Zukunft — Quo vadis?

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Unser Gastautor Fritz Bründer hat sich anlässlich eines Vortrages in der Hoyaer Loge “St. Alban zum Æchten Feuer” mit den Zukunftsfragen “Was ist morgen? Was bringt mir die Zukunft? Wie wird das Wetter? Wie alt werde ich? Bleibe ich gesund?” beschäftigt, die eine rege Diskussion auslösten.

Alles Fragen in die Zukunft; Fragen, die wir gerne beantwortet haben möchten, die aber keiner beantworten kann. Und das ist gut so, sonst würde es Menschen geben, die mit Geld und Gewalt diese Fragen für sich positiv beantworten würden.

Der Mensch sehnt sich nach Sicherheit und Komfort. Arbeit ist für viele ein lästiges Übel. Sie vergessen dabei, dass Arbeit und Leistung etwas sehr Gutes sind. Es ist eine Gnade, wenn wir arbeiten können und etwas schaffen, das erhöht unser Selbstwertgefühl und gibt uns die Würde und Achtung für und in unserem Leben und fördert die Wahrheit für den Verstand. Weiter gehört zu unserer Zukunftsfähigkeit und zu unserem Dasein genügend Luft, Wasser, Nahrung, Kleidung und Wohnung, ausreichende Bewegung, Erziehung und Ausbildung. Das alles sind entwicklungswichtige Ziele. Junge Menschen müssen ständig durch praktische Übungen wie Selbstbeherrschung, Menschenliebe, Umsicht, Tatkraft, Ordnung, Sauberkeit, Pünktlichkeit und Verlässlichkeit ausgebildet werden. Die Führenden in Politik und Wirtschaft und auch Kirchen müssten für unfähige und bewusst lebenswichtige Entscheidungen und Handlungen zur Rechenschaft gezogen und haftbar gemacht werden. Damit wäre eigentlich schon alles gesagt – aber es geht noch ein bisschen weiter.

Der Strukturwandel oder die Globalisierung sind in unserem Leben feste Größen. Aufgeregte Diskussionen lohnen nicht. Das Problem ist, dass wir nicht mehr für alle Menschen auf dieser Welt genügend Arbeit haben, und zwar geht es um die bezahlte und bezahlbare Arbeit. Es wird immer wieder Menschen geben, die bereit sind für weniger Geld die gleiche Leistung zu erbringen. Ein Personalwechsel wird aber oft durch Tarifkartelle verhindert. Zunächst ist das richtig. Temporären Entwicklungen läuft das aber entgegen, da der jetzige Stelleninhaber immer mehr Prozentanteile seines Einkommens mit den Erwerbslosen teilen muss. Eine Umverteilung von Leistung und Entgelt und Nichtleistung und Entgelt sichert daher im Moment den sozialen Frieden in unserer Gesellschaft. Also zukünftig Lohn runter und ohne Arbeit kein Lohn?

Ein weiterer Gedanke. Politiker erzählen vor der Wahl, nach der Wahl wird Alles besser. So lügt sich fast jeder an die Spitze. In Europa sind die Staaten zu Reparaturbetrieben des Kapitalismus verkommen; wie lange geht das noch gut? Wirtschaftswundergeschichten schreiben andere. China ist ein neuer Industriegigant, der Rohstoffe und Investitionskapital ansaugt und so zur „Fabrik für die Welt“ heranwächst – unter Missachtung des einzelnen Menschen. Eine Arbeitsteilung zwischen den Staaten ist nicht durchführbar, d.h. jeder produziert und exportiert das, was er am besten kann – der eine Wein, der andere Soja und veredelte Textilien und so weiter. Die Globalisierung hat diese Idee längst entscheidend verändert, weil ehemalige Dritte-Welt Staaten sich mit diesem Status nicht abfinden wollen. Sie wollen nicht nur Grundstoffe verkaufen, sondern auch daraus veredelte Produkte.

Die einstigen Technologieführer müssen neue Produkte und effizientere Fertigungsverfahren entwickeln, damit sie im Wettbewerb nicht zurückfallen und verarmen. Sie müssen eine innere Dynamik entwickeln, sparsam wirtschaften und nicht mehr Geld ausgeben als sie haben. Die besten Bedingungen für einen kreativen Wettbewerb und eine kreative Entwicklung ist nur zwischen kleinen Einheiten, also zwischen den einzelnen Ländern, möglich; ähnlich wie inhabergeführte Geschäfte oder Unternehmen, die wie in manchen Weltunternehmen den Erfolgsleidensdruck kennen. Die deutsche Wirtschaftsgeschichte ist dafür der beste Beweis. Das hohe Ansehen – „Made in Germany“ – ist ein Prestige, auf das alle stolz sein können, die daran ein Jahrhundert mitgearbeitet haben. Mit diesem Pfand kann man wuchern. Er darf nicht ersetzt werden durch ein „Made in Europa“.

