Andreas Möckel brillierten in ihrer, zum Teil in Dialogform vorgetragenen, Darbietung.

„Schande“ hat neben einem Bezug zu Afrika, wo der Hauptdarsteller und seine Tochter Lucy auf einer Farm in einer südafrikanischen Provinz leben, einen deutlichen Bezug zur Gegenwart.

In diesem Teil der Lesung werden die Beiden Opfer eines Raubüberfalls. Konfliktpositionen auf Grund einer nicht angezeigten Vergewaltigung sind vorprogrammiert und führen uns durchaus an den Rand einer #MeToo-Debatte. Lucy nimmt in diesem Teil ihre Opferrolle nicht hin und sagt auch nicht als Zeugin vor Gericht aus, da sie sich in ihrer privaten Angelegenheit nicht öffentlich erklären möchte. Die in sich gekehrte Tochter, die ihre Scham nicht zum Sieg der Täter erklären möchte, wird von ihrem gerechtigkeitsfordernden Vater nicht verstanden.

Parallelen zur Freimaurerei sind durchaus in diese Lesung zu interpretieren. Sind auch wir nicht oft in uns gekehrt, schirmen wir uns als Ganzes zu sehr von der Außenwelt ab? Nur der Einzelne, der durch die Arbeit an sich selbst einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft nimmt, bewegt damit auch unsere Gesellschaft zum humanitären Handeln. So ist unsere Arbeit gleichermaßen richtig und wichtig, wie die ehrbare Zielsetzung von Lucy, der Protagonistin.

Die Zuschauer im Lortzinghaus staunten nicht schlecht, als das Programm durch die musikalische Darbietung von Celso Durao aus der mosambikanischen Hauptstadt Maputo abgerundet wurde. Durao spielte auf zwei selbstgebauten afrikanischen Instrumenten. Der Timbilia, einem Percussion-Instrument ähnlich eines Xylophons und der M`bira, einem Zupfinstrument mit großem Resonanzkörper, beide von erstaunlicher Effektivität.

Das Zusammenspiel von Lesung und Musik erinnert an unsere ureigene Arbeit im Tempel, so Matthias Baethge, wenn der Musiker seine Werkzeuge noch selbst baut, so zeugt auch dies von einer besonderen Tradition und auch damit können wir uns bestens identifizieren. Das Öffnen unseres Logenhauses gerade in Kooperation mit dem Theater, hat unserer Loge sehr gut getan, so Baethge, immer wieder haben wir auch auf diesem Weg neue Gäste gefunden, von denen sich einige als Suchende herauskristallisiert haben. Wir werden diesen Weg fortsetzen und freuen uns auf viele weitere Veranstaltungen im Lortzinghaus.

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