Bei alledem dürfen wir nicht vergessen, dass wir in einer endlichen Welt leben und unser Leben endlich ist. D.h. die natürlichen Ressourcen unserer Welt sind begrenzt, wir müssen damit haushalten. Ein richtiger Weg ist die Produktion von Transgenik – weniger Pflanzen unter strengem Controlling. Künstliche Chemie – Nutzung der natürlichen Abwehrkräfte der Pflanze. Das schont die Umwelt und fördert die Ansiedlung von Tierarten und Pflanzen, die vorher durch die Chemie dezimiert worden sind. Dieses Beispiel zeigt uns auch, wie wichtig die Wissenschaft im Allgemeinen und die technische Entwicklung im Besonderen für die Menschheit ist. Diese Entwicklungen sind wiederum nur von Großunternehmen zu leisten und auch möglich, da viele Konzerne mit ihren Gewinnen nicht Produktives anzufangen wissen. Man bedenke: Um die 360 Milliarden Euro lagern in der Karibik.

Marktwirtschaftler gehen in ihren Theorien immer nur von Konsum und Nachfrage aus. Hoher Verdienst des Konsumenten bedeutet hohe Nachfrage nach Konsumgütern, das wiederum heißt hohe Produktionswerte von Konsumartikeln. Ist die Nachfrage gering, muss dann der Saat eingreifen und den Konsum anheizen. Dazu braucht er Geld, das er meistens nicht hat. Also leiht er sich Geld – ein Teufelskreis. Bisher hat dieses System funktioniert, weil wir noch genügend Ressourcen haben und wenig Wohlhabende auf Kosten vieler Unvermögender leben. Das Ende der Ressourcen und das Ende des Stillhaltens der Ärmeren kommt mit zunehmender Globalisierung immer näher. Diese Hypothek für unsere Kinder wird immer größer, wie auch die Zahl der Menschen beständig wächst.

Eine Lösungsmöglichkeit ist die sinnvolle Information des Einzelnen über andere Länder und Kulturen und über die absolute Endlichkeit unserer natürlichen Ressourcen. Parallel dazu müssen wir mehr in die Bildung der Menschen investieren. Nur kluge Menschen mit Lebenserfahrung sind in der Lage, die tägliche Situation zu definieren und zu verstehen. Politiker sind dazu in der Regel ungeeignet, weil sie meistens nur Machtbesessen sind, dies aber in Abrede stellen!

Die Frage ist nämlich, ob unsere Industriegesellschaft der Macht; die sie in der Natur gewonnen hat, sittlich, geistig und politisch gewachsen ist. Wenn nicht, könnte sich das deutsche Märchen vom armen Fischer und seiner Frau wiederholen, als das Drama unserer Industriegesellschaft: Aus der Hütte in das Häuschen, vom Häuschen in den Palast, vom Palast auf den Königsthron, vom Königsthron auf den Stuhl vom Papst. Wer diesen Weg hinter sich hat, wird schließlich auch noch die Macht des Schöpfers für sich haben wollen. Dann aber führt dieses Wachstum an den Ausgangspunkt zurück, sofern es den dann noch gibt. Was wir brauchen ist ein Gemeinschaftsgefühl aller Menschen dieser Erde, ohne dieses Gefühl haben wir alle keine Zukunft.

Bedenken wir, das Kapital hat einen Horror vor wenig oder keinem Profit. Mit Profit erwacht das Kapital:  bei 10% Profit wird es noch mal sicher,  bei 20% lebhaft,  bei 50% positiv waghalsig,  bei 100% stampft es die menschlichen Gesetze unter seinen Fuß, bei 300% gibt es kein Verbrechen, da es nicht existiert und als allgemein gültig angesehen wird. Aber im Moment geht die Entkopplung des Geldsystems von der realen Wirtschaft fröhlich weiter. Das Feuer heutiger Staatsfinanzen wird nicht mit Wasser gelöscht, sondern mit dem Brennstoff, der auch Finanzkrisen auslöst – mit geliehenem Geld. Die Ungleichheit geht weiter, der sogenannte Gini-Koeffizient sagt: Er liegt bei null, wenn Alle das Gleiche verdienen und steigt auf hundert, wenn einer das gesamte Einkommen kassiert und alle Anderen leer ausgehen. Seit Mitte der 80erJahre nahm er zu von 29% auf 32%. Es gibt kaum ein Land, in dem in diesem Zeitraum bis heute die Ungleichheit zurückgegangen ist.

Ziel unseres Handelns als Freimaurer muss es sein, nach einem Vernunftgesetz von Schröder zu handeln: Wahrheit für den Verstand, Recht für den vernünftigen Willen, Bruderliebe für das Herz oder die gesellige Neigung. Auf diesen Zweck, ehrliche Leute aus Überzeugung zu vereinigen und zu bilden, muss die Freimaurerei sich einschränken. Wir sind Menschen, weiter nichts; wir kennen keine Würde, als die, der Mensch sich selbst gibt.

Abschließend: Wir brauchen keine Wissenschaftler, die sagen: Wir haben die Fakten geliefert. Wir brauchen keine Politiker, die sagen: Wir haben die Fakten gehört.

Wir brauchen Menschen mit Moral